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	<title>Prince Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>Prince Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Was gehe ich mich selber an?</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 10:36:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Gerade habe ich wieder einen dieser Anglizismen zum Selbermachen aufgeschnappt. Er lautet „In-and-Out-Liste“. So etwas wird im Rahmen der guten Vorsätze fürs neue Jahr erstellt und will uns bewusst machen, was wir uns künftig häufiger und was wir uns weniger &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/03/10/27557/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>Gerade habe ich wieder einen dieser Anglizismen zum Selbermachen aufgeschnappt. Er lautet <strong>„In-and-Out-Liste“</strong>. So etwas wird im Rahmen der guten Vorsätze fürs neue Jahr erstellt und will uns bewusst machen, was wir uns künftig häufiger und was wir uns weniger wünschen: mehr Strandspaziergänge, weniger To-Do-Listen oder so. Das Sympathische daran ist, dass wir erkennen, wie groß unser Einfluss auf die Art ist, wie wir unser Leben gestalten.<br>Das ist längst nicht so banal wie es klingt.<br><br>Als Mitarbeiter einer Hamburger Musicalschule war ich irgendwann in den Nullerjahren eine Zeitlang als Coach tätig. Das Institut verpflichtete einige seiner Lehrkräfte, mit kleineren Gruppen von Langzeitarbeitslosen zu workshoppen, um die Performance im Dialog mit potenziellen Chefs zu verbessern.<br>Der Tanzdozent tanzte mit seiner Gruppe, die Gesangsdozentin sang mit ihnen, der Schauspieldozent improvisierte Szenen mit ihnen. Aber was sollte ich als Geschichtslehrer tun? Da wir mit jeder Gruppe dreimal zusammentrafen, überlegte ich mir drei Gesellschaftsspiele, die die Einsicht zur Pointe hatten, wie schnell wir im Alltag dumme Sachen sagen, ohne uns etwas dabei zu denken. Meine Überlegung und Überzeugung: wenn wir Phrasen wie „Blut ist dicker als Wasser!“, „Jeder Mensch ist ein Künstler!“ oder „Mit mir kann man über alles reden!“ einfach vermeiden (oder sie nur dann sagen, wenn wir von ihnen tatsächlich überzeugt sind), wirken wir etwas konzentrierter und vielleicht weniger töricht.<br>An einem der Tage verteilte ich Karten, auf denen solche Sätze notiert waren, und bat die Probanden, sie vorzulesen und dann zu erklären, ob, inwiefern und warum sie ihnen zustimmten oder nicht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="983" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2025/03/mag-ich-mag-ich-nicht.jpg?resize=640%2C983&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-27572" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2025/03/mag-ich-mag-ich-nicht.jpg?resize=667%2C1024&amp;ssl=1 667w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2025/03/mag-ich-mag-ich-nicht.jpg?resize=195%2C300&amp;ssl=1 195w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2025/03/mag-ich-mag-ich-nicht.jpg?resize=768%2C1179&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2025/03/mag-ich-mag-ich-nicht.jpg?resize=1001%2C1536&amp;ssl=1 1001w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2025/03/mag-ich-mag-ich-nicht.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure>



<p>Ich stellte fest, dass alle den ihnen zufällig zugeteilten Satz sehr ernst nahmen. Sie fanden ihre Sätze auch allgemein zutreffend und verteidigten sie, und das sogar dann, wenn der Inhalt so absurd und bösartig war, als stammte er aus unserem heutigen „Diskurs“, etwa: „Wer mit 30 noch nicht in einer festen Beziehung lebt, hat sein Leben verpfuscht!“</p>



<p>Besonders aufschlussreich war aber eine Übung, die ich nur einmal durchgespielt habe. Am letzten Tag der Maßnahme bekam ich eine Runde noch ein viertes mal zugeteilt, da ein Kollege verhindert war. Ich spielte mit ihr „Was ich mag – Was ich nicht mag“. Meine Botschaft: Wir sollten uns klarmachen, was wir uns wünschen und es auch artikulieren. Man wird uns nicht jeden Wunsch erfüllen, aber die Quote wird besser sein als wenn wir unsere Vorlieben für uns behielten. Das passte sehr gut in unser Konzept des Bewerbungsgesprächs.<br>Weil ich diese Aufgabe so simpel fand – und ich habe mich gründlich geirrt! – bat ich darum, jeder möge zehn Dinge in die erste Spalte schreiben und zehn in die zweite. Ich bat darum, nicht so Selbstverständliches aufzuschreiben wie „Krieg mag ich nicht“ – „Urlaub mag ich“ – „Lottogewinn find ich besser als Krebs“, sondern persönliche Vorlieben und Abneigungen. Zuletzt würden wir uns die Ergebnisse gemeinsam ansehen und einander besser kennenlernen.</p>



