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	<title>„Doc Savage“ Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<title>„Doc Savage“ Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Schrankwandliteratur</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Jun 2024 19:43:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: literarische Früherziehung Ein geliebter Freund, den ich für sein südländisches Naturell (seine intelligente Lebensfreude, seine vorurteilsfreie Herzlichkeit und sein sexuelles Selbstverständnis) aufrichtig bewundere, wollte in einem Gespräch, das wir kürzlich führten, unbedingt als Bücherfreund von mir anerkannt werden. Ausgerechnet &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/06/24/clemens-j-setz-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p class="wp-block-paragraph">betr.: literarische Früherziehung</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein geliebter Freund, den ich für sein südländisches Naturell (seine intelligente Lebensfreude, seine vorurteilsfreie Herzlichkeit und sein sexuelles Selbstverständnis) aufrichtig bewundere, wollte in einem Gespräch, das wir kürzlich führten, unbedingt als Bücherfreund von mir anerkannt werden. Ausgerechnet das ist er nun in keinster Weise: bibliophil. Die zum Bücher-Lesen unerlässliche Bereitschaft, zu versinken und stillzusitzen, kann ich gar nicht mit ihm in Verbindung bringen. Als ich es wagte, das auszusprechen, wäre er beinahe in die Luft gegangen. Ich sagte ihm, dass ich in seinen Wohnungen (auch in der soeben bezogenen) noch nie Bücher gesehen hätte (von den obligatorischen beiden Bildbänden im TV-Regal einmal abgesehen). Sogleich wechselte er das Thema und war wieder lieb.<br>Selbstverständlich ist mein Freund mit 40 Jahren bereits Angehöriger einer Generation, in der das Lesen nicht mehr so wichtig genommen wurde und hat sich überdies längst vollständig auf das Smartphone als Universalmedium zurückgezogen wie die meisten heutigen Menschen jeglichen Alters. Der etwa gleichaltrige<strong> Clemens J. Setz</strong> – für mich der mit Abstand interessanteste Autor unserer Zeit – hat bis zu seinem 16. Lebensjahr überhaupt nichts gelesen. Dann packte es ihn umso schlimmer, und er las sämtliche Schrifttumsgattungen in atemberaubender Menge. (Er bearbeitet heute auch sämtliche Schrifttumsgattungen, selbst die digitalen.)</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="630" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2024/06/Tales-to-Astonish-Vol-1-62-1964-1974_1.jpg?resize=640%2C630&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-25592" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2024/06/Tales-to-Astonish-Vol-1-62-1964-1974_1.jpg?resize=1024%2C1008&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2024/06/Tales-to-Astonish-Vol-1-62-1964-1974_1.jpg?resize=300%2C295&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2024/06/Tales-to-Astonish-Vol-1-62-1964-1974_1.jpg?resize=768%2C756&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2024/06/Tales-to-Astonish-Vol-1-62-1964-1974_1.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Eine Vorausahnung der Clemens J. Setz-Story in <strong>„Tales To Astonish“</strong> # 62, 1964 &#8211;  Text: <strong>Stan Lee</strong>, Zeichnungen: <strong>Steve Ditko</strong>, deutsch bei Williams 1974</em><br><br>In meinem Elternhaus gab es Bücher als obligatorischen Bestandteil der Schrankwand-Befüllung – kleinbürgerliches 70er-Jahre-Repertoire: Simmel, Konsalik, Karl May (wovon ich mich instinktiv fernhielt), aber immerhin auch ein Wilhelm-Busch-Album, das mich unendlich bereichert hat. Sonst wuchs ich abgesehen von eigenen Titeln (einiges von <strong>Wilhelm Hauff </strong>und <strong>Agatha Christie</strong>) weitgehend illiterarisch auf – bis ich durch einen Altpapierfund in den Besitz eines Stapels<strong> „Doc Savage“</strong>-Taschenbücher gelangte und mir mein Bruder seine abgelegten <strong>Marvel-Comics</strong> überließ. Ich profitiere bis heute von diesen beiden Ereignissen.*<span id="more-25591"></span><br><br>In Interviews wird selten nach der Lesesituation im Elternhaus gefragt, obwohl das bei den Über-40jährigen ja ein hochspannender Aspekt ist. Immerhin Autoren werden zuverlässig darauf angesprochen, und es erweist sich dann und dort als perfektes Sprungbrett in das Thema des eigenen Rezeptionsverhaltens und damit der eigenen Persönlichkeit.** Diese Passagen sind für mich das Epizentrum jedes Gesprächs, umso mehr, wenn mir die Befragten aus dem Herzen sprechen, aber längst nicht nur dann.<br>Ein paar beliebige Beispiele.<br><br>Für Evelyn Waugh (1903-66) bildeten die Autoren des 19. Jahrhunderts „die Grundlage meiner Erziehung. (…) P. G. Wodehouse hatte direkten Einfluss auf meinen Stil. Dann gab es ein kleines Buch von E. M. Forster namens &#8218;Pharos And Pharillon&#8216; – Skizzen über die Geschichte Alexandrias. Ich glaube, dass Hemingway in seinem ersten Roman &#8218;Fiesta&#8216; wirkliche Entdeckungen über den Gebrauch der Sprache machte. Ich bewunderte seine Art, Betrunkene reden zu lassen.“ Was mit Ronald Fairbank sei. „Als ich jung war, hat er mir sehr gut gefallen. Heute kann ich ihn nicht mehr lesen.“<br>Mich haben meine Erstkontakte nie völlig losgelassen. Natürlich lese ich kaum noch einen „Doc Savage“-Roman vollständig durch, aber ich blättere immer wieder darin, um mich an Lester Dents unbekümmerter Kolportage und seiner unerreicht drallen Figurenzeichnung zu erfreuen.<br>Als er auf Raymond Chandler angesprochen wird, wehrt Evelyn Waugh ab: „All diese Whiskytrinkerei langweilt mich. Und aus Gewalt mache ich mir auch nichts“, jedenfalls nicht aus Gewalt der „belanglosen, anstößigen Art“. Und: „Faulkner finde ich unerträglich schlecht!“<br>Vieles davon spricht sehr zu bzw. von mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neidisch macht mich, was Bernhard Schlink über seine Mutter zu berichten hat: „Als wir jung waren, las sie jedes Buch, das wir lasen, damit sie mit uns darüber reden konnte.“<br>Der von mir bisher ungelesene Philippe Dijan erzählt eine schlimme, aber herrliche Geschichte aus seiner Kindheit, die uns regelrecht in sein Elternhaus hineinblicken lässt: „Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der man Bücher quasi nicht kannte. Wir hatten eine Art Lade, auf der Bücher standen, die wir jeden Monat zugeschickt bekamen. Kam ein neues, musste man ein altes wegwerfen. Auf dem Bücherbrett wäre sonst kein Platz für das neue gewesen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu solchem Pragmatismus werde ich nie in der Lage sein.<br>______________<br>* Der ST. GEORGE HERALD berichtete ausführlich &#8230;<br>** Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.com/2022/12/18/der-kommunismus-in-der-science-fiction/</p>
