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	<title>Norman Mailer Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>Norman Mailer Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Bescheidenheit als alter Hut: Autofiktion (2)</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Jan 2026 18:16:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Fortsetzung vom 13.1.2026<br></em><br>Ohne dass ein Aufhebens gemacht wurde, war bis Mitte des 20. Jahrhunderts die fiktionale Erzählkunst a priori reich an gelebtem Leben und gemachten Erfahrungen. Dann brach eine längere Periode des Friedens in der Westlichen Welt an (die eben im Begriff ist, zuende zu gehen); sie war bequem und schadete gleichwohl der Inspiration. Die Jahre auf See etwa haben die Werke von <strong>Herman Melville </strong>(siehe unten) und <strong>Joseph Conrad</strong> geprägt. Solche Erfahrungen wurden umgekehrt – falls sie in der jeweiligen Biographie nicht vorkamen – von einem Autor wie <strong>Edgar Allan Poe</strong> als entsetzliche Lücke empfunden. Sein einziger Roman <strong>„Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym aus Nantucket“ </strong>ist auch Nicht-Seefahrern leicht als Prosa eines Erzählers erkennbar, dem es an einschlägiger Erfahrung fehlt. Kurioserweise kommt ausgerechnet dieses phantastische Werk als Erlebnisbericht daher, als (restlos fiktive) Autofiktion auf hoher See. Conrad, Melville und Co. hingegen verzichteten darauf, sich selbst zum Teil ihrer Erzählung zu machen. Ebenso <strong>Truman Capote</strong> (siehe wiederum unten), der zum Ende seiner tatsachenbasierten Erzählung hin tatsächlich so sehr Teil derselben war, dass die strikte Auslassung seiner Person zu erzählerischen Verrenkungen führte.<br>Die Besessenheit, sich selbst wichtig, zum Thema und zum Wahrheits-Gütesiegel des eigenen Textes zu machen, ist in ihrer heutigen Form etwas Neues.<br>In seinem Nachwort zur Neuübersetzung von <strong>Upton Sinclair</strong>s Tatsachenroman<strong> „Boston“ </strong>über den Justizskandal um<strong> Sacco und Vanzetti</strong>* schreibt <strong>Dietmar Dath</strong>:<br><br>»Kann ein Roman wahr sein? In welcher Gebrauchsweise des Wortes „Wahrheit“ steckt die Möglichkeit, ein Erzählwerk an diesem Wort zu messen? Wer so fragt, weiß wohl schon, dass da ein anderer Wahrheitsbegriff gesucht werden muss als der, an dem man die Gattung einer naturwissenschaftlichen oder mathematisch-logischen Aussage eicht. Der gesuchte Wahrheitsbegriff ist frech unsachlich, es geht nicht um Sachen, man will damit von Menschen geschaffene Sachverhalte zu fassen kriegen, soziale, speziell: literarisch-ästhetische.<br>In den Vereinigten Staaten von Amerika ist man das Ineinandergreifen von Recherche und Erzählkunst seit einiger Zeit gewohnt. Herman Melvilles<strong> „Moby Dick“</strong> (1851) zum Beispiel hat ein langes Vorspiel voller Expositionsmaterial, das dann im Roman auf der Jagd nach dem weißen Wal untergeht wie ein vollbeladenes Schiff im Meer. Truman Capotes <strong>„In Cold Blood“ </strong>(1965) ist eine Kriminalreportage und zugleich vollkommene Prosa. <strong>Norman Mailer</strong>s <strong>„The Executioner’s Song“ </strong>(1979) schließlich, das großartige Buch über den Fall <strong>Gary Gilmore</strong>, die wahre Geschichte eines Mannes, der gegen alle humanitären Initiativen, die ihm zur Hilfe kommen wollten, darauf bestand, für Verbrechen, die er begangen hatte, hingerichtet zu werden, vereint die vorzüglichsten Eigenschaften von Melvilles und Capotes Arbeit. Denn Mailers Text ist sowohl Ergebnis von umfangreichen Recherchen, Interviews und Dokumentenlektüre als auch die überwältigende Texterfahrung einer mit Beobachtungen nicht zu zähmenden Ereignismonstrosität, die wiederum für einen ganzen historisch-gesellschaftlichen Gesamtzustand steht.«<br><br>_____________<br>* <strong>Menasse Verlag</strong> Zürich 2017<br><br></p>
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		<title>Das Gegenteil von Einsamkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Aug 2024 18:32:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[A Tree Of Night]]></category>
		<category><![CDATA[Baum der Nacht]]></category>
		<category><![CDATA[Gore Vidal]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Norman Mailer]]></category>
		<category><![CDATA[O. Henry Preis]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftsteller]]></category>
