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	<title>Atze Schröder Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Painted Clowns &#8211; Die Geheimnisse der Prominenz</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2023 17:58:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vorwort zur neuen Serie im ST. GEORGE HERALD Der Begriff „Prominenz“ ist so allgegenwärtig wie nie – was zwangsläufig bedeutet, dass sein Gegenstand implodiert ist. Wenn sich jeder, der will, als „Promi“ fühlen darf, dann &#8211; seien wir ehrlich – &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/01/24/noel-coward/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p class="wp-block-paragraph">Vorwort zur neuen Serie im ST. GEORGE HERALD</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff <strong>„Prominenz“ </strong>ist so allgegenwärtig wie nie – was zwangsläufig bedeutet, dass sein Gegenstand implodiert ist. Wenn sich jeder, der will, als „Promi“ fühlen darf, dann &#8211; seien wir ehrlich – ist das Besondere, das der Ausdruck eigentlich impliziert, nichts Besonderes mehr.<br>Neben uns allen, die wir uns unentwegt in hoher Auflösung exponieren können, gibt es nach wie vor Menschen, die im ganz altmodischen Sinne im Licht größerer Aufmerksamkeit stehen. Und natürlich färben die genannten Auswüchse auch auf deren Leben ab. War es in früheren Zeiten unvermeidlich, sich seinen Fans von Zeit zu Zeit zu entziehen, muss man heute allzeit abrufbar sein, ohne dem Publikum auf die Nerven zu gehen. Es gilt, den – individuell unterschiedlichen – Mittelweg zu finden zwischen „Immer schön fuffzig fahren!“ und zur medialen Dauerwurst zu geraten, über deren Anblick sich niemand mehr aufrichtig freut. Unvergessen ist mir ein Zuschauerkommentar, der sich beklagte, der Beckenbauer-Imitator ginge ihm inzwischen noch schlimmer auf die Nerven als der echte Beckenbauer.<br><br>Ein Leitfaden zu diesem heiklen Thema war noch nie so wertvoll wie heute! Passenderweise ist der Mann, der ihn leider nicht notiert, ihn uns aber als Erster vorgelebt hat, heute vollständig vergessen. Die Rede ist von<strong> Noel Coward</strong> (1899-1973). Ein universal begabterer Entertainer ist kaum vorstellbar! &#8211; Ein Entertainer im intellektuell / musischen Sinne, nicht in dem des Artisten der Las Vegas Show – obwohl er natürlich auch dort aufgetreten ist. Coward war jahrzehntelang einer der amüsantesten – ja, doch – Prominenten der westlichen Hemisphäre, ein hochwillkommener Gast von Parties, Würdigungen und Übertragungen, immer noch etwas witziger als seine letzte Arbeit, vergleichbar mit Peter Ustinov, einem anderen britischen Weltbürger, der ihm eine Generation später nachfolgte und ebenfalls drauf und dran ist, nach seinem physischen Ableben in Vergessenheit zu geraten. An Coward erkennen wir wie gnadenlos die Zeit auch über die Talentierteten, Fleißigen und Erfolgreichen hinweggeht. Das nur am Rande.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Noel Coward außerhalb Großbritanniens überhaupt noch stattfindet, dann als Autor der Boulevardbühne. Das war sein geringstes Verdienst, und es tut ihm insofern unrecht, als er vor 100 Jahren ein wirklich moderner Bühnenautor gewesen ist. Seine Musik ist vergessen, und seine verblüffendste soziologische Leistung blieb sogar gänzlich unbemerkt: Noel Coward erfand den Prominentenstatus.  Was er aus dem tragischen Schicksal seines ebenfalls homosexuellen Kollegen Oscar Wilde (1854-1900) gelernt hatte, der wiederum ihm zwei Generationen vorausging und der gleichen Londoner Theaterszene entstammte, setzte er in eine Lebens- und Schaffensphilosophie um, die es seither allen berühmten Persönlichkeiten ermöglicht, sich dem Publikum zu zeigen und dennoch ein privates Geheimnis zu bewahren. Coward lehrte uns den Umgang mit den Erwartungen der Masse. Seither ist es möglich, auf glückliche Art berühmt zu sein – und auch dann ist es schwer genug. Wie schwer, das kommt aufs persönliche Temperament an und hängt vor allem von der Berufssparte ab, in der man unterwegs ist. Schauspieler, Sportler und Politiker haben dieses Problem im geringeren Maße als jene, die zur Selbstdarstellung verpflichtet sind: Moderatoren, Popstars und Komiker.