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	<title>Graham Greene Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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	<description>The St. George Herald / Copyright by Monty Arnold</description>
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	<title>Graham Greene Archive - Monty Arnold blogt.</title>
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		<title>Wohnwelten (14): Bei reichen Leuten mit Graham Greene</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Sep 2025 17:34:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: So leben literarische Figuren Als sich die Haustüre geschlossen hatte und Baines, der Diener, in die dämmrige leere Halle zurückgekehrt war, begann für Philipp das Leben. Er stand vor der Türe des Kinderzimmers und lauschte auf das Geräusch des &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/09/28/28774/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p class="wp-block-paragraph">betr.: So leben literarische Figuren</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sich die Haustüre geschlossen hatte und Baines, der Diener, in die dämmrige leere Halle zurückgekehrt war, begann für Philipp das Leben. Er stand vor der Türe des Kinderzimmers und lauschte auf das Geräusch des abfahrenden Taxis. Seine Eltern waren eben für vierzehn Tage verreist, und er war „zwischen zwei Kindermädchen“; das alte war entlassen worden und das neue noch nicht eigetroffen. Er war allein in dem großen Haus am Belgrave-Platz, alleine mit Baines und dessen Frau.<br>Nun konnte er überall hingehen, selbst durch die Türe mit dem grünen Vorhang, die zur Speisekammer und hinunter zur Kellerwohnung des Dienerpaares führte. Alles kam ihm fremd und vor in diesem Haus, weil er jeden Raum betreten konnte und niemand darin war.<br>Und doch spürte er überall einen Hauch der Abwesenden: im Rauchzimmer mit dem Pfeifenständer zwischen den Elefantenzähnen, mit dem geschnitzten Tabakstopf; im Schlafzimmer mit den rosa Tapeten und Vorhängen, mit dem kaum spürbaren Hauch verflüchtigten Parfums und den halbgeleerten Gesichtscremetöpfchen, die Frau Baines noch nicht weggeräumt hatte; im Salon mit dem schwarzglänzenden nie berührten Flügel, der Kaminuhr aus Porzellan, den kleinen geschweiften Tischchen und dem Silber. Aber hier war Frau Baines bereits an der Arbeit; sie nahm die Vorhänge ab und bedeckte die Fauteuils mit weißen Überzügen, um sie vor Staub zu schützen. (…)<br>Philipp Lane (…) ging schnell hinaus und öffnete zögernd die Türe hinter dem grünen Vorhang. Er warf einen Blick in die Speisekammer; aber Baines war nicht da. Dann betrat er zum erstenmal die Treppe, die in den Keller führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Beginn von <strong>Graham Greene</strong>s Novelle <strong>„Das Kellerzimmer“</strong></em> (&#8222;<strong><em>The Basement Room</em></strong>&#8222;)</p>
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		<title>Spione und gekrönte Häupter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Feb 2025 19:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 45. Jahrestag der Erstausstrahlung von &#8222;Der dritte Mann&#8220; im deutschen Fernsehen 30 Jahre hat es gedauert, bis dieser Klassiker es von der Leinwand in unsere Wohnstuben schaffte: &#8222;Der dritte Mann&#8220; vom Autor Graham Greene und dem Regisseur Carol Reed. &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2025/02/10/der-dritte-mann-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p class="wp-block-paragraph">betr.: 45. Jahrestag der Erstausstrahlung von <strong>&#8222;Der dritte Mann&#8220;</strong> im deutschen Fernsehen</p>



<p class="wp-block-paragraph">30 Jahre hat es gedauert, bis dieser Klassiker es von der Leinwand in unsere Wohnstuben schaffte: &#8222;Der dritte Mann&#8220; vom Autor <strong>Graham Greene</strong> und dem Regisseur <strong>Carol Reed</strong>. (Zu diesem Zweck wurde sogar eine zweite Synchronfassung erstellt, die sich allgemein durchgesetzt hat.) Da dies außerdem ein Kultfilm ist, wird er selbstverständlich in der Podcast-Reihe <strong>&#8222;Alle 42 Kultfilme&#8220;</strong> erst sorgfältig vorgestellt, dann ganz subjektiv der Frage unterzogen, was er heute eigentlich noch taugt: <a href="https://plus.rtl.de/podcast/alle-42-kultfilme-jwn9qyohi5tck/der-dritte-mann-gh03bblbme3k5">https://plus.rtl.de/podcast/alle-42-kultfilme-jwn9qyohi5tck/der-dritte-mann-gh03bblbme3k5</a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Am selben Tag erlebte übrigens auch die nur wenige Jahre ältere Komödie <strong>&#8222;Nothing But Trouble&#8220;</strong> ihre TV-Premiere, einer der letzten Filme mit <strong>Laurel &amp; Hardy</strong>. Die rührselige Geschichte über ein jugendliches Staatsoberhaupt, das um die Ecke gebracht werden soll und dann von Stan &amp; Ollie gerettet wird, ist ein typisches Beispiel für die ächzende Mittelmäßigkeit, in der Hollywood sein größtes Komikerduo hatte versinken lassen. Doch sie hat gewisse Familienfilm-Qualitäten, und so gehörte sie in den nächsten Jahren zu den am häufigsten wiederholten Langfilmen von Laurel &amp; Hardy. </p>