<p>Bis auf einen Teilnehmer, der das Ganze sehr spielerisch anging, nahmen alle diese Aufgabe sehr missmutig auf. Sie reagierten angefasst. Es fiel ihnen nichts ein. Ein Murren erhob sich. Mit dieser Reaktion hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Als es ans Vorlesen ging, waren die Zettel fast völlig leer, es stand da lediglich ganz vereinzelt „Urlaub“, „Lottogewinn“ bzw. „Krieg“ und „Krebs“ … Als ein wuchtiger älterer Herr verbal mit dem Vorwurf auf mich losging, das alles gehe mich doch nichts an und was das überhaupt solle, musste ich einsehen, dass ich hier als einziger etwas dazugelernt hatte.<br>Kein ruhmreicher Abschluss meiner Coaching-Erfahrung.</p>


<p><img decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/af1418b35752454a9b9f8d978db55f7f" width="1" height="1" alt=""></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/03/10/27557/">Was gehe ich mich selber an?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Geistiger Diebstahl im Sinne des Urhebers</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Aug 2023 16:22:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Begriffserklärungen „Bootleg“ (Raubkopie) und „verschollenes Album“ Der Filmkomponist Bernard Herrmann wurde einmal gefragt, wie er dazu steht, dass von einigen seiner und anderer Soundtracks Raubkopien hergestellt und gehandelt würden. Es war die Zeit, als nur die wenigsten sinfonischen Filmmusiken &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/08/05/23377/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>betr.: Begriffserklärungen <strong>„Bootleg“</strong> (Raubkopie) und <strong>„verschollenes Album“</strong><br><br>Der Filmkomponist <strong>Bernard Herrmann</strong> wurde einmal gefragt, wie er dazu steht, dass von einigen seiner und anderer Soundtracks Raubkopien hergestellt und gehandelt würden. Es war die Zeit, als nur die wenigsten sinfonischen Filmmusiken (jenseits der Titelsongs) überhaupt auf Tonträger veröffentlicht wurden, und wenn dies doch geschah, dann waren auf den LPs nur Teile der Musik zu hören, nicht selten in kleineren Arrangements und / oder im Sinne der Gehörgängigkeit des angenommenen Käufergeschmacks verpoppten Single-Edits.<br>Herrmann hatte jedenfalls kein Problem mit solchen unerlaubten Sammlerstücken, schon weil sie seiner Intention zwangsläufig nahekamen. Er antwortete auf die eingangs gestellte Frage: „Ich wäre froh, wenn die Piraten meine Oper veröffentlichen würden!“<br>Ein halbes Jahrhundert später haben sich die Kopier- und Rezeptionswege der (Film-)Musik an sich ebenso verändert wie die Musik selbst. Die im jeweiligen Film verwendeten Master-Tapes von Herrmann und seinen Kollegen erlebten in den 90er Jahren eine Hochphase in Sammlerkreisen: auf nunmehr von privater Hand herstellbaren CD-Raubkopien.<br><br>Bis in unsere Ära der scheinbar (!) grenzenlosen Verfügbarkeit von praktisch allem, was der User hören möchte, besteht der Mythos des Unveröffentlichten, Verschollenen oder bewusst Zurückgehaltenen fort. Viele Produktionen und Konzertmitschnitte warten in den Tresoren und Nachlässen von Musikern und Produzenten und in Rundfunkarchiven auf ihre Freilassung: eine nachträgliche Veröffentlichung, eine Ausstrahlung in den linearen Medien oder schlicht eine Sicherheitslücke, durch die eine Kopie entweichen kann.<br>Der „Spiegel“* sieht im Phänomen des „verschollenen Albums“ Aufnahmen, die dem Publikum so entzogen sind „wie etwa das Bernsteinzimmer oder Aristoteles’ Ausführungen zum Genre der Komödie (…) – etwas Legendäres, das nur in Abbildungen oder Bruchstücken überliefert  und ansonsten dem Genuss und der Analyse entzogen ist.“ So „sind ‚You’re The Man‘ von Marvin Gaye oder ‚Rubberland‘ von Miles Davis (…) nie erschienen. Die Gründe reichen von stilistischen Differenzen mit der Plattenfirma bis zu künstlerischen Differenzen mit sich selbst. Früher oder später wurde, woran da gearbeitet worden war, als Raubkopie doch einem zahlenden Publikum zugänglich gemacht.</p>