		<category><![CDATA[Truman Capote]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 40. Todestag von Truman Capote Sein berühmter, etwa gleichaltriger Kollege Norman Mailer nannte Truman Capote den „vollkommensten Stilisten seiner Generation“. Der Neid seines kurzzeitigen Freundes und ewigen Gegenparts Gore Vidal, der bis lange nach Capotes Tod immer wieder eifrig &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/08/25/truman-capote/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p class="wp-block-paragraph">betr.: 40. Todestag von <strong>Truman Capote</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein berühmter, etwa gleichaltriger Kollege <strong>Norman Mailer</strong> nannte Truman Capote den „vollkommensten Stilisten seiner Generation“. Der Neid seines kurzzeitigen Freundes und ewigen Gegenparts<strong> Gore Vidal</strong>, der bis lange nach Capotes Tod immer wieder eifrig und ungefragt zum Ausdruck gebracht wurde, ist vielleicht ein noch größeres Kompliment.<br>Zwei Kurzgeschichten sind geeignet, sich ein Bild von den Fähigkeiten des großen Erzählers zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Miriam“</strong> erzählt von der alten New Yorker Witwe Mrs. Miller, die an einem verschneiten Tag ins Kino geht. Ein forsches kleines Mädchen, das ein feines Gespür für die Einsamkeit der Dame hat, bringt sie dazu, sie zur Vorstellung einzuladen. Mrs. Millers Dankbarkeit für die diese Ablenkung wandelt sich bald zur Sorge, das Kind nicht wieder loszuwerden. Bald steht Miriam vor ihrer Tür, kommt herein und schlägt einen zunehmend dreisten Ton an. Die alte Dame weiß sich keinen Rat, als ihre Nachbarn zu Hilfe zu rufen – doch die finden ihre Wohnung leer. Die Nachbarn gehen mit dem Gefühl, die gute Frau sei nicht ganz bei Trost.<br>Aber Miriam bleibt nicht lange verschwunden &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich teile den Eindruck der Allgemeinheit (und der Jury des <strong>O. Henry-Preis</strong>es), dass es sich bei „Miriam“ um einen Geniestreich handelt.<br>Auch die Kurzgeschichte<strong> „Baum der Nacht“ </strong>hat es weit gebracht, ist sie doch Titelgeberin für die eine oder andere Capote-Sammlung, darunter eine, die alle seine Kurzgeschichten enthält. Wie „Miriam“ spielt auch dieser Text mit unserer Angst vor Überrumpelung, vor einer Distanzlosigkeit, der wir im entscheidenden Moment nicht gewachsen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder ist es Winter. Diesmal ist unsere Identifikationsfigur ein junges Mädchen namens Kay, das in einer ländlichen Gegend allein mit dem Zug unterwegs ist. Der letzte freie Sitzplatz bringt sie in Kontakt mit einem skurrilen Paar älterer Herrschaften. Der Mann sagt nichts, die Frau redet umso intensiver auf Kay ein, erzählt ihr von ihrer Arbeit als Schaustellerin und drängt das Mädchen, mit ihr gemeinsam zu trinken. Höflich und eingeschüchtert wie sie ist, gibt Kay schließlich nach …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einsamkeit ist ein Problem unserer Gesellschaft, über das immer häufiger geklagt und geschrieben wird. Seit der Pandemie sind immer mehr junge Leute davon betroffen.<br>Capotes Erzählungen erinnern uns daran, dass die Möglichkeit des Einzelnen, allein zu sein, eine Errungenschaft darstellt, einen Luxus, um den sich unsere Vorfahren lange bemüht haben. Doch diese Freiheit will ausgefüllt sein.</p>
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		<title>Hipster – Was ist das? Was war das?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 May 2023 15:01:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Hipster zu sein, beruht auf Aneignung (ein Zeitgeistbegriff, von dem ich inständig hoffe, dass man ihn späteren Generationen einmal wird erklären müssen). Das zeigt sich bereits am Bekleidungsstil: an den Holzfällerhemden, deren Karos ein klein wenig enger sind als &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/05/23/22955/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/05/23/22955/">Hipster – Was ist das? Was war das?