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	<title>Susi und Strolch Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>Susi und Strolch Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Buddha vergessen (3/3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Feb 2021 21:29:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belletristik (eigene Texte)]]></category>
		<category><![CDATA[Buddha vergessen (3)]]></category>
		<category><![CDATA[Monty Arnold Kurzgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Urlaubsgeschichte Fortsetzung vom 7.2.2021 / Schluss Wie er mir erzählte, war er erstmal auf Probe zu Tochter und Schwiegersohn gezogen, und es habe sich bombig angefühlt. Er wusste gar nicht mehr, was für ein Problem er früher mit der &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/02/10/buddha-vergessen-3-3/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Eine Urlaubsgeschichte</strong><br><br><em>Fortsetzung vom 7.2.2021</em> / <em>Schluss</em><br><br>Wie er mir erzählte, war er erstmal auf Probe zu Tochter und Schwiegersohn gezogen, und es habe sich bombig angefühlt. Er wusste gar nicht mehr, was für ein Problem er früher mit der Annette gehabt hatte.<br>“Irgendwann fand ich es total albern, noch extra für den Kaninchenkasten zu zahlen …“<br>“ Kaninchenkasten?“<br>“Na, diese Wohnung auf dem Frauenberg.“<br>“Ach so!“<br>“Und wenn ich’s Ihnen sage: kaum war die Wohnung gekündigt ….“ &#8211; Er klatschte in die Hände. – „Patsch, ging das Gezicke los!“<br>Ich senkte den Kopf.<br>Er nickte dankbar.<br>“Dieses miese, undankbare Stück! Von wegen Augenhöhe, die reine Altersdiskriminierung! Wie einen Trottel behandelt sie mich vor ihrem Macker. Als wäre ich schon senil. Dauernd diese Vorschriften … Widerworte … Klugscheißereien …“<br>Er schilderte einige Situationen, die ich hier nicht wiedergeben kann, ohne indezent zu erscheinen.<br>Ich versuchte, der Unterhaltung mit einem Sprung in die sonnige Gegenwart eine frohe Wendung zu geben.<br>“Na, jetzt sind Sie ja erstmal im Urlaub! Weit weg von Annette … und Manni. Das wird Ihnen guttun! Und wenn Sie wieder zurück sind, überlegen Sie sich in aller Ruhe … Was ist denn? Sie kucken so komisch … Sie sind doch weit weg von Manni und Annette?“<br>“Wie man’s nimmt!“<br>“Ich verstehe nicht …“<br>“Mann! Die haben mich sitzen lassen!“<br>“Wo? Auf dieser Bank?“<br>“Auf dieser Insel!“<br>Ich musste kurz husten. “Das ist doch nicht Ihr Ernst!“<br>Er blickte wieder auf den Parkplatz und verfiel in eine beredte Kunstpause.<br>“Jetzt machen Sie aber mal ’n Punkt! Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Ihre Familie sie hier vergessen hat!“<br>“Pfff! Vergessen! Das war Absicht!“<br>Stolz schwang in diesen Worten.</p>


<p><span id="more-17514"></span></p>


<p>Ich stotterte ein paar Mal. “Die beiden sind wahrhaftig ohne Sie abgereist?“<br>Nun blickte er mir direkt in die Augen. „Hören Sie zu, junger Freund. Was ich jetzt sage, ist die reine Faktenlage: Die haben ausgecheckt, und das Gepäck ist nicht mehr da!“<br>“Ja, aber das muss doch nicht …“<br>“Auf dem Hinflug hat Manni pausenlos von Haustieren gefaselt, die vor dem Urlaub ausgesetzt werden. Das war mal groß in Mode, wissene. Ich dachte nur, wie kommt der darauf? Wir hatten noch nie ein&nbsp; Haustier … Immer wieder fing er an mit dem Mist. Und Annette glotzte immer nur so verschlagen aus der Wäsche – so, als würde sie ihn gerade jemanden die Dreckarbeit erledigen lassen. Jetzt verstehe ich, was das sollte. Das war eine glasklare Andeutung. Nebenbei ganz schön deutlich!