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	<title>&quot;Das literarische Quartett&quot; Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>&quot;Das literarische Quartett&quot; Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Die schönsten Filme, die ich kenne (101): &#8222;Der Mann, der König sein wollte&#8220;</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jan 2020 14:05:23 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 84. Todestag von Rudyard Kipling Die Herrschaften vom „Literarischen Quartett“ bekamen es einmal mit einem Erfolgsschriftsteller zu tun, der sein neues Buch ungewöhnlicherweise vor einer exotischen Kulisse spielen ließ. Prompt verhob sich dieser fabelhafte Chronist der amerikanischen Mittelklasse und &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2020/01/18/100-der-mann-der-koenig-sein-wollte/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p class="wp-block-paragraph">betr.: 84. Todestag von <strong>Rudyard Kipling</strong><br> <br>Die Herrschaften vom <strong>„Literarischen Quartett“</strong> bekamen es einmal mit einem Erfolgsschriftsteller zu tun, der sein neues Buch ungewöhnlicherweise vor einer exotischen Kulisse spielen ließ. Prompt verhob sich dieser fabelhafte Chronist der amerikanischen Mittelklasse und musste sich „angelesenes Brasilienwissen“ vorwerfen lassen. Als Kenner „historischer“ TV-Movies im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, in denen weder Lokal- noch Zeitkolorit eine Rolle spielen, sind wir solchen Kummer heute gewohnt.<br> Ich schicke dies nur voraus, weil ich bei „Der Mann, der König sein wollte“ das Gegenteil erlebt habe. Die Welterfahrenheit des Autors der Vorlage – der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Rudyard Kipling – gemischt mit der Lebens- und Leseerfahrung des Kipling-Fans<strong> John Huston</strong>, der einen abendfüllenden Film daraus machte, führte zu einem Werk, das mich zutiefst erschütterte und tagelang umtrieb &#8211; zumal der Tonfall bis zum grausigen Finale so heiter ist.<br><br> Dieser Abenteuerfilm – ein Genre, mit dem ich normalerweise nichts anfangen kann – versetzte mich nicht nur geografisch und geschichtlich in eine andere Welt, er zeigte mir auch einen völlig unbekannten Menschenschlag, der mir allzeit absolut schlüssig und glaubhaft vor Augen stand. <br>Indien 1882: als Beschmutzer der Ehre ihrer Krone sollen die abgemusterten britischen Soldaten Danny Dravot und Peachy Carnehan eigentlich in den Knast. Doch die Fürsprache eines Logenbruders ermöglicht es ihnen, ins ferne Kafiristan zu ziehen, um ihr Glück zu machen. Dort, wo man seit Alexander dem Großen keinen Weißen mehr zu Gesicht bekommen hat, schlummern sagenhafte Reichtümer.<br> Unter vielen Strapazen dringen die fröhlichen Taugenichtse bis in die entlegene Bergregion vor. Sie lernen den ehemaligen Gurkha-Krieger Billy Fish kennen, der ihnen ein guter Freund wird und fortan als Dolmetscher dient.<br> Die Drei unterstützen Ootah, den Bürgermeister eines Dorfes, beim Kampf gegen die benachbarte Stadt. Die erfolgreiche Aktion hat den Nebeneffekt, dass Danny eher zufällig in den Ruf der Unsterblichkeit gerät. Das führt dazu, dass er erst zum Gott erklärt und schließlich zum König gekrönt wird.<br> Peachy möchte am liebsten so schnell wie möglich die Reichtümer zusammenraffen, die man ihnen nun zu Füßen legt, und in die Heimat zurückreisen. Doch Danny hat längst Gefallen an der Verehrung gefunden, die ihm entgegenschlägt, und träumt davon, ein Großreich zu gründen. Er überredet Peachy, noch zu bleiben, bis er eine schöne Eingeborene geehelicht hat. Ein fataler Fehler …<br><br> Regisseur John Huston hatte schon zwanzig Jahre zuvor von einer Umsetzung des Stoffes mit seinen Stars Bogart und Gable geträumt, die ihm dann wegstarben. Er kam erst 1975 zu Potte. Das hat die Finanzierung des Projektes erschwert, uns aber die Idealbesetzung beschert: die alten Busenfreunde Sean Connery und Michael Caine, die viel von ihrer Kameraderie und Hemdsärmeligkeit in die Darstellung einfließen ließen. Dabei gelang es ihnen, präzise im Idiom des Autors zu bleiben, dessen Stil sich verlustfrei ins Drehbuch gerettet hat.</p>


<p><img decoding="async" src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ac8c2731a00b4e659bf86dad523e38d7" alt="" width="1" height="1" /></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2020/01/18/100-der-mann-der-koenig-sein-wollte/">Die schönsten Filme, die ich kenne (101): &#8222;Der Mann, der König sein wollte&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Wer hören will, muss fühlen</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Sep 2019 13:21:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Buch und Hörbuch „Das Duell“ und dessen Übertragung in der Funkreihe „Am Morgen vorgelesen“ Volker Weidermann ist der Moderator einer Literatursendung, die ein zentrales Bedürfnis und eine große Sorge hat. Sie will verhindern, dass irgendein Mensch, der ihr zusieht, &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/09/14/marcel-reich-ranicki-vs-guenter-grass-das-duell-lesung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: Buch und Hörbuch <strong>„Das Duell“</strong> und dessen Übertragung in der Funkreihe <strong>„Am Morgen vorgelesen“ </strong></p>
<p><strong>Volker Weidermann</strong> ist der Moderator einer Literatursendung, die ein zentrales Bedürfnis und eine große Sorge hat. Sie will verhindern, dass irgendein Mensch, der ihr zusieht, die Literatur oder den Vorgang des Lesens an sich zu ernst nehmen könnte. Und sie fürchtet sich sehr, selbst als intellektuell wahrgenommen zu werden. Mit betonter Flapsigkeit (so nach dem Motto: „<strong>Dostojewski</strong> musste auch mehrmals täglich aufs Klo.“) wird hier die Botschaft ausgegeben: bleibt cool, Leute. Ist doch nur bedrucktes Papier.<br />
Das ist legitim, zumal in einem Programmumfeld, in dem man sich über jede Literatursendung gefälligst freuen muss. Doch leider heißt dieses Format <strong>„Das literarische Quartett“</strong> und betrachtet sich als Nachfolger der gleichnamigen Sendung aus dem 90er Jahren. Wer diese und ihren Vorsitzenden <strong>Marcel Reich-Ranicki</strong> geliebt hat, dem fällt es schwer, angesichts der Wiederauflage cool zu bleiben.</p>
