Kultfilm Azubis: Männerwirtschaft

Wir beginnen im heutigen Podcast mit einem Film, an dem denen sich die Synergien zwischen Hollywood und dem europäischen Klassikerkino am Stück bestaunen lassen, ohne dass man aus dem Sessel aufstehen müsste.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/rififi-ein-offizier-und-gentleman

A) Rififi / Du rififi chez les hommes
Französischer Gangsterfilm von 1954

Nach fünf Jahren im Zuchthaus steht Tony vor dem Nichts. Seine früheren Gangsterkollegen Jo und Mario schlagen ihm einen Coup vor, doch nach anfänglichem Zögern macht er ihnen einen noch ambitionierteren Vorschlag. Der hochkomplizierte Fischzug gelingt, doch leider ruft er nicht nur die Polizei auf den Plan …

Der Amerikaner Jules Dassin trug auf der Flucht vor dem McCarthy-Terror entscheidend zur Definition des französischen Kriminalfilms und über diesen Umweg auch zu der des Caper Movies bei. Beim Vortrag des Titelsongs spüren wir, wie wichtig eine gute Nachtclub-Szene ist, und der halbstündige schweigsame Raubzug ist legendär. Wir sind auf der Seite der Einbrecher, erleben jedoch keine selbstbesoffenen Mafia-Primaten wie später bei Scorsese & Co., sondern melancholische Malocher, die zuweilen an ihrer Branche verzweifeln wie die meisten von uns. Als „Rififi“ im Jahre 2000 endlich restauriert in die amerikanischen Kinos kam, kursierten davon noch immer Piratenvideo-Kopien dieses Klassikers – so geht die Legende.

B) Ein Offizier und Gentleman / An Officer And A Gentleman
Amerikanisches Feelgood-Drama von 1982

Angewidert vom Lebensstil seines saufenden Vaters will sich Zack Mayo zum Piloten ausbilden lassen, zum Marine. Dazu muss er zunächst die Offiziersschule besuchen. Der 13wöchige Drill durch den sadistischen schwarzen Sergeant Foleymacht ihm bewusst, dass er seinem Vater in moralischer Hinsicht weniger voraus hat, als er dachte. Foley, der auch den anderen Kadetten nichts schenkt, ist entschlossen, an Mayo ein Exempel zu statuieren. Er macht es sich zur Aufgabe, ihn scheitern zu lassen …

Das künstlerisch wertvollste Vehikel für den damals aufstrebenden „Sexiest Man Alive“ in Hollywood, Richard Gere, war ein Triumph. Der Drill-Sergeant Louis Gossett jr. bekam einen Oscar – genau wie der chartstürmende Titelsong „Up Where We Belong“. Dieser Film schien ein augenblicklicher Klassiker zu sein – und wurde bald darauf gründlich vergessen. Heute ist er ein Beleg dafür, dass erbarmungsloser Kommerz, Schmusekram für die ganze Familie und echtes Schauspieler-Kino einander nicht ausschließen müssten.

Nächste Woche: Willkommen, Mr. Chance und Der Wolfsjunge

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Pannen sind harte Arbeit (höm höm)

betr.: „Das große Upps!-REVIVAL“: Pannenshow mit Dennie Klose & Monty Arnold | RBTV Home

Heute live zu Gast bei bei Lars Paulsen und Florentin Will und dann online: Intimes aus der Welt der „einzig wahren Pannenshow“ (Klose), die von 2005-2012 auf SuperRTL und RTL Quotenrekorde brach, zwei in Echtzeit performte Zuspieler mit Moderation und vieles mehr:

https://www.youtube.com/watch?v=hi-ZPUpNYuY

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Bedtime for Hitchcock

betr.: 26. Todestag von Alfred Hitchcock

In jenen leider vergangenen Zeiten, da Hitchcocks Leichen noch die besten waren, sah man sein Konterfei oft auf den Titelbildern von Krimi-Buchreihen. Das war insofern kein reiner Etikettenschwindel, als sich viele dieser Produkte auf Anthologien aus den USA bezogen, die von Hitchcocks Team sehr kundig zusammengestellt wurden. Den „Drei Fragezeichen“ gab diese Lizenz Starthilfe, und der Meister trat sogar als Freund der jungen Detektive auf (was mich im Kindesalter so neugierig machte, dass ich mir ein Buch aus der Reihe zulegte. Mission erfüllt!).