<br>Für sie genügt es nicht, nur ein Image zu haben.<br>Die Arbeit mit einer öffentlichen Persona sollte keine unkenntlich machende Vollmaske sein (wie bei den restlos prominenzfreien Darstellern von Alf, Chewbacca, Tinky-Winky oder dem Alien). Sie muss Transparenz haben und es dem Betrachter gestatten, die Dinge zu schauen, die er gerne sehen möchte.<br>Nur eine Persona gestattet es dem öffentlichen Menschen, seine Außenwirkung zu kontrollieren – wenn alles gut geht.<br><br>Coward war ein Meister dieser Kunst. Sein Beispiel wird von der Nachwelt belegt – positiv wie negativ.<br>Sehen wir uns die Schlagerbranche an. Heino ist ein Charakter, der uns sagt: wer ich bin, geht euch nichts an &#8211; und so genau wollt ihr es ja auch gar nicht wissen, Kameraden. Rex Gildo ist seiner eigenen Kombination aus Plastikperücke und Sonnenbank-Bräune vollständig selbst auf den Leim und an ihr zugrundegegangen, als kein halbwegs vernünftiger Betrachter sie mehr geglaubt hätte. Udo Lindenberg kommt Cowards Methode recht nah (anders als bei Heino ist die dunkle Brille hier kein distanzierendes Requisit), obwohl ich den Verdacht nicht loswerde, dass der Mensch hinter der Maskerade sich vollständig aufgelöst hat.<br>Unter Cowards direktesten Nachfolgern &#8211; den hauptberuflichen Spaßvögeln, bei denen die Grenze zwischen Persona und Kunstfigur naturgemäß fließend ist &#8211; finden sich besonders interessante Beispiele.<br>John Cleese jammert bei jeder Gelegenheit darüber, wie belästigt er sich vom direkten Kontakt mit den Menschen fühlt, die seinen Lebensstil und die Alimente für seine zahllosen Ehefrauen finanzieren. Er verflucht sich dafür, sich nicht von Anfang an maskiert zu haben. Atze Schröder hat es schlauer angestellt. Er hat sich unaufwändig, aber bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, was völlig in Ordnung ist. Leder zieht er dieses Versteckspiel auch in seiner Autobiographie konsequent durch (was den Leser beständig von der Party verjagt, zu der Schröder ihn doch eingeladen hat). Bastian Pastewka tut immer so, als er völlig echt, einfach nur ein drolliger Kerl – und fürchtet sich erkennbar davor, irgendetwas Privates (und sei es noch so unverfänglich) durchschimmern zu lassen. Ilka Bessin hat – das ist raffiniert! – verkündet, sie sei nicht länger Cindy aus Marzahn, tritt aber gegen Schmerzensgeld unverdrossen weiter als solche auf. Helge Schneider macht es am elegantesten, auch Otto Waalkes hat es mit zunehmendem Alter gelernt: der offensichtlich erfundene Charakter ist gleichzeitig ein reales Individuum mit einem gewissen Tiefgang, das uns längst nicht alles erzählt, aber immerhin das, was uns zu interessieren hat.<br><br>Wie wenig selbstverständlich diese veröffentlichen Persönlichkeiten zu ihrer Form gefunden haben, wird deutlich, wenn wir uns Beispiele ansehen, die sich dieser Anforderung ihres Lebensweges verweigern – sei es aus Hybris oder aus Nachlässigkeit.<br>Elon Musk etwa hat es völlig versäumt, sich eine Persona zuzulegen und wird in unseren Tagen erstmals mit den Folgen dieser Unterlassung konfrontiert – Ende offen.<br>Glücklicherweise hat Tamara Hahn vor einigen Jahren das Buch vorgelegt, in dem diese Geheimnisse entschlüsselt werden. Nebenbei ist dies das einzige Buch überhaupt, das in deutscher Sprache über den Künstler Noel Coward vorgelegt worden ist, und es wäre auch dann eines der besten, wenn es noch andere gäbe: <strong>„It’s All A Question Of Masks – Selbstinszenierung und Modernität bei Noel Coward“</strong>. Es handelt sich um eine Dissertation von 2002, die der Lit Verlag Münster 2004 unbemerkt veröffentlicht hat und die noch immer erhältlich ist. Die Autorin hat mir gestattet, diesen bereichernden Text hier als Serie wiederzugeben, wofür ich mich ganz herzlich bedanke.<br>Die Serie startet im Februar! Als Einstieg ins Thema empfiehlt sich die Seite 25 des Werks, wo eine Einordnung des Künstlers und Gesellschaftspolitikers Coward vorgenommen wird.*<br>___________________<br>* Siehe <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/07/19/noel-coward-a-question-of-masks-12/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://blog.montyarnold.com/2023/07/19/noel-coward-a-question-of-masks-12/</a></p>


