Kultfilm Azubis: Trennung bitte!

Streitende Paare sind heute hauptsächlich ein Thema für die Klamotte, für den Boulevard. Einige werden sich noch an Loriot oder „Ein verrücktes Paar“ erinnern, doch da hatte die Krise nur Sketch-Länge. Unser der Hauptfilm im heutigen Podcast ist mehr als abendfüllend, und er nimmt die Sache richtig ernst:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/szenen-einer-ehe-der-tod-steht-ihr-gut

A) Szenen einer Ehe / Scener ur ett äktenskap
Schwedisches Drama von 1973

Marianne und Johan führen eine scheinbar vorbildliche Ehe. Doch als der Streit eines befreundeten Paares in der Scheidung gipfelt und Johan wenig später mit der 23jährigen Studentin Paula durchbrennt, ist auch ihre Ehe am Ende. In langen Einstellungen begleitet der Film seine Helden auch durch die Phase der Trennung und darüber hinaus. In Schweden war der TV-Fünfteiler ein Straßenfeger. Die 155minütige Kinofassung machte Ingmar Bergman vom geachteten Kunstfilmer zu einem Weltstar des Kinos und veränderte die Art, wie im Film von Beziehungen erzählt wird. Woody Allen, ein Verehrer des Regisseurs, drehte wenige Jahre später mit „Innenleben“ seinen ersten „Bergman-Film“. Bergman selbst verabschiedete sich – wiederum im Fernsehen – 30 Jahre später mit einer Wiederbegegnung von Johann und Marianne in „Sarabande“ von seinem Publikum.

B) Der Tod steht ihr gut / Death Becomes Her
Satirische US-Horrorkomödie von 1992

Die unscheinbare Helen will ihren neuen Lover Ernest auf die Probe stellen – und fällt damit auf die Nase. Der junge Mediziner verfällt augenblicklich der Schauspielerin Madeleine, die Helen seit Jugendtagen schon viele Männer ausgespannt hat. 17 Jahre später hadert Madeleine mit ihrem Alter, die Ehe ist längst am Ende und Ernest zum Alkoholiker verkümmert. Da taucht Helen auf und will ihren Mann zurück. Sie scheint jünger und schöner denn je. In ihrer Verzweiflung lässt sich Madeleine mit einer Magierin ein, die ihr ein Verjüngungsserum verkauft. Es wirkt, hat aber eine fatale Nebenwirkung …

Diese kluge Sozialsatire von Robert Zemeckis kommt als starbesetzte Slapstick-Komödie mit Show-Einlage daher. Bei Meryl Streep sind wir an große Schauspielkunst gewöhnt, doch die Popstars Goldie Hawn und Bruce Willis stehen ihr in nichts nach, und ihre Leistung wirkt völlig unangestrengt.

Nächste Woche: Marlene (1983) und Fedora, zu Gast: Karola Oswald

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Historie mit Prequel-Charme

betr.: Die aktuelle Filmkritik im Podcast

The Uprising – Für die Freiheit
Historiendrama von Paul Greengrass

England im Jahre 1381. Ein einfacher Farmer, den wir nur als „der Pflüger“ vorgestellt bekommen, hat Frau und Kinder durch die Pest verloren. Der gerade mal 14-jährige König Richard II. wird vom Kreis seiner korrupten Berater dazu angetrieben, das Volk mehr und mehr zu schröpfen. Als es bei einem Auftritt des Steuereintreibers zu besonders rohen Entgleisungen kommt, zettelt der Pflüger einen Bauernaufstand an, der immer weitere Kreise zieht und schon bald vor den Toren des Königshofes ankommt …

Der Film setzt den Trend einer betont schmucklosen Darstellung historischer Verhältnisse fort, der das Spätmittelalter von allem Glamour der alten Ritterfilme aus Hollywood entkleidet. Die Dreharbeiten fanden in Bayern statt. Die Handlung mutet an wie eine Vorgeschichte zum Robin-Hood-Mythos, spielt jedoch gut hundert Jahre später. Nach einer Reihe von Umbesetzungen wird die Hauptrolle von Andrew Garfield gespielt.

