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	<title>&quot;Die Banditen&quot; Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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		<title>Geliebter Offenbach</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jun 2019 14:26:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Radio-Sonderprogramme zum gestrigen 200. Geburtstag von Jacques Offenbach Jacques Offenbach ist der einzige Künstler, der in meinem Herzen einen ebensogroßen Raum einnimmt wie im bildungsbürgerlichen Kanon. Obschon sein gestriger 200. Geburtstag also im allgemeinen Bewusstsein, in seiner Geburtsstadt Köln sowie &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/06/21/geliebter-offenbach/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: Radio-Sonderprogramme zum gestrigen 200. Geburtstag von <strong>Jacques Offenbach</strong></p>
<p><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-13678" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Prinzessin-von-Trapezunt.jpg?resize=640%2C437&#038;ssl=1" alt="Prinzessin von Trapezunt" width="640" height="437" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Prinzessin-von-Trapezunt.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Prinzessin-von-Trapezunt.jpg?resize=300%2C205&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Prinzessin-von-Trapezunt.jpg?resize=1024%2C699&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><br />
Jacques Offenbach ist der einzige Künstler, der in meinem Herzen einen ebensogroßen Raum einnimmt wie im bildungsbürgerlichen Kanon. Obschon sein gestriger 200. Geburtstag also im allgemeinen Bewusstsein, in seiner Geburtsstadt Köln sowie in den meisten Medien (dem Fernsehen etwa oder dem Internet) niemandem auffiel, so kommt er doch im Rundfunk zu seinem Recht.<br />
Die Technik macht’s möglich: die heute zuendegehende Woche, die diesen Jubeltag umgibt, war in archivarischer Hinsicht ein derartiges Besäufnis, dass ich mein Lieblings-Offenbach-Motiv – das dekadente <strong>Violinsolo</strong> aus der <strong>„Orpheus“-Ouvertüre</strong> &#8211; in Dauerschleife zu hören meinte (den üblichen Tinnitus gnädig verdrängend).</p>
<p>In den unzähligen öffentlich-rechtlichen Kulturprogrammen wurde Offenbach überschäumend gefeiert: mit Features, Sendereihen, Konzerten und Archivaufnahmen. Und mit einer reichlich grotesken „Offenbachiade“ von Dominique Horwitz (dessen vulgär-morastiger Charme weitaus besser zu François Villon passt als zu Offenbach). Mein Lieblingsmoderator <strong>Matthias Käther</strong> durfte seinen wöchentlichen <strong>&#8222;Opernführer&#8220;</strong> auf dem <strong>rbb</strong> zum monothematischen Fünfteiler ausdehnen &#8230;<br />
Natürlich konnte ich mir die ganze Pracht nicht linear anhören, aber zum Glück haben wir heute Home-Entertainment-Bedingungen, von denen Offenbachs Zeitgenossen nicht einmal träumten. Der Festplattenrecorder dampfte im Dauerbetrieb, und ich habe mir ganz schön was abgeholt für meine Gebühren.<br />
Wer weniger auf der Hut war oder kein solches Gerät bewirtschaftet, der kann die ARD-App und die einschlägigen Mediatheken nutzen, um sich dieses Vergnügen nachträglich zu bereiten.<span id="more-13672"></span></p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-13677" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Perichole.jpg?resize=640%2C410&#038;ssl=1" alt="Perichole" width="640" height="410" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Perichole.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Perichole.jpg?resize=300%2C192&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Perichole.jpg?resize=1024%2C657&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></p>