<p>Folgerichtig und ausgerechnet jener Volker Weidermann hat nun Marcel Reich-Ranicki und dessen Lieblingsfeind<strong> Günter Grass</strong> ein Doppelportrait gewidmet: „Das Duell“. <span id="more-14403"></span>Die F.A.Z., der Stützpunkt des großen Literaturkritikers, verreißt dieses Buch gründlich, aber mit Nachsicht. Dass es darin nichts Neues gäbe und dass der Autor keine Position bezöge, wird damit erklärt, er habe „schlicht zu viel Respekt vor seinem Personal“. Der Rezensent beklagt auch die Trockenheit dieses Buches über ein so leidenschaftlich parteiisches Handwerk wie die Literaturkritik und ihren so überaus unterhaltsamen Popstar Marcel Reich-Ranicki.</p>
<p>So gesehen ist die Lesung, die „Das Duell“ nun erfahren hat, eine definitive Umsetzung. Gert Heideneich liest den Text mit einer unverwandt-bürokratischen Korrektheit, die sich anfühlt, als lausche man dem Protokoll einer  Eigentümerversammlung. Nur drückt sich hier definitiv kein persönlicher Respekt vor den Portraitierten aus, wie ihn der F.A.Z.-Kritiker  beim Autor des Buches ausgemacht hat. Man spürt ein institutionelles Strammstehen, ein korrektes Durchwinken, das „Hochachtungsvoll“ am Ende einer unfrohen Botschaft.<br />
Die höfliche Unterstellung, dass sich einer der an dieser Sprachproduktion Beteiligten – Redaktion / Lektorat, Regie oder Interpret – für den Gegenstand aufrichtig interessiert haben könnte, wird bereits von der Tatsache getrübt, dass Herr Heidenreich die lebenslange Gefährtin und Ehefrau Marcel Reich-Ranickis (die auch in den Medien durchaus gegenwärtige) „Tosia“ statt „Toscha“ ausspricht. (Das haben gelegentlich auch Reporter getan, woraufhin MRR zu lächeln und zu sagen pflegte: „interessante Aussprache…“. Und das ist gar nicht so lange her.) Ihr bürgerlicher Vorname wird überdies falsch betont (auf der dritten statt auf der zweiten Silbe).<br />
Meine etwas spießige Beschwerde beim ausstrahlenden Sender wurde Minuten später mit dem Hinweis, das ließe sich nicht mehr ändern (Stimmt nicht! Im Übrigen werden auch in den Neuauflagen <em>gedruckter</em> Bücher Fehler nach Möglichkeit korrigiert.) und der Hoffnung beantwortet, ich könne die Fortsetzungen der Lesung trotzdem genießen. Das fällt mir schwer angesichts der Präsenz der falsch Intonierten und des Problems, auf das diese scheinbare Nebensächlichkeit ein Licht wirft.<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/195a294abcbf45b5830bbb4f3c1001aa" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Hustinettenbär des Feuilletons</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Jan 2018 21:44:08 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 84. Geburtstag von Hellmuth Karasek Hellmuth Karasek gab es gleich zweimal: als Kritiker gedruckt und als knuffigen Intellektuellen zum Liebhaben auf dem Bildschirm. Der Kritiker hatte imposante Bewunderer. Heinrich Böll attestierte dem jungen Journalisten Karasek 1972, „den fürchterlichen Bier-Ulk-Ernst &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/01/04/hustinettenbaer-des-feuilletons/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 84. Geburtstag von <strong>Hellmuth Karasek</strong></p>
<p>Hellmuth Karasek gab es gleich zweimal: als Kritiker gedruckt und als knuffigen Intellektuellen zum Liebhaben auf dem Bildschirm. Der Kritiker hatte imposante Bewunderer. <strong>Heinrich Böll</strong> attestierte dem jungen Journalisten Karasek 1972, „den fürchterlichen Bier-Ulk-Ernst (…) des deutschen PEN erkannt“ zu haben*, der Kritikerpapst und Popstar  lobte seine Allgemeinverständlichkeit und berief ihn als festen Beisitzer ins <strong>„literarische Quartett“</strong>. Dadurch wurde Karasek zum Fernsehstar, der immer häufiger auch in Quiz- und Spielshows saß, in Witzeerzählsendungen und auf verschiedenfarbigen Plaudersofas.<br />
Der Unterschied zwischen dem schreibenden und dem live sprechenden Karasek (ich beziehe mich hier auf seine Auftritte in Kulturmagazinen) hätte größer nicht sein können. Im „Quartett“ war er stets der redliche, unbestechliche Bauchmensch, der wahre Anwalt des freiwilligen und in seiner Freizeit Lesenden (was seinen Kollegen nicht immer glückte). Er beurteilte die besprochenen Werke fair und ohne jede Voreingenommenheit, seine Verrisse wie auch seine Verteidigungen wurden mit der Glut eines persönlichen Anliegens vorgetragen.<br />
Ganz anders, wenn er schrieb. <span id="more-9456"></span><br />
Bei der Lektüre seiner Artikel und Bücher hatte ich oftmals den Eindruck, etwas mehr Recherche, etwas weniger Vertrauen ins eigene Elefantengedächtnis hätten dem Ergebnis gutgetan.<br />
Man durfte für Karaseks Sujets nicht allzuviel Interesse aufgebracht haben, ehe man seine Version zur Hand nahm. Besonders, wenn es um Filmkunst ging, war mir das seinerzeit nicht möglich.</p>
<p>„Billy Wilder – Eine Nahaufnahme“, Hellmuth Karaseks Buch über den aus Wien stammenden Hollywoodregisseur, war so ein Fall. Darin tummeln sich zahlreiche Unsauberkeiten, Eleganzmängel und lexikalische Fehler. Gewiss: Karasek hatte sich ausgiebig mit Wilder unterhalten, einem hellwachen und vor Anekdoten strotzenden Zeitzeugen. Aber das Zauberwort heißt „redigieren“, und darin ist auch das Ausräumen der Streiche enthalten, die einem das Gedächtnis zuweilen spielt.<br />
Wie tückisch es mitunter zugeht, ließ sich bei einem öffentlichen Plausch Hellmuth Karaseks mit Billy Wilder beobachten.<br />
Wilder sprach über die besondere Bedeutung des amerikanischen Kinojahres 1939: „Dieses Jahr war für Hollywood, was 1912 für den Rotwein war. 1939 war das beste Jahr für die Oscars – ich hab nichts damit zu tun gehabt. In einem Jahr – ich versuche, mich zu erinnern – gab es ‚Stagecoach‘, ‚The Citadel‘, ‚Ninotchka‘, ‚Gone With The Wind‘ … und ‚Rebecca‘. Fünf Filme von großer Bedeutung!“ – Karasek: „Rebecca ist leer ausgegangen!“<br />
Hitchcock hat zwar nie persönlich einen Oscar bekommen, doch wurde „Rebecca“ sogar als Bester Film ausgezeichnet – den Oscar bekam der Produzent David O. Selznick. Wilder wiederum bringt die Oscar-Verleihungen 1938, ‘39 und ‘40 durcheinander.</p>
