Kultfilm Azubis: Hausfriedensbruch

Zwei sehr unterschiedliche Fälle von häuslicher Invasion beschäftigen uns im heutigen Podcast:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/gewalt-und-leidenschaft-lemming

A) Gewalt und Leidenschaft / Gruppo di famiglia in un inferno
Französisch-italienisches Drama von 1974

Ein pensionierter Professor, ein Amerikaner in Rom, sammelt in seiner großen, mit Kunstschätzen überladenen Wohnung Familienportraits, doch echte Menschen hat er schon lange nicht mehr um sich. Als die leichtlebige Marchesa Brumonti ihn ausmanövriert, ihren Anhang ins Obergeschoss einziehen zu lassen, ist es mit der Ruhe vorbei. Der alte Herr wird in die Affären der jungen Leute verwickelt, ist aber auch fasziniert von der schillernden, parasitären Persönlichkeit des Liebhabers der Marchesa …

In seinem preisgekrönten Alterswerk widmet sich Luchino Visconti seinen ewigen Lebensthemen: Schönheit, Verlangen, Vergänglichkeit, dem Zusammenprall gegensätzlicher Milieus. Es spielen: Hollywoodstar Burt Lancaster, Filmdiva Silvana Magnano und die Visconti-Entdeckung Helmut Berger, dessen Lebenswandel ihn über den „Denver-Clan“ bis ins „Dschungelcamp“ führen sollte. 

B) Lemming
Surrealer französischer Psychothriller von 2005

Der aufstrebende Ingenieur Alain Getty und seine Frau Bénédicte erwarten Gäste zum Abendessen. Alains Chef Monsieur Pollock bringt seine verstimmte Gattin mit, die den Abend in einer peinlichen Situation versinken lässt. In den folgenden Tagen wird das junge Paar immer tiefer in die Ehekrise des älteren hineingezogen. Und in einen Horrortrip, bei dem ein Lemming im Abwasserrohr als Unglücksbote auftritt …

Dominik Molls schräges Ehedrama mit übernatürlichem Einschlag traf Publikum und Kritik unvorbereitet. Wer den Film ein wenig mochte, verglich ihn mit Hitchcock und David Lynch – mit Lynch hat der Film sehr oberflächlich, mit Hitchcock rein gar nichts zu tun. Der Regisseur wie auch der Gaststar Charlotte Rampling erhielten ansehnliche Filmpreisnominierungen, doch das Werk versank rasch. Und Molls weitere Karriere war bisher nicht dazu angetan, ihn dem Vergessen wieder zu entreißen.

Nächste Woche: Chinatown und Maigret kennt kein Erbarmen

Veröffentlicht unter Film, Podcast, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Böse alte Jammerlappen

betr.: Aktuelle Filmkritik im Podcast

Kleine Spoilerwarnung: im folgenden Gespräch mit Volker Robrahn – mit dessen Urteil ich heute nicht übereinstimme – über eine prominent besetzte Mischung aus Buddy-Movie, Politthriller, Ganovenklamotte und Urlaubsfilm wird ein Detail aus dem dritten Akt verraten. Meiner Meinung nach eines, auf das der Film eh hinarbeitet, aber ich möchte darauf hinweisen:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/wild-horse-nine

Wild Horse Nine
Schwarze Komödie von Martin McDonagh

Im Jahr 1973 werden die CIA-Agenten Chris und Lee von ihrem finsteren Büroleiter MJ auf die Osterinseln entsandt, während dieser in Santiago de Chile den Militärputsch vorbereitet. Chris ist schwer krank, und sein jüngerer Kollege Lee soll ihm angesichts der Memoiren auf den Zahn fühlen, die er vor seinem Ende noch verfassen will.
Vor dem Panorama der ikonischen Osterinsel-Köpfe philosophieren die langjährigen Kampfgefährten über ihre Karrieren, ringen mit ihrer dunklen Vergangenheit und malen sich die Folgen der aktuellen Verschwörung aus. Chris rückt zwei attraktiven rebellischen Studentinnen auf die Pelle, was Lee missfällt und MJ Maßnahmen ergreifen lässt. Schließlich reist der Chef seinen Agenten nach, um sie zur Rede zu stellen …

„Wild Horse Nine“ ist ein schwarzhumoriger Agentenfilm von Martin McDonagh, dem Macher solcher Filme wie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Die Show gehört John Malkovich und Sam Rockwell – mit Steve Buscemi, der sich im Finale zu ihnen gesellt. Die britisch-amerikanisch-chilenische Coproduktion wurde als Wettbewerbsbeitrag der Internationalen Filmfestspiele von Venedig uraufgeführt, wo John Malkovich als bester Darsteller gehrt wurde.
_________________
Auflösung des gestrigen Rätselkrimis