<p>Jacques Offenbachs Musik ist lebensfroh und dekadent, aber sie besingt nicht das besinnungslose Besäufnis, die rasende Verfressenheit. In ihr schwingt immer das Wissen um die Vergänglichkeit der süßen Stunden mit, das Bewusstsein, dass sich Glücksmomente nicht endlos dehnen lassen, und dass man daher die Feste feiern muss wie sie fallen. (Ganz recht: man <em>muss</em>.) Jede Lust mag Ewigkeit wollen, dennoch braucht das Wissen um ihre Endlichkeit, um sich wahrlich entfalten zu können.<br />
Offenbachs Schwung ist das Gegenteil vom Gestampfe des Ballermann-Schlagers.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es ist sein Schicksal und der Preis des Erfolges, dass er vom Bildungsbürgertum nicht für voll genommen wurde und man weder seine subtil-melancholischen Töne noch seine politische und gesellschaftliche Satire zu würdigen wusste. So ist es bis heute geblieben: der Opernbetrieb hat grundsätzlich keine Hemmungen, etwa den Can-Can an irgendeine seiner komischen Opern anzuhängen – eine Ferkelei, die man sich bei Wagner und Verdi niemals trauen würde</p>
<p><strong>Kurzbiographie &#8211; Offenbach und seine Zeit</strong><strong><br />
</strong><br />
Jacob Offenbach kam am Großen Griechenmarkt No. 1 in Köln zur Welt. Sein Vater Isaac war Kantor in der Kölner Synagoge und brachte ihm Geige- und Cellospielen bei. Als er 14 war, lieferte ihn Papa am bekannten Konservatorium in Paris ab. Das Privileg, dort zu studieren, war damals eigentlich Franzosen vorbehalten &#8211; kurz zuvor war noch der Klaviervirtuose Franz Liszt abgelehnt worden. Doch Offenbach, das Cello-Wunderkind, hatte Erfolg. Zwar schmiss er das Studium nach kurzer Zeit, doch aus Jakob wurde Jacques, der sich als Cellist und Komponist in Paris einen Namen machte. Die nächsten Jahre über trat er in den Pariser Salons als Instrumentalsolist auf, wo er als „Paganini des Cellos“ gefeiert wurde. Seine persönliche Verehrung galt vor allem Rossini, in dem er ein seelenverwandtes Genie erblickte und dem er mit einer „Hommage à Rossini“ für Cello und Klavier huldigte. Dem Meister aus Pesano wiederum wird die Bezeichnung Offenbachs als „Petit Mozart des Champs Elysés“ zugeschrieben.<br />
In dieser Phase seiner Karriere komponierte Offenbach zahlreiche Stücke für sein Instrument, die nach und nach in unsere Konzertprogramme zurückkehren. Was seinen Ruhm begründete, waren jedoch die noch folgenden 102 oftmals wagemutigen Musiktheaterstücke, mit denen Offenbach der Romantik eine komische Seite hinzufügte und ein neues Genre schuf.</p>
<p>Mit der ersten Pariser Weltausstellung 1855 beginnt die französische Moderne – und nicht zufällig auch die Geschichte der Operette! Denn Offenbach war bemüht, die Touristenmassen der Ausstellung anzulocken. In seinem rechtzeitig eröffneten kleinen „Théâtre des Bouffes-Parisiens“ wollte er eigentlich winzige Komödien mit möglichst wenig Aufwand auf die Bühne bringen, doch seine grotesken Einakter wurden bald zum Geheimtipp der Stadt. Sie gelten heute als die ersten echten Operetten. Das Genre kam somit auf die gleiche Weise zustande wie 150 Jahre später das Musical: auf der Basis einer zuvor existierenden Musiktheaterform  (der Komischen Oper) und in der Werkstatt emsiger Atelier-Produktionen, die sich vor Publikum bewähren mussten.*</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-13680" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Genevi%C3%A8ve-de-Brabant.jpg?resize=640%2C444&#038;ssl=1" alt="Geneviève de Brabant" width="640" height="444" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Genevi%C3%A8ve-de-Brabant.jpg?w=1299&amp;ssl=1 1299w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Genevi%C3%A8ve-de-Brabant.jpg?resize=300%2C208&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/06/Genevi%C3%A8ve-de-Brabant.jpg?resize=1024%2C710&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></p>
