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	<title>George Orwell Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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		<title>Die Achtziger sind wieder da</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2026 18:36:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 77. Jahrestag der Auszeichnung von &#8222;1984&#8220; als &#8222;Buch des Jahres&#8220; in den USA &#8222;Im Jahr 1984&#8220; war die erste deutsche Bearbeitung der berühmten Dystopie von George Orwell. Als ich das Buch im titelgebenden Jahr erstmals las, hatte der Ullstein-Verlag &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2026/06/13/george-orwell/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>betr.: 77. Jahrestag der Auszeichnung von &#8222;1984&#8220; als &#8222;Buch des Jahres&#8220; in den USA</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="826" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?resize=640%2C826&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-30462" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?resize=793%2C1024&amp;ssl=1 793w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?resize=232%2C300&amp;ssl=1 232w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?resize=768%2C992&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?resize=1190%2C1536&amp;ssl=1 1190w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2026/06/Im-Jahr-1984.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure>



<p><em>&#8222;Im Jahr 1984&#8220; war die erste deutsche Bearbeitung der berühmten Dystopie von George Orwell. Als ich das Buch im titelgebenden Jahr erstmals las, hatte der <strong>Ullstein-Verlag</strong> gerade aus aktuellem Anlass eine neue Übersetzung vorgelegt, und als ich diese mit einer der vorherigen verglich (ohne das englische Original zur Hand zu haben), erschien es mir, als sei das gar keine Neuübersetzung, sondern nur eine Umformulierung (&#8222;um dem rauhen Wind zu entgehen&#8220; statt &#8222;um sich vor dem rauen Wind zu schützen&#8220; und ähnlicher Mumpitz) &#8211; aber das mag mir auch mein jugendlicher Hochmut geflüstert haben.<br>Die erste Fassung mag ich besonders, ganz einfach, weil sie am nächsten dran ist.<br>So fängt sie an:</em><br><br>Es war ein klarer, kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn. Winston Smith, das Kinn gegen die Brust gepreßt, um sich wenigstens etwas gegen den ekelhaften Wind zu schützen, schlüpfte rasch durch die Glastüren des Victory-Apartmenthauses.<br>Im Treppenhaus unten roch es nach Kohl und muffigen, zerfledderten Fußmatten. An der einen Flurwand klebte ein riesiges buntes Plakat. Es stellte ein Gesicht in Großformat dar, über einen Meter hoch: das Gesicht eines Mannes Mitte vierzig, mit dichtem schwarzem Schnurrbart und &#8211; grob gesehen &#8211; ansprechenden Zügen. Smith steuerte auf die Treppe zu: der Fahrstuhl ging ja doch nicht. Selbst in besseren Zeiten funktionierte er selten, und momentan war der Strom tagsüber sowieso abgeschaltet.<br>Das gehörte zur Sparaktion für die kommende Haß-Woche.<br>Seine kleine Junggesellenwohnung lag in der siebenten Etage, und Smith tappte &#8211; mit seinen 39 Jahren nicht bei bester Gesundheit &#8211; langsam hinauf, immer wieder einmal verschnaufend. Auf jedem Treppenabsatz starrte das Plakat mit dem Gesicht in Großformat von der Wand. es war eines jener geschickt gezeichneten Portraits, deren Augen einen überallhin verfolgen, wo man auch geht und steht. DER GROßE BRUDER SIEHT DICH, stand in wuchtigen Lettern darunter.</p>
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		<title>Wohnwelten (8): Winston Smith, ein Mensch des Jahres &#8222;1984&#8220;</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jun 2025 15:14:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Im Flur des Victory-Blocks roch es nach gekochtem Kohl und feuchten Fußmatten. An der Rückwand war ein grellfarbiges Plakat, das für einen Innenraum eigentlich zu groß war, mit Reißnägeln an der Wand befestigt. Es stellte nur ein riesiges Gesicht von &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/06/18/28168/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>Im Flur des Victory-Blocks roch es nach gekochtem Kohl und feuchten Fußmatten. An der Rückwand war ein grellfarbiges Plakat, das für einen Innenraum eigentlich zu groß war, mit Reißnägeln an der Wand befestigt. Es stellte nur ein riesiges Gesicht von mehr als einem Meter Breite dar: das Gesicht eines Mannes von etwa fünfundvierzig Jahren, mit einem dicken, schwarzen Schnauzbart und ansprechenden, wenn auch derben Zügen. Winston ging die Treppe hinauf. Es hatte keinen Zweck, es mit dem Aufzug zu versuchen. Sogar zu den günstigsten Stunden des Tages funktionierte er nur selten, und zur Zeit war tagsüber der elektrische Strom abgestellt. Das gehörte zu den wirtschaftlichen Maßnahmen der in Vorbereitung befindlichen Hass-Woche. Die Wohnung lag sieben Treppen hoch.<br>Drinnen in der Wohnung verlas eine klangvolle Stimme eine Zahlenstatistik über die Roheisenproduktion. Die Stimme kam aus einer länglichen Metallplatte, die einem stumpfen Spiegel ähnelte und rechter Hand in die Wand eingelassen war. Der Apparat, ein sogenannter Televisor oder Hörsehschirm, konnte gedämpft werden, doch es gab keine Möglichkeit, ihn völlig abzustellen. Er war gleichzeitig Empfangs- und Sendegerät. Jedes von Winston verursachte Geräusch, das über ein ganz leises Flüstern hinausging, wurde von ihm registriert. Außerdem konnte Winston, solange er in dem von der Metallplatte beherrschten Sichtfeld blieb, nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden.<br>Er ging quer durchs Zimmer in die winzige Küche, in der es nichts zu essen gab außer einem Stück Schwarzbrot, das für den nächsten Tag zum Frühstück aufgehoben werden musste. Er nahm aus dem Regal eine Flasche mit einer farblosen Flüssigkeit, die dem schmucklosen weißen Etikett nach „Victory-Gin“ war. Das Getränk strömte einen faden, öligen Geruch aus, wie chinesischer Reisschnaps.<br>Winston ging ins Wohnzimmer zurück und setzte sich an ein links vom Televisor stehendes Tischchen. Dann zog er aus der Tischschublade einen Federhalter, eine Tintenflasche und ein dickes, unbeschriebenes Diarium im Quartformat mit rotem Rücken und marmorierten Einbanddeckeln hervor. &nbsp;&nbsp;<br>Aus irgendeinem Grunde war der Televisor in seinem Wohnzimmer an einer ungewöhnlichen Stelle angebracht. Statt wie üblich an der kürzeren Wand, von wo aus er den ganzen Raum beherrscht hätte, war er an der Längswand gegenüber dem Fenster eingelassen. An seiner einen Seite befand sich die kleine Nische, in der Winston jetzt saß und die vermutlich beim Bau der Wohnung für ein Bücherregal bestimmt gewesen war. Wenn er sich so in die Nische setzte und vorsichtig im Hintergrund hielt, konnte Winston wenigstens visuell, außer Reichweite des Televisors bleiben. Nun war er im Begriff, ein Tagebuch anzulegen. Die ungewöhnliche Anlage des Zimmers war zum Teil für den Gedanken verantwortlich …</p>



