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	<title>Hans-Jürgen Syberberg Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>Hans-Jürgen Syberberg Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Die schönsten Filme, die ich kenne (31): “Winifred Wagner – Die Geschichte des Hauses Wahnfried von 1914-75“</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Jun 2017 18:16:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 120. Geburtstag von Winifred Wagner Fünf Stunden lang sitzt eine in krümeligem Schwarzweiß gefilmte fast 80jährige Dame auf wechselnden Möbeln und spricht konzentriert und chronologisch über ihr Leben und die Zeitläufte. Außer ihrem rumpelnden Krachhusten unterbrechen sie nur hie &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2017/06/23/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-31-winifred-wagner-die-geschichte-des-hauses-wahnfried-von-1914-75/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 120. Geburtstag von<strong> Winifred Wagner</strong></p>
<p>Fünf Stunden lang sitzt eine in krümeligem Schwarzweiß gefilmte fast 80jährige Dame auf wechselnden Möbeln und spricht konzentriert und chronologisch über ihr Leben und die Zeitläufte. Außer ihrem rumpelnden Krachhusten unterbrechen sie nur hie und da die Kapitelüberschriften, die der Regisseur auf Rechenpapier getippt und aus nächster Nähe abgefilmt hat, sowie gelegentliche Blicke auf alte Fotos. Musik gibt es nicht. Dieser Film ist das einzige aufrichtige Dokument der Befindlichkeit eines Großteils der 1975 in Deutschland lebenden Menschen um die 50 oder älter, gleichzeitig Zeitgeschichte, ganz großes Kabarett und ebensolches Kino. Die kantige, ungepasste aber bodenständige Dame im Bild, Winifred Wagner, verursacht gemischte Gefühle, die der Betrachter selbst sortieren muss, der Filmemacher <strong>Hans Jürgen Syberberg</strong> erläutert, korrigiert und kommentiert nicht.<span id="more-8259"></span><br />
<strong><br />
</strong>“Winifred Wagner – Die Geschichte des Hauses Wahnfried von 1914-75“ wurde zuletzt in den 90er Jahren heraufbeschworen, als ein gewisser Volksaufklärungsredakteur im Fernsehen einen kurzen, besonders skandalösen Ausschnitt in seiner NS-Dokureihe präsentierte. Er beginnt mit den Worten: „Wenn der Hitler zum Beispiel heute hier zur Tür hereinkäme“ und mündet in ein tiefes persönliches Bekenntnis zur Freundschaft mit dem „Führer“. Von dieser Verklärung des Menschen Hitler wird der Film über weite Strecken getragen, doch er ist weitaus komplexer als sich hier oder sonstwo knapp zusammenfassen ließe. Syberberg musste seiner pfiffigen Gesprächspartnerin diese Passage mit einer List entwinden. Sie sprach sie, als die Kamera während eines Rollenwechsels ausgeschaltet war und nur das Tonbandgerät lief. Der O-Ton wurde im Film mit Bildern der sitzenden, schweigenden Winifred unterlegt.<br />
<strong><br />
</strong>Winifred Wagner, Schwiegertochter Richard Wagners und nach 1930 bis Kriegsende Leiterin der Bayreuther Festspiele, ist die einzige öffentliche Person, an der Menschen meines Alters eine Brücke von der Nach-68er-BRD ins Dritte Reich schlagen können. Albert Speer fällt flach, denn erstens hat er nach 1945 zwanzig Jahre lang nicht am Leben teilnehmen können, und zweitens war und ist ihm bekanntlich nicht über den Weg zu trauen. Die langlebige Filmkünstlerin Leni Riefenstahl wiederum sank allein in ihrem Auftritt in der Talkshow „Je später der Abend“ zur zeitgeschichtlichen Muppet-Figur hinab: eitel, verlogen, Löcher in die Luft schlagend und erschütternd schlichten Gemüts. So ähnlich exkulpierte sich damals jeder, der nicht lieber schweigen wollte.<br />
Anders die geistig hellwache Winfred. Die in Ungnade gefallene Wagner-Urenkelin Dagny Beidler erlebte sie bei einem Besuch in Beyreuth 1964 &#8222;als sehr gewinnend, vor allem gefiel mir, dass sie sich selbst nicht so ernst nahm&#8220;.<br />
Winifred opfert im Gespräch mit Sybergerg jegliche Pluspunkte bei Feuilleton, Nachwelt und Familie einer rückhaltlosen Ehrlichkeit und ihrem Unvermögen, den höflichen Wagner-Fan Hitler, der sie oftmals besuchte, mit seinen historischen Untaten in Einklang zu bringen. Sie belügt uns fast nur dann, wenn sie das auch sich selber antut – zum Beispiel hinsichtlich jener letzten fünf Jahre, in denen sie beim lieben „Wolf“ in Ungnade gefallen war. (Insofern macht der Film auch die generelle Problematik hochbetagter Zeitzeugen deutlich.) Etwas weniger aufgeschlossen wäre sie vielleicht gewesen, hätte sie geahnt, dass Syberberg hier bereits für ein späteres Projekt recherchierte, das sich ganz um Hitler drehen sollte. In “Winifred Wagner“ kommt der Diktator erst nach 90 Minuten zur Sprache, doch das tut der Relevanz des Materials keinen Abbruch.  Der Film fesselt (auch den Nicht-Wagnerianer) vom ersten bis zum letzten Meter.