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	<title>Philologie Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>Philologie Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Neues vom Kindermund</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Apr 2026 16:57:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Sprachstörung So ärgerlich die Verspätungen bei der Bahn sind, es gibt etwas, was in der Regel noch abscheulicher ist: verspätete (oder ausfallende) Flüge. Doch darüber wird längst nicht so viel gejammert. Kein Wunder: es handelt sich dabei ja auch &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2026/04/07/30062/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>betr.: Sprachstörung<br><br>So ärgerlich die Verspätungen bei der Bahn sind, es gibt etwas, was in der Regel noch abscheulicher ist: verspätete (oder ausfallende) Flüge. Doch darüber wird längst nicht so viel gejammert. Kein Wunder: es handelt sich dabei ja auch um ein „Delay“ und nicht um eine schnöde Verspätung. Das klingt sexy und verletzt nicht.<br>Überhaupt klingt auf Englisch alles viel netter bzw. hinnehmbarer.<br>Auch deshalb besteht ein Großteil der Jugendsprache aus Anglizismen. Die doofsten und sinnlosesten davon bleiben im Sprachgebrauch der Erwachsenen hängen, während die Kiddies schon wieder an den nächsten Sprachverrenkungen arbeiten.<br><br>Jetzt (für mich) neu: <strong>„Alpine divorce“</strong> ist der amtliche Begriff, wenn Männer ihre Frauen in der Wildnis zurücklassen. Die „Alpine Scheidung“ muss ein gefühltes Massenphänomen sein, sonst würde sich niemand die Mühe gemacht haben, sich ein derart putziges Wort für eine so bösartige alltags- und lebensfremde Verhaltensweise zurechtzuübersetzen. Auch der Hashtag <strong>#alpinedivorce</strong> legt das nahe.<br>Ursprung dieser Formulierung sei die gleichnamige Kurzgeschichte von <strong>Robert Barr</strong> aus dem Jahr 1893. Darin stößt ein Mann seine Ehefrau in eine Schlucht, um seinen Junggesellenstatus wieder herzustellen.<br>Auch darin blitzt bereits die hämische Unterstellung auf, das Fliegen sei dem Bahnfahren vorzuziehen. In diesem Falle dem Berg-und-Talbahn-Fahren …</p>
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		<title>Angebote an den Volksmund</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Mar 2026 16:29:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Verkaufsfernsehen von Tele 5 habe ich heute morgen ein neues Wort aufgeschnappt, das zwar spontan einleuchtet, aber dann doch nicht funktioniert. Beim Anpreisen eines Verjüngungsproduktes (gegen Lach- und Stirnfalten und noch Schlimmeres) war von „Marionettenfalten“ die Rede. Das Wort &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2026/03/07/marionettenfalten/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2026/03/07/marionettenfalten/">Angebote an den Volksmund</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Im Verkaufsfernsehen von <strong>Tele 5</strong> habe ich heute morgen ein neues Wort aufgeschnappt, das zwar spontan einleuchtet, aber dann doch nicht funktioniert. Beim Anpreisen eines Verjüngungsproduktes (gegen Lach- und Stirnfalten und noch Schlimmeres) war von „Marionettenfalten“ die Rede. Das Wort<strong> „Merkel-Falten“</strong> wurde gleich noch hinterhergeschickt, um eventuelle Irritationen glattzubügeln.<br>Die tiefen Falten, die ein reifes Gesicht ausbildet, um die Innenseiten seiner Hängebacken vom Rest zu trennen, sind mit „Marionettenfalten“ nicht hilfreich umschrieben. Nur gerontische Marionetten haben dieses Problem, also ein geringer Prozentsatz. Die markankten Mundwinkel-Vertiefungen, die hier beschworen werden, zeichnen eine andere Gattung aus: die Bauchredner-Puppe. Auch beim klassischen Nussknacker ist dieses Merkmal nicht zu vermeiden.<br>Einerseits ist der Volksmund immer fröhlich dabei, wenn er einen Tipp bekommt, wie sich unsere Muttersprache weiter verunstalten lässt, aber der erwähnte Ausdruck ist kein Anglizismus und somit ziemlich uncool.<br>Ich behalte die Sache im Auge.   </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2026/03/07/marionettenfalten/">Angebote an den Volksmund</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Warum wir Anglizismen nicht loswerden</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Nov 2025 15:33:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkunde]]></category>
		<category><![CDATA[Medienphilosophie]]></category>
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		<category><![CDATA[Anglizismen]]></category>
		<category><![CDATA[Der Paketzusteller]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Schuberth]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anglizismen werden fast so gerne sinnlos beklagt und verteufelt wie Bürokratie. Der Ärger über sie wird nicht kleiner, weil es neben der komplett sinnlosen Variante (Begriffe, die man genausogut auf Deutsch ausdrücken könnte) auch Bezeichnungen gibt, die etwas Neues Bezeichnen, &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/11/26/29156/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/11/26/29156/">Warum wir Anglizismen nicht loswerden</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p><em>Anglizismen werden fast so gerne sinnlos beklagt und verteufelt wie Bürokratie. Der Ärger über sie wird nicht kleiner, weil es neben der komplett sinnlosen Variante (Begriffe, die man genausogut auf Deutsch ausdrücken könnte) auch Bezeichnungen gibt, die etwas Neues Bezeichnen, das tatsächlich woanders entwickelt wurde und dessen internationale Bezeichnung uns daran erinnert, wie gut die Bundesrepublik inzwischen in vielerlei Hinsicht vom Rest der Welt abgehängt wurde. Daneben könnten uns Wörter wie „Handy“ nachdenklich machen, die englisch klingen, aber wiederum eine deutsche Erfindung sind. <strong>Richard Schuberth</strong>* hat die erste Variante beschrieben, eingeordnet und noch weitere Auswüchse aufgespürt:</em></p>