<p>Nach deren Erfolg wagte sich Offenbach nur zögerlich an abendfüllende Stücke. Als er sein erstes längeres Werk „Orpheus in der Unterwelt“ herausbrachte, war er bereits 39 Jahre alt. &#8222;Orpheus in der Unterwelt&#8220; parodiert die Legende vom mythischen Sänger, der seine Frau von den Toten zurückholt &#8211; nur dass die beiden einander in seiner frechen Aufbereitung längst nicht mehr riechen können.<br />
Offenbachs Dreiakter sollten ihm bald einen Ruhm verschaffen, der selbst den seines radikalsten Verächters Richard Wagner überflügelte. In den 1860er Jahren träumten die Menschen in ganz Europa davon, in Paris „Die schöne Helena“ oder „Die Großherzogin von Gerolstein“ zu sehen.<br />
Nun ein gefeierter Operetten-Komponist, versuchte Offenbach, dem Publikum in komplexeren Werken zu zeigen, dass er mehr produzieren konnte als musikalische Farcen am Fließband. Opern wie „Fantasio“, „Die Rheinnixen“ oder „Vert-Vert“ sind nicht nur Vorstudien zum späten Meisterwerk „Hoffmanns Erzählungen“, sie haben eine eigene unverwechselbare Musiksprache.</p>
<p>Der deutsch-französische Krieg 1870/71 brachte die Wende: in Frankreich wurde Offenbach nun als &#8222;Deutsch-Jude&#8220; angefeindet und &#8211; als er die Franzosen seiner Solidarität versicherte &#8211; in Deutschland als Vaterlandsverräter und &#8222;französisch-dekadent&#8220; abgelehnt. Sein Weltbürgertum (als Jude, gebürtiger Deutscher und zum Katholizismus übergetretener naturalisierter Franzose) geriet zur Heimatlosigkeit.<br />
Nach dem Zusammenbruch des Zweiten Kaiserreichs kam ihm mit seinem Widerpart Napoleon III. auch sein Stammpublikum abhanden. Doch der zähe Optimist schaffte es, sich in kurzer Zeit wieder als Superstar zu etablieren – mit Neufassungen alter Erfolge und frischen Werken wie „Die Reise zum Mond“, „Madame Favart“ und eben: „Hoffmanns Erzählungen“.<br />
Die Uraufführung dieser großen Oper sollte der Meister nicht mehr erleben. Er starb mit 61 an den Folgen seines rauschhaften Lebenswandels und seiner langjährigen Gebrechen. Obwohl &#8222;Hoffmanns Erzählungen&#8220; nicht im Sinne der Materialsituation unvollendet war, begann nun eine lange Zeit des Änderns, Umstellens, Streichens und Interpolierens. 134 Jahre sollte es dauern von den ersten Skizzen bis zur fertig rekonstruierten, lückenlosen Partitur. (Somit ist auch die nach wie vor eindrucksvolle Referenz-Einspielung von 1964, die sich im Jubiläumsprogramm findet, schon wieder überholt.)</p>
<p><strong>Offenbach und Offenbarung &#8211; fängt beides mit &#8222;Offenba&#8220; an.</strong></p>
<p>Kein anderer Musikdramatiker hat eine so glanzvolle und vielfältige Rundfunk-Diskographie aufzuweisen. Deutsche und französische Rundfunkanstalten produzierten nach 1945 bis in die 90er Jahre hinein immer wieder charismatische Gesamt- und Einzelaufnahmen, die nicht für den Platten- oder CD-Markt, sondern exklusiv für Radiohörer gedacht waren. Der WDR fühlte sich seinem großen Sohn besonders verpflichtet. In Rufweite zum Großen Griechenmarkt und zum Opernhaus, wo die bescheidene Synagoge des Vaters Isaac Offenbach stand, hat er über Jahrzehnte Jacobs Werke produziert: die großen wie „Die Banditen“ und „Die Großherzogin von Gerolstein“, die obskuren Einakter à la „Die Rose von Saint-Flour“ oder „Die Hanni weint, der Hansi lacht“, hat den bekannten Werken und den unbekannten wie dem Bad Emser „Coscoletto“ Lorbeeren gewunden.<br />