<p>So etwas passiert in der lockeren Atmosphäre eines gut laufenden Interviews unentwegt. Ich führe dieses Beispiel nur an, weil es mich sehr an die Lektüre von „Billy Wilder – Eine Nahaufnahme“ und andere Filmbücher und -artikel des Autors erinnert.<br />
Dass bei dieser Biographie allenfalls ein sehr nachlässiges Lektorat stattgefunden hat, kann an Karaseks Ruf als führender deutscher Wilder-Vertrauter gelegen haben. Mit Sicherheit hat zum Ergebnis beigetragen, dass filmhistorische Themen  hierzulande (anders als etwa in Frankreich) einfach nicht wichtig genommen werden. Undenkbar, dass es so viele Fehler in die Goethe- oder Beethoven-Biographie eines vergleichbar seriösen Verlags geschafft hätten.<br />
Der Schauspieler Joseph Cotten (bei Karasek heißt er Cotton) hat das Problem in seiner Autobiographie „Vanity Will Get You Somewhere“** einige Jahre zuvor schon im Vorwort thematisiert: „Vor einiger Zeit las ich ein Buch, das hieß ‚Alte Männer vergessen‘. (…) Damals dachte ich – und denke noch heute -, dass ‚Alte Männer vergessen‘ der beste Titel sei für ein Buch voller Wanderungen durch das eigene Leben.“</p>
<p>___________________________<br />
* In einem Brief an den RAF-Mitbegründer Horst Mahler, dem er sein Verhältnis zur Gewaltfrage erläutern wollte.<br />
** Deutsch 1988 bei Lambda Edition als „Joseph Cotten – Mein unbescheidenes Leben“<img decoding="async" src="http://vg02.met.vgwort.de/na/a4332b0ade7947a9ba62e38fa9aca756" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Der klassische Rückgabetresen</title>
		<link>https://blog.montyarnold.com/2017/08/04/der-klassische-rueckgabetresen/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 Aug 2017 19:59:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 158. Geburtstag von Knut Hamsun Dem deutschen Komponisten, der dieser Tage in den nach ihm benannten Festspielen gefeiert wird, werden sein rassistisches Dumpfbackentum und die Sympathien des obersten Nazis für ihn und sein Werk 150 Jahre nach seinem Tode &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2017/08/04/der-klassische-rueckgabetresen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2017/08/04/der-klassische-rueckgabetresen/">Der klassische Rückgabetresen</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 158. Geburtstag von <strong>Knut Hamsun</strong></p>
<p>Dem deutschen Komponisten, der dieser Tage in den nach ihm benannten Festspielen gefeiert wird, werden sein rassistisches Dumpfbackentum und die Sympathien des obersten Nazis für ihn und sein Werk 150 Jahre nach seinem Tode allmählich verziehen. (Ich habe jedenfalls diesen Eindruck …)<br />
Auch der Holocaust-Überlebende <strong>Marcel Reich-Ranicki</strong> neigte dazu, die Person des Komponisten getrennt von seinem Werk zu beurteilen.<br />
Der norwegische <strong>Literaturnobelpreis</strong>träger Knut Hamsun erlebte im Gegensatz zu jenem fehlgeleiteten Musikus das Dritte Reich noch persönlich mit, und ihm hat es gefallen, während Krieg und NS-Okkupation seiner Heimat nach Berlin zu reisen und sich von den dortigen Machthabern feiern zu lassen.<br />
Marcel Reich-Ranicki äußerte sich zum Fall Hamsun 1995 im <strong>„Literarischen Quartett“</strong> anlässlich der Wiederveröffentlichung von<strong> „Mysterien“</strong> (1892).</p>
<p style="padding-left: 90px;">Knut Hamsun – längst ein alter Mann &#8211; war zur Zeit des Dritten Reiches ein widerwärtiger Nazi. Die Norweger waren entsetzt und beleidigt, hielten ihn für einen Landesverräter und haben – einmalig in der Geschichte der Weltliteratur – tausende seiner Bücher zu seinem Haus getragen und ihm über den Zaun zurückgeworfen: eine Nation gibt ihrem größten Schriftsteller seine Werke zurück.<span id="more-8503"></span><br />
Dies aber ändert nichts – keinen Pfennig, keinen Zentimeter &#8211; an der Qualität dieser Bücher, des Werks von Knut Hamsun; genau wie bei Gerhart Hauptmann, der die Hand zum Hitlergruß erhoben hat &#8230; – Ich hab‘ es gesehen, ich war dabei! „Die Weber“ und „Die Ratten“, „Rose Bernd“ und „Fuhrmann Henschel“ sind geblieben, was sie vorher waren: wichtige Theaterstücke.</p>
<p style="padding-left: 90px;">Knut Hamsun ist ein Autor, der mir sehr nahe stand und nahe steht, ein Autor, der für meine Generation eine enorme Rolle gespielt hat. Er ist, kein Zweifel, einer der ganz großen Schriftsteller im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts und noch gegen Ende des vorigen, ein Name, der  mit Joseph Conrad, mit Thomas Mann, mit Maxim Gorki in eine Reihe gehört, auch mit dem damals sehr berühmten Hermann Hesse. Anders jedoch als Conrad, Gorki oder Thomas Mann wurde Knut Hamsun von der Jugend Europas nicht nur geschätzt und bewundert, er wurde geliebt. Eine ganze Generation erkannte sich in seinen Werken wieder.<br />
Warum? Vermutlich, weil Hamsun in der Regel jüngere Menschen in den Mittelpunkt seiner Romane gestellt hat, romantische Rebellen, Aufrührer gegen Konvention und Autorität. Das hat das junge Europa beeindruckt.<br />
Wie kaum ein Schriftsteller hat Knut Hamsun in seinen Romanen die Psychologie des Individuums mit der Poesie (beispielsweise der Landschaft) in Einheit gebracht.</p>
<p style="padding-left: 90px;">Nun hat man einen seiner frühesten Romane in einer neuen Übersetzung wieder aufgelegt. Ich habe „Mysterien“ nach unendlich langer Zeit nun wiedergelesen. Ich hatte etwas Angst – so wie man sich auch beim Wiederlesen von „Dantons Tod“ fragt, ob das Werk wohl noch immer etwas taugt. Hamsun hat es ausgehalten. „Mysterien“ ist ein Meisterwerk der Weltliteratur! &#8230;</p>
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		<title>„Preise sind wie Hämorrhoiden …“*</title>
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		<pubDate>Tue, 23 May 2017 22:01:20 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 76. Geburtstag von <strong>Bob Dylan</strong></p>
<p>Als Dario Fo 1997 den<strong> Literaturnobelpreis</strong> bekam, war das etwas Neues, eine Entscheidung, die es offensichtlich darauf anlegte, als besondere Überraschung zu beeindrucken. Zu Beginn der nächsten Ausgabe des <strong>„literarischen Quartetts“</strong> überließ es der leicht angewiderte <strong>Marcel Reich-Ranicki</strong> seinen Kollegen, zu dieser Sache kurz Stellung zu nehmen. <strong>Sigrid Löffler</strong> bezeichnete die Bekanntgabe als die übliche &#8222;Lachnummer im November“, was so klang, als wäre sie gar nicht besonders überrascht.</p>