<p>Kulturell hat die angelsächsische Welt längst ihre Leitfunktion, niemand mehr hält (…) UK und (…) USA für cool und nachahmenswert. Englisch oder zumindest englisch klingende Begriffe als Prestigewert jedoch sind Selbstläufer und offenbaren die vierfache Zombiehaftigkeit der Menschen. Erstens reproduzieren sie stumpfsinnig den Fetisch des coolen Fachbegriffs; zweitens übertreiben sie in ihrem Sprachgebrauch geradezu jenes Prinzip parodistisch, dass sich die jeweils größte Konformität am nonkonformistischsten vorkommt und die jeweils letzten Schreie konzertierte Kanons sind; drittens offenbart es die Lust auf Herdenintelligenz, solange nur die Illusion aufrechterhalten bleibt, man wäre der Leithammel oder zumindest die Avantgarde-Herde, die der restlichen über die Abbruchkante vorausspringt; viertens – weniger zombiehaft als sehr menschlich – der Klangzauber, der magische Glaube, durch den banalen englischen Begriff statt eines banalen deutschen im Besitz besonderer Macht zu sein, der Macht, auf dem Wellenkamm der allerneusten Trends zu surfen, auf Augenhöhe mit den neuesten internationalen Entwicklungen. Ich rede nicht von Eindeutschungen englischer Idiomatik wie „Sinn machen“ (to make sense) oder dem noch ulkigeren „sein Hirn nicht darum wickeln können“ (I can’t wrap my brain around). Ihre volle Komik entfalten englische Angeberverben, wenn sie in deutschen Sätzen als Partizip Perfekt auftauchen: „Ich wurde gedisst!“, „Er hat mich gemansplaint!“, „Ich habe sie gegaslighted.“ (…) Es gleicht den Kindern, die Fantasie-Englisch brabbeln, weil sie spüren, wie viel eingebildete Souveränität die Erwachsenen aus der nackten Phonetik dieser Sprache ziehen. So parodieren sie die Eigenparodie der Erwachsenen mit tierischem Ernst.<br><br>_______________<br><br>* Das neue Buch des Wiener Schriftstellers und Kulturwissenschaftlers Richard Schuberth <strong>„Der Paketzusteller“ </strong>ist gleichermaßen Bildungsroman wie Gesellschaftssatire. Seine wenig sympathische Protagonistin, die Facebook-Queen Gerhild, propagiert in ihrem digitalen Salon die totale Social-Media-Präsenz und beherrscht den digitalen Überlebenskampf. In analogen Dingen sieht die Sache allerdings anders aus …<br>Richard Schuberth, geboren 1968 in Ybbs a.d. Donau, lebt in Wien, wo er u.a. als Romancier, Essayist, Cartoonist und Songwriter in Erscheinung tritt. 2021 erhielt er den Theodor Kramer Preis für Schreiben im Exil und Widerstand.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/11/26/29156/">Warum wir Anglizismen nicht loswerden</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Ghosting</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Nov 2025 19:35:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Monty Arnold - Biographisches]]></category>
		<category><![CDATA[Philologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich klein war, las ich einen Eintrag ins Poesiealbum, den meine Mutter einst von ihrem Bruder, meinem Onkel Pauli, erhalten hatte. Da stand sinngemäß: „Eine Freundschaft, die zerbricht, hat nie bestanden. Auch nicht, als sie zu bestehen schien.“Ich fand &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/11/17/29097/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/11/17/29097/">Ghosting</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p>Als ich klein war, las ich einen Eintrag ins Poesiealbum, den meine Mutter einst von ihrem Bruder, meinem Onkel Pauli, erhalten hatte. Da stand sinngemäß: „Eine Freundschaft, die zerbricht, hat nie bestanden. Auch nicht, als sie zu bestehen schien.“<br>Ich fand diese Ansage (sicherlich ein kluges, altes Zitat) sehr beeindruckend und hoffte, sie möge nicht wahr sein. Bis heute bin ich mir da nicht ganz sicher. Aber in Zeiten, in denen dem „Ghosting“ schon ein eigener Anglizismus zuerkannt wird, sollte man da vielleicht nicht so streng sein. Das wortlose Abtauchen aus einer Verbindung / Beziehung / Freundschaft / Bekanntschaft war schließlich noch nie so leicht wie in unserer Ära der sozialen Medien.<br>Eine andere Beobachtung habe ich jedoch gemacht, die ich heute (gut formuliert) ins Poesiealbum schreiben würde, wenn es dergleichen noch gäbe: Wer ghostet, der ist nicht umzustimmen. Das klärende Gespräch, das sich viele Sitzengelassene zum Abschied wünschen, wäre reine Zeitverschwendung. Es würde sich richtiger anfühlen, aber es würde nichts ändern. Um ist um.</p>
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		<title>Wo unser Humor herkommt</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Jan 2025 17:27:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchauszug]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kabarett und Comedy]]></category>
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		<category><![CDATA[Britischer Humor]]></category>
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		<category><![CDATA[Schadenfreude als Wesen der Komik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie kam der Begriff Humor zu seiner heutigen Bedeutung? Zunächst ist „Humor“ das lateinische Wort für Feuchtigkeit (amid = trocken, humid = feucht). Die Mediziner der Antike führten es auf die Mischung seiner Körperflüssigkeiten – Blut, Galle, Schleim – zurück, &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/01/17/27154/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/01/17/27154/">Wo unser Humor herkommt</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p>Wie kam der Begriff Humor zu seiner heutigen Bedeutung?<br><br>Zunächst ist „Humor“ das lateinische Wort für Feuchtigkeit (amid = trocken, humid = feucht). Die Mediziner der Antike führten es auf die Mischung seiner Körperflüssigkeiten – Blut, Galle, Schleim – zurück, wie der Mensch aussah, welche Krankheiten ihn befielen, welches Temperament er entwickelte (von „temperare“ für „mischen“). Demnach verdankte der Sanguiniker seine Fröhlichkeit und Unbeschwertheit dem Blut, während beim Phlegmatiker der Schleim überwog. Das Element der Psychologie fehlte noch in dieser Überlegung. Im Sprachgebrauch des Mittelalters hatten sich die vier Temperamente ausdefiniert: Sanguiniker – Melancholiker &#8211; Phlegmatiker –Choleriker. Auch außerhalb der medizinischen Terminologie verstand man unter einem Sanguiniker einen aktiven, kontaktfreudigen Menschen, der oft und gern lachte.<br>Der englische Literat <strong>Ben Jonson</strong> (1572-1637) brachte den Begriff „Humor“ in diesen Zusammenhang zurück. Er versuchte in seinen Komödien zu ergründen, warum in seinem Land so viele <strong>Exzentriker</strong> lebten. Das waren z.B. Leute, die sonntags in den Tower gingen, um sich an den dort eingesperrten Geisteskranken zu ergötzen, ihren Gebärden und Verhaltensweisen. Die Ausgelachten wurden als „Humoristen“ bezeichnet: das waren jene, welche sich – unfreiwillig – dem Gelächter ihrer Betrachter aussetzten. Als Erklärung für ihr albernes Betragen galt der Überschuss am zuständigen Körpersaft (Humoris). Von dort ging der despektierliche Begriff auf den <strong>„Man Of Humour“ </strong>über: auf den Bürger, der das Verhalten anderer im Alltag parodierte, um sich über sie lustig zu machen.<br>Solch ein Humorist ließ sich nun freiwillig auslachen. Doch seine Parodien konnten auch kränkend wirken und aus dem Ruder laufen. Auf die pointierten Wortduelle beim Abendessen konnte am nächsten Morgen im Frühnebel ein Duell folgen, um die Ehre wieder herzustellen.</p>



