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	<title>„Stagecoach“ Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<title>„Stagecoach“ Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Hustinettenbär des Feuilletons</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Jan 2018 21:44:08 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 84. Geburtstag von <strong>Hellmuth Karasek</strong></p>
<p>Hellmuth Karasek gab es gleich zweimal: als Kritiker gedruckt und als knuffigen Intellektuellen zum Liebhaben auf dem Bildschirm. Der Kritiker hatte imposante Bewunderer. <strong>Heinrich Böll</strong> attestierte dem jungen Journalisten Karasek 1972, „den fürchterlichen Bier-Ulk-Ernst (…) des deutschen PEN erkannt“ zu haben*, der Kritikerpapst und Popstar  lobte seine Allgemeinverständlichkeit und berief ihn als festen Beisitzer ins <strong>„literarische Quartett“</strong>. Dadurch wurde Karasek zum Fernsehstar, der immer häufiger auch in Quiz- und Spielshows saß, in Witzeerzählsendungen und auf verschiedenfarbigen Plaudersofas.<br />
Der Unterschied zwischen dem schreibenden und dem live sprechenden Karasek (ich beziehe mich hier auf seine Auftritte in Kulturmagazinen) hätte größer nicht sein können. Im „Quartett“ war er stets der redliche, unbestechliche Bauchmensch, der wahre Anwalt des freiwilligen und in seiner Freizeit Lesenden (was seinen Kollegen nicht immer glückte). Er beurteilte die besprochenen Werke fair und ohne jede Voreingenommenheit, seine Verrisse wie auch seine Verteidigungen wurden mit der Glut eines persönlichen Anliegens vorgetragen.<br />
Ganz anders, wenn er schrieb. <span id="more-9456"></span><br />
Bei der Lektüre seiner Artikel und Bücher hatte ich oftmals den Eindruck, etwas mehr Recherche, etwas weniger Vertrauen ins eigene Elefantengedächtnis hätten dem Ergebnis gutgetan.<br />
Man durfte für Karaseks Sujets nicht allzuviel Interesse aufgebracht haben, ehe man seine Version zur Hand nahm. Besonders, wenn es um Filmkunst ging, war mir das seinerzeit nicht möglich.</p>
<p>„Billy Wilder – Eine Nahaufnahme“, Hellmuth Karaseks Buch über den aus Wien stammenden Hollywoodregisseur, war so ein Fall. Darin tummeln sich zahlreiche Unsauberkeiten, Eleganzmängel und lexikalische Fehler. Gewiss: Karasek hatte sich ausgiebig mit Wilder unterhalten, einem hellwachen und vor Anekdoten strotzenden Zeitzeugen. Aber das Zauberwort heißt „redigieren“, und darin ist auch das Ausräumen der Streiche enthalten, die einem das Gedächtnis zuweilen spielt.<br />
Wie tückisch es mitunter zugeht, ließ sich bei einem öffentlichen Plausch Hellmuth Karaseks mit Billy Wilder beobachten.<br />
Wilder sprach über die besondere Bedeutung des amerikanischen Kinojahres 1939: „Dieses Jahr war für Hollywood, was 1912 für den Rotwein war. 1939 war das beste Jahr für die Oscars – ich hab nichts damit zu tun gehabt. In einem Jahr – ich versuche, mich zu erinnern – gab es ‚Stagecoach‘, ‚The Citadel‘, ‚Ninotchka‘, ‚Gone With The Wind‘ … und ‚Rebecca‘. Fünf Filme von großer Bedeutung!“ – Karasek: „Rebecca ist leer ausgegangen!“<br />
Hitchcock hat zwar nie persönlich einen Oscar bekommen, doch wurde „Rebecca“ sogar als Bester Film ausgezeichnet – den Oscar bekam der Produzent David O. Selznick. Wilder wiederum bringt die Oscar-Verleihungen 1938, ‘39 und ‘40 durcheinander.</p>
<p>So etwas passiert in der lockeren Atmosphäre eines gut laufenden Interviews unentwegt. Ich führe dieses Beispiel nur an, weil es mich sehr an die Lektüre von „Billy Wilder – Eine Nahaufnahme“ und andere Filmbücher und -artikel des Autors erinnert.<br />
Dass bei dieser Biographie allenfalls ein sehr nachlässiges Lektorat stattgefunden hat, kann an Karaseks Ruf als führender deutscher Wilder-Vertrauter gelegen haben. Mit Sicherheit hat zum Ergebnis beigetragen, dass filmhistorische Themen  hierzulande (anders als etwa in Frankreich) einfach nicht wichtig genommen werden. Undenkbar, dass es so viele Fehler in die Goethe- oder Beethoven-Biographie eines vergleichbar seriösen Verlags geschafft hätten.<br />