“<br>“Na, hören Sie mal, Herr …<br>“Straeten!“<br>“… Herr Straeten, es gibt Gesetze. Die können Sie doch nicht einfach, … das ist ja sittenwidrig!“<br>“Der Kerl an der Rezeption hat sie abfahren sehen, das hat er mir gesagt! Und kurz davor schickt mich diese falsche Schlange von einer Rabentochter noch einmal vor die Tür. Mach doch noch’n Spaziergang! Ich denk, was soll der Scheiß? Na gut. Hol ich mir vor der Rückreise halt ein bisschen Sonne ab – Pfeifendeckel. Ich laufe ums Haus, komme wieder und … den Rest der Geschichte kennen Sie!“<br>“Okay. Und was werden Sie machen?“<br>“Mir wird schon was einfallen! Ich habe immer auf eigenen Füßen gestanden. Das werde ich jetzt wieder tun! Ich fang von vorne an!“<br>“Wollen Sie Ihre Familie nicht doch noch mal … ausrufen lassen …? Nicht?“<br>Wir schwiegen.<br>“So kann’s gehen!“ murmelte er irgendwann. „Und dabei hatte ich mir geschworen, niemals zu einem von diesen alten Heinis zu werden, die ihrer Familie im Weg sind. Unanhängig sein, das war mir wichtig. Und wenn man Pflege braucht, lässt man sich einliefern und geht <em>den Profis</em> auf den Sack. Leuten, die das beruflich machen.“<br>Plötzlich zerschnitt ein gellender Ruf die leise blubbernde Parkplatz-Atmosphäre.<br>“Hamfred!“<br>Wir fuhren herum. Eine magere Frau mit Hawaiihemd ruderte wild mit den Armen. Ihre leicht gelbliche Gesichtsfarbe kam mir bekannt vor.<br>Sie lief stramm in unsere Richtung, ein gleichgültig wirkender, untersetzter&nbsp; Mittdreißiger folgte ihr.<br>“Du bist mir ja einer“, sagte die Frau und begann routiniert, meinen Gesprächspartner aus der Bank herauszuhebeln und aufzurichten.<br>“Wir haben schon ausgecheckt! Samma, jetzt müssen wir uns aber wirklich sputen! Kuckma, das Taxi wartet schon! Hömma, dich hier zu verstecken, dat haste doch mit Absicht gemacht. Zum Glück hat der Manni dich entdeckt. Also, ich hab und hab dich nicht gesehen …“</p>



<p>Das Grüppchen entfernte sich unterdessen.&nbsp;<br>Ich vermied es, den Herrn noch einmal anzusehen. Diese unerwartete Resozialisierung war ihm sicher peinlich.<br>Ob er diese Geschichte eigentlich selbst geglaubt hatte? Oder war er einfach jemand, der gern deutsche Touristen veräppelte? Wirklich irre, wie überzeugend er mit sich und seinem neuen Single-Dasein gerungen hatte.<br>Ich musste an diese Szene aus „Susi und Strolch“ denken, bei der ich als Kind immer eine Gänsehaut bekommen hatte, diese Szene, als die beiden auf einer Anhöhe stehen und zum Ort hinuntersehen &#8211; und dann in die Ferne blicken.<br>“Schau mal da runter, Susi! Hinter diesen Hügeln liegt ein Leben ohne Zäune und ohne Hundeleine …“<br>Ich war mir sicher, irgendwo dort läge es tatsächlich.<br>Hinter jenen Hügeln.</p>


<p><img decoding="async" src="http://vg01.met.vgwort.de/na/3446ad981411442592046b3d0ce6069f" width="1" height="1" alt=""></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/02/10/buddha-vergessen-3-3/">Buddha vergessen (3/3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Buddha vergessen (1/3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Feb 2021 21:19:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belletristik (eigene Texte)]]></category>