Hitchcock mit Claude Jade am Set von „Topaz“ und im wohlverdienten Feierabend …

Als Coverboy im Jugendbuchsektor war Hitchcock häufiger anzutreffen. Besonders gern erinnere ich mich an die Sammelbände, in denen die gleichen famosen Autoren zu finden waren, die auch für die Erwachsenen schrieben. Die Geschichten wurden nicht zensiert, sondern einfach nur geschmackvoll ausgesucht.

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Fluchttiere

betr.: 100. Geburtstag von Harper Lee

Ob es nun die Nachtigall des deutschen Roman- und Filmtitels ist oder die Spottdrossel der Originalüberschrift „To Kill A Mockingbird“: am 3. Juli werden sie wieder davongeflattert sein. Bis dahin bietet ARD Sounds mit der Lesung von Eva Matthes eine denkbar gemütliche Gelegenheit, diesen Klassiker kennenzulernen:

Hörbuch
Harper Lee: „Wer die Nachtigall stört“
Erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzung: Claire Malignon
Lesung mit Eva Matthes
Produktion: Argon 2015
Kuratiert von MDR KULTUR
Verfügbar bis 2. Juli 2026

Folge 1: Die Erzählerin Scout ist sechs Jahre alt und lebt mit ihrem Bruder Jem in Maycomb in den Südstaaten. Ihr Vater Atticus Finch ist Anwalt, ihre Mutter früh gestorben. Die schwarze Köchin Calpurnia komplettiert die Familie. – 28 min.

Folge 2: Erster Schultag: Die Lehrerin ist entsetzt, dass Scout schon lesen kann. Das sei gegen die neue Lehrmethode! Ihr Vater dürfe ihr nicht Dinge beibringen! Scout ist verwirrt, denn das Lesen ist ihr einfach zugeflogen. – 28 min.

Folge 3: Scout, Jem und Dill fürchten sich vor dem unsichtbaren Nachbarn Arthur Boo Radley. Niemals kommt er aus dem Haus und es gibt die wildesten Gerüchte über ihn. Es heißt, schon wenn man sein Haus berührt, falle man tot um. – 27 min.

Folge 4: Mit Ende des Sommers reist Dill wieder ab. Scout und Jem bleiben weiter an Boo Radley dran. Geheimnisvoll ist das Baum-Astloch neben seinem Grundstück, in dem ein Unbekannter kleine Geschenke für die beiden deponiert. – 27 min.

Folge 5: Als Atticus Finch die Verteidigung des Schwarzen Tom Robinson übernimmt, wird Scout von Mitschülern und in der Verwandtschaft angefeindet. Ihr Vater sei ein „Niggerfreund“ und eine Schande für die Familie. – 28 min.

Folge 6: Weihnachten auf der Finch-Landing: Scout bekommt Ärger mit ihrem Onkel Jack, weil sie ihren kleinen Neffen Francis vermöbelt hat. Dabei ging es Scout um Gerechtigkeit. Doch das muss sie den Erwachsenen erstmal erklären. – 27 min.

Folge 7: Als Atticus verreisen muss, nimmt Calpurnia Scout und Jem mit in die Kirche – zu den Schwarzen. Die Gemeinde dort betrachtet den Weißen Atticus als Freund. Scout will wissen, warum bei den Schwarzen alles anders ist. – 27 min.

