Kultfilm Azubis: Eine Dienstfahrt, die ist lustig

Es scheint, jede dritte der großen Spürnasen, die uns spontan in den Sinn kommen, ist ein Held, der die Sache mit Humor angeht. Auf einen Dirty Harry und einen Ethan Hunt kommt ein Columbo, auf einen halben Sherlock Holmes ein ganzer Inspector Clouseau. Neben dem knalligen Frank Drebin betrachten wir im heutigen Podcast auch eine frühe Version von Hercule Poirot – und schon hier ist die Grenze fließend:

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Die nackte Kanone / The Naked Gun: From the Files of Police Squad!
Amerikanische Krimiparodie von 1988

Frank Drebin ist ein tüchtiger Ermittler des LAPS, der sogar internationale Politgangster zur Strecke bringt. Andererseits geht auch manches schief, und selbst bei seinen erfolgreichen Einsätzen pflegt er, eine Schneise der Verwüstung zu hinterlassen, diplomatische Verwicklungen auszulösen und seine Kollegen mehr zu gefährden als die Vertreter der Unterwelt. Aktuell steht sowohl ein Besuch von Queen Elizabeth II als auch die Aufklärung des versuchten Mordes an einem Kollegen an …

Der Film, ein typisches Abenteuer aus der Slapstick-Produktion der Zucker-Brüder,  ging aus der gefloppten Fernsehserie „Die nackte Pistole“ hervor, zog Fortsetzungen und ein Remake nach sich und machte den ergrauten Nebendarsteller Leslie Nielsen für den Rest seines Lebens zum Kino-Comedy-Star der Spitzenklasse.

Die Morde des Herrn ABC / The Alphabet Murders
Amerikanische Krimikomödie von 1965

Hercule Poirot reist nach London, um seinen Schneider aufzusuchen. Zufällig beginnt dort zur selben Zeit ein Serienmörder, seine Opfer in alphabetischer Reihenfolge um die Ecke zu bringen. Poirot macht die verstörende Bekanntschaft der mutmaßlichen Täterin (einer offenbar verwirrten Blondine) und des britischen Agenten Hastings, der ihm von der Regierung als Leibwache aufgezwungen wurde. Er braucht nach dem ersten noch einen zweiten Showdown, um den Fall aufzuklären.

„The Alphabet Murders“ entstand in den Swinging Sixties parallel zur „Miss Marple“-Reihe mit Margaret Rutherford, übernahm davon das altmodisch-spleenige Flair – mit ein paar Abweichungen, die die Handschrift des Regisseurs Frank Tashlin tragen und dessen Vorleben im amerikanischen Trickfilm verraten. Auch ein paar Gesichter aus der Rutherford-Reihe treten auf, z.B. der Komödiant Robert Morley in einer ungewöhnlich großen Rolle und Miss Marple herself, die Poirot in der Literatur nie getroffen hat.

Nächste Woche. Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers und Das Waisenhaus (2007)

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Lesen vom Blatt – Lange Sätze

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

Aber ich hielt es für interessant, eine ungewöhnliche Figur zu erwähnen, die ich als historisch garantieren kann und die daran gemahnt, dass der Krieg voll war von unsagbarem Staunen und unaussprechlicher Verzweiflung, und dass er durch eine bekannte Macht, deren Sieg naht, beschlossen wurde – über die Köpfe der Mittelmäßigen hinweg, die dachten, die Initiatoren oder die profunden Taktiker dieses Krieges zu sein – einer Macht, der der Schatten der Auslöschung voranschritt.

Leon Bloy: „Ein deutscher Mönch“ („Blutschweiß“) – Matthes & Seitz Berlin

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Masters Of The Universe (2026)

Ronny war auf der Pressekonferenz in Berlin, das Video dazu ist schon online. Außerdem gibt es in unserem Podcast eine ausführliche Besprechung des gleichnamigen Klassikers von 1987:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/masters-of-the-universe-ein-mann-geht-durch-die-wand

Hier steht unsere kleine Kritikerrunde zum aktuellen Film:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/masters-of-the-universe-2026

Masters of The Universe
US-amerikanischer Superhelden- und Fantasy-Film von Travis Knight

Der abscheuliche Skeletor erobert Eternia und bannt die Macht der guten Zauberin. In letzter Sekunde gelingt es ihr, den Königssohn Adam und das magische Schwert in die Menschenwelt zu teleportieren. Leider werden Knabe und Waffe beim Transport getrennt, und Adam wächst unverstanden unter großstädtischen Kleinbürgern auf. Eines Tages steht seine Jugendfreundin Teela vor ihm und will ihn und das wiedergefundene Schwert nach Eternia mitnehmen, um Skeletor endlich zu bestrafen. Adam wird zu He-Man und führt seine alten Gefährten in die Schlacht – wenn auch mit Hindernissen.