<p>Im vorigen Jahr wagte die Jury mit Bob Dylan wieder ein solches Crossover. Spontan fand ich die Entscheidung ähnlich daneben wie die knapp zwanzig Jahre zuvor – ganz einfach, weil ich die Würdigung von Musikern bzw. politischen Chansonniers lieber durch andere Institutionen erledigt wüsste – schon aus Kompetenzgründen.** Ich konnte mir auch bis jetzt den Verdacht nicht ausreden, Bob Dylans Erreichen des 75. Lebensjahres könnte der eigentliche Erreger dieser Ehrung gewesen sein.<span id="more-7916"></span><br />
Ich versuchte, mir meine Ignoranz damit zu erklären, dass ich mich ja mit Bob Dylan nie angemessen auseinandergesetzt hatte. Rein musikalisch macht er mich einfach nicht satt, und somit ist es mir nie gelungen, zur sicherlich preiswürdigen Botschaft hinter der Musik durchzudringen. (Einen moralischen Kompass erwarte ich mir von ihm ohnehin nicht, denn gegen Krieg, Despotie u.ä. bin ich von Haus aus.)<br />
Es folgte das ehrfurchtsvolle Lauern der Akademie auf die Reaktion des Geehrten. Doch Dylan schwieg. Ist es nicht keck und ein Zeichen zivilen Ungehorsams, sich bei sowas nicht zu freuen, nicht einmal anzurufen? Ist das nicht cool (im Sinne von verwegen-unangepasst)? Nö. Ich finde es stoffelig oder bestenfalls kindisch.<br />
Die Verlage reagierten umso schneller und praktizierten Dylan nun für gutes Geld nachträglich zwischen dicke Buchdeckel. (Damit verscheuchten sie auch den berechtigten Einwand, Dylans Wortkunst ließe sich aus ihrer Einheit mit Musik und Gesang nicht herauslösen.)<br />
Monate später wurde verbreitet, das Preis<em>geld</em> von 8 Millionen Kronen bekäme aber nur, wer persönlich vorbeikommt und vor der Akademie eine Rede hält. Kurz darauf war zu lesen, der Meister überlege es sich doch noch mal, demnächst sei er ja zufällig in der Gegend.<br />
(Merke: Frechheit gegenüber Obrigkeiten ist sexy, solange sie nix kostet!)</p>
<p>Ich war erleichtert, als mit Reinhard Mey endlich ein Kollege Dylans etwas zu diesem Thema sagte***. Er erzählte der SZ, dass ihm „die Vorstellung (des Literaturnobelpreises für Dylan) eigentlich nicht behagt. Es müsste einen Nobelpreis für Singer-Songwriter geben. So sehr mich das für Dylan freut – ich habe gerade wieder Alice Munro gelesen, das ist schon eine andere Spielklasse. Oder wenn ich an Thomas Mann und Pasternak denke, da ist die Luft schon dünn mit ‚Blowin’ In The Wind’.“ Mey hätte den herkömmlichen Nobelpreis eventuell seiner „Vaterfigur“ Georges Brassens zugestanden. „Und an zweiter Stelle Leonard Cohen.“<br />
Ich finde, noch vor ihnen allen hätte Noël Coward drankommen müssen, zumal er zusätzlich zu seinen Liedtexten auch Theaterstücke und Erzählungen geschrieben und es sich gesellschaftspolitisch gar nicht so gemütlich gemacht hat, wie die (geringe) heutige Rezeption vermuten lässt.**** Aber er war zu früh dran. Als man in Stockholm mit Dario Fo erstmals eine so quirlige Wahl traf, war Coward schon fast fünfundzwanzig Jahre tot. Und selbst für Reinhard Meys Spezialpreis wäre er zur Unzeit gekommen, denn als Coward diesen Beruf ausübte, nannte man das noch gar nicht Singer-Songwriter.</p>
<p>_____________________<br />
* „… irgendwann kriegt sie jedes Arschloch“, meinte Billy Wilder, selbst mehrfacher Oscar-Preisträger.<br />
** Wer vor einigen Jahren dieselbe Idee hatte, steht unter <a href="https://blog.montyarnold.com/2015/11/28/der-song-des-tages-a-fool-in-love/">https://blog.montyarnold.com/2015/11/28/der-song-des-tages-a-fool-in-love/</a><br />
*** SZ vom Samstag/Sonntag, 22./23. April 2017<br />
**** Mehr dazu unter <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/12/16/noel-coward-und-die-erfindung-des-promis/">https://blog.montyarnold.com/2014/12/16/noel-coward-und-die-erfindung-des-promis/</a><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg06.met.vgwort.de/na/41ad5d9382f147a1b5f68397b94b26ee" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Ein Tresen für Sitting Bull</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jun 2016 14:51:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Die Seriale 2016* Die Seriale war wieder ein großes Vergnügen mit einer Unzahl herrlicher Begegnungen. Hier ist eine kleine Auswahl von Tagebucheinträgen. Freitag, der 3. Juni Gleich bei der Abholung, erfahre ich: Mitveranstalter Csongor hat seit Wochen nur jede &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/06/07/tierhaargespraeche-24/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: Die <strong>Seriale</strong> 2016*</p>
<p>Die Seriale war wieder ein großes Vergnügen mit einer Unzahl herrlicher Begegnungen. Hier ist eine kleine Auswahl von Tagebucheinträgen.</p>
<p>Freitag, der 3. Juni</p>
<p>Gleich bei der Abholung, erfahre ich: Mitveranstalter Csongor hat seit Wochen nur jede zweite Nacht geschlafen. Abgesehen davon, dass er ein bißchen blass aussieht, merkt man davon nichts. Er ist vergnügt, hochkonzentriert und der geduldigste und liebenswerteste Mensch der Welt. Ich muß ihn gelegentlich nach seinem Geheimrezept fragen.</p>
<p>Samstag, der 4. Juni</p>
<p>Eben lief <strong>„Positive Sinking“</strong> von<strong> Thomas Heinemann</strong>. Diese Comedy leidet nach meiner Meinung etwas unter ihrem immens unsympathischen Protagonisten. Auch schauspielerisch kriegt er mich nicht &#8211; im Gegensatz zum übrigen Ensemble. Besonders der Sohn des Helden ist irre witzig. In einer Szene liest er <strong>„Safere Zeiten“</strong> von Ralf König, eine seltsame Lektüre für einen Halbstarken. Ich kann es mir nicht verkneifen, den Serienmacher im Rahmen der Moderation zu fragen, was er sich dabei gedacht hat.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-5303" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/06/PS.jpg?resize=640%2C360&#038;ssl=1" alt="PS" width="640" height="360" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/06/PS.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/06/PS.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2016/06/PS.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></p>
