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	<title>Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym aus Nantucket Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym aus Nantucket Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Der phantastische Twist: ein Eselsohr in der Realität</title>
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		<pubDate>Mon, 04 May 2026 18:03:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Was ist Science Fiction? (2) Fortsetzung vom 2.5.2026 Ich bekenne: Ich bin ein Freund des Ein- und Aussortierens. Ich finde nicht, dass man Menschen (etwa Künstler) in Schubladen stecken oder Gattungen gegeneinander ausspielen sollte. Aber Rubriken schaffen Ordnung, ehe &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2026/05/04/30233/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>betr.: <strong>Was ist Science Fiction? (2)</strong><br><br><em>Fortsetzung vom 2.5.2026</em></p>



<p>Ich bekenne: Ich bin ein Freund des Ein- und Aussortierens. Ich finde nicht, dass man Menschen (etwa Künstler) in Schubladen stecken oder Gattungen gegeneinander ausspielen sollte. Aber Rubriken schaffen Ordnung, ehe man einen Gegenstand genauer untersuchen kann. Und sie geben Orientierung, um den Gegenstand überhaupt zu finden, der zu einem passt und für den man gerade in Stimmung ist. Dabei spielt nicht selten die Frage eine Rolle, wie viel Eskapismus es denn bitte sein darf. Die Einteilung in Genres antwortet auf unsere Schwäche für die Erfüllung der eigenen Erwartung.<br><strong>Dietmar Dath</strong> verwendet in <strong>“Niegeschichte”</strong>, aus der wir in dieser Serie zitieren, übrigens den Begriff “Tropen”, wo ich den Ausdruck “Topoi” (Singular: “Topos” = für ein Genre typischer Ort, typisches Thema) hübscher finde.<br><br>»Ein Genre ist ein Spiel mit selten ausgesprochenen, aber immer mitgemeinten spezifischen Schreib- und Lektüreprotokollen. In jedem Genre arbeiten einzelne Werke thesenförmig gegeneinander – es gibt anarcho-liberale und autoritär-rechte Krimis ebenso wie kapitalismus-kritisch-linksfeministische; es gibt pro-imperialistische Western und anti-imperialistische. Die Requisiten, Tropen, Feldzeichen, Spielmarken und Siegel der SF, die oben gestreift wurden, gehören wie Werwölfe und Vampire beim übernatürlichen Horror oder die Magier und Drachen der Fantasy zu einem Metagenre: der Fantastik.<br>Anders als das, was im Krimi vorkommt, oder das, was im Western vorkommt, kommen und kamen diese Requistiten, Tropen, Feldzeichen, Spielmarken und Siegel zu der Zeit, als die betreffenden Werke geschaffen wurden und werden, nur in der Fantastik vor, nicht auf der Welt. Wenn ich wissen will, was ein Verbrechen im Krimi bedeutet oder ein Cowboy im Western, kann ich mich darauf verlassen, dass sich in Erfahrung bringen lässt, was in ein Verbrechen in den Nachrichten oder in der juristischen Fachliteratur ist, was ein Cowboy in Berufsbeschreibungen oder in historischer Literatur ist. Quellen wie Nachrichten oder Historiografie schöpfen ihre Kenntnisse aus der Erfahrung tatsächlicher Menschen.« Mit herkömmlicher Nachprüfbarkeit kämen wir bei der Fantastik aber ohnehin nicht weiter, weil sie »lauter Sachen und Sachverhalte gestaltet, die sich weder bestätigen noch widerlegen lassen. (…) Es gibt [Stanislaw] <strong>Lem</strong>s <strong>Solaris</strong> und <strong>Edgar Rice Burroughs</strong>’ Mars nicht außerhalb des jeweiligen Textes. (…) Die Rede ist ja von Kunst, und dass da subjektives Erleben zumindest Beachtung verdient, ist keine abwegige Idee.«  <br><br>Na? Wie viel Eskapismus darf’s denn nun sein?<br>Die Art von Geschichten, für die ich praktisch immer in Stimmung bin, sind jene, die mich in einer weitgehend “nachprüfbaren” Welt begrüßen – also im Western oder Krimi, wenn wir bei den genannten Beispielen bleiben – und mich dann ein entscheidendes Stück weit dieser Realität entheben. Ich nenne das den phantastischen Twist, der eine gute Geschichte ausmacht.<br>Fantasy ist mir suspekt, weil die beliebte Reklame “Hier ist alles möglich! Sogar ein Drache könnte jederzeit auftauchen” in Wahrheit doch meistens bedeutet: “Mach dich darauf gefasst, dass früher oder später der unvermeidliche Drache um die Ecke kommt”.<br>Ein Autor der Fantastik, der mir in dieser Sache sehr entgegenkommt, ist ausgerechnet  <strong>H. P. Lovecraft</strong>. Er verpackt seine haarsträubenden Realitätsverstöße stets in eine Rahmenhandlung, die zunächst eine völlig humorlose, sachliche Prosa vortäuscht: Reiseberichte bzw. Landschaftsbeschreibungen, historische Aufarbeitungen, Ereignisprotokolle. Lovecraft bekam dieses Kunststück noch besser hin als sein Vorbild <strong>Edgar Allan Poe</strong>, der es in <strong>“Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym aus Nantucket”</strong> genau darauf anlegt. Poes nachfolgender Kollege<strong> Jules Verne</strong> mäkelte, Poe „gibt vor, alles mit physikalischen Gesetzen erklären zu können, die er bei Bedarf erfindet“. Das war als Anklage gedacht, würdigt jedoch eine erzählerische Technik auf, die für die Entstehung der Fantastik (und somit auch der SF) unerlässlich werden sollte.</p>