Folge 8: Tante Alexandra verwaltet den Familiensitz Finchs Landing mit der Baumwollfarm. Eines Tages steht sie vor der Tür, um bei ihrem Bruder Atticus einzuziehen: Sie will sich darum kümmern, dass aus Scout eine Dame wird. – 28 min.

Folge 9: Eines Abends machen Scout und Jem eine Entdeckung: Dill liegt bei ihnen unterm Bett. Er ist von zu Hause abgehauen: Wie immer tischt er eine äußerst fantasievolle Geschichte auf. Jetzt wird der Sommer noch besser. – 28 min.

Folge 10: Die Verhandlung beginnt: Der Schwarze Tom Robinson soll das weiße Mädchen Mayella Ewell vergewaltigt haben. Ganz Maycomb ist auf den Beinen wie bei einem Volksfest. Atticus verbietet den Kindern, in die Stadt zu gehen. – 27 min.

Folge 11: Scout, Jem und Dill sind heimlich im Gerichtssaal. Atticus hat Bob Ewell schon verhört und festgestellt: Mayellas Verletzungen stammen von einem Linkshänder – ein Detail, das noch wichtig ist. Jetzt ist Mr. Gilmor dran. – 28 min.

Folge 12: Mayella Ewell muss zu Hause nur schuften. Regelmäßig wird sie von ihrem Säufer-Vater Bob verprügelt. Ihre Verletzungen stammen von einem Linkshänder, wie er einer ist. Tom Robinsons linke Hand dagegen ist verkrüppelt. – 28 min.

Folge 13: Dill muss heulen und kurz rausgehen, weil Anwalt Gilmer Tom so mies behandelt. Der steckt in einem Dilemma: sein Wort, das eines Schwarzen, gegen das von Mayella, einer Weißen. Nun hält Atticus Finch sein Plädoyer. – 28 min.

Folge 14: Tom Robinson wurde „Schuldig“ gesprochen, obwohl er unschuldig ist. Jem ist am Boden zerstört und versteht die Welt nicht mehr. Dann gibt es einen Vorfall: Bob Ewell bespuckt und bedroht Atticus auf offener Straße. – 27 min.

Folge 15: Tante Alexandra hält die Familie der Finchs für etwas Besseres und will aus Scout eine Dame machen. Deshalb muss Scout im Kleidchen das Kaffeekränzchen der Missionsdamen begleiten, zum Glück ist auch Miss Maudie dabei. – 28 min.

Folge 16: Die fast 9-jährige Scout kennt den Begriff „Rassismus“ nicht. Sie spürt einfach mit dem Gerechtigkeitsgefühl eines Kindes, dass bei der Einteilung in wertvolle und wertlose Menschen etwas ganz gewaltig nicht stimmt. – 28 min.

Folge 17: In Maycomb läuft alles wieder in geordneten Bahnen. Nur Bob Ewell scheint etwas auszuhecken. Halloween steht vor der Tür – in diesem Jahr soll es nach den Ausschweifungen im Vorjahr ganz anders gefeiert werden. – 26 min.

Folge 18: Auf dem Heimweg nach dem Theater trägt Scout immer noch ihr Schinkenkostüm. Plötzlich hören sie Schritte im Stockdunkeln, sie werden verfolgt. Dann wird Jem gewaltsam weggerissen und Scout rennt in einen Bauch. Wessen? – 26 min.

Folge 19: Im Hause Finch werden die Vorgänge des Abends rekonstruiert. Niemand anderes als Boo Radley hat Jem und Scout gerettet – endlich macht Scout seine Bekanntschaft. Bob Ewell aber wurde bei dem Überfall erstochen – von Jem? – 26 min.