<p><strong>Der Sex-Appel des Verschwundenen</strong></p>



<p>Die Volkswirtschaft lehrt, dass das knappe Gut besonders teuer gehandelt wird. Verschwundenes ist folglich unbezahlbar. Das gilt besonders für musikalisches Material, dessen Obskurität die Nachfrage in schwindelnde Höhen treibt – und dort bisweilen über Jahrzehnte hält. Qualität spielt dabei nur eine nachgeordnete Rolle. Was nie erschienen ist, kann unmöglich überbewertet werden. Deshalb ist das ‚verschollene Album‘ gewissermaßen ein Genre für sich. Es ist der Stoff, aus dem Mythen sind. Legenden, die man sich im Schein der Lavalampe erzählt. Geschichten, an denen sich die Fantasie entzündet. Welche Richtung hätte die Popgeschichte genommen, wenn ‚Smile‘ von den ‚Beach Boys‘ 1967 seine ganze Pracht entfaltet hätte? Wie hätte 1986 ‚Dream Factory‘ von Prince gewirkt, wenn es anstelle von ‚Sign O‘ The Times‘ erschienen wäre? Solche Fragen sind müßig, machen aber Spaß – nicht selten mehr als ihr Gegenstand, wenn er dann doch noch veröffentlicht wird.“<br>Vor solchen Enttäuschungen waren Soundtrack-Sammler sicher – zumindest, wenn sie den Film gesehen hatten.</p>



<p>__________________________<br>* <strong>Arno Frank</strong> in der Ausgabe 32/2023</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/08/05/23377/">Geistiger Diebstahl im Sinne des Urhebers</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Richard Kummerfeldt &#8211; An den Rändern der Traumfabrik (15)</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Nov 2019 16:57:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Fortsetzung vom 8.11.2019 Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafen der digitalen Revolution, in die Welt &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/11/16/richard-kummerfeldt-an-den-raendern-der-traumfabrik-15/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/11/16/richard-kummerfeldt-an-den-raendern-der-traumfabrik-15/">Richard Kummerfeldt &#8211; An den Rändern der Traumfabrik (15)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Fortsetzung vom 8.11.2019</em></p>



<p><em>Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafen der digitalen Revolution, in die Welt der käuflichen Filmmusik, die Seele des Sammlers (heute „Nerd“), die Finessen des sich wandelnden Urheberrechts und erzählt von der Arbeit mit schwierigen Bürohengsten und Künstlerpersönlichkeiten in den 90er Jahren</em>. </p>



<p><strong>Hohle Gassen und andere Engpässe <br> </strong><br>Ich fuhr schon am Samstag los, um mit Heinz noch ein wenig plaudern zu können &#8211; ich brauchte immer einen Tag, um wieder in die Kinoroutine reinzukommen. Die Situation, die ich in Pirmasens vorfand, überstieg meine schlimmsten Befürchtungen. Der gesamte Komplex war eingerüstet, in der Einfahrt waren Türme aus Steinen aufgeschichtet, und Sandhaufen bildeten eine weiche Hügellandschaft. Ein schmaler Gang erlaubte den Zugang zum Kino. Da Samstags überwiegend amerikanische Soldaten aus der Garnison vorbeikamen, war die Besucherzahl an diesem Tag normal. Meist in mehreren kleinen Gruppen schauten sich den Film an, tranken jeder drei bis vier Bier und brachten sich in Stimmung für den anschließenden Discobesuch.<span id="more-14875"></span> Auch ein paar unserer Pirmasenser Stammgäste waren gegenwärtig, eigentlich Kundschaft, die tagsüber unter der Woche kam. Man kannte sich, also konnte ich mich mit den Herren unterhalten. Und das bekam ich zu hören: von montags bis freitags, 8 bis 17 Uhr wuselten die Arbeiter auf der Baustelle herum. Betrat ein Kunde die Einfahrt, wurde er lautstark mit anzüglichen Bemerkungen begrüßt. In einer Kleinstadt bedeutete das nicht nur 25 Meter Spießrutenlauf, sondern auch garantierte namentliche Weiterverbreitung aller Namen beim abendlichen Kneipenbummel der Bauarbeiter.</p>



<p>Auch der Sonntag hatte passable
Besucherzahlen; da kamen meist Pärchen aus dem benachbarten Saarland oder aus
Frankreich herüber. Heinz und ich nutzten diesen Tag, die Abrechnungen der
letzten Wochen durchzugehen und Auswege aus der Misere zu suchen. Meine Idee,
einen zwei Meter hohen Holzzaun mit Abdeckplanen zu errichten, wischte Heinz
vom Tisch. Schließlich gehörte die Einfahrt der Deutschen Bank, wir hatten nur
das Nutzungs- bzw. Zugangsrecht. Bis zum Ende der Bauarbeiten hieß es
Daumendrücken, Durchhalten und hoffen, dass Heinz danach mit seinem Filmverleih
Erfolg haben würde. Und sparen, wo es nur ging. Heinz versicherte mir
wortreich, dass mit seinem Deal keine großen Investitionen verbunden seien, und
so erteilte ich ihm meinen Segen. </p>