In einem anderen Jahrtausend konnte der Spielwarengigant Mattel innerhalb von fünf Jahren weltweit 120 Millionen He-Man-Actionpuppen verkaufen. Es folgte eine Zeichentrickserie und ein Film der berüchtigten „Cannon“-Gesellschaft, ohne deren hurtig produzierte Produkte die Videotheken der 80er Jahre halbleer geblieben wären. Die zweite Realverfilmung des Kulturphänomens erklärt uns nun alles, was wir bisher noch nicht verstanden haben – und niemals jemanden gefragt hätten.

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Lesen vom Blatt – Lange Sätze

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

Der Lyriker wie SF-Autor Thomas M. Disch resümiert die Erfahrungen, die dabei gemacht wurden, schließlich in den Achtzigerjahren mit dem Bekenntnis, dass der von vielen Stimmen der New Wave geteilte Gedanke, SF pflege, wie Lyrik, ein besonderes Verhältnis zur Metapher, der die Protagonistinnen und Protagonisten der Bewegung zur Anfertigung diverser „quasi-narrative Poems“ verführt hatte, für sich genommen unfruchtbar gewesen sei: Man hatte zu viel Gewicht auf das gelegt, was bei Hegel „Aussprechen“ heißt, und zu wenig auf den „Ausdruck“ – Dischs Pointe war, dass die „experimentelle“ SF diese Schwäche mit der Zeitgenössischen Lyrik teile, welche nach Entdeckung der Reimlosigkeit, des freien Zeilenfalls und anderer Prosa-Importe auf einen Kurs geraten sei, an dessen Zielpunkt die „contemporary poetry“ sich zwischen erstens Konfession, zweitens kurzer (soll heißen: weniger als hundert Verse), semisurrealistischer Vignette und drittens bloßem Gedankenornament als rhetorische Gebärde des Nichteinverstandenseins („expostulation“) in die Belanglosigkeit habe verirren müssen – die Kapitulation der Lyrik vor der Prosa auf ihrem ureigensten Territorium.

Dietmar Dath: „Niegeschichte“ Matthes & Seitz Berlin

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Flucht aus der Kochnische

In Interviews brachte Alfred Hitchcock, der damals populärste Filmemacher der westlichen Welt, gern seine Verachtung für Alltagsgeschichten zum Ausdruck, die es versäumen, uns aus ebendiesem Alltag hinauszuführen. Er nannte diese Produkte „Kitchen Sink Movies“. Ihr Versäumnis bestand darin, dass sie nichts zu erzählen hatten, was dem Publikum nicht jeden Tag selbst zur Genüge passiert, und dass sie etwas verweigerten, worauf wir mit dem Kauf der Kinokarte ein unausgesprochenes Anrecht erworben hatten: die Flucht daraus. Die Probleme mit müdem Nicht-Entertainment sind heute dieselben, sie haben nur prozentual zugenommen. Damals mag es Kleinmut gewesen sein, heute ist es eine Mischung aus fehlender Inspiration und den Beklemmungen eines verdorbenen Rezeptionsklimas, die es hervorbringen.