____________________<br />
* Zu Jerome Kern und seinen Bemühungen, auf der Basis der Operette ein amerikanisches Musiktheater auszudefinieren, siehe <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/07/01/broadways-like-that-15-in-der-werkstatt/">https://blog.montyarnold.com/2016/07/01/broadways-like-that-15-in-der-werkstatt/</a><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/fc1f84cf23b14ed9bc966f5cd0848ed2" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Old Economy</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Jun 2016 10:57:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 197. Geburtstag von Jacques Offenbach Wann immer sich Geschichte wiederholt, wird es ungemütlich für die Menschheit. Dazu gesellt sich noch die Schmach, wieder einmal nicht aufgepasst bzw. die Geschichtsbücher nicht sorgfältig gelesen zu haben. Die aktuelle Wirtschaftskrise funktionierte nach &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/06/20/old-economy/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/06/20/old-economy/">Old Economy</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 197. Geburtstag von <strong>Jacques Offenbach</strong></p>
<p>Wann immer sich Geschichte wiederholt, wird es ungemütlich für die Menschheit. Dazu gesellt sich noch die Schmach, wieder einmal nicht aufgepasst bzw. die Geschichtsbücher nicht sorgfältig gelesen zu haben. Die aktuelle Wirtschaftskrise funktionierte nach dem gleichen Muster wie der <strong>Börsencrash von 1929</strong>, und schon dieser wäre nicht nötig gewesen. In der Weltliteratur des 19. Jahrhunderts finden sich recht präzise Hinweise auf die Tücken des kapitalistischen Systems – bei <strong>Emile Zola</strong> etwa in <strong>„Das Geld“</strong> oder bei <strong>Gogol</strong> in „Die toten Seelen“. Zu diesen heiteren Propheten des Untergangs gehört auch Jacques Offenbach.<br />
Für das Pariser Publikum von 1969 waren <strong>„Die Banditen“</strong> dessen letzte große, bedeutsame Operette. Ungeachtet ihrer gewohnten Schmissigkeit und satirischen Treffsicherheit, handelt es sich um ein Krisenwerk. Es brodelte in Offenbachs Privatleben wie auch in der Politik.</p>
<p><em><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-5451" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/06/Kassierercouplet.jpg?resize=640%2C738&#038;ssl=1" alt="Kassierercouplet" width="640" height="738" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/06/Kassierercouplet.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/06/Kassierercouplet.jpg?resize=260%2C300&amp;ssl=1 260w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/06/Kassierercouplet.jpg?resize=889%2C1024&amp;ssl=1 889w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" />Gustaf Gründgens&#8216; &#8222;Kassierercouplet&#8220; aus den &#8222;Banditen&#8220; von 1932. (Text und komplette Noten weiter unten als PDF.)</em></p>
<p>Seit 1855 hatte Meister Offenbach ununterbrochen Werk um Werk vorgelegt. „Die Banditen“ waren <strong>seine 74. Operette</strong><span id="more-5445"></span>, und er bekannte in einem Brief „der kleinen Refrains“ müde zu sein. Zwischen ihm und seinen berühmten Librettisten machte sich gereizte Stimmung breit. Meilhac und Halévy wandten sich von ihm ab und liefen ausgerechnet zu einem seiner Schüler über, Georges Bizet, um gemeinsam die „Carmen“ zu erschaffen.</p>
<p>Die Zuschauer hatten unter dem Ärger hinter den Kulissen nicht zu leiden. „Les Brigands“ spiegelt auf amüsante Art die in der Luft liegende gesellschaftliche Spannung wieder.<br />
Frankreich wurde von gewaltigen Finanzskandalen erschüttert. Arbeiterunruhen und republikanische Strömungen bekamen Aufwind, auch die Revanchisten witterten Morgenluft. Tatsächlich sollte das Zweite Kaiserreich nur noch ein knappes Jahr weiterexistieren.<br />