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<p><img decoding="async" src="http://vg06.met.vgwort.de/na/c2542ab95ed0414cae8505d21a75c32e" width="1" height="1" alt=""></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/01/24/noel-coward/">Painted Clowns &#8211; Die Geheimnisse der Prominenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>So ungeliebt und wie unentbehrlich – Der Beruf des Medienautors (3)</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Sep 2021 14:46:38 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Fortsetzung vom 25. September 2021</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch weitaus ungnädiger beschreibt <strong>Gaby Köster</strong> ihre Autoren, wenn sie sich in <strong>„Ein Schnupfen hätte auch gereicht“</strong>* der entbehrungsreichen Lebens- und Karriereumstände erinnert, die zu ihrem Schlaganfall geführt haben. Köster, die sich nach ihrem Durchbruch in der Kölner Comedy-Szene auch als fähige Schauspielerin erwies, zeigt rückblickend wenig Sympathie für den sie umgebenden Amüsierbetrieb. Auf ihre Drehbuchschreiber ist sie ganz besonders schlecht zu sprechen,&nbsp; weil sie nicht deren erste Wahl für die Hauptrolle in<strong> „Ritas Welt“ </strong>gewesen sei. Sie sieht den immensen Erfolg ihrer Serie weniger in der konstanten Qualität der Texte begründet als in <span id="more-19017"></span>„den psychischen Scharmützeln, die am Ende (…) in einen sinnlosen Rosenkrieg führten“, der immerhin eine Art kreativer Aufputscher gewesen sei, wie er zuweilen bei verkrachten Rockbands beobachtet wird. Wenn Köster etwas am vorgegebenen Verhalten ihrer Figur, der Supermarktkassiererin Rita Kruse, auszusetzen hatte, hing im Handumdrehen „der Haussegen schief, und es ging wieder hoch her! Aber die Autoren wollten natürlich von solchen Sachen nichts hören. Die Autoren wurden ja auch nicht im Supermarkt oder auf offener Straße mit ‚Frau Kruse‘ angesprochen. Und dabei, liebe Freunde des gestreuselten Kuchens, ging es ja noch nicht einmal um Textprobleme! Denn wenn es um den Text ging, wurde meistens noch heftiger gestritten“, und das habe gar nicht mehr der Sache gedient, sondern persönlichen „Abneigungen, Macht- und Egospielchen“.<br><br>„Ritas Welt“ (1999-2003) entstand parallel zu der identisch formatierten Serie ihres Kollegen Atze Schröder, „Alles Atze“ (2000-06). Für beide war das Autorenkollektiv „Die Schreibwaisen“ zuständig, das Folge für Folge ein zuverlässiges Quantum an launigen (nicht zu verwegenen) Plots und Dialogen voller Punchlines abliefern musste. Die Schaffung einer solchen brauchbaren Arbeitsgrundlage ist auch dann eine beachtliche Leistung, wenn man vor der Kamera zuweilen das Gefühl hat, die eine oder andere Pointe besser gewusst zu haben. Kösters Unmut mag auch damit zusammenhängen, dass Comedians die Texte für ihre Bühnenshows häufig selbst verfassen oder doch wenigstens daran mitarbeiten. Sie sind (oder waren zu jener Zeit) die Arbeit mit fremdem Material noch nicht gewohnt. Die Fertigung eines Drehbuchs ist aber etwas anderes als die Schaffung eines Soloprogramms. Und die Fertigung witziger Drehbücher in Serie ist nochmal etwas völlig anderes. In der deutschen TV-Landschaft fand man noch immer befremdlich, was sich in den USA schon in den 50er Jahren durchgesetzt hatte: ein „Writer’s Room“ gehört bei einem regelmäßigen Comedy-Output ganz einfach dazu, weil sich das Niveau der unablässigen Pointen sonst unmöglich halten ließe. Mit dieser Arbeitsweise machten deutsche Entertainer erst in den 90er Jahren allmählich Bekanntschaft, als sich auch bei uns tägliche Personality-Formate durchsetzten und die Comedy zur festen Programmfarbe wurde.<br>____________________<br>* S. Fischer Verlag 2012, Gaby Köster mit Till Hoheneder</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="42" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2020/08/Forts.