Hinweis: Harper Lee erzählt auch von tief verankertem Rassismus. Daher tauchen in Buch und Hörbuch immer wieder Begriffe auf, die heute als diskriminierend empfunden werden. 1960 aber, als das Buch veröffentlicht wurde, waren sie alltäglich. Die Geschichte wird von einem kleinen Mädchen erzählt und natürlich benutzt sie die Sprache, die ihr von den Erwachsenen vorgelebt wird. (ARD-Text)

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Unter Regie-Giganten

betr.: 129. Geburtstag von Douglas Sirk

Es ist bekannt, dass der deutsche Regiestar Rainer Werner Fassbinder seinen französischen Kollegen Claude Chabrol nicht mochte. In einem Aufsatz für die Filmbuchreihe des Hanser Verlags schmähte er ihn als „kopf- und gedankenlosen“ Verächter seines Publikums und wies sogar das Lob anderer zurück: „Chabrols Blick ist nicht der eines Insektenforschers, wie oft behauptet wurde, sondern der eines Kindes, das eine Anzahl von Insekten in einem Glaskäfig hält und abwechselnd staunend, erschrocken oder lustvoll die merkwürdigen Verhaltensweisen seiner Tierchen betrachtet. Ganz nach eigener Verfassung, das mag mit gutem oder schlechtem Schlaf, gutem oder schlechtem Essen zusammenhängen, verändert er die Haltung seinen Tieren gegenüber. Er hat also keine Haltung, die wechselt.“
Ganz anders bei Douglas Sirk, einem Landsmann, den die Flucht vor den Nazis nach Hollywood gebracht hatte.
Fassbinder war ein notorischer Schnellfilmer. 1970 hatte er zehn Filme und ein Hörspiel gemacht, von der Theaterarbeit ganz zu schweigen. Dann sah er im Winter 1970 eine Retrospektive von Douglas Sirk, dem wir die schönsten Melodramen Hollywoods verdanken. Begeistert zitierte er: „Sirk hat gesagt, Film, das ist Blut, das sind Tränen, Gewalt, Hass, der Tod und die Liebe.“ Und machte im folgenden Jahr nur einen einzigen Film, den „Händler der vier Jahreszeiten“. Sofort sprach man vom besten deutschen Film der Nachkriegszeit und davon, Fassbinder habe seinen Stil gefunden.
Es blieben ihm noch zehn Jahre, ihm zu fröhnen.

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Der Donnerhall von Tschernobyl

betr.: 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl / das Hörspiel „Gespräche mit Lebenden und Toten“ am 2. Mai im ORF

Die Tschernobyl-Katastrophe ist – so die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch – etwas, „wofür wir noch kein System von Vorstellungen, noch keine Analogien oder Erfahrungen haben, wofür nicht einmal unser bisheriger Sprachschatz ausreicht“. Die Explosion des Reaktors im ukrainischen Kernkraftwerk veränderte nicht nur eine Landschaft, sondern das Leben hunderttausender Menschen.

Über zehn Jahre hinweg hat Swetlana Alexijewitsch mit mehr als 500 Menschen gesprochen, deren Biografien durch den Reaktorunfall unwiderruflich geprägt wurden: mit Feuerwehrleuten und Liquidatoren, mit Bewohnerinnen und Bewohnern der evakuierten Stadt Prypjat, mit Bauern, Soldaten, Wissenschaftlern, Ärzten und Hinterbliebenen. Aus ihren Erinnerungen, Klagen und Bekenntnissen formte sie eine vielstimmige Chronik – einen „Chor lebendiger Stimmen“, der nicht die Geschichte der Katastrophe aus der Perspektive der Technik erzählt, sondern aus der Perspektive der Menschen.

