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	<title>Steven Pinker Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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		<title>Über die mentalesische Brücke (2)</title>
		<link>https://blog.montyarnold.com/2024/10/17/ueber-die-mentalesische-bruecke-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Oct 2024 15:58:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchauszug]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Lesen vom Blatt / Sprechen am Mikrofon Fortsetzung vom 10.10.2024 Ein unerfahrener Vorleser neigt dazu, den mentalesischen Teil zu überspringen. Er gibt die Wörter vom Papier direkt ans Mikrofon weiter, ohne sie unterdessen tatsächlich begriffen (also im genannten Sinne &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/10/17/ueber-die-mentalesische-bruecke-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/10/17/ueber-die-mentalesische-bruecke-2/">Über die mentalesische Brücke (2)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p>betr.: Lesen vom Blatt / Sprechen am Mikrofon</p>



<p><em>Fortsetzung vom 10.10.2024</em></p>



<p>Ein unerfahrener Vorleser neigt dazu, den mentalesischen Teil zu überspringen. Er gibt die Wörter vom Papier direkt ans Mikrofon weiter, ohne sie unterdessen tatsächlich begriffen (also im genannten Sinne bebildert) zu haben. Das merkt der Zuhörer daran, dass ein Singsang entsteht, der recht flüssig daherkommen kann, dem aber unmöglich über einen längeren Zeitraum zu folgen ist. Alles, was der Vorleser zu sehen versäumt, kann der Zuhörende nicht hören. Er wird versuchen, diese Lücke selbst zu füllen und schon nach wenigen Zeilen aufgeben: seine Gedanken schweifen ab.<br>Diese verhängnisvolle Neigung zum Überspringen der mentalesischen Brücke hat mehrere Ursachen, die alle in unserer lebenslangen tagtäglichen kommunikativen Gewohnheit liegen. Vor allem sind wir, wenn wir einen Text privat und im Stillen lesen, etwas großzügiger mit der vollständigen Erfassung des Inhalts. Je nachdem, wie wichtig uns die Lektüre ist oder ob wir sie vielleicht nur tätigen, um etwas Zeit totzuschlagen, fehlen uns einzelne Teile und Bilder, ohne dass wir diesen Fehler bemerken. Das tun wir nur, wenn wir uns wirklich konzentrieren wollen (bei einem Roman oder sonst einem „guten Buch“) oder wenn die Lektüre dem notwendigen Erwerb von Wissen dient (eine Recherche oder das Pauken für eine Prüfung). Im Alltag sind wir es gewohnt, in diesem Punkt nachlässig sein zu dürfen. Beim Vorlesen fällt jedes dieser Versäumnisse sofort auf. (Der Vorleser bemerkt es selbst, wenn er den Faden verliert, unmittelbar bevor sich der hörbare Versprecher ereignet.)</p>



<p>Man tut gut daran, sich von vorneherein auf den Text einzulassen und keine Abkürzungen nehmen zu wollen. Sie kürzen nichts ab.<br>Das (Lese-)Vergnügen, das (nur) auf diese Weise entsteht, kennen wir von Büchern, die wir „verschlungen haben“, und es ist – wie gesagt – die Voraussetzung dafür, dass es ggf. auch der Zuhörer empfinden kann.</p>



<p>Denken und Sprechen haben also viel miteinander zu tun, sind aber nicht identisch. Die Netzwerke, die in unserem Hirn aufleuchten, wenn wir Sätze planen oder verstehen, sind nicht dieselben wie bei abstraktem Denken.<br>Wenn wir fließend lesen, brauchen wir einen Vorsprung beim Überblicken des Textes – unabhängig davon, ob wir ihn erstmalig lesen oder ihn schon für uns „eingerichtet“ haben.* Wir müssen jeden fremden Text in einem Manuskript behandeln, als enthielte er die Gedanken, die uns gerade persönlich bewegen. Es geht auch dann<br>„letztlich um die grundlegenden Werkzeuge, mit denen unser Gehirn die Welt zu begreifen versucht – um fundamentale Konzepte. Etwa die Einteilung der Zeit in Jetzt und Nichtjetzt oder des Raums in nah und fern, berührend und nicht berührend. So filtern wir die Welt bereits, bevor wir sie in Worte fassen.“ In dieser Liste fehlt nur eine zusätzliche Frage, <em>die es in der Natur nicht gibt</em>. Am Mikrofon fragen wir uns ganz zu Beginn: bin ich im ON oder im OFF?**<br>Wenn wir dem jeweiligen Gedankengang auf der abstrakten Ebene folgen und uns Fragen stellen wie „Wie geht’s weiter?“, „Was folgt daraus?“, entsteht eine Art Lückentext. Darin fehlen lediglich die noch ungelesenen Informationen. Diese werden als letzte hinzugefügt / eingebaut, eher der Satz schließlich über unsere Lippen kommt.<br>_________________</p>