<p><span id="more-5321"></span>„Gar nichts. Der Comic lag zufällig am Drehort herum.“ Er tröstet mich mit der Aussicht, na ja &#8211; man wisse ja nie, wie sich die Geschichte noch weiterentwickelt. Es sei ja eine Serie … &#8211; Dennis und Emma finden „Postive Sinking“ übrigens einfach großartig!</p>
<p>Als die Preisverleihung über die Bühne ist, verkünden die rechtschaffen ermatteten Veranstalter, nächstes Jahr gäbe es eine Fortsetzung und verabschieden sich mit dem Aufruf, nun die Korken knallen und die Puppen tanzen zu lassen. Gute Idee, zumal es sogar Live-Musiker gibt, die gerade eben noch aufgespielt haben. Alle setzen sich hin (die Musiker auch), und es wird noch bis tief in die Nacht – fröhlich und in aller Stille geplaudert. Wir befinden uns im wunderschönen Restaurantbereich des Hotel Heyligenstaedt, das aber eben leider kein Club o.ä. ist.<br />
Was der Seriale bisher fehlt, ist ein zünftiger Festivaltreffpunkt, wo man miteinander feiern und wo der interessierte Besucher den Serienmacher anquatschen kann.<br />
Von Freunden und Kollegen, die häufiger Filmfestivals in aller Welt besuchen, weiß ich, dass das kein Einzelfall ist. Das „Max Ophüls Festival“ in Saarbrücken gehört zu den weltweit etwa vier oder fünf derartigen Veranstaltungen, die über eine angemessene, kuschelige Location verfügen. Dabei wäre es doch ganz einfach: ein gut erreichbarer öddeliger Tresen mit zwei Säulen rechts und links und zwei Topfpalmen aus dem örtlichen Dekoladen (einem idealen weiteren Sponsor) <u>ohne</u> zu laute Musik, nebenan ein Raum mit Tanzfläche (und meinetwegen auch <u>mit</u> zu lauter Musik), und fertig ist der kleine Klaus. Und alle können bleiben, solange sie wollen, ohne ehrbaren Gießener Kneipiers den Feierabend zu verderben. Da die Seriale ein Indie-Festival ist, könnte man diesen Ort „Sitting Bulls Bistro“ nennen und ihn mit indianischem Nippes ausstatten. (Oder meinetwegen „Mogli‘s Tavern“ mit indischem Nippes. Die Indianer-Idee finde ich aber irgendwie fetziger.)<br />
Die Leute lieben sowas. Es wäre ein Träumchen!</p>
<p>Sonntag, der 5. Juni</p>
<p>Beim abschließenden „Serienmacher-Frühstück“ entbrennt eine dieser leidenschaftlichen Kulturdiskussionen, die ich so liebe. Mit dem Jurymitglied Christian Junklewitz streite ich mich über die TV-Serie „Deutschland ‘83“. Er fand sie großartig, ich sie zum Händefalten peinlich. Irgendwann meldet sich unser Fahrer Jan mit dem Einwand, er habe die Serie gar nicht gesehen und könne der Debatte daher leider nicht folgen. Ich kann wiederum diesem Einwand nicht folgen, denn die Bücher im „Literarischen Quartett“ kannte ich ja auch nie, und trotzdem hatte ich einen Riesenspaß. „Na gut“, meint er. Jedenfalls sei er jetzt total neugierig auf diese Serie und könne es kaum erwarten, sie sich anzusehen. Das hat man nun davon.</p>
<p>Im Antiquariat neben dem Kino habe ich vorgestern bei einer eiligen Erforschung der Wühlkiste kurz vor Vorstellungsbeginn ein frühes „Lustiges Taschenbuch“ gefunden – gut erhalten und in der Originalaufmachung mit den abwechselnden Schwarzweiß-Seiten. (Ich habe es schon zu Hause in meiner Sammlung, aber es kostete nur zwei Euro, und ich kann es später Toby und Ila vererben, die inzwischen zwei kleine Jungs haben und eine solide Comic-Sammlung somit gut brauchen können!) Jetzt – auf der Zugfahrt nach Hamburg – werde ich es nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder lesen. Zu meiner Freude finde ich darin eine Atömchen- und eine Gamma-Geschichte. In einer davon besucht die Mickymaus undercover ein Gangster-Seminar mit griffigen Lerninhalten von der Sorte „Beim Umgang mit der Polente ist zu beachten: …“ In der letzten Geschichte ereignet sich ein überaus beknackter Kalauer, an den ich mich noch aus Kindertagen erinnern kann. Eine Gangsterbande ist ins Patentamt eingebrochen, um die tollen Erfindungen zu stehlen (z.B. die Tasse für Linkshänder „mit dem Henkel auf der linken Seite! Wir werden ein Vermögen damit machen!“). Unter den Beutestücken befindet sich auch eine Pauke, an der eine Pistole befestigt ist. „Das ist eine Revolvertrommel, eine revolutionäre Neuheit für den Jazz!“ – „Fantastisch! Bisher kannte ich nur den Trommelrevolver!“ Dazu zwei blöde Gesichter mit Hundenasen.<br />
Helles Entzücken!</p>
<p>_____________________<br />
* siehe dazu die Blogs vom 3. und 4. Juni<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/95ff9c879784417195c59953e3ff6a10" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/06/07/tierhaargespraeche-24/">Ein Tresen für Sitting Bull</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Der Saurier und Du</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Nov 2014 11:30:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hommage]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Clemens Setz zum 32. Geburtstag Dass es das “Literarische Quartett” nicht mehr gibt, ist ohnehin ein großer Jammer, aber angesichts eines Objektes wie “Indigo” überkommt mich die schiere Untröstlichkeit. Nicht auszudenken, welches Vergnügen es bereitet hätte, den Herrschaften beim &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/11/15/der-saurier-und-du/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/11/15/der-saurier-und-du/">Der Saurier und Du</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p lang="en-US"><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">betr.: <strong>Clemens Setz</strong> zum 32. Geburtstag</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="en-US">Dass es das <strong>“Literarische Quartett”</strong> nicht mehr gibt, ist ohnehin ein großer Jammer, aber angesichts eines Objektes wie <strong>“Indigo”</strong> überkommt mich die schiere Untröstlichkeit. Nicht auszudenken, welches Vergnügen es bereitet hätte, den Herrschaften beim Zerpflücken und Rezensieren dieser Geschichte und ihres Schöpfers zuzuhören.<br />