<p>Diese Geschichte ist unter mehreren Gesichtspunkten interessant. Zunächst ist in ihr der gute Ruf, den der britische Humor bei uns bis heute genießt bereits angelegt. Dann verweist sie auf Hohn und Spott als bestimmenden Motor der Komik. Weiterhin ist auch das alte Misstrauen in ihr angelegt, das Politik und Bürgertum den Narren (den Vertretern der leichten Muse) stets entgegenbrachte. Zuletzt hat sich das besonders eindrucksvoll in der Corona-Pandemie gezeigt, als Kultur und Prostitution ganz offiziell der gleiche Stellenwert für das Funktionieren unseres Gemeinwesens zugewiesen wurde.</p>
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		<title>Deutsche Sprache weiterhin in Auflösung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Oct 2024 21:51:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Musicalgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Sprachpolizei Nachdem der WDR auf seiner Homepage vorübergehend den Genitiv abgeschafft hatte (der ST. GEORGE HERALD berichtete), leistet nun auch &#8222;Der Spiegel&#8220; seinen Beitrag zur großen Liberalisierung der deutschen Sprache. Das Wort &#8222;Chanson&#8220; kommt zwar aus dem Französischen (dort &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/10/12/26428/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/10/12/26428/">Deutsche Sprache weiterhin in Auflösung</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>betr.: Sprachpolizei<br><br>Nachdem der <strong>WDR </strong>auf seiner Homepage vorübergehend den Genitiv abgeschafft hatte (der ST. GEORGE HERALD berichtete), leistet nun auch <strong>&#8222;Der Spiegel&#8220;</strong> seinen Beitrag zur großen Liberalisierung der deutschen Sprache. Das Wort &#8222;Chanson&#8220; kommt zwar aus dem Französischen (dort ist es übrigens weiblich), hat aber im Deutschen eine eigene Bedeutung. Das Chanson männlich zu machen, kenne ich bisher nur aus Gesprächen mit Musical-Studenten, die ich dann kraft meiner Funktion korrigieren durfte. Bei den Herrschaften der &#8222;Bestseller&#8220;-Beilage des Spiegel hab ich leider nichts mitzureden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="270" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2024/10/Chanson-maennlich.jpg?resize=640%2C270&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-26441" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2024/10/Chanson-maennlich.jpg?resize=1024%2C432&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2024/10/Chanson-maennlich.jpg?resize=300%2C127&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2024/10/Chanson-maennlich.jpg?resize=768%2C324&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2024/10/Chanson-maennlich.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure>