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		<title>Es war einmal: Die Saftschubse</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Nov 2024 20:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Henry Cooper fand im Vorderteil der Maschine einen Fensterplatz und stellte die Tasche auf den Mittelsitz neben sich. Den dritten Platz nahm eine kräftig gebaute Frau in einer hellblauen Hose ein, die für den Umfang ihres Gesäßes zu knapp war. &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/11/07/26622/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Henry Cooper fand im Vorderteil der Maschine einen Fensterplatz und stellte die Tasche auf den Mittelsitz neben sich. Den dritten Platz nahm eine kräftig gebaute Frau in einer hellblauen Hose ein, die für den Umfang ihres Gesäßes zu knapp war. Sie zwängte eine riesige Handtasche neben die andere auf dem Mittelsitz und breitete über beide einen schweren Pelzmantel.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Zeilen aus <strong>„Die Flugtasche“</strong> – einer Kurzgeschichte von <strong>Graham Greene</strong>, die ihren Sarkasmus gar nicht gegen das Fliegen an sich richtet – machten mir noch einmal bewusst, wie sehr ich diese Art der Fortbewegung hasse, wie lächerlich die Kluft ist, die sich zwischen ihrem Anspruch, Luxus und Weltläufigkeit vorzutäuschen und den immanenten Demütigungen auftut, die sie praktisch jedem mehr oder weniger deutlich antut, der sich darauf einlässt. Das gilt auch und insbesondere für das Bordpersonal, dessen permanente Gefangenschaft in dieser erstickend-lächerlichen Parallelwelt ja viel umfassender ist als die selbst des reiselustigsten Geschäftsmannes oder Außenpolitikers.<br><br>Mir fiel ein Ausdruck wieder ein, den ich seit Jahrzehnten nicht mehr gehört oder gedacht habe: „Saftschubse“. Das ist abfällig für „Flugbegleiter“. Wohlgemerkt: für die männliche Variante dieses Berufs, der in der üblicheren weiblichen Variante Stewardess heißt.<br>Diese männliche Variante – das wird durch die feminine Struktur des launigen Schimpfwortes deutlich – schließt Homosexualität mit ein. Flugbegleiter waren noch ausdrücklicher schwul als Balletttänzer oder Friseure. Und sie brauchten all die Langmut und den lebensnotwendigen Masochismus, die sie ihre gesellschaftliche Situation gelehrt hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den Homosexuellen der 80er und frühen 90er Jahre – so lange ist diese Bezeichnung mir nicht mehr begegnet – galt der Beruf der männlichen Stewardess als – erraten! – weltläufig und luxuriös. Er verströmte einen Glamour, der seinerzeit Prominenten vorbehalten war. Und dies zu einer Zeit als die multiplen Abstufungen nach unten &#8211; bis hinunter zur Dritt- oder Z-Prominenz &#8211; noch nicht in der heutigen Form existierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Homosexuelle hatten in jenen Tagen in der westlichen Zivilisation nicht viel zu lachen, wenn sie nicht zu der verschwindenden Randgruppe innerhalb der Randgruppe gehörten, die sich in einem sie ausfüllenden Beruf eingerichtet hatte („was mit Medien“, wie man später gesagt hätte), in der Stadt lebte und sich wegen ihrer Neigung nicht allzusehr selbst die katholisch anerzogene Hölle heiß machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was aber war denn nun so begehrenswert und schillernd am Flugbegleiten? Die große Welt (von der man berufsalltags ja nichts zu sehen bekam)? Die Bereitstellung der Arbeitskleidung durch die Airline (- es gibt schräge Vorlieben da draußen …)? Das Gefühl, über den Dingen zu schweben (oder ähnlicher quasiphilosophischer Mist)?<br>Ich will ehrlich sein – ich weiß es nicht. Über solche Dinge haben wir damals in der Subkultur nicht miteinander gesprochen.<br>Meine Theorie: die Attraktivität des Berufs ging von der Option aus, jemand anderen, mit dem man nicht verwandt oder verschwägert war, als Gratis-Mitflieger eintragen zu lassen (ich habe den bürokratischen Fachbegriff vergessen). Das versprach der Saftschubse zusätzliche Beliebtheit und einen sozialen Aufstieg innerhalb ihrer Community.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem dürfte ein Grund eine Rolle gespielt haben, über den auch und gerade unter Heterosexuellen lieber geschwiegen wird: Wer fliegt, erspart sich das Leben zuhause.</p>


<p><img decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/e814ff78635043d7afb7f0168c8f293d" alt="" width="1" height="1" /></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/11/07/26622/">Es war einmal: Die Saftschubse</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Lesen vom Blatt: Lange Sätze</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Apr 2024 13:51:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung Fortsetzung vom 31. März 2024 Zu Beginn des 2. Kapitels im Roman „Der stille Amerikaner“ von Graham Greene folgt ein langer Satz auf einen nur etwas kürzeren: An dem Vormittag, an dem Pyle auf &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/04/18/25129/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/04/18/25129/">Lesen vom Blatt: Lange