</span></span></span>“Indigo”, der zuletzt erschienene Roman von Clemens Setz, spielt mit der Idee einer mysteriösen Krankheit, an der weniger die Betroffenen leiden als ihre unmittelbaren Mitmenschen. Gleich nach der Geburt geht von den Patienten eine unheilvolle Wirkung aus: ihr Gegenüber <span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">befallen Übelkeit, Schwindel und heftige Kopfschmerzen. Das bald Indigo-Syndrom genannte Phänomen ist nicht heilbar, aber es wächst sich mit der Zeit aus. Bis dahin müssen die betroffenen Kinder isoliert werden. Dazu wird ihnen ein abgelegenes Internat errichtet. </span></span><br />
<span id="more-667"></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Es gibt hier freilich auch einen Helden und eine „richtige“ Handlung, aber mich faszinierte vor allem der sauber konstruierte fiktive historische Hintergrund: Im Rückblick wird auf zwei Zeitebenen erzählt, wie dieses Phänomen auftrat, wie lange es dauerte, bis sich irgendjemand einen Reim darauf machen konnte und was die Betroffenen persönlich auszustehen hatten. </span></span><br />
<span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Der Autor schafft sich ein haarsträubendes Tableau und weiß dann auch darin herumzulaufen – ein seltenes Zusammentreffen. Weiterhin ist das Werk gespickt mit liebevoll faksimilierten Dokumenten und literarischen Miniaturen. (Allein die Geschichte über die „Zigarettenmänner“, die aus ihrem Leben fliehen und ja schließlich irgendwo bleiben müssen ist ein kleines Kunstwerk für sich!)</span></span></p>
<p>Mit Büchern konnte der Schriftsteller Clemens Setz lange nichts anfangen. Er vertrieb sich die Zeit mit Computerspielen, bis ihn eine Erkrankung und ein Gedicht von Ernst Jandl den heutigen Weg einschlagen ließen. Daraufhin begann er exzessiv zu schreiben. Schon sein Debütroman wurde 2007 für den &#8222;Deutschen Buchpreis&#8220; nominiert, tatsächlich ausgezeichnet wurde er 2015 mit dem Preis der &#8222;Leipziger Buchmesse&#8220;.<br />
Clemens Setz kam in Graz zur Welt, wo er Mathematik und Germanistik studierte und noch heute als Übersetzer und freier Schriftsteller lebt. Wie viele seiner Figuren ist auch der Autor ein hochsensibler Synästhetiker, bei dem Alltagsgeräusche wie das Rascheln trockener Blätter oder das Knistern von Stoff und Papier innere Farbenspiele und körperliche Empfindungen auslösen.</p>
<p>Dass ich<span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;"> </span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">nach einer einzeiligen Inhaltsangabe in einem län</span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">geren SPIEGEL-Artikel sofort wild darauf war, &#8222;Indigo&#8220; zu lesen, lag natürlich an seinem unwiderstehlichen Plot, hatte aber auch damit zu tun, dass ich Clemens Setz in der Hamburger Veranstaltungsreihe „Seitensturm“ schon einmal persönlich erleben durfte – ich glaube, sein Erzählungsband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ und eine Auszeichnung mit dem &#8222;Ingeborg-Bachmann-Preis&#8220; waren der aktuelle Aufhänger.<br />
</span></span>Da ich mich an seine üblicherweise  sehr umfangreichen Romane nicht recht herantraue, freue ich mich über seine gelegentliche Gastbeiträge in seriösen Zeitungen, Interviews oder Radio-Auftritte.<br />
Im Vorwort zum Bildband „<span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Die verlorenen Welten des Zdenek Burian“, in dem historische Saurier-Illustrationen versammelt sind,</span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;"> beschreibt </span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">er</span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;"> zunächst „</span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">den aristokratischen Nullblick des Riesennashorns, diese unglaubhafte Selbstsicherheit mitten in der Einöde. Oder den sonderbaren Chasmosaurus mit seinem riesigen keilförmigen Kopf. Er wirkt als wäre er festgeklemmt in der Luft, in einer evolutionären Sackgasse“. Er erzählt aber auch, wie „missverstanden“ diese urzeitlichen Ungetüme auf ihn wirkten, als er sie Jahrmillionen später als Monumente in Crystal Palace wiedertraf.<br />
In seiner Rezension eines Bandes mit Erzählungen aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 schildert er ein Dilemma, wie es wohl jeder Bücherwurm schon einmal erlebt hat: „Eigentlich wollte ich über Léon Bloy schimpfen, aber seine Geschichten aus &#8218;Blutschweiß&#8216; haben mich tagelang umgetrieben.“ Wenn er das näher ausführt, will ich dieses Buch auch lesen, und sein Autor wird sich auch stilistisch an der Rezension messen müssen.</span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;"><br />
</span></span><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/aff037752dea433da6fc94084ed48882" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/11/15/der-saurier-und-du/">Der Saurier und Du</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>„In der Reihenfolge ihres Auftretens“ (3/3) – Zum 1. Todestag von Marcel Reich-Ranicki</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Sep 2014 07:57:06 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Monty Arnold - Biographisches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Marcel Reich-Ranicki / „Das literarische Quartett“ / Kleinkunst und politisches Kabarett (80er Jahre) Vor einiger Zeit ertappte ich mich bei dem Wunsch, etwas völlig Albernes zu besitzen: eine Buchstütze, die Marcel Reich-Ranicki nachgebildet war. Dieses Ding war doch mal &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/09/18/in-der-reihenfolge-ihres-auftretens-33-zum-1-todestag-von-marcel-reich-ranicki/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">betr.: Marcel Reich-Ranicki / <strong>„Das literarische Quartett“</strong> / Kleinkunst und politisches Kabarett (80er Jahre)</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Vor einiger Zeit ertappte ich mich bei dem Wunsch, etwas völlig Albernes zu besitzen: eine Buchstütze, die Marcel Reich-Ranicki nachgebildet war. Dieses Ding war doch mal überall verkauft worden, sogar in Buchhandlungen. Als ich mich nun auf die Suche danach machte, stellte ich fest, dass diese Zeiten gut 20 Jahre zurücklagen – und dass das Teil nicht mehr zu haben war. Meine Sehnsucht nach solchem Nippes hat einen Grund, den ich ohne zu zögern bekenne: er fehlt mir, der große Kritiker. Er fehlt mir dreifach: als Medienphilosoph, als Autor und als Entertainer.<br />