Als eine verdienstvolle deutsche Band ihre Auflösung aus Altergründen ankündigte, versuchte ein Fan, Altersgenosse und geachteter Journalist im Kulturteil eines wichtigen Magazins der Magie ihrer Themen auf die Spur zu kommen. Er malte eine Lebensgefühls-Collage, in der er auch der (guten) alten Zeit nachblickte: „Du sitzt morgens im Auto im Stau. Der Kaffee schmeckt nach Pappe. Du musst zur Bank, willst was besprechen. Wo früher eine Filiale war, hängt heute ein AfD-Plakat im Schaufenster. Du hast Jahre auf Elternabenden, in Kinderschuhgeschäften und auf Spielplätzen verbracht. Jetzt ziehen die Kinder aus. Und statt Freiheit spürst du Leere. Du sitzt am Bett deiner Mutter und ahnst, dass dies vielleicht das letzte Mal ist, dass sie dich ansieht. Dass dich nie wieder jemand so bedingungslos lieben wird wie sie. (…) Mut, Müdigkeit, Zusammenhalten, Wut, Erinnerungen, Liebe, Abstürze, Sehnsucht, Durchziehen.“ Der Autor lobt den von den Musikern daraus geschaffenen „Resonanzraum einer halben Generation (…) Das Big Picture fürs Auto, die U-Bahn, den Einkauf im Supermarkt, den Nachmittag am Badesee.“ Er kommt auch auf das Versagen der übrigen medialen Eskapismus-Angebote zu sprechen, (deren Auswahl wiederum die Generation kenntlich macht, um die es gerade geht): „Abends im Fernsehen überwiegend hilflose Talkmoderatoren, schlechte Serien und Zeug, das überall spielen könnte, aber mit deinem Leben nichts zu tun hat. (…) In einer Zeit, in der Fernsehen und Filme sich meist in Fantasy und Quatsch flüchten, Literatur sich oft ins Kleine und Banale zurückzieht“.
In einem Update dieses Lamentos würden noch Katzenvideos, Influencer-Lebenshilfe durch Influencer-Tipp und ein Netflix-Abo das Elend vergrößern. Dennoch ist Hitchcocks Problem damit einmal umrundet und eingetütet: das Unterhaltungsangebot hat der gefühlten Tristesse nichts entgegenzusetzen.
Während eine Band (unser Aufhänger zu Beginn) über solche Alltagsthemen 1zu1 singen und ihr Publikum damit erfreuen kann, sollten uns die fürs Fiktionale zuständigen Erzählmedien – die Filme und die Literatur, ganz gleich ob sie nun im Fernsehen kommen, gedruckt werden oder uns auf dem Smartphone begegnen – einen Eskapismus bieten, also eben nicht von Supermärkten, (geschlossenen) Sparkassenfilialen und verwaisten Kinderzimmern handeln. Mit dem Vorwurf „Fantasy und Quatsch“ verweist der Autor auf den versperrten Hinterausgang: Wenn etwas ausnahmsweise nicht trostlos und miefig ist, übertreibt es sogleich gerät zu einem Kitsch, der wie gesagt „mit deinem Leben nichts zu tun hat“ – oder doch so wenig, dass es nicht genügt, um mitzureißen und aus dem Alltag herauszuholen.

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Kultfilm Azubis: Nachbarskinder

Die Helden der beiden Filme im heutigen Podcast bildeten im eben wie in der Kunst ein unzertrennliches Gespann von Sandkastenfreunden: Harper Lee und Truman Capote.

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A) Wer Die Nachtigall stört / To Kill A Mockingbird
US-Drama von 1962

Es ist das Jahr 1932, die Zeit der Großen Depression. Atticus Finch, engagierter Anwalt im ländlichen Alabama, will seinen beiden Kindern, die er als Witwer aufzieht, ein Vorbild sein. Als ein schwarzer Farmarbeiter fälschlich wegen Vergewaltigung angeklagt wird, bestimmt man ihn zum Pflichtverteidiger. Trotz Finchs legendär gewordenen 9minütigen Plädoyers in einem Take, siegt die Gerechtigkeit nur auf Umwegen. Die Geschichte ist aus der Sicht der kleinen Tochter des Anwalts erzählt, Stellvertreterin der Autorin.

Harper Lees Bestseller erhielt 1961 den Pulitzer-Preis. Da er viel Humanismus, keine Liebesgeschichte, keinen wirklichen Bösewicht und nur wenig Action enthält, konnte sich der junge Produzent Alan J. Pakula die Rechte sichern. Er verhalf dem liberalen Filmstar Gregory Peck zur sprichwörtlichen „Rolle seines Lebens“ – was bei einer so langen Karriere etwas heißen will. Robert Duvall gibt sein Kinodebüt als geheimnisvoller Kinderschreck Boo.