<p><em>Redigiert aus der <strong>Ullstein</strong>-Ausgabe (1976) des Romans von <strong>George Orwell</strong></em></p>
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		<title>Literatur zum bevorstehenden Weltuntergang</title>
		<link>https://blog.montyarnold.com/2024/11/18/26701/</link>
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		<pubDate>Mon, 18 Nov 2024 14:08:23 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Ö1 Bücherbox Der kleine Vierteiler, der diese Woche im Rahmen der Ö1 Sendereihe „Bücherbox“ zum Thema literarische Dystopien zubereitet wurde (Redaktion: Julia Reuter), machte deutlich, dass es im frühen 21. Jahrhundert vor allem zwei große dystopische Romane gibt, die &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/11/18/26701/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>betr.: <strong>Ö1 Bücherbox</strong></p>



<p>Der kleine Vierteiler, der diese Woche im Rahmen der Ö1 Sendereihe „Bücherbox“ zum Thema literarische Dystopien zubereitet wurde (Redaktion: Julia Reuter), machte deutlich, dass es im frühen 21. Jahrhundert vor allem zwei große dystopische Romane gibt, die beide aus dem 20. stammen: „1984“ und „Schöne neue Welt“.<br>Bis heute ist nichts gleichsam Visionäres und Gültiges weit und breit zu sehen. Um die Reihe auf vier Beiträge zu bringen, mussten zwei Werke dazugehoben werden, die heute recht populär sind, neben Orwell und Huxley aber doch etwas beliebig aussehen. Margaret Atwoods &#8222;Der Report der Magd&#8220; ist vor allem wegen seiner TV-Serienadaption ein moderner Klassiker (in wenigen Jahren kennt das Ding kein Schwein mehr), und auf Juli Zehs Buch bin ich soeben erstmals hingewiesen worden. <br>Ich hätte eher <strong>„Alles, was wir geben mussten“ </strong>von <strong>Kazuo Ishiguro</strong> mit auf die Liste gesetzt, aber den kennt ja heute schon kein Schwein mehr.* Und gegen <strong>&#8222;Animal Farm&#8220; </strong>spricht, dass wir Orwell dann doppelt hätten &#8230;<br><br>Wer lange genug durchhält, kann mein herzloses Urteil überprüfen, wenn der test of time sein Wort gesprochen hat.</p>



<p>______________<br><br>Ö1 Bücherbox<strong><br><br>George Orwell: &#8222;1984&#8220;</strong></p>



<p>Ein Überwachungsstaat, der jegliche Individualität zerstört; ein totalitärer Staat, in dem Frauen keine Rechte haben; die &#8222;beste aller Welten&#8220;, die bei genauerer Betrachtung jedoch in ein Schreckbild kippt; eine Gesellschaft, in der Gesundheit als höchste Bürgerpflicht gilt: Die 13. Staffel der Ö1 Bücherbox widmet sich vier dystopischen Romanen &#8211; verstörende Zukunftsszenarien und Gegenwartskritik zugleich.<br><br>&#8222;Big Brother is watching you.&#8220; Dieser Satz aus dem 1948 veröffentlichten und wahrscheinlich berühmtesten dystopischen Roman fasst pointiert zusammen, in welches Zukunftsszenario der britische Autor George Orwell seine Leser:innen versetzt: Eine lückenlose Überwachung durch Kameras und Monitore, Bespitzelung durch Freunde, Nachbarn und Kinder. In diesem totalitären Überwachungsstaat wird außerdem Geschichtsschreibung verfälscht bzw. den aktuellen politischen Gegebenheiten angepasst. &#8222;Doppeldenk&#8220; wird diese Fähigkeit im Roman bezeichnet, also die Fähigkeit, gleichzeitig zwei einander widersprechende Überzeugungen zu hegen und beide gelten zu lassen. Zum Beispiel, dass Zwei und Zwei addiert nicht nur Vier, sondern auch Fünf ergeben kann. Winston Smith, Mitarbeiter im &#8222;Ministerium für Wahrheit&#8220;, durchschaut dieses brutale System, in dem Individualität keine Rolle spielen darf. Als er sich verliebt, hat das fatale Folgen.</p>



<p><strong>2. Margret Atwood: &#8222;Der Report der Magd&#8220;</strong></p>



<p>Frauen als unterdrückte Gebärmaschinen. Eine nukleare Katastrophe hat bei vielen Menschen zu Sterilität geführt. In einem fiktiven Staat in Nordamerika haben religiöse Fundamentalisten daher einen totalitären Staat errichtet, in dem Frauen keine Rechte besitzen. Sie werden in drei Gruppen eingeteilt: Ehefrauen von Führungskräften, Dienerinnen und Mägde. Letztere werden zur Fortpflanzung rekrutiert und sollen für unfruchtbare Ehefrauen Kinder empfangen. Auch die Magd Desfred wird Opfer dieses entwürdigenden Programms. Doch sie besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können: Hoffnung auf ein besseres Leben. Die kanadische Schriftstellerin Margret Atwood hat &#8222;The Handmaid’s Tale&#8220; 1985 veröffentlicht; ihr provokanter dystopischer Roman gilt nach wie vor als prophetische Warnung, aber auch als kritischer Spiegel vergangener und gegenwärtiger Gesellschaften.</p>



<p><strong>3. Aldous Huxley: &#8222;Schöne neue Welt&#8220;</strong></p>



<p>Glück wird in Form von Tabletten verabreicht, Sex und Konsum dominieren den Alltag, das Fortpflanzungsproblem ist dank Fertilisationsstationen gelöst. Es gibt weder Bedrohungen noch Krankheit oder Elend. Kurz: Es ist die beste aller Welten. Aber nur, solange man nicht genauer hinsieht. Die Welt im Jahr 2540 nach Christus ist zweigeteilt: In die der perfekt konditionierten Alpha-Klasse, die der Betas und in die der Ureinwohner. Nur der Außenseiter Bernard Marx entzieht sich immer mehr dem Diktat der Herrschenden und der genormten Wohlfühlatmosphäre, die weder individuelle Freiheit noch Kunst zulässt. Der englische Schriftsteller Aldous Huxley hat &#8222;Brave New World&#8220;, wie der Roman im Original heißt, 1932 veröffentlicht: eine scharfzüngige, durchaus auch humorvolle Zeitkritik und ein Meisterwerk der dystopischen Literatur.</p>



<p><strong>4. Juli Zeh: &#8222;Corpus Delicti&#8220;</strong></p>



<p>Eine nicht weit entfernte Zukunft, eine Gesellschaft, die nach einer Epidemie freiwillig von einer demokratischen Regierungsform zu einer Gesundheitsdiktatur übergegangen ist. In dem 2009 veröffentlichten, dystopischen Roman der deutschen Autorin Juli Zeh wird Gesundheit zu einer Staatsangelegenheit von höchstem Wert erhoben. Um ein möglichst langes, gesundes Leben zu führen, sind alle Bürger:innen verpflichtet, regelmäßig Berichte über ihre sportlichen Aktivitäten, ihre Ernährung und ihren Schlaf einzureichen. Diejenigen, die sich nicht an diese Vorschriften halten, werden gnadenlos bestraft. Im Mittelpunkt der Handlung steht die junge Naturwissenschaftlerin Mia, die die Unschuld ihres wegen eines Mordes verurteilten Bruders beweisen will und so zu einer Gefahr für das staatliche System wird. &#8222;Corpus Delicti. Ein Prozess&#8220; verschaffte Juli Zeh den Spitznamen &#8222;Orwell im Rock des 21. Jahrhunderts&#8220;.</p>



