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	<title>Ullstein Verlag Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>Ullstein Verlag Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Die Achtziger sind wieder da</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2026 18:36:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 77. Jahrestag der Auszeichnung von &#8222;1984&#8220; als &#8222;Buch des Jahres&#8220; in den USA &#8222;Im Jahr 1984&#8220; war die erste deutsche Bearbeitung der berühmten Dystopie von George Orwell. Als ich das Buch im titelgebenden Jahr erstmals las, hatte der Ullstein-Verlag &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2026/06/13/george-orwell/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2026/06/13/george-orwell/">Die Achtziger sind wieder da</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">betr.: 77. Jahrestag der Auszeichnung von &#8222;1984&#8220; als &#8222;Buch des Jahres&#8220; in den USA</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="826" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?resize=640%2C826&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-30462" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?resize=793%2C1024&amp;ssl=1 793w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?resize=232%2C300&amp;ssl=1 232w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?resize=768%2C992&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?resize=1190%2C1536&amp;ssl=1 1190w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Im Jahr 1984&#8220; war die erste deutsche Bearbeitung der berühmten Dystopie von George Orwell. Als ich das Buch im titelgebenden Jahr erstmals las, hatte der <strong>Ullstein-Verlag</strong> gerade aus aktuellem Anlass eine neue Übersetzung vorgelegt, und als ich diese mit einer der vorherigen verglich (ohne das englische Original zur Hand zu haben), erschien es mir, als sei das gar keine Neuübersetzung, sondern nur eine Umformulierung (&#8222;um dem rauhen Wind zu entgehen&#8220; statt &#8222;um sich vor dem rauen Wind zu schützen&#8220; und ähnlicher Mumpitz) &#8211; aber das mag mir auch mein jugendlicher Hochmut geflüstert haben.<br>Die erste Fassung mag ich besonders, ganz einfach, weil sie am nächsten dran ist.<br>So fängt sie an:</em><br><br>Es war ein klarer, kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn. Winston Smith, das Kinn gegen die Brust gepreßt, um sich wenigstens etwas gegen den ekelhaften Wind zu schützen, schlüpfte rasch durch die Glastüren des Victory-Apartmenthauses.<br>Im Treppenhaus unten roch es nach Kohl und muffigen, zerfledderten Fußmatten. An der einen Flurwand klebte ein riesiges buntes Plakat. Es stellte ein Gesicht in Großformat dar, über einen Meter hoch: das Gesicht eines Mannes Mitte vierzig, mit dichtem schwarzem Schnurrbart und &#8211; grob gesehen &#8211; ansprechenden Zügen. Smith steuerte auf die Treppe zu: der Fahrstuhl ging ja doch nicht. Selbst in besseren Zeiten funktionierte er selten, und momentan war der Strom tagsüber sowieso abgeschaltet.<br>Das gehörte zur Sparaktion für die kommende Haß-Woche.<br>Seine kleine Junggesellenwohnung lag in der siebenten Etage, und Smith tappte &#8211; mit seinen 39 Jahren nicht bei bester Gesundheit &#8211; langsam hinauf, immer wieder einmal verschnaufend. Auf jedem Treppenabsatz starrte das Plakat mit dem Gesicht in Großformat von der Wand. es war eines jener geschickt gezeichneten Portraits, deren Augen einen überallhin verfolgen, wo man auch geht und steht. DER GROßE BRUDER SIEHT DICH, stand in wuchtigen Lettern darunter.</p>
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		<title>Wohnwelten (8): Winston Smith, ein Mensch des Jahres &#8222;1984&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2025 15:14:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[George Orwell]]></category>