Sätze</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Fortsetzung vom 31. März 2024</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Zu Beginn des 2. Kapitels im Roman <strong>„Der stille Amerikaner“</strong> von <strong>Graham Greene</strong> folgt ein langer Satz auf einen nur etwas kürzeren:</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">An dem Vormittag, an dem Pyle auf dem Platz vor dem Continental auftauchte, hatte ich genug vom Anblick meiner amerikanischen Kollegen von der Presse, großen, dicken, lauten, kindischen Menschen mittleren Alters, ständig mit abgestandenen Witzen über die Franzosen zur Hand, die diesen Krieg schließlich und endlich ausfochten. In regelmäßigen Abständen wurden sie, wenn ein Gefecht ordentlich zum Abschluss gebracht worden war und man die Gefallenen vom Schauplatz entfernt hatte, nach Hanoi, fast vier Flugstunden entfernt, gerufen, dort vom Oberkommandierenden empfangen, für eine Nacht in einem Pressecamp untergebracht, dessen Barkeeper, wie sie prahlten, der beste in ganz Indochina sei, in einer Höhe von tausend Metern (also außerhalb der Reichweite eines schweren Maschinengewehrs) über das neueste Schlachtfeld geflogen und dann wohlbehalten und geräuschvoll, wie nach einem Schulausflug, wieder vor dem Continental in Saigon abgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ungeachtet des sarkastischen Untertons tut Greene hier das selbe wie <strong>Booth Tarkington</strong> im Prolog zu <strong>&#8222;Der Glanz des Hauses Amberson&#8220;</strong>: er richtet uns einen Raum ein (ein Idyll), in dem sich das folgende abspielen wird. Wir alle &#8211; der Autor, die Figuren, (ggf. der Interpret) und ich (als Zuhörer bzw. Leser) werden für die nächste Zeit darin weiterleben.<br>Beide Texte sind unterschiedliche Verse auf die selbe Melodie, sogar das Arrangement ist identisch.</em> <em>Greenes hintergründiger Witz entfaltet sich besonders gut, wenn wir seinen Text mit der gleichen schwebenden, etwas sentimentalen Gemütlichkeit lesen, die uns die Zeilen von Tarkington nahelegen. </em><br>_______________________<br>* Siehe <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/05/19/18121/">https://blog.montyarnold.com/2021/05/19/18121/</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2024/04/18/25129/">Lesen vom Blatt: Lange Sätze</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Humor vs. Horror</title>
		<link>https://blog.montyarnold.com/2023/10/04/the-comedians-francois-duvalier/</link>
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		<pubDate>Wed, 04 Oct 2023 13:04:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 9. Todestag von Jean-Claude Duvalier alias &#8222;Baby Doc&#8220; Der Roman- und Filmtitel „Die Stunde der Komödianten“ – im Original „The Comedians“ – ist eine Geschichte aus dem haitianischen Duvalier-Regime. Die Titelhelden sind keine Humoristen oder Entertainer sondern Narren, schwache &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/10/04/the-comedians-francois-duvalier/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/10/04/the-comedians-francois-duvalier/">Humor vs. Horror</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">betr.: 9. Todestag von <strong>Jean-Claude Duvalier </strong>alias &#8222;Baby Doc&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Roman- und Filmtitel „Die Stunde der Komödianten“ – im Original „The Comedians“ – ist eine Geschichte aus dem haitianischen Duvalier-Regime. Die Titelhelden sind keine Humoristen oder Entertainer sondern Narren, schwache Individuen, die sich auf geradezu rührendem Niveau etwas vormachen. Das betrifft nicht nur ihre menschlichen Beziehungen, sondern auch ihre Naivität im Umgang mit den politischen Verhältnissen.<br><strong>„The Comedians“ </strong>ist längst kein so großartiger Film wie <strong>„Der dritte Mann“</strong>, eine frühe Arbeit von Romancier und Drehbuchautor Graham Greene &#8211; das wäre auch zuviel verlangt -, aber der mitleidslose Blick auf Inkonsequenz und Selbstbetrug ist mit dem Abstand von mehr als 50 Jahren geradezu erfrischend. Kein vergleichbar populärer Autor würde heute mit so etwas beim Publikum durchkommen.<br>Abgesehen davon – und von der wirklich eindrucksvollen Besetzung, die ihr in fast sämtlichen Kritiken die etwas abfällige Bezeichnung „Starfilm“ eintrug – hat die Verfilmung durch Greenes Freund Peter Glenville das große Plus eines großartigen Soundtracks aufzuweisen. <strong>Laurence Rosenthal</strong> hat ihn komponiert, und er hat dem Diktator <strong>François Duvalier</strong> alias „Papa Doc“ eine Propaganda-Hymne* für den Vorspann gewidmet. Die immerzu wiederholte &nbsp;Refrainzeile nennt den Titel, den sich Duvalier selbst verliehen hat und der sich mehr als bewahrheiten sollte: „President For Life“. Als Nachfolger setzte Duvalier seinen 19-jährigen Sohn&nbsp;Jean-Claude&nbsp;(„Baby Doc“) ein.