-folgt1-1024x67-1.jpg?resize=640%2C42&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-16433" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2020/08/Forts.-folgt1-1024x67-1.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2020/08/Forts.-folgt1-1024x67-1.jpg?resize=300%2C20&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2020/08/Forts.-folgt1-1024x67-1.jpg?resize=768%2C50&amp;ssl=1 768w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/09/29/19017/">So ungeliebt und wie unentbehrlich – Der Beruf des Medienautors (3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Noël Coward und die Erfindung der Prominenz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Dec 2014 09:07:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 41. Todestag von Noël Coward Wenn man Noël Coward betrachtet – ein hochkreativer Darsteller und Erfinder seiner selbst, homosexuell und exzentrisch, ein Dandy mit einem enormen Talent zur Komödie, der im Londoner West End Erfolge feierte – fällt einem &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/12/16/noel-coward-und-die-erfindung-des-promis/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/12/16/noel-coward-und-die-erfindung-des-promis/">Noël Coward und die Erfindung der Prominenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">betr.: 41. Todestag von <strong>Noël Coward</strong></span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Wenn man Noël Coward betrachtet – ein hochkreativer Darsteller und Erfinder seiner selbst, homosexuell und exzentrisch, ein Dandy mit einem enormen Talent zur Komödie, der im Londoner West End Erfolge feierte – fällt einem schnell ein historischer Vorläufer ein: <strong>Oscar Wilde</strong>. Wilde verbrachte sein komplettes Leben im <strong>Viktorianischen Zeitalter</strong> und hielt sich wegen seiner Erfolge und seiner Popularität für unantastbar. Er forderte die Gesellschaft heraus, und bald darauf tanzten jene, die so gern über seine Späße lachten, um den Scheiterhaufen, auf dem er verbrannt wurde (– bildlich gesprochen). Die Lebenszeiträume von Wilde und Coward überlappen sich nur um ein Jahr. Coward, dem dieses tragische Beispiel eine Lehre gewesen sein muß, entwickelte eine Methode, die es ihm ermöglichte, er selbst zu bleiben und damit durchzukommen.</span></span><br />
<span id="more-913"></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Heute steht er in dem Ruf, nichts Beständiges, keinen abendfüllenden Geniestreich hinterlassen zu haben. Mindestens zwei Beispiele sollte man sich in diesem Zusammenhang m.E. noch einmal aus der Nähe ansehen. Die Operette „Bitter Sweet“, Cowards größter Erfolg als Autor und Komponist im englischen Sprachraum (- ich kenne sie nur als umfassende CD-Einspielung), und sein Drama „Brief Encounter“.* Hiervon gibt es eine Filmversion, die er als Produzent an den Regisseur David Lean übergeben hat. Im Kindesalter sah ich die</span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">sen Film zum ersten Mal, dann erst wieder knapp vierzig Jahre später, zusammen mit meinen Filmclub-Nerds. Ich staunte darüber, dass mir noch ein Dutzend Zeilen aus dem Dialog in Erinnerung war, darunter die Schlußpointe. Und ich freute mich, dass der sehr bunten Runde dieses Melodram von 1945 so großen Eindruck machte. (Mit der gleichen Gruppe sah ich übrigens unlängst „Brandung“ mit dem Ehepaar Liz Taylor / Richard Burton. Noël Cowards auftritt als Hexe war der einzige Lichtblick in diesem ansonsten völlig verunglückten Schinken.)<br />
Aber den bleibenden Wert dieses Künstlers als Autor können andere, klügere Köpfe besser beurteilen als ich.<br />
</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Mir geht es heute um eine gänzlich unbesungene gesellschaftliche Leistung Noël Cowards. Sie lag auf einem Gebiet, für das es einen Ausdruck gibt, der durch intensiven Mißbrauch in der Gesprächskultur der 70er und 80er Jahre praktisch unbenutzbar geworden ist: er war ein wirklicher Lebenskünstler. Und bevor Sie dieses gruselige Unwort von meiner Seite fegt, biete ich noch einen zusätzlichen Blickwinkel an: er ist der Erfinder des „Promis“. Und beides hängt miteinander zusammen.<br />