<p>Die selben Studenten sagten übrigens &#8222;die Cast&#8220;, wenn sie &#8222;der Cast&#8220; meinten. Das ließen sie sich aber nicht ausreden, denn es hatte seinen Ursprung im Probenbetrieb und hat sich inzwischen in der Branche durchgesetzt. (Es kommt von der Eigenheit amerikanischer Kollegen, alle Hauptwörter zu verweiblichen, so wie sie z.B. auch &#8222;die Tisch&#8220; sagen &#8230;) Seither spricht man im Musical von <em>der </em>Cast (also <em>der </em>weiblichen Sache), während beim Film weiterhin von <em>dem</em> Cast bzw. <em>dem</em> Ensemble die Rede ist.<br>Also, liebe Kollegen vom &#8222;Spiegel&#8220;: lasst euch nicht den Spaß verderben. Fehler setzen sich irgendwann durch!<br></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/10/12/26428/">Deutsche Sprache weiterhin in Auflösung</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Halbseidene Lebensmittel und amphibische Stilblüten</title>
		<link>https://blog.montyarnold.com/2024/06/22/25563/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Jun 2024 07:44:17 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Stilblüten machen Karriere]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: schlechter Stil Was aus Kindermund drollig herüberkommt, ist im Journalismus mindestens im selben Maße schmerzhaft.Ich bin immer ein wenig beleidigt, wenn sich verzeihliche Stilblüten im Sprachgebrauch festsetzen – nicht so drolliges (erwachsenes) Zeug wie „Hier werden Sie geholfen!“ oder &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/06/22/25563/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>betr.: schlechter Stil</p>



<p>Was aus Kindermund drollig herüberkommt, ist im Journalismus mindestens im selben Maße schmerzhaft.<br>Ich bin immer ein wenig beleidigt, wenn sich verzeihliche <strong>Stilblüten</strong> im Sprachgebrauch festsetzen – nicht so drolliges (erwachsenes) Zeug wie „Hier werden Sie geholfen!“ oder „Ich habe fertig!“, sondern eher verschleppte Unrichtigkeiten.<br>Immer häufiger höre ich in seriösen Radiobeiträgen die gruselige Formulierung: „Er traut dem Braten nicht“.<br>Die Ausgangs-Redewendung „den Braten riechen“ ist eine uralte, aber noch immer anschauliche Umschreibung für „es wird etwas geahnt („ruchbar“), was eigentlich verheimlicht werden sollte“. Diese wurde ganz offensichtlich zu einer Zeit formuliert, da die Menschen im deutschen Sprachraum nicht genug zu essen hatten.<br>Mit eingeflossen ist eine andere Redensart: &#8222;dem Frieden nicht trauen.&#8220; In diesem Sprachbild ist der Frieden allerdings nicht der mögliche Übeltäter (der das Misstrauen erregt), sondern der Gegenstand, von dem man hofft, ihn in Sicherheit zu wissen.<br><br>„Dem Braten nicht trauen“ ist nicht nur semantischer Blödsinn (der scheinheilige Braten bereitet sich ja nicht selbst zu, woraufhin er sogleich verräterisch zu duften beginnt), es führt auch inhaltlich in die Irre. Wollte man diese Wortwahl ernst nehmen, würde sie bedeuten: „da ist jemand nicht glaubwürdig“ und nicht „es wird geahnt, was eigentlich verheimlicht werden sollte“.<br>Liebe Schlussredaktion: bitte eingreifen!</p>
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		<title>Der Sprachbeschützer</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Apr 2024 16:25:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 150. Geburtstag von Karl Kraus Der Wiener Schriftsteller und Essayist Richard Schuberth hat 2016 anlässlich des 80. Todestages von Karl Kraus in einem Essay darüber nachgedacht, wie der heute agieren und wie er heute aufgenommen würde. Wäre Kraus heute &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/04/28/karl-kraus/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>betr.: 150. Geburtstag von <strong>Karl Kraus</strong></p>



<p><em>Der Wiener Schriftsteller und Essayist Richard Schuberth hat 2016 anlässlich des 80. Todestages von Karl Kraus in einem Essay darüber nachgedacht, wie der heute agieren und wie er heute aufgenommen würde. Wäre Kraus heute gar Blogger oder Influencer?<br>Aus diesem unvermindert erhellenden Buch mit den Titel <strong>„Karl Kraus: 30 und drei Anstiftungen“ </strong>sowie aus einigen Kraus-Zitaten, die kursiv gesetzt sind, hat der <strong>ORF</strong> folgende Collage destilliert.</em></p>