Natürlich hat er meine Verehrung nicht nötig, und selbstverständlich gehen seine Verdienste weit über seine späte Bildschirmpräsenz hinaus – hier und heute will ich aber nun genau über diese nachdenken. Gerade seine „letzte Karriere“ ist nämlich verblüffend, geradezu tröstlich. </span></span><span id="more-71"></span></p>
<p>„<span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Das literarische Quartett“ ging zu einem Zeitpunkt auf Sendung, als ich mich als tingelnder Kabarettist abmühte. Noch war unser Land nicht wiedervereinigt. Ich klapperte also die westdeutschen Kleinkunstbühnen ab und hoffte, irgendwann würde der Rundfunk mal ein komplettes Programm von mir übertragen. Als die Mauer fiel, strömten wir alle in den Osten, und einige von uns kamen dort auf Anhieb prächtig an, andere nicht. (Ich gehörte zu den anderen.) Wer als „Satiriker“ vom Feuilleton anerkannt werden wollte, der mußte im Laufe des Abends irgendwann mindestens einmal Helmut Kohl nachäffen. Dabei war es egal, wie gut oder schlecht die Parodie handwerklich geriet und was damit inhaltlich transportiert wurde – wer Kohl brachte, war politisch relevant, wer es unterließ, der war es eben nicht. Einer meiner Kollegen schreckte nicht einmal davor zurück, noch den verstorbenen Franz Josef Strauß im Munde zu führen, da er den nun mal gut draufhatte – als „grantelnden Münchner im Himmel“. Die Presse wieherte dankbar angesichts dieser tagespolitischen Stichhaltigkeit. Jenseits der wohlfeilen Udo-Lindenberg- und Willy-Brandt-Schoten war noch jemand in aller Parodisten Munde, der einen ganz ungewöhnlichen Beruf ausübte: Literaturkritiker. Mir entstand in den betreffenden Acts meiner Kollegen der Eindruck, es handele sich hier um ein C-promintenes Unikum, der außer einem lustigen Sprachfehler und überschüssigem Temperament nichts aufzuweisen hätte. Irgendwann geriet ich zufällig hinein in eine Sendung mit dem Original, und mir war klar, warum mich die Parodien so wenig neugierig gemacht hatten: sie hatten das Wichtigste weggelassen. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Reich-Ranickis Fernsehsendung war bekanntlich nur das Nachspiel zu einer beispiellosen publizistischen Laufbahn in der jungen Bundesrepublik, aber sie erlaubte dem Kritiker um die Zeit seines Pensionsalters, ein Publikum für Literatur zu interessieren, das er mit seiner seriösen Zeitungsarbeit nie erreicht hätte. Klar &#8211; ich war mir in diesem Augenblick erst einmal selbst der Nächste. Ich hatte so etwas wie „Das literarische Quartett“ noch nie gesehen, nicht mal in natura: vier Menschen zankten sich und droschen verbal aufeinander ein, hatten aber ein kulturelles Thema, gewisse Abläufe festgelegt und waren allesamt gescheit, kultiviert und schlagfertig. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Ich bin zwar jemand, der keine zwei Stationen mit der U-Bahn fährt, ohne etwas Lesbares mitzuführen, aber (längere) Romane kann ich etwa seit meinem 20. Lebensjahr nicht mehr durchhalten (- wenn ich Glück habe, kommt es zu einem gut gemachten Hörbuch). Am liebsten lese ich ohnehin Biographien bzw. Sekundärliteratur, Artikel oder eben Kurzgeschichten und Comics. Dank Reich-Ranicki erfuhr ich nun, was ich belletristisch so alles verpaßt hatte, las tatsächlich noch den einen oder anderen Roman und wurde umfassend über die Zeitgeschichte ins Bild gesetzt. Fast alles, was ich über das 18. und 19. Jahrhundert weiß, hörte ich zuerst in dieser Sendung (um es freilich später zu vertiefen) – in der Schule hatten wir keine Minute lang über das Mittelalter, die Renaissance, die Französische Revolution oder gar die Bundesrepublik Deutschland geredet &#8211; vom Untergang Kakaniens ganz zu schweigen -, sondern vier Jahre lang ausschließlich über das Dritte Reich. Ich staunte, wie leicht es ist, Bildung aufzunehmen, wenn sie in Form eines (Streit-)Gespräches vermittelt wird. &#8211; „Man schlägt sich, aber man bleibt Freund“, wie es bei Guareschi so schön heißt. Als ich versuchte, diese Streitkultur im Freundeskreis mit nicht-literarischen Themen umzusetzen, erlebte ich natürlich eine Bauchlandung. „Das literarische Quartett“ folgte gewissen Spielregeln, die sich im wirklichen Leben schwer etablieren lassen.<br />
Ich schwor schon beim ersten Mal: sollte ich jemals wieder eine Folge dieser Sendung versäumen, müßte mich auf der Stelle der Schlag treffen! Hin und wieder vergaß ich leider doch schonmal einen Termin. Nie werde ich meine Dankbarkeit vergessen, als ich nach einem Gastspiel in mein Hotelzimmer kam – ich hasse es, in Hotels zu übernachten! – und gerade, als ich den Fernseher einschalte, beginnt ein „Quartett“ &#8211; und ich lerne, wer Sándor Márai ist. Zum Glück bin ich nach der Show nicht noch ausgegangen …</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Gemeinsam mit dem Rest der breiteren Öffentlichkeit erfuhr ich die Einzelheiten der Biographie Reich-Ranickis erst einige Jahre später. Wie auch Hans Rosenthal – man verzeihe mir diesen Rösselsprung – hat er sich für ein Leben und eine Medienlaufbahn in jenem Lande entschieden, das er nur um Haaresbreite überlebt hatte. Nie hatte ich den Eindruck, er würde sich diesen Umstand strategisch zunutze machen, was mir sehr imponierte. Und er war frei von aller Grinserei und Gefallsucht. Er biederte sich niemals an – aber man konnte ihn aus der Reserve locken. Als er von Alfred Biolek gefragt wurde, wie er zu der Einordnung als Entertainer stehe, die kürzlich jemand an ihm vorgenommen hatte, errötete er fast vor so viel Bestätigung und meinte, das betrachte er als großes Kompliment. Spätestens in diesem Augenblick habe ich mich in ihn verliebt.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Zu Reich-Ranickis Verdiensten gehört weiterhin, dass er in seiner Sendung drei Leute um sich scharte, von denen zwei sich als verlässliche, anhaltende Diskussionsteilnehmer erwiesen (– die zum Quartett fehlende vierte Person war ein wechselnder Gast, zumeist aus der journalistischen Welt).<br />