		<category><![CDATA[Nineteen Eighty-Four]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Flur des Victory-Blocks roch es nach gekochtem Kohl und feuchten Fußmatten. An der Rückwand war ein grellfarbiges Plakat, das für einen Innenraum eigentlich zu groß war, mit Reißnägeln an der Wand befestigt. Es stellte nur ein riesiges Gesicht von &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/06/18/28168/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p class="wp-block-paragraph">Im Flur des Victory-Blocks roch es nach gekochtem Kohl und feuchten Fußmatten. An der Rückwand war ein grellfarbiges Plakat, das für einen Innenraum eigentlich zu groß war, mit Reißnägeln an der Wand befestigt. Es stellte nur ein riesiges Gesicht von mehr als einem Meter Breite dar: das Gesicht eines Mannes von etwa fünfundvierzig Jahren, mit einem dicken, schwarzen Schnauzbart und ansprechenden, wenn auch derben Zügen. Winston ging die Treppe hinauf. Es hatte keinen Zweck, es mit dem Aufzug zu versuchen. Sogar zu den günstigsten Stunden des Tages funktionierte er nur selten, und zur Zeit war tagsüber der elektrische Strom abgestellt. Das gehörte zu den wirtschaftlichen Maßnahmen der in Vorbereitung befindlichen Hass-Woche. Die Wohnung lag sieben Treppen hoch.<br>Drinnen in der Wohnung verlas eine klangvolle Stimme eine Zahlenstatistik über die Roheisenproduktion. Die Stimme kam aus einer länglichen Metallplatte, die einem stumpfen Spiegel ähnelte und rechter Hand in die Wand eingelassen war. Der Apparat, ein sogenannter Televisor oder Hörsehschirm, konnte gedämpft werden, doch es gab keine Möglichkeit, ihn völlig abzustellen. Er war gleichzeitig Empfangs- und Sendegerät. Jedes von Winston verursachte Geräusch, das über ein ganz leises Flüstern hinausging, wurde von ihm registriert. Außerdem konnte Winston, solange er in dem von der Metallplatte beherrschten Sichtfeld blieb, nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden.<br>Er ging quer durchs Zimmer in die winzige Küche, in der es nichts zu essen gab außer einem Stück Schwarzbrot, das für den nächsten Tag zum Frühstück aufgehoben werden musste. Er nahm aus dem Regal eine Flasche mit einer farblosen Flüssigkeit, die dem schmucklosen weißen Etikett nach „Victory-Gin“ war. Das Getränk strömte einen faden, öligen Geruch aus, wie chinesischer Reisschnaps.<br>Winston ging ins Wohnzimmer zurück und setzte sich an ein links vom Televisor stehendes Tischchen. Dann zog er aus der Tischschublade einen Federhalter, eine Tintenflasche und ein dickes, unbeschriebenes Diarium im Quartformat mit rotem Rücken und marmorierten Einbanddeckeln hervor. &nbsp;&nbsp;<br>Aus irgendeinem Grunde war der Televisor in seinem Wohnzimmer an einer ungewöhnlichen Stelle angebracht. Statt wie üblich an der kürzeren Wand, von wo aus er den ganzen Raum beherrscht hätte, war er an der Längswand gegenüber dem Fenster eingelassen. An seiner einen Seite befand sich die kleine Nische, in der Winston jetzt saß und die vermutlich beim Bau der Wohnung für ein Bücherregal bestimmt gewesen war. Wenn er sich so in die Nische setzte und vorsichtig im Hintergrund hielt, konnte Winston wenigstens visuell, außer Reichweite des Televisors bleiben. Nun war er im Begriff, ein Tagebuch anzulegen. Die ungewöhnliche Anlage des Zimmers war zum Teil für den Gedanken verantwortlich …</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Redigiert aus der <strong>Ullstein</strong>-Ausgabe (1976) des Romans von <strong>George Orwell</strong></em></p>
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		<title>Mamas Leidenschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Feb 2022 17:29:23 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Fritz Schaefer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: &#8222;Strahlemann&#8220; von Fritz Schaefer, siehe https://blog.montyarnold.com/2022/02/03/19901/ In diesem kleinen Buchauszug schildert uns der Autor wie es war, als seine Mutter beschloss, Sexualtherapeutin zu werden. Die Entscheidung, diesen Karriereweg einzuschlagen, reifte erst relativ spät in ihr. Sie war bereits fünfzig &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2022/02/08/19943/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p class="wp-block-paragraph">betr.: <strong>&#8222;Strahlemann&#8220;</strong> von <strong>Fritz Schaefer</strong>, <br>siehe <a href="https://blog.montyarnold.com/2022/02/03/19901/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://blog.montyarnold.com/2022/02/03/19901/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>In diesem kleinen Buchauszug schildert uns der Autor wie es war, als seine Mutter beschloss, Sexualtherapeutin zu werden.