<p>Worin, fragt sich die gebildete Öffentlichkeit bei jedem Karl-Kraus-Jubiläum, bestünde heute die Aktualität des Herausgebers der „Fackel“?<br>Dort wo sie es am wenigsten vermuten würde: in der Sprachkritik.<br>Nicht in der Kritik von Grammatikfehlern. Nicht mal in der doofen Masseneindeutschung englischer Wörter, denn siehe da: 1923 schreibt Kraus selber von der „ausgepowerten“ Sprache. Nein, dort wo, wie Walter Benjamin schrieb, der Sprache das Warenzeichen aufgeprägt wird, in der Phrase. Dort wo sich Gedankenlosigkeit und Konformismus „hip“ vorkommen können, dort wo Germanisten schreiben, es gäbe „noch Luft nach oben“, wo Politiker „Am Ende des Tages“ sagen und wo Sensitivity Readers es nicht schicklich finden, wenn Plantagenaufseher in Romanen des 19. Jahrhunderts schwarze Sklaven, die sie zu Tode prügeln, mit dem „N-Wort“ ansprechen und nicht mit Begriffen, die ihrer Menschenwürde entsprechen.<br>Man weiß es nicht, denn Karl Kraus lebt nicht mehr.<br>Eines ist jedoch so sicher wie die Schwerkraft und unser aller Tod: dass die, die mit dem toten Kraus ihr publizistisches Selfie machen, den lebenden Kraus am heftigsten hassten. Und er sie dermaßen beleidigen würde, dass die Nachricht seines Unfalltodes oder dass er von Neonazis zerrissen wurde, ein kollektives Seufzen der Erleichterung durch die Redaktionen und Homeoffices dröhnen ließe.</p>



<p><em>Die Schwäche sieht sich im Spiegel und wirft ihn wütend nach mir und hofft, nun werde es mein Bild sein weil mich der Spiegel getroffen hat.<br>Die von mir gekränkte Zeit nimmt das nächste Wort, das ihr zur Hand, als Wurfgeschoss. Mir hat noch nie ein anderes Echo geantwortet als der unartikulierte Aufschrei.</em></p>



<p>Aber vermutlich wäre Karl Kraus eine zweiundzwanzigjährige, verdammt gutaussehende aber dennoch unangepasste TikTok-Influencerin, die ihre verdiente Kolumne in der Hochkultur verziehen bekommt und der man als „Europe‘s Next Top Nonkonformist“ die Spiegel-Bestseller-Schleife bereits umhängt bevor sie ihr irrsinnig wichtiges und kompromissloses erstes Buch veröffentlicht hat.</p>



<p><em>Ich habe mich im Laufe der Jahre zum Streber nach gesellschaftlichen Nachteilen entwickelt. Ich lauere, spüre, jage, wo ich eine Bekanntschaft abstoßen, eine einflussreiche Verbindung verlieren könnte. Vielleicht bring ich’s doch noch zu einer Position.</em></p>



<p>Angesagt bleibt, was eingängig ist und den jeweils eigenen Verblendungsgrad spiegelt. Öd ist, was einem zu viel abverlangt.<br>Was früher Medien- und Kulturbetrieb erledigen mussten, mit mühseligen Verleumdungs- und Totschweigekampagnen, erledigt die kritische Verschubmasse nun selbst in Form eines elektronischen Ostrazismus*.<br>Ist ein Text zu sperrig, zwingt er zum Mitdenken, jenem kurzen Aufblitzen der Freiheit, wird weiter gescrollt und weggewischt. Wie in einem Computerspiel können die Gefangenen selber ihre potentiellen Befreier abknallen und die Gefängniswärter früher nach Hause gehen. Nichts drückt dies erschütternder aus als die Phrase von den Texten, die einen „abholen“.<br>Nicht wir sollen uns um Wahrheiten bemühen, sondern diese mit dem jeweils günstigsten Schnäppchenpreis um uns. Denn der Kunde ist König und die Wahrheit ein Taxiunternehmen. Das hier Billigste wirft die anderen aus der Bahn. Aber wehe jemand schreibt Texte, die einen gar nicht abholen wollen.</p>



<p><em>Ungewöhnliche Worte zu gebrauchen, ist eine literarische Unart. Man darf dem Publikum bloß gedankliche Schwierigkeiten in den Weg legen. Sprache lebt in unmittelbarer Verständigung mit dem durch die Zeit empörten Geist. Hier kann jene Verschwörung zustandekommen, die Kunst ist.</em></p>



<p>Sofort aus der Gemeinschaft der guten Menschen ausgeschlossen würde Kraus 2.0, wenn er von seiner Unart nicht ablassen könnte, Kollegen und Menschen des öffentlichen Lebens schlecht zu machen. Nicht nur das. Seine Polemiken provozierten ein permanentes psychiatrisches Gutachten. Dass jemand auf andere schimpft, kann man gut nachvollziehen. Dass er es mit Geist und Witz tut, also eine kunstvolle Form dafür findet, ist unverzeihlich.<br>Denn ist Ersteres als impulsives Dampfablassen jedermanns und -fraus Sache, so zeugt die Berechnung des besten sprachlichen Effekts doch von Berechnung und folglich von einem besonders miesen Charakter. Nichts wirkt heute befremdlicher als die einstmalige Kunst der Polemik und der Invektive: der kunstvollen Beleidigung.<br>Eine Kraus–Lesung gegen den Ungeist der Zeit würde unter den politisch Korrekten ähnliche Empörung auslösen wie ein Sprengstoffanschlag auf einen Kindergarten. Und selbst wenn Kraus bloß gegen die Lieferanten des Zündmechanismus wetterte. &#8211; Wie kann man bloß so intolerant sein? Der arrogante Sadist hat soeben den armen Waffenproduzenten zum Weinen gebracht.<br>„Polemisch“ gilt unter den publizistischen Langweilern als pejorativ**, als Synonym für unsachlich und subjektiv verbohrt. Während ihre Einerseits/Andererseits-Waage nach dem seriösen Abwägen der Argumente doch erstaunlicherweise immer das konforme Einerseits mehr wiegen lässt. So als würde unsichtbare Zauberhand ein gewichtiges Devidendchen aufs Schälchen legen.</p>