<p>__________________________<br>* Außer dem ST. GEORGE HERALD natürlich: <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/11/11/26662/">https://blog.montyarnold.com/2024/11/11/26662/</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/11/18/26701/">Literatur zum bevorstehenden Weltuntergang</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Ein Versuch über die Mediensatire (3)</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Apr 2024 13:23:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Fortsetzung vom 29. März 2024 Ende der 90er Jahre kamen innerhalb eines knappen Jahres drei starbesetzte Hollywood-Filme heraus, die sich als Mediensatire einordnen lassen: „EDtv – Immer auf Sendung“ von Ron Howard, „Pleasantville – Zu schön um wahr zu sein“ &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/04/01/the-truman-show/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/04/01/the-truman-show/">Ein Versuch über die Mediensatire (3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p><em>Fortsetzung vom 29. März 2024</em></p>



<p>Ende der 90er Jahre kamen innerhalb eines knappen Jahres drei starbesetzte Hollywood-Filme heraus, die sich als Mediensatire einordnen lassen: <strong>„EDtv – Immer auf Sendung“</strong> von Ron Howard, <strong>„Pleasantville – Zu schön um wahr zu sein“</strong> von Gary Ross (die heute beide zu recht vergessen sind) und <strong>„Die Truman Show“ von Peter Weir</strong>.<br><br>„The Truman Show“ scheitert ehrenhaft und auf hohem Niveau. Sie handelt von einem netten, etwas schlichten Kerl, der nicht ahnt, dass er seit 30 Jahren (sein Leben lang) in einer gewaltigen TV-Kulisse lebt, die er für ein Küstenstädtchen namens Seahaven hält. Schon im Mutterleib wurde er an den TV-Produzenten Christof verkauft, der den Alltag seines Helden seither mit unzähligen Kameras filmt und damit 24/7 prächtige Einschaltquoten erzielt – angereichert mit Interviews, Reportagen, Zusammenschnitten alter Highlights und viel, viel Werbung. Erst als Truman eines Tages aus buchstäblich heiterem Himmel ein Studioscheinwerfer vor die Füße fällt, beginnt er etwas zu ahnen …<br><br>Der Film galt und gilt als moderater Geniestreich. Für „Entertainment Weekly“ war er „der beste Film des Jahres“, für „Esquire“ gar „der beste Film des Jahrzehnts“. Die Fachzeitschrift „Spectrum“ assoziierte ihn mit <strong>George Orwell</strong> und – natürlich &#8211; mit „Network“ und behauptete, „The Truman Show“ habe „deeper waters to explore“ als Lumets Klassiker, „political, theological and onthological“. Das versucht der Film durchaus, doch schon die Besetzung der Hauptrolle macht all die Ambitionen, edlen Absichten und guten Vorsätze zunichte. <strong>Jim Carrey</strong> ist zu keiner Zeit in der Lage, Arglosigkeit oder Unschuld darzustellen. Er zeigt uns letztlich die gleichen fiesen Fratzen, die er schon in seinen grotesken Komödien geschnitten hat, wo er sehr überzeugend den gemeingefährlichen Nervtöter gab. Carreys Mimik und Gestik lässt ihn von der ersten Szene an wie ein Attentäter wirken, der sich darauf freut, das ganze idyllische Kaff in die Luft zu jagen.</p>



<p>Um die verwegene Absurdität des Originaldrehbuchs von Andrew Niccol in einer Balance zu halten, hätte ein netter Junge wie Chris O’Donnell die Rolle spielen müssen; noch besser hätte <strong>Tobey Maguire </strong>gepasst, dessen Talent zur selben Zeit in „Pleasantville“ vergeudet wurde. Beide hätten nebenbei dem ansonsten großartigen Ensemble den nötigen Raum gegeben.</p>



<p>Ein klein wenig erinnert „The Truman Show“ an eine Episode der insgesamt sehr mediensatirischen Serie <strong>„The Twilight Zone“</strong> (1959-64). In „Das Doppelleben“ (<strong>„A World Of Difference“</strong>) findet sich ein Geschäftsmann plötzlich in einer Studiokulisse wieder und erfährt, dass er nur ein fiktiver Charakter ist. Er ist damit ähnlich überfordert wie <strong>Nicolas Cage</strong> in <strong>„Dream Scenario“</strong>.</p>
<img decoding="async" src="http://vg06.met.vgwort.de/na/ffc3965cf828424182ea94a825b0824d" width="1" height="1" alt=""><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/04/01/the-truman-show/">Ein Versuch über die Mediensatire (3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Medienlexikon – Film und Fernsehen (Dra-Ev)</title>
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		<pubDate>Thu, 13 May 2021 18:36:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Fortsetzung vom 11. Mai 2021 DramedyDieser Hybridbegriff aus Drama und Comedy wird hierzulande meistens für Serien angewandt, die sowohl ernste als auch lustige Elemente bieten. In vielen dieser Formate wie „Ally McBeal“ (1997-2002) oder “Lilyhammer“ (2012-14) überwiegt aber die Comedy. &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/05/13/18082/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/05/13/18082/">Medienlexikon – Film und Fernsehen (Dra-Ev)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p><em>Fortsetzung vom 11. Mai 2021</em></p>



<p><strong>Dramedy<br></strong>Dieser Hybridbegriff aus Drama und Comedy wird hierzulande meistens für Serien angewandt, die sowohl ernste als auch lustige Elemente bieten. In vielen dieser Formate wie „Ally McBeal“ (1997-2002) oder “Lilyhammer“ (2012-14) überwiegt aber die Comedy. Im Spielfilm ist eher die Bezeichnung „Dramödie“ gebräuchlich.</p>



<p><strong>Drehbuch</strong><br>siehe dazu <a href="https://blog.montyarnold.com/2022/07/02/21009/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://blog.montyarnold.com/2022/07/02/21009/</a></p>



<p><strong>Dummes Fernsehen</strong> (&#8222;procedurials&#8220;)<br>siehe dazu <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/12/11/26878/">https://blog.montyarnold.com/2024/12/11/26878/</a><br><br><strong>Dystopie<br></strong>Die griechische Vorsilbe „dy“ (für übel, schlecht, falsch) verkehrt den Begriff Utopie – Inbegriff einer erstrebten aber erfundenen Welt – ins Gegenteil. In der Literatur wurde diese Kunstform von Aldous Huxley („Brave New World“, 1932) und George Orwell („1984“, 1949) definiert, im Kino etablierte sie sich mit daran angelehnten Werken („Brazil, 1985). Das Abrutschen des Ausdrucks in die bürgerliche „Salonfähigkeit“ geschah mit den Verfilmungen der „Tribute von Panem“ (2012-15). Seither taucht der Ausdruck vermehrt in kommerziellen „Filmtipps“ auf.</p>



<p><strong>Eventfilm<br></strong>Ein Fernsehfilm oder Mehrteiler, der im jährlichen Angebot eines Senders als Event (Ereignis) besonders gut budgetiert ist und entsprechend beworben wird („Tannbach – Schicksal eines Dorfes“, 2015 + 18, oder „Terror – Ihr Urteil“, 2016). Zu seinen außerordentlichen Schauwerten zählen neben teuren Stars hübsche Schauplätze und aufwändige Bauten (insbesondere bei historischen Themen wie „Todesspiel“, 1997). Gerne werden -&gt;<em>Remakes</em> alter „Straßenfeger“ wie „Der Seewolf“ (2008) oder „Winnetou“ (2016) hergestellt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="640" height="42" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2020/08/Forts.-folgt1-1024x67-1.jpg?resize=640%2C42&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-16433" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2020/08/Forts.-folgt1-1024x67-1.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2020/08/Forts.-folgt1-1024x67-1.jpg?resize=300%2C20&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2020/08/Forts.-folgt1-1024x67-1.jpg?resize=768%2C50&amp;ssl=1 768w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure>


