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	<title>Nathan der Weise Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>Nathan der Weise Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Der Song des Tages: &#8222;You&#8217;ve Got to Be Carefully Taught&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Apr 2023 13:18:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Musicalgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 300. Jahrestag der Uraufführung von &#8222;Nathan der Weise&#8220; Der Streit mit einem tunnelsichtigen Geistlichen inspirierte Gotthold Ephraim Lessing zu seinem Schauspiel „Nathan der Weise“. Der Vordenker der deutschen Aufklärung erwartete keinen Theater-Erfolg. Doch das Plädoyer für religiöse Toleranz hat &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/04/14/22688/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/04/14/22688/">Der Song des Tages: &#8222;You&#8217;ve Got to Be Carefully Taught&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p>betr.: 300. Jahrestag der Uraufführung von<strong> &#8222;Nathan der Weise&#8220;</strong></p>



<p>Der Streit mit einem tunnelsichtigen Geistlichen inspirierte <strong>Gotthold Ephraim Lessing</strong> zu seinem Schauspiel „Nathan der Weise“. Der Vordenker der deutschen Aufklärung erwartete keinen Theater-Erfolg. Doch das Plädoyer für religiöse Toleranz hat sich bis heute auf den Spielplänen und im Bewusstsein auch der Nicht-Theaterfreunde gehalten.<br>In diesem Sinne funktioniert auch ein kleinerer Song (klein = kurz, in der Show eher ein unauffälliges Zwischenspiel, seltener gespielt als die diversen Hits der Show &#8230;) aus <strong>Rodgers &amp; Hammerstein</strong>s Erfolgsmusical <strong>&#8222;South Pacific&#8220;</strong> von 1949. &#8222;You&#8217;ve Got to Be Carefully Taught&#8220; macht uns klar, dass ethnische Vorbehalte bis hin zum Rassismus nichts Angeborenes sind, sondern dass wir dazu sorgfältig erzogen werden müssen.<br>Die hübscheste mir bekannte Interpretation des Liedes stammt aus dem Studio-Cast-Recording des Musicals von <strong>Frank Sinatra</strong> und seinen Kollegen. Es singt <strong>Sammy Davis jr</strong>.</p>
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		<title>Wildgruber auf Sylt: Epiphanie in der Morgenstunde (2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Mar 2021 13:43:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchauszug]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Nathan der Weise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Wildgruber auf Sylt“ ist der dritte Teil von Cadwiller Oldens „Hamburger Trilogie“. Der im Titel genannte Künstler kommt im Stück nicht vor (– wie auch Witta Pohl in „Butter für Frau Pohl“ nicht persönlich auftritt). Das Stück spielt nicht einmal &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/03/18/17724/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/03/18/17724/">Wildgruber auf Sylt: Epiphanie in der Morgenstunde (2)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Wildgruber auf Sylt“ ist der dritte Teil von <strong>Cadwiller Olden</strong>s <strong>„Hamburger Trilogie“</strong>. Der im Titel genannte Künstler kommt im Stück nicht vor (– wie auch Witta Pohl in <strong>„Butter für Frau Pohl“</strong> nicht persönlich auftritt). Das Stück spielt nicht einmal auf Sylt. Aber der moderne Filmklassiker <strong>„Fargo“</strong> spielt ja auch nicht in „Fargo“ und „Wanderer, kommst du nach Spa“ nicht in Spa. In diesem Sinne &#8230;</em></p>
<p><em>Fortsetzung vom 16. März</em></p>