<p><em>Hass muss produktiv machen. Sonst ist es gleich gescheiter, zu lieben.</em></p>



<p>So heißt das Programm von Karl Kraus. Jede Beleidigung, jeder An- und Untergriff, der nicht Kunststück, von Reflexion, Witz, Humanität gedeckt ist, wird zu recht geahndet. Das unterscheidet gute Polemik von Wutbürgertum, vom unartikulierten Aufschrei, von derbem Pöbeln.<br>Der gute Polemiker simplifiziert nicht, er differenziert durch seine Übertreibungen. Er greift aus Überzeugungen, nicht aus Häme an. Was der Zweckgemeinschaft der Hämischen so ungeheuerlich ist, dass ihr nur der Vorwurf der Selbstgerechtigkeit bleibt. Denn nicht die Aggressivität der Polemik stört sie wirklich, sondern die Weigerung des Polemikers niedrige Beweggründe zuzugeben, die ihn wenigstens zu einem Menschen wie dich und mich machten. Gute Polemiker sind Gentlemen oder Gentlewomen, schlechte Polemiker Lumpen. Nur noch geschultes Bewusstsein kann das unterscheiden.</p>



<p>Doch wo sind die Schulen die es lehren?<br>Karl Kraus wäre die beste. Und für alle, die auf die gentechnologischen Versprechungen der Altersforschung nicht warten können: er ist der beste bislang verfügbare Jungbrunnen.<br>Denn:</p>



<p><em>Jung sein heißt, mit unverminderter Frische und Ablehnungsfähigkeit dem Maß hoher Erlebnisse treu, Unwesen und Unzulänglichkeit an sich nicht herankommen lassen. Alt sein heißt mithatschen.</em></p>



<p><em>_____________________<br></em>* das Ignorieren oder Ausschließen einzelner Personen oder Gruppen durch andere<br>** implizit abwertend</p>
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		<title>Zukunftsmusik einst und jetzt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Aug 2023 14:41:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkunde]]></category>
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		<category><![CDATA[Der Science-Fiction-Film (ZDF)]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Ausdruck &#8222;Zukunftsmusik&#8220;, der im Sprachgebrauch dasselbe bedeutet wie „ungelegte Eier“, war bei seiner Ausformulierung noch positiv und wörtlich gemeint. Richard Wagner schrieb um 1870, es reiche nicht aus, wenn Musik nur zeitgenössisch klinge, sie solle sich selbst und ihrer &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/08/10/23411/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Der Ausdruck &#8222;Zukunftsmusik&#8220;, der im Sprachgebrauch dasselbe bedeutet wie „ungelegte Eier“, war bei seiner Ausformulierung noch positiv und wörtlich gemeint. <strong>Richard Wagner</strong> schrieb um 1870, es reiche nicht aus, wenn Musik nur zeitgenössisch klinge, sie solle sich selbst und ihrer Zeit voraus sein. Die Aufgabe des Komponisten bestehe darin, aus der Zukunft jene ästhetischen Formen abzuschöpfen, die in der Gegenwart im Keim bereits vorhanden seien, aber noch nicht hörbar gemacht wurden. Selbstverständlich sah Wagner diese Aufgabe in seinen eigenen Opern als erfüllt an.<br>Dennoch wirkt dieser fortschrittliche Hinweis reichlich skurril aus der Feder eines Musikers, dessen Idiom heute ein so vertrautes wie entrücktes Klangbild repräsentiert.<br>Ein 28 Jahre jüngerer Kollege Wagners schuf eines der populärsten Werke der Spätromantik, während er an der besagten Aufgabe scheiterte. <strong>Antonín Dovřák</strong>s <strong>„Sinfonie aus der Neuen Welt“</strong> enthält die entscheidende Klangfarbe eben nicht.1893 das Werk etwas zu früh, um den Jazz mit einzubeziehen, dessen Geschichte in New Orleans gleichwohl bereits begonnen hatte. (Zumindest aus heutiger Sicht; der Ausdruck Jazz setzte sich erst später durch.*)<br>Wenn wir Richard Wagner beim Wort nähmen, müssten wir ihm unterstellen, dass ihm die Erfindung des <strong>Synthesizer</strong>s Freude bereitet hätte. In der Tat stürzten sich 100 Jahre nach Wagners Anregung zunächst namhafte E-Musiker wie<strong> Karlheinz Stockhausen</strong> auf dieses Wundergerät. Doch dann hat sich die Pop-Musik seiner bemächtigt. Es liegt ja auf der Hand: die vielfältigen Klänge, zu denen der Synthesizer in der Lage ist, passen viel besser zu Drogenexperimenten, Love &amp; Peace als zur gut gekleideten Andacht in einem Konzertsaal. <strong>Donna Summer</strong>s Hit <strong>„I Feel Love“</strong> von 1976 klingt heute noch ebenso futuristisch wie damals im ZDF-Reihenvorspann „Der Science-Fiction-Film“.<br>_______________<br>* Die Serie zum Thema beginnt hier: <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/10/21/eine-abkuerzung-zum-jazz-1-der-ragtime/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://blog.montyarnold.com/2014/10/21/eine-abkuerzung-zum-jazz-1-der-ragtime/</a></p>
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		<title>Nicht nur im Wein liegt die Wahrheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Jun 2023 17:30:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchauszug]]></category>
		<category><![CDATA[Chanson]]></category>
		<category><![CDATA[Philologie]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[„SAGO - Alles]]></category>
		<category><![CDATA[«Viertel vor sieben»]]></category>
		<category><![CDATA[Adelbert von Chamisso]]></category>
		<category><![CDATA[Anton Tschechow]]></category>
		<category><![CDATA[Bodo Wartke]]></category>
		<category><![CDATA[Chanson-Handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Christof Stählin]]></category>
		<category><![CDATA[Christof-Stählin-Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Die Möwe]]></category>
		<category><![CDATA[Joseph von Eichendorff]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Mey]]></category>
		<category><![CDATA[Schläft ein Lied in allen Dingen]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian Krämer]]></category>
		<category><![CDATA[Stählin-Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Trigorin]]></category>
		<category><![CDATA[was ein Lied braucht“]]></category>
		<category><![CDATA[Wünschelrute]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Betr.: 81. Geburtstag von Christof Stählin Auch ohne meine Lieder ginge die Welt nicht zugrunde. Schön, aber ich möchte darauf hinweisen, dass die Welt ausschließlich aus Dingen besteht, ohne die sie&#160; nicht zugrunde gehen würde. Man kann doch nun die &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/06/18/christof-staehlin/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/06/18/christof-staehlin/">Nicht nur im Wein liegt die Wahrheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Betr.: 81. Geburtstag von <strong>Christof Stählin</strong></p>