Mr. Crack sen. hatte bei seiner Gedächtnisprobe eine Falle gestellt, in die Mr. McCoy (seltsamerweise als einziger) hineintappte: Im Test-Text hieß es: „… zu einer grauen Sandale trug er …“. Demnach besuchte Mr. Nicholson die Wohltätigkeitsveranstaltung also mit nur einer Sandale. Mr. McCoy war von einem Paar ausgegangen.

Veröffentlicht unter Film, Podcast, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Beim Herrenausstatter

betr.: 43. Todestag von Wolfgang Ecke

In jenen Tagen, da es nur ganz wenige Medien gab und ich dennoch immer das Gefühl hatte, bestens damit versorgt zu sein, gab es einen Autor namens Wolfgang Ecke, der bemerkenswert zuverlässig lieferte: Woche für Woche gab es einen Text im abgebildeten Format in der Zeitschrift „Yps“, und außerdem las man als Jugendlicher seinen Namen auch sonst immerfort. Er imponiert mir im Rückblick noch mehr als in meiner damaligen Zielgruppen-Unschuld.
Diesen Fall mochte ich besonders, obwohl der freundliche Herr im Bild einen etwas fiesen Trick anwendet. Und obwohl es sich eigentlich gar nicht um einen Krimi handelt, sondern einfach nur um eine Denksportaufgabe. (Schon damals war diese Genre-Verpackung hilfreich!)

Die Auflösung wird unter dem morgigen Podcast nachgeliefert.

Veröffentlicht unter Krimi, Manuskript, Monty Arnold - Biographisches | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Der wärmstmögliche trockene Humor

Zum Tode von Hanni Vanhaiden

Am „Spiegel“-Nachruf auf Hanni Vanhaiden fällt einiges auf, was nur zwischen den Zeilen dasteht – oder gar nicht. Selbstverständlich habe ich keinen Fehler zu beklagen, und der Schwerpunkt auf ihrer Tätigkeit als wichtiges Mitglied unseres historischen Ansagerinnen-Ensembles ist völlig korrekt.
Dass Hanni Vanhaiden auch – ich möchte sagen: zuallererst – eine hinreißende Heldin des Kinderfunks war, darf trotzdem nicht unerwähnt bleiben.
Sie war es in besonderem Maße!
Mehr als all die anderen vielgeliebten Schauspieler/Sänger/Kabarettisten/Journalisten beiderlei Geschlechts, die sich im Nebenberuf vor der Kamera auch den „lieben Mädchen und Jungen“ zugewandt haben, war sie begabt darin, diese Zielgruppe umfänglich wertzuschätzen und gleichzeitig deren freundliche Schadenfreude zu erregen, indem sie die engelsgeduldige Erwachsene verkörperte, die von einem Lichteffekt, einer Cartoonfigur oder einer sprechenden Handpuppe schwer geprüft wurde (in diesem Falle: Meikel Mausegreis, der sich die sperrigen Mickymaus-Ohren nach zwei Folgen wegoperieren ließ, um zu Meikel Katzengreis zu mutieren). Die Balance zwischen solcher Loyalität und einem Augenzwinkern hat niemand annähernd so natürlich hinbekommen – und so witzig.
Deshalb war „Emm wie Meikel“ das hintersinnigste und – sagen wir es offen – beste Format seiner Art – Sorry, lieber Hase Cäsar, nichts für ungut, Freund Plumpaquatsch. Vanhaiden traf zur rechten Zeit auf den Autor / Sprecher Wolfgang Buresch (zuvor auch „Der Hase Cäsar“), dessen Humor mit den Jahren immer feiner und durchgeknallter geworden war.
Im Nachruf fällt außerdem auf, dass sich die Hamburger Redaktion nicht nur über den Geburtszeitpunkt der NDR-Größe im Unklaren ist, sondern auch gut zwei Wochen gebraucht hat, um ihr Ableben überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Meikel Katzengreis würde jetzt seine Sherlock–Holmes-Mütze aufsetzen und der Sache nachgehen, wenn er nicht schon viel früher, sang- und klangloser verschwunden wäre.
Der Norden ist ein wenig kühler geworden.