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		<title>Der Reiseführer</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Nov 2018 15:17:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In unserer Nachbarschaft lebte eine junge Lollipopp-Frau, die uns wie eine etwas herbere Audrey Hepburn vorkam. Sie hatte eine große Boxerhündin namens Gigi und war stets vergnügt, ohne dass es aufgesetzt wirkte. Eines Tages besuchte sie uns, um uns mitzuteilen, &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/11/20/der-reisefuehrer/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In unserer Nachbarschaft lebte eine junge Lollipopp-Frau, die uns wie eine etwas herbere Audrey Hepburn vorkam. Sie hatte eine große Boxerhündin namens Gigi und war stets vergnügt, ohne dass es aufgesetzt wirkte. Eines Tages besuchte sie uns, um uns mitzuteilen, dass sie in Kürze wegziehen würde. Unaufgefordert legte sie – eine kleine Geste der Wohnungsauflösung – einen Stapel billiger Taschenbücher auf die Heizung im Vorraum. Es waren alles Bücher einer Sorte, wie sie in Amerika als „Pulp“ bezeichnet wird, die Abenteuer eines Krimihelden mit starken Science-Fiction-Elementen.* Noch während meine Mutter mit der Abschiedsplauderei beschäftigt war, schnappte ich mir den Bücherstapel – was diesen vor der Vernichtung rette. Und mich in gewisser Weise auch.<br />
Als erstes bestaunte ich die ungeachtet des billig gefertigten Inhalts sehr gekonnten und aufwendigen Titelseiten: fotorealistische Darstellungen zumeist vollkommen unrealistischer Szenen, in deren Mittelpunkt ein blonder Muskelprotz mit zerrissenem Hemd eine wachsame Pose einnahm.<span id="more-11847"></span><br />
Dann las ich die Rückseiten der Taschenbücher, auf denen eine kurze Inhaltsangabe prangte, z.B. so etwas wie: „Wenn es Nacht wird in Wisconsin, bricht die Erde auf und grässliche, formlose Kreaturen kriechen heraus. Dazu ertönt eine seltsame sirrende Melodie. Wenn die Musik verstummt, sind die Kreaturen verschwunden, und nichts bleibt von ihnen zurück als die Leichname ihrer Opfer – und die sehen entsetzlich aus.“ Nach einer solchen Passage wurde stets auf den Helden verwiesen, der das Phänomen in Ordnung brachte, ehe er ihm um Haaresbreite selbst zum Opfer gefallen wäre. Ich las die Rückseiten des ganzen Stapels durch, und als ich mich gleich danach an die Lektüre der ersten Geschichte machte, zog eine Frage durch mein Gemüt: Wo möchtest du leben? Hier – in diesem Dorf, unter diesen Menschen mit ihren Wertvorstellungen, mit <em>dieser</em> Perspektive? Oder bei den Höhlenmännern von Crescent City, in der Bucht des gefiederten Kraken oder in der Phantom-Stadt?<br />
Sie ahnen, welche Antwort mir in den Sinn kam. Ich brauchte ein paar Jahre für diesen Umzug – sicher länger als unsere lesende Nachbarin. Aber seither lebe ich in dieser Welt, und es ist ein großes Vergnügen.</p>
<p>_____________________________<br />
* Siehe dazu auch <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/10/12/doc-savage-der-bronzemann-die-deutschen-taschenbuecher/">https://blog.montyarnold.com/2018/10/12/doc-savage-der-bronzemann-die-deutschen-taschenbuecher/</a><img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/682799e6231b4837a08394089eb6a293" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Was ist Inspiration? (1)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Sep 2018 20:10:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der hochproduktive “Pulpsmith” Lester Dent* hatte 1936 Grund, sich über sich selbst zu ärgern: er formulierte eine etwas gönnerhafte Gebrauchsanweisung, wie man einen erfolgreichen Groschenroman schreibt und bekam dann hunderte von dankbaren Zuschriften; einige davon stammten von seinen Kollegen bzw. &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/09/17/was-ist-inspiration/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/09/17/was-ist-inspiration/">Was ist Inspiration? (1)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der hochproduktive “Pulpsmith” <strong>Lester Dent</strong>* hatte 1936 Grund, sich über sich selbst zu ärgern: er formulierte eine etwas gönnerhafte Gebrauchsanweisung, wie man einen erfolgreichen Groschenroman schreibt und bekam dann hunderte von dankbaren Zuschriften; einige davon stammten von seinen Kollegen bzw. Konkurrenten, die ihm versicherten, mit seiner Hilfe ihren Output gesteigert zu haben. Doch Dent ließ nicht locker. Eine spätere, noch detailliertere Anleitung für junge Autoren kam am Ende auch auf das Thema Titelfindung zu sprechen (… und Dent war verdammt gut darin, Titel zu erfinden!):</p>
<p><em>Ihr könnt eure Titel bei <strong>Shakespeare</strong> finden. Jede beliebige Seite aus seinem Werk enthält ein Dutzend Titel. Aber konzentriert euch auf den Plot: lasst euren Helden niemals etwas tun, was ihr nicht selbst gern tun würdet! Wo bekommt ihr als Autoren eure Ideen her? Indem ihr alles klaut, was in Sichtweite kommt! So etwas wie Inspiration existiert nicht!<span id="more-11330"></span></em><br />
Natürlich hat Lester Dent mit seiner Anleitung nicht unrecht; sein apodiktischer Schlusssatz ist pure Koketterie – wie auch sein „Ärger“ über die famose Anleitung zum Erfolg seiner Kollegen Koketterie gewesen sein dürfte.<br />
In einem Essay von 1981 hält Cadwiller Olden dagegen bzw. führt er weiter aus, wann und inwieweit „klauen, was in Sichtweite kommt“ und „Inspiration“ ein und dasselbe sind.</p>
<p><em>Niemand kann etwas ausscheiden, was er nicht zuvor verzehrt hat. Aber das Wenigste wird unverdaut ausgeschieden. Und außerdem besteht auch die primitivste Mahlzeit – bis hinab zu Pommes mit Majo oder einem Butterbrot &#8211; zumeist aus mehreren Zutaten.<br />
Mit Inspiration verhält es sich ähnlich.<br />
Die meisten von uns (die meisten Autoren der Gegenwart) haben ihr gesamtes Leben in einer friedlichen Welt verbracht und erleben nichts, was im Sinne einer </em>Aventure <em>erzählenswert wäre. Die wenigsten derjenigen, die wirklich ein abenteuerliches Leben führen – Auslandskorrespondenten z.B. oder jene, deren gemütliche Pauschalreise außerplanmäßig in einen Alptraum mündet – machen daraus ein Drehbuch oder einen Roman. Hin und wieder verkaufen sie es an jemanden, der dann einen Tatsachenroman daraus macht, die zugrundeliegende &#8222;wahre Begebenheit&#8220; betonend.</em></p>
<p>(Apropos: was dabei herauskommt, wenn man reihenweise Pauschalreisen zu Geschichten verarbeitet, auf denen <em>alles planmäßig</em> verlaufen ist, lässt sich an den TV-Krimi-Mehrteilern ablesen, die Herbert Reinecker in den 60er und 70er Jahren für das ZDF geschrieben hat …)</p>
<p>Große Geschichten setzen sich zumeist aus einer Vielzahl von Vorbildern und Anregungen zusammen, und je mehr davon ein Mensch in sich aufnimmt, desto kleinteiliger und handverlesener sind die Zutaten, desto größer ist seine kompositorische Eigenleistung. Und dann „verdaut“ er das Ganze ja auch noch, wenn diese etwas archaische Metapher ein letztes Mal erlaubt ist.</p>
