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	<title>Ohnsorg-Theater Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>Ohnsorg-Theater Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Der &#8222;Monica Bleibtreu Preis&#8220; &#8211; Die Gewinner</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jul 2018 19:07:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: &#8222;Monica Bleibtreu Preis&#8220; / 7. Privattheatertage Hamburg Gestern abend gingen die 7. „Privattheatertage Hamburg“ mit einer Gala und der Verleihung der „Monica Bleibtreu Preise“ zuende. Hier erfahren Sie nicht nur die Preisträger, sondern auch die Begründungen der drei mal drei &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/07/02/ptt-hh/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: <strong>&#8222;Monica Bleibtreu Preis&#8220; </strong>/<strong> 7. Privattheatertage Hamburg<br />
</strong></p>
<p><em>Gestern abend gingen die 7. „Privattheatertage Hamburg“ mit einer Gala und der Verleihung der „Monica Bleibtreu Preise“ zuende. Hier erfahren Sie nicht nur die Preisträger, sondern auch die Begründungen der drei mal drei Jurymitglieder. Alle Details über die Produktionen finden sich unter <a href="https://privattheatertage.de/">https://privattheatertage.de/</a>.</em></p>
<p><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10801" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/07/Privattheatertage-2018.jpg?resize=640%2C231&#038;ssl=1" alt="Privattheatertage 2018" width="640" height="231" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/07/Privattheatertage-2018.jpg?w=1191&amp;ssl=1 1191w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/07/Privattheatertage-2018.jpg?resize=300%2C108&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/07/Privattheatertage-2018.jpg?resize=1024%2C369&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></p>
<p>Es gibt ja erwiesenermaßen am Theater nichts Schwierigeres, als Menschen zum Lachen zu bringen. Dass dieses Kriterium also für uns an erster Stelle stand, war und ist klar! Wir haben uns am Ende einstimmig für die in unseren Augen herausragendste Inszenierung entschieden!<br />
Herausragend in der Art und Weise, wie sie unsere Lach-und Sehgewohnheiten durcheinandergerüttelt hat, wie sie unser Kopfkino mit politischer Nichtkorrektheit in einem minimalistisch gehaltenen Bühnenbild in einen Sog geraten ließ, der dann in einem grandiosen Theaterabend endete.<span id="more-10757"></span><br />
Herausragend fanden wir die originelle Verknüpfung von Musik, Schauspiel und Gesang.<br />
Die Leidenschaft, der Spaß und die Freude der Akteure, die emotional greifbar war.<br />
Und: man hatte den Eindruck, dass Regieeinfälle und die Ideen der Schauspieler scheinbar mühelos ineinanderfließen.<br />
Das Bild der Weltsuppe, in die jeder hineinspucken und seinen Senf dazugeben kann, um dann am Ende zu einem undefinierbaren Brei zu verkommen, wird unsere Köpfe so schnell nicht mehr verlassen.<br />
Der Gewinner der „Privattheatertage 2018“ in der Kategorie <strong>Komödie</strong> heißt: <strong>„Hungaricum“</strong>.</p>
<p style="padding-left: 90px;"><em>Alexandra Kamp für die Jury Komödie</em></p>
<p> *+*+*</p>
<p>Die Entscheidung, einen Sieger für den „Monica Bleibtreu Preis“ zu küren, wurde uns nicht leicht gemacht, und trotzdem haben wir uns relativ schnell geeinigt. Bei Bewertungen von künstlerischen Darbietungen ist ja immer auch ein Gutteil „Geschmack“ im Spiel. Eigenerfahrung.<br />
Subjektivität steckt in der Natur von Kunst, daher haben wir uns von Anfang an klare Bewertungskriterien zur Grundlage gemacht:<br />
die schauspielerische oder puppenspielerische Leistung,<br />
die Textbearbeitung und Regie, den Inhalt,<br />
Bühnenbild, Ausstattung und Beleuchtung,<br />
künstlerische Mittel, Geräusch- und Musikeinsatz, die Gesamtinszenierung und ob sie konsequent durchgehalten wurde,<br />
das Ensemblespiel.<br />
Und natürlich: spricht uns der Abend direkt an? Geht er zu Herzen? Berührt er uns?<br />
Die Inszenierung, für die wir uns entschieden haben, ist unserer einhelligen Meinung nach die insgesamt stimmigste und konsequenteste:<br />
Ein eindringlicher und schauspielerisch großartiger Hauptdarsteller!<br />
Wir waren begeistert von fließenden und mühelosen Übergängen von einer Rolle in die andere durch die „sogenannten“ Nebendarsteller!<br />
