Kultfilm Azubis: Backstage Battles

Der Hauptfilm im heutigen Podcast hat hierzulande einen Kult von besonderer Art. Für die Leute vom Theater und die Mitwirkenden des gerade aufstrebenden Musical-Fachs war er ein ähnliches Erweckungserlebnis wie es die Serie „Seinfeld“ zehn Jahre später für die noch kleine junge deutsche Comedy-Szene war. Und nur seinetwegen kam ein Musical-Erfolg vom Broadway überhaupt in Europa auf die Bühne.

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Doch wir alle haben was abgekriegt. Wir haben ein neues Wort gelernt.

A) A Chorus Line
Musical-Verfilmung von 1985

Der Regisseur und Choreograph Zach sucht die Besetzung für eine große Broadway-Produktion: vier Jungs und vier Mädchen, die singen, tanzen und schauspielern können. Wir erleben den ganzen Tag des harten Auswahlverfahrens und werden Zeuge der Selbstdarstellungen, die Zach von allen einfordert. Cassie, eine Ex-Geliebte des Meisters, mischt sich unter sie. Zach will sie auch deshalb nicht dabeihaben, weil er sie als eine Hauptdarstellerin sieht, die Schwierigkeiten haben könnte, sich in die Show-Ballettgruppe einzureihen …

Gut zehn Jahre nach seiner Premiere war das Musical „A Chorus Line“ ein hochdekorierter Rekordhalter am Broadway – und das zu einer Zeit, da es noch keine weltweit vermarkteten Lizenz-Musicals gab. Richard Attenborough inszenierte die Filmversion mit Michel Douglas als dem mächtigen Choreographen und Audrey Landers, einem Star der Serie „Dallas“, als junge Kollegin im Casting. Der Film erntete lediglich Nominierungen – etwa für einige nachrangige Oscars und BAFTA Awards sowie für den „Award of the Japanese Academy“ als „bester fremdsprachiger Film“. Die Musik stammt Marvin Hamlisch, im Hauptberuf Soundtrack-Komponist.

B) Phantom der Oper / Phantom of the Opera
Amerikanischer Musikfilm von 1943

Paris zur Zeit der Belle Époque. Erique Claudin verliert nach 20 Jahren seine Stellung als Geiger im Opernorchester. Das ist umso misslicher als er nun die junge Sängerin Christine nicht mehr unterstützen kann, die er heimlich verehrt und fördert. Beim mörderischen Streit mit einem Musikverleger wird Erique grausam entstellt und flieht in die Kanalisation. Bald darauf beginnt es im Opernhaus zu spuken. Der geheimnisvolle Maskierte schreckt auch vor Mord nicht zurück …

Gaston Leroux‘ Romanklassiker von 1910 um den entstellten Wahnsinnigen in den Theaterkatakomben war erst dreimal verfilmt worden, als das „Phantom der Oper“ über seine Musicalfassung in die Popkultur einbrach. Seither wimmelt es von Bearbeitungen und Parodien in allen Medien. Dies ist die zweite Verfilmung und die erste, in der nach der legendären Stummfilmfassung auch das musikalische Element zu seinem Recht kommt.

Nächste Woche: Die Zeitmaschine und Der Schwimmer, zu Gast: Andi Latuska
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Abb. aus „Fun Home“ von Alison Bechdel, Kiepenheuer & Witsch, Köln

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Neues von der Unsterblichen

betr.: Die aktuelle Filmkritik

Jane Austen, die Pfarrerstochter aus Hampshire, hinterließ sechs Romane, die mit etwas Verzögerung allesamt zu Klassikern wurden. So erfolgreich wie heute, mehr als 200 Jahre nach ihrem Tod, war sie noch nie. Sogar ein eigener Zweig der Tourismusbranche lebt von ihr. Jetzt gibt es sie auch wieder auf der großen Leinwand.
Volker Robrahn, Kathrin Schwarz und Anne Sola sahen den Film vorab und besprechen ihn im heutigen Podcast:

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Sinn und Sinnlichkeit
Literaturverfilmung von Georgia Oakley