		<category><![CDATA[Buddha vergessen (1)]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Urlaubsgeschichte Klaus-Uwe war maulig. Das konnte ich gut verstehen.Seine Ankunft im Hotel – unsere Ankunft &#8211; hatte mit Zahnweh begonnen. Das konnten ja heitere Ferien werden. Ich hatte mich als echter Leitwolf erwiesen und – mit Hilfe des Rezeptionisten &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/02/04/17470/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p><strong>Eine Urlaubsgeschichte</strong><br><br>Klaus-Uwe war maulig. Das konnte ich gut verstehen.<br>Seine Ankunft im Hotel – unsere Ankunft &#8211; hatte mit Zahnweh begonnen. Das konnten ja heitere Ferien werden. Ich hatte mich als echter Leitwolf erwiesen und – mit Hilfe des Rezeptionisten und seines Internet-Anschlusses – einen Zahnarzt ausfindig gemacht, der sich ganz in der Nähe befand.<br>Klaus-Uwe lobte mich nicht dafür, und falls Susanne stolz auf mich war, so zeigte sie es nicht. Sie scannte mit einer raschen Drehung des Kopfes den Platz vor dem Hotel.<br>“Wo ist denn nun unser Mietwagen?“ fragte sie. „Sagtest du nicht, der würde schon dastehen?“<br>(Ursprünglich hatten wir nämlich geplant, die landschaftliche Schönheit dieser Touri-Hochburg aus dem fahrenden Auto zu erforschen.)<br>“Tut mir leid“, erklärte ich. „Irgendein platter Reifen oder sowas. Die schicken jemanden her, der uns einen neuen Wagen bringt. … Der müsste aber auch längst hier sein …“<br>“Hast du gehört, Klaus-Uwe? Müsste.“<br>Ich versuchte, Konversation zu machen und brachte das Gespräch auf den Film, den ich für unseren Herflug ausgesucht und auf meinem Laptop vorgeführt hatte.<br>“Hat Dir denn wenigstens der Trickfilm gefallen? Ich fand ‚Susi und Strolch’ ja immer großartig!“<br>“’Susi und Strolch’ ist doof“, korrigierte mich Klaus-Uwe. „Sind doch nur olle Zeichnungen.“<br>“Solange das Auto noch nicht hier ist, können wir nicht weg“, meinte Susanne und scannte noch ein bisschen.<br>“Aber das macht doch nichts“, wandte ich ein. „Die Arztpraxis ist doch nur zwei Minuten von hier. Sagt der Mann an der Rezeption …“<br>“Und was machen wir, wenn der Typ mit dem Wagen kommt, während wir beim Arzt sind? Der ist imstande und zischt wieder ab!“<br>“Dann geht ihr doch ohne mich zum Arzt“, schlug ich vor. „Ich bin euch sowieso keine Hilfe. Stattdessen warte ich hier auf den Mietwagen!“<br>Susanne sah etwas verdrossen aus – wie immer, wenn meine Logik nicht zu widerlegen war – und setzte sich mit einem leisen „Komm!“ in Bewegung, den kläglichen Klaus-Uwe hinter sich herziehend. <br><br>Als sie mit ihm zwischen den dichtgedrängten weißen Häusern mit den Kuppeldächern verschwunden war, befiel mich ein eigenartiges Gefühl. Ich brauchte ein paar Sekunden, bis ich es benennen konnte: Ich war allein. Zum ersten Mal seit Beginn der Sommerferien war ich allein. Das einzige, was mich an meinen Normalzustand erinnerte, konnte ich erst nach einer kurzen Phase des Innehaltens benennen: es war der Duft meiner Sonnencreme. <br>Der Zeitpunkt war ideal. Der erste Urlaubstag setzt Vaterfiguren immer ein wenig unter Druck, und dieser Verlegenheit war ich nun entkommen.<br>Ich ahnte, dass unser Wagen noch eine Weile brauchen würde, aber ich konnte hier nicht weg. Was hätte ich auch großartig machen sollen – auf einer Insel, auf der es ganz sicher kein Schallplattenantiquariat gab?<br>Ich ließ den Blick schweifen und dachte nach, wie sich die Zeit am besten totschlagen ließ.</p>