Coward übertrug das Mittel der Maske, der Persona, von der Bühne auf sein öffentliches Auftreten. Er vermittelte dem Publikum das Gefühl, der androgyne Paradiesvogel, der sich auch schonmal im schicken Bademantel den Fotografen präsentierte, sei privat vielleicht so ähnlich, vielleicht aber auch völlig anders. (Die Bademantel-Nummer hat Hugh Hefner später tüchtig ausgebaut.) Auf diese Weise wurden ihm seine homosexuellen Subtexte nicht zum Vorwurf gemacht. Noël Coward war cool. Er war eine der ersten „Celebrities“ des 20. Jahrhunderts und </span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;"><span style="text-decoration: underline;">die</span></span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;"> erste, die ihre Eitelkeit in einem speziell kreierten Outfit inszenierte &#8211; so machen es seither Kollegen wie Udo Lindenberg, Madonna, Atze Schröder und Lady Gaga.</span></span></p>
<p>Zu gerne würde ich jetzt noch auf seine Modernität eingehen, auf die „bright young people“, die seine frühen Stücke bevölkerten. Es waren die ersten Bühnenheldinnen und -helden um die zwanzig (wie der Autor selbst), die ganz selbstverständlich auf Augenhöhe mit den älteren Charakteren agieren konnten. Das war Cowards Reaktion auf die Tatsache, das Anfang der 20er Jahre ein Männermangel herrschte, wie er nach großen Kriegen üblich ist, und dass nun die ältesten Söhne zu den Oberhäuptern ihrer Familien aufstiegen. &#8211; Aber dazu ist hier und heute leider nicht genug Platz.**</p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">1969 wurde Noël Coward von Queen Elisabeth II. zum Ritter geschlagen, ohne seine leicht tuntigen Manierismen abgelegt zu haben. </span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">In den letzten Jahren seines erfüllten Lebens genoß er wohl eine ähnliche Verehrung wie später der reife Peter Ustinov, ein anderer universalbegabter Entertainer und britischer Weltbürger. Wir erinnern uns: wenn Unstinov persönlich in Erscheinung trat &#8211; z.B. als Gast auf einer Gala oder in einer Fernsehsendung -, dann traten seine zahlreichen Filme und Theaterstücke in den Hintergrund, und der Meister selbst war die größte Schau. Beide tingelten im Alter mit Soloprogrammen, steckten voller Anekdoten, hatten Charme, Herzensgüte und Tiefgang. Bei Coward kam noch das musikalische Element hinzu.<br />
Noël Coward – er war 22 Jahre älter als Ustinov &#8211; starb 1973, und schon zehn Jahre später war er hierzulande praktisch vergessen. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann und wo ich seinen Namen erstmals bewußt aufgeschnappt habe, aber als ich Anfang der 80er Jahre bei einem Ausflug mit meiner Berufsschulklasse in einem Frankfurter Antiquariat einen dicken Sammelband mit den wichtigsten Coward-Songs ergatterte, war ich schon mächtig stolz. Ich kannte damals noch keinen einzigen davon, aber einige Jahre später nahm ich das Buch beim Anhören der Aufnahmen immer wieder zur Hand, um die Texte und Noten mitzulesen, damit mir nichts entgehen möge.<br />
Kein Songschreiber – abgesehen vielleicht vom amerikanischen Kurt Weill – bewegt mich so tief. Coward ist messerscharf in seiner Satire, aber er hat seinem gelehrigsten und begabtesten Schüler Stephen Sondheim diese große Wärme voraus. Niemals kommen sich seine Bosheit und sein Humanismus ins Gehege – keine Ahnung, wie er das macht.</span></span></p>
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<p>* In einer Umfrage des British Film Institute unter Fachleuten nach den 100 besten britischen Filmen landete diese Adaption von Cowards Kurzdrama „Still Life“ auf dem 2. Platz hinter „Der dritte Mann“ von Carol Reed.<br />
** Wer über den Menschen und Entertainer Coward noch ein wenig weiterlesen will, dem empfehle ich das ihm gewidmete Kapitel in „Dicke Lilli &#8211; gutes Kind“, der Autobiographie von Lilli Palmer.<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/d21fc273865c4f9d9c763c1e182931ae" alt="" width="1" height="1" /></p>
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