England um 1800: Nach dem Tod ihres Vaters haben die Schwestern Elinor und Marianne Dashwood als Frauen keinen Anspruch auf das Haus, das nun in den Besitz ihres älteren Halbbruders übergeht. Ohne finanzielle Unterstützung ziehen die Schwestern mit ihrer Mutter in ein bescheidenes Cottage. Nur durch eine Eheschließung können sie sich ein Auskommen verschaffen. Die besonnene Elinor hält ihre Gefühle für Edward Ferrars geheim, da ihr eine gemeinsame Zukunft aufgrund gesellschaftlicher Hindernisse aussichtslos scheint. Die jüngere Marianne folgt ihrem Herzen und verliebt sich in den charismatischen John Willoughby. Wie sich zeigt, lassen sich Liebe, Konvention und finanzielle Absicherung nicht ohne Kompromisse in Einklang bringen.

Kluge Heldinnen, feiner Witz und große Gefühle: Jane Austens Werke gehören heute zu den populärsten Romanklassikern – und das auch, aber nicht nur in Buchform. Sie werden regelmäßig verfilmt, eingelesen und verhörspielt. „Sinn und Sinnlichkeit“ kommt ein paar Monate zu spät, um den kürzlich gefeierten 250. Geburtstag der Autorin mitzunehmen, was ihm vermutlich nicht schaden wird. Der Stoff wurde zuletzt vor gut 30 Jahren von Ang Lee mit Starbesetzung ins Kino gebracht.

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Ein neues Silver Age

Vom Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Nutzung digitaler Tonträger

Heute erreichte mich per Post etwas, wovon ich annehmen musste, dass es seit Jahren gar nicht mehr existiert: der Katalog eines Musikversenders in gedruckter Form. Seit Jahren war er ausgeblieben, und ich hatte mir die Produktpalette ab und zu im Netz aufgerufen.
Passend zu diesem kleinen Bruch der Zeitachse fiel auch das abgedruckte Editorial des Geschäftsführers aus:
»Vom “Vinyl-Boom” und der “Rückkehr der Schallplatte” ist ja schon seit fast 20 Jahren zu lesen. Die gute alte CD hingegen wird mindestens genauso lange für tot erklärt. Doch warum eigentlich? Hier (…) erleben wir jeden Tag, wie quicklebendig die CD als Tonträger ist. Viele tausend dieser Silberlinge verlassen täglich unser Lager, um Kunden in aller Welt Freude zu bereiten. Und auf dem deutschen Musikmarkt war die CD auch 2025 noch das umsatzstärkste physische Musikformat, knapp vor der LP.
Für Schlagzeilen sorgten jüngst neue Zahlen aus den USA. Dort zogen die CD-Verkäufe im ersten Halbjahr 2026 um satte 16% an. Verantwortlich für diese positive Entwicklung sind ausgerechnet Angehörige der Gen Z. Also Musikfans, die zwischen 1995 und 2010 geboren sind und damit eigentlich zu jung sind, um die CD in ihrer “Hochzeit” erlebt zu haben. Doch gerade diese digitale Generation entdeckt jetzt die Vorzüge der kleinen Kunststoffscheibe für sich: den besseren Klang gegenüber der Streaming-Variante und die haptische Erfahrung, ein “echtes” Produkt in den Händen zu halten. Außerdem lenkt der CD-Player beim Abspielen nicht mit Nachrichten oder sozialen Medien ab. Darüber hinaus geht auch bei der Musik – ähnlich wie beim Film – der Trend wieder in Richtung Kauf, Besitz und damit zur uneingeschränkten Nutzung der liebsten Titel.«
Im Podcast und am Rande der Gespräche wurde mir zuletzt Ähnliches berichtet: zumindest ihre Lieblingsfilme wollen viele jetzt wieder auf Tonträger im Schrank haben. Die meisten Nutzer haben inzwischen auch schon erleben müssen, dass die “gekauften” Titel – also Bezahltes, das dann aber nur abrufbar und nicht real vorhanden ist – untergegangen sind, als ihr Anbieter verschwand oder geschluckt wurde. Für musikalische Playlists gilt das selbstverständlich erst recht …
Für einen lebenslangen Sammler wie mich sind das völlig schräge Erlebnisberichte, Geschichten, die sich Philip K. Dick für eine seiner Dystopien ausgedacht haben könnte. Auch die Branche bewegt sich. Ein Kollege, der mir vor einem Dreivierteljahr berichtet hatte, mehrere große Anbieter seien aus der Produktion der Bluray ausgestiegen (währen die DVD-Herstellung noch weiter tröpfelte), hat diese Nachricht kürzlich widerrufen: es ginge nun doch (wieder) weiter.
Natürlich hat die Vernunft auf Erden noch keineswegs gesiegt: »Wie nachhaltig die Begeisterung dieser neuen Hörer für das Format ist, wird die Zeit zeigen. Für den Moment lässt sich jedoch festhalten: Die CD ist noch lange nicht tot.«