Monty Arnold und Volker Robrahn sahen den Film vorab:
https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/the-uprising-fuer-die-freiheit

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Der Insprationaufsteller

Ein Foto von Joseph Schimmer zur Sendung „Ex Libris“ von der Ö1 Homepage. Es nimmt bezug auf eine kokette Selbstauskunft des Autors, der im Interview nachgegangen wird.

Clemens J. Setz ist mein zeitgenössischer Lieblingsautor. Und damit bin ich in meinem Freundeskreis sehr allein, obwohl Setz unentwegt alles an Preisen abräumt, was nur geht. Da die Buchpreise inzwischen zur Neige gehen, ist im Oktober der Große Österreichische Staatspreis fällig – und auch den hat er verdient!
Gerade ist es mir immerhin gelungen, die gute Ordnung umzudrehen und meinen Buchhändler davon zu überzeugen, dass Setz einer unserer Besten ist. Das gelang mir mit der Empfehlung des Romans „Indigo“ (2012) und wurde von einem kundigen Essay über Samuel R. Delany unterstützt, den der Autor zum „phantastischen Almanach“ „Vor der Revolution“ beigetragen hat. Zum Glück publiziert Setz nämlich auf allen denkbaren Wegen, schreibt während der Arbeit am nächsten Roman Hörspiele, Theaterstücke, Kinderbücher, Rezensionen u.v.m. und nimmt zwischen seinen Buchveröffentlichungen so fleißig am Diskurs teil wie es vonseiten unserer Schriftstellerzunft längst aus der Mode gekommen ist.
Einen Auszug aus seinem neuen Erzählungsband „Mein Leben als Noiseband“ liest er hier:

https://oe1.orf.at/programm/20260824#841871/Clemens-Setz-verstoerend-beruehrende-Welten

Da meine Lektüre gerade erst beginnt, lasse ich den ORF sprechen. Setz spüre in seinem neuen Wurf „erneut dem Absurden und Befremdlichen nach. Oft geht er noch weiter: Seine Geschichten verlassen den Bereich dessen, was sich noch innerhalb gesellschaftlicher Normen verorten lässt. Seine Figuren stoßen ab und berühren zugleich zutiefst. Oft sind es Eltern und Kinder, meist Verzweifelte, Einsame, Randfiguren. Setz begleitet sie mit ruhigem, präzisem Blick durch ihre schwer fassbaren Wirklichkeiten.“ – Nur zu!
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* Mehr zu Thema: https://oe1.orf.at/programm/20260823/841832/Clemens-J-Setz-im-Sommergespraech

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So siehst Du aus! (11)

betr.: Personenbeschreibungen in der Literatur

Robert Louis Stevenson (1850-94)
Die Schatzinsel

Long John Silver

Wie ich noch wartete, trat ein Mann aus einem Nebenzimmer, und auf den ersten Blick war ich gewiß, daß es der „lange John“ sein mußte. Sein linkes Bein war ihm dicht unter der Hüfte abgenommen und unter der linken Schulter trug er eine Krücke, deren er sich mit wunderbarem Geschick bediente, indem er wie ein Vogel herumhüpfte. Er war hochgewachsen und kräftig, mit einem Gesicht so groß wie ein Schinken, das zwar blaß und häßlich war, im übrigen aber klug und fröhlich aussah. Er schien durchaus guter Laune zu sein, wie er sich pfeifend zwischen den Tischen bewegte und jeden Stammgast mit einem Scherzwort oder einem freundlichen Schlag auf die Schulter bedachte.
Um die Wahrheit zu sagen, gleich als Herr Trelawney den „langen John“ in einem Brief erwähnte, hatte mich die Furcht befallen, es möchte jener einbeinige Matrose sein, nach dem ich so lange Zeit im „Admiral Benbow“ hatte Ausschau halten müssen. Aber ein Blick auf den Mann vor mir war genug, um meinen Besorgnissen ein Ende zu machen. Ich hatte den Kapitän gesehen, den „schwarzen Hund“ und den blinden Pew und glaubte nun zu wissen, wie ein Freibeuter aussieht – nämlich ganz anders als dieser saubere, muntere Gastwirt.
Sofort faßte ich Mut, überschritt die Schwelle und ging geradewegs auf den Mann zu, der, auf die Krücke gestützt, dastand und sich mit einem Gast unterhielt.
„Herr Silver?“ fragte ich, den Brief vorzeigend.
„Ja, mein Junge“, sagte er, „so heiße ich zweifellos. Und wer bist denn du?“
Und als er den Brief des Gutsherrn sah, setzte er sich in Positur.
„Ah!“ sagte er ganz laut und streckte mir die Rechte entgegen. „Ich sehe schon, du bist der neue Kajütenjunge. Freue mich, deine Bekanntschaft zu machen.“
Und er umschloß meine Hand mit seiner mächtigen Tatze.
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https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/robert-louis-stevenson-die-schatzinsel-9783446243460-t-1472