<p><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg01.met.vgwort.de/na/a6e0bd82c6cd49138ab35316e8e2a9b1" alt="" width="1" height="1" /></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/05/13/18082/">Medienlexikon – Film und Fernsehen (Dra-Ev)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>George Orwell hört auf</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2021 13:21:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 71. Todestag von George Orwell Das einzige Foto, das fast immer erscheint, wenn der hellseherische Erzähler George Orwell abzubilden ist, zeigt ihn (in seiner vollständigen Version) hinter einem Mikrofon der BBC. Es gibt offensichtlich wenige Bilder des Autors. Das &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/01/21/george-orwell-hoert-auf/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>betr.: 71. Todestag von George Orwell<br><br>Das einzige Foto, das fast immer erscheint, wenn der hellseherische Erzähler George Orwell abzubilden ist, zeigt ihn (in seiner vollständigen Version) hinter einem Mikrofon der <strong>BBC</strong>. Es gibt offensichtlich wenige Bilder des Autors. Das mag damit zusammenhängen, dass er seine beiden berühmtesten, heute sprichwörtlichen Werke und den darauffolgenden Literaturnobelpreis nur knapp überlebte.<br><br>Dieser Text von 1943 darf uns also interessieren, obwohl es kein literarischer ist: <strong>Eric Blair</strong> &#8211; so Orwells Klarname &#8211; kündigt bei der BBC.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="640" height="650" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2021/01/Orwell-out.jpg?resize=640%2C650&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-17359" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2021/01/Orwell-out.jpg?w=737&amp;ssl=1 737w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2021/01/Orwell-out.jpg?resize=295%2C300&amp;ssl=1 295w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption>Wenn die Wikipedia nicht irrt, schreibt Orwell den Namen des Adressaten falsch: <strong>Laurence Frederic Rushbrook Williams</strong> war im Hauptberuf Historiker.</figcaption></figure>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/01/21/george-orwell-hoert-auf/">George Orwell hört auf</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Verdiente Schwarzseher</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Nov 2019 22:12:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 55. Todestag von Aldous Huxley Am Beispiel der beiden berühmtesten dystopischen Romane des 20. Jahrhunderts – „1984“ von George Orwell und „Brave New World“ von Aldous Huxley &#8211; wird deutlich, wie wichtig Katastrophen für die Formung der Künstlerseele und &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/11/22/aldous-huxley/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p>betr.: 55. Todestag von <strong>Aldous Huxley</strong><br> <br>Am Beispiel der beiden berühmtesten dystopischen Romane des 20. Jahrhunderts – <strong>„1984“ </strong>von <strong>George Orwell</strong> und<strong> „Brave New World“</strong> von Aldous Huxley &#8211; wird deutlich, wie wichtig Katastrophen für die Formung der Künstlerseele und ihres Werkes sind. Hier sind es weniger die persönlichen als die zeitgeschichtlichen Heimsuchungen. „Brave New World“ erschien ein Jahr vor der Machtergreifung Hitlers, „1984“&nbsp; in den Trümmern des zuendegegangenen Zweiten Weltkriegs. Folglich fehlt Huxleys Buch die Erfahrung von Auschwitz und Hiroshima sowie 17 Jahre Beobachtung der realexistierenden kommunistischen Diktatur.&nbsp; <br> Selbstverständlich ist auch Huxley bemüht, die Verderbtheit eines (jeden) totalitären Systems herauszuarbeiten. Doch bei ihm <span id="more-14840"></span>geschieht das auf komödiantische und zuweilen etwas alberne Weise. Zugegeben: dieser unernst trifft die heutige Atmosphäre genau. Was Orwell (dem besseren Erzähler) zugute kommt, ist, dass sein großes Thema uns eigentlich bewusst ist: der völlige Verlust der Privatsphäre, der von einer unsichtbaren Elite befördert und ausgenutzt wird. Wir sind uns über das Eintreffen seiner Befürchtungen im Klaren, möchten jedoch in unserem Medienverhalten keine Einschränkungen hinnehmen. Huxleys Thema – die genetische Manipulation und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen – wird uns mit voller Wucht erst in der nahen Zukunft treffen.</p>



<p>Beide Bücher muss man vor der flapsigen Attitüde unserer Tage ein wenig in Schutz nehmen. In der letzten Ausgabe seiner Sendung „Druckfrisch“ erhob Denis Scheck „The Handmaid’s Tale“ in den gleichen Rang wie „1984“ und „Brave New World“. Das war wohl seiner Galanterie geschuldet &#8211; er saß der Autorin Margaret Atwood gerade persönlich gegenüber. Auch der augenblickliche Hype, den eine aktuelle TV-Verfilmung Atwoods Buch einträgt, dürfte eine Rolle gespielt haben. </p>