Ein sperriges und schwieriges Stück wurde elegant und mit unfassbarer Leichtigkeit auf die Bühne gebracht. Es gab live auf der Bühne produzierte Soundeffekte, die immer neue Überraschungen bereithielten.<br />
Un opletzt mut seggt warn, dat dor en Schrieversfru en wuraftig wunnerboor Översetten mit veel Geföhl in dat Nedderdüütsche mokt hat. Bovenan hebt se dormit wiesen, dat Plattdüütsch nich bloots en Sprook man ok en aardig Oort vör en Bühnenspill ween kunn.<br />
Der Preis bleibt also diesmal an der Elbe!<br />
Der „Monica Bleibtreu Preis“ in der Kategorie<strong> (Moderner) Klassiker</strong> geht an das „Ohnsorg Theater“, Hamburg mit <strong>„Buten vör de Döör“</strong>.</p>
<p style="padding-left: 60px;"><em>Erik Schäffler und Lutz Deyhle für die Jury (Moderner) Klassiker</em></p>
<p> *+*+*</p>
<p>Wir freuen uns den „Monica Bleibtreu Preis“ an eine Produktion zu verleihen, die schon in der Besetzung unsere Gesellschaft so abbildet, wie sie heute ist: Divergent und vielstimmig. Während andere noch über Leitkultur und nationale Identität sprechen und damit einem Gestern nachhängen, das so nie stattgefunden hat, zeigt uns das Theater hier die wahre Gestalt unseres Landes. Und es zeigt uns auch, dass es sich dabei nicht um eine Bedrohung, sondern einen Reichtum handelt.<br />
Nicht nur immer auf die Andersheit zwischen den Menschen zu verweisen (im Positiven wie im Negativen), sondern ein Selbstverständnis in Bezug auf die Vielheit zu schaffen, ist eine wichtige, vielleicht die wichtigste Aufgabe unserer Zeit.<br />
Die Produktion, die wir heute Abend auszeichnen, leistet das bereits in der Besetzung. Man wäre versucht, sie „mutig“ zu nennen. Wir finden, „realistisch“ ist der treffendere Begriff. Denn die Ethnienvielfalt wird nicht zum Kunstgriff oder zur Sensation erhoben. Im Gegenteil: sie hält sich erfrischend im Raum der Selbstverständlichkeit auf.<br />
Es soll aber nicht so klingen, als sei diese Entscheidung politisch. Denn wir vergeben den Preis an eine Produktion, die vor allen Dingen großen Spaß macht &#8211; weil sie durch ihre Akteurinnen lebendig, durch ihre Themen aktuell und in ihrer Ausführung voller Feuer ist.<br />
„Ein Drama soll unser Leben abbilden“ so ein gängiges Kalendersprüchlein zum Genre.  Ein gutes Drama aber zeigt uns Möglichkeiten für unser Leben auf.<br />
Das<strong> (Zeitgenössische) Drama<em> </em>„7 Minuten“</strong> schafft das &#8211; und ist in unseren Augen ein würdiger Preisträger.</p>
<p style="padding-left: 90px;"><em>Sandra Quadflieg für die Jury (Zeitgenössisches) Drama</em></p>
<p> *+*+*</p>
<p>Der <strong>Publikumspreis</strong> ging an das Zweipersonenstück<strong> „Enigma“ </strong>aus der Rubrik (Zeitgenössisches) Drama<strong>.</strong></p>
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		<title>Süßes Schlangengift</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Jun 2018 16:58:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: „Paarungen“ von Eric Assous auf den „Privattheatertagen Hamburg“ Auch ich habe die Stücke von Yasmina Reza gern gesehen, aber im Reich der besseren Bürger, die sich in Privatwohnungen gegenseitig verbal auseinandernehmen, ist mir „Paarungen“ von Eric Assous wesentlich lieber.* Ich &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/06/25/10706/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: <strong>„Paarungen“</strong> von <strong>Eric Assous</strong> auf den <strong>„Privattheatertagen Hamburg“</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10801" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/07/Privattheatertage-2018.jpg?resize=640%2C231&#038;ssl=1" alt="Privattheatertage 2018" width="640" height="231" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/07/Privattheatertage-2018.jpg?w=1191&amp;ssl=1 1191w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/07/Privattheatertage-2018.jpg?resize=300%2C108&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/07/Privattheatertage-2018.jpg?resize=1024%2C369&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><br />
</strong><br />