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Kultfilm Azubis: In Augias‘ Stall

Gut zwanzig Jahre liegen zwischen dem A-Film und dem B-Film des heutigen Podcasts, einmal Ostküste – einmal Westküste, ein Nachtfilm – ein Tagfilm, eine Soloshow und ein Wimmelbild:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/taxi-driver-l-a-confidential

Taxi Driver
Amerikanisches Thrillerdrama von 1976

Der Vietnam-Veteran Travis Bickle ist ein New Yorker Taxifahrer. Seine Nachtfahrten führen ihn durch einen hygienischen und moralischen Sumpf, ekeln ihn an und lassen ihn langsam irre werden. Er träumt davon, „ein großer Regen“ möge „den Abschaum von der Straße spülen“. Er beginnt, sich körperlich zu stählen, und bewaffnet sich. Erst will er einen Politiker ermorden, doch dann richtet sich sein Zorn auf einen Zuhälter, der die minderjährige Prostituierte Iris in den Klauen hat …

Dieser über weite Strecken mediative Reißer war ein Karriere-Booster für den Drehbuchautor Paul Schrader, die Stars Jodie Foster und Robert De Niro, den Regisseur Martin Scorsese sowie das fortan unzertrennliche Team Scorsese/De Niro. Bernard Herrmann – einst Hauskomponist der Regie-Legenden Orson Welles und Alfred Hitchcock – gab seine stilistisch überraschende Abschiedsvorstellung; er starb wenige Stunden nach dem Ende der Aufnahmesession.

L. A. Confidential
Amerikanischer Thriller von 1998

Sechs Tote, darunter ein Cop: Anfang der 50er Jahre ist die Polizei von L. A. mit diesem scheinbar sinnlosen Blutbad beschäftigt. Der ehrgeizige junge Beamte Ed Exley löst den Fall und wird befördert. Als er herausfindet, dass er die Falschen eingelocht hat, tut er sich auf eigene Faust mit den Kollegen Jack Vincennes und Bud White zusammen, mit denen ihn wenig verbindet und von denen jeder seine eigenen Interessen verfolgt. Nach und nach stellt sich jedoch heraus, dass sie alle den gleichen mächtigen Gegner haben.

Starautor James Ellroy verarbeitet in mehreren seiner Romane den gewalttätigen Vater und das Leid, das dieser ihm und seiner Mutter angetan hat. Doch während „Die schwarze Dahlie“ 2006 reißerisch und konventionell verfilmt wurde und zu recht vergessen ist, erlaubt sich die Umsetzung von „L. A. Confidential“ eine gediegene, beinahe freundliche Atmosphäre und erreicht eine Qualität, die viele an den Klassiker „Chinatown“ denken ließ.

Nächste Woche: Szenen einer Ehe und Der Tod steht ihr gut


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Geliebte Stimmen (11): Wolfgang Hess