<p>Soweit Cadwiller Olden in „Transvestit spielt Hosenrolle“. Auch Lester Dent macht zwischen den Zeilen überdeutlich, dass er verdammt viel (und nicht nur Shakespeare) gelesen hat. Und auch Shakespeare hat das seinerseits getan. Mein persönliches Lieblingsbeispiel – es gibttausend andere, ebensogute &#8211; für die Frische, die eine Geschichte aus einer Vielzahl von Vorbildern generieren kann, ist „Le pirate des abîmes&#8220; von Leon Cimpellin**, in dem auch Shakespeare (als Vorbild eines von dessen Vorbildern) enthalten ist. Das ist wirkliche Beutekunst, und es ist gleichsam das Ergebnis höchster Inspiration. Ich sehe Mr. Dent lächeln, während ich dies schreibe … zustimmend natürlich.</p>
<p><em>(Forstsetzung am 5.11.2018)</em></p>
<p>Dieser Text ist ein Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vicit“.<img decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/d081a283381848a8a5ae8f38ecf7a1c2" alt="" width="1" height="1" /><br />
_________________</p>
<p>* Siehe dazu auch <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/09/14/fast-ein-retortenmensch/">https://blog.montyarnold.com/2018/09/14/fast-ein-retortenmensch/</a> und <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/09/29/ueberflieger-von-ganz-unten-was-ist-pulp/">https://blog.montyarnold.com/2014/09/29/ueberflieger-von-ganz-unten-was-ist-pulp/</a><br />
** Siehe dazu <a href="https://blog.montyarnold.com/2017/01/07/die-schoensten-comics-die-ich-kenne-10-tom-patapom/">https://blog.montyarnold.com/2017/01/07/die-schoensten-comics-die-ich-kenne-10-tom-patapom/</a><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/e286ee53eecb4ecfbb3a618e069f2c69" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/09/17/was-ist-inspiration/">Was ist Inspiration? (1)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Fast ein Retortenmensch!</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Sep 2018 07:38:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 13. Todestag von Robert Wise / geplantes Comeback von &#8222;Doc Savage&#8220; Doc verabscheute Leute, die ihre Fragen nur stellten, weil sie fürchteten, ihnen gehe der Gesprächsstoff aus. Hollywoods Grabung nach klassischen Superheldenstoffen zu Zwecken der Verblockbusterung dringt in eine &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/09/14/fast-ein-retortenmensch/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 13. Todestag von <strong>Robert Wise</strong> / geplantes Comeback von<strong> &#8222;Doc Savage&#8220;</strong></p>
<p><em>Doc verabscheute Leute, die ihre Fragen nur stellten, weil sie fürchteten, ihnen gehe der Gesprächsstoff aus.</em></p>
<p>Hollywoods Grabung nach klassischen Superheldenstoffen zu Zwecken der Verblockbusterung dringt in eine tiefere Schichtstufe vor: <strong>Dwayne Johnson</strong> soll bald als<strong> „Doc Savage“</strong> zu sehen sein! Das ist der erste Versuch, diese Figur auf die Leinwand zu bringen, seit der Allround-Regisseur Robert Wise 1975 damit scheiterte (siehe Abbildung am Ende des Artikels). Die Vorlage ist diesen neuen Versuch sicherlich wert.<br />
„Doc Savage“ erlebte sein erstes und initiatives Abenteuer auf dem Höhepunkt der Großen Depression im März 1933: <strong>„The Man Of Bronze“</strong> erschien als Pulp* bei <strong>„Street &amp; Smith“</strong>. Der Bronzemann residierte zwar im 86. Stockwerk eines Wolkenkratzers in Manhattan (bei dem die zeitgenössischen Leser an das Empire State Building denken mussten), bekämpfte aber Ganoven, irre Wissenschaftler, monströse Tierwesen und überirdische Phänomene in aller Welt (und darunter). 165 der insgesamt 181 abgeschlossenen Romane, die alle unter dem Verlagspseudonym <strong>„Kenneth Robeson“</strong> erschienen, schrieb <strong>Lester Dent</strong> (1904- 1959), der noch unter diversen anderen Pseudonymen arbeitete.</p>
<p>Cark Savage jr. hat keine Superkräfte, steht aber auf halbem Weg zum Kunstmenschen: schon als Kind wurde er in die Hände von Wissenschaftlern gegeben, die seine körperliche wie auch seine geistige Entwicklung beeinflussten.<br />
Nun ist er eine bemerkenswerte Erscheinung, geradezu ein Riese. Unter der bronzefarbenen Haut seines Halses und seiner Hände zeigen sich straffgespannte Sehnen, spielen schwellende Muskeln, die auf außergewöhnliche Kräfte schließen lassen. Sein Haar, das wie ein schimmernder Helm glatt anliegt, ist nur wenig dunkler als sein Teint. Mit seinen scharfgeschnittenen Gesichtszügen und der riesigen, aber vollendet proportionierten Gestalt (auf den Cover-Illustrationen von <strong>James Bama</strong> wirkt er zuweilen etwas bullig) bietet er Freund und Feind einen imposanten Anblick. Seine Augen erinnern an unergründliche, klare Seen, auf denen Blattgold schwimmt, von einem leichten Wind in ständiger Bewegung gehalten. Im Alltag soll er eine Vorliebe für braune Anzüge haben, aber dort treffen wir ihn selten an.<br />
Doc ist ein universalgebildeter Wissenschaftler, in allen erdenklichen Sportarten geübt und von großer Fingerfertigkeit, so dass er in der Not die jeweils verfügbaren Materialien zu nützlichen Hilfsmitteln oder Waffen umbasteln kann – wie später<strong> „MacGyver“</strong>.</p>
<p><em><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-11288" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?resize=640%2C463&#038;ssl=1" alt="#22_Die Monsterbande A+B" width="640" height="463" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?w=2213&amp;ssl=1 2213w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?resize=300%2C217&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?resize=1024%2C740&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" />30 Jahre liegen zwischen diesen Covers von Erstausgabe und Neuauflage des Romans &#8222;The Monsters“. Die Szene ist im Text weniger dramatisch als es die Illustrationen von <strong>Walter Martin Baumhofer</strong> und James Bama befürchten lassen:</em> <em>Doc Savage zieht mit den Knien einen Verstorbenen aus dem Sumpf (Street &amp; Smith Publications / Erich Pabel Verlag, Rastatt).<span id="more-11286"></span></em><br />
Doc hat von seinem Vater Clark Savage sr. – gemeinsam mit dem Auftrag, dem Guten zum Sieg zu verhelfen &#8211; einen Maya-Goldschatz in den Bergen Mittelamerikas geerbt, der ihm praktisch unbegrenzte finanzielle Reserven bietet (und der in #28 in Gefahr gerät)***.</p>
<p>Die Serie nimmt nicht nur den Comichelden „Superman“ (um 5 Jahre), sondern auch James Bond vorweg (um 19 Jahre). Doc Savage liegt konzeptionell ziemlich genau zwischen dem raumgeborenen Alleskönner vom Planeten Krypton und dem robusten Geheimagenten Staatsdiener 007 – abzüglich jeglicher sexueller Interessen (- der Verlag verbat seinen Autoren „erwachsene Sachen“). In Ausgabe 24 ist Doc mit einem Spezialauto unterwegs: „Nur eine sorgfältige Untersuchung hätte gezeigt, dass der Wagen gepanzert war und Reifen aus Vollgummi hatte. Eingebaute Düsen versprühten auf Knopfdruck Nebel oder Gas.“</p>
