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	<title>&quot;Limelight&quot; Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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		<title>Geschichte des Komiker-Handwerks (7)</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Apr 2020 17:05:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Fortsetzung vom 31.3.2020 Die Atmosphäre und die typischen Zutaten einer Vaudeville-Show sind in zahlreichen britischen und amerikanischen Filmen zu erleben, die die Entertainmentkultur der Jahrhundertwende beleuchten, so in vielen Filmmusicals und Künstlerbiographien. Viele frühe Filmstars hatten schließlich in dieser Welt &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2020/04/07/humor-omnia-vincit-7/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p><em>Fortsetzung vom 31.3.2020</em><br><br>Die Atmosphäre und die typischen Zutaten einer Vaudeville-Show sind in zahlreichen britischen und amerikanischen Filmen zu erleben, die die Entertainmentkultur der Jahrhundertwende beleuchten, so in vielen Filmmusicals und Künstlerbiographien. Viele frühe Filmstars hatten schließlich in dieser Welt ihre Lehrjahre durchlaufen. Ihr prominentester Vertreter Charles Chaplin widmete dem Thema sein bedeutendstes Alterswerk: „Limelight“ („Rampenlicht“).<br> Ursprünglich, im 19. Jahrhundert, und ehe es eine kommerzielle Zähmung durchlief, war das Vaudeville eine denkbar harte Schule. Das Publikum war überaus undiszipliniert (wenn es nicht durch den Vortrag in Bann geschlagen wurde) und machte seinem Unmut durch Störgeräusche und Wurfgeschosse Luft. Ein versagender Act, der sich nicht freiwillig zurückzog, wurde vom Inspizienten mit dem berühmten Haken von der Bühne geangelt.<br> Eine Kapelle im Orchestergraben begleitete und umrahmte das gesamte Programm, die auf wenige Minuten befristeten Vorträge wurden auf einer Staffelei am Bühnenrand auf Schildern verkündet und per Tusch begrüßt.<br> Im Saal war beständiges Kommen und Gehen, die Bewirtung erfolgte durchgehend. Dennoch <span id="more-15754"></span>folgte der Ablauf noch heute einleuchtenden Überlegungen: das bunt und zusammenhanglos gemischte Programm aus Sängern, Tänzern, kleineren Zirkusnummern, Illusionisten (Zauberer, Gedankenleser, Hypnotiseure) und Komikern begann gern mit einer Tiernummer, einer Pantomime oder etwas Akrobatischem, um dem ankommenden Publikum die Möglichkeit zu geben, die Unruhe abklingen zu lassen. Dann folgte das schöngeistige oder inhaltlich fordernde Material: ein gediegenerer musikalischer Vortrag (eine Operettenarie …) oder ein Komiker.<br> Laut Klischee ist der Vaudeville-Komiker (der auch im Duo auftreten konnte) ein Überbringer schlechter Pointen.<br> Eine ganze Generation von Fernsehzuschauern lernte dieses Berufsbild hierzulande ab 1980 durch Fozzie Bär kennen, den notorisch glücklosen Witzeerzähler in der „Muppet Show“, die aus einem Vaudeville-Theater „übertragen“ wurde. Conférencier Kermit pries ihn unverdrossen euphemistisch an („Hier kommt er, der Mann aus dem komischen Untergrund!“), als Dekoration sah man das für diese Kultur typische Gemälde einer städtischen Idylle (in Fozzies Fall den Eingang zum Stadtpark). Trotz der versemmelten Witze des Bären gab es was zu lachen: das auslösende komische Element oblag den zwei bösartigen alten Abonnenten aus der Loge.<br><br> Prompt folgten in den 80er Jahren viele Alleinunterhalter uneingestandenerweise (vielleicht auch unbewusst) dieser Fozzie-Bär-Tradition, indem sie ihre offensichtlich miesen Kalauer als Absicht und nach dem Motto ausgeben: „so doof, dass es schon wieder lustig ist“. Der deutsche Comedy-Boom Anfang der 90er bremste durch ein neues Selbstverständnis dieses Phänomen ein wenig aus. </p>


<p><em>Dieser Text ist ein Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vicit“.</em></p>