Veröffentlicht unter Fernsehen, Kabarett und Comedy, Monty Arnold - Biographisches | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Zwischen zwei Welten

betr.: Die aktuelle Filmkritik im Podcast

Fatih Akins neuer Film hat eine höhere Altersfreigabe. Monty Arnold und Thomas Schunke sahen ihn vorab:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/geister

Geister
Fantasy-Romanze von Fatih Akin

Eine rauschende Abi-Party auf dem Fernsehturm – das ist die Nacht, in der sich Farasha und Faris kennenlernen. Faris, der nur Wasser getrunken hat, bietet an, Farasha und ihre schwer betrunkene Freundin Una nach Hause zu fahren. Doch auf dem Weg nach Wilhelmsburg kommt ihnen ein Laster in die Quere. Als Faris im Krankenhaus erwacht, braucht er eine Weile um zu realisieren, dass das Mädchen, in das er sich Hals über Kopf verliebt hat, bei diesem Unfall ums Leben kam. In der Nacht nach dem Begräbnis erscheint sie ihm im Traum und macht ihm klar, dass ihnen nur noch 40 Tage bleiben, um auf diese Weise zusammen zu sein. Es sei denn, Faris ist zu einem drastischen Schritt bereit …

Seit mehr als 20 Jahren und mit ebensovielen Spielfilmen ist Fatih Akin ein Star der deutschen Kinoszene. 2018 erhielt er für „Aus dem Nichts“ den Golden Globe. Mit „Geister“ lostet er das Schattenreich zwischen Leben und Tod aus …

Veröffentlicht unter Film, Podcast, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Tod in der Schreibstube

betr.: Aktuelle Filmkritik im Podcast

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/ein-talent-fuers-morden

Ein Talent fürs Morden
Ironisches Kriminalstück von Anton Corbijn

Mitte der 90er Jahre hat die sich gefeierte amerikanische Thriller-Autorin Patricia Highsmith längst in ihr Chalet in den Schweizer Alpen zurückgezogen. Der Welt und ihrer Leserschaft überdrüssig, umgibt sie sich nur noch mit Büchern, Schnecken und Katzen sowie ihrer geliebten Sammlung antiker Waffen. Eines Tages steht der junge Lektor Edward Ridgeway vor der Tür, der der Schriftstellerin im Auftrag ihres New Yorker Verlages einen weiteren Roman um den Hochstapler und Mörder Tom Ripley abtrotzen soll, Highsmiths berühmteste Schöpfung. Dass Ridgeway sich nicht von ihr schocken lässt – nicht von ihrer Ablehnung und nicht von ihren makaberen Scherzen -, lässt die alte Dame zu einer Mischung aus Abscheu und neu erwachtem Sportsgeist auflaufen. Sie quartiert den nervösen jungen Mann bei sich ein und verwickelt  ihn in ein Katz-und-Maus-Spiel. Ridgeway beginnt unter ihrem Einfluss zu mutieren …

Abermals schlüpft Helen Mirren in die Rolle einer historischen Persönlichkeit: der gefeierten Autorin Patricia Highsmith, die wir am Ende ihres Lebensweges und ihrer knapp 50jährigen Weltkarriere antreffen. Ihr Partner in diesem erweiterten Zweipersonenstück ist Alden Ehrenreich. Regisseur Anton Corbijn wurde mit diversen Popstar-Portraits bekannt, „A Talent For Murder“ ist sein 5. Spielfilm.

***

Eingedenk der Tatsache, dass Helen Mirren sich ein wichtiges physiognomisches Merkmal der alten Patricia Highsmith regelmäßig strammziehen lässt, ist es wirklich verblüffend, wie ähnlich sie ihrem Vorbild sieht. Schon als Mirren ganz zu Beginn von hinten in Sicht kommt, meint man die große Schriftstellerin zu sehen. Patricia Highsmith, eine produktive, erfolgreiche und vielfotografierte Frau bis zuletzt, steht vielen von uns noch vor Augen. Sein wir ehrlich: in einem solchen Projekt ist dieser Aspekt keineswegs banal. Ich erinnere mich an zwei Richard–Nixon-Darsteller (Anthony Hopkins und Frank Langella), die mich mit ihrer unpassenden Optik unentwegt aus der Geschichte verscheucht haben und an den berühmten Kalauer von René Goscinny denken ließen: „Ich habe die Nase voll von diesem Doppelgänger, der niemandem ähnlich sieht!“