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So siehst Du aus! (17)

betr.: Personenbeschreibungen in der Literatur

Charles Dickens (1812–1870)
David Copperfield

Uriah Heep

Als der Ponywagen vor der Türe hielt und ich das Haus musterte, sah ich hinter einem kleinen Fenster im Erdgeschoß in einem kleinen runden Turm, der die eine Seite des Hauses bildete, ein leichenhaftes Gesicht erscheinen und rasch wieder verschwinden. Dann öffnete sich die niedrige Bogentür und das Gesicht kam heraus. Es sah genauso leichenhaft aus, wie hinter dem Fenster und hatte den leisen rötlichen Schein, der dem Teint rothaariger Leute eigen ist. Es gehörte einem rotköpfigen Menschen, einem Jüngling von ungefähr fünfzehn Jahren, der aber viel älter aussah. Das Haar war kurz geschoren, die Augenbrauen fehlten ganz, und die wimperlosen Lider ließen die rötlichbraunen Augäpfel so unbeschützt und unbeschattet, daß ich mir gar nicht vorstellen konnte, wie der junge Mann einzuschlafen imstande wäre. Er war hochschultrig und hager, ganz in Schwarz gekleidet, bis oben zugeknöpft, trug eine schmale, weiße Halsbinde und hatte lange, schmale, hagere Hände, die mir besonders auffielen, als er bei dem Pony stand und, sich das Kinn reibend, zu uns auf den Wagen hinaufsah. (…) Seine Nasenlöcher, scharf und schmal geschnitten, hatten eine sonderbare häßliche Art, sich auszudehnen und zusammenzuziehen. Sie schienen zu zwinkern anstatt seiner Augenlider, die sich nie bewegten.

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https://www.rowohlt.de/buch/charles-dickens-david-copperfield-9783498002978

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Abendverstimmung

Zum Tode von Hans Peter Reutter

Das große Kollegensterben geht weiter. Nach Gerd Thumser, Bob Ziegenbalg und Dada Stievermann habe ich nun vom Tod eines besonders vertrauten Weggefährten erfahren: Hans Peter Reutter.
In den 90er Jahren standen mir mit Sören Sieg, Rainer Bielfeldt, Florian Noack und ihm unglaubliche vier Pianisten parallel zur Verfügung, mit denen ich tingeln und die ich ihren jeweiligen besonderen Qualitäten gemäß einsetzen konnte. Hans Peter, mit dem ich die meisten Ausflüge unternahm, spielte bei mir die Rolle des schrägen „Dr. Bertie“ weiter, die er als Teil des Musikkabarett-Duos „Emmi und Bertie“ gestaltete. Er tat das auch bei unserem lui-même-Gastauftritt im Film „Der bewegte Mann“.
Als das Duo zerbrach, spielte wiederum Emmi alias Christoph Dompke ihre Rolle weiter und tut das bis heute mit „Emmi und Willnowsky“, während Hans Peter Reutter mit Thorsten Saleina ein neues Duo bildete und 2003 als Musikdozent an die Robert Schumann Hochschule nach Düsseldorf ging, wo er im Oktober 2005 zum Professor für Musiktheorie berufen wurde.