<p>Irgendwo in westlicher Richtung gab es so etwas wie eine Altstadt, gleich neben einer alten rotbraunen Festung, die auf einer Landzunge lag.<br>Ich konnte sie nicht sehen, stattdessen entdeckte ich einen Mann, der ganz allein auf einer etwas unglücklich platzierten Bank saß &#8211; sie war nicht auf das Meer ausgerichtet, sondern auf die Hotelanlage. Der Mann starrte wie ein Ganescha auf den staubigen Parkplatz … Sie kennen doch diese molligen, elefantenköpfigen Kaufmanns-Schutzheiligen, die man in Andenkenläden findet? So sah er aus. &#8211; Na, ganz so war es nicht. Er war zurechtgemacht wie ein Pauschaltourist aus dem Rheinland, aber das wirkte wie eine Verkleidung. Er kam von ganz weit her &#8211; das sah ich sofort &#8211; und verströmte die Aura einer abgeschiedenen Bergregion.<br>Es war mir unmöglich zu erraten, was für ein Landsmann er wohl sein mochte.<br>Er mochte Ende fünfzig sein und war so dick, als käme er von dieser Bank ohne fremde Hilfe nicht wieder hoch. Doch er war nicht von dieser weichtierhaften, herabhängenden Verquollenheit, zu der wir Mitteleuropäer neigen, wenn wir in ein gewisses Alter kommen. Er wirkte edel, stattlich, beinahe schön in seiner Fülle. Bei irgendeinem weitgereisten Schriftsteller – Kipling? Maugham? … &#8211; hatte ich mal gelesen, dass Inder – oder waren es Burmesen? – nicht in der unsrigen Weise zunehmen (nämlich dort, wo es besonders unvorteilhaft aussieht und maximal im Wege ist), sondern symmetrisch. Wie eine schwellende Frucht.<br>Der Mann auf der Bank machte es vor.<br>Wenn ich das Susanne erzählt hätte, wäre sie mir bestimmt wieder mit ihrer <em>political correctness</em> gekommen: man darf die Menschen anderer Kulturen nicht beschreiben, nicht mal mit lobenden Worten.<br>„Das gehört sich nicht, hörst du? Das ist Kolonialstil!“<br>Soweit ich weiß, darf man inzwischen nicht einmal mehr andere Deutsche beschreiben, ohne dass irgendjemand einen Shitstorm loslässt.<br>Zum Glück waren beide gerade nicht in der Nähe, um mich zurechtzuweisen: weder Susanne noch die Netzgemeinde. Und so erwachte in mir jener romantische Trieb, der seit meiner letzten Junggesellen-Reise fast in Vergessenheit geraten war: der Wunsch, in die Geheimnisse ferner Gestade einzudringen.</p>



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<p><img decoding="async" src="http://vg01.met.vgwort.de/na/dccba87671cb4b2eaa91d1443edd5176" width="1" height="1" alt=""></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/02/04/17470/">Buddha vergessen (1/3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Buddha vergessen (1/2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Jun 2019 13:49:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchauszug]]></category>
		<category><![CDATA[Manuskript]]></category>
		<category><![CDATA[Buddha vergessen]]></category>
		<category><![CDATA[Monty Arnold Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Susi und Strolch]]></category>