<p class="has-text-align-center">Auch ohne meine Lieder ginge die Welt nicht zugrunde. Schön, aber ich möchte darauf hinweisen, dass die Welt ausschließlich aus Dingen besteht, ohne die sie&nbsp; nicht zugrunde gehen würde. Man kann doch nun die Welt nicht einfach so ihrer Bestandteile berauben! Also singe ich.<br><em>C.S.</em></p>



<p><em>Der verstorbene Tübinger <strong>Liedermacher </strong>Christof Stählin hat viele junge Kollegen beiderlei Geschlechts unterrichtet und gefördert, in denen seine Kunst und sein Kunsthandwerk fortleben. Gut, das sagt nicht viel aus, befinden sich unter ihnen doch sowohl <strong>Sebastian Krämer </strong>als auch <strong>Bodo Wartke</strong>. So halten wir uns vielleicht einstweilen an das ebenfalls hinterlassene Buch <strong>„SAGO &#8211; Alles, was ein Lied braucht“</strong>. Darin geht es um den handwerklich richtigen Weg zu einem guten Chanson. Der folgende Beitrag ist auch auf der Homepage der Christof-Stählin-Gesellschaft aufzuspüren: www.christof-staehlin-gesellschaft.de</em></p>



<p><strong>Anzapfen</strong></p>



<p>Was ist das? – ein Bierfass. Und so weit sind wir uns mit unseren Nachbarländern einig: Beer barrel – Fût de bière – Fusto di birra. Was aber den Inhalt angeht, da gibt es interessante Unterschiede, die uns Dichtende interessieren sollten. Die europäischen Sprachen haben nämlich ganz unterschiedliche Begriffe für das gefunden, was dort herausgeholt wird: In England sagt man «drafted beer» (wörtlich: «gezapftes Bier»). In Frankreich nennt man das «bière pression» (wörtlich: «Bier unter Druck» oder «Gepresstes Bier»). Die Italiener nennen das Getränk «birra alla spina» (wörtlich: Bier vom Zapfhahn). Und wir Deutsche sagen «Bier vom Fass». Welche Sprache hat – im poetischen Sinne – die beste Bezeichnung gefunden, aus der sich das meiste für die Kunst des Liedermachens lernen lässt?</p>



<p><strong>Der Zapfhahn<br><br></strong>Zunächst einmal: Der englische Begriff «drafted beer» benennt die Tätigkeit, die notwendig ist, um an das Bier heranzukommen (zapfen). Dieses Zapfen muss abgeschlossen sein (sonst wäre das Glas ja leer), deshalb das Partizip Perfekt «drafted». Der französische Begriff erklärt den physikalischen Vorgang, der das Bier ins Glas befördert (Druck). Und&nbsp; der deutsche nennt das große Ganze, das das Bier umschließt (Fass). «Bier vom Fass» klingt gleichzeitig ein bisschen adelig, weil das «vom» die Zugehörigkeit des Kleinen zu einem Größeren betont, gleichzeitig aber die Schwere und Macht des Ganzen in das von ihm Genommene zurückgibt. Dies sind gute Begriffe in dem Sinne, dass sie das Gemeinte eindeutig und unverwechselbar beschreiben. Aber im poetischen Sinne ist «birra alla spina» weit überlegen. Warum?</p>