<img decoding="async" src="https://vg06.met.vgwort.de/na/973b04a6dda549a9b6aa33b83ad77b5f" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Der blutende Wüterich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jul 2016 15:57:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 46. Todestag von Fritz Kortner Die Theaterlegende Fitz Kortner muß ein sehr unangenehmer Mensch gewesen sein. Selbst bei jenen, die voller Respekt über ihn berichten (oder gar eine Zuneigung erkennen lassen), hört man stets einen gruseligen Brummton durch. (Das &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/07/22/der-blutende-wueterich/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/07/22/der-blutende-wueterich/">Der blutende Wüterich</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 46. Todestag von <strong>Fritz Kortner</strong></p>
<p>Die Theaterlegende Fitz Kortner muß ein sehr unangenehmer Mensch gewesen sein. Selbst bei jenen, die voller Respekt über ihn berichten (oder gar eine Zuneigung erkennen lassen), hört man stets einen gruseligen Brummton durch. (Das hat Fritz Kortner mit Rainer Werner Fassbinder und Evelyn Hamann gemeinsam.) Zum Glück für uns interessierte Nachgeborene gibt es einen <strong>Syberberg-Film</strong> zum Thema, also eine stundenlange Abfilmung dieses Menschen in seiner natürlichen Umgebung mit einem Minimum an nachträglicher Manipulation durch Schnitte, unterlegte Musik, Einspieler etc. Diese <strong>„Kortnerprobe“</strong> zeigt uns einen muffigen Despoten mit rollenden Glubschaugen, schimpfend, hadernd (auch mit der eigenen Rechthaberei), ohne dass je so etwas wie Inspiration, Liebe zur Kunst oder Freude an seiner Arbeit im Vordergrund stünde – die Probe als physische Vernichtung, als Schwerstarbeit unter Tage. Ein unablässig katzbuckelnder <strong>August Everding</strong> dient als Katalysator zwischen dieser Theater-Urgewalt und dem schüchternen Betrachter des Films.</p>
<p>Auch der ebenso legendäre Kritiker <strong>Friedrich Luft</strong> deutete – hochachtungsvoll! &#8211; an, dieser große Mann, den er nach dem Krieg und dessen Rückkehr aus der Emigration persönlich kennenlernte, könnte schon eine ziemliche Nervensäge gewesen sein. <span id="more-5710"></span>Immerhin war Luft in der Position, über die Skurrilität Kortners auch öffentlich schmunzeln zu können, ohne etwa eine Retourkutsche in Form einer harschen Regieanweisung befürchten zu müssen. „Das war ein schwieriger Mensch“, erzählte Luft 1986 dem RIAS, „er machte es anderen sehr schwer, er nahm die Dinge sehr genau. Er war ungeheuer verliebt in Berlin, geradezu vernarrt in diese Stadt. Er befand sich ständig im Kampf mit ihr, weil er sich hier nicht ausreichend anerkannt fühlte.<br />
Kortner war von einem ungeheuren Witz, von einem geradezu erfrischenden Zynismus, er konnte über andere Leute mit einer Häme herziehen, dass einem das Wasser im Munde zusammenlief. Er war hochgebildet, steckte aber voller eigener Schwierigkeiten, war sich selbst im Wege.“ Geliebt habe er ihn, setzt Luft noch hinzu.</p>
<p>Selbstverständlich gab es auch Meinungsverschiedenheiten.<br />
1950 inszenierte Kortner im Hebbel-Theater seinen berüchtigten „Don Carlos“. Als in Madrid der Frieden ausbrechen soll, ließ er auf der Drehbühne eine Gruppe Soldaten nach vorne rotieren und ins Parkett schießen. Das Volk tat dem Regisseur den (unzweifelhaft beabsichtigten) Gefallen und ließ einen Skandal losgehen – sogar zu Notgeburten im Zuschauerraum soll es  gekommen sein.<br />
Friedrich Luft erzählt: „Es war der zweite Tag nach der Premiere. Ich hatte meine Kritik über diesen ‚Don Carlos’ geschrieben – mit allen Vorbehalten und Irrtümern, die ich in der Aufführung gesehen hatte. Nun kam Kortner mit der Zeitung in der Hand zu mir. Es war ein schrecklicher Augenblick, als ich diesen von  mir eigentlich verehrten aber nun am gleichen Tage gescholtenen Mann vor meiner Türe stehen sah. Mit blutendem Gesicht – er war zu allem Übel auch noch vor meinem Haus hingefallen &#8211; wollte er mir nun erklären, wieso es richtig wäre, wie er gemacht hatte. Einige Tage später fuhr er noch nach Frankfurt zu meinem Chefredakteur. Eine Sekretärin rief mich an und sagte: ‚Herr Kortner ist hier. Er spielt Herrn Wallenberg gerade vor, wie er den ‚Don Carlos’ inszeniert habe, und das dauert jetzt schon zwei Stunden.’ Kortner war tief beleidigt und schrecklich verwundet. Ich glaube immer noch, dass ich recht hatte, aber es schmerzt auch, dass man als Kritiker so große Macht über solche Intelligenzen haben kann.“<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/895af073ff6a40f884b680a95c8c1da3" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/07/22/der-blutende-wueterich/">Der blutende Wüterich</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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