Dr. Bertie hatte von all meinen Begleitern die größte komödiantische Bühnenpräsenz. Dazu musste er sich nicht einmal (über sein Bühnenoutfit hinaus) verkleiden. Einmal freute sich ein Kritiker „über seine überraschende Einlage als Krümelmonster“, die rein gesanglich geschah. Hans Peter, der Ligety-Schüler und Komponist Neuer Musik, war als Pianist nicht so virtuos wie Sören, so charmant wie Rainer oder so charismatisch wie Florian, verfügte aber über ein enzyklopädisches Wissen über und Verständnis für die klassische Musik, ohne deswegen den Pop zu verschmähen. Er schrieb famose Liedübersetzungen – seriöse und humoristische – und legte mit „Schönheitsflecken“ auch ein Soloprogramm vor. Seit wir im Sommer 1993 gemeinsam mit dem Duo „Herrchens Frauchen“ und anderen Kollegen in der Hamburger Kampnagelfabrik „Mauschelei auf der Bounty“ gespielt hatten, ein ganz klassisches Ensemblekabarett, war er von dem Wunsch beseelt, sich dem Kabarett alter Schule anzunähern – was offensichtlich von der Verehrung für Lisa Politt und Gunter Schmidt herrührte. Am witzigsten war er aber, wenn er sich der musikalischen Parodie widmete und sich über Kulturelles lustig machte. Zuletzt haben wir uns vor wenigen Jahren getroffen, als er mir bei meinem Stummfilm-Live-Programm „Väter der Klamotte“ beisprang, die letzte meiner Shows, die ich noch sporadisch auf Zuruf aufführe und die dann wieder in der Probe aufgefrischt werden muss.
Seine Krebserkrankung schien Hanns Peter überwunden zu haben, und das Jammern war seine Sache nicht. Deswegen war sein Tod eine Überraschung für mich. Und natürlich weil ich so etwas nicht gern im Schilde führe.
Als Bücherfreund, der weiß, dass er „das alles“ in seiner Restlebenszeit nicht mehr wird durchlesen können, was er so im Schrank hat, fällt mir noch etwas ein. Wie Hans Peter in seinem der Satzlehre gewidmeten Blog im Januar verriet, hat er Robert Musils gefürchteten Jahrhundertroman „Der Mann ohne Eigenschaften“ nur zu 11% geschafft.

Zeichnungen von Thorsten Saleina und Monty Arnold

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Kultfilm Azubis: Augen auf bei der Berufswahl!

Der eigene Job kann sehr ungesund sein, doch auch das Gegenteil hat seine Tücken. Um solche Widersprüche geht es im heutigen Podcast:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/stalker-company-men-gewinn-ist-nicht-alles

A) Stalker / Сталкер
Sowjetische Dystopie von 1979

Ein zynischer Schriftsteller und ein sarkastischer Physiker fliehen mit einem Führer in die „Zone“, die irgendwo hinter einer verödeten Industrielandschaft liegt: ein verlassener, verbotener Bezirk, in dem 20 Jahre zuvor ein Meteorit niederging, vielleicht war es auch ein Atomschlag. Eine Miliz jagt sie, doch Alexander der Stalker (englisch für Kundschafter) kennt sich aus: er war schon einmal in der Zone und muss wie unter Zwang immer wieder dorthin zurückkehren. Hingegen ist keiner der Soldaten, die sich dorthin vorgewagt haben, zurückgekehrt. Alexander wird von seinen Begleitern verspottet, doch als das Trio die seltsame Welt durchschritten und den letzten Raum erreicht hat, sind sie es, die kleinlaut werden …

Andrej Tarkowskij, der mit Mitte 50 im Pariser Exil starb, ist der international wichtigste russische Regisseur nach Sergej Eisenstein. Die populärsten seiner verrätselten, albtraumhaften Mysterien waren „Solaris“ und „Stalker“, bis sich letzterer an die Spitze setzte – waren die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und das strahlenverseuchte Niemandsland drumherum darin doch trefflich vorausgeahnt worden. Die literarische Vorlage „Picknick am Wegesrand“ von den Gebrüdern Strugazky ist ein Hauptwerk der osteuropäischen Fantastik.