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<p></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2020/04/07/humor-omnia-vincit-7/">Geschichte des Komiker-Handwerks (7)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Der unvollendete Chaplin</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jan 2020 20:33:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: „Charlie Chaplin – Der Komponist“ (noch bis zum 31.1. in der Mediathek zu finden) Diese Dokumentation gehört zu den regelmäßigen Gründen, den Sender arte zu lieben: ein Thema, das so ziemlich allen etwas sagt, wird von einer neuen Seite &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2020/01/08/15197/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>betr.: <strong>„Charlie Chaplin – Der Komponist“</strong> (noch bis zum 31.1. in der Mediathek zu finden)<br><br> Diese Dokumentation gehört zu den regelmäßigen Gründen, den Sender <strong>arte</strong> zu lieben: ein Thema, das so ziemlich allen etwas sagt, wird von einer neuen Seite beleuchtet. <br> Diesmal geht es um eine oft übersehene Qualität des einstigen berühmtesten Mannes der Welt Charlie Chaplin, der mit dem Siegeszug des Tonfilms zum letzten Pionier der Stummfilmmusik wurde. Zuerst vertonte er seine beiden letzten Stummfilme, die in der frühen Tonfilmära herauskamen. Dann ab 1942 und bis zu seinem Tode nachträglich all seine großen Stummfilme, beginnend mit <strong>„Goldrausch“</strong>, für den er auch einen Off-Text einsprach, und natürlich die späten „Sprechfilme“. <br><br> Beim Lob dieser Sendung kann ich mich kurz fassen: sie macht einfach alles richtig – besonders die Wahl der Zeitzeugen und Spezialisten, was in einem solchen Fall mehr als die halbe Miete ist.<br> Nur zwei Dinge fand ich betrüblich, die hier kurz geschildert werden sollen.<span id="more-15197"></span><br> Zunächst wundert mich, warum die Autoren nicht auf das launige Interview des heutigen Soundtrack-Klassikers und damaligen Wunderkindes David Raksin zurückgegriffen haben, eines Mitarbeiters an „Modern Times“; es wurde einmal im Bonusprogramm des Films veröffentlicht. Sein Fehlen rührt an ein grundsätzliches Problem, das nicht nur diese Sendung betrifft, sondern die meisten TV-Portraits: fast immer beschränkt man sich da auf lebende Gesprächspartner und verzichtet auf die historischen O-Töne, die überreich in den (öffentlich-rechtlichen) Archiven lagern.<br> Gut, das lässt sich verschmerzen. <br><br> Weitaus irritierender fand ich dies: bis „Modern Times“ wurden wir minuziös informiert, angefangen beim frühesten musikalischen Gepräge des großen Autodidakten und Nicht-Notenlesers Chaplin in der englischen Music Hall. <br> Als das Ende der 52minütigen Sendezeit naht, ist plötzlich Schluss. Es folgt ein rascher Abriss seiner letzten 41 Lebensjahre mit kurzer Erwähnung der verbleibenden Filme und ein paar Lebensdaten, dann geht die Doku beinahe unvermittelt in den Abspann über.<br><br>Die überaus spannende Entwicklung, die „Charlie Chaplin – Der Komponist“ im Tonfilm genommen hat, fällt aus.<br> Nichts über seine Wagner-Zitate im „großen Diktator“, für den er weiterhin z. B. einen drolligen Mussolini-Marsch verfasste. Nichts über Chaplins hochinteressantes Underscoring für den verstörenden „Monsieur Verdoux“, bei dem ihm der junge Emigrant Georg Kreisler geholfen hat. Nichts über die hochambitionierte Partitur für „Limelight“ mit ihren Vaudeville-Songs und einer umfassenden Ballettmusik. Auch über „A King In New York“ hätte es allerlei zu berichten gegeben – hier erklingen zwei persiflierende Songs, die der Meister selbst im Off vorträgt, einer seiner instrumentalen Evergreens sowie eine Ouvertüre, die gekonnt mit der US-Nationalhymne spielt. Wir erfahren nichts über Chaplins unerfüllten Wunsch, eine Oper zu schreiben, die er schließlich für seine letzte Tonfilmmusik „A Countess From Hong Kong“ ausgeschlachtet hat.