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		<title>Bescheidenheit als alter Hut: Autofiktion (2)</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Jan 2026 18:16:13 +0000</pubDate>
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<p><em>Fortsetzung vom 13.1.2026<br></em><br>Ohne dass ein Aufhebens gemacht wurde, war bis Mitte des 20. Jahrhunderts die fiktionale Erzählkunst a priori reich an gelebtem Leben und gemachten Erfahrungen. Dann brach eine längere Periode des Friedens in der Westlichen Welt an (die eben im Begriff ist, zuende zu gehen); sie war bequem und schadete gleichwohl der Inspiration. Die Jahre auf See etwa haben die Werke von <strong>Herman Melville </strong>(siehe unten) und <strong>Joseph Conrad</strong> geprägt. Solche Erfahrungen wurden umgekehrt – falls sie in der jeweiligen Biographie nicht vorkamen – von einem Autor wie <strong>Edgar Allan Poe</strong> als entsetzliche Lücke empfunden. Sein einziger Roman <strong>„Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym aus Nantucket“ </strong>ist auch Nicht-Seefahrern leicht als Prosa eines Erzählers erkennbar, dem es an einschlägiger Erfahrung fehlt. Kurioserweise kommt ausgerechnet dieses phantastische Werk als Erlebnisbericht daher, als (restlos fiktive) Autofiktion auf hoher See. Conrad, Melville und Co. hingegen verzichteten darauf, sich selbst zum Teil ihrer Erzählung zu machen. Ebenso <strong>Truman Capote</strong> (siehe wiederum unten), der zum Ende seiner tatsachenbasierten Erzählung hin tatsächlich so sehr Teil derselben war, dass die strikte Auslassung seiner Person zu erzählerischen Verrenkungen führte.<br>Die Besessenheit, sich selbst wichtig, zum Thema und zum Wahrheits-Gütesiegel des eigenen Textes zu machen, ist in ihrer heutigen Form etwas Neues.<br>In seinem Nachwort zur Neuübersetzung von <strong>Upton Sinclair</strong>s Tatsachenroman<strong> „Boston“ </strong>über den Justizskandal um<strong> Sacco und Vanzetti</strong>* schreibt <strong>Dietmar Dath</strong>:<br><br>»Kann ein Roman wahr sein? In welcher Gebrauchsweise des Wortes „Wahrheit“ steckt die Möglichkeit, ein Erzählwerk an diesem Wort zu messen? Wer so fragt, weiß wohl schon, dass da ein anderer Wahrheitsbegriff gesucht werden muss als der, an dem man die Gattung einer naturwissenschaftlichen oder mathematisch-logischen Aussage eicht. Der gesuchte Wahrheitsbegriff ist frech unsachlich, es geht nicht um Sachen, man will damit von Menschen geschaffene Sachverhalte zu fassen kriegen, soziale, speziell: literarisch-ästhetische.<br>In den Vereinigten Staaten von Amerika ist man das Ineinandergreifen von Recherche und Erzählkunst seit einiger Zeit gewohnt. Herman Melvilles<strong> „Moby Dick“</strong> (1851) zum Beispiel hat ein langes Vorspiel voller Expositionsmaterial, das dann im Roman auf der Jagd nach dem weißen Wal untergeht wie ein vollbeladenes Schiff im Meer. Truman Capotes <strong>„In Cold Blood“ </strong>(1965) ist eine Kriminalreportage und zugleich vollkommene Prosa. <strong>Norman Mailer</strong>s <strong>„The Executioner’s Song“ </strong>(1979) schließlich, das großartige Buch über den Fall <strong>Gary Gilmore</strong>, die wahre Geschichte eines Mannes, der gegen alle humanitären Initiativen, die ihm zur Hilfe kommen wollten, darauf bestand, für Verbrechen, die er begangen hatte, hingerichtet zu werden, vereint die vorzüglichsten Eigenschaften von Melvilles und Capotes Arbeit. Denn Mailers Text ist sowohl Ergebnis von umfangreichen Recherchen, Interviews und Dokumentenlektüre als auch die überwältigende Texterfahrung einer mit Beobachtungen nicht zu zähmenden Ereignismonstrosität, die wiederum für einen ganzen historisch-gesellschaftlichen Gesamtzustand steht.«<br><br>_____________<br>* <strong>Menasse Verlag</strong> Zürich 2017<br><br></p>
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		<title>Prima vista 0,5: Arthur Gordon Pym</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Feb 2025 15:45:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Lesen vom Blatt / Übung Eine Prima Vista Lesung in abgemilderter Form lässt sich durchführen, wenn man sich verschiedene Übersetzungen der selben Textpassage vornimmt: die erste wird still gelesen, die zweite laut.Der Inhalt ist bekannt, der Wortlaut ändert sich. &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/02/25/27463/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/02/25/27463/">Prima vista 0,5: Arthur Gordon Pym</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>betr.: Lesen vom Blatt / Übung<br><br><em>Eine Prima Vista Lesung in abgemilderter Form lässt sich durchführen, wenn man sich verschiedene Übersetzungen der selben Textpassage vornimmt: die erste wird still gelesen, die zweite laut.<br>Der Inhalt ist bekannt, der Wortlaut ändert sich.<br><br>Heutiges Beispiel: aus &#8222;Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym aus Nantucket&#8220; von <strong>Edgar Allan Poe</strong>.</em></p>