Auch ich habe die Stücke von <strong>Yasmina Reza</strong> gern gesehen, aber im Reich der besseren Bürger, die sich in Privatwohnungen gegenseitig verbal auseinandernehmen, ist mir „Paarungen“ von Eric Assous wesentlich lieber.* Ich durfte als Teil der reisenden Jury dabei mithelfen, diese Produktion vom <strong>„Teamtheater Tankstelle“</strong> in München zu den „Privattheatertagen“ nach Hamburg einzuladen. Ich tat es aus reinem Eigennutz, denn so komme ich erneut in den Genuss dieses Kammerspiels, bei dem man sich zu keiner Zeit damit aus der Affäre ziehen kann, man selbst sei ja doch nicht ganz so hoffnungslos auf dem Holzweg wie die Gestalten auf der Szene. Ich fürchte nämlich, das bin ich durchaus (oder wäre es, wenn mir die beschrieben Möglichkeiten zu Gebote stünden). Aber eine Theateraufführung ist wunderbar geeignet, einen solchen Moment der Selbsterkenntnis erträglich zu machen: O holde Kunst, du meine Trösterin.<span id="more-10706"></span></p>
<p><em><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10715" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/06/Ohnsorg-Backstage.jpg?resize=640%2C429&#038;ssl=1" alt="Ohnsorg Backstage" width="640" height="429" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/06/Ohnsorg-Backstage.jpg?w=3076&amp;ssl=1 3076w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/06/Ohnsorg-Backstage.jpg?resize=300%2C201&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/06/Ohnsorg-Backstage.jpg?resize=1024%2C687&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/06/Ohnsorg-Backstage.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/06/Ohnsorg-Backstage.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" />Das „Ohnsorg Theater“ von hinten: gleich beginnt eine Sondervorstellung auf Hochdeutsch.<br />
</em><br />
Der Autor Eric Aussous begann beim Hörspiel, ehe er sich vor gut 30 Jahren dem Theater zuwandte. In diesem Boulevardstück beweist er beglückenden Tiefgang.<br />
______________<br />
* Siehe dazu <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/01/14/die-spinnen-alle-die-da-oben/">https://blog.montyarnold.com/2018/01/14/die-spinnen-alle-die-da-oben/</a><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/afe47ab0f1dd47c19d78d88783c57657" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/06/25/10706/">Süßes Schlangengift</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Wofür et jot es</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Mar 2018 13:55:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Schließung des Volkstheater Millowitsch mit den letzten beiden Vorstellungen des Stückes „Wer weiß, wofür et jot es“ Peter Millowitsch erzählt gern von seinem ersten Besuch im „Volkstheater Millowitsch“ an der Aachener Straße in Köln. Er war vier Jahre alt, sah, wie das &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/03/25/wofuer-et-jot-es/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/03/25/wofuer-et-jot-es/">Wofür et jot es</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: <strong>Schließung des Volkstheater Millowitsch</strong> mit den letzten beiden Vorstellungen des Stückes „Wer weiß, wofür et jot es“</p>
<p><strong>Peter Millowitsch</strong> erzählt gern von seinem ersten Besuch im „Volkstheater Millowitsch“ an der Aachener Straße in Köln. Er war vier Jahre alt, sah, wie das Publikum johlte und ärgerte sich über diese unverschämten Leute, die seinen Vater auslachten. Darin lässt sich &#8211; ohne allzuböse Absicht – der prophetische Hinweis erblicken, dass sich hier das Komödiantenblut nicht restlos vererbt haben könnte, obwohl Peter schon vier Jahre später selbst auf dieser Bühne stand.</p>
<p><strong>Willy Millowitsch</strong> war in der jungen Bonner Republik von einer Beliebtheit, die sich heute kein vernünftiger Mensch mehr ausmalen kann. Die Übertragung einer Volkstheater-Aufführung im Fernsehen war ein Ereignis, das Millionen verfolgten, ein „Straßenfeger“. Während <strong>Heidi Kabel</strong>, die gleichzeitig operierende Protagonistin des Hamburger &#8222;<strong>Ohnsorg-Theater</strong>s&#8220;, eine Art familiärer Hingerissenheit auslöste, mischte sich beim Auftauchen ihres barocken Kölner Gegenstücks Willy Millowitsch ein majestätischer Respekt dazu, eine Autorität. Kürzlich erzählte ein lokaler Historiker aus zweiter Hand, der Willy habe sich am Postschalter wohl gern vorgedrängelt. Eine damalige Kollegin aus dem Ensemble hat es etwas anders in Erinnerung: Willy habe niemals warten oder drängeln müssen. Die Menge teilte sich ganz von selbst, um in dankbarer Ehrfurcht Platz zu machen.<span id="more-9955"></span><br />
Einen Zipfel dieses Phänomens habe ich noch zu fassen bekommen. Obwohl mich Schwänke in voller Länge im Fernsehen als Kind eher gelangweilt haben, erinnere ich mich noch gut der kitzligen Begeisterung, die mich befiel, als Willy Millowitsch in Ilja Richters „Disco“ als Sketchpartner auftrat. Ähnlich war es, wenn er sich bei Rudi Carrell oder im „Großen Preis“ blicken ließ. Zu diesem Zeitpunkt stand der große Komödiant schon im Herbst seiner Strahlkraft, doch seine Aura wuchs und reifte.</p>