<br><br> Dass Charles Chaplin bis zuletzt an der instrumentalen Nachvertonung seines stummen Repertoires gearbeitet hat, wird immerhin erwähnt, wenn die Aufzählung auch sein einziges Drama auslässt &#8211; „A Woman Of Paris“, dessen Musik den Abschluss seines Lebenswerkes bildet. Auch über diese Restaurationsbemühungen hätte es noch viel zu berichten und vor allem zu spielen gegeben.<br><br> Vielleicht hat arte ja ein Einsehen und gönnt diesem prachtvollen Film noch einen zweiten Teil. Er wäre mühelos zu füllen. <br>________________________<br>* Siehe und höre dazu auch  <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/12/25/12147/">https://blog.montyarnold.com/2018/12/25/12147/</a> </p>


<p><img decoding="async" src="http://vg07.met.vgwort.de/na/279fc785d591434f9ae99e2ad0d036e9" width="1" height="1" alt=""></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2020/01/08/15197/">Der unvollendete Chaplin</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Die wiedergefundene Textstelle: Calveros Albtraum</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2018 21:07:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 129. Geburtstag von Charles Chaplin Für die Darsteller der Leichten Muse hält das Leben einen besonders üblen Alptraum bereit.* Charlie Chaplin hat ihn nacherzählt: zuerst in Romanform, dann in der Verfilmung jenes Romans namens „Footlights“, der nicht zur Veröffentlichung &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/04/16/die-wiedergefundene-textstelle-calveros-albtraum/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/04/16/die-wiedergefundene-textstelle-calveros-albtraum/">Die wiedergefundene Textstelle: Calveros Albtraum</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 129. Geburtstag von <strong>Charles Chaplin</strong></p>
<p>Für die Darsteller der Leichten Muse hält das Leben einen besonders üblen Alptraum bereit.* Charlie Chaplin hat ihn nacherzählt: zuerst in Romanform, dann in der Verfilmung jenes Romans namens <strong>„Footlights“</strong>, der nicht zur Veröffentlichung bestimmt war, sondern als Vorstudie zum Künstlerdrama <strong>„Rampenlicht“</strong>. (Für diese Vorstudie nahm sich Chaplin insgesamt drei Jahre Zeit.)</p>
<p><em><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10241" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/04/Rampenlicht_Covers.jpg?resize=640%2C493&#038;ssl=1" alt="Rampenlicht_Covers" width="640" height="493" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/04/Rampenlicht_Covers.jpg?w=2023&amp;ssl=1 2023w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/04/Rampenlicht_Covers.jpg?resize=300%2C231&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/04/Rampenlicht_Covers.jpg?resize=1024%2C789&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/04/Rampenlicht_Covers.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/04/Rampenlicht_Covers.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" />Chaplin lässt sich als Romancier entdecken &#8211; spätestens im rechts abgebildeten Buch.</em></p>
<p>Es ist der drittletzte Film des Regisseurs und dennoch ein Abschiedsfilm wie aus dem Bilderbuch. Schon der Name der Hauptfigur, der alte Clown heißt <strong>Calvero</strong> (wie „Kalvarienberg“), verweist auf das nahende Ende.<br />
Pünktlich zur deutschen Uraufführung von „Rampenlicht“ im Herbst 1954 kam im Litera-Verlag Frankfurt am Main auch der Roman heraus. Darin wird das Sujet so vorausgeschickt:</p>
<p style="padding-left: 90px;">Er war reich – und wurde arm.<br />
Er war glücklich – und wurde unglücklich.<br />
Er war berühmt – und wurde vergessen.<br />
Er war beliebt – und versank in Einsamkeit.</p>