<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/4024f64439e2454f8a9bec4deb4402b1" width="1" height="1" alt=""></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/11/22/aldous-huxley/">Verdiente Schwarzseher</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Wer war Bram Stoker?</title>
		<link>https://blog.montyarnold.com/2019/04/20/wer-war-bram-stoker-2/</link>
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		<pubDate>Sat, 20 Apr 2019 08:51:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 107. Todestag von Bram Stoker In der Popmusik pflegt man in einem solchen Fall von einem „One Hit Wonder“ zu sprechen. Doch während es dort zumeist recht junge Künstler sind, die sich nach einem Erfolg bereits kreativ verausgabt haben, &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/04/20/wer-war-bram-stoker-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2019/04/20/wer-war-bram-stoker-2/">Wer war Bram Stoker?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 107. Todestag von Bram Stoker</p>
<p>In der Popmusik pflegt man in einem solchen Fall von einem „One Hit Wonder“ zu sprechen. Doch während es dort zumeist recht junge Künstler sind, die sich nach einem Erfolg bereits kreativ verausgabt haben, sind es in der Literatur häufig Spätwerke, die nachhaltig einschlagen. Auch Bram Stoker erlebte den Siegeszug seines<strong> „Dracula“</strong> nicht mehr.</p>
<p>Abraham Stoker jr. kam am 8. November 1847 in Clontarf bei Dublin als drittes Kind einer Protestantenfamilie zur Welt.  Bis zu seinem siebten Lebensjahr litt er an einer bis heute rätselhaften Gehbehinderung. Dieses kindliche Handicap machte er jedoch wieder wett: als er am namhaften Trinity College Geschichte, Literatur, Mathematik und Physik studierte, war er der führende Sportler seines Jahrgangs und der Fußballmannschaft. Parallel tat er sich als Vorsitzender einer historischen und philosophischen Gesellschaft hervor.<br />
Einige seiner Urlaubsreisen unternahm Stoker an die Küste North Yorkshires. Die kleine Hafenstadt Whitby bot nicht nur allerlei Atmosphärisches – einen verwitterten Friedhof und eine gotische Abteiruine – sie hatte auch zahlreiche Schiffbrüche erlebt. Das gestrandete Wrack des russischen Schoners „Dimitri“ inspirierte Stoker später zu dem Schiff, mit dem Dracula nach England reist, nachdem er dessen Mannschaft getötet hat. (Solche Anregungen waren kostbar, denn Transsylvanien hat der Autor nie betreten.)</p>
<p><em><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12938" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/03/Whitby-Dimitri.jpg?resize=640%2C677&#038;ssl=1" alt="Whitby+Dimitri" width="640" height="677" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/03/Whitby-Dimitri.jpg?w=968&amp;ssl=1 968w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/03/Whitby-Dimitri.jpg?resize=284%2C300&amp;ssl=1 284w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" />Ein idealer Drehort für gotischen Grusel: das Städtchen Whitby und die gestrandete &#8222;Dimitri&#8220;<span id="more-13159"></span></em></p>
<p>Bram Stoker schlug zwar die familiär vorgezeichnete Beamtenlaufbahn ein, doch das Theater fesselte ihn mehr. Seine Tätigkeit als Theaterkritiker brachte ihn mit dem berühmten Shakespeare-Darsteller Henry Irving zusammen. Der lockte ihn mit einer Verfünffachung seines Beamtenhonorars aus seinen geordneten Verhältnissen heraus. Irving machte ihn zu seinem persönlichen Sekretär und zum Manager seines 1500-Plätze-Hauses, des „Lyceum Theater“. Stoker und seine Frau, die schöne Florence Balcombe, gingen nach London, wo im Jahre 1897 ihr Sohn Irving Noel zur Welt kam. Da Stoker auch für die Organisation von Gastspielreisen der Irving-Truppe zuständig war, bereisten sie achtmal die USA und machten die Bekanntschaft von Mark Twain sowie dem von Stoker hochverehrten Walt Whitman.</p>
<p>Bram Stoker fühlte sich in diesen gesellschaftlichen Kreisen so wohl, dass er kaum zum Schreiben kam. Dass seine insgesamt zwölf Romane, seine Erzählungen und ein Erinnerungsbuch über Henry Irving nachts oder in den Ferien entstanden, wird allgemein dafür verantwortlich gemacht, dass er es stilistisch nie zu wirklicher Größe brachte. Die Brief- und Tagebuch-Erzählung „Dracula“ irritierte die interessierte Nachwelt durch ihre trivialen stilistischen Aspekte und die Ähnlichkeit, die der Sound der handelnden Personen aufweist. Lediglich die beiden Gegenspieler – den belesenen Vampirgrafen und seinen ebenfalls hochgebildeten Widersacher Dr. Van Helsing – versuchte der Autor voneinander abzusetzen. Aber das (gelegentliche) Radebrechen des holländischen Arztes ist so gesucht und inkonsequent, dass es in den diversen deutschen Übersetzungen stets geglättet wurde. Zu dem, was das Buch zu einem solchen Erfolg gemacht hat, gehören die hohe konzeptionelle Qualität dieser allegorischen Geschichte und der glückliche Umstand, dass Stoker ihr in letzter Minute einen neuen Titel verpasste. Statt „The Undead“ nannte er sie schließlich „Dracula“ – was nicht nur doppeldeutig, mystisch und gruselig klingt, sondern auch auf ein verblüffend stimmiges historisches Vorbild verweist: der blutrünstige Woiwode Vlad Tepes („Vlad der Pfähler“, dessen Schicksal der Autor gekonnt mit alten Vampirmythen verknüpft) pflegte seinen Schriftverkehr mit „Draculea“ zu unterzeichnen, „Sohn des Teufels“. (Ursprünglich hatte der Autor seine Geschichte in der Steiermark ansiedeln wollen.)</p>
<p><em><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12937" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/03/Stoker-Aufzeichnungen.jpg?resize=640%2C615&#038;ssl=1" alt="Stoker-Aufzeichnungen" width="640" height="615" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/03/Stoker-Aufzeichnungen.jpg?w=748&amp;ssl=1 748w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2019/03/Stoker-Aufzeichnungen.jpg?resize=300%2C288&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" />Ein früher &#8222;Dracula&#8220;-Entwurf in der Handschrift des Autors</em></p>
<p>„Dracula“ erschien 1897, ohne allzuviel Aufsehen zu erregen. Stoker wollte den Stoff für die Theaterbühne adaptierten und wünschte sich Henry Irving als Hauptdarsteller. Das hätte nicht nur dessen pompösem Rollenprofil entsprochen sondern auch der tyrannischen Ader, die ihm nachgesagt wurde. Doch der ehrwürdige Mime mochte sich dafür nicht hergeben. Als die ersten Lesungen im Lyceum stattfanden, ließ er die Beteiligten wissen, wie „dreadful“ er das Stück seines Protegés fand.<br />
Stoker starb vor der Aufführung des Stücks mit Bela Lugosi in der Rolle des Dracula. Ihm entging auch die Stummfilmversion mit  Max Schreck, der wegen ungeklärter Rechte noch „Nosferatu“ heißen musste. Bela Lugosi spielte Dracula später im Tonfilm, doch anders als es seinem Kollegen Boris Karloff mit dem Monster von Frankenstein gelang, sollte er ihr Erscheinungsbild nicht definitiv prägen. In den 60er Jahren gab der stattliche britische Schauspieler Christopher Lee dem Grafen eine neue, weltläufigere Gestalt, die uns heute vertrauter ist. (Die beliebteste Comic-Umsetzung, Marvels „Die Gruft von Graf Dracula“,  orientierte sich wiederum an Jack Palance &#8230;)</p>