<p>Lester Dent ist weiß Gott kein großer Erzähler, aber unübertroffen in der Entwicklung und Namensgebung (!) immer neuer eleganter, genialer oder widerwärtiger Schurken.** Die Superhelden-Comics, die der Serie 1949 endgültig den Rang ablaufen sollten, haben ihm viel zu verdanken. Bereits „Superman“ übernahm von Doc Savage den Namen (Doc wurde in der Verlagswerbung als „Superman“ bezeichnet) und das arktische Geheimlabor mitsamt der Bezeichnung „Festung der Einsamkeit“ (#16). Bei „Batman“ lebt die Idee des idealistischen Millionärs wieder auf, der fehlende Superkräfte durch Erfindungsreichtum, Training und wilde Entschlossenheit ausgleicht.</p>
<p>Während Superhelden heute als einsame Wölfe angelegt werden (solange sie sich keinem prominenten Team zugesellen), hat „Kenneth Robeson“ Doc Savage fünf Assistenten zur Seite gestellt, die als skurrile Pathosbrecher für den allzu strahlenden, ein wenig spießigen Übermenschen dienen. (Es sollte fast 30 Jahre dauern, bis das schöne Prinzip, sich als ernsthafter Weltretter nicht zu ernst zu nehmen, einen Nachahmer fand: Stan Lee.) Das Team hat gelegentlich den großen Auftritt des Meisters vorzubereiten. Doc Savage ist eine Berühmtheit, aber es kursieren – anders als heute üblich und unvermeidbar – kaum Bilder von ihm. Er schwimmt in einem Meer aus Gerüchten und Legenden, ist eine Mischung aus Iron Man, Leo Kirch und dem Ungeheuer von Loch Ness. Meistens geht seinem Auftauchen ein raunendes Geflüster voraus: „Mucho hombre! Mucho hombre! Doc Savage!“ heulte die Menge in #47. Seine Helfer bilden dann die Vorhut und orchestrieren diese Erwartung.</p>
<p>Docs Gefährten sind – wie auch die wechselnden Nebenfiguren – so effektvoll und verschroben, dass es etwas zuviel des Guten ist, sie in jeder Folge fast alle auftreten zu lassen. Hin und wieder ist noch Docs Cousine Pat mit von der Partie.<br />
Wenn diese verschworene Gemeinschaft auch keinen Namen hat, so ist sie doch in allen Ländern der Erde bei Schurken jeder Gattung und Schattierung gefürchtet. Ihre Bemühungen, der gerechten Sache zum Sieg zu verhelfen, ist für sie mehr Berufung als Beruf, denn auf finanzielle Einkünfte sind sie nicht angewiesen. Jeder von ihnen ist eine Kapazität auf seinem wissenschaftlichen Spezialgebiet und entsprechend unabhängig.</p>
<p>Oberstleutnant <span style="text-decoration: underline;">Andrew Blodgett Mayfair</span> wird von seinen Gefährten nur „Monk“ (Mönch) genannt. Wer ihn zum ersten Mal sieht, würde den einssechzig großen, „unglaublich hässlichen“ Kerl für einen zweihundertfünfzig Pfund schweren Gorilla halten, denn die Arme hängen ihm bis über die Kniekehlen herab. Seine ledrige Haut ist mit rostbraunem, krausem Borstenhaar bedeckt. Er besitzt eine niedrige, fliehende Stirn, einen breiten Mund (immerhin mit einem „prachtvollen Gebiss“), winzige Augen, kleine abstehende Ohren und eine Nase, die offensichtlich mehrfach gebrochen war. Man sieht ihm wahrlich nicht an, dass er einer der größten Industriechemiker der Vereinigten Staaten ist. Monk kämpft gern laut, und „wenn seine Stimme sonst auch hoch klingen mochte, beim Kämpfen hörte es sich an, als käme sie aus dem vorderen Schornstein der ‚Queen Mary‘“ (#35). Oftmals hat Monk sein hochbeiniges Maskottschwein Habeas Corpus bei sich, ein Tier mit großen Flügelohren und einer langen, spitzen Schnauze, das in einigen der Taschenbuch-Übersetzungen „Piggy“ heißt und auch als Spürhund eingesetzt wird.</p>
<p>Brigadegeneral <span style="text-decoration: underline;">Theodore Marley Brooks</span> &#8211; einfacher „Ham“ genannt – ist der Rechtsanwalt der Truppe, ein Summa-cum-laude-Absolvent der Harvard-Universität. Er ist von Modejournalen schon fünfmal hintereinander zu einem der bestangezogenen Männer New Yorks gewählt worden und mit seiner Dressman-Figur überhaupt der Traum jedes Schneiders. Sein scharfgeschnittenes Gesicht hat den beweglichen Mund eines berufsmäßigen Redners.<br />
Wie später der TV-Serienheld John Steed, trägt auch Ham einen Stockdegen, dessen Anwendung er auf dem Fechtboden Harvards geübt hat.<br />
Auch Ham hat ein Haustier, das ihn hin und wieder zu seinen Einsätzen begleitet: den Affen Chemistry. Der Autor legt sich auf die Rasse nicht fest: es könnte sich um eine Kreuzung zwischen einem Schimpansen und einem Zwerggorilla handeln.</p>
<p>Ham Brooks ist seinem ungleichen Kollegen Monk Mayfair, mit dem er unentwegt Abfälligkeiten austauscht, in herzlicher Feindschaft verbunden. Er nennt ihn gern „du fehlendes Bindeglied menschlicher Entwicklungsgeschichte“ und wird dafür als „elender Winkeladvokat“ beschimpft. Wenn es hart auf hart kommt, retten beide einander freilich regelmäßig das Leben. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man ihre gemeinsamen Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg berücksichtigt, der damals noch &#8222;der große Krieg&#8220; genannt wurde.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-11356" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Ham-Monk.jpg?resize=640%2C710&#038;ssl=1" alt="Ham+Monk" width="640" height="710" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Ham-Monk.jpg?w=1654&amp;ssl=1 1654w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Ham-Monk.jpg?resize=270%2C300&amp;ssl=1 270w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Ham-Monk.jpg?resize=922%2C1024&amp;ssl=1 922w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Ham-Monk.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><br />
<em>Die Einzelheiten der Hassliebe zwischen Ham und Monk sind im internen Glossar verbindlich festgelegt. (Condé Nast Publications Limited)<br />
</em></p>
<p>Der weltbekannte Ingenieur Colonel <span style="text-decoration: underline;">John Renwick</span> alias „Renny“ hat Fäuste wie Boxhandschuhe und eine Stimme, die jedem, der sie zum ersten Mal hört, wie Donnergrollen in einer Höhle vorkommen muss. Er ist fast ebenso groß wie Doc Savage und erheblich schwerer. Und genau wie der kann er mit Frauen nicht viel anfangen. Der schmale Mund ist ständig griesgrämig verzogen, denn in Rennys puritanischem Gesicht spiegeln sich alle Gefühle umgekehrt wieder &#8211; was spätere Comicleser an Happy Hogan denken lässt, den treuen Chauffeur von Iron Man. Sein Standardausruf lautet: „Heiliges Kanonenrohr!“</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">William Harper Littlejohn</span>, genannt „Johnny“ ist noch größer als Renny, aber sehr dünn – immer wieder wird beschrieben, wie faltig ihm das hochwertige Jackett von den Schultern hängt. An einer schwarzen Schnur baumelt eine Art Monokel: ein Vergrößerungsglas, das ihm bei seiner Arbeit als weltweit anerkannter Geo- und Archäologe gute Dienste leistet. Irgendwann lässt er es sich aus Gründen der Handlichkeit in eine unförmige Fensterglasbrille einarbeiten. Das dicke Glas trägt er dann über dem linken Auge, das im Ersten Weltkrieg erblindet ist.</p>