		<category><![CDATA[Urlaubsgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Urlaubsgeschichte von Monty Arnold Klaus-Uwe war maulig. Das konnte ich gut verstehen. Seine Ankunft auf Gran Canaria – unsere Ankunft &#8211; hatte mit Zahnweh begonnen. Das konnten ja heitere Ferien werden. Ich hatte mich als echter Leitwolf erwiesen und &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/06/17/13632/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/06/17/13632/">Buddha vergessen (1/2)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Urlaubsgeschichte von Monty Arnold</strong></p>
<p>Klaus-Uwe war maulig. Das konnte ich gut verstehen.<br />
Seine Ankunft auf Gran Canaria – unsere Ankunft &#8211; hatte mit Zahnweh begonnen. Das konnten ja heitere Ferien werden. Ich hatte mich als echter Leitwolf erwiesen und – mit Hilfe des Rezeptionisten und seines Internet-Anschlusses – einen Zahnarzt ausfindig gemacht, der sich ganz in der Nähe des Hotels befand.<br />
Klaus-Uwe lobte mich nicht ausdrücklich dafür. Zur Behandlung musste er ja schließlich selbst – das konnte ich im nicht ersparen. Und falls Susanne stolz auf mich war, so zeigte sie es nicht.<span id="more-13632"></span><br />
Sie scannte mit einer raschen Drehung des Kopfes den Platz vor dem Hotel.<br />
“Wo ist denn nun unser Mietwagen?“ fragte sie. „Sagtest du nicht, der würde schon bereitstehen?“<br />
“Tut mir leid“, erklärte ich. „Irgendein platter Reifen oder sowas. Die schicken jemanden her, der uns einen neuen Wagen bringt. … Er müsste doch längst hier sein …“<br />
“Hast du gehört, Klaus-Uwe? Müsste.“<br />
Ich versuchte, Konversation zu machen und brachte das Gespräch auf den Film, den  ich für unseren Herflug ausgesucht und auf meinem Laptop vorgeführt hatte.<br />
“Hat Dir denn wenigstens der Trickfilm gefallen? Ich fand ‚Susi und Strolch’ ja immer großartig!“<br />
“’Susi und Strolch’ ist doof“, korrigierte mich Klaus-Uwe. „Der ist ja nicht mal 3-D.“<br />
Das Auto konnten wir im Augenblick sowieso nicht brauchen, denn durch unseren kleinen Krankheitsfall mussten wir unseren Plan, die landschaftliche Seite dieser Touri-Hochburg zu erkunden, ohnehin verschieben. Aber organisatorisch war die Situation wirklich etwas unpraktisch.<br />
“Solange das Auto noch nicht hier ist, können wir nicht weg.“ meinte Susanne und scannte noch ein bisschen.<br />
“Aber das macht doch nichts“, wandte ich ein. „Die Arztpraxis ist doch nur zwei Minuten von hier. Sagt der Mann an der Rezeption …“<br />
“Und was machen wir, wenn der Typ mit dem Wagen kommt, während wir beim Arzt sind? Der ist imstande und zischt wieder ab!“<br />
“Dann geht ihr doch ohne mich zum Arzt“, schlug ich vor. „Ich bin euch sowieso keine Hilfe, ich alter Impfpass-Vergesser. Und ich warte hier inzwischen auf den Mietwagen!“<br />
Susanne sah etwas verdrossen aus – wie immer, wenn meine Logik nicht zu widerlegen war – und setzte sich mit einem leisen „Komm!“ in Bewegung, den kläglichen Klaus-Uwe hinter sich herziehend.</p>
<p>Als sie mit ihm um die Ecke gebogen war, befiel mich ein eigenartiges Gefühl. Ich brauchte ein paar Sekunden, bis ich es benennen konnte: Ich war allein. Zum ersten Mal seit Beginn der Sommerferien war ich allein.<br />
Der erste Urlaubstag setzt den Superpapa immer ein wenig unter Druck, und dieser Verlegenheit war ich nun entkommen.</p>
<p>Ich ahnte, dass unser Wagen noch eine Weile brauchen würde, aber ich konnte hier nicht weg. Was hätte ich auch großartig machen sollen – auf einer Insel, auf der es ganz sicher kein Antiquariat für Comics gab.<br />