Da ist die junge Frau eines Feuerwehrmanns, die in der Nacht der Explosion aus dem Fenster blickt und ihren Mann zum Einsatz gehen sieht. Sie folgt ihm bis in die Moskauer Klinik für Strahlenkrankheiten, bleibt heimlich bei ihm, obwohl Ärzte sie warnen, und erlebt, wie sein Körper sich unter der tödlichen Strahlung verändert. Ihre Erinnerung ist zugleich eine Liebesgeschichte und eine Geschichte des Abschieds. Andere erzählen von der Evakuierung der Stadt, die zunächst nur für drei Tage angekündigt war – Menschen verlassen ihre Wohnungen, ohne zu wissen, dass sie nie wieder zurückkehren werden. Soldaten durchstreifen die Zone und erschießen zurückgelassene Hunde und Katzen, die noch immer auf ihre Besitzer warten. Liquidatoren erzählen von der absurden Arbeit rund um den zerstörten Reaktor: von Hubschrauberflügen über dem offenen Kern, von Männern, die Graphitbrocken mit bloßen Händen wegschaffen, von der Erde, die man abträgt und wieder vergräbt, als könnte man die Katastrophe einfach unter einer neuen Schicht Boden verschwinden lassen.

Das Ergebnis dieser vielen Gespräche, das Buch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“, erschien 1997. Der deutsche Schriftsteller und Dramaturg Frank Werner hat einen Teil des Werkes unter dem Titel „Gespräche mit Lebenden und Toten“ zu einem Hörspiel verdichtet – eine eindringliche akustische Komposition, die ohne Pathos, allein durch die Kraft der persönlichen Erinnerungen, entstand. Das Hörspiel wurde 1999 Hörspiel des Jahres in Deutschland und erhielt im Jahr 2000 den Robert-Geisendörfer-Preis. Interessierte sollten am Sonntag, dem 2. einschalten, denn die Sendung wird nicht auf der Ö1-Homepage nachhörbar sein.
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„Gespräche mit Lebenden und Toten“ von Swetlana Alexijewitsch, Bearbeitung: Frank Werner, Übersetzung: Ingeborg Kolinko, mit Ilse Strambowski, Peter Gavajda, Viola Morlinghaus und Konstantin Graudus, technische Realisation: Ingo Siegrist, Tanja Betzholz und Karin Beaumont, Regie: Ulrich Gerhardt (SR/NDR/WDR/SFB-ORB 1998)

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Sich aus der Geschichte schleichen

betr.: 167. Jahrestag des 1. Spatenstichs vom Bau des Suezkanals

In den 60er und 70er Jahren waren die deutsch-französisch coproduzierten Adventsvierteiler – heute auch feiertagsunabhängiger „Abenteuer-Klassiker“ genannt – Medienereignisse, die Millionen vor die Bildschirme lockten. Die 1971er Edition „Der Seewolf“ mit dem glücklos-legendären Hauptdarsteller Raimund Harmstorf ist der Evergreen, der davon geblieben ist.
Nach 20 Jahren ging nicht nur die Zeit dieser Art von TV-Spektakeln zuende, es gingen den Produzenten auch die literarischen Vorlagen aus, die zum Jugendbuch zusammengepressten Weltliteraturstücke à la „Die Schatzinsel“ oder „Robinson Crusoe“.

Heute gilt „Der Mann von Suez“ von 1983 als letzter Beitrag dieser Tradition. In meiner Erinnerung wurde der Festtags-Sechsteiler des folgenden Jahres „Patrik Pacard – Entscheidung im Fjord“ in einer Weise angepriesen, die ihn zu einer Art Verlängerung derselben machte, aber da kann ich mich irren.
Jedenfalls war „Der Mann von Suez“ eine recht müde Veranstaltung, die den Abschied erleichterte. Der Kritikpunkt, die Geschichte um die heldenhafte Verwirklichung des Suezkanals sei so unspannend gewesen, weil wir ja alle ihren Ausgang kennen, greift freilich zu kurz. Dann müssten uns ja auch die zahlreichen Filme um den Untergang der Titanic kaltgelassen haben …

Was bleibt, ist der kinowürdige Soundtrack von Vladimir Cosma.*
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* Siehe https://blog.montyarnold.com/2021/03/29/17776/

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Kultfim Azubis: Mitgeschnackt