Selbstverständlich lässt es Helen Mirren nicht bei Äußerlichkeiten bewenden, sondern füllt ihre monströse Rolle fabelhaft aus. Wie schon in „The Queen“, gelingt ihr diese Verwandlung (abgesehen von der Perücke) ohne maskenbildnerische Verfremdung, worauf die Schauspielerin großen Wert legt. Lediglich die Schultern hat sie sich ein bisschen anheben lassen – was bei Königin Elizabeth II. nicht nötig war. Als begeisterter Leser von Highsmiths Romanen und eifriger Konsument auch der sie betreffenden Reportagen und Artikel freue ich mich über die funktionierende Illusion einer Homestory. Das Haus, in dem der Film spielt, ist zwar von außen längst nicht so grotesk und festungsartig wie die wirkliche Trutzburg der unleidlichen alten Dame, doch im Inneren falle ich gern darauf herein, darin umhergehen zu dürfen.

Aber was taugt der Film inhaltlich, und wie gut schlägt sich Mirrens Gegenüber Alden Ehrenreich? Er durfte ja immerhin schon den Weltraumhelden Han Solo verkörpern, gegen dessen reales Vorbild Harrison Ford er nach allgemeiner Einschätzung allerdings nicht ankam. Auch in „A Talent For Murder“ agiert er – wenn auch erst auf den zweiten Blick – als moderne Sagengestalt: Tom Ripley, der literarische und filmische Serien-Schurke, der nach Meinung seiner Erfinderin nie gefasst werden darf. Optisch geht das in Ordnung, zu häufig und zu vielgestaltig wurde dieser Charakter schon interpretiert: von Alain Delon, Dennis Hopper, Matt Damon und zuletzt in einer Serie. Tom Ripley ist ein Chamäleon, ähnlich wie James Bond oder „Dr. Who“. Das entlastet seinen Darsteller. Und dennoch ist der in seiner Bubihaftigkeit nur so lange überzeugend, wie er als Verlagsangestellter auftritt, der gleich zu Beginn seiner Karriere eine besonders harte Nuss zu knacken hat, und nicht als gespaltene Persönlichkeit. Als der Film uns allen Ernstes weismachen will, hinter seiner biederen Fassade lauere gewissermaßen der Leibhaftige, gerät der Film auf mehrfache Weise in Schwierigkeiten. Zunächst einmal waren wir gerade dabei, es uns in einem recht soliden Kammerspiel bequem zu machen, einem Psycho- und Rededuell, als die Handlung uns plötzlich an mondäne Orte mitnimmt und aufgedonnerte Klischeefiguren auftreten lässt – bekanntlich liebt Ripley die Upper Class und will von ihr akzeptiert und zu ihren Parties eingeladen werden. Erstens sind die Drehbuch-Verfasser damit bereits überfordert (der quasikulturelle Smalltalk in den High-Society-Szenen tut körperlich weh), zweitens lässt sich der Film so auf einen Zweikampf mit dem schon erwähnten Auftritt Matt Damons ein: „Der talentierte Mr. Ripley“ von 1999, ein wirkliches Glanzstück, ein schlafender Hund in unseren Hinterköpfen, den man nicht unnütz wecken sollte.
Das Übelste an der Sache aber ist die unverschämte Behauptung, wir würden hier den krönenden Abschluss des Ripley-Zyklus und somit das Vermächtnis der Patricia Highsmith serviert bekommen. Geht’s noch? Dieser aberwitzige Ansatz geht erwartungsgemäß schrecklich in die Hose. Was uns hier als Super-Mordkomplett der beiden Ober-Krimihasen Highsmith und Ridgeway-Ripley geboten wird, würde jeden deutschen Schmunzelkrimi pupsig aussehen lassen. Dass hier weiterhin der Eindruck erweckt wird, der Stern der Schriftstellerin habe sich zuletzt im Sinkflug befunden, ist mindestens ungehörig, angesichts von Highsmiths bis heute ungebrochener Popularität außerdem nicht angebracht.
So verdirbt es sich der Film ausgerechnet mit jenem Teil des Publikums, aus dem er ein paar wirkliche Fans hätte gewinnen können. Mal sehen, was das Laufpublikum sagt.