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Ein Hipster zu sein, beruht auf </em>Aneignung<em> (ein Zeitgeistbegriff, von dem ich inständig hoffe, dass man ihn späteren Generationen einmal wird erklären müssen). Das zeigt sich bereits am Bekleidungsstil: an den Holzfällerhemden, deren Karos ein klein wenig enger sind als beim kanadischen Vorbild, deren Stoff etwas feiner ist, deren Aroma eher Perwoll als Baumharz. Noch wichtiger ist dem Hipster sein Bart, und auch der ist letztlich eine Imitation. Er will an die Bärte ganz harter Kerle gemahnen (Schienenarbeiter, Bergleute, Seemänner oder wiederum Holzfäller), wird aber so penibel getrimmt und eingehegt, dass er vielfach wirkt wie angeklebt. Seine Pflege erfolgt wenn möglich in den Schaufenstern eigens dafür eingerichteter „Barbier“-Läden, die in hippen Stadtvierteln gerade mächtig Konjunktur haben.<br>Der Schriftsteller <strong>Clemens J. Setz</strong> erklärt uns*, was das Wort um die Zeit seiner Entstehung einmal bedeutet hat. Dabei scheint auch das deutlich auf, was sich seit damals </em>nicht <em>geändert hat. Das Prinzip der „Aneignung“ sowie die Abgrenzung von „Square“ (= Quadratspießer) sind seit jeher bestimmende Faktoren des Hipstertums.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch heute bezeichnet man bestimmte Menschen mit diesem Wort, aber die Bedeutung hat sich so stark gewandelt, dass man vielleicht an den alten Sinn des Wortes erinnern muss. Mitte der 1950er Jahre bezeichnete es einen weißen (meist männlichen) Menschen, der seine Gesten, seinen Lebensrhythmus und seine Ansichten an dem orientierte, war er aus dem Verhalten von Schwarzen (vor allem schwarzen Jazzmusikern wie <strong>Dizzie Gillespie </strong>oder <strong>Charlie Parker</strong>) als dessen Essenz herauszulesen meinte. Sprechweise, Wortneuschöpfungen, Barttracht, Spielarten der Promiskuität, all das versuchte er zu „imitieren“, auch wenn vieles davon seiner Fantasie entsprang. Die Hipster verfügten über einen eigenen Jargon, der Coolness und Durchrhythmisiertheit signalisieren sollte. Sie waren „hip“, das heißt eingeweiht in den Schwung des Moments, in das Einverständnis-ohne-echtes-Verstehen, in eine oberflächliche Übereinkunft mit anderen. An die Stelle von „to like“ trat das viel vagere Konzept von „to dig“. Ihr Gegenbild war der „square“, der brave, mit seiner Arbeit verschmolzene Bürger. Die Hipster pflegten eine bohemienartige, von Party zu Party torkelnde Existenz, reich an lebenskünstlerischer Improvisation und neuartiger Toleranz gegenüber allen Bevölkerungsgruppen, aber ebenso reich an Peinlichkeit, Mangel an politischer Einsicht und ganz dümmlichen Momenten von <em>Blackface</em>.<br>In seinem 1956 veröffentlichten Essay mit dem heute etwas misstönenden Titel <strong>„The White Negro“</strong> analysiert <strong>Norman Mailer</strong> den Hipster sehr klug als Phänomen weißen Imitationswahns. Der Hipster sei, so Mailer, „a philosophical psychopath“. Ihm gehe es allein um die Erfüllung von Lustbedürfnissen, aber er kleide es in ein Gewand von Sozialrevolution und Aufklärung. Der Hipster macht sich nicht die Mühe, den Buddhismus zu studieren, sondern deutet einfach mit dem Zeigefinger auf eine Buddhastatue und sagt: „Yeah, I dig“ – und geht anschließend mit der jungen Buddhastatuenbesitzerin, die genausowenig vom Buddhismus versteht wie er, ins Bett, worauf beide am nächsten Morgen tatsächlich ein wenig vom Buddhismus verstanden zu haben glauben – und völlig verwirrt auseinandergehen. So ungefähr muss man sich, indem man für „Buddhismus“ einmal „Kommunismus“, „Jazz“ oder „Gleichberechtigung“ einsetzt, den Weltzugang der historischen Hipster vorstellen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="511" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2023/06/Zoot-Cat.jpg?resize=640%2C511&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-23000" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2023/06/Zoot-Cat.jpg?w=824&amp;ssl=1 824w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2023/06/Zoot-Cat.jpg?resize=300%2C240&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2023/06/Zoot-Cat.jpg?resize=768%2C613&amp;ssl=1 768w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Der (weiße) Kater Tom wandelt einmal mehr auf den Spuren von <strong>Cab Calloway</strong> im <strong>„Tom &amp; Jerry“</strong>-Cartoon <strong>„The Zoot Cat“</strong> (1944)</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">____________________<br>* Im Nachwort zum Mini-Hardcover der Kurzgeschichte „Sterblichkeit und Erbarmen in Wien“ von Thomas Pynchon, Jung und Jung 2022</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/05/23/22955/">Hipster – Was ist das? Was war das?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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