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2023/10/Stunde-der-Komoedianten_Buchcover.jpg?resize=624%2C1022&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-23746" width="624" height="1022" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2023/10/Stunde-der-Komoedianten_Buchcover.jpg?resize=625%2C1024&amp;ssl=1 625w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2023/10/Stunde-der-Komoedianten_Buchcover.jpg?resize=183%2C300&amp;ssl=1 183w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2023/10/Stunde-der-Komoedianten_Buchcover.jpg?resize=768%2C1259&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2023/10/Stunde-der-Komoedianten_Buchcover.jpg?resize=937%2C1536&amp;ssl=1 937w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2023/10/Stunde-der-Komoedianten_Buchcover.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w" sizes="(max-width: 624px) 100vw, 624px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Cover dieser deutschen Buchausgabe lässt dem Titel seinen Anspielungsreichtum: es könnte sich auch um das Bühnenbild eines Comedy-Clubs handeln.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Duvalier-Diktatur dauerte von 1957 bis 1986 und saugte das ärmste Volk der westlichen Hemisphäre aus wie ein Vampir – ganz buchstäblich. Das Blut der Ärmsten der Armen und deren tiefgekühlte Leichen wurden unter Baby Doc an kanadische Universitäten verkauft, bis das HI-Virus dieses Geschäftsmodell sabotierte. Auch nach dem Sturz des übergewichtigen Playboys kam der Karibikstaat nicht zur Ruhe und ließ jeden Willen zur politischen Aufarbeitung vermissen: die Mörder liefen frei herum, die Umwandlung des Todeslagers Fort Dimanche in eine Gedenkstätte scheiterte am Boykott der korrupten Regierung – und am Desinteresse der Öffentlichkeit.<br>____________________</p>



<p class="wp-block-paragraph">* Duvalier: der Schöpfer des neuen Haiti, Präsident für’s Leben!<br>Duvalier: Erster Führer der Armee und unseres Volkes, Präsident für’s Leben!<br>Duvalier: der Schöpfer des neuen Haiti, Präsident für’s Leben!<br>Duvalier: für Recht, für Freiheit, Frieden und Fortschritt! Präsident für’s Leben!<br>Duvalier: Baumeister der Zukunft, Freund der Arbeiter, Präsident für’s Leben!<br>Duvalier: Vorbild für uns alle, Vater und Führer unseres Volkes, Präsident für’s Leben!<br>Duvalier: Staatsoberhaupt für immer und ewig, Präsident für’s Leben!</p>


<p><img decoding="async" src="http://vg06.met.vgwort.de/na/644444e846874eebb9bde0b3f72ccdc7" width="1" height="1" alt=""></p><p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/10/04/the-comedians-francois-duvalier/">Humor vs. Horror</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Die wiedergefundene Textstelle: Prolog zum &#8222;Dritten Mann&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Apr 2023 19:59:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Betr.: 32. Todestag von Graham Greene Der Kinoprolog ist eine meiner liebsten kurzen Textgattungen. Er ist in der Regel schlanker als die gedruckte Parallelversion, ohne inhaltlich etwas wegzulassen. Das gilt auch für „Der dritte Mann“ von Graham Greene, bei dem &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2023/04/03/der-dritte-mann/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p class="wp-block-paragraph">Betr.: 32. Todestag von <strong>Graham Greene</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der Kinoprolog ist eine meiner liebsten kurzen Textgattungen. Er ist in der Regel schlanker als die gedruckte Parallelversion, ohne inhaltlich etwas wegzulassen. Das gilt auch für „Der dritte Mann“ von Graham Greene, bei dem gewissermaßen beide Fassungen gemeinsam entstanden. Die Bilder sind so treffend gewählt, dass ganz wenige genügen, um ein dreidimensionales Bild entstehen zu lassen.<br>Dieser Text ist außerdem ein Musterbeispiel für die Tugend, zuerst die Kulisse aufzustellen und dann die Figuren hineinzuschicken. Auch <strong>Truman Capote</strong>s stilprägender Tatsachenroman <strong>„Kaltblütig“ </strong>geht so vor.* Kurioserweise hält sich der „Stern“, der mit seinem <strong>„literarischen Journalismus“</strong> Capotes Buch viel verdankt, in seinen Artikeln grundsätzlich nicht an dieses Prinzip, sondern verteilt das Panorama nach einem Gleich-zur-Sache-Kommen auf unzählige Einschübe, was den Stil etwas geschwätzig macht.<br><br>Graham Greenes Prolog von 1948 wird im Film von einem mysteriösen Ich-Erzähler vorgetragen, der dann in die Perspektive des allwissenden Erzählers wechselt und verstummt. Der Roman verschenkt diesen herrlichen Kunstgriff und enthüllt uns den Erzähler.&nbsp;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Offen gestanden, ich habe das alte Wien nicht gekannt, das leichtlebige Wien des Walzertraums. Konstantinopel lag mir näher. Ich lernte Wien erst nach dem Zweiten Weltkrieg zur Zeit des Schwarzen Marktes kennen, auf dem mit allem geschoben wurde, was die Leute brauchten – vorausgesetzt, dass sie es bezahlen konnten. Amateure dieses Fachs kamen dabei natürlich leicht unter die Räder, bzw. sie landeten in der Donau. Aber wer was von dieser Branche verstand, der konnte reich werden.<br>Wie Sie sich vielleicht noch erinnern, war die Stadt damals in vier Zonen aufgeteilt. Amerikaner, Engländer, Russen und Franzosen hatten je eine Zone besetzt, aber das Zentrum der Stadt war international. Die Polizei dort setzte sich aus diesen vier Mächten zusammen. Wundervoll, was man sich davon alles versprochen hatte. Es waren ganz brave Kerle, die alle ihr Bestes gaben.