<p>Freilich ist Chaplin Komödiant genug, den Film nicht so düster zu gestalten, wie es diese Zeilen hätten vermuten lassen. „Rampenlicht“ ist die Geschichte eines glanzvollen Comebacks kurz vor dem tragischen Ende. Im Finale des Films bietet uns Chaplin eine urkomische Vaudeville-Nummer mit <strong>Buster Keaton</strong> als Spielpartner. In dieser Szene ist vom Auditorium nichts zu hören, obwohl es hellauf begeistert ist. (Offenbar genügte Chaplin die Spekulation auf das Gelächter des Kinopublikums.)<br />
Zu diesem Zeitpunkt der Handlung haben wir Calvero schon in dunkleren Stunden erlebt.<br />
Der o. g. Albtraum – er beginnt mit dem Vortrag des Flohzirkusdirektor-Chansons &#8211; wird in der zeitgenössischen Übersetzung so wiedergegeben:</p>
<p style="padding-left: 90px;">„… Drum juckt’s, nicht kratzen! – Man weiß nie,<br />
vielleicht zerquetscht man ein Genie?“<br />
Ein anspruchsloses, dem heutigen Menschen allzu naiv dünkendes Chanson. Aber es hat damals – im Sommer 1914** – ein leichter zufrieden zu stellendes Publikum, als das unserer Tage, es hat jenen Humor, der typisch englisch ist und sich in vielen der Beiträge des dem Ausländer immer etwas verwunderlich erscheinenden berühmten humoristisch-satirischen Witzblatt „Punch“ spiegelt.<span id="more-10211"></span><br />
Aber nicht allein deshalb wirkt es zündend, schlägt es ein, reißt es den Zuhörer zu Lachsalven, zu jubelnder, heiterer Begeisterung hin. Nein, das ist mehr -, das ist eine scheinbar mühelose und doch raffiniert kunstvolle Art, die Pointen zu setzen, sie ins rechte Licht zu heben, so daß, was eigentlich Talmi ist, glitzert und funkelt wie Diamant. Ein Stimmfall, ein Mienenspiel, eine Gestik, so von echtem Humor beflügelt, daß man einfach mitgerissen wird – nicht von einem im Grunde niveaulosen Text, sondern von der Kunst eines Mannes, hinter dem eine Persönlichkeit steckt, die genau das in Vollendung ist, was man einen großen Clown nennt -, ein großer Clown aber ist ein echter Künstler, bei dem die Routine durch das Herz beherrscht wird. Das Herz eines Kindes und eines Weisen. Und das Beglückendste ist: jeder fühlt, daß sich dieses weise Kind, dieser Weise, der sich die Kindlichkeit bewahrte, selbst wundervoll über einen komischen Text, über seine Belustigung darüber und über seine eigene Kunst herzlich amüsiert.<br />
Das ist das Geheimnis seines Erfolges.<br />
Nun folgt der Dressur-Akt, der Calveros grotesk-komischen (sic!) Aufputz und dem Chanson entspricht: eine Dressur-Nummer ohne Tiere, denn natürlich ist die Schachtel leer. Calvero tut nur so, als ob Phyllis und Henry existierten. Aber seine Mimik ist so ausdrucksvoll, seine Gesten sind so sprechend, so zwingend, daß jedermann im Saal sieht, wie die Tiere alle Kunststücke ausführen, die er von ihnen verlangt.<br />
Das Publikum klatscht wie besessen, Calvero träumt, er komme aus den Kulissen zurück, um für den Beifall zu danken … und da ist es wieder, das Schreckgespenst, das seine Nächte auffrißt und ihn ausgehöhlt und ausgepumpt zurückläßt.<br />
Als er in den Zuschauerraum hinuntersieht, aus dem ihm eben noch die Beifallsstürme entgegenbrausten – ist niemand dort. Leer, verlassen gähnt ihm der dunkle Saal entgegen. Die Sessel schneiden ihm höhnische Grimassen, und die Spiegel scheinen sich grinsend zu freuen, ihm das Bild eines menschenleeren Raumes zuzuwerfen.<br />
Quälender Traum! Calvero will fort von der Bühne, aber er ist wie festgenagelt, kann sich nicht bewegen. Lange muß er so stehenbleiben und den unheimlichen Anblick eines leeren Theatersaales in sich aufnehmen, widerstrebend und ohnmächtig -, bis endlich das Bild zu verschwimmen beginnt und sich schließlich auflöst in das farblose Dunkel eines traumlosen Schlafes. &#8211;</p>
<p>Lange Zeit hatte ich bei der Lektüre dieser Passage ein ungutes Gefühl, das sich allein mit der Muffigkeit einer alten Übersetzung nicht vertreiben ließ. Könnte es nicht sein, schwante mir, dass hier ein Ghostwriter der jungen BRD – mit Genehmigung des Meisters – einen Film angeschrieben hat?<br />