Veröffentlicht unter Film, Krimi, Literatur, Podcast, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Kultfilm Azubis Halloween-Special: Der Schrecken schleicht durch die Nacht

mit Alex Sobolla und René Hoffmann vom Gast-Podcast „Abspanngucker“

A) Halloween – Die Nacht des Grauens / Halloween
Amerikanischer Horrorfilm von 1978

Mit sechs Jahren hat der kleine Michael Myers seine Schwester bestialisch ermordet. Nach Jahren in der Psychiatrie, in denen er kein Wort gesprochen hat, bricht er aus und kehrt in seinen Heimatort zurück, um wieder zu morden. Zum 15. Jahrestag seiner Untat mischt er sich mit Horrormaske zu Halloween unters Volk. Sein Psychiater Dr. Loomis versucht vergeblich, ein neues Blutvergießen zu verhindern …

Sein dritter Film bescherte John Carpenter einen bis heute andauernden Weltruhm und machte die Debütantin Jamie Lee Curtis in zum Star, die als Laurie vor dem Irren auf der Flucht ist. Es sollte noch 15 weitere Jahre dauern, bis Halloween auch bei uns in die Folklore eingeführt wurde. Michael Myers wurde – wie sich das gehört – zum Serienhelden. 

B) Frankenstein – Das Experiment / Frankenstein
Amerikanischer Horrorfilm von 2015

Der ganze Stolz des Wissenschaftler-Ehepaares Frankenstein ist körperlich ein junger Mann, geistig ein Säugling. Die Freude über den künstlichen Menschen ist rasch vorüber, als er rapide zu verrotten beginnt. Seine Tötung misslingt, da er schier unverwundbar und unermesslich stark ist. Er entkommt und findet in den Slums vorübergehend Anschluss, während er körperlich immer abstoßender wird. Erst als er an den Ort seiner Entstehung zurückkehrt, um Rache zu üben, erfährt er, dass er sogar einen Namen hat: Adam …

Der Film von Bernard Rose verlegt die Geschichte in die Gegenwart, verzichtet auf die Arbeit mit Leichenteilen, nimmt die literarische Vorlage jedoch insgesamt ernster als die meisten der unzähligen Verfilmungen. Das teilweise unerträglich explizite Grauen wird weder durch Camp noch durch historische Kostüme oder wohligen Grusel gemindert und außerdem mit dem realen Horror der amerikanischen Unterschicht angereichert. Danny Huston und Carrie-Ann Moss spielen die Rabeneltern Frankenstein, Xavier Samuel die verstoßene Kreatur. Der Film erblickte das Licht der Leinwand nur auf einigen Festivals und kam auf Video heraus.

Nächste Woche: Gewalt und Leidenschaft und Lemming

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

So siehst Du aus! (19)

betr.: Personenbeschreibungen in der Literatur

Bram Stoker (1847-1912)
Dracula

Graf Dracula

In der Türöffnung stand ein großer alter Mann. Er war glattrasiert, mit Ausnahme eines langen, weißen Schnurrbarts. Auch nicht der winzigste Farbtupfer war an ihm zu entdecken. (…)
Ich hatte nun Gelegenheit, ihn genauer zu betrachten, und fand, daß er sehr ausgeprägte Gesichtszüge besaß.
Sein Gesicht wurde von einer kräftigen – sehr kräftigen – Adlernase mit hohem Nasenrücken und seltsam geschwungenen Nüstern beherrscht. Er besaß eine sehr hohe, gewölbte Stirn und sehr dichtes Haar, das sich nur an den Schläfen etwas lichtete. Seine Augenbrauen waren buschig und stießen fast über der Nasenwurzel zusammen; in ihrem dichten Wuchs wirkten sie wie gelockt. Der Mund war, soweit ich ihn unter dem dichten Schnurrbart sehen konnte, scharf geschnitten und zeigte einen fast grausamen Ausdruck, der durch merkwürdig spitze weiße Zähne, die über die Lippen ragten, unterstrichen wurde. Die bemerkenswerte Röte seiner Lippen bewies eine erstaunliche Vitalität für einen Mann seiner Jahre. Seine Ohren waren bleich und liefen nach oben extrem spitz zu; sein Kinn wirkte breit und kräftig und die Wangen fest, aber fleischlos. Ganz allgemein fiel mir noch seine ungewöhnliche Blässe auf.
Von seinen Händen, die er auf die Knie stützte, hatte ich bisher nur die Handrücken sehen können, und die waren mir im Feuerschein ziemlich weiß und feingliedrig vorgekommen. Jetzt aber, als ich die Hände näher betrachten konnte, mußte ich feststellen, daß sie grob geschnitten waren – breit, mit flachen, breiten Fingern. Merkwürdigerweise wuchsen auch auf der Handfläche Haare. Seine Nägel jedoch waren lang und zu einer scharfen Spitze zugeschnitten. Als sich der Graf über mich beugte und seine Hände mich berührten, mußte ich einen Schauder unterdrücken. Vielleicht lag es an seinem unsauberen Atem; aber jedenfalls überkam mich eine schreckliche Welle von Übelkeit, die ich, sosehr ich mich auch anstrengte, nicht verbergen konnte. Der Graf merkte dies offensichtlich und fuhr zurück. Mit einem bösen Lächeln, das seine vorragenden Zähne mehr denn je entblößte, setzte er sich wieder auf die andere Kaminseite.
____________
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1001559375?msockid=0e9fbe28b56b65de2d80a8bdb4196489