B) Capote
Amerikanisches Biopic von 2005

Der New Yorker Gesellschaftslöwe und Erfolgsautor Truman Capote liest in einer schmalen Zeitungsnotiz von der bestialischen Ermordung einer Farmerfamilie im fernen Kansas. Er will eine Reportage darüber schreiben, wie die kleine Gemeinde Holcomb mit dieser verstörenden Situation umgeht. Die Mörder werden rascher gefasst als er dachte – und damit tut sich eine viel größere Erzählung auf, die jetzt erst richtig anfängt. Das Buch wird Geschichte machen, der Weg dorthin wird den Schriftsteller auffressen.

Wir erleben das Making-Of des ersten großen True-Crime-Erfolges „In Cold Blood“ und den Wendepunkt im Leben seines Autors Truman Capote. Philip Seymour Hoffman ist mit der genialen, abgründigen Skandalnudel so trefflich besetzt, dass selbst die Fans seiner Schauspielkunst ins Staunen gerieten. Klugerweise baut Bennett Miller seinen Film auf wenigen entscheidenden Kapiteln der Capote-Biographie von Gerald Clarke auf.

Nächste Woche: Die nackte Kanone und Die Morde des Herrn ABC

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Der Song des Tages: „Bugsy Malone“

betr.: 50. Jahrestag der Präsentation von „Bugsy Malone“ auf dem Filmfestival von Cannes

Es gab und gibt in Hollywood eine Handvoll Filmkomponisten, die Williams heißen. Auch Paul Williams hat sich auf diesem Feld hervorgetan, war aber zuallererst Songschreiber; auch als Schauspieler hat er gearbeitet. Zu seinen Erfolgen zählt der Oscar für Barbra Streisands Song „Evergreen“ („A Star Is Born“), zu seinen Flops der immerhin legendäre Reinfall „Phantom Of The Paradise“ von Brian De Palma, für den er den Soundtrack komponierte. Mit seinen Musikerkollegen Barry Manilow, Rick Astley, Heino und Peter Maffay teilt der lustige rothaarige Bursche das Schicksal, dass sich gern in boshaften Kommentaren und Parodien über ihn lustig gemacht wurde.

Der heutige Tag ist ein schöner Anlass, seinen großartigen Titelsong für das Filmmusical „Bugsy Malone“ aufzulegen (wenn die Zeit nicht für das komplette Album reichen sollte).
Alan Parkers „Bugsy Malone“ ist ein komplett mit Kindern besetzter Gangsterfilm, in dem Jodie Foster einen frühen Auftritt hatte. Er ist sehr sorgfältig und stilecht ausgestattet, doch selbstverständlich zerfetzen die Kids einander nicht mit Maschinengewehrsalven: es wird mit Sahne geschossen. Eine besonders üble Auseinandersetzung der rivalisierenden Banden führte zu der dritten großen Tortenschlacht des amerikanischen Kinos nach „The Battle Of The Century“ (1927) und „The Great Race“ (1965).

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Lesen vom Blatt – Lange Sätze

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

[Andrei Nikolajewitsch] Kolmogorows Axiome der Wahrscheinlichkeit und die Kalküle, die aus ihnen folgen[…], stellen den Zugang zur Wahrscheinlichkeit vom Intuitiven um aufs Kalkulierte, vom fehleranfällig Natürlichen aufs Künstliche – gerade so, wie Nachtsichtgeräte und Restlichtaufheller uns elektromagnetische Wellen erkennbar machen, die wir anderenfalls übersehen müssten, und gerade so, wie spezielle Mikrofone uns helfen, Ultraschall zur Kenntnis zu nehmen, und gerade so, wie Hundepfeifen uns erlauben, Töne zu erzeugen, die wir mit unseren Naturohren selbst nie hören würden, können Gleichungen, wenn wir regelrecht an ihnen herumschrauben, Ergebnisse produzieren, die Sachverhalte offenlegen, die uns anderenfalls verborgen bleiben müssten.