<p>Als sich die Wolken verziehen, sieht er den früheren Besitzer der Dose am Tisch sitzen, einen älteren Kollegen – älter als er damals, jünger als er heute. Es ist Anders Eisenheinz, Chef des örtlichen Kinder- und Jugendtheaters. Er trinkt zuviel, so auch heute wieder, nimmt aber aufgrund seiner winzigen schmächtigen Gestalt in diesem Zustand niemals bedrohliche Züge an, sondern richtet seine Feindseligkeit – und er ist zuallererst sein eigener Feind – nur umso verkniffener auf sich selbst. Ist ein junger Kollege anwesend, den er mit seinen Ansichten und Erlebnissen noch in Erstaunen versetzen kann, dann lässt er kurz von seinem Opfer ab.<br />
„Ich habe Dir etwas mitgebracht!“ sagt er nun und beginnt Luft zu holen für eine jener Rätselmoderationen, die er so sehr liebt.<br />
Er stellt ein Creme-Tiegelchen auf den Tisch, von dem er das Plastik-Etikett sorgsam heruntergeschabt hat. „Da drin befindet sich eine magische Wunderpaste“, fährt er fort, „die du nicht im Laden kaufen kannst. Ich habe sie selbst zusammengemischt, das ist mindestens fünfzehn Jahre her.“<span id="more-17724"></span><br />
Artig gibt ihm sein Gegenüber die gehörigen Stichworte: „Aha. Soso. Isjadoll!“<br />
„Eines Tages wollte ich damit ganz groß rauskommen. Ich wollte die Büchse aufschrauben, sobald die Stunde gekommen ist. Das erste Vorsprechen bei einem dieser Regietheaterfuzzis. Du weißt schon, diese grauenvollen Typen, die es für altmodisch halten, wenn man eine Kulisse hinstellt, die zum Stück passt, und sich Kostüme nähen lässt.“<br />
Der Zuhörer schweigt, denn er weiß nicht, was das Wort „Regietheater“ bedeutet. Ist das überhaupt ein richtiges Wort? Beim Theater wird doch üblicherweise Regie geführt. Das ist wohl so ein Wort, das man erfindet, wenn man beim Scrabble betrügen will, so etwas wie „Schwanzhund“ oder „Flaschenpommfritt“. Was also soll dieser Schwachsinn bedeuten? Jedenfalls darf man Eisenheinz nicht widersprechen, wenn er diesen Grad an Rührseligkeit erreicht hat.<br />
„Ich wollte diese Paste benutzen, wenn der große Zampano gar nicht damit rechnet!“ fährt Eisenheinz fort. Er sagt nicht, <em>wie</em> er sie benutzen wollte, aber das kann ja noch kommen. „Dann hätte ich mich vor ihn hingeworfen wie ein Schlachtopfer, zu allem bereit! Alle Viere aufwärts von mir gestreckt. Verfügt über mich, Herr! Macht mit mir, was ihr wollt! Lasst den Pöbel mich mit Sahnetorten, mit Kraftausdrücken, mit faulen Eiern und Tomaten bewerfen, womit ihr wollt. Hauptsache, ihr tut es, solange der Vorhang noch oben ist. Ich habe keine Selbstachtung, wenn ich da oben stehe. Hauptsache, alle glotzen mich an!“<br />
Das ist wieder einer dieser Monologe, in denen der alte Knabe sosehr bei sich selbst ist, dass ihm niemand folgen kann. Es wäre sicher ungesund, ihm jetzt zu folgen.<br />
Mit zittriger Hand, leise wimmernd, das Gesicht in der Armbeuge vergraben, schiebt der Ältere dem Jüngeren das schmuddelige Ding rüber. Erratische Klagefetzen dringen noch aus dem verknoteten Kopfsalat herauf, der auf der Tischplatte bibbert wie ein Wackelpudding. „Aber plötzlich 38 … wird nichts mehr … falsch abgebogen … Drecksnest …“</p>
<p>Der Schauspieler sieht diese berührende Szene in allen Einzelheiten vor sich. Genauso ist es gewesen. Er hat sich bedankt und – mit leichtem Schaudern – das Töpfchen eingesteckt, mit dem festen Vorsatz, es außer Sichtweite sogleich in einen städtischen Müllbehälter zu versenken. Doch danach hat er es sofort vergessen. Und er hat auch vergessen, es später wegzuschmeißen.<br />
Wie ist es bloß aus der Jackentasche in den Badezimmerschrank gekommen? Muss wohl in einem der zahlreichen Filmrisse geschehen sein, die der Meister inzwischen selbst vollführt hat.</p>
<p>Da wird ihm bewusst, dass er es immerhin weiter gebracht hat als Gevatter Eisenheinz. Gewiss – auch er ist ein paarmal falsch abgebogen, aber immerhin: in die Großstadt hat er es geschafft. Und er befindet sich sogar im Ensemble eines angesehenen Hauses. Und sein Regisseur ist einer dieser Regietheater-Typen. Denn tragischerweise gibt es dieses Wort tatsächlich.</p>