<p>Montag: Heinz fuhr schon früh am Morgen Richtung Bayerischer Wald, ich kaufte etwas zum Essen ein und öffnete das Kino pünktlich 10 Uhr. Ich hätte es mir sparen können. Etwa gegen eins kam der erste Kunde, ein, zwei Stunden später der zweite, um 18 Uhr war ich bei 5 und zum Feierabend (kurz vor Mitternacht) bei 12 oder 13 zahlenden Gästen angelangt. Mir fehlten also rund 500 DM Umsatz. So ging es zwei Wochen lang. Ich war deprimiert, und auch ein überschwänglicher Heinz, der den Vertriebsvertrag mit Herrn Klick in den Händen hielt, konnte mich nicht recht aufmuntern. Meinem Vorschlag, den Laden sofort dichtzumachen, stimmte er nicht zu. Ich bräuchte nur Geduld zu haben. <br> Meine Geduld ging ziemlich genau ein Jahr später zu Ende: der Umbau war fertig, die Festung stand, die Einfahrt war frei und nun durch Kameras und Bewegungsmelder gesichert. Betrat ein Amüsierwilliger die Einfahrt, sprangen die Bewegungsmelder an, vier riesige Strahler erleuchteten die Einfahrt taghell, und die Kameras surrten los. Die Schalterbeamten konnten sich am nächsten Tag über die bekannten Gesichter amüsieren. <br> Heinz´ Abenteuer mit dem Filmverleih funktionierte übrigens nicht und wurde sehr viel teurer als veranschlagt. Dieses Geld, zusammen mit den Verlusten aus dem Kino, sollte mir dann in Odense und Berlin fehlen.</p>



<p>Das Weihnachtsgeschäft lief nicht wie erwartet. Das lag nicht daran, dass der Außendienst etwa faul gewesen wäre oder das Proton nur uninteressante Titel im Angebot hatte. Nein, die Firma war mit den wichtigen Titeln nicht lieferfähig. Hinter dem Rücken von VRC wurde gemunkelt, er schulde hier, da und dort seinen Lieferanten erhebliche Summen. Mein Blick in die leeren Regale sagte mir, dass an dem Gerücht etwas dran sein könnte. Victor sprach von einem „vorübergehenden Engpass“, den er bis zur nächsten MIDEM beheben würde. Ich solle einfach mit Alhambra weitermachen. Aber auch Alhambra war nicht ganz unschuldig an der finanziellen Misere. Der Vertrieb in Griechenland hatte die erste Lieferung vereinbarungsgemäß bezahlt, bei den Nachlieferungen hatte er dann die Zahlungen eingestellt. Wir hatten die gleiche Situation in Schweden, und auch Österreich zahlte nur sehr zögerlich. Hatten sich bei uns nur solche Firmen gemeldet, die von anderen Lieferanten nicht mehr bedient wurden, weil man sie schon kurz vor dem Konkurs sah?<br><br>Zur MIDEM fuhr ich also mit wenig Begeisterung. Ich erwartete nicht, dort einen unserer Schuldner anzutreffen, und was sollte ich meinen anderen Partnern sagen? Ich hatte noch keinen Veröffentlichungsplan für das Jahr und mit Vertröstungen war auch niemandem gedient. Zwar hatten wir nun einige aktuelle Titel im Programm, aber neben den Problemen in Pirmasens und Hamburg hatte ich den Flop mit Frederick Talgorns „Le brasier – Höllenglut“ noch im Gepäck. Der Film war von der Produktionsfirma groß als neues französisches Epos beworben worden und dann sang- und klanglos untergegangen. Wir hatten ein hübsches, aber unverkäufliches Produkt. Rezensionen von Filmmusik-CDs gibt es fast nie in der normalen Presse, und wie sah es in unserer Nische aus? Luc van de Veens Magazin hatte ich abgehakt. Er war zu sehr damit beschäftigt, seine eigenen Produktionen in höchsten Tönen zu loben (oder loben zu lassen), und als nicht gerade deutschlandfreundlicher Mensch war ihm auch nicht gerade daran gelegen,  einem dortigen Minilabel zu helfen. Vielleicht gefiel ihm aber nur meine Nase nicht. Kurzum: die MIDEM verlief ohne nennenswerte Höhepunkte … außer einer Begegnung mit Christina Haralambidis (siehe weiter oben). </p>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="640" height="42" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?resize=640%2C42&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-4804" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?resize=1024%2C67&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?resize=300%2C20&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?w=1400&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/11/16/richard-kummerfeldt-an-den-raendern-der-traumfabrik-15/">Richard Kummerfeldt &#8211; An den Rändern der Traumfabrik (15)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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