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung, diesen Karriereweg einzuschlagen, reifte erst relativ spät in ihr. Sie war bereits fünfzig Jahre alt, meine Schwester und ich waren Teenager, als sie uns bei einem Abendessen mitteilte, man hätte ihr, der diplomierten Pädagogin, „diese Zusatzausbildung“ auf der Arbeit angeboten. Sie sei „da sehr interessiert“, auch und gerade, weil sie sich bisher noch nicht so ausführlich „mit dem Thema“ auseinandergesetzt habe und nun ernsthaft überlege, zuzusagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich war der Zeitpunkt ein ungünstiger. Mittlerweile befand ich mich nicht mehr in einem Alter, in dem sie mich in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett tragen und auf eine kalte Wiese stellen konnte. Ich pubertierte unkontrolliert vor mich hin und das Letzte, was ich gebrauchen konnte, war eine Sexualtherapeutin als Mutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war ich von ihr nicht gerade ausgiebig aufgeklärt worden. Ich weiß nicht, vielleicht lag das an ihrem Katholizismus oder ihrer eigenen Erziehung (was ebenfalls Katholizismus bedeuten würde), jedenfalls redeten wir in Sachen Aufklärung nur über das Allernötigste. Ansonsten konnte ich alles mit Mama besprechen – doch was Sexualkunde betraf, hatte ich den Eindruck, herrschte ein Klima, in dem meine Fragen eher unerwünscht waren. Vielleicht war das aber auch eine ganz normale, gesunde Distanz zwischen Mutter und Sohn? Ich fragte bei keinem männlichen Freund dahingehend nach, aus Angst, ich könnte mich lächerlich machen mit meinem Unwissen.<br>Im Laufe des Heranwachsens hatte ich wegen alledem nach außen eine ziemliche Verklemmtheit entwickelt. Ich sprach und tat nichts Sexuelles, mehr noch: meine Schamhaftigkeit ging sogar so weit, dass mir selbst die eigentlich sexuell neutrale Erkundigung, wie man sich richtig rasierte, nicht über die Lippen kam.<br>Ich wurde unterschwellig wütend, dass meine Mutter nun nicht mir, sondern direkt Wildfremden ihre Unterstützung in der Untenrum-Sache anzubieten gedachte. Aufgeklärt wurde ich beiläufig, ohne Fragen, durch Freunde und das Internet. Rasieren lernte ich durch Trial and Error.</p>


<p><span id="more-19943"></span></p>


<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Cover_Schaefer_Strahlemann.jpg?resize=640%2C997&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-19956" width="640" height="997" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Cover_Schaefer_Strahlemann-scaled.jpg?resize=657%2C1024&amp;ssl=1 657w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Cover_Schaefer_Strahlemann-scaled.jpg?resize=193%2C300&amp;ssl=1 193w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Cover_Schaefer_Strahlemann-scaled.jpg?resize=768%2C1197&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Cover_Schaefer_Strahlemann-scaled.jpg?resize=986%2C1536&amp;ssl=1 986w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Cover_Schaefer_Strahlemann-scaled.jpg?resize=1314%2C2048&amp;ssl=1 1314w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Cover_Schaefer_Strahlemann-scaled.jpg?w=1643&amp;ssl=1 1643w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption>Das ist tatsächlich Fritz &#8211; ich verdächtigte dieses Kind, von einer Bildagentur zu kommen.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Hause hatte ich oft den Eindruck gehabt, am Bauchnabel aufzuhören und erst kurz oberhalb der Kniescheiben wieder fortgesetzt zu werden, einfach, weil bei uns niemand über den Bereich dazwischen sprach. Und nun überraschte Mama mit ihrer Idee mit der sexualtherapeutischen Ausbildung.<br>„Kommen dann hier irgendwelche Gestörten zu uns nach Hause?“, fragte ich sie in einer Mischung aus gefälschter Langeweile und echtem Entsetzen. In meiner Fantasie wurde ich bereits unfreiwilliger Zeuge von Gesprächen, die meine Mutter im Wohnzimmer unserer kleinen, hellhörigen Wohnung führte. Fremde Männer mit Erektionsproblemen oder seltsamen Neigungen; gelangweilte alte Ehepaare, denen jegliche Sexualität vollständig abhanden gekommen war; anstrengende junge Paare, die Frau angeknipst, der Mann apathisch: ‚Hmja, also, der Stephan sagt einfach nicht, was er gerne hätte im Bett! Ich wär ja zu wirklich allem bereit, aber er meint, ich überfordere ihn mit meiner Geilheit.