<p>Bram Stoker teilte des Schicksal so vieler Schöpfer großer Literatur. Seine letzten Jahre verbrachte er in schwierigen Verhältnissen, nachdem sein Förderer Henry Irving 1905 verschieden war. Stoker folgte ihm 1912. Er starb „an Erschöpfung“.<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/1436fcb11f624a0cb58b63479206a345" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Fast ein Retortenmensch!</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Sep 2018 07:38:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 13. Todestag von Robert Wise / geplantes Comeback von &#8222;Doc Savage&#8220; Doc verabscheute Leute, die ihre Fragen nur stellten, weil sie fürchteten, ihnen gehe der Gesprächsstoff aus. Hollywoods Grabung nach klassischen Superheldenstoffen zu Zwecken der Verblockbusterung dringt in eine &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/09/14/fast-ein-retortenmensch/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 13. Todestag von <strong>Robert Wise</strong> / geplantes Comeback von<strong> &#8222;Doc Savage&#8220;</strong></p>
<p><em>Doc verabscheute Leute, die ihre Fragen nur stellten, weil sie fürchteten, ihnen gehe der Gesprächsstoff aus.</em></p>
<p>Hollywoods Grabung nach klassischen Superheldenstoffen zu Zwecken der Verblockbusterung dringt in eine tiefere Schichtstufe vor: <strong>Dwayne Johnson</strong> soll bald als<strong> „Doc Savage“</strong> zu sehen sein! Das ist der erste Versuch, diese Figur auf die Leinwand zu bringen, seit der Allround-Regisseur Robert Wise 1975 damit scheiterte (siehe Abbildung am Ende des Artikels). Die Vorlage ist diesen neuen Versuch sicherlich wert.<br />
„Doc Savage“ erlebte sein erstes und initiatives Abenteuer auf dem Höhepunkt der Großen Depression im März 1933: <strong>„The Man Of Bronze“</strong> erschien als Pulp* bei <strong>„Street &amp; Smith“</strong>. Der Bronzemann residierte zwar im 86. Stockwerk eines Wolkenkratzers in Manhattan (bei dem die zeitgenössischen Leser an das Empire State Building denken mussten), bekämpfte aber Ganoven, irre Wissenschaftler, monströse Tierwesen und überirdische Phänomene in aller Welt (und darunter). 165 der insgesamt 181 abgeschlossenen Romane, die alle unter dem Verlagspseudonym <strong>„Kenneth Robeson“</strong> erschienen, schrieb <strong>Lester Dent</strong> (1904- 1959), der noch unter diversen anderen Pseudonymen arbeitete.</p>
<p>Cark Savage jr. hat keine Superkräfte, steht aber auf halbem Weg zum Kunstmenschen: schon als Kind wurde er in die Hände von Wissenschaftlern gegeben, die seine körperliche wie auch seine geistige Entwicklung beeinflussten.<br />
Nun ist er eine bemerkenswerte Erscheinung, geradezu ein Riese. Unter der bronzefarbenen Haut seines Halses und seiner Hände zeigen sich straffgespannte Sehnen, spielen schwellende Muskeln, die auf außergewöhnliche Kräfte schließen lassen. Sein Haar, das wie ein schimmernder Helm glatt anliegt, ist nur wenig dunkler als sein Teint. Mit seinen scharfgeschnittenen Gesichtszügen und der riesigen, aber vollendet proportionierten Gestalt (auf den Cover-Illustrationen von <strong>James Bama</strong> wirkt er zuweilen etwas bullig) bietet er Freund und Feind einen imposanten Anblick. Seine Augen erinnern an unergründliche, klare Seen, auf denen Blattgold schwimmt, von einem leichten Wind in ständiger Bewegung gehalten. Im Alltag soll er eine Vorliebe für braune Anzüge haben, aber dort treffen wir ihn selten an.<br />
Doc ist ein universalgebildeter Wissenschaftler, in allen erdenklichen Sportarten geübt und von großer Fingerfertigkeit, so dass er in der Not die jeweils verfügbaren Materialien zu nützlichen Hilfsmitteln oder Waffen umbasteln kann – wie später<strong> „MacGyver“</strong>.</p>
<p><em><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-11288" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?resize=640%2C463&#038;ssl=1" alt="#22_Die Monsterbande A+B" width="640" height="463" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?w=2213&amp;ssl=1 2213w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?resize=300%2C217&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?resize=1024%2C740&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/22_Die-Monsterbande-A-B.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" />30 Jahre liegen zwischen diesen Covers von Erstausgabe und Neuauflage des Romans &#8222;The Monsters“. Die Szene ist im Text weniger dramatisch als es die Illustrationen von <strong>Walter Martin Baumhofer</strong> und James Bama befürchten lassen:</em> <em>Doc Savage zieht mit den Knien einen Verstorbenen aus dem Sumpf (Street &amp; Smith Publications / Erich Pabel Verlag, Rastatt).<span id="more-11286"></span></em><br />
Doc hat von seinem Vater Clark Savage sr. – gemeinsam mit dem Auftrag, dem Guten zum Sieg zu verhelfen &#8211; einen Maya-Goldschatz in den Bergen Mittelamerikas geerbt, der ihm praktisch unbegrenzte finanzielle Reserven bietet (und der in #28 in Gefahr gerät)***.</p>
<p>Die Serie nimmt nicht nur den Comichelden „Superman“ (um 5 Jahre), sondern auch James Bond vorweg (um 19 Jahre). Doc Savage liegt konzeptionell ziemlich genau zwischen dem raumgeborenen Alleskönner vom Planeten Krypton und dem robusten Geheimagenten Staatsdiener 007 – abzüglich jeglicher sexueller Interessen (- der Verlag verbat seinen Autoren „erwachsene Sachen“). In Ausgabe 24 ist Doc mit einem Spezialauto unterwegs: „Nur eine sorgfältige Untersuchung hätte gezeigt, dass der Wagen gepanzert war und Reifen aus Vollgummi hatte. Eingebaute Düsen versprühten auf Knopfdruck Nebel oder Gas.“</p>
<p>Lester Dent ist weiß Gott kein großer Erzähler, aber unübertroffen in der Entwicklung und Namensgebung (!) immer neuer eleganter, genialer oder widerwärtiger Schurken.** Die Superhelden-Comics, die der Serie 1949 endgültig den Rang ablaufen sollten, haben ihm viel zu verdanken. Bereits „Superman“ übernahm von Doc Savage den Namen (Doc wurde in der Verlagswerbung als „Superman“ bezeichnet) und das arktische Geheimlabor mitsamt der Bezeichnung „Festung der Einsamkeit“ (#16). Bei „Batman“ lebt die Idee des idealistischen Millionärs wieder auf, der fehlende Superkräfte durch Erfindungsreichtum, Training und wilde Entschlossenheit ausgleicht.</p>
<p>Während Superhelden heute als einsame Wölfe angelegt werden (solange sie sich keinem prominenten Team zugesellen), hat „Kenneth Robeson“ Doc Savage fünf Assistenten zur Seite gestellt, die als skurrile Pathosbrecher für den allzu strahlenden, ein wenig spießigen Übermenschen dienen. (Es sollte fast 30 Jahre dauern, bis das schöne Prinzip, sich als ernsthafter Weltretter nicht zu ernst zu nehmen, einen Nachahmer fand: Stan Lee.) Das Team hat gelegentlich den großen Auftritt des Meisters vorzubereiten. Doc Savage ist eine Berühmtheit, aber es kursieren – anders als heute üblich und unvermeidbar – kaum Bilder von ihm. Er schwimmt in einem Meer aus Gerüchten und Legenden, ist eine Mischung aus Iron Man, Leo Kirch und dem Ungeheuer von Loch Ness. Meistens geht seinem Auftauchen ein raunendes Geflüster voraus: „Mucho hombre! Mucho hombre! Doc Savage!“ heulte die Menge in #47. Seine Helfer bilden dann die Vorhut und orchestrieren diese Erwartung.</p>
<p>Docs Gefährten sind – wie auch die wechselnden Nebenfiguren – so effektvoll und verschroben, dass es etwas zuviel des Guten ist, sie in jeder Folge fast alle auftreten zu lassen. Hin und wieder ist noch Docs Cousine Pat mit von der Partie.<br />