betr.: 89. Geburtstag von Wolfgang Hess

Der Schweizer Wolfgang Hess war schon aufgrund seiner Stimmlage dazu prädestiniert, brutale Typen zu synchronisieren: den Saufaus, den Schlagetot, den Haudrauf. Es war die Bass-Variante der sogenannten Reibeisenstimme. Wer an Bud Spencer denkt, hat sein wie von selbst rumpelndes, grollendes Timbre sofort im Ohr – und gleich danach den Obelix in den „Asterix“-Filmen, den „Schrecklichen Sven“ … Die Freunde der hintersinnigen Unterhaltung werden sich noch an Robbie Coltranes abgründigen Titelhelden aus der Serie „Für alle Fälle Fitz“ erinnern.
Auch wenn er nicht von unten drückte (was er in komödiantischer Action zu tun pflegte), hatte Hess ein eindrucksvolles Organ, das sofort herauszuhören war (was sich mit den Intentionen der Originalfassung nicht decken musste). Schauspielerisch waren die Ergebnisse nicht immer bedarft. Der Fassbinder-Darsteller Hess („Ich will doch nur, dass ihr mich liebt“) übernahm auch einen stimmlichen Part im Werk des Regisseurs: den Marokkaner El Hedi ben Salem in „Angst essen Seele auf“. (Ruhm und Nachruhm dieses Films gestatten offiziell keine kritischen Töne, aber man kann ja mal reinhören …)
Neben solchem Typecasting war Wolfgang Hess auch für eine Reihe seriöser Kollegen zuständig: Philippe Noiret, Michel Lonsdale, David Hemmings, mehrmals für Marcello Mastroianni. Charles Bronson bildet gewissermaßen die Brücke zwischen diesen Welten.

Als Bonzo (auch Brutus oder Bluto) in der Serie „Popeye – Ein Seemann ohne Furcht und Adel“ (1975-78) – der vom ZDF verantworteten Bearbeitung der klassischen Popeye Trickfilme – ist Wolfgang Hess ein großes Vergnügen und deshalb besonders erwähnenswert, weil es unzählige Fassungen und deutsche Sprachfassungen der Popeye-Abenteuer gibt und die meisten (schon im Original) entsetzlich lieblos gemacht sind; die inzwischen eingetretene Gemeinfreiheit des Charakters macht die Sache nicht besser.* Wie sich das gehört, wirkte Hess auch in „Tom und Jerry“, „Die Biene Maja“, „Die Märchenbraut“ und vielen anderen Säulen des „Fernsehkult“-Repertoires.

Wolfgang Hess, Sohn eines Schweizer Filmschauspielers, war nach dem Krieg in Zürich mit der Branche in Kontakt gekommen, weil seine deutsche Mutter ein Hotel betrieb, das bevorzugt von Künstlern und Studenten frequentiert wurde, u.a. den deutschen Mimen, die am Zürcher Schauspielhaus, der einzigen noch freien Bühne im deutschen Sprachraum, eine Plattform gefunden hatten. Nachdem er fünf Semester Theater- und Zeitungswissenschaft sowie Germanistik studiert hatte, folgten Theaterengagements in München, Zürich und Stuttgart. August Everding wurde auf seine Stimme aufmerksam und nahm Wolfgang Hess mit zum Rundfunk. In den Hörspielen fiel er dann auch der Synchronbranche auf.

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* Es sind so viele, dass das Portal „fernsehserien.de“ ausgerechnet diese nicht aufweist, die Serie, die eine erste Generation mit den Popeye-Trickfilmen vertraut gemacht hat.

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Weder hart noch fair

betr.: Online-Kritik*

Nach „Deepstate“, einer Recherche in den Gefilden der „Reichsbürger“, folgt Louis Klamroth in der zweiten Staffel von „Hateland“ neuerlich den „Spuren von Radikalisierung in Deutschland“. „Die Schill-Show“ erzählt die Geschichte von Ronald Barnabas Schill, der vor 25 Jahren mit einem rechtspopulistischen Law-and-Order-Programm als Koalitionär eines CDU-Politikers ausgerechnet im tutig-tiefenentspannten SPD-Hotspot Hamburg die Macht ergriff. Die WDR-Produktion ist vollständig auf ARD Sounds abrufbar.
Der schnelle Aufstieg des geschassten Amtsrichters blieb bis heute ebenso beispiellos wie der folgende Karriere-Cocktail aus Schlagzeilen, Skandalen und dem Absturz ins Auslach- und Ekelfernsehen. Kann man so eine Geschichte überhaupt sachlich und unaufgeregt wiedergeben? Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass das möglich wäre.