Mit dem Erscheinen des Buches „Footlights – Rampenlicht – Die Welt Charlie Chaplins“*** wird das Rätsel nicht gelöst, aber immerhin erfahren wir, dass es mehrere Romanfassungen vor dem Drehbuch gegeben hat, deren letzte wir nun lesen können. Darin fällt die betreffende Situation (bei geändertem Repertoire) knapper und eleganter aus:</p>
<p style="padding-left: 90px;">Er blickt auf, als habe sich ihm eine Erscheinung offenbart. „Ich fühle mich inspiriert!“ Er schnippt rhythmisch mit den Fingern. „Ich möchte tanzen! Er beginnt, zur Musik des Sardinensongs zu steppen. Zu tosendem Beifall tanzte er von der Bühne. Er kehrte zurück und verbeugte sich unter großem Gelächter und Applaus. „Encore! Encore!“, riefen sie immer wieder von Neuem! Während er sich verbeugte, breitete sich eine seltsame Miene auf seinem Gesicht aus, denn trotz des ausufernden Gelächters und Beifalls stand er plötzlich vor einem leeren Auditorium.<br />
Plötzlich war er wach, setzte sich auf dem Sofa auf und starrte vor sich hin. Immer noch schien der Mond. Müde ließ er sich auf das Sofa zurücksinken, schloss die Augen und schlief weiter.</p>
<p>Im Anschluss an dieses böse Erwachen nimmt sich Chaplin die Zeit, Calveros Lebensgeschichte zu erzählen. Das wäre ein hübscher Stoff für einen weiteren Film (ein Prequel, wie wir heute sagen) gewesen, hatte aber innerhalb von „Rampenlicht“ keine Chance, es hätte den Film fürchterlich ausgebremst.<br />
Die Calvero-Biographie fehlt auch in der alten Buchfassung. In „Footlights – Rampenlicht“ können wir sie nun nachlesen.</p>
<p>_________________<br />
* Siehe dazu auch <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/04/08/theatermedizin/">https://blog.montyarnold.com/2018/04/08/theatermedizin/</a><br />
** Der Film spielt seinerseits im Jahre 1914 und erinnert sich einer weiter zurückliegenden Zeit: der Glanzzeit der Music Hall, Ende des 19. Jahrhunderts. Das Chanson muss also weitaus älter sein. Auch dieser Fehler lässt an der Urheberschaft Chaplins Zweifel aufkommen.<br />
*** C.Bertelsmann 2015<img decoding="async" src="http://vg02.met.vgwort.de/na/9d7254e1238f4c9a8aecc432afeb2097" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/04/16/die-wiedergefundene-textstelle-calveros-albtraum/">Die wiedergefundene Textstelle: Calveros Albtraum</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Rampenlicht aus!</title>
		<link>https://blog.montyarnold.com/2015/01/25/rampenlicht-aus/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Jan 2015 02:06:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 63. Jahrestag des Drehschlusses von &#8222;Limelight&#8220; Die Klage ist bekanntlich des Künstlers Gruß. Meine persönliche Lieblingsklage lautet: „Ich bin als hochbegabtes Kind nie richtig gefördert worden!“ (Man möge mir das darin aufschimmernde Eigenlob verzeihen – Begabung ist in meinem &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2015/01/25/rampenlicht-aus/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 63. Jahrestag des Drehschlusses von &#8222;Limelight&#8220;</p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Die Klage ist bekanntlich des Künstlers Gruß.<br />
Meine persönliche Lieblingsklage lautet: „Ich bin als hochbegabtes Kind nie richtig gefördert worden!“ (Man möge mir das darin aufschimmernde Eigenlob verzeihen – Begabung ist in meinem heutigen Alter nicht viel wert, wenn über die Jahre nicht einiges Handwerk dazugekommen ist.)<br />
Meine Erziehung hatte mir immerhin so viel Unsicherheit eingeimpft, dass ich der Meinung war, ich müsse eine Schauspielausbildung machen, um Kabarettist werden zu können. (Heute würde ich vermutlich eine Musical-Ausbildung vorziehen, aber ein solches Angebot existierte vor 30 Jahren in der saarländischen Provinz noch nicht.) Das war reichlich übertrieben – schließlich wollte ich ja kein Schauspieler werden, sondern ein Komiker, der der in Selbstverwaltung seine eigenen Texte vorträgt, aber ich sehnte mich nach einer Art Segen von oben. Außerdem gefiel mir schon immer die Idee einer handwerklichen Grundlage.</span></span></span><br />