Wenn diese verschworene Gemeinschaft auch keinen Namen hat, so ist sie doch in allen Ländern der Erde bei Schurken jeder Gattung und Schattierung gefürchtet. Ihre Bemühungen, der gerechten Sache zum Sieg zu verhelfen, ist für sie mehr Berufung als Beruf, denn auf finanzielle Einkünfte sind sie nicht angewiesen. Jeder von ihnen ist eine Kapazität auf seinem wissenschaftlichen Spezialgebiet und entsprechend unabhängig.</p>
<p>Oberstleutnant <span style="text-decoration: underline;">Andrew Blodgett Mayfair</span> wird von seinen Gefährten nur „Monk“ (Mönch) genannt. Wer ihn zum ersten Mal sieht, würde den einssechzig großen, „unglaublich hässlichen“ Kerl für einen zweihundertfünfzig Pfund schweren Gorilla halten, denn die Arme hängen ihm bis über die Kniekehlen herab. Seine ledrige Haut ist mit rostbraunem, krausem Borstenhaar bedeckt. Er besitzt eine niedrige, fliehende Stirn, einen breiten Mund (immerhin mit einem „prachtvollen Gebiss“), winzige Augen, kleine abstehende Ohren und eine Nase, die offensichtlich mehrfach gebrochen war. Man sieht ihm wahrlich nicht an, dass er einer der größten Industriechemiker der Vereinigten Staaten ist. Monk kämpft gern laut, und „wenn seine Stimme sonst auch hoch klingen mochte, beim Kämpfen hörte es sich an, als käme sie aus dem vorderen Schornstein der ‚Queen Mary‘“ (#35). Oftmals hat Monk sein hochbeiniges Maskottschwein Habeas Corpus bei sich, ein Tier mit großen Flügelohren und einer langen, spitzen Schnauze, das in einigen der Taschenbuch-Übersetzungen „Piggy“ heißt und auch als Spürhund eingesetzt wird.</p>
<p>Brigadegeneral <span style="text-decoration: underline;">Theodore Marley Brooks</span> &#8211; einfacher „Ham“ genannt – ist der Rechtsanwalt der Truppe, ein Summa-cum-laude-Absolvent der Harvard-Universität. Er ist von Modejournalen schon fünfmal hintereinander zu einem der bestangezogenen Männer New Yorks gewählt worden und mit seiner Dressman-Figur überhaupt der Traum jedes Schneiders. Sein scharfgeschnittenes Gesicht hat den beweglichen Mund eines berufsmäßigen Redners.<br />
Wie später der TV-Serienheld John Steed, trägt auch Ham einen Stockdegen, dessen Anwendung er auf dem Fechtboden Harvards geübt hat.<br />
Auch Ham hat ein Haustier, das ihn hin und wieder zu seinen Einsätzen begleitet: den Affen Chemistry. Der Autor legt sich auf die Rasse nicht fest: es könnte sich um eine Kreuzung zwischen einem Schimpansen und einem Zwerggorilla handeln.</p>
<p>Ham Brooks ist seinem ungleichen Kollegen Monk Mayfair, mit dem er unentwegt Abfälligkeiten austauscht, in herzlicher Feindschaft verbunden. Er nennt ihn gern „du fehlendes Bindeglied menschlicher Entwicklungsgeschichte“ und wird dafür als „elender Winkeladvokat“ beschimpft. Wenn es hart auf hart kommt, retten beide einander freilich regelmäßig das Leben. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man ihre gemeinsamen Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg berücksichtigt, der damals noch &#8222;der große Krieg&#8220; genannt wurde.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-11356" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Ham-Monk.jpg?resize=640%2C710&#038;ssl=1" alt="Ham+Monk" width="640" height="710" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Ham-Monk.jpg?w=1654&amp;ssl=1 1654w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Ham-Monk.jpg?resize=270%2C300&amp;ssl=1 270w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Ham-Monk.jpg?resize=922%2C1024&amp;ssl=1 922w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Ham-Monk.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><br />
<em>Die Einzelheiten der Hassliebe zwischen Ham und Monk sind im internen Glossar verbindlich festgelegt. (Condé Nast Publications Limited)<br />
</em></p>
<p>Der weltbekannte Ingenieur Colonel <span style="text-decoration: underline;">John Renwick</span> alias „Renny“ hat Fäuste wie Boxhandschuhe und eine Stimme, die jedem, der sie zum ersten Mal hört, wie Donnergrollen in einer Höhle vorkommen muss. Er ist fast ebenso groß wie Doc Savage und erheblich schwerer. Und genau wie der kann er mit Frauen nicht viel anfangen. Der schmale Mund ist ständig griesgrämig verzogen, denn in Rennys puritanischem Gesicht spiegeln sich alle Gefühle umgekehrt wieder &#8211; was spätere Comicleser an Happy Hogan denken lässt, den treuen Chauffeur von Iron Man. Sein Standardausruf lautet: „Heiliges Kanonenrohr!“</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">William Harper Littlejohn</span>, genannt „Johnny“ ist noch größer als Renny, aber sehr dünn – immer wieder wird beschrieben, wie faltig ihm das hochwertige Jackett von den Schultern hängt. An einer schwarzen Schnur baumelt eine Art Monokel: ein Vergrößerungsglas, das ihm bei seiner Arbeit als weltweit anerkannter Geo- und Archäologe gute Dienste leistet. Irgendwann lässt er es sich aus Gründen der Handlichkeit in eine unförmige Fensterglasbrille einarbeiten. Das dicke Glas trägt er dann über dem linken Auge, das im Ersten Weltkrieg erblindet ist.</p>
<p>Major <span style="text-decoration: underline;">Thomas J. Roberts</span> ist entgegen seinem Spitznamen „Long Tom“ nur mittelgroß, außerdem schmächtig und auch bei bester Gesundheit besorgniserregend fahl und käsig. Wer sich mit ihm auf eine Prügelei einlässt, staunt jedoch über seine Kraft und Wendigkeit. Long Tom ist das Elektronik-Genie der Mannschaft.</p>
<p>Diese fünf Herren können sich mit Doc und untereinander in der Sprache der mittelamerikanischen Republik Hildalgo unterhalten, aus der Docs Reichtümer stammen. Sie dient ihnen als abhörsichere Geheimsprache.</p>
<p>Docs Cousine<span style="text-decoration: underline;"> Patricia</span> hat die selben goldflackernden Augen wie er und auch die sonnengebräunte Haut des Bronzemannes, ist groß und gut gewachsen. Pat hat einen ähnlichen Hang zu Abenteuern wie er und versucht seit Jahren, in seine Crew aufgenommen zu werden – vergeblich, denn das ist ja schließlich „nichts für Frauen“. Darüber setzt sich Pat aber grundsätzlich hinweg. Wenn sie nicht auf Abenteuer auszieht, betreibt sie an der Park Avenue einen exklusiven Schönheitssalon mit chirurgischer Abteilung, den Doc ihr eingerichtet hat: die „Patricia Incorporated“. Hin und wieder wird sie aber auch zur Unterstützung herangezogen.</p>
<p>Zwischen den Abenteuern bewirtschaftet Doc Savage außerdem eine streng geheime Einrichtung, die heutigen Lesern – nach den historischen Abgründen der 30er Jahre, ihrer Folgen und ihrer literarischen Aufarbeitung durch George Orwell – nicht mehr vermittelbar wäre und die sicher auch in der aktuellen Filmversion fehlen wird: das Institut.<br />
Es liegt im Norden des Staates New York und ist nur Doc, seinen Helfern und den dort tätigen Wissenschaftlern und Vollzugsbeamten bekannt. Die „Studenten, Patienten und Schüler, die in das Institut kamen, wussten nicht, wo sie sich befanden, und erfuhren es auch nach ihrer Entlassung nicht.“ Es sind gefasste Verbrecher, die dort zu „ehrbaren Bürgern“ umprogrammiert werden.<br />
Die Autoren der Serie waren sich über die Selbstjustiz-Aspekte dieser Organisation bereits im Klaren. („Doc fürchtete einen handfesten Skandal.“) In #24 geht der eigentliche Konflikt von ihren Mauern aus. Ein Mitarbeiter gerät außer Kontrolle und wird zum „Zernierer“, der üble Elemente per Fernbedienung zur Strecke bringt. Er „arbeitet mit einer Maschine, die eine Art Ultrakurzwellen ausstrahlt (…) Die Wellen reagieren auf Gehirnströmungen …‘“ Der Forscher hat entdeckt, „dass verbrecherische Gedanken andere magnetische Ströme aussenden (…) als ehrliche Absichten. (…) Die Maschine wirkt auf das Gehirn und zerstört es; dass dabei die dem Opfer die Augen aus dem Kopf quellen, ist ein gewiss unbeabsichtigter Nebeneffekt.“<br />
Das Finale dieser Episode lässt den Leser die moralische Dimension weiter ausloten, wenn Monk fragt: „wenn Sidney Lorrey die Maschine bedient hat, hatte er doch selbst verbrecherische Gedanken – immerhin ging es um Mord. Wieso hat die Maschine ihn nicht auch getötet?“ Sogar Doc muss passen.</p>
<p>Die letzten Abenteuer der Serie wandten sich vom Phantastischen ab und mehr der klassischen Detektivgeschichte zu, doch ihr Niedergang war nicht mehr aufzuhalten. Zu sehr hatte sich die Medienlandschaft gewandelt – zu Beginn hatte es ja noch nicht einmal Superhelden-Comics gegeben.<br />
Nach ihrem Ende erstanden Doc Savage und seine Gefährten 1966 in einem einmaligen Comic-Abenteuer wieder auf und erlebten den Start einer kompletten Neuauflage sämtlicher Romane.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-11291" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?resize=640%2C450&#038;ssl=1" alt="Giant Size SM3_DS Movie Issue" width="640" height="450" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?w=1980&amp;ssl=1 1980w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?resize=300%2C211&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?resize=1024%2C720&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2018/09/Giant-Size-SM3_DS-Movie-Issue.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></p>
<p>1975 folgte ein Spielfilm mit dem Tarzan-Darsteller Ron Ely, der sein erklärtes Ziel verfehlte, der Beginn einer Filmserie zu sein. Im selben Jahr unternahm Spider-Man im Marvel-Comic „Verbindung zum Gestern“ eine Zeitreise ins Jahr 1934 und tat sich mit Doc Savage &amp; Co. zusammen (&#8222;The Yesterday Connection!&#8220; in „Giant-Size Spider-Man #3“, deutsch in „Marvel Comic Stars“ Nr. 8, Condor Verlag 1982. Die Geschichte ist hier nachzulesen: <a href="http://www.supermegamonkey.net/chronocomic/entries/giant-size_spider-man_3.shtml">http://www.supermegamonkey.net/chronocomic/entries/giant-size_spider-man_3.shtml</a>).<br />
Demnächst wird also Dwayne Johnson den Bronzemann im Kino wiederbeleben.</p>
<p><strong>__________<br />
* </strong>Siehe dazu <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/09/29/ueberflieger-von-ganz-unten-was-ist-pulp/">https://blog.montyarnold.com/2014/09/29/ueberflieger-von-ganz-unten-was-ist-pulp/</a><strong><br />
** </strong>Siehe dazu <a href="https://blog.montyarnold.com/2014/10/01/hollywood-noch-zu-retten/">https://blog.montyarnold.com/2014/10/01/hollywood-noch-zu-retten/</a><strong><br />
*** </strong>Am 12. Oktober, dem<strong> </strong>114. Geburtstag von Lester Dent, folgt an dieser Stelle die Liste der deutsch erschienen „Doc Savage“-Abenteuer mit Inhaltsangabe.<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/01aa788028b14866a245a77c890b71e5" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/09/14/fast-ein-retortenmensch/">Fast ein Retortenmensch!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Keine Angst</title>
		<link>https://blog.montyarnold.com/2017/08/06/burton-in-kuerze/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Aug 2017 21:16:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr: 33. Todestag von Richard Burton Nach seinem Auftritt im ersten Breitwandfilm war der junge Richard Burton für die Presse zunächst dieser „struppige Waliser“. Als er 12 Jahre später in „Blick zurück im Zorn“ auftrat &#8211; in einer Rolle, für &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2017/08/06/burton-in-kuerze/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>betr: 33. Todestag von <strong>Richard Burton</strong></p>
<p>Nach seinem Auftritt im ersten Breitwandfilm war der junge Richard Burton für die Presse zunächst dieser „struppige Waliser“. Als er 12 Jahre später in <strong>„Blick zurück im Zorn“</strong> auftrat &#8211; in einer Rolle, für die er schon etwas zu alt war -, beschrieb man ihn als „Mannskerl, rüpelhaft und galant zugleich“. Er erschien den Kritikern in <strong>„Der Spion, der aus der Kälte kam“</strong> als „stiller, überlaufender Tümpel, der beunruhigend tief ist“ und zu <strong>„Wer hat Angst vor Virginia Woolf“</strong> bemerkten sie: „Er spielt, was er auch im Leben ist: ein Polterer und Alkoholiker, der mit seinem lautstarken Gebaren etwas überspielen muss, das nur Angst sein kann“. Seine letzte Frau Sally meinte später zu dieser Unterstellung: „Angst? &#8211; Vergessen Sie nicht, dass er ein sehr guter Schauspieler war!“<br />
Im Zusammenhang mit <strong>„Cleopatra“</strong> brüstete sich Richard Burton, „das alles nur fürs Geld“ zu tun – und betonte damit nebenbei deutlich, dass er zu den wenigen gehörte, die an diesem Kolossalflop verdient hatten.</p>
<p><em><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8517" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Richard-Burton.jpg?resize=640%2C496&#038;ssl=1" alt="Richard Burton" width="640" height="496" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Richard-Burton.jpg?w=738&amp;ssl=1 738w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Richard-Burton.jpg?resize=300%2C233&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" />Ein großer Schauspieler wendet sich zum Gehen.</em><span id="more-8510"></span></p>
<p>Als sein letzter Film in die Kinos kam, war Richard Burton bereits überraschend gegangen: „1984“. Die dystopische Vorlage von George Orwell, die im Jahr ihres kalendarischen Eintreffens als Buch und (neuerliche) Verfilmung wiederentdeckt wurde, hatte er angeblich schon Ende der 40er Jahre gelesen und ihre Bedeutung erkannt. Das könnte ein Reklamespruch gewesen sein, aber nachdem wir inzwischen die Burton-Tagebücher lesen durften, sind wir geneigt, ihm zu glauben.<br />
Richard Burton wollte in diesem Jahr, das sich als sein letztes herausgestellt hat, nur einen Film drehen, aber etwas stimmte ihn um: “Eigentlich sollte ein anderer den O’Brien spielen, aber der wurde krank. Sie waren verzweifelt, und auf meine Frage sagten sie mir, dass John Hurt den Winston Smith spielen würde. Ich sagte: Prima, ich mach’s! – weil ich ihn sehr bewundere. Er ist meiner Meinung nach einer der besten Schauspieler der Welt!“<br />
Hurt war in jedem Falle der größte Schmerzensjesus der Leinwand und ideal für die Rolle des armen Würstchens, dass von Burtons O’Brien gefoltert wird.<br />
Als Richard Burton von seiner Presseabteilung noch um ein paar persönliche Statements zum politischen Sujet der Geschichte gebeten wurde, fielen ihm wahrhaft immergrüne Sätze ein: „Ich traue keinem, fast keinem Politiker. Höchstens einer oder zwei davon sind in Ordnung und sagen die Wahrheit – manchmal.“<br />
Es war die Zeit der Thatcher-Regentschaft, aber was bedeutet das schon?<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg06.met.vgwort.de/na/9cd02779179f4ae28fcd4496e9421535" alt="" width="1" height="1" /></p>
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