‘<br>Darauf meine Mutter: ‚Stephan, wie siehst du das?‘<br>Stephan: ‚Ich will einfach nur meine Ruhe.‘<br>„Das sind keine Gestörten, und wo ich das eventuell mache, wird sich zeigen“, sagte meine Mutter mit strafendem Blick und riss mich damit aus meinem außer Kontrolle geratenen Gedankenkarussell.<br>„Ich finde, du solltest das machen, Mama“, ergriff Martha das Wort. „Das passt überhaupt gar nicht zu dir, deshalb wird es dir gut gefallen!“ Wie recht meine Schwester hatte.<br><br>Wenige Tage später stand ein riesiger Rollkoffer im Flur. Er hatte ein Leopardenfellmuster und, ich hob ihn kurz an, er war leer.<br>„Mamaaa?!“, rief ich besorgt. „Ja?“, kam es aus der Küche. „Was ist das hier?“, fragte ich.<br>Meine Mutter lugte aus der Küchentür. „Ein Koffer natürlich.“<br>Ich blickte schnell zwischen meiner Mutter und dem Ding hin und her. „Und warum hat der einen Leoprint? Und was wird da reingepackt?!“<br>„Ich werde jetzt Sexualtherapeutin“, sagte meine Mutter mit feierlichem Unterton, als hätte sie damit alle Fragen zu diesem ominösen Koffer beantwortet.<br>„Ah ja, dann ist die Entscheidung jetzt also gefallen.“<br>„Sehr richtig.“<br>„Der Koffer ist für die Ausbildung?“<br>„Auch richtig.“<br>„An dem Fellmuster erkennt man ja auch direkt das mit dem Sex.“<br>„Willst du dich jetzt über mich lustig machen?“ Der Ton meiner Mutter wurde schärfer. Ich musste in der Tat ein Lachen unterdrücken, fand ich es doch zu komisch, dass meine Mutter sich des ganzen Themas jetzt mit solcher Verve annahm und ein riesiges Gepäckstück in Raubtierfell-Optik für einen geeigneten Start hielt.<br>„Nein, ich möchte einfach nur mehr erfahren über diesen verruchten Sex-Koffer!“, antwortete ich. Sie verdrehte die Augen.<br>„Den habe ich bestellt, um all meine Lernmaterialien verstauen und sie später zu Seminaren mitbringen zu können.“<br>Vor meinem geistigen Auge setzte ein Starkregen aus Sextoys verschiedener Farben und Größen ein. Ein riesiger Schwall Dildos, Vibratoren, Lack- und Lederklamotten und geplüschter Handschellen nahm mir prasselnd die Sicht. Und so weit war ich mit meiner wild blühenden Fantasie von der Realität gar nicht entfernt.<br>Ein kleiner, aber immer noch ein Schwall ebendieser Produkte sollte sich tatsächlich im Laufe der nächsten Tage in den Leoparden-Koffer ergießen.<br>„Und damit willst du ernsthaft Leute therapieren?“, fragte ich meine Mutter mit Blick auf das Chaos in dem Gepäckstück.<br>„Nicht ‚Leute‘ therapieren“, sagte sie. „Ich therapiere mich!“<br>„Was?!“ Ich sah entsetzt zu, wie sie einen Dildo in den Koffer legte.<br>„Bevor ich irgendwen anders therapieren kann, muss ich erst mal bei mir anfangen. Das gehört zur Ausbildung.“ Sie zuckte mit den Schultern.<br>„Du brauchst die ganzen Sachen also für… dich?“<br>„Ja, natürlich! Für <em>meine</em> Ausbildung, hab ich doch gesagt!“<br>Während ich meiner Mutter zusah, wie sie sorgsam einen weiteren Vibrator verstaute, den Reißverschluss des Koffers schloss, ihn auf seine Rollen stellte und in ihr Schlafzimmer zog, fragte ich mich, wie ich eigentlich gezeugt worden war. Da meine Mutter sich doch offensichtlich jetzt erst dazu entschlossen hatte, ihre Sexualität zu leben. Und zwar mit allen Mitteln, die ihr einfielen. Der Leo-Koffer hätte mir mit seiner üppigen Füllung für diverse frühe Sex-Abenteuer zur Verfügung gestanden, wenn er nur nicht meiner Mutter gehört hätte …</p>
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		<title>Niemand glaubt ihm Traurigkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Feb 2022 21:54:35 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: &#8222;Strahlemann&#8220; von Fritz Schaefer Vor vielen Jahren erreichte mich per Mail eine Anfrage: Bieten Sie Ihre Sprecherworkshops auch für Jugendliche an? Ich antwortete: Gern &#8211; ich weiß nur nicht, wo ich die Jugendlichen herbekommen soll.Der 13jährige Fritz, ein Hobby-Hörspielmacher &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2022/02/03/19901/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2022/02/03/19901/">Niemand glaubt ihm Traurigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">betr.: <strong>&#8222;Strahlemann&#8220;</strong> von <strong>Fritz Schaefer</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor vielen Jahren erreichte mich per Mail eine Anfrage: Bieten Sie Ihre Sprecherworkshops auch für Jugendliche an? Ich antwortete: Gern &#8211; ich weiß nur nicht, wo ich die Jugendlichen herbekommen soll.