Die Handlung zeigt uns altmodische italienische Räuberbande, die aus dem Klassiker von Offenbachs Vorbild D. F. E. Auber „Fra Diavolo“ entsprungen sein könnte. Die Banditen verkleiden sich als Angehörige einer wichtigen Delegation aus Granada, um das diesen zugedachte Geld selbst zu kassieren. Leider ist am verabredeten Ort nichts mehr zu holen, weil ein betrügerischer Finanzminister längst alles durchgebracht hat. Unsere Titelhelden fügen sich in die Erkenntnis, dass die Ganoven von Börse und Politik längst viel effektiver sind als die traditionellen Wegelagerer. Das Publikum von damals begriff diese Botschaft, die auch uns heute wieder sehr einleuchtet – in einer Zeit, in der die Grande Nation wiederum keine gute Figur macht.<br />
Die feschen Polizisten der Operette, die sehr schneidig zu marschieren wissen, aber niemals dort auftauchen, wo man sie brauchen könnte, wurden zum vielzitierten Symbol des untergehenden Kaiserreichs.</p>
<p>In der legendären Inszenierung von 1932 an der Städtischen Oper Berlin spielte Regisseur Gustaf Gründgens den Finanzminister. Das von ihm vorgetragene &#8222;Kassierercouplet&#8220; war jedoch nicht das der Originalfassung, sondern eine interpolierte Nummer als Offenbachs allerletzter Operette „La belle Lurette“. (Es handelt sich um eine freie Bearbeitung des &#8222;Statistik-Couplets&#8220; aus dem 1. Akt.)</p>
<p style="padding-left: 60px;"><a href="https://blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/06/Couplets-de-la-Statistique_La-Belle-Lurette.pdf">Couplets de la Statistique_La Belle Lurette</a>  (Noten als PDF)<br />
<strong>Augenblick!</strong><br />
(Offenbach/Meilhac/Halévy/Gründgens)<br />
Aus „Les Brigands“</p>
<p style="padding-left: 60px;">(gesprochen)<br />
<em>Ob Sie&#8217;s glauben oder nicht – ich bin als Finanzminister das Opfer weiblicher Putz-Sucht! Die lieben guten Damen haben mir den Staatsschatz einfach weggeputzt! In der Staatskasse befinden sich jetzt nur noch eintausendzweihundertunddreiundachtzig Gulden und 25 Kreuzer! Und damit soll ich drei Millionen decken – und ich kenne sie, diese Granadier! Die werden sich nicht abspeisen lassen! Die werden ihre drei Millionen haben wollen!</em><br />
<em> Was also beginnen? Wie mach&#8230; &#8211; Halt, ich hab&#8217;s!</em></p>
<p style="padding-left: 60px;">(Musik setzt ein)<br />
Ich werde dem Mann, der das Geld in Empfang nehmen soll, einfach einen Tausender<br />
in die Hand drücken. Wenn er ein Mann von Intelligenz ist, wird er mich verstehen!<br />
Und bei einem Tausender braucht er ja gar nicht sooo intelligent zu sein!<br />
Ist er aber dummerweise ein Mann von Ehre, dann allerdings …</p>
<p style="padding-left: 60px;">(Gesang)<br />
Ach, ich muß es mir eingesteh&#8217;n, dass meine Lage peinlich ist!<br />
Mein Gott, was wird mit mir gescheh&#8217;n, wenn mein Partner kleinlich ist?<br />
Ach – all das Gold, dass er hier sich verspricht, hab ich nicht! Ich hab es nicht!<br />
Mein Gott, wie sage ich&#8217;s ihm nur, dass von Gold hier keine Spur?<br />
Aber so schlimm kann es schwerlich sein, gerade er wird doch nicht ehrlich sein!<br />
Gerade er soll ehrlich sein? Gerade er?</p>
<p style="padding-left: 60px;">(gesprochen)<br />
<em>Ich meine, heutzutage, wo doch schließlich alle … naja, wenn auch nicht alle, aber</em><br />
<em> doch sehr viele &#8230; naja, wenn auch nicht sehr viele, aber doch schließlich jeder, da</em><br />
<em> sollte ausgerechnet ich an jemanden gekommen sein, der nicht …?</em><br />
<em> Augenblick!</em></p>
<p style="padding-left: 60px;">(Gesang)<br />
Refrain:<br />