<span id="more-1293"></span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;"> In letzter Sekunde meldete ich mich zur nächsten Aufnahmeprüfung bei der „Musikhochschule des Saarlandes“, an der damals (quasi als Wurmfortsatz) eine Schauspielschule befestigt war.<br />
Für das, was dort erwartet wurde (z.B. die Kenntnis der klassischen Theaterliteratur), fehlte mir jede Voraussetzung, aber das war ja schließlich einer der Gründe, warum ich mich in die Hände von Spezialisten begeben wollte. Ich liebte doch die Bühne und sah in ihr den einzigen Ort, an dem ich in der Lage sein würde, zu überleben.<br />
Die einzige Berührung mit der Schauspielkunst hatte ich bisher als (allerdings ergebener) Filmfan genossen. Ich dachte, es könnte sinnvoll sein, zum Vorsprechen etwas aus dem Theatermilieu (Chaplins „Limelight“) und von Orson Welles bzw. Graham Greene („Der Dritte Mann“) vorzubereiten. Eine befreundete Kollegin vom Saarländischen Landestheater, die wunderbare Madeleine Giese, riet mir als klassische Ergänzung zu einem kleinen Monolog aus dem &#8222;Eingebildeten Kranken“.</span></span></span></p>
<p>Dann kam der große Tag.<br />
Die Räumlichkeiten der Hochschule wurden renoviert, und so wurde die Prüfung an einen anderen Ort verlegt, der sich allerdings auch im Stadium einer Baustelle befand.<br />
Ich ließ mich als Letzter von der Jury aufrufen, was mir die Möglichkeit gab, das Verhalten der Mitbewerber zu studieren. Die Sache lief – soweit durch die geschlossene Tür wahrzunehmen – immer gleich ab. Nachdem der Prüfling den Raum betreten hatte, herrschte erst einmal Stille. Nach drei Minuten hörte man ihn oder sie mit gehobener Stimme sprechen. Das steigerte sich zu einem Geschrei, das nach einer Weile plötzlich abbrach. Dann wieder Stille. Kurz darauf kam der Interpret rechtschaffen ermüdet und schweißgebadet wieder heraus.<br />
Mir dämmerte schon: ich hatte vergessen, einen Urschrei in mein Material einzubauen.<br />
Endlich betrat ich diesen Raum. Er war abgedunkelt, aber dennoch entdeckte ich ein paar bemerkenswert grimmige Gesichter. Nun gut – der Tag war lang gewesen, und es hatte bekanntlich viel Geschrei gegeben. Außerdem litten vermutlich auch die Juroren unter der mörtelbekleckerten Trümmerkulisse.<br />
Ich gab meinen Molière zum Besten und verärgerte das Tribunal schließlich noch mit meiner Durchhalterede des alten Clowns aus dem Chaplin-Film.<br />
Das Ergebnis überraschte mich nicht.<br />
Es war nicht unbedingt ein Fehler, mich abzuweisen &#8211; da hatten die Herrschaften sicher ihre Gründe. Den weltmüden Spott, der aus ihrer Begründung klang, empfinde ich allerdings noch heute als kläglich. Es sei klar, dass aus mir nichts werden könne, da ich davon ausginge, im Film so etwas wie Schauspielerei vorfinden zu können, meinte einer der Herren, der Leiter einer saarländischen Bühne. Der Direktor der Schauspielabteilung, ein greiser, von abendländischer Feierlichkeit geschwelter Urning, verriet mir auch, woran er meine mangelnde Eignung – „mal unter uns“ &#8211; sogleich erkannt habe, schon während der Pausen im Tagesverlauf: Niemand, der einen Walkman auf den Ohren hätte, beschämte er mich, könne jemals ein Schauspieler sein.</p>
<p>Ich wankte traurig ins Freie, setzte ganz automatisch den Walkman auf, noch ehe ich die eben gehörte Warnung erinnern und befolgen konnte, und freute mich auf den nächsten Hüsch-Abend im Großen Sendesaal auf dem Halberg. Kabarettist wollte ich immer noch werden.<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/3d885ec08c9f4ce1b826babd1148a9c8" alt="" width="1" height="1" /></p>
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