<p>Major <span style="text-decoration: underline;">Thomas J. Roberts</span> ist entgegen seinem Spitznamen „Long Tom“ nur mittelgroß, außerdem schmächtig und auch bei bester Gesundheit besorgniserregend fahl und käsig. Wer sich mit ihm auf eine Prügelei einlässt, staunt jedoch über seine Kraft und Wendigkeit. Long Tom ist das Elektronik-Genie der Mannschaft.</p>
<p>Diese fünf Herren können sich mit Doc und untereinander in der Sprache der mittelamerikanischen Republik Hildalgo unterhalten, aus der Docs Reichtümer stammen. Sie dient ihnen als abhörsichere Geheimsprache.</p>
<p>Docs Cousine<span style="text-decoration: underline;"> Patricia</span> hat die selben goldflackernden Augen wie er und auch die sonnengebräunte Haut des Bronzemannes, ist groß und gut gewachsen. Pat hat einen ähnlichen Hang zu Abenteuern wie er und versucht seit Jahren, in seine Crew aufgenommen zu werden – vergeblich, denn das ist ja schließlich „nichts für Frauen“. Darüber setzt sich Pat aber grundsätzlich hinweg. Wenn sie nicht auf Abenteuer auszieht, betreibt sie an der Park Avenue einen exklusiven Schönheitssalon mit chirurgischer Abteilung, den Doc ihr eingerichtet hat: die „Patricia Incorporated“. Hin und wieder wird sie aber auch zur Unterstützung herangezogen.</p>
<p>Zwischen den Abenteuern bewirtschaftet Doc Savage außerdem eine streng geheime Einrichtung, die heutigen Lesern – nach den historischen Abgründen der 30er Jahre, ihrer Folgen und ihrer literarischen Aufarbeitung durch George Orwell – nicht mehr vermittelbar wäre und die sicher auch in der aktuellen Filmversion fehlen wird: das Institut.<br />
Es liegt im Norden des Staates New York und ist nur Doc, seinen Helfern und den dort tätigen Wissenschaftlern und Vollzugsbeamten bekannt. Die „Studenten, Patienten und Schüler, die in das Institut kamen, wussten nicht, wo sie sich befanden, und erfuhren es auch nach ihrer Entlassung nicht.“ Es sind gefasste Verbrecher, die dort zu „ehrbaren Bürgern“ umprogrammiert werden.<br />
Die Autoren der Serie waren sich über die Selbstjustiz-Aspekte dieser Organisation bereits im Klaren. („Doc fürchtete einen handfesten Skandal.“) In #24 geht der eigentliche Konflikt von ihren Mauern aus. Ein Mitarbeiter gerät außer Kontrolle und wird zum „Zernierer“, der üble Elemente per Fernbedienung zur Strecke bringt. Er „arbeitet mit einer Maschine, die eine Art Ultrakurzwellen ausstrahlt (…) Die Wellen reagieren auf Gehirnströmungen …‘“ Der Forscher hat entdeckt, „dass verbrecherische Gedanken andere magnetische Ströme aussenden (…) als ehrliche Absichten. (…) Die Maschine wirkt auf das Gehirn und zerstört es; dass dabei die dem Opfer die Augen aus dem Kopf quellen, ist ein gewiss unbeabsichtigter Nebeneffekt.“<br />
Das Finale dieser Episode lässt den Leser die moralische Dimension weiter ausloten, wenn Monk fragt: „wenn Sidney Lorrey die Maschine bedient hat, hatte er doch selbst verbrecherische Gedanken – immerhin ging es um Mord. Wieso hat die Maschine ihn nicht auch getötet?“ Sogar Doc muss passen.</p>
<p>Die letzten Abenteuer der Serie wandten sich vom Phantastischen ab und mehr der klassischen Detektivgeschichte zu, doch ihr Niedergang war nicht mehr aufzuhalten. Zu sehr hatte sich die Medienlandschaft gewandelt – zu Beginn hatte es ja noch nicht einmal Superhelden-Comics gegeben.<br />
Nach ihrem Ende erstanden Doc Savage und seine Gefährten 1966 in einem einmaligen Comic-Abenteuer wieder auf und erlebten den Start einer kompletten Neuauflage sämtlicher Romane.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-11291" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?resize=640%2C450&#038;ssl=1" alt="Giant Size SM3_DS Movie Issue" width="640" height="450" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?w=1980&amp;ssl=1 1980w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?resize=300%2C211&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?resize=1024%2C720&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></p>
<p>1975 folgte ein Spielfilm mit dem Tarzan-Darsteller Ron Ely, der sein erklärtes Ziel verfehlte, der Beginn einer Filmserie zu sein. Im selben Jahr unternahm Spider-Man im Marvel-Comic „Verbindung zum Gestern“ eine Zeitreise ins Jahr 1934 und tat sich mit Doc Savage &amp; Co. zusammen (&#8222;The Yesterday Connection!&#8220; in „Giant-Size Spider-Man #3“, deutsch in „Marvel Comic Stars“ Nr. 8, Condor Verlag 1982. Die Geschichte ist hier nachzulesen: <a href="http://www.supermegamonkey.net/chronocomic/entries/giant-size_spider-man_3.shtml">http://www.supermegamonkey.net/chronocomic/entries/giant-size_spider-man_3.shtml</a>).<br />
Demnächst wird also Dwayne Johnson den Bronzemann im Kino wiederbeleben.</p>
<p><strong>__________<br />
* </strong>Siehe dazu <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/09/29/ueberflieger-von-ganz-unten-was-ist-pulp/">https://blog.montyarnold.com/2014/09/29/ueberflieger-von-ganz-unten-was-ist-pulp/</a><strong><br />
** </strong>Siehe dazu <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/10/01/hollywood-noch-zu-retten/">https://blog.montyarnold.com/2014/10/01/hollywood-noch-zu-retten/</a><strong><br />
*** </strong>Am 12. Oktober, dem<strong> </strong>114. Geburtstag von Lester Dent, folgt an dieser Stelle die Liste der deutsch erschienen „Doc Savage“-Abenteuer mit Inhaltsangabe.<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/01aa788028b14866a245a77c890b71e5" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/09/14/fast-ein-retortenmensch/">Fast ein Retortenmensch!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Marvels Mandarin Mix Up (1)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Nov 2015 13:29:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 75. Geburtstag von Bruce Lee Heute ist es unvorstellbar, dass es eine Zeit gegeben hat, in der Marvel Comics nicht etwa die Quelle eines Großteils unseres Mainstream-Kinoangebotes war, sondern es sich genau umgekehrt verhielt. Der bereits hochproduktive Comic-Konzern strebte &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2015/11/27/marvels-mandarin-mix-up/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2015/11/27/marvels-mandarin-mix-up/">Marvels Mandarin Mix Up (1)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 75. Geburtstag von <strong>Bruce Lee</strong></p>
<p>Heute ist es unvorstellbar, dass es eine Zeit gegeben hat, in der <strong>Marvel Comics</strong> nicht etwa die Quelle eines Großteils unseres Mainstream-Kinoangebotes war, sondern es sich genau umgekehrt verhielt. Der bereits hochproduktive Comic-Konzern strebte immer nach weiteren Konzepten, Protagonisten und Themen, um die Chance zu vergrößern, es könnte sich einer davon als Klassiker erweisen.<br />
Heute wissen wir, diese Rechnung ist aufgegangen. Nicht ohne Opfer, denn viele Heftreihen sind auch zeitig wieder eingestellt worden.<br />