<p>In diesem Augenblick beginnt das Tiegelchen in der Hand des Schauspielers zu pulsieren, als ob es lebte oder sagen wir: als ob es gerade wiedererwacht wäre. Und der es hält, weiß sogleich, was er damit zu tun hat. Er wird sich auf der nächsten Probe die Kleider vom Leib reißen und sich vor aller Augen mit dem Inhalt vollschmieren. Und genau so – nackig und vollgeschmiert &#8211; wird er die Probe fortsetzen. Und im gleichen Zustand wird er auch das Stück spielen, sämtliche Aufführungen von „Nathan der Weise“, einer modernen Inszenierung in Waschbetondekoration, die auf einem sinkenden Ozeandampfer spielt. Und wenn sein Regisseur zu ihm sagte, er möge sich die anzünden, „Es brennt! Es brennt!“ rufen und sich die große Freitreppe herunterrollen lassen, dann würde er auch das tun! Zum allgemeinen Jubel.<br />
Jawohl, er würde den bereits recht angejahrten Begriff von zeitgemäßer Inszenierungskunst vervollständigen und für die nächsten Jahrzehnte zementieren!</p>
<p>Noch am selben Tag beginnt für den Schauspieler ein neues Leben! Beim Publikum sieht die Sache anders aus.<img decoding="async" src="http://vg01.met.vgwort.de/na/110f6090aa274878910a9a641f0104b0" alt="" width="1" height="1"></p>
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		<title>Die wiedergefundene Textstelle: Ein Filmhistoriker als Magier der Leinwand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Mar 2019 14:15:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkunde]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA["Der dritte Mann"]]></category>
		<category><![CDATA[„London After Midnight“]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Karloff]]></category>
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		<category><![CDATA[Schauermelodram]]></category>
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		<category><![CDATA[William K. Everson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 50. Todestag von Ernst Deutsch Wir Hamburger kennen Ernst Deutsch als den Namensgeber eines unserer wichtigsten Privattheater. Es wurde vom damaligen Prinzipal Friedrich Schütter nach ihm benannt, um seinen Erfolg als „Nathan der Weise“ auf dieser Bühne zu würdigen. &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/03/22/12908/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/03/22/12908/">Die wiedergefundene Textstelle: Ein Filmhistoriker als Magier der Leinwand</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 50. Todestag von <strong>Ernst Deutsch</strong></p>
<p>Wir Hamburger kennen Ernst Deutsch als den Namensgeber eines unserer wichtigsten Privattheater. Es wurde vom damaligen Prinzipal <strong>Friedrich Schütter</strong> nach ihm benannt, um seinen Erfolg als <strong>„Nathan der Weise“</strong> auf dieser Bühne zu würdigen. Zum ersten Mal ist mir sein koboldhaftes Gesicht im Klassiker und Kultfilm <strong>„Der dritte Mann“</strong> aufgefallen.<br />
In der Emigration in Hollywood hatte Ernst Deutsch hin und wieder Nazis gespielt, eine Ironie, die er mit einigen deutsch-jüdischen Schauspielern jener Jahre teilt. Sein letzter amerikanischer Film war im Jahre 1945 das Schauermelodram <strong>„Isle Of The Dead“</strong> an der Seite des großen <strong>Boris Karloff</strong>.<br />
Mit diesem Film beschäftigt sich <strong>William K. Everson</strong> in seinem Standardwerk <strong>„Klassiker des Horrorfilms“</strong>, und er beschreibt den dritten Grund neben Deutsch und Karloff, diesen Film bei Gelegenheit wiederzusehen:</p>