Der Schauspieler Joseph Cotten (bei Karasek heißt er Cotton) hat das Problem in seiner Autobiographie „Vanity Will Get You Somewhere“** einige Jahre zuvor schon im Vorwort thematisiert: „Vor einiger Zeit las ich ein Buch, das hieß ‚Alte Männer vergessen‘. (…) Damals dachte ich – und denke noch heute -, dass ‚Alte Männer vergessen‘ der beste Titel sei für ein Buch voller Wanderungen durch das eigene Leben.“</p>
<p>___________________________<br />
* In einem Brief an den RAF-Mitbegründer Horst Mahler, dem er sein Verhältnis zur Gewaltfrage erläutern wollte.<br />
** Deutsch 1988 bei Lambda Edition als „Joseph Cotten – Mein unbescheidenes Leben“<img decoding="async" src="http://vg02.met.vgwort.de/na/a4332b0ade7947a9ba62e38fa9aca756" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>„… bringen Sie lieber die Legende!“</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Jan 2016 12:28:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 87. Geburtstag von Sergio Leone / Die Legende vom Wilden Westen in der Filmkunst Es liegt mir fern, für die Waffennarretei der Amerikaner Verständnis haben zu wollen, aber angesichts der Entstehungsgeschichte dieser Nation leuchtet sie durchaus ein: der weiße &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/01/03/heute-ist-sonntag-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 87. Geburtstag von <strong>Sergio Leone / </strong>Die Legende vom<strong> Wilden Westen </strong>in der Filmkunst<strong><br />
</strong></p>
<p>Es liegt mir fern, für die Waffennarretei der Amerikaner Verständnis haben zu wollen, aber angesichts der Entstehungsgeschichte dieser Nation leuchtet sie durchaus ein: der weiße Siedler griff nach der Knarre, um sich gegen Eingeborene, Grizzly-Bären und Berglöwen zur Wehr zu setzen, und er mochte sie nicht wieder hergeben, als die letzten von ihnen erlegt waren.<br />
Er ließ sich diese geistige Kinderkrankheit in die Verfassung schreiben – aber das ist nicht weiter von Bedeutung. Ein echter Amerikaner würde sich den Waffenbesitz ebensowenig verbieten lassen wie den Alkoholkonsum.<br />
Alle High-School-Massaker werden ihn nicht zur Besinnung bringen. Es bräuchte eine „Stunde Null“ (– und ein solches Opfer wäre die Sache vielleicht auch wieder nicht wert). &#8211; Barack Obama kann das als gebürtiger Hawaiianer natürlich nicht nachvollziehen.</p>
<p>Obschon das Kino diese Vorgänge praktisch von Anfang an verklärte, läßt sich der Weg der Schußwaffe ins Herz des Amerikaners doch darin nachverfolgen &#8211; und das zum Entzücken der Welt. Wie wichtig der Western noch immer ist, läßt sich schon daran ablesen, dass er uns sofort einfällt, wenn es um Filmgattungen geht, obwohl er (im Gegensatz zu Krimi und Schnulze) in unserem Medienkonsum längst keine Rolle mehr spielt.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4011" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/01/Great-Train-Robbery.jpg?resize=640%2C240&#038;ssl=1" alt="Great Train Robbery" width="640" height="240" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/01/Great-Train-Robbery.jpg?w=1056&amp;ssl=1 1056w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/01/Great-Train-Robbery.jpg?resize=300%2C113&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/01/Great-Train-Robbery.jpg?resize=1024%2C384&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /> <em>Der zwölfminütige</em> <em>„The Great Train Robbery“ (1903) von Edwin S. Porter gilt als erster Film der Geschichte mit einer dramaturgisch strukturierten Handlung. Zum Schluß schockierte Darsteller Justus D. Barnes das Publikum, indem er die gesamte Trommel seines Revolvers darauf abfeuerte. Dieser Auftritt eröffnete und beendete ab 1978 jede Folge der ZDF-Serie „Western von gestern“.*</em></p>
<p>Der Western gliedert sich in sechs Kategorien:</p>
<p><strong>1. Der Dutzend-Western</strong></p>
<p>Schon in der Stummfilmzeit wurden sie <em>en masse</em> hergestellt:<span id="more-3992"></span> Abenteuergeschichten um Cowboys und Indianer, um Überfälle auf Postkutschen und Fernzüge, über den Goldrausch. Die Schauspieler konnten ihre Kostüme noch aus dem privaten Kleiderschrank beziehen. Bis zum Niedergang des Genres gut 60 Jahre später gab es einen stetigen Strom rasch heruntergekurbelter Westernware. Diese Kultur blühte ab den 50ern parallel auch in Form unzähliger TV-Serien. Im Deutschen Fernsehen bildete sich eine Mischung aus beidem: die kleinen schwarzweißen Billigwestern (B-Pictures der 30er und 40er Jahre) wurden im ZDF-Vorabendprogramm als „Western von gestern“ verabreicht.</p>