Anfang der 70er Jahre griff Marvel intensiv nach der großen Leinwand. Eine Vielzahl von europäisch inspirierten Horror-Serien kam heraus, darunter auch „Dracula“ und „Frankenstein“.° Außerdem wagte man einen Trip in den fernen Osten mit <strong>„Master Of Kung Fu“</strong>. Das war pfiffig, denn einerseits hängte man sich damit an den Erfolg einer angesagten TV-Serie beinahe gleichen Namens an, musste aber andererseits keine Tantiemen berappen.<br />
Das allgemeine Interesse an Martial Arts war von einem Namensvetter des Marvel-Chefs erregt worden, einem jungen Chinesen namens Bruce Lee. Er war der Grund dafür, dass Halbstarke überall auf der Welt versuchten, sich gegenseitig in die Eier zu treten. (Jeder wollte wie Bruce Lee sein, aber keiner hatte Lust, die dazu nötigen karatestunden zu nehmen &#8230;)<br />
Die große Lücke, die Lees früher Tod hinterließ wurde von einem Medienphänomen gefüllt, das von Carl Douglas’ Popsong <strong>„Kung Fu Fighting“</strong> gekrönt wurde, bei uns der Titelsong der erwähnten TV-Serie.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-3671" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2015/11/Kung-Fu.jpg?resize=640%2C493&#038;ssl=1" alt="Kung Fu" width="640" height="493" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2015/11/Kung-Fu.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2015/11/Kung-Fu.jpg?resize=300%2C231&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2015/11/Kung-Fu.jpg?resize=1024%2C789&amp;ssl=1 1024w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" />Auch in Deutschland bedienten Marvels Kung Fu-Abenteuer das Interesse, dass die beinahe gleichnamige Fernsehserie erregt hatte<em>. (Copyright by MARVEL COMICS GROUP)<br />
</em><span id="more-3631"></span><br />
Natürlich bekannten sich Stan Lee und seine Comic-Künstler weder zu Bruce Lee noch zu der Fernsehserie. Mit der üblichen pseudo-intellektuellen Chuzpe gab man den neuen Comic als eine Literatur-Adaption aus, als eine Hommage an den Groschenromanschurken Dr. Fu Manchu.<br />
Diese 1911 von dem Briten Sax Rohmer (Arthur Henry Sarsfield Ward) geschaffene Romanfigur ist ein Superverbrecher, der damals viele Leser an Conan Doyles Moriarty denken ließ. Rohmer schrieb bis zu seinem Tod 1959 neben seinem Weltbestseller „The Mystery Of Dr. Fu Manchu“* noch zwölf weitere Romane, in denen sein finsterer Orientale von der Weltherrschaft träumte.°°<br />
In der 30er Jahren hatte es bereits den gescheiterten Versuch einer Comic-Adaption gegeben, und die Universal, das Horror-Filmstudio Nr. 1, hatte Boris Karloff den Charakter verkörpern lassen.**<br />
1951 machte Wally Wood einen neuen Versuch und legte „The Mask Of Dr. Fu Manchu“ als Graphic Novel vor (wie wir heute sagen würden) – wiederum ohne Erfolg.<br />
Dann kamen die späten 60er.<br />
Im Kielwasser der Asia-Welle und weiterhin beflügelt durch eine allgemeine Renaissance der Romanhelden der 30er (hier ist zum Beispiel „Doc Savage“°°° zu nennen, der als Nachdruck neu auflebte, außerdem in einem köstlich verunglückten Kinofilm), wurde der alte Bösewicht erneut aus der Versenkung geholt.</p>
<p><strong>Kung Fu erobert die Comics</strong></p>
<p>Diesmal stellte man es aber etwas schlauer an. Marvel hatte sich zwar die Rechte an der Figur gesichert, ließ diese aber nicht als Protagonisten auftreten. Der Protagonist war sinnigerweise ein drahtiger Sympathieträger, der Bruce Lee wie aus dem Gesicht geschnitten war. Er hieß Shang-Chi und war der Sohn des bösen Dr. Fu Manchu. Sein Name bedeutet „Aufsteigen und Fortschreiten des Geistes“ und verweist auf die Evokation von Fernöstlicher Philosophie als Bestandteil der Serie.</p>
<p>Selbstverständlich ist Shang-Chi kein Schurke mehr.<br />
Er wurde zwar in einem klosterähnlichen Versteck seines Vaters in der chinesischen Provinz Honan zu dessen Nachfolger erzogen, fernab von äußeren und vor allem westlichen Einflüssen, aber das barg bereits eine hochwillkommene Tücke. Trainiert in allen Bereichen der Wissenschaft, Philosophie und Kampfkunst, war er im Grunde ein angehender Superheld. Als ihn sein Vater am Ende der Ausbildung zu sich rief, um ihm zu erklären, wie er die “Probleme der Welt“ zu „lösen“ beabsichtigte, kamen dem Jungen schon gehörige Zweifel. Nun wurde er noch London geschickt, an den alten Schauplatz der Rohmer-Abenteuer, um eine Reihe von Feinden seines Vaters zu beseitigen. Auf dieser Mission lernte er den „Klassenfeind“ achten und schätzen und war für die Pläne seines Erzeugers bald verloren.</p>
<p>Marvels „Kung Fu“-Serie hielt immerhin zehn Jahre (bis 1983) und verschaffte vielen jungen Comic-Künstlern frühe Aufträge, die später zu Stützen der Marvel-Gesellschaft aufsteigen sollten. Und sie ließen Bruce Lee – wenn auch in bescheidenem Umfang – in der amerikanischen Popkultur weiterleben.<br />
Als Marvel 1988 versuchte, die Figur des Shang-Chi neu zu beleben, war der Duft von Opium und Menthol allerdings vollständig verraucht. Es blieb bei einer achtteiligen Geschichte in der Anthologiereihe „Marvel Comics Presents“.</p>
<p><span style="color: #000000; font-family: Comic Sans MS;">ALL IMAGES AND CHARACTERS  TM &amp; © MARVEL ENTERTAINMENT, LLC</span></p>
<p>________________<br />
° Mit „Das Monster von Frankenstein“ wird sich im nächsten Jahr an dieser Stelle ausführlich auseinandergesetzt &#8211;<a href="https://blog.montyarnold.com/2016/01/01/der-imperator-aller-aussenseiter/"> https://blog.montyarnold.com/2016/01/01/der-imperator-aller-aussenseiter/</a><br />
°° siehe dazu auch den Blog vom 29. September 2015<br />
°°° siehe dazu auch den Blog vom 1. Oktober 2014<br />
* dt. „Das Geheimnis des Dr. Fu Manchu“, Zug 1975, Ingse Verlag („Edition Sven Erik Bergh“), in der alten Übersetzung von Gustav Adolf Modersohn 1980 als Bastei Lübbe Taschenbuch neu aufgelegt.<br />
** dt. unveröffentlicht, aber 1932 unter gleichem Titel verfilmt und 1987 für die ARD synchronisiert als &#8222;Die Maske des Dr. Fu Manchu&#8220;.<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/f61df2563a9d40a785419a27895b393b" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2015/11/27/marvels-mandarin-mix-up/">Marvels Mandarin Mix Up (1)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Ist Hollywood noch zu retten?</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Oct 2014 09:16:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Literatur / Superhelden / „Doc Savage“ Meine Antwort auf die Überschrift: Ich glaube nicht. Hollywood ist in Schwierigkeiten, das Fernsehen bekanntlich längst das bessere Kino und der Satz von der Unmöglichkeit, heutzutage eine vernünftige Geschichte in 90 Minuten zu &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/10/01/hollywood-noch-zu-retten/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">betr.: Literatur / Superhelden / <strong>„Doc Savage“</strong></span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Meine Antwort auf die Überschrift: Ich glaube nicht. Hollywood ist in Schwierigkeiten, das Fernsehen bekanntlich längst das bessere Kino und der Satz von der Unmöglichkeit, heutzutage eine vernünftige Geschichte in 90 Minuten zu erzählen, ist auf dem besten Weg zum geflügelten Wort. Die unvermeidlichen Fortsetzungen jedes halbwegs erfolgreichen Films wirken wie eine Reaktion darauf, aber sie haben in Wirklichkeit einen anderen Grund &#8211; das andere Problem Hollywoods, das noch schlimmere: diese Leute wissen einfach nicht, was sie uns noch erzählen sollen. Was tun, wenn die Marvel-Comics alle durchgenudelt, die Remakes alle getan sind?<br />
Schade, dass mich mal wieder keiner fragt.</span></span><span id="more-202"></span></p>