<p>Variante 1 (Übersetzung von Hans Schmid, 2008):<br><br><em>21. März.</em> Über uns hing jetzt eine unheilvolle Finsternis – doch aus den milchigen Tiefen des Ozeans stieg ein grelles Leuchten auf und stahl sich, am Schanzkleid des Bootes entlang, nach oben. Wir wurden fast begraben unter dem weißen, aschenartigen Regen, der dort, wo er auf uns und das Kanu fiel, liegen blieb, im Wasser aber zerschmolz, sowie er hineinfiel. Die Höhe des Kataraktes verlor sich zur Gänze im Zwielicht und in der Ferne. Und doch näherten wir uns ihm offensichtlich mit grässlicher Geschwindigkeit. In Abständen wurden breite, gähnende, aber nur vorübergehend sich öffnende Risse sichtbar, und aus diesen Rissen heraus, in denen es ein Chaos aus vorbeihuschenden und verschwommenen Bildern gab, kamen brausend und gewaltig, aber tonlos die Winde, zerrissen auf ihrem Weg den entflammten Ozean.<br><br><em>22. März.</em> Die Dunkelheit hatte sich erheblich verstärkt, gemildert nur durch das grelle Leuchten des Wassers, das der weiße Vorhang vor uns zurückwarf. Viele gigantische und fahlig weiße Vögel kamen jetzt unaufhörlich von jenseits des Schleiers geflogen, und ihr Schrei war das ewige <em>Tekeli-li!</em>, mit dem sie wieder aus unserem Gesichtsfeld verschwanden. Hierauf regte sich Nu-Nu auf dem Boden des Bootes; aber als wir ihn berührten, stellten wir fest, dass er sein Leben ausgehaucht hatte. Und jetzt rasten wir hinein in die Umarmungen des Katarakts, dorthin, wo sich ein Spalt auftat, uns zu empfangen. Da aber erhob sich auf unserem Pfad eine verhüllte menschliche Gestalt, in ihren Ausmaßen viel viel größer als irgendjemand, der unter den Menschen wohnt. Und die Farbe der Haut und der Gestalt hatte die vollkommene Weiße des Schnees.</p>



<p>Variante 2 (Übersetzung von Gisela Etzel, 1965):</p>



<p>21. März. Nun hing ein mürrisches Dunkel über uns; aber aus den milchigen Tiefen des Ozeans hob sich glimmender Schein und stieg leuchtend an den Planken des Bootes hinauf. Der weiße Aschenregen lagerte sich erdrückend auf uns und begann das Kanu zu füllen, aber im Wasser zergingen seine Flocken. Der Gipfel des Kataraktes verschwand vollkommen im Dämmer der Höhe und Ferne. Doch näherten wir uns ihm offenbar mit grauenhafter Schnelligkeit. Zuweilen erblickte man in ihm weite, gähnende Risse, die sich jedoch augenblicklich wieder schlossen; und aus einer dieser Klüfte, in der sich ein Chaos flirrender und zerfließender Gestalten bewegte, strömte ein heftiger, aber geräuschloser Wind hervor, dessen mächtiger Atem den flammenden Ozean aufwühlte.<br><br>22. März. Die Finsternis war immer dichter geworden, und nur der Widerschein des Wassers auf dem weißen Riesenvorhang belebte flirrend die Meeresnacht. Viele ungeheure und gespenstisch bleiche Vögel flogen jetzt unablässig aus jenem Schleier hervor, und während sie sich unseren Blicken entzogen, schrillte noch ihr ewiges Tekeli-li! In unseren Ohren. Da rührte sich Nanu noch einmal auf dem Boden des Kanus; aber als wir ihn anfaßten, sahen wir, daß er den Geist aufgegeben hatte. Und jetzt rasten wir den Umarmungen des Wassersturzes entgegen, dorthin, wo sich eine Spalte auftat, um uns zu empfangen. Aber in diesem Augenblick erhob sich mitten in unserem Wege eine verhüllte, menschliche Gestalt, doch weit gewaltiger in allen Maßen als die Kinder der Erde. Und ihre Haut war von weißer Farbe, von der Farbe des leuchtendsten, blendendsten ewigen Schnees &#8211; &#8211;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/02/25/27463/">Prima vista 0,5: Arthur Gordon Pym</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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