Bei uns im Norden spricht man von Mitschnackern, wenn es um Leute geht, die andere zu etwas überreden, was denen von Anfang an reichlich beknackt vorkommt – und hinterher erst recht. Ein populärer lustiger und ein vergessener tragischer füllen den heutigen Podcast:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/ferris-macht-blau-toedliche-entscheidung

A) Ferris macht blau / Ferris Bueller’s Day Off
Highschool-Komödie von 1986

Ferris ist der Liebling seiner Mitschüler und ein Meister im Vortäuschen von Krankheiten, um nicht zum Unterricht erscheinen zu müssen. In seinem letzten Jahr an der High School will er das Jubiläum von zehn erfolgreichen Schulschwänzungen vollmachen. Er überredet seinen Freund Cameron – einen braven, ehrlichen Hypochonder – zu einer Spritztour mit Vaters Ferrari durch das sommerliche Chicago. Auch seine Freundin Sloan kommt mit. Doch Schulleiter Rooney will seinen schlimmsten Feind diesmal nicht davonkommen lassen.

Der Autor, Regisseur und Produzent John Hughes, der hier schon mit „The Breakfast Club“ und „Kevin – Allein zu Haus“ zu Gast war, erschafft eine boshafte Sozialsatire, die zugleich als federleichte Teenie-Klamotte funktioniert. Trotz seines aufmüpfigen Ansatzes hatte der Film sogar bei Kritik und „Deutscher Medienbewertung“ Erfolg, tat viel für seinen Hauptdarsteller Matthew Broderick und dessen deutsche Stimme Santiago Ziesmer und nistete sich in den nächsten Jahren auf sämtlichen Heimvideo-Formaten ein, die da kamen und gingen.

B) Tödliche Entscheidung / Before The Devil Knows You’re Dead
Amerikanisches Thrillerdrama von 2008

Der frustrierte Businessman Andy überredet seinen Bruder Hank zu einem Überfall auf das elterliche Juweliergeschäft – das beide gut kennen und bei dem natürlich niemand zu Schaden kommen soll, da ja die Versicherung zahlen wird. Selbstverständlich läuft das alles nicht so glatt wie gedacht, und eine verheerende Kettenreaktion nimmt ihren Lauf …

Sidney Lumet – der Hollywood-Regisseur, der sein New York nie verlassen hat – begann bei der jiddischen Theatergruppe und beim „Group Theatre“, gelangte über das dramatische Live-Fernsehen zum Film und startete dort gleich mit einem Hit, der zum Klassiker wurde: „Die 12 Geschworenen“. Als er 51 Jahre später in seinem letzten Film Ethan Hawke und Philip Seymour Hoffman als tragisches Brüderpaar inszenierte, lagen unzählige Erfolge hinter ihm, alle mit Haltung, aber ohne simple Botschaft. Heute ist Sidney Lumet der am übelsten unterschätzte der großen amerikanischen Regisseure seiner Generation.

Nächste Woche: Rififi und Ein Offizier und Gentleman

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Lesen vom Blatt – Lange Sätze

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

Damals – es war ziemlich gegen Abend – entdeckte ich mit Gewissheit, dass dieser öde, mit Nesseln überwachsene Platz der Kirchhof sei; dass Philipp Pirrip, weiland Mitglied dieses Sprengels, und Georgiana, Ehefrau des Obengenannten, tot und begraben waren; dass Alexander, Bartholomäus, Abraham, Tobias und Roger, Kinder des Obengenannten, dasselbe Schicksal erlitten hatten; dass die unwirtliche, flache Ebene jenseits des Kirchhofs, welche – von Gräben, Dämmen und Schleusen durchschnitten – zerstreuten Viehherden zur Weide diente, die Marschen seien; dass die niedrige, bleifarbene Linie der Fluss; dass die ferne, wilde Wüste, aus welcher der Wind herüberbrauste, das Meer, und dass das kleine schaudernde Ding, das sich vor allem Diesen zu fürchten und deshalb zu weinen anfing, Pip war.

Charles Dickens: „Große Erwartungen“

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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