<p>Es war um 1980, ich muss etwa 13 gewesen sein. Eine Freundin der Familie, die anlässlich ihres Umzuges – „Wir haben sie nie wiedergesehen!“ – die Wohnung ausmistete, legte ungefragt einen Stapel aus etwa zwanzig Taschenbüchern in unseren Eingangsbereich. Noch ehe meine Mutter den Schund entsorgen konnte, hatte ich ihn in mein Bücherregal geschafft. Es war eine Entdeckung und der Beginn eines wirklichen Lesevergnügens!</p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Von der Romanreihe „Doc Savage – Der Mann aus Bronze“ hatte ich noch nie gehört. Es waren sogenannte „Pulps“, eine mir noch unbekannte Literaturgattung, deren Ruf noch unter dem der Comics rangierte.° (Diese Serie rangiert sogar <em>so</em> weit unten, dass sie m. W. nicht einmal auf Sammlerbörsen eine Rolle spielt.) „Doc Savage“ war ein im Labor gepimpter Supermensch, was sowohl seine Intelligenz, seine Bildung und seinen Oberkörper als auch seinen unbestechlichen Edelmut geformt hatte. Der Autor &#8211; ein Autorenkollektiv, wie ich heute weiß &#8211; war sich über die Langweile wohl im Klaren, die ein solcher Moralinmutant verbreitet hätte (ganz im Gegensatz zu den Schöpfern von &#8222;Superman&#8220;, die ansonsten sehr von ihm profitiert haben), und stellte ihm eine malerische Truppe aus fünf Helfern an die Seite. Jeder von ihnen hatte ein Spezialgebiet und eine Vielzahl von Macken, mit denen diese Burschen ständig um die Aufmerksamkeit des Lesers wetteiferten &#8211; aber keine Superkräfte. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Erst viel später erfuhr ich, dass Lester Dent, der sich mit anderen hinter dem Verlagspseudonym Kenneth Robeson verbarg, seine Geschichten ein knappes halbes Jahrhundert früher verfasst hatte. Sie erschienen in den USA zwischen 1933 und 1949, und von den 181 Ausgaben schrieb Dent immerhin 165 selbst. Dass ich das Zeug angesichts der technischen Ausstattung und der latenten Cold-War-Atmosphäre für zeitgenössischen Lesestoff gehalten hatte, imponierte mir ungemein. Zumal die Übersetzung schlampig und uneinheitlich (mal siezten die fünf Kollegen einander, mal duzten sie sich) und voller Druckfehler war. Und auch der Inhalt wäre bei Sigrid Löffler nicht mal als „Kolportage“ durchgegangen. Etwas Recherche hätte dem Werk wirklich gutgetan. Aber es gab Textpassagen, die mich geradezu poetisch anwehten:</span></span></p>
<p style="padding-left: 60px;"><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Die Fantan Road begann mit prächtigen Wohnhäusern und einer neuen Asphaltdecke, wurde aber nach der Nummer tausend immer schäbiger und erinnerte in den Sechstausendern an den Alptraum eines übereifrigen Grundstücksspekulanten. Schließlich hörte die Fahrbahndecke ganz auf, die Straße versickerte und bestand nur noch aus zwei tief eingekerbten Räderspuren. Sogar die Telefonmasten, die die Straße an einer Seite säumten, waren verrottet und verschieden hoch. Hier gab es kaum noch Häuser, und es mutete seltsam an, dass sich überhaupt noch jemand die Mühe gemacht hatte, die vereinzelten Baustellen und Ruinen zu nummerieren.<br />
</span></span></p>
<p style="padding-left: 90px;"><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">„Feuerzeichen am Himmel“ („The Secret In The Sky“)</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">(Heute muss ich bei diesem Text an die Hamburger Hoheluftchaussee denken, eine Straße, die recht quirlig beginnt und sich dann langsam auflöst &#8230;)<br />
Was dieser Autor aber besonders gut beherrschte, war das Erschaffen dreidimensionaler Figuren, die man nicht mehr vergaß – auch wenn sie mal für 30 Seiten nicht auftraten. Da waren zum einen die prallen Beschreibungen dieser Typen: „ein schielender Athlet im Matrosenanzug“, „der kleine Kerl mit dem abgesägten Gewehr“, „schmächtig – eine Motte von einem Mann“. Wichtiger noch aber waren ihre Namen, die von H. P. Lovecraft angeregt schienen oder sich wie die Zuhälter aus Storyville anhörten: Stanley Watchford Topping, Griswold Rock, Seaworthy, Quince Randweil, Stunted, Captain Flamingo, Sigmund Hoppel, die Diamanten-Eva oder Heck Noe, der Eskimo-Mineraliensucher. (Genau! Auch die Berufe machten Spaß!) Jede Figur, auch die kleinste Nebenrolle erfuhr diese Sorgfalt – mit Ausnahme des Protagonisten.<br />
In der Weltliteratur gilt Lew Tolstoi als der Meister der Kunst der Figurenzeichnung (neben vielen anderen Qualitäten natürlich), aber auch die Liste prominenter Versager in dieser Disziplin ist lang, vor allem wenn es um die Namen geht. Parallel zu „Doc Savage“ las ich fast alles von Agatha Christie. Bei ihr ist es beim besten Willen unmöglich, die Charaktere auseinanderzuhalten. Wie wenig einem die Namen dabei helfen, der Geschichte zu folgen, hat Loriot in seinem berühmten Sketch mit der Fernsehansagerin vorgeführt, die vergeblich versucht, einen englischen Fortsetzungskrimi anzumoderieren. Aber Frau Christies Namen klingen wenigstens hübsch, wenn sie sich auch seltsam gleichen. Richtig peinlich wird es bei Francis Durbridge, dem wichtigsten und erfolgreichsten Krimiautor der frühen deutschen TV-Geschichte, dem Vater der sogenannten „Straßenfeger“. Jahrelang habe ich geglaubt, bei Mr. Durbridge handele es sich um das Pseudonym eines deutschen Drehbuchautors, so provinziell (im bundesrepublikanischen Sinne) waren die Rollennamen: das waren entweder Blindtexte wie Mike Brown, John Miller oder Peter Smith (sprich „Smiss“) oder sie schienen sich beim deutschen Nachkriegspublikum durch ihren vertrauten Klang anbiedern zu wollen: Julie Andrew, Carl May oder Mr. Batman, auch bei Ortsangaben verfuhr er nach dieser Devise (&#8222;Das Haus am Eaton Square&#8220; &#8230;).</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">&#8222;Kenneth Robeson&#8220; hatte noch eine zweite Qualität, die ich im heutigen Medienangebot vermisse. Seine Plots waren derart <em>larger than life</em>, dass alle sehr gut in ihnen aussehen konnten – besonders die Schurken.<br />
Auch Stoffe mit offensichtlichen literarischen Vorbildern schmeckten wie selbstgemacht:</span></span></p>