<br>Wien sah in jener Zeit nicht anders aus als andere Städte Europas: zerbombt und verhungert.<br>Ach, ich wollte Ihnen ja die Geschichte von Holly Martins erzählen, einem Amerikaner, der nach Wien kam, um seinen Freund zu besuchen. Der Freund hieß Harry Lime.<br>Martins hatte in Amerika Pech gehabt, mit einem Wort: er war pleite, und Harry Lime hatte ihn eingeladen, weil wie er schrieb in Wien für ihn etwas zu machen sei. Eines Tages kam er nun an, der arme Teufel, vergnügt wie eine Haubenlerche und ohne einen Cent in der Tasche.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Diese Textfassung stammt aus der zweiten Synchronfassung (1963), die im Fernsehen und auf Tonträgern lange Zeit die dominierende war. Sie ist so raffiniert, einen Steam-Punk-Effekt anzuwenden: der Erzähler tut so, als blickte er mit etwas Koketterie aus der Zukunft auf die Gegenwart zurück. So hält es auch der Autor Günter Neumann in einem anderen Trümmerfilm: „Berliner Ballade“, der wiederum den Schwarzmarkt thematisiert.**</em><br>________________________<br>* Siehe <a href="https://blog.montyarnold.com/2022/11/19/21783/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://blog.montyarnold.com/2022/11/19/21783/</a><br>** Siehe <a href="https://blog.montyarnold.com/2017/06/19/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-30-berliner-ballade/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://blog.montyarnold.com/2017/06/19/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-30-berliner-ballade/</a></p>
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		<title>Zwei Dritte Männer</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Feb 2022 16:05:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 43. Jahrestag der Erstausstrahlung des Films „Der Dritte Mann“ im dt. Fernsehen Dass „Der Dritte Mann“ nicht nur als Film zu einem Glücksfall wurde, sondern auch auf dem engeren Gebiet der Literaturverfilmung, hängt sicher damit zusammen, dass die Entstehung &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2022/02/10/19960/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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<p class="wp-block-paragraph">betr.: 43. Jahrestag der Erstausstrahlung des Films <strong>„Der Dritte Mann“ </strong>im dt. Fernsehen</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="640" height="552" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Dritte-Mann-dt.-Buchcover-1959.jpg?resize=640%2C552&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-19964" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Dritte-Mann-dt.-Buchcover-1959.jpg?resize=1024%2C883&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Dritte-Mann-dt.-Buchcover-1959.jpg?resize=300%2C259&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Dritte-Mann-dt.-Buchcover-1959.jpg?resize=768%2C662&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2022/02/Dritte-Mann-dt.-Buchcover-1959.jpg?w=1299&amp;ssl=1 1299w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption>Buchclub-Cover von 1959</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dass „Der Dritte Mann“ nicht nur als Film zu einem Glücksfall wurde, sondern auch auf dem engeren Gebiet der Literaturverfilmung, hängt sicher damit zusammen, dass die Entstehung der gedruckten und der bewegten Fassung zusammenhängen. Ähnlich wie der Filmemacher <strong>Charles Chaplin</strong>*, gelangte auch der Schriftsteller <strong>Graham Greene</strong> zu der Überzeugung, es sei „nahezu unmöglich, ein Drehbuch zu schreiben, ohne den Vorwurf zunächst als Erzählung zu behandeln. Selbst ein Film erfordert mehr als bloße Handlung; seine Wirkung hängt von einem gewissen Maß an Charakterisierung, von Stimmung und Atmosphäre ab; und diese lassen sich – so scheint es mir – auf den ersten Wurf nicht in der dürren Kurzschrift eines Filmmanuskripts ausdrücken.“ Andere Künstler legen zu diesem Zweck Profile ihrer Helden an, die dann im Film nicht komplett verarbeitet werden, oder drehen Schlüsselszenen und Rückblenden, die sie sich dann für den Director‘s Cut aufheben können. <strong>Quentin Tarantino</strong> will für <strong>„Once Upon A Time&#8230; In Hollywood“ </strong>sogar Episoden der fiktiven Western-Serie gedreht haben, in der sein Held gespielt hat.<br>Greenes Methode hat den Vorteil, <span id="more-19960"></span>dass es den Dritten Mann nun gleich zweimal gab, obwohl die Buchversion zunächst nicht für die Veröffentlichung bestimmt war, wie es heißt. Aus ihm sprach der hauptberufliche Schriftsteller, als er erklärte: „Man kann den Schöpfungsakt nicht in der Form des Drehbuchs vollziehen.“ Da hätten ihm viele Filmemacher sicher widersprochen, ihm hier aber zugestimmt: „Man muss das Gefühl haben, über mehr Stoff zu verfügen als man dann tatsächlich benötigt.