<br>Der 13jährige Fritz, ein Hobby-Hörspielmacher aus dem Ruhrgebiet, buchte also ein Workshopwochenende in Hamburg und organisierte eine Gruppenreise mit zehn FreundInnen. Wir produzierten (ohne die beiden Begleit-Mütter) eine frühe Version des Hörspiels „Der Strudel der flüsternden Sachen“ in Konrad Halvers Graceland-Studio im Tiefparterre des Logenhauses.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Gruppenfoto_Jan-2011.jpg?resize=640%2C426&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-19955" width="640" height="426" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Gruppenfoto_Jan-2011-scaled.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Gruppenfoto_Jan-2011-scaled.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Gruppenfoto_Jan-2011-scaled.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Gruppenfoto_Jan-2011-scaled.jpg?resize=1536%2C1024&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Gruppenfoto_Jan-2011-scaled.jpg?resize=2048%2C1365&amp;ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Gruppenfoto_Jan-2011-scaled.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Gruppenfoto_Jan-2011-scaled.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption>Obere Reihe v.r.n.l.: Fritz, Tonmeister Marco Bachmann und ich im Januar 2011 (Foto: Normann Seils)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Fritz hatte eine herrlich angeschepperte Cartoonstimme – der von <strong>Hans Clarin</strong> nicht unähnlich, nur ohne deren stets heraushörbare Mühe der Verstellung. Vom künstlerischen Standpunkt fand ich sie großartig, aber für ihren Träger war es sicher von Vorteil, dass sich dieser Effekt inzwischen gelegt hat.<br>In den folgenden Jahren erwies sich Fritz – insofern erinnerte er mich an mich – als jemand, der den holden Unfug der Kindheit jederzeit ernstnahm und ihn auch zum Inhalt seines Erwachsenwerdens machte. Ein Nerd war er indessen nie, die drolligen Interessen kamen seiner Lebenstüchtigkeit niemals in die Quere, und als Netzwerker wäre er mir unter umgekehrten Vorzeichen ein Vorbild gewesen. Er professionalisierte seine akustische Bastelarbeit, fand Sponsoren dafür, interessierte die Lokalpolitik und entzückte die Fachwelt. Bald saß er in der <strong>Grimme-Preis</strong>-Jury.<br>Nun hat er ein Buch vorgelegt, das zwar von ihm und seinen frühesten Jahren handelt, die medialen Aspekte aber weitgehend ausspart und stattdessen sein skurriles menschliches Umfeld in den Blick nimmt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/KommoedchenFritz1.jpg?resize=640%2C480&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-19969" width="640" height="480" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/KommoedchenFritz1.jpg?w=960&amp;ssl=1 960w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/KommoedchenFritz1.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/KommoedchenFritz1.jpg?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption>Fritz und ich machen gute Miene zu einer entsetzlichen Kabarettvorführung</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Hier fällt mir wieder eine eigene Erfahrung ein: als ich etwa im selben Alter war, durfte auch ich mich drucken lassen, als Beitragender einer kleinen Comedy-Buchreihe des gleichen Verlages. Bei mir ging es nur am Rande um die Familie, auch ich nannte keine Klarnamen und fügte meine Erinnerungen in ein Konzept ein. Aber auch bei mir rappelte der Stammbaum („So, da haben wir es ja! Wir haben es immer gewusst …“).<br><br>Eine Leseprobe gibt es hier: <a href="https://blog.montyarnold.com/2022/02/08/19943/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://blog.montyarnold.com/2022/02/08/19943/</a></p>


<p><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg09.met.vgwort.de/na/374e10040fa44e7fb563ae6212929e71" alt="" width="1" height="1"></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2022/02/03/19901/">Niemand glaubt ihm Traurigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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