Veröffentlicht unter Literatur, Manuskript | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Mein erster Blick auf eine Diva

Zum Tode von Martina Arroyo

Mit der großen Sopranistin Martina Arroyo ist am 13. Oktober eine der „Supremes der Oper“ gestorben, wie Kai Luehrs-Kaiser es ausdrückte – an Leontyne Price und Reri Grist denkend, die beide noch unter uns sind. Er lobte ihren „leicht unbehauen wirkenden, rohdiamantenen und damit absolut kostbaren Natursopran“.
Als junger Mensch lernte ich die Diva in einer der letzten Folgen der von mir heißgeliebten Sitcom „Männerwirtschaft“ („The Odd Couple“) kennen. In der Episode „Am Mikrofon, Oscar Madison“ („Your Mother Wears Army Boots“ vom 16. Januar 1975) darf sie sich selbst spielen und den Opernfan Tony Randall in seiner WG mit Jack Klugman besuchen. Da lag die ganz große Stunde Arroyos nicht lange zurück, als sie 1973 in der maßgeblichen Aufnahme der „Sizilianischen Vesper“ die Hauptrolle der Elena sang, in der wichtigsten Opern-Aufnahme von James Levine.

Veröffentlicht unter Fernsehen, Musik, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Wohnwelten (23): Ein Modelleisenbahnhof

betr.: So wohnen literarische Figuren

Bei Dorothy L. Sayers (1893-1957) und ihrem Hobby-Ermittler Lord Peter Wimsey geht es vordergründig um – mitunter völlig durchgeknallte – Kriminalfälle und am Rande (vor allem bei Zeitsprüngen und Ortswechseln) um stimmungsvolle Schilderungen von Personal, Ambiente und Atmospähre. „Die Weinprobe“ verwickelt Lord Peter in einen dezenten, kammerspielartigen Konflikt, in dem sein „London Pride“ – man könnte auch sagen: seine Coolness – im höchsten Maße gefordert ist.
Schauplatz der Ereignisse ist die Wohnung des Grafen von Rueil in Frankreich.

Monsouci, der Sitz des Comte du Rueil – jenes exzentrischen, einsiedlerischen Genies – liegt 3 Kilometer außerhalb von Verneuil. Es ist ein tristes, halbverfallenes Schloss, das einsam und verlassen am Ende einer verwahrlosten Kiefernallee sein Dasein fristet, umgeben von der jammervollen Atmosphäre einer Aristokratie ohne Gefolgschaft. Die steinernen Nymphen stehen gebeugt und grün über ihren ausgetrockneten, verwitterten Bassins. Hin und wieder zieht ein Bauer mit einer knarrenden Holzfuhre über schlecht gepflegte Waldschneisen. Den ganzen Tag herrscht Sonnenuntergangsstimmung.
Das Balkenwerk ist trocken und rissig, weil ihm der Anstrich fehlt. Durch die Jalousien sieht man in den steifen Salon mit seinen schönen, ausgebleichten Möbeln. Selbst die letzte der einstmals hier wohnenden uneleganten, unansehnlichen Frauen mit ihren übermäßig ausgeprägten Familienzügen und ihren langen weißen Handschuhen hat Monsouci inzwischen verlassen.
Aber im hinteren Teil des Schlosses raucht unablässig ein Schornstein. Es ist die Heizung des Laboratoriums, des einzig Lebendigen und Modernen hier, inmitten des Alten und Sterbenden. Es ist der einzige Ort, der geliebt und gehegt, verhätschelt und verwöhnt und dem alle Sorgfalt zuteilwird, mit der die Grafen einer leichtlebigeren Zeit ihre Ställe und Zwinger, die Gemäldegalerie und den Ballsaal bedachten, und im kühlen Keller darunter liegen Reihen über Reihen staubiger Flaschen, eine wie die andere ein gläserner Zaubersarg, in dem das Dornröschen der Weinberge im Schlaf zu immer betörenderer Schönheit heranreift.

Veröffentlicht unter Gesellschaft, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen