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	<title>unabhängiger Filmmusik-Produzent Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>unabhängiger Filmmusik-Produzent Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Richard Kummerfeldt &#8211; An den Rändern der Traumfabrik (15)</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Nov 2019 16:57:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Fortsetzung vom 8.11.2019 Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafen der digitalen Revolution, in die Welt &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/11/16/richard-kummerfeldt-an-den-raendern-der-traumfabrik-15/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/11/16/richard-kummerfeldt-an-den-raendern-der-traumfabrik-15/">Richard Kummerfeldt &#8211; An den Rändern der Traumfabrik (15)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p><em>Fortsetzung vom 8.11.2019</em></p>



<p><em>Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafen der digitalen Revolution, in die Welt der käuflichen Filmmusik, die Seele des Sammlers (heute „Nerd“), die Finessen des sich wandelnden Urheberrechts und erzählt von der Arbeit mit schwierigen Bürohengsten und Künstlerpersönlichkeiten in den 90er Jahren</em>. </p>



<p><strong>Hohle Gassen und andere Engpässe <br> </strong><br>Ich fuhr schon am Samstag los, um mit Heinz noch ein wenig plaudern zu können &#8211; ich brauchte immer einen Tag, um wieder in die Kinoroutine reinzukommen. Die Situation, die ich in Pirmasens vorfand, überstieg meine schlimmsten Befürchtungen. Der gesamte Komplex war eingerüstet, in der Einfahrt waren Türme aus Steinen aufgeschichtet, und Sandhaufen bildeten eine weiche Hügellandschaft. Ein schmaler Gang erlaubte den Zugang zum Kino. Da Samstags überwiegend amerikanische Soldaten aus der Garnison vorbeikamen, war die Besucherzahl an diesem Tag normal. Meist in mehreren kleinen Gruppen schauten sich den Film an, tranken jeder drei bis vier Bier und brachten sich in Stimmung für den anschließenden Discobesuch.<span id="more-14875"></span> Auch ein paar unserer Pirmasenser Stammgäste waren gegenwärtig, eigentlich Kundschaft, die tagsüber unter der Woche kam. Man kannte sich, also konnte ich mich mit den Herren unterhalten. Und das bekam ich zu hören: von montags bis freitags, 8 bis 17 Uhr wuselten die Arbeiter auf der Baustelle herum. Betrat ein Kunde die Einfahrt, wurde er lautstark mit anzüglichen Bemerkungen begrüßt. In einer Kleinstadt bedeutete das nicht nur 25 Meter Spießrutenlauf, sondern auch garantierte namentliche Weiterverbreitung aller Namen beim abendlichen Kneipenbummel der Bauarbeiter.</p>



<p>Auch der Sonntag hatte passable
Besucherzahlen; da kamen meist Pärchen aus dem benachbarten Saarland oder aus
Frankreich herüber. Heinz und ich nutzten diesen Tag, die Abrechnungen der
letzten Wochen durchzugehen und Auswege aus der Misere zu suchen. Meine Idee,
einen zwei Meter hohen Holzzaun mit Abdeckplanen zu errichten, wischte Heinz
vom Tisch. Schließlich gehörte die Einfahrt der Deutschen Bank, wir hatten nur
das Nutzungs- bzw. Zugangsrecht. Bis zum Ende der Bauarbeiten hieß es
Daumendrücken, Durchhalten und hoffen, dass Heinz danach mit seinem Filmverleih
Erfolg haben würde. Und sparen, wo es nur ging. Heinz versicherte mir
wortreich, dass mit seinem Deal keine großen Investitionen verbunden seien, und
so erteilte ich ihm meinen Segen. </p>



<p>Montag: Heinz fuhr schon früh am Morgen Richtung Bayerischer Wald, ich kaufte etwas zum Essen ein und öffnete das Kino pünktlich 10 Uhr. Ich hätte es mir sparen können. Etwa gegen eins kam der erste Kunde, ein, zwei Stunden später der zweite, um 18 Uhr war ich bei 5 und zum Feierabend (kurz vor Mitternacht) bei 12 oder 13 zahlenden Gästen angelangt. Mir fehlten also rund 500 DM Umsatz. So ging es zwei Wochen lang. Ich war deprimiert, und auch ein überschwänglicher Heinz, der den Vertriebsvertrag mit Herrn Klick in den Händen hielt, konnte mich nicht recht aufmuntern. Meinem Vorschlag, den Laden sofort dichtzumachen, stimmte er nicht zu. Ich bräuchte nur Geduld zu haben. <br> Meine Geduld ging ziemlich genau ein Jahr später zu Ende: der Umbau war fertig, die Festung stand, die Einfahrt war frei und nun durch Kameras und Bewegungsmelder gesichert. Betrat ein Amüsierwilliger die Einfahrt, sprangen die Bewegungsmelder an, vier riesige Strahler erleuchteten die Einfahrt taghell, und die Kameras surrten los. Die Schalterbeamten konnten sich am nächsten Tag über die bekannten Gesichter amüsieren. <br> Heinz´ Abenteuer mit dem Filmverleih funktionierte übrigens nicht und wurde sehr viel teurer als veranschlagt. Dieses Geld, zusammen mit den Verlusten aus dem Kino, sollte mir dann in Odense und Berlin fehlen.</p>



<p>Das Weihnachtsgeschäft lief nicht wie erwartet. Das lag nicht daran, dass der Außendienst etwa faul gewesen wäre oder das Proton nur uninteressante Titel im Angebot hatte. Nein, die Firma war mit den wichtigen Titeln nicht lieferfähig. Hinter dem Rücken von VRC wurde gemunkelt, er schulde hier, da und dort seinen Lieferanten erhebliche Summen. Mein Blick in die leeren Regale sagte mir, dass an dem Gerücht etwas dran sein könnte. Victor sprach von einem „vorübergehenden Engpass“, den er bis zur nächsten MIDEM beheben würde. Ich solle einfach mit Alhambra weitermachen. Aber auch Alhambra war nicht ganz unschuldig an der finanziellen Misere. Der Vertrieb in Griechenland hatte die erste Lieferung vereinbarungsgemäß bezahlt, bei den Nachlieferungen hatte er dann die Zahlungen eingestellt. Wir hatten die gleiche Situation in Schweden, und auch Österreich zahlte nur sehr zögerlich. Hatten sich bei uns nur solche Firmen gemeldet, die von anderen Lieferanten nicht mehr bedient wurden, weil man sie schon kurz vor dem Konkurs sah?<br><br>Zur MIDEM fuhr ich also mit wenig Begeisterung. Ich erwartete nicht, dort einen unserer Schuldner anzutreffen, und was sollte ich meinen anderen Partnern sagen? Ich hatte noch keinen Veröffentlichungsplan für das Jahr und mit Vertröstungen war auch niemandem gedient. Zwar hatten wir nun einige aktuelle Titel im Programm, aber neben den Problemen in Pirmasens und Hamburg hatte ich den Flop mit Frederick Talgorns „Le brasier – Höllenglut“ noch im Gepäck. Der Film war von der Produktionsfirma groß als neues französisches Epos beworben worden und dann sang- und klanglos untergegangen. Wir hatten ein hübsches, aber unverkäufliches Produkt. Rezensionen von Filmmusik-CDs gibt es fast nie in der normalen Presse, und wie sah es in unserer Nische aus? Luc van de Veens Magazin hatte ich abgehakt. Er war zu sehr damit beschäftigt, seine eigenen Produktionen in höchsten Tönen zu loben (oder loben zu lassen), und als nicht gerade deutschlandfreundlicher Mensch war ihm auch nicht gerade daran gelegen,  einem dortigen Minilabel zu helfen. Vielleicht gefiel ihm aber nur meine Nase nicht. Kurzum: die MIDEM verlief ohne nennenswerte Höhepunkte … außer einer Begegnung mit Christina Haralambidis (siehe weiter oben). </p>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="42" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?resize=640%2C42&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-4804" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?resize=1024%2C67&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?resize=300%2C20&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?w=1400&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure>
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		<title>Richard Kummerfeldt &#8211; An den Rändern der Traumfabrik (14)</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Nov 2019 10:56:32 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/11/08/richard-kummerfeldt-an-den-raendern-der-traumfabrik-14/">Richard Kummerfeldt &#8211; An den Rändern der Traumfabrik (14)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p><em>Fortsetzung vom 29.10.2019</em><br><br><em>Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafen der digitalen Revolution, in die Welt der käuflichen Filmmusik, die Seele des Sammlers (heute „Nerd“), die Finessen des sich wandelnden Urheberrechts und erzählt von der Arbeit mit schwierigen Bürohengsten und Künstlerpersönlichkeiten in den 90er Jahren</em>.</p>