B) Company Men – Gewinn ist nicht alles / The Company Men
Britisch-Amerikanisches Drama von 2010

Der Business-Mann Bobby wird nach Jahren eines sorgenfreien Lebens betriebsbedingt entlassen, so wie auch die älteren Kollegen Gene und Phil. Aus geachteter Position stolpern sie in einen Alltag hinein, der aus Coaching, Bewerbungen und sonstigen Herabsetzungen besteht. Bobby muss sogar bei seinem verhassten Schwager auf dem Bau arbeiten. Mit dieser persönlichen Zeitenwende werden die drei Männer unterschiedlich gut zurechtkommen …

John Wells, Autor des Serienhits „Emergency Room“, gelang diese Sozialstudie über eine Mittelschicht, in der auf jede Entlassungswelle zuverlässig weitere folgen werden, ein Umstand, der mehr als 15 Jahre später zur Normalität geworden ist. Die Besetzung wartet mit einem Star auf (Ben Affleck), einem First-Class-Altstar (Kevin Costner), einem geschätzten Charakterdarsteller (Chris Cooper) und einer unverwüstlichen Betriebsnudel (Tommy Lee Jones). Der „New Yorker“ erblickte im Ergebnis einen der „besten Filme des Jahres“, doch schon bald begann ein neues.

Nächste Woche: A Chorus Line und Phantom der Oper (1943)

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Lesen vom Blatt – Lange Sätze

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

In staubigen Schaufenstern stapelten sich die vergilbten Plastikgehäuse obsolet gewordener elektronischer Geräte, die Reisebüros boten Flüge zu gänzlich obskuren Destinationen an, und die Granit- und Glasfassaden der mit dem Geld ahnungsloser Investoren errichteten Geschäftshäuser, die sich hier und da zwischen die älteren Häuserfronten mit ihrem missfarbenen Bewurf schoben, wiesen bereits deutliche Zeichen von Materialermüdung auf, obwohl sie erst wenige Jahre alt waren.
(…) Zwar gelangte ich, aufgrund der tiefen Stille des Korridors und des vernachlässigten Zustands des Gebäudes, bald zu der Überzeugung, dass es, was auch immer einst sein Zweck gewesen war, gewöhnlicherweise zu diesem nicht mehr genutzt wurde, aber dennoch versuchte ich unwillkürlich, das Geräusch meiner Schritte auf dem Linoleumboden zu dämpfen, als fürchtete ich, irgendjemand oder irgendetwas, das sich hinter jenen verschlossenen Türen verbarg, könnte auf mich aufmerksam werden.
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https://carcosa-verlag.de/unsere-buecher/das-flirren-der-hoffnung/

Andreas Fliedner: „Das schmale Haus“

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Krieg der Nerds

betr.: Aktuelle Filmkritik im Podcast / Kinostart: morgen

Mit Volker Robrahn spreche ich über den morgen startenden Film und am Rande darüber, mit wie viel Abstand ein historisches Ereignis zum Filmstoff taugt:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/the-social-reckoning

The Social Reckoning
Politthriller von Aaron Sorkin

Die leidenschaftliche Facebook-Ingenieurin Frances Haugen muss erkennen, dass ihr Arbeitgeber schädliche Inhalte duldet und mit politischer Hetze und Falschinformationen die Demokratie und das Wohl der Jugend gefährdet. Da sie intern mit ihrer Kritik nicht ernstgenommen wird, wendet sie sich schweren Herzens an das „Wall Street Journal“, um die Missstände öffentlich zu machen. Jeff Horwitz nimmt sich des Falles an, der in seinem Unternehmen einen ähnlichen Außenseiter-Status hat wie Haugen in ihrem und der immerhin etwas weniger neurotisch ist.

Unterdessen wird der unnahbar-despotische Facebook-Chef Mark Zuckerberg darin geschult, den Protest gegen seine Machenschaften rhetorisch abwehren zu können.
Der berühmte Drehbuchautor Aaron Sorkin zeichnet die Ereignisse nach, die Facebooks Ruf als gemeinnützige Einrichtung ruinierten, ohne der Plattform oder ihrem Gründer letztlich etwas anhaben zu können. Während die Veröffentlichung der „Facebook Files“ ihren Lauf nimmt, durchläuft die Welt die Corona-Pandemie. Es spielen Mikey Madison, Jeremy Allen White und Jeremy Strong.