<p><strong>2. Der Edelwestern</strong></p>
<p>Obwohl es schon im Stummfilm ruhmreiche Großproduktionen gegeben hatte, beginnt das Goldene Zeitalter des Westernkinos in den späten 30er Jahren. „Stagecoach“ weckte nicht nur das in der Depressionszeit wenig beliebte Genre aus dem Dornröschenschlaf, sondern verhalf auch seinem Hauptdarsteller zu Weltruhm und historischer Größe.  John Wayne  wurde in den folgenden Jahren vor allem unter der Regie von Howard Hawks und John Ford zum Charakter-Cowboy schlechthin. „Rio Bravo“ von 1958 gilt als einer der besten Filme überhaupt und rechtfertigt nach Meinung einiger Historiker allein schon die Existenz Hollywoods.</p>
<p><strong>3. Der Spätwestern</strong></p>
<p>In den Western der späten 60er Jahre sieht man noch immer die gleichen alten Recken und Raufbolde auf der Leinwand: James Stewart, Robert Mitchum, John Wayne (der seine eigene Krebserkrankung in „Der letzte Scharfschütze“ thematisiert).<br />
Bis in unsere Tage folgen ihnen vereinzelte Nachzügler und Remakes alter Erfolge sowie ambitionierte Genre-Persiflagen wie „Das finstere Tal“. Unterdessen lebt der Typus des Westernhelden als Mutant in Großstadt-Western weiter: in Gestalt von Privatdetektiven wie Charles Bronson und Clint Eastwood (siehe auch Punkt 5) alias „Dirty Harry“.</p>
<p><strong>4. Der Naherholungs-Western</strong></p>
<p>Das Kino der jungen Bundesrepublik – das bald als „Opas Kino“ verspottet werden wird – rächt sich an den Alliierten, indem es zunächst den englischen Kriminalfilm in der „Edgar-Wallace“-Reihe schändet und schließlich ab 1962 eine Reihe von Karl-May-Verfilmungen produziert. Der sächsische Autor der Romanvorlagen hat die USA nie betreten, und die Drehorte liegen in Osteuropa. Immerhin wird die Besetzungsliste mit internationalem Personal aufgejazzt: mit Stewart Granger aus England und Hollywood, dem Italiener Mario Girotti (später Terence Hill, siehe auch Punkt 6), dem feschen Tarzan-Darsteller Lex Barker und dem Franzosen Pierre Brice als dem Titel-Apachen. Der Erfolg ist fulminant und bis heute ungebrochen.</p>
<p><strong>5. Der Spaghetti-Western</strong></p>
<p>Der wichtigste Regisseur des Italo-Western, Sergio Leone, hat berichtet, er und seine Kollegen hätten sich über die betulichen deutschen „Winnetou“-Filme geärgert und seien durch sie dazu aufgestachelt worden, sich selbst in diesem Genre zu engagieren. So kommt es zu einer Flut kommerziell und künstlerisch erfolgreicher Western, die dreckiger, pessimistischer, schlichtweg glaubwürdiger sind als die Vorbilder aus Hollywood. Ihre Art und Weise, den Tod zu inszenieren, ist erkennbar von einer anderen italienischen Kunstform beeinflusst: der Oper. Bereits der frühe Beitrag „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) setzte sich als „&#8217;Casablanca&#8216; des europäischen Western&#8220; durch und bleibt das Hauptwerk der Gattung.</p>
<p><strong>6. Parodien</strong></p>
<p>Praktisch alle wichtigen Comedy-Teams Hollywoods (auch des Trickfilms) haben parallel zum Original Western-Comedies bzw. –Musicals vorgelegt. Italien betreibt mit Terence Hill und Bud Spencer eine eigene Niederlassung, die es in 18 Jahren auf 15 Klamotten bringt. Hierzulande und heutzutage sind die Beispiele spärlicher, zumal zuletzt sogar der freundliche Apache „Winnetou“ mit Aneignungs- und sogar mit Rassismusvorwürfen zu kämpfen hatte.<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/6ec5130681a34c39afc2e63c6aa0c2b2" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Auch im Comic, einem in den USA entstandenen Medium, wird der Wilde Westen häufig thematisiert. Die Ausstellung dazu, „Going West!“, war im Wilhelm Busch Museum Hannover zu sehen.<br />
____________________<br />
* Die Abbildungen stammen aus dem Ausstellungskatalog „Going West!“. Ab kommenden Donnerstag, dem 7.1. beschäftigt sich Alexander Braun an dieser Stelle in einem lesenswerten Auszug daraus mit dem heutigen Thema.</p>
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