Augenblick, wir wollen schnell mal überlegen!<br />
Augenblick, Sie haben doch wohl nichts dagegen?<br />
Augenblick, man soll sich nicht umsonst erregen!<br />
Augenblick, nur in der Ruhe liegt der Segen!<br />
Mein Gott, was kann einem denn schon groß passieren?<br />
Irgendwie kann man sich immer durchlavieren!<br />
Irgendwie kann man doch alles arrangieren!<br />
Bitte nur nicht immer gleich den Mut verlieren!</p>
<p style="padding-left: 60px;">Ich glaub&#8216; nicht, dass mir was passiert!<br />
Im Grund ist alles ganz egal,<br />
wo jeder Mann von Welt operiert,<br />
mit nicht vorhand&#8217;nem Kapital!<br />
Ja!<br />
Wer nichts hat, braucht nur etwas zu gründen,<br />
sich mit renommierten Herrn,<br />
die auch pleite sind, verbünden &#8211;<br />
und das nennt man dann Konzern!<br />
Man verschleiert geschickt die Bilanzen &#8211;<br />
wer sich sträubt, wir korrumpiert!<br />
Was kümmern uns denn die Finanzen?<br />
Hauptsache ist, wir sind saniert!</p>
<p style="padding-left: 60px;">(gesprochen)<br />
<em>Und darauf kommt es doch schließlich an! Der Schein muß gewahrt werden!</em><br />
<em> Mundus vult decipi! Die Welt will betrogen sein!</em><br />
<em> Das heißt, wer ist eigentlich die Welt, die da betrogen sein will?</em><br />
<em> Sind das wir?</em><br />
<em> Bin das ich?</em><br />
<em> Augenblick!</em></p>
<p style="padding-left: 60px;">(Gesang)<br />
Refrain:<br />
Augenblick, wir wollen schnell mal überlegen!<br />
Augenblick, Sie haben doch wohl nichts dagegen?<br />
Augenblick, man soll sich nicht umsonst erregen!<br />
Augenblick, nur in der Ruhe liegt der Segen!<br />
Mein Gott, was kann einem denn schon groß passieren?<br />
Irgendwie kann man sich immer durchlavieren!<br />
Irgendwie kann man doch alles arrangieren!<br />
Bitte nur nicht immer gleich den Mut verlieren!</p>
<p style="padding-left: 60px;">Ja, so ist das mit dem Geld,<br />
das unter Land und Leute rinnt!<br />
Wo steckt es denn in aller Welt,<br />
da alle Menschen pleite sind?<br />
Irgendwohin muß es doch gerollt sein,<br />
doch wohin? Sagt mir: wohin?<br />
Irgendwohin muß doch all das Gold sein &#8211;<br />
das will mir nicht aus dem Sinn!<br />
Wohin hat man&#8217;s denn nur unterschlagen?<br />
Das muß doch rauszukriegen sein!<br />
Das Eine will ich Ihnen sagen:</p>
<p style="padding-left: 60px;">(gesprochen)<br />
<em>Da müßte man mal, ich meine wirklich, also ganz im Ernst!</em><br />
<em> Da müßten alle gemeinsam, müßte man das mal aufdecken, denn wir haben ja</em><br />
<em> schließlich unsere Börsen, unsere Banken, unsere Sparkassen, Kreditinstitute, wir</em><br />
<em> haben Wirtschaftshilfe, wir ha&#8230;</em><br />
<em> Wirtschaftshilfe!</em><br />
<em> Augenblick!</em></p>
<p style="padding-left: 60px;">Refrain:<br />
(Gesangstext gesprochen über Musik)<br />
Wir wollen schnell mal überlegen!<br />
Sie haben doch wohl nichts dagegen?<br />
Man soll sich nicht umsonst erregen!<br />
Nur in der Ruhe liegt der Segen!<br />
(Gesang)<br />
Mein Gott, was kann einem denn schon groß passieren?<br />
Irgendwie kann man sich immer durchlavieren!<br />
Irgendwie kann man doch alles arrangieren!<br />
Fang&#8217;wer lieber nicht erst an, zu diskutieren!</p>
<p>Diese Nummer hat sich als dennoch als Glanzlicht der „Banditen“ behauptet. In den 70er Jahren wurde sie von Theo Lingen gecovert – in einer Phase des trügerischen Friedens der Finanzmärkte.<strong> </strong><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/572a33e8f35d4d35b0f0a9e88f5bf4e5" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/06/20/old-economy/">Old Economy</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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