Ich ließ den Blick schweifen und dachte nach, wie sich die Zeit am besten totschlagen ließ.<br />
Da entdeckte ich einen Mann, der ganz allein auf einer etwas unglücklich platzierten Bank saß &#8211; sie war nicht auf das Meer ausgerichtet, sondern auf die Hotelanlage. Der Mann starrte wie ein Ganescha auf den staubigen Parkplatz (… Sie kennen doch diese molligen, elefantenköpfigen Kaufmanns-Schutzheiligen, die man in Andenkenläden findet?). So sah er aus. &#8211; Na, ganz so war es nicht. Er war zurechtgemacht wie ein Pauschaltourist aus dem Rheinland, aber das wirkte wie eine Verkleidung. Er kam von ganz weit her, das sah ich sofort, er verströmte die Aura einer abgeschiedenen Bergregion.<br />
Es war mir unmöglich zu erraten, was für ein Landsmann er wohl sein mochte.<br />
Er mochte Ende fünfzig sein und war so dick, als käme er von dieser Bank ohne fremde Hilfe nicht wieder hoch. Doch er war nicht von dieser weichtierhaften, herabhängenden Verquollenheit, zu der wir Mitteleuropäer neigen, wenn wir in ein gewisses Alter kommen. Er wirkte edel, stattlich, beinahe schön in seiner Fülle. Bei irgendeinem weitgereisten Schriftsteller – Kipling? Maugham? … &#8211; hatte ich mal gelesen, dass Inder – oder waren es Burmesen? – nicht in der unsrigen Weise zunehmen (nämlich dort, wo es besonders unvorteilhaft aussieht und maximal im Wege ist), sondern symmetrisch. Wie eine schwellende Frucht.<br />
Der Mann auf der Bank machte es vor.<br />
Wenn ich das Susanne erzählt hätte, wäre sie mir bestimmt wieder mit ihrer <em>political correctness</em> gekommen: man darf die Menschen anderer Kulturen nicht beschreiben, nicht mal mit lobenden Worten.<br />
„Das gehört sich nicht, hörst du? Das ist Kolonialstil!“<br />
Soweit ich weiß, darf man inzwischen nicht einmal mehr andere Deutsche beschreiben, ohne dass irgendjemand einen Shitstorm loslässt.<br />
Zum Glück waren beide gerade nicht in der Nähe, um mich zurechtzuweisen: weder Susanne noch Facebook.</p>
<p>Und so erwachte in mir jener romantische Trieb, der seit meiner letzten Junggesellen-Reise fast in Vergessenheit geraten war: der Wunsch, in die Geheimnisse ferner Gestade einzudringen.<br />
Dieser rätselhafte Exot stammte mit Sicherheit nicht von der Insel – hier gab es ja fast nur deutsche Touristen. Seine Anwesenheit auf diesem schlichten Sitzmöbel war ein Zeichen des Himmels. Da ich nicht die Absicht hatte, meine Familie zu verlassen, würde ich nie wieder allein auf Reisen gehen können. Und noch einmal würde mir Klaus-Uwe nicht die Freude machen, in den Ferien Zahnschmerzen zu bekommen. Der rätselhafte Sitzriese war vielleicht meine letzte Chance, vor Ort meinen Horizont zu erweitern.<br />
Ich sah ihn mir unter diesem Gesichtspunkt noch einmal genauer an. Zum Glück befand ich mich leicht schräg hinter ihm, sonst wäre es mir längst peinlich gewesen, ihn so lange anzustarren.<br />
Jetzt gilt’s, dachte ich.<br />
Ich würde es mir nie verzeihen, wenn ich nicht wenigstens herausbekam, woher er stammte. Mit Englisch kommt man ja überall durch, einen Versuch war es also wert. Das Hotel war in Sichtweite. Susanne und der Kleine würden mich schon finden, wenn sie mich leicht schräg von hinten auf der Bank entdeckten. Ich beschloss, mich – wenn er nichts dagegen hatte – zu ihm zu setzen und etwas mit ihm zu plaudern.</p>
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