<p>Bereits seit 1940 hatte Willy Millowitsch als Intendant und Hauptdarsteller das traditionsreiche Haus (seit 1792, bis 1894 als Puppentheater) im Griff. Der Stammhalter einer solchen Legende zu sein, hat großes Frustrationspotenzial. Peter Millowitsch ist das einzige männliche von vier Kindern und seinem Vater optisch nicht unähnlich. Dieser Vater soll früh geahnt haben, dass sich Peter als Nachfolger nicht eben empfahl. Auch dessen gemeinsame Auftritte mit Schwester Mariele als Liebespaar begeisterten nicht alle. Es ist überliefert, dass Elsa Scholten ihren Bühnenpartner Willy immer wieder tröstete, wenn sich über Peters fehlende Ambitionen in Frage stellte: „Lass den Jungen in Ruhe! Du hast doch dat Mariele. Die wirdet schon machen!“ Das kam in so konservativen Zeiten natürlich nicht in die Tüte: der Sohn war für diese Aufgabe vorgesehen.<br />
Mariele floh ohnehin bald in eine Tierarztausbildung – vor dem engen Rollenspektrum, das der Boulevard für junge Schauspielerinnen bereithält, sicherlich auch vor muffigen Dialogen wie „Papa, verzeih mir! Ich war so schlecht aus Liebe zu ihm“, an denen keine Silbe geändert werden durfte. Sie machte vor der Kamera Karriere und hielt sich von der Bühne fern.</p>
<p>In Geschäftsdingen war Willy Millowitsch ein Ehrenmann, der sich im seit jeher tückischen Tourneebetrieb stets vor seine Truppe stellte – etwa, wenn die Gage nicht wie vereinbart zu fließen drohte. Er umsorgte die Seinen mit fairen Konditionen (100 Franken pro Tag, während man anderswo mit Glück einen Tausender im Quartal bekam) und führte ein berühmt-berüchtigtes Adressbuch, das es ihm ermöglichte, jeden Schauspieler zu Geburts- und sonstigen Ehrentagen persönlich anzurufen oder wenigstens eine Karte zu schicken. Er rief auch an und lobte „seine“ Darsteller, wenn sie irgendwo Erfolge feierten oder im Fernsehen geglänzt hatten.<br />
Verwandte kannte Willy Millowitsch hingegen nicht. Erst denkbar spät soll er nach einem VHS-Binge-Watching der Serie „Nikola“ seiner Tochter Mariele einen Hochdaumen erteilt haben. Die frühen Jahre seines Sohnes Peter als Schauspieler waren gesäumt von Zeitungsinterviews und Schlagzeilen, in denen der Alte über den Mangel an Neigung und Talent in der eigenen Familie klagte. Einmal hat Peter in der Provinz Theater gespielt. Das Publikum sah am Premierenabend nur auf den großen Willy, der sich auf der anderen Seite der Rampe unter den Zuschauern befand.</p>
<p>1996, drei Jahre vor dem Tod seines Vaters, übernahm Peter Millowitsch die volle Verantwortung für ein Theater, dessen Name allein ohne seinen alten Star nicht mehr zog und das überdies vom Wandel der Medienlandschaft gerupft wurde. Schwänke auf dem Bildschirm lockten keinen Hund mehr hinterm Ofen hervor, und das Fernsehen, das am 27. Oktober 1953 mit der Millowitsch-Militärklamotte „Der Etappenhase“ erstmalig eine Theateraufführung live ausgestrahlt hatte, beendete die alte Gepflogenheit nach 63 Jahren.</p>
<p>Nach der heutigen Vorstellung von „Wer weiß, wofür et jot is“ zieht der kinderlose Peter Millowitsch die Konsequenzen, und eine weitere historische Stätte der Leichten Muse löst sich innerhalb weniger Tage auf.* Er wusste schon vor 40 Jahren, dass er es sein werde, der hier einmal das Licht ausmacht, hat er immer wieder gesagt. Er wird weiter Theater spielen.</p>
<p>Nachtrag: Unterdessen erzählte Peter Millowitsch im &#8222;Kölner Treff&#8220;, wie er mit der Lebenssituation ohne eigenes Theater zurechtkommt: &#8222;Das ist ein sehr gutes Gefühl. (&#8230;) Ich fühle mich so entlastet. Ich muss mich nicht mehr darum kümmern, ob&#8217;s Klopapier da ist, ob in der Damentoilette Licht brennt oder ob irgendwas verstopft ist.&#8220;<br />
____________________<br />
* Siehe dazu <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/02/26/berliner-stadtmusikanten/">https://blog.montyarnold.com/2018/02/26/berliner-stadtmusikanten/</a><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg02.met.vgwort.de/na/88bd618143f14764b4de027c56366a08" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/03/25/wofuer-et-jot-es/">Wofür et jot es</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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