Wie sich das gehört, beginnt die Reportage in der Gegenwart: Klamroth und sein Team der Unerschrockenen klopft an die Tür von Schills aktuellem Wohnhaus in einem südamerikanischen Elendsviertel. Wird der Ronald der Schreckliche tatsächlich die Tür öffnen – und wenn ja, was dann? Mit der Auflösung dieses Cliffhangers müssen wir bis zum Finale des Fünfteilers warten. So wäre es jedenfalls im linearen Medienzeitalter gewesen, dem der Autor ebenso verhaftet ist, wie neumodisch-infantilen Social-Media-Stilblüten. Das zeigt sich im Laufe der Reihe immer wieder, zum Beispiel wenn er mehrmals darauf hinweist, dass er der kleine Junge aus „Das Wunder von Bern“ gewesen ist („Ich spielte die Hauptrolle!“) – irgendjemand Jüngeres aus der Redaktion hat ihm dafür wohl Klickzahlen versprochen …

So ernst „Die Schill Show“ das geschmackliche Vorbild seines Themas nimmt, so sehr lässt sie sich auch in puncto journalistischer Sauberkeit davon inspirieren. Seinen wichtigsten Zeitzeugen Ole von Beust – den ehemaligen Ersten Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, der sich sehenden Auges auf eine Koalition mit der Schill-Bande einließ, um endlich an die Macht zu kommen, und der seinen Innensenator schließlich mit der späten Einsicht feuerte, ihm sei klargeworden, dass demselben die charakterlichen Voraussetzungen für das Amt fehlten – lässt Klamroth als knuffigen Privat-Onkel auftreten, dessen Taktieren einfach Schicksal war, dumm gelaufen, was soll’s? Dabei hat von Beust mit seiner Steigbügelhalterei nichts weniger geleistet als einen wichtigen Beitrag zum Aufstieg des Populismus in Deutschland.  Auch das Bild des hochtalentierten Medien-Profis, das von Ronald Schill selbst entworfen wird, ist aufgejazzt. Sein Humor und seine Schlagfertigkeit werden jedenfalls von keinem einzigen O-Ton untermauert, der in der Serie zu hören ist. Schill hatte schlechte Manieren und eine große Klappe, lange bevor Boris Johnson, Donald Trump & Co noch schlechtere eine noch größere hatten. Aber das ist eher siegreiche Frechheit als Eloquenz. Offensichtlich tut Klamroth, was er kann, um seinem wenig ansprechenden Titelhelden zu Relevanz und Fallhöhe zu verhelfen, was bleibt ihm übrig?

Die Dokumentation „Hateland – Die Schill Show“ ist ebenso eitel, halbseiden, populistisch und para-seriös wie ihr Gegenstand. Das heißt dann wohl: Mission accomplished.

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* Kontakt: hateland@wdr.de. Netiquette für Kommentare: https://www1.wdr.de/hilfe/kommentarregeln100.html

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So siehst Du aus! (10)

betr.: Personenbeschreibungen in der Literatur

Matias Faldbakken (1973-)
The Hills Das „Schwein“, ein Stammgast

Es gibt viele Arten, sich zu kleiden. Das Schwein hat die einzig akzeptable gewählt: tadellos. Er trägt ständig neue Anzüge, und dem Schnitt, den Nähten und der Stoffqualität nach zu urteilen, müssen sie von den Schneidern in   der Savile Row und Umgebung sein. Mit seinen rund 60 Jahren und durch den täglichen Auftritt in solchen Gewändern, ist er in jeder Hinsicht ein stattlicher Mann und ein Mustergast. Das Schwein passt ins „Hills“ wie die Faust aufs Auge.
(…) Das Schwein hat volles, grauweißes Haar, das er sich wöchentlich kurzschneiden lässt. Er bekam schon in seinen Zwanzigern graue Haare, als er in Paris Karriere machte und dort den Spitznamen „le gris“ verliehen bekam, was umgehend zu Grisen = das Schwein wurde, als er nach Norwegen zurückkehrte. Seine Augenbrauen sind dunkel geblieben, was ihn intelligent wie Castelli oder hundeartig wie Scorsese aussehen lässt.     
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https://www.penguin.de/buecher/matias-faldbakken-the-hills/ebook/9783641230210

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Kultfilm Azubis: Nie wieder Fernsehen!

