Ein hochanständiger Reinfall

betr.: 114. Geburtstag von Richard Rodgers / „Me And Juliet“

Ein Gastbeitrag von Olivia Papoli-Barawati

“On Broadway you have to have success opening night! Second night is too late!”        
Maurice Abravanel

Tja, am 28. Mai 1953 hätte ursprünglich ich den wunderschönen Song „No Other Love“ auf einer Rodgers & Hammerstein-Premiere im Majestic Theatre singen sollen. Ich war als Erstbesetzung der Jeannie vorgesehen, die als „Juliet“ im Programmtitel steht. Aber wenn man sich dummerweise in seinen Stage-Manager verliebt und darunter die Konzentration bei der Probenarbeit leidet – so sah es zumindest Mr. Rodgers – dann kann man sich seine erste Broadway-Hauptrolle abschminken und ist ruck-zuck weg vom Fenster.
Es geht um „Me And Juliet“, eines der wenigen Stücke dieses Autorenteams, die heute vergessen sind. Trotz seiner recht ordentlichen 358 Vorstellungen gilt es als Flop.
Das könnte an der Figurenkonstellation liegen, die es aber auch wirklich in sich hat. 

Figurenkonstellation Me And Juliet 1953

In dieser Show geht es sozusagen um die Bewohner des Broadway: Techniker, Darsteller, Verantwortliche. Sie bringen „Me And Juliet“ heraus, und als Stück im Stück hat es tatsächlich Erfolg. Wir erfahren eher am Rande, dass der Held – der „Me“ des Titels – ein schlimmer Finger ist. Entscheidend sind die Produktionsumstände, eben das Leben der Leute vom Theater.
Die wichtigsten davon gehen in einem Liebesdreieck auf: Jeannie und Larry möchten ihre Romanze vor dem brutalen Bob geheimhalten – zu recht. Denn als Bob diese Affäre von Sidney hinterbracht wird, will er die beiden umbringen. Soweit kommt es dann doch nicht – es ist ja schließlich ein Musical …

Hinterher ist man immer schlauer – ich würde heute einiges anders machen, wenn ich die Show noch einmal aufführen könnte. Zunächst einmal würde ich das Personal verkleinern und die Konflikte etwas entwirren:

Figurenkonstellation Me And Juliet 2016Die Rolle des Bob hat viel Potenzial, aber ich würde ihn nicht von vorneherein als polternden Rowdy anlegen, eher als Zwilling von Larry: einfühlsam, jung, gutaussehend, aber mit einem tragischen Hang zum Alkohol. Erst, wenn er dem zugesprochen hat, wird er zu diesem unberechenbaren Schuft.
Auf dem Schnürboden singt Bob „It Feels Good“ – vielleicht kennen Sie Aufnahme vom Cast-Recording.
In meiner Version würde er das Lied in moll vortragen, das ist viel abgründiger und wirkungsvoller.

Betty und Mac sind noch zwei Charaktere, die ich aus der Urfassung beibehalten würde, auch sie ein Liebespaar. Mac ist der First Stage Manager, der das interne Techtelmechtel-Verbot ausspricht, an das er sich selbst nicht hält. Betty ist Jeannies beste Freundin und jene lustige Nebenrolle, die solch eine Show unbedingt braucht. Sie darf sich in einer köstlichen Solonummer vorstellen: „It’s Me“.

Sie merken schon: ich finde es schade, dass „Me And Juliet“ in der Versenkung verschwunden ist.

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