Hellmuth Karasek (</span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">DER SPIEGEL</span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">, Hamburg) teilte mit mir diverse Interessen und Vorlieben. Daher habe ich zeitweise alle seine Bücher und Artikel gelesen – und als Filmhistoriker genießt er bei mir einen gelinde gesagt schludrigen Ruf. (Allein über seinem Billy-Wilder-Buch möchte ich ein Tintenfass ausschütten!) Seine Kolumnen kamen mir allzu geschwätzig und aufgepustet daher. Im „literarischen Quartett“ aber wurde er für mich zu einem stabilen Element zwischen dem beinharten Historiker M.R.R. und der beinhart vernünftig argumentierenden Frau Löffler. Als jemand, der fast keines der besprochenen Werke kannte – was das Vergnügen an der Sendung nicht schmälerte – wußte ich Herrn Karaseks Urteil immer besonders zu schätzen. Er schien mir stets der am wenigsten voreingenommene Kritiker zu sein. Seine Bewertung war grundsätzlich redlich und einleuchtend, und kein anderer Teilnehmer der Runde warf sich so beherzt und mit so viel persönlichem Engagement in die jeweilige Bresche. Dem Publikum gegenüber gab er den gutmütigen Hustinettenbär, der die breite Resonanz seiner Scherze emsig kontrollierte. Hin und wieder stellte er sich aber auch auf die Hinterpfoten und las – entgegen der Anweisung von Direktor Reich-Ranicki – von mitgebrachten Zetteln besonders wirksame Textpassagen der diskutierten Bücher ab.<br />
Für die köstliche Sigrid Löffler (PROFIL, Wien) war die Schublade der gouvernantenhaften Spielverderberin für viele schnell gefunden – und das war ebenso boshaft wie unzutreffend. Hin und wieder fand sich Frau Löffler naturgemäß in der Rolle der Verfechterin feministischer Grundbegriffe wieder, und an den Zoten – die ja in der edelsten Weltliteratur vorkommen &#8211; hatte sie im Zweifelsfalle weniger Freude als ihre männlichen Gesprächspartner, aber ihre Urteile waren – wie auch die der übrigen Teilnehmer &#8211; letztlich nicht vorherzusagen. Wie wichtig Sigrid Löffler für das Gelingen des Formates war, wurde überdeutlich, als es im Jahre 2000 auf der Expo in Hannover zu einem tragischen Zerwürfnis kam. Der jahrelange Disput hatte im Hintergrund wohl zu einer tieferen Kluft jenseits einzelner Buchtitel geführt, deren Einzelheiten ich in meinem Mäusekino wohl nie erfahren werde. Was der Öffentlichkeit nun wochenlang zugänglich wurde, war das Scharmützel Karasek / M.R.R. gegen Löffler, das schließlich dazu führte, dass sie aus der Sendung ausstieg. Hellmuth Karasek ließ seine gewohnte Galanterie fahren und gab ein nachtretendes STERN-Interview, das eine Versöhnung vollends unmöglich machte (- wessen er sich auch noch brüstete). Reich-Ranicki hat später offen zugegeben, er habe die Sendung sowieso satt gehabt, aber um Frau Löffler den Ruch der Unentbehrlichkeit nicht anzutun, habe er ächzend noch ein paar Folgen drangehängt – mit der staubtrockenen aber ungefährlichen Iris Radisch als neuer fester Teilnehmerin. Diemut Roether bemerkte anlässlich der Umbesetzung in der </span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;"><i>taz</i></span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">, „dass die Idee des Literarischen Quartetts nur dank der – manchmal etwas übellaunigen – großmütterlichen Strenge funktionierte, mit der Sigrid Löffler den Kasper Karasek und das Krokodil Reich-Ranicki an literarische Kriterien und Argumente erinnerte.“* Nach 20 Minuten ertrug ich diese Hinrichtung meiner Lieblingssendung nicht mehr. Es wurde noch ein Jahr lang artig gehüstelt, gekuschelt und rumgelutscht, dann war Schluß. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Immerhin: auf meine regelmäßige Dosis Reich-Ranicki mußte ich einstweilen nicht völlig verzichten. Ich las / sah / hörte seine regelmäßigen Interviews, genoss seine Artikel und seine Leserbrief-Kolumne in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und las wiederholt seine famose Autobiographie sowie jeden Artikel über ihn. Ich freute mich unendlich darüber, dass er „noch da war“ und dass er in einer Medienlandschaft zu solcher Popularität gelangt war, die auf all das, was er zu bieten hatte, sonst nicht den geringsten Wert legte. Sein „letzter großer Fernseh-Auftritt“ geriet dann noch einmal zu einer Sensation, als er den Deutschen Fernsehpreis nicht annahm, da ihm das ansonsten auf dieser Gala Gezeigte und Ausgezeichnete qualitativ unerträglich war. Das Gezeter dieses Alten, der einst zu den regelmäßigen Besuchern der Theateraufführungen von Laurence Olivier gehört hatte, war dem Gala-Publikum vollkommen unverständlich, wie man in ihren ratlos-verstörten Kindergesichtern deutlich lesen konnte.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Vor einem Jahr war es dann zuende. Hellmuth Karasek ließ in den nächsten 36 Stunden nach der traurigen Meldung keine Livesendung aus und arbeitete sich bald, wie der SPIEGEL unlängst erkannte, auf den freigewordenen Posten des „Kritikerpapstes“ vor. Ein letztes Mal gab es ganz viel Reich-Ranicki auf allen Kanälen. Bei „Markus Lanz“ lief einer dieser obligatorischen Zusammenschnitte. Er zeigte in etwa 30 Sekunden einen unentwegten Choleriker und allzeit sprungbereiten frivolen Opa, in dessen Urteil es manchmal „Hui“ und sonst generell nur „Pfui“ gab – was niemand bestätigen kann, der auch nur eine einzige seiner Sendungen wirklich vollständig angeschaut hat. Die ganze Runde nickte den Flachsinn emsig ab. Ausgerechnet Til Schweiger hatte als einziger die Größe, sinngemäß zu sagen: „Der Name sagt mir nichts, aber ich fand die Clips, die Sie eben gezeigt haben, sehr lustig!“ </span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">Die Wogen der Nachwelt schlugen über Marcel Reich-Ranicki zusammen. Sie begruben ihn. Sie beeilten sich damit.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;">* </span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;"><i>taz</i></span></span><span style="font-family: Cambria,serif;"><span style="font-size: medium;"> vom 4.5.2001</span></span><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/c5c782ea06a241d4a931e1649f896fde" alt="" width="1" height="1" /></p>
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