Zum Beginn der neuen Saison ist Bürger Lars Dietrich in unserem Podcast zu Gast, der mit dem heutigen Thema viel Erfahrung gesammelt hat – aktiv wie auch passiv.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/im-himmel-ist-die-hoelle-los-vorwiegend-heiter

A) Im Himmel ist die Hölle los
Satirische Schlagerklamotte von 1983

Deutschland im Jahre 1988. Die pummelige Grundschülerin Mimi ist in heller Aufregung, als ihr Idol Willi Wunder in die Stadt kommt, um seine TV-Show zu moderieren. Als kurz vor der Sendung Willis Assistentin ums Leben kommt, wird die Suche nach einer Nachfolgerin ausgerufen. Unter den Mädchen des Ortes bricht ein erbitterter Kampf aus, an dem sich auch die schüchterne Mimi beteiligt. Klatschreporterin Vanessa Video wittert eine Chance, Willi Wunder endlich zu vernichten – und schreckt auch vor Mord nicht zurück …

Was zunächst wie eine echte deutsche Schlagerklamotte wirkt, ist in Wahrheit eine Parodie auf die Zeit, als die Glotze das wichtigste Möbel in deutschen Haushalten war und alle unbedingt „ins Fernsehen“ wollten. Es ist außerdem ein Science-Fiction-Film, der sich ausmalt, was mit der Bevölkerung passiert, wenn tatsächlich – wie damals angekündigt – das Privatfernsehen eingeführt wird. Die schräge ZDF-Koproduktion wurde zum Lieblingsfilm der Subkultur und ihrer Fans, dessen Dialoge auswendig gelernt und zitiert wurden. Das Ensemble besteht aus Veteranen der Factory des verstorbenen Starregisseurs Rainer Werner Fassbinder und künftigen Fernsehstars wie Dirk Bach und Ralph Morgenstern.

B) Vorwiegend heiter / It’s Always Fair Weather
Amerikanisches Filmmusical von 1956

Die Weltkriegskameraden Ted, Doug und Angie schwören sich, einander auch in Friedenszeiten die Treue zu halten und sich zehn Jahre später in ihrer alten Stammkneipe wiederzutreffen. Als sie das wirklich tun, finden sie einander grauenhaft. Eine Fernsehproduzentin will ihr frustrierendes Treffen in ihrer Live-Show als rührendes Wiedersehen ausschlachten. Das ärgert die Veteranen – hat aber letztlich auch sein Gutes …

Der Film zeigt das amerikanische Filmmusical im Stadium der Reife und gilt als eine handwerkliche Glanzleistung des Genres. Doch für das US-Publikum kam er knapp zu spät: so etwas war nicht mehr in Mode. Das lag auch an der Konkurrenz des Fernsehens, das hier persifliert wird. Für das deutsche Publikum kam der Film 30 Jahre zu früh, denn er beschreibt eine Art von Live-Shows mit Normalbürgern, die sich bei uns erst mit dem Privatfernsehen etablieren sollten. Dass Billy Wilder sich in seinem Film „Das Appartement“ auf einen Running Gag dieses Musicals bezieht, ist der kleine Zipfel Ruhm, den „It’s Always Fair Weather“ erhaschen konnte.

Nächste Woche: Taxi Driver und L.A. Confidential

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Das Neuste von nach dem Ende

betr.: Die aktuelle Filmkritik im Podcast

Das Ende der Sterne (The Dog Stars)
Dystopie von Ridley Scott

Eine Pandemie hat einen Großteil der Weltbevölkerung ausgelöscht. Der Pilot Big Hig lebt mit seinem Hund Jasper in einem verlassenen Flugzeughangar in Colorado. Familie und soziales Umfeld sind ausgelöscht, nur der Ex-Marine Bangley leistet ihm noch Gesellschaft. Eines Tages empfängt Hig einen Funkspruch, der ihm Hoffnung macht, da draußen könnten noch die Überreste einer Zivilisation existieren. Er macht sich mit seiner Cessna auf die Suche nach dem Absender des Signals.

Das Drehbuch von Mark L. Smith und Christopher Wilkinson basiert auf dem 2012 veröffentlichten Roman „Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte“ von Peter Heller. In den USA startet der Film einen Tag später als bei uns.

Volker Robrahn sah ihn vorab:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/das-ende-der-sterne

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