<p style="padding-left: 60px;"><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Die biologischen Versuche des genialen Wissenschaftlers Pere Teson sind überaus erfolgreich. So segensreich sein Medikament wirken kann, so gefährlich ist es in der Hand eines skrupellosen Verbrechers. Aus dem Abschaum der Menschheit zieht er sich eine Horde ungestalter Ungeheuer heran. Ein altes Schloß mit gewaltigen elektrischen Sicherheitsanlagen wird zum Zentrum seiner unheimlichen Macht &#8230;<br />
</span></span></p>
<p style="padding-left: 90px;"><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Klappentext zu „Die Monsterbande“ („The Monsters“)</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Wir wollen aber nicht vergessen, dass Doc Savage selbst jenem „Superman“ um einige Jahre voraus war, den heute alle für den ersten Superhelden der Popkultur halten. Und er hatte Ambitionen, für die seine Nachfolger schlichtweg keine Zeit mehr haben. Seine heutigen Kollegen bekämpfen stets nur die Symptome der gesellschaftlichen Übel und interessieren sich nicht für deren Ursachen, wie schon Wolfgang J. Fuchs in seinem Standardwerk „Comics – Anatomie eines Massenmediums“ beklagte: „In den seltensten Fällen denken Superhelden daran, Kriminellen eine Resozialisierung zu ermöglichen.“ Da war der gute Doc aber aus anderem Holz! Er unterhielt im Norden des Staates New York eine Gehirnwaschanlage („das Institut“), in der dafür gesorgt wurde, dass die Übeltäter kein „The Return“ erlebten. (Na, an dieser Stelle hätte dem jugendlichen Leser vielleicht dämmern können, dass die Texte aus der Zeit vor 1945 stammen …) Für den Autor brachte es dieser Kniff mit sich, dass er sich ständig was Neues einfallen lassen musste &#8211; ein neuer Roman, ein neuer Bösewicht -, während spätere Comic-Düsterlinge wie Lex Luthor oder Mxyzptlk* mit der Regelmäßigkeit einer ungeliebten Jahreszeit immer wieder auftauchen konnten (nur weitaus häufiger).<br />
Und Robesons Schurken waren nicht von Pappe! Die Einblicke in ihr Handwerk waren stets präzise und anschaulich, aber unmöglich zu Hause nachzumachen:</span></span></p>
<p style="padding-left: 60px;"><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Vor nicht ganz einer Stunde waren die spitznasigen Patronen, mit denen die Pistolen geladen waren, und die Spitzen der Schwerter mit einigem Zeremoniell in ein Stück rohes Fleisch gespießt worden, in das zuvor eine gefährliche Giftschlange wiederholt ihre Zähne geschlagen hatte. Die Männer wussten aus Erfahrung, dass die geringste Verletzung durch ihre Waffen sofort zum Tod führte. </span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: xx-small;"><br />
</span></span></p>
<p style="padding-left: 90px;"><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">„Doc in der Falle“ („The Phantom City“)</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Mein Lieblingsbuch des Stapels war die Folge, die des Helden im Ewigen Eis gelegenes Geheimlabor besonders thematisiert. (Später habe solche Anlagen bei DC und bei James Bond wiedergesehen.) Wie in dieser Ausgabe ein russischer Beamter um die Ecke gebracht wird, will ich Ihnen nicht vorenthalten:</span></span></p>
<p style="padding-left: 60px;"><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Die Angestellten hasteten zum Studio. Sie rissen die Tür auf und blieben erstarrt stehen. Sie trauten ihren Augen nicht. Serge Manow war pechschwarz geworden! Serge Manow war unglaublich schwarz. Nicht nur seine Haut war schwarz, sondern auch seine Fingernägel, seine Augen und seine Zähne waren schwarz geworden. Sogar seine Kleidung war verdunkelt, als hätte jemand sie in chinesische Tusche getaucht. Der Butler stöhnte, der Chauffeur stieß ein ächzendes Geräusch aus, und die Finger der Köchin zitterten. Das Blut aus der Wunde tropfte auf den Boden.<br />
„Genosse Manow!&#8220; rief das Zimmermädchen. Sie war zwar Amerikanerin, aber überzeugte Kommunisten; deswegen hatte Manow sie eingestellt.<br />
Die schwarze Statue, die nur noch eine entfernte Ähnlichkeit mit Serge Manow hatte, verfärbte sich abermals, wurde sepiafarben, geriet in Bewegung, löste sich scheinbar in Rauch auf, der vage die Form eines menschlichen Körpers bewahrte, und näherte sich der Tür.<br />
Die Köchin kreischte auf und kleckste noch mehr Blut auf den Boden und gegen die Wand, aber der Chauffeur fand seine Geistesgegenwart wieder. Er zog eine schwere Zange aus der Hüfttasche und schleuderte sie dem gespenstischen Gebilde entgegen. Die Zange durchdrang die Erscheinung, als wäre sie wirklich nur Rauch, prallte gegen die gegenüberliegende Wand und riss den Verputz herunter.<br />
Dann löste sich der Rauch unvermittelt auf. Er breitete sich nicht aus, er zerfloss, er wurde durchsichtig und war plötzlich nicht mehr da.<br />
„Ich habe ihn umgebracht&#8220;, flüsterte der Chauffeur.<br />
</span></span></p>
<p style="padding-left: 90px;"><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">„Die Festung der Einsamkeit“ („The Fortress Of Solitude“)</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Meine Jugend ging zuende, und die frühen Tage des Privatfernsehens spülten nicht nur diverse alte Fernsehserien zurück in unsere Stuben (mit vielen ergänzten, noch nie gesehenen Episoden), man sah auch eine Unmenge kurioser Filme, die seither wiederum praktisch unzugänglich sind. Einer davon zeigte den Bildschirm-Tarzan Ron Ely in der Rolle des Bronzemannes Doc Savage. Ich konnte es kaum erwarten, mir das – Jahre nach der letzten Taschenbuchlektüre – anzusehen. Es war bestürzend! Das Werk troff nur so vor Patriotismus und quasimoralischen Plattheiten. Mit der ersten dieser Predigten wurde nicht, wie sich das gehört, bis zum Showdown gewartet, sie ertönte schon vor dem Zug in den Kampf, und sie war von einem Kaliber, das Witta Pohl hätte vor Neid erbleichen lassen.**</span></span></p>
<p>Merken Sie was, liebe mitlesende ausländische Filmproduzenten, die sich gerade vor Ratlosigkeit die letzten Haare ausraufen? Das wäre doch endlich mal ein Remake, bei dem selbst Sie nichts falsch machen können!</p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">______________________________________<br />
* Dieser berühmte Figurenname wird erst richtig schön, wenn man ihn laut mitliest: „Mixizet-Petelka“<br />
° siehe dazu auch das Kapitel “Pulp” in der Serie “Synergien in der Popkultur: Vier kleine Worte (4)” vom 29.9.2014</span></span><br />
** Wissenswertes zum Film findet sich unter <a href="http://Doc%20Savage Archives_ The Curtis Magazine #1 - Doug Moench - Google Books.html">Doc Savage Archives_ The Curtis Magazine #1 &#8211; Doug Moench &#8211; Google Books.html<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/15e2232df0334efc86e34291d8c13958" alt="" width="1" height="1" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/10/01/hollywood-noch-zu-retten/">Ist Hollywood noch zu retten?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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