Dietmar Dath: „Niegeschichte“ – Matthes & Seitz Berlin

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Artificial Stupidity

Über das letztliche Obsiegen der KI über den Menschen mache ich mir keine Illusionen, ehrlich!
Wie unbeholfen und fehleranfällig sie aber immer noch ist (solange sie nicht von östlichen Cyber-Terroristen oder Sexualstraftätern genutzt wird), merke ich hin und wieder an den Illustrationen von ARD Sounds. Diese Mediathek wäre ohne kybernetische Hilfe kaum so zuverlässig mit Thumbnails für ihr gewaltiges Angebot zu versorgen.
Ich nutze selbst keine KI, habe aber vor einigen Tagen wieder erfahren dürfen, wie schwer sich mit ihr kommunizieren lässt, etwa wenn es gilt, Korrekturen an einer halbwegs brauchbaren Ablieferung vorzunehmen.
Die Abbildung zeigt ein Beispiel, das selbst Laien irritieren könnte – Laien des Radios, des Tonstudios, der Schlafmedizin, der Auftragskillerei wie auch der Sparte Grafik / Design.
Um im Jargon des beworbenen Beitrags zu bleiben: nicht nur „Mörder sind blöd“.

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„Ich hätt‘ mir was zu Lesen einstecken sollen.“

betr.: 9. Todestag von Roger Moore

Lange Zeit war das Geburtsjahr des dritten und am häufigsten agierenden James-Bond-Darstellers Roger Moore ein Rätsel. Genannt wurden stets wahlweise 1927 und 1929, immerhin der Stichtag 14. Oktober blieb gleich.
Die Idee, einen so sehr vom Ur-Bond Sean Connery abweichenden Typen zum neuen 007 zu machen, galt lange Zeit als haarsträubend, das relativierte sich im Laufe seiner 12jährigen Amtszeit. Heute spielt solcherlei keine Rolle mehr, da sich das Publikum für so weit zurückliegende Affären nicht einmal dann interessiert, wenn sie an eine so beliebte Marke gebunden sind.
Zwei Dinge bleiben mir in Erinnerung: Roger Moore brauchte zwei laue Auftritte, bis er diese Figur wirklich im Griff hatte, sein dritter Auftritt „Der Spion, der mich liebte“ geriet dafür umso eindrucksvoller. Außerdem hat er meines Wissens nie herumgejammert, wie schrecklich es sei, eine so begehrte Rolle ergattert zu haben, was bei seinen Agenten-Kollegen quasi zum Grundrauschen gehörte.
Überhaupt war Moore – eigentlich zu schön für diesen Part – nie um einen flapsigen Spruch verlegen, wenn die Leute von der Presse hereinkamen.
Nachdem er zum neuen Bond gekürt war, musste er abnehmen. Dazu meinte er: „Ich glaube, ich habe mehr Gewicht beim Friseur verloren als durch meine Diät und die Gymnastik.“
Als weitere typische Moore-Interview-Antworten sind diese erhalten.
„Was würden Sie tun, wenn Sie plötzlich sparen müssten?“ – „Als erstes bekämen die Kinder nichts mehr zu essen.“
„Warum tragen Sie so gerne Krawatten?“ – „Sie verhindern, dass die Soße beim Essen direkt auf das Hemd spritzt.“
„Sind Sie abergläubisch?“ – „Ach nein, überhaupt nicht. Aber ich würde auf keinen Fall unter einer Leiter durchgehen oder Salz verschütten. Das hieße, die Vorsehung herauszufordern.“
Moore hielt sich schauspielerisch nicht für besonders talentiert und erging sich ständig in Understatements, die an die des Bond-Erfinders Ian Fleming erinnerten – allerdings ohne dessen Konjunktiv, es ja eigentlich viel besser zu können. Als der Reporter Erich Kocian ihn 1979 fragte, wie er all diese Sentenzen über sein minderes Spiel denn wirklich meine, antwortete er mit entwaffnendem Lächeln: „So wie ich es sage. I’m a shit.“
In der Branche hörte man sonst niemanden etwas Böses, Boshaftes oder auch nur Hämisches über Roger Moore sagen. Er schien keine Feinde zu haben, gerade so, als sei er tatsächlich der unkomplizierte,  fröhliche Kollege, den man sich beim Betrachten seiner Bond-Filme so vorstellt.

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