“<br>Interessanterweise kommt es auch in diesem Fall zu Abweichungen des Films vom Buch: „Die Wahl eines amerikanischen statt eines englischen Stars machte eine Reihe von Umgestaltungen notwendig. So erhob Mr. Joseph Cotten begreiflicherweise Einspruch gegen den Vornamen Rollo. Der Name musste aber albern sein, und mir fiel Holley ein, als ich mich an den amerikanischen Schriftsteller Thomas Holley Chivers, jene spaßige Erscheinung, erinnerte. (…) Eine der wenigen größeren Meinungsverschiedenheiten zwischen Carol Reed und mir betraf das Ende, und der Erfolg hat ihm in glänzender Weise recht gegeben.“ Greene befürchtete, „dass nur wenige Zuschauer ausharren würden, während die junge Frau den langen Weg durch die Friedhofsallee zurücklegt (…). Allerdings hatte ich der meisterhaften Regie Reeds nicht gebührend Rechnung getragen, und überdies konnte zu diesem Zeitpunkt keiner von uns Reeds brillante Entdeckung des Zitherspielers, Herrn Karas, vorausahnen.“<br>Es war wiederum Chaplin, der einen seiner langen Stummfilme mit der gleichen Implosion der Schlusspointe beendet hat.** In beiden Fällen ist der Effekt grandios. Und weil er kaum je kopiert wurde, hat er sich niemals abgenutzt.<br><br>Das Hörspiel auf der Basis der ersten Synchronfassung von &#8222;Der Dritte Mann&#8220; ist ab heute hier abrufbar: <a href="https://rbprogressivedl-a.akamaihd.net/clips/099/099307/099307_00414359_audio_stereo.mp3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://rbprogressivedl-a.akamaihd.net/clips/099/099307/099307_00414359_audio_stereo.mp3</a><br>__________________<br>* Siehe <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/04/16/die-wiedergefundene-textstelle-calveros-albtraum/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://blog.montyarnold.com/2018/04/16/die-wiedergefundene-textstelle-calveros-albtraum/</a><br>** Siehe <a href="https://blog.montyarnold.com/2018/06/14/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-der-zirkus/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://blog.montyarnold.com/2018/06/14/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-der-zirkus/</a></p>
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		<title>Variationen über die Geschlossene Gesellschaft</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Nov 2021 21:33:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Blake Snyder, Autor des kürzesten und unterhaltsamsten der „ultimativen“ Handbücher über das Drehbuchschreiben, spricht von zehn Filmgenres, in die sich alles einsortieren lässt, was das Kino hervorgebracht hat. Die Genres heißen nicht „Western“, „Krimi“ und „Schnulze“ sondern etwa „Das Monster &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/11/18/19353/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/11/18/19353/">Variationen über die Geschlossene Gesellschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Blake Snyder</strong>, Autor des kürzesten und unterhaltsamsten der „ultimativen“ Handbücher über das Drehbuchschreiben, spricht von zehn Filmgenres, in die sich alles einsortieren lässt, was das Kino hervorgebracht hat. Die Genres heißen nicht „Western“, „Krimi“ und „Schnulze“ sondern etwa „Das Monster im Haus“, „Der Geist in der Flasche“, „Der triumphierende Narr“ oder „Kerl mit Problem“. In der Rubrik „Eingewiesen“ geht es um Gruppen. Darunter werden neben Familien (wie in &#8222;American Beauty&#8220; und &#8222;Der Pate“) auch Einrichtungen zusammengefasst: Internate (&#8222;Ich glaub‘, mich tritt ein Pferd&#8220;), das Militär (<strong>&#8222;M*A*S*H&#8220;</strong>) und geschlossene Anstalten (<strong>&#8222;Einer flog übers Kuckucksnest&#8220;</strong>).<br><br>Auf die Gemeinsamkeiten zwischen Militär und Klinik hat schon <strong>Graham Greene</strong> in seiner berühmten Erzählung <strong>„Unter dem Garten“</strong> hingewiesen: „Für den Laien besteht nicht viel Unterschied, ob er sich in ein Spital begibt oder in die Armee eintritt. Er tut es mit dem Gefühl der Erleichterung und der Gleichgültigkeit. Völlig hilflos wird er auf ein Förderband gelegt und fühlt sich dann für nichts mehr verantwortlich. Wildlitch hatte das Empfinden, sich im Schutze einer Organisation zu befinden, während draußen der englische Sommerregen auf die Dächer der geparkten Autos tropfte. Seit dem Kriegsende hatte er nicht mehr ein solches Gefühl der Freiheit gehabt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der zeitgenössische Schriftsteller <strong>Clemens J. Setz </strong>hat Pflegeheime im weitesten Sinne zu einem Schlüsselschauplatz seiner Werke gemacht &#8211; von „Frequenzen“ über „Indigo“ bis zur „Stunde zwischen Frau und Gitarre“ und „Die Bienen und das Unsichtbare“. Er überspringt die Greene’sche Ironie. Für Setz sind solche Einrichtungen „unheimliche Orte, weil in ihnen Fürsorge und Überwachung, Schutz und Manipulation, Empathie und Entmündigung, Einschluss und Ausschluss seltsam oszillieren“, wie es kürzlich in einer Laudatio auf den Autor hieß.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2021/11/18/19353/">Variationen über die Geschlossene Gesellschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Die wiedergefundene Textstelle: &#8222;Die Erstürmung der Höhe 101&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Aug 2017 09:20:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kabarett und Comedy]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[Kapitulation der französischen Armee am 2. September 1870]]></category>