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Die schönsten Hörspiele, die ich kenne (32): „Tödliche Ehen“

von Hubert Monteilhet, SRF 1977; 86 + 101 min. – Credits unter https://www.srf.ch/audio/krimi/1-2-toedliche-ehen-von-hubert-monteilhet-gespraech?id=AUDI20261001_NR_0024

„Ich kann mich von dem Eindruck dieses traurigen Endes noch immer nicht erholen. Wenn ich wenigstens noch ein paar Tage Zeit gehabt hätte, um ihn zu beruhigen. Jetzt bin ich ganz allein. Diese leere Wohnung, in der es uns nie gelungen ist, gleichzeitig Liebe füreinander zu empfinden, kommt mir sehr traurig vor.“

Frankreich in den späten 40er Jahren. Um an das Erbe ihres wohlhabenden Gatten Paul Canova zu kommen, will Vera ihn und den kleinen Stiefsohn beseitigen. Zu den diversen Kollateralschäden ihrer Intrige soll auch Pauls Geliebte Béatrice, gehören. Doch die kommt der Verschwörung rechtzeitig auf die Schliche. Nun sind es zwei zu allem entschlossene „Gottesanbeterinnen“ (so der Originaltitel), die einander erbittert bekämpfen, aber auch eine eigenartige Verbindung zueinander aufbauen …

Dinah Hinz als Béatrice – Eine Abbildung von der SRF-Homepage (IMAGO / United Archives)

Das Hörspiel „Tödliche Ehen“ von Hubert Monteilhet (das Buch erschien 1960) ist in mehrfacher Hinsicht eine monströse Angelegenheit. Über weite Strecken hören wir persönliche Briefe, amtliche Schreiben und Tagebucheinträge, die szenisch gelesen werden. Zu einer klassischen Hörspiel-Anmutung kommt es erst, als der heimliche Mitschnitt eines Gesprächs zweier Verschwörer als Beweisstück in einem Gerichtsprozess zugelassen wird und wir die Aufnahme hören können. Die Handlung beginnt mit der Vorgeschichte des Mordopfers, so dass sich der Krimi über Jahrzehnte hinzieht. Dem reichen Paul Canova wird durch einen Gutachter attestiert, eine derart problemfreie, konfliktlose Type zu sein, dass seiner Lebensversicherung nichts im Wege stünde. Die Art und Weise, in der sich dieses Urteil als Irrtum erweisen wird, ist an Perfidie nicht zu überbieten (ein Kind wird umgebracht, indem ihm Glassplitter ins Essen Gemischt werden). Vorab betont der Autor, diese Texte seien tatsächlich alle aus einem realen Kriminalfall zusammenredigiert – und bereitet uns damit schon auf die Trockenheit der mehr als drei Stunden vor, die der SRF-Zweiteiler dauern wird. Dass der dennoch so fesselnd gerät, liegt unter anderem an der Offenheit, mit der er das Leben seiner Figuren verhandelt. Ihre zahllosen sexuellen Verstrickungen (schließlich sind wir in Frankreich!) werden ohne falsche Scham dargestellt und analysiert, was frisch und heutig anmutet. Die zwischen den Szenen eingespielten Chansons von Véronique Sanson hingegen wirken inzwischen, da sie aus unseren Hörgewohnheiten herausgerutscht sind, etwas unpassend, obwohl sie inhaltlich um Liebe und Tod kreisen.

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So siehst du aus! (16)

betr.: Personenbeschreibungen in der Literatur

Edgar Wallace (1875-1932)
Die toten Augen von London

Jake Farrell, der blinde Bösewicht

Er war außergewöhnlich groß, mindestens zwei Meter, wie sie annahm, und von entsprechender Breite. Seine Kleidung bestand nur aus Hemd und Hose, die Füße und Arme waren nackt, die behaarten, muskulösen Oberarme verrieten enorme Kraft. Das rote, runde Gesicht war eigenartig nichtssagend, und die wasserblauen Augen blieben bewegungslos, wenn er sprach. Eine graue Mähne fiel unordentlich nach hinten über seinen Kopf, ein struppiger Bart umrahmte den dicklippigen, großen Mund, die riesigen Ohren standen beinah im rechten Winkel vom Kopf ab – entsetzt starrte sie diese schreckliche Kreatur an.

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https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1037083238

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