<p>Die Zitate stammen aus einem Interview mit dem Kognitionspsychologen <strong>Steven Pinker</strong> im <strong>„Zeit-Magazin“</strong> Nr. 43 vom 10.10.2024.</p>



<p>__________________<br>* Siehe dazu <a href="https://blog.montyarnold.com/2020/06/24/sprechen-am-mikrofon-on-und-off-1/">https://blog.montyarnold.com/2020/06/24/sprechen-am-mikrofon-on-und-off-1/</a> sowie die folgenden Kapitel.<br>** Siehe dazu <a href="https://blog.montyarnold.com/2015/03/15/die-wonnen-der-ersten-lesung/">https://blog.montyarnold.com/2015/03/15/die-wonnen-der-ersten-lesung/</a></p>
<img decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/9e80d65afe404f368b26ddce3c757bdd" width="1" height="1" alt=""><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/10/17/ueber-die-mentalesische-bruecke-2/">Über die mentalesische Brücke (2)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Über die mentalesische Brücke (1)</title>
		<link>https://blog.montyarnold.com/2024/10/10/26415/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Oct 2024 13:03:45 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Lesen vom Blatt / Sprechen am Mikrofon Es gibt dieses alte Klischee, nach dem eine Fremdsprache derjenige wirklich beherrscht, der in dieser Sprache träumt. Das klingt munter und erstrebenswert, aber kann es wahr sein?Viel spricht dafür, dass unser Denken &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/10/10/26415/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/10/10/26415/">Über die mentalesische Brücke (1)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p>betr.: Lesen vom Blatt / Sprechen am Mikrofon </p>



<p>Es gibt dieses alte Klischee, nach dem eine Fremdsprache derjenige wirklich beherrscht, der in dieser Sprache träumt. Das klingt munter und erstrebenswert, aber kann es wahr sein?<br>Viel spricht dafür, dass unser Denken nicht in ausformulierten Sätzen geschieht – und somit auch unter Träumen nicht. Wir beginnen schließlich früher zu denken als wir sprechen können. Und geistig flinke Menschen sind nicht unbedingt eloquent – und umgekehrt. Der Beruf des Schriftstellers wäre viel einfacher, wenn mit jeder Überlegung auch schon eine erste Fassung ihrer Niederschrift in unserem Hirn entstünde. Natürlich gibt es auch ein Hantieren mit Worten und Sätzen in unseren Denkprozessen, aber das ist nur ein Teil davon.</p>



<p>In seinem Buch <strong>„Der Sprachinstinkt“ </strong>legt der Kognitionsforscher <strong>Steven Pinker</strong> weitere Argumente vor, die gegen das buchstabierbare Träumen sprechen. Im Grunde spricht er vom Kopfkino (jener Bebilderung des Gelesenen, die für den guten Vortrag vom Blatt so unerlässlich ist), wenn er erklärt, dass „Sprache nicht dasselbe ist wie Denken. In meiner Doktorarbeit habe ich über eine geistige Fähigkeit geforscht, die nichts mit Sprache zu tun hat, nämlich über Bilder – die Fähigkeit, sich Dinge vorzustellen, die man gerade nicht sieht. Das ist eine von mehreren Formen der mentalen Repräsentation neben den Worten, in denen wir denken. Aber es geht eben noch abstrakter. Der schöne Ausdruck ‚Mentalesisch‘ stammt von meinem Kollegen<strong> Jerry Fodor</strong>.“<br><br>Ein Beispiel: „Wenn wir wissen, dass zwei Sätze synonym sind, also die gleiche Bedeutung haben, dann sind diese beiden Sätze zwei distinkte Arten, dieselbe mentalesische Sache in Sprache zu kleiden. Mentalesisch ist abstrakter als konkrete Sätze. Das begegnet uns auch, wenn wir eine Textpassage lesen und uns danach zwar nicht an den Wortlaut erinnern, aber doch den Kern, den Inhalt kennen. Oder wenn es uns schwerfällt, unsere Gedanken Worte zu fassen.“<br>_____________________</p>



<p>Die Zitate stammen aus einem Interview mit dem Kognitionspsychologen Steven Pinker im <strong>„Zeit-Magazin“ </strong>Nr. 43 vom 10.10.2024.</p>



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