		<category><![CDATA[Militärklamotte]]></category>
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		<category><![CDATA[Vaterländischer Unterricht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 109. Jahrestag der Entlassung des &#8222;Hauptmanns von Köpenick&#8220; aus der Haft Eingeliefert zu werden, von Verantwortung entbunden zu sein und klare Ansagen zu bekommen, ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Wohinein, ist da geradezu nebensächlich. Graham Greeene verglich in einer seiner &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2017/08/16/die-wiedergefundene-textstelle-die-erstuermung-der-hoehe-101/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2017/08/16/die-wiedergefundene-textstelle-die-erstuermung-der-hoehe-101/">Die wiedergefundene Textstelle: &#8222;Die Erstürmung der Höhe 101&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 109. Jahrestag der Entlassung des <strong>&#8222;Hauptmanns von Köpenick&#8220;</strong> aus der Haft</p>
<p>Eingeliefert zu werden, von Verantwortung entbunden zu sein und klare Ansagen zu bekommen, ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Wohinein, ist da geradezu nebensächlich. <strong>Graham Greeene</strong> verglich in einer seiner Erzählungen die Erleichterung, die den männlichen Homo sapiens beim Einzug zum Militär überkommt, mit der Einweisung ins Krankenhaus. Die im Hinblick auf die deutsche Geschichte oft rhetorisch gestellte Frage, wie es &#8222;dazu&#8220; kommen konnte, dürfte also beantwortet sein.</p>
<p>In Szene 8 im 2. Akt von <strong>&#8222;Der Hauptmann von Köpenick&#8220;</strong> darf sich der Held als doppelt ein- und ausgeliefert betrachten. Als Zuchthäusler ist er an einen Gefängnisdirektor geraten, der es als seine persönliche Pflicht ansieht, die ihm Anempfohlenen mit den Tugenden des preußischen Soldatentums vertraut zu machen.<br />
Wieder auf freiem Fuß, erfährt Voigt, wie wichtig es ist, dabei eine Uniform zu tragen. (Wie man sich erinnert, haben sich im Dreißigjährigen Krieg die Landsknechte aus Versehen auch schon mal gegenseitig erschossen. Mit dem Aufstieg Preußens entwickelte sich ein Heer, das solche Verwirrungen mit einheitlichen Uniformen beendete.)<span id="more-8552"></span><br />
Für mich ist diese Szene der humoristische Höhepunkt des Stückes. Hier offenbart Zuckmayers &#8222;deutsches Märchen&#8220; (nach einer wahren Begebenheit) ganz unverstellt sein eigentliches Genre: die gehobene Militärklamotte.</p>
<p><em>Diese Szene spielt um die Jahrhundertwende in der Zuchthauskapelle der preußischen Strafanstalt Sonnenburg, einem nüchternen Vortragssaal mit erhöhtem Podium. Der Direktor gedenkt am heutigen Sedantag der Kapitulation der französischen Armee am 2. September 1870.</em></p>
<p>DIREKTOR: Kommen wir wie-<br />
<img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8570" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Zuck4.jpg?resize=629%2C1053&#038;ssl=1" alt="Zuck4" width="629" height="1053" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Zuck4.jpg?w=629&amp;ssl=1 629w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Zuck4.jpg?resize=179%2C300&amp;ssl=1 179w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Zuck4.jpg?resize=612%2C1024&amp;ssl=1 612w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /><br />
<img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8571" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Zuck5.jpg?resize=634%2C1044&#038;ssl=1" alt="Zuck5" width="634" height="1044" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Zuck5.jpg?w=634&amp;ssl=1 634w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Zuck5.jpg?resize=182%2C300&amp;ssl=1 182w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Zuck5.jpg?resize=622%2C1024&amp;ssl=1 622w" sizes="auto, (max-width: 634px) 100vw, 634px" /><br />
<img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-8572" src="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Zuck6rm.jpg?resize=629%2C416&#038;ssl=1" alt="Zuck6rm" width="629" height="416" srcset="https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Zuck6rm.jpg?w=629&amp;ssl=1 629w, https://i0.wp.com/blog.montyarnold.com/wp-content/uploads/2017/08/Zuck6rm.jpg?resize=300%2C198&amp;ssl=1 300w" sizes="auto, (max-width: 629px) 100vw, 629px" /></p>
<p>Wie wir uns erinnern, behielt der Direktor recht: dieser &#8222;vaterländische Unterricht&#8220; war dem Helden später noch überaus nützlich.</p>
<p>Auszug aus den Taschenbuch ISBN 3-596-27002-2</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2017/08/16/die-wiedergefundene-textstelle-die-erstuermung-der-hoehe-101/">Die wiedergefundene Textstelle: &#8222;Die Erstürmung der Höhe 101&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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		<title>Ozymandias im Kino</title>
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		<dc:creator><![CDATA[montyarnold]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Oct 2016 21:54:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA["All But Empty"]]></category>