<p><strong>Transition Time auf dem Tonträgermarkt</strong></p>



<p>In Hamburg wurde mir eröffnet,
dass Proton baldmöglichst bei Thomas, bei dem die Firma zur Untermiete wohnte,
ausziehen müsse. Thomas brauchte die Räume selbst für seine eigenen
Produktionen. Und die wurden rasch mehr. Er hatte in den USA (vermute ich)
einen Kontakt hergestellt, über den er an Live-Mitschnitte von Künstlern wie
Michael Jackson, Prince oder Bob Dylan herankommen konnte. Der Gesetzgeber
hatte es bisher versäumt, die rechtliche Behandlung dieses Bandmaterials zu
regeln. Thomas hatte sich diesbezüglich über seinen Anwalt abgesichert. <br>
Das war nichts Kriminelles &#8211; noch war dies ein junger Markt, der gerade erst am
Entstehen war, &#8211; aber die großen Schallplattenfirmen waren schon auf der Palme.<span id="more-14822"></span>
Eile war also geboten, ehe sich diese Gesetzeslücke schließen würde. <br>
In der sprach sich rasch Branche herum, welche Stückzahlen sich auf diese Weise
verkaufen ließen. Ein ideales Konzept für jene, die sich den Aufwand einer
eigenen Produktion sparen wollten. Sie kauften sich einfach eine CD im Laden,
veränderten das Cover ein wenig und ließen die Scheibe dann in Tschechien oder
Israel nachpressen. <br>
Noch wartete die Branche ab, ob diesen Trittbrettfahrern wirklich nichts
passierte. Aber außer gelegentlichem Donnergrollen aus den Häusern Sony, EMI,
WEA und Co. kam da nichts. <br>
Nur eines habe ich nie verstanden: warum brachte die Industrie diese Titel
nicht selbst in die Schallplattengeschäfte? Im mittleren Preissegment wäre da
schon viel Luft aus der Blase gelassen worden, denn&nbsp; sicherlich hätten die Disponenten im
Fachhandel eher zur offiziellen CD gegriffen. So hätte sich die Goldgräberzeit gut
überbrücken lassen. <br>
<br>
Es mag im Frühjahr 1995 gewesen sein, als ein Urteil aus Luxemburg dem bunten
Treiben jählings ein Ende machte. Für viele kleine Unternehmer, die zu spät auf
den Zug aufgesprungen waren und es versäumt hatten, ihre CDs schon vor der
Urteilsverkündung aus den Geschäften zurückzurufen, war es nicht nur das Ende
des Traums vom schnellen Geld, sondern der finanzielle Ruin. Die deutschen
Anwälte überzogen diese Firmen flächendeckend mit Klagen. Deutschland hatte mit
einem Schlag ein paar hundert Arbeitslose mehr, und ob die damit verbundenen
Kosten durch die erhöhten Steuerabgaben der Anwälte gedeckt wurden, wage ich zu
bezweifeln. Anwälte und Steuerberater wissen sich dem Finanzamt gegenüber stets
arm zu rechnen.&nbsp; </p>



<p>Jedenfalls musste Proton umziehen, und VRC fand ganz in der Nähe einen neuen Firmensitz, ein Mittelding zwischen großer Garage und kleiner Lagerhalle. Wohl habe ich mich dort nie gefühlt, und ich muss gestehen, ich war froh, als VRC im folgenden Jahr Proton für zahlungsunfähig erklärte und ich von Thomas und seinem „Fenn Music Service“ (FMS) übernommen wurde. Aber erst einmal musste der Winter in der nahezu unbeheizten Location überstanden werden. Und dann stand ja auch noch die MIDEM bevor, die ich ohne die „Miss Marple“-CD in der Hand absolvieren musste.  Was aber war nun in Pirmasens los, dass Heinz S.O.S. funkte? Sein Bericht versetzte auch mich in Alarmstimmung. Die Tagesumsätze, das Hauptgeschäft also, war zu fast 100% weggebrochen. Einfach nicht mehr da. Warum? Heinz erklärte mir, dass die Deutsche Bank das Nachbarhaus an unserer Einfahrt und auch das große Eckhaus oben an der Hauptstraße gekauft und mit dem Umbau des ganzen Komplexes begonnen habe. Das schöne Eckhaus würde komplett entkernt und banktauglich gemacht. Auch das Nachbarhaus sollte verändert werden und einen eher festungsähnlichen Charakter erhalten. Ob ich nicht vorbeikommen könne, um mir ein genaueres Bild von der Lage zu machen. Und außerdem sei er mit seinen Nerven völlig am Ende und brauche dringend Urlaub. Dort wollte er sich übrigens mit Herrn Klick treffen. Der hätte für seine Filme keinen Vertrieb mehr, das wolle er dann von Pirmasens aus machen. „Völlig risikolos und eine sichere Einnahmequelle“. Gut, von dem Geschäft hatte er mehr Ahnung als ich, und in dieser Situation war jedes weitere Standbein willkommen. Ich holte mir also von VRC das Okay für 14 Tage Pirmasens. Der Sommer neigte sich dem Ende zu, aber das Weihnachtsgeschäft würde ja auch erst Mitte Oktober anlaufen. Eva war es ziemlich egal, ob ich in Hamburg oder Pirmasens war, also kündigte ich mich bei Heinz für das Wochenende an. </p>



<figure class="wp-block-image"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="640" height="42" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?resize=640%2C42&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-4804" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?resize=1024%2C67&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?resize=300%2C20&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?w=1400&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/04/Forts.-folgt1.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure>
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