<p>Das italienische Wort bezeichnet ein herausgenommenes Detail, das für das Ganze typisch ist. Der Zapfhahn ist die Stelle, an die der Zapfende seine Hand tun muss, die Stelle, wo man das Glas drunterhalten muss und wo das Bier fließt, wo es sichtbar wird. Der Zapfhahn steht stellvertretend für das große Fass, an dem er befestigt ist. Wenn ich ihn nenne, entsteht es in Gedanken gleich mit, denn ohne Zapfhahn ist das Fass so sinnlos wie der Zapfhahn ohne Fass.</p>


<p><span id="more-23103"></span></p>


<p>Einen Liedtext so zu gestalten, dass kleine Details das Große und Ganze des Gemeinten erwecken, ist eine große Kunst. In der Sago-Schule heißt die Frage «Wo ist der Zapfhahn?» vieles:<br><br>– Welches Detail steht am besten für das, was du sagen willst?<br>– Wieviel kannst du weglassen, ohne dass etwas verlorengeht?<br>– Wo kann der Zuhörer sich am besten einklinken, «die Hand hintun»?<br>– Welches Detail aus deiner Sammlung setzt du nach vorne?<br>– In der Andeutung liegt oft eine größere Kraft als in der Ausführlichkeit.</p>



<p>Für uns als Liedermacher stellt die Zapfhahn-Formulierung das Erstrebenswerte dar. Es gilt, verbale Zapfhähne zu finden. Ein Liedtext soll kein Fass liefern, sondern das Erfassbare. Keinen gasigen Zustand und keine abgeschlossene Handlung, sondern Handliches, Handfestes.<br>«Du musst den Stier bei den Hörnern packen», sagt ein Sprichwort. So ein Horn ist leicht fasslich – ein Zapfhahn am Fass des Stieres. Das Griffige ist begreiflich. Adelbert von Chamisso hat einem berühmten Vierzeiler von Joseph von Eichendorff den Titel «Wünschelrute» gegeben, obwohl von einer solchen gar nicht explizit die Rede ist:<br><br>Schläft ein Lied in allen Dingen,<br>Die da träumen fort und fort,<br>Und die Welt hebt an zu singen,<br>Triffst du nur das Zauberwort.</p>



<p>Wünschelrute oder Zauberstab («Wünschelrute» heißt im alten Sinne auch so viel wie «Zauberstab») – auch hier handelt es sich um handliche Griffe. Das Zauberwort, das Schlüsselwort – um bezaubern zu können, müssen sie zunächst einmal griffbereit sein und sich begreifen lassen. Dann kann Vermittlung stattfinden, und der Liedermacher wird selbst zum Zapfhahn: Wie dieser zwischen Fass und Glas, vermittelt er zwischen seiner übervollen Brust und dem aufnahmebereiten Publikum.</p>



<p>Jemand, der oft ein Händchen dafür beweist, den Zapfhahn, aus dem es dann nur so sprudelt, genau an der richtigen Stelle anzubringen, ist Reinhard Mey. Nehmen wir sein Lied «Viertel vor sieben». Dessen Refrain «Ich wünschte, es wär’ nochmal viertel vor sieben, und ich wünschte, ich käme nach Haus’» ist von der Erwachsenenperspektive aus sinnlos: Viertel vor sieben ist es zweimal am Tag, und nach Hause kommen kann man in aller Regel ja auch regelmäßig. Warum also der Irrealis «ich wünschte»? Das Lied macht sofort klar, dass der, der das wünscht, als Kind immer um viertel vor sieben zu Hause war, und dass daher diese Uhrzeit – vielleicht der Anblick der Zeiger in dieser Position auf einer alten Küchenuhr – für ihn eine besondere Bedeutung hat. Die naive Äußerung des Wunsches, dass es wieder viertel vor sieben sein möge, löst daher eine Rührung im Hörer aus, mit der es wortreiche Bekundungen von Sehnsucht und Vermissen schwerlich aufnehmen können, oder, wie Christof Stählin gesagt hätte, an deren Fußknöchel sie nicht heranreichen.</p>



<p>In Tschechows Theaterstück «Die Möwe» sagt der junge Autor Treplew über den etablierten Kollegen Trigorin: «Er hat’s leicht. Bei ihm&nbsp; braucht auf der Schleuse nur der Hals einer zerbrochenen Flasche zu glänzen und der Schatten des Mühlrades zu dunkeln, und eine ganze Mondnacht ist fertig. Ich aber brauche zitterndes Licht, das Glitzern der Sterne und ferne Klaviertöne, die in der stillen, duftenden Luft ersterben … Das ist qualvoll.»</p>



<p>Dass der Hals der zerbrochenen Flasche auf der Schleuse die ganze Mondnacht repräsentieren könne – Tschechow hatte dies zuvor schon in seinen Notizbüchern festgehalten. Er macht klar, dass wir im Laufe der Zeit auch Übung darin bekommen können, die geeigneten Zapfhähne zu finden, und dass sich die «Qual», die Treplew hier anspricht, lohnt.</p>
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