		<category><![CDATA["Beinah leer"]]></category>
		<category><![CDATA["Der dritte Mann"]]></category>
		<category><![CDATA[Benito Mussolini]]></category>
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		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Michelangelo]]></category>
		<category><![CDATA[Orson Welles]]></category>
		<category><![CDATA[Strand Magazine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>betr.: 112. Geburtstag von Graham Greene / Spoilerwarnung Neben Tennessee Williams dürfte Graham Greene jener Schriftsteller sein, der mit den diversen Verfilmungen seiner Bücher insgesamt das größte Glück gehabt hat. Aber Greene war einmal Filmkritiker, und das wird seinen Blick &#8230; <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/10/02/die-wiedergefundene-textstelle-die-mussolini-anekdote/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/10/02/die-wiedergefundene-textstelle-die-mussolini-anekdote/">Ozymandias im Kino</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>betr.: 112. Geburtstag von <strong>Graham Greene / Spoilerwarnung<br />
</strong></p>
<p>Neben Tennessee Williams dürfte Graham Greene jener Schriftsteller sein, der mit den diversen Verfilmungen seiner Bücher insgesamt das größte Glück gehabt hat. Aber Greene war einmal Filmkritiker, und das wird seinen Blick auf diese Erzeugnisse nicht milder gemacht haben.<br />
Für den angesehensten seiner Filme hat er das Drehbuch selbst geschrieben, den Nachkriegsklassiker <strong>„Der dritte Mann“</strong>.<br />
Der Titelheld Harry Lime tritt erst gegen Ende auf, und sein Darsteller litt unter chronischem Geldmangel, obwohl er keine zehn Jahre zuvor den „besten Film aller Zeiten“ gedreht hatte. Er sollte für den Rest seines Lebens diesen Mangel leiden und mit dieser Rolle identifiziert und beim Betreten öffentlicher Plätze immer wieder mit deren Erkennungsmelodie begrüßt werden. Rächen wird er sich, indem er diese Schurkenrolle später noch in einer Hörspielreihe ausmelkt.<span id="more-6314"></span><br />
Dieser Mann, der Schauspieler Orson Welles, hat dem Drehbuch von Mr. Greene eine kleine Passage hinzugefügt, die besonders beliebt wurde. Nach einer Fahrt auf dem Riesenrad im Prater, das noch zerbombte Wien zu seinen Füßen, sagte er zu einem Mann, mit dem er auch im wirklichen Leben befreundet war: &#8222;Nun sei nicht so trübsinnig, Holly. Ist alles halb so schlimm. Denk daran, was Mussolini gesagt hat: in den dreißig Jahren unter den Borgias hat es Terror gegeben, Mord und Blut. Aber es gab auch Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe, fünfhundert Jahre Demokratie und Frieden. Und was haben wir davon? Die Kuckucksuhr! Adieu, Holly!&#8220;</p>
<p>Es gab noch eine andere Passage in diesem Film, die mich faszinierte &#8211; immer mehr, je häufiger ich den Film sah. Der Prolog zu Beginn ist betont subjektiv gehalten, die stimmungsvolle Ansprache eines großen Plauderers &#8211; der danach verstummt und nicht wieder in Erscheinung tritt.<br />
Zum Verehrer Graham Greenes machte mich jedoch eine Kurzgeschichte mit dem Titel &#8222;All But Empty&#8220;. Sie wurde 1947 (um die Zeit des &#8222;dritten Mannes&#8220;) für das &#8222;Strand Magazine&#8220; verfasst und Anfang der 70er Jahre glücklicherweise in eine Anthologie aufgenommen. Ich weiß sogar noch den Augenblick, an dem sich diese Verehrung vollständig einstellte. Es war, als ich die letzten Worte der Geschichte las.</p>
<p>Der Ich-Erzähler pflegt regelmäßig ein heruntergekommenes Londoner Kino aufzusuchen, das nur Stummfilme zeigt. Nicht frei von Masochismu, pflegt er dort in der Stille der zwielichtigen Finsternis zu sitzen und es zu genießen, dass dieser Ort &#8222;beinah leer&#8220; ist (so der deutsche Titel der Geschichte). Bei einem dieser Besuche setzt sich jemand ausgerechnet neben ihn, obwohl er doch weiß Gott genug andere freie Plätze zur Auswahl hätte: ein schmuddeliger Mann mit einem feuchten Bart. Er beginnt, wirres Zeug zu reden, Satzfetzen wie &#8222;Keiner kann erwarten, dass ich was sehe. Nicht nach dem, was ich gesehen habe!&#8220; oder &#8222;Von einem Ohr zum anderen!&#8220;<br />
Der Held schleicht sich schließlich nach draußen, um die Polizei anzurufen, denn ihm fällt ein, dass sich heute morgen in der Stadt ein Mord ereignet hat. Von der Telefonkabine im Foyer des Kinos aus behält er den Vorhang zum Zuschauerraum im Auge, hoffend, dass der seltsame Alte ihm nicht folgt. Man bittet ihn, in der Leitung zu bleiben.<br />
Da erblickt er den unangenehmen Kerl, der wankend den Vorhang beiseite schiebt. &#8222;Beeilen Sie sich!&#8220; ruft er ins Telefon. &#8222;Der Mörder ist hier!&#8220; Die Antwort lautet: &#8222;Den Mörder haben wir ja! Die Leiche ist weg!&#8220;<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg05.met.vgwort.de/na/97f4c93ad7e546cb9e32349f498756d4" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.montyarnold.com/2016/10/02/die-wiedergefundene-textstelle-die-mussolini-anekdote/">Ozymandias im Kino</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.montyarnold.com">Monty Arnold blogt.</a>.</p>
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