<p style="padding-left: 60px;">Die Handlung dreht sich um eine Reisegruppe, die auf eine vom Krieg heimgesuchte, verseuchte griechische Insel verschlagen wird. Unter anderem gibt es da <strong>Katherine Emery</strong>, eine Frau mittleren Alters, die unter kataleptischen Anfällen leidet und eine panische Angst davor hat, während eines solchen Anfalls lebendig begraben zu werden. Der Zuschauer ist sich natürlich darüber im klaren, dass ebendiese Situation unausweichlich eintreten wird, und die Spannung steigt noch durch die permanente Angst der Frau und ihre Bitten, man möge sich vor ihrer Beerdigung vergewissern, dass sie auch wirklich tot ist. Gegen Ende des Films stirbt sie scheinbar tatsächlich, man untersucht sie – mit negativem Ergebnis -, und sie wird beerdigt.<br />
Das Publikum ist längst so weit gebracht worden, <span id="more-12908"></span>zu glauben, dass sie nicht tot ist, und so erwartet man die schreckliche Szene ihres Erwachens im Grab. Als diese endlich kommt, ist man verblüfft, mit welcher fast schon sadistischen Missachtung der kollektiven Zuschauererwartung sie sie realisiert ist. Es ist Nacht, und die Kamera fährt langsam die leichte Steigung zu dem Grabgewölbe hinauf, in dem der Sarg ruht. Die Musik schwillt an zu einem Crescendo; das Publikum wartet voller Spannung auf den unvermeidlichen Schrei oder das Geräusch des aufbrechenden Sargholzes. Doch plötzlich ist Stille, abgesehen von dem Geräusch tropfenden Wassers, einem Geräusch, das seinerseits die Konzentration des Zuschauers beansprucht, ehe es identifiziert werden kann. Die Kamera bleibt einen Augenblick stehen: Jetzt wird es sicher gleich passieren. Vielleicht hat sich die Frau schon aus dem Sarg befreit und die Pforten des Grabes werden gleich aufspringen. Ob sie wohl durch das Erlebnis verrückt geworden ist? Die Zeit reicht gerade für solche Mutmaßungen, und dann beginnt die Kamera, wieder zurückzugleiten. Also passiert doch nichts; der Schock wird wohl aufgespart für eine spätere Szene.<br />
Die Spannung des Publikums löst sich, und in diesem Moment – als ob die Reaktion mit der Stoppuhr abgepasst wäre – passiert es. Man hört einen Schrei aus dem Inneren der Gruft und das Geräusch von an dem Sargdeckel kratzenden Fingernägeln. Doch die Kamera setzt ihren unbeirrbaren Rückzug ohne weiteren Kommentar fort, und die Szene blendet aus.<br />
Die Zuschauer sind nicht nur in einem unbedachten Moment überrascht worden, sondern ihre erneute Spannung wird auch nicht wieder gelöst, denn der Film verrät uns nicht, was geschehen ist.<br />
Wir wissen nur, dass die Frau noch lebt – was wir sowieso schon wussten. Doch diese eine Einstellung ohne ein Element der Bedrohung und ohne eine einzige Person auf der Leinwand, ist zu einem der schauerlichsten Augenblicke der Filmgeschichte geworden.</p>
<p>Diese hochamüsante Passage enthält einen der wenigen Fehler, die dem Filmhistoriker William K. Everson unterlaufen sind. Zu seiner Verteidigung: er schrieb seine Bücher und Artikel zu einer Zeit, als man ältere Filme noch in über die Welt verstreuten Archiven und Privatsammlungen aufstöbern musste, wenn man sich nicht auf sein Gedächtnis verlassen wollte. Und das ging auch nur, wenn die besprochenen Werke überhaupt noch erhalten waren. So schreibt Everson etwa über den bis heute verschollenen Stummfilm „London After Midnight“ und lässt ihn im Vergleich mit dem Remake „Mark Of The Vampire“ schlechter abschneiden.<br />
Seine trügerische Erinnerung an „Isle Of The Dead“ ist ganz großes Kino – im Gegensatz zu der Gruft-Szene, wie sie tatsächlich im Film zu sehen ist.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/03/22/12908/">Die wiedergefundene Textstelle: Ein Filmhistoriker als Magier der Leinwand</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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