Noch ’ne unheimliche Begegnung

Neu im Kino:

Disclosure Day
Fantastisches Thrillerdrama von Steven Spielberg

Der wegen Hackings und Diebstahls vorbestrafte Wissenschaftler Daniel Kellner nutzt eine verdeckte Operation der Regierung zur Flucht, nachdem er ein kosmisches Artefakt an sich genommen hat. Noah Scanlon, der Leiter des Verteidigungsministeriums, hetzt eine Armee von Spezial-Einsatzkräften hinter ihm her. Doch Daniel hat einen Helfer. Der mysteriöse Hugo Wakefield lenkt ihn per Mobiltelefon und weist ihm immer neue Verstecke zu.
Hugo will Daniel mit der Fernseh-Wetterfee Margret zusammenbringen, die zu ihrer eigenen Überraschung seit kurzem über die Gabe verfügt, das ganze Leben eines Menschen zu sehen und alle seine Geheimnisse zu wissen, sobald sie ihm nur ins Auge blickt. Seit sie vor laufender Kamera in Trance eine kosmische Botschaft das Publikum gerichtet hat, wird auch sie von Noahs Leuten gejagt.
Margaret und Daniel kennen einander nicht, doch sie sind Teil eines großen Plans – und einer alten Rechnung, die Hugo und Noah miteinander offen haben …

Steven Spielberg kehrt mit Emily Blunt, Josh O’Connor, Colin Firth und Colman Domingo zu seinen thematischen Wurzeln zurück. Ein weltweites Phänomen erschüttert das Vertrauen der Menschen in die Politik, die etablierte Wissenschaft und die Medien – und es kommt von irgendwo da draußen.

Volker Robrahn, Torben Sterner, Ronny Fanta und Monty Arnold sahen und besprechen den Film gemeinsam:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/disclosure-day

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Fabelwesen und ein Brüderpaar

betr.: 11. Todestag von Christopher Lee

Als Christopher Lee starb, war er einer der angesehensten und populärsten Schauspieler überhaupt. Die Mischung, die er zu bieten hatte, war unwiderstehlich: eine jahrzehntlange Karriere, seine bis zuletzt imposante Erscheinung, die Würde, die er jeder seiner Rollen mitgab, von denen mehrere in der Popkultur Legendenstatus erreichten, und schließlich seine britische Herkunft, die alles wie ein Kitt zusammenhielt. (Er konnte sogar deutsch, und wir hören in einigen Filmen seine Originalstimme.)
Ihm war es vergönnt, als Ensemblemitglied des kleinen britischen Hammer-Filmstudios mit „Dracula“ das wichtigste Filmmonster der neuen Welle zu verkörpern. Dass es Lee sogar gelang, diesen Part seinem großen Vorgänger aus Hollywood zu entreißen, dem unlängst verstorbenen Bela Lugosi, lag nicht zuletzt daran, dass er tatsächlich die bessere Arbeit ablieferte.
Doch der Ruhm als Gruselfilm-Star behinderte ihn auch und schloss ihn von allen anspruchsvollen Projekten aus. Erst 1970 kam ein großer Hollywood-Regisseur und befreite Christopher Lee aus dieser Notlage: „Da ich in einem Film von Billy Wilder spielen konnte, dessen Werk die ernsten wie auch die komischen Momente beinhaltet, konnte ich wirklich für jeden arbeiten. Wenn mich ab diesem Zeitpunkt jemand noch immer auf mein altes Rollenfach festlegen wollte, hatte er schlicht und einfach seine Hausaufgaben nicht gemacht.“
Der Film hieß „Das Privatleben des Sherlock Holmes“.

Lee war stolz darauf, als einziger Schauspieler nicht nur Sherlock Holmes, sondern außerdem auch dessen Bruder Mycroft verkörpert zu haben.
Er erinnert sich:

»Ich kannte Adrian Conan Doyle, einen der beiden Söhne des Autors. Er verriet mir, dass die Namen Sherlock und Holmes beide von bedeutungslosen Cricketspielern stammten, ich weiß nicht, ob das wirklich stimmt.
Adrian war sehr nett zu mir, auch nachdem er mich in meinem fürchterlichen ersten Film als Holmes gesehen hatte, den ich in den frühen 60er Jahren in Berlin gedreht habe: „The Deadly Necklace“ („Sherlock Holmes und das Halsband des Todes“). Dr. Watson war Thorley Walters. Es waren gute deutsche Schauspieler dabei, die solide Englisch sprachen, aber alles – auch mein Part – wurde anschließend synchronisiert. Der Ausstatter baute die schönste Baker Street, die ich je gesehen habe, Terence Fisher führte Regie.
Ich habe die Rolle noch einmal gespielt. Es waren zwei Filme, die parallel von „Harmony Gold“ produziert wurden. In „Sherlock Holmes And The Leading Lady“ deckt Holmes den Plan auf, den Kaiser von Österreich zu ermorden. In „Incident At Victoria Falls“ wird er von König Edward VII nach Simbabwe geschickt, um den „Stern von Afrika“ mitzubringen, den berühmten Diamanten. Er liegt heute im Tower Of London bei den Kronjuwelen, wirklich wahr. Ich nehme den Stein also an mich, und er wird gestohlen. Wir enden mitsamt allen Verdächtigen in den Victoria-Wasserfällen. Claude Akins spielte Theodore Roosevelt. Es gibt eine wunderbare Szene, in der er fröhlich plaudernd vorne auf einem fahrenden Zug sitzt. Patrick Macnee war auch mit dabei – er ist ein paar Monate älter als ich, woran ich ihn immer gern erinnere.
Es waren zwei sehr gute Filme, die fürs Fernsehen auf die Hälfte gekürzt wurden.

In „Das Privatleben des Sherlock Holmes“ wurde Sherlock von Robert Stephens gespielt, Colin Blakely war Dr. Watson. Die geschnittenen Szenen habe ich nie gesehen. Es gibt mindestens zwei weitere Geschichten, die man für eine Laserdisc-Veröffentlichung versuchte, wieder herzustellen. Ich kenne nur das, was im Film ist: die Ballerina, die Holmes als Vater für ihr Kind engagieren will, und die Affäre um Loch Ness, das Ungeheuer und Queen Victoria.
Ich kann die Geschichten, die man sich über Loch Ness erzählt, gut nachvollziehen, Es ist wirklich ein gruseliger, finsterer Ort. Es würde mich nicht überraschen, wenn da wirklich etwas  im Wasser wäre. Der See ist weitläufig, kalt, still und dunkel – ganz besonders, als wir dort unsere Nachtszenen drehten.
Billy Wilder hat mich nie auf  meine Vergangenheit angesprochen. Es kam nur zu dieser einen Bemerkung. Während eines Nachtdrehs an der Burg – es war dunkel, und Fledermäuse flogen herum – warf er mir einen Seitenblick zu und sagte: „Du musst dich hier ja wie zu Hause fühlen.“ Dann hat er nie wieder etwas in der Art gesagt.
Der beste Regisseur, mit dem ich je gearbeitet habe.«

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Kultfilm Azubis: Eine Dienstfahrt, die ist lustig

Es scheint, jede dritte der großen Spürnasen, die uns spontan in den Sinn kommen, ist ein Held, der die Sache mit Humor angeht. Auf einen Dirty Harry und einen Ethan Hunt kommt ein Columbo, auf einen halben Sherlock Holmes ein ganzer Inspector Clouseau. Neben dem knalligen Frank Drebin betrachten wir im heutigen Podcast auch eine frühe Version von Hercule Poirot – und schon hier ist die Grenze fließend:

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Die nackte Kanone / The Naked Gun: From the Files of Police Squad!
Amerikanische Krimiparodie von 1988

Frank Drebin ist ein tüchtiger Ermittler des LAPS, der sogar internationale Politgangster zur Strecke bringt. Andererseits geht auch manches schief, und selbst bei seinen erfolgreichen Einsätzen pflegt er, eine Schneise der Verwüstung zu hinterlassen, diplomatische Verwicklungen auszulösen und seine Kollegen mehr zu gefährden als die Vertreter der Unterwelt. Aktuell steht sowohl ein Besuch von Queen Elizabeth II als auch die Aufklärung des versuchten Mordes an einem Kollegen an …

Der Film, ein typisches Abenteuer aus der Slapstick-Produktion der Zucker-Brüder,  ging aus der gefloppten Fernsehserie „Die nackte Pistole“ hervor, zog Fortsetzungen und ein Remake nach sich und machte den ergrauten Nebendarsteller Leslie Nielsen für den Rest seines Lebens zum Kino-Comedy-Star der Spitzenklasse.

Die Morde des Herrn ABC / The Alphabet Murders
Amerikanische Krimikomödie von 1965

Hercule Poirot reist nach London, um seinen Schneider aufzusuchen. Zufällig beginnt dort zur selben Zeit ein Serienmörder, seine Opfer in alphabetischer Reihenfolge um die Ecke zu bringen. Poirot macht die verstörende Bekanntschaft der mutmaßlichen Täterin (einer offenbar verwirrten Blondine) und des britischen Agenten Hastings, der ihm von der Regierung als Leibwache aufgezwungen wurde. Er braucht nach dem ersten noch einen zweiten Showdown, um den Fall aufzuklären.

„The Alphabet Murders“ entstand in den Swinging Sixties parallel zur „Miss Marple“-Reihe mit Margaret Rutherford, übernahm davon das altmodisch-spleenige Flair – mit ein paar Abweichungen, die die Handschrift des Regisseurs Frank Tashlin tragen und dessen Vorleben im amerikanischen Trickfilm verraten. Auch ein paar Gesichter aus der Rutherford-Reihe treten auf, z.B. der Komödiant Robert Morley in einer ungewöhnlich großen Rolle und Miss Marple herself, die Poirot in der Literatur nie getroffen hat.

Nächste Woche. Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers und Das Waisenhaus (2007)

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Lesen vom Blatt – Lange Sätze

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

Aber ich hielt es für interessant, eine ungewöhnliche Figur zu erwähnen, die ich als historisch garantieren kann und die daran gemahnt, dass der Krieg voll war von unsagbarem Staunen und unaussprechlicher Verzweiflung, und dass er durch eine bekannte Macht, deren Sieg naht, beschlossen wurde – über die Köpfe der Mittelmäßigen hinweg, die dachten, die Initiatoren oder die profunden Taktiker dieses Krieges zu sein – einer Macht, der der Schatten der Auslöschung voranschritt.

Leon Bloy: „Ein deutscher Mönch“ („Blutschweiß“) – Matthes & Seitz Berlin

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Masters Of The Universe (2026)

Ronny war auf der Pressekonferenz in Berlin, das Video dazu ist schon online. Außerdem gibt es in unserem Podcast eine ausführliche Besprechung des gleichnamigen Klassikers von 1987:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/masters-of-the-universe-ein-mann-geht-durch-die-wand

Hier steht unsere kleine Kritikerrunde zum aktuellen Film:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/masters-of-the-universe-2026

Masters of The Universe
US-amerikanischer Superhelden- und Fantasy-Film von Travis Knight

Der abscheuliche Skeletor erobert Eternia und bannt die Macht der guten Zauberin. In letzter Sekunde gelingt es ihr, den Königssohn Adam und das magische Schwert in die Menschenwelt zu teleportieren. Leider werden Knabe und Waffe beim Transport getrennt, und Adam wächst unverstanden unter großstädtischen Kleinbürgern auf. Eines Tages steht seine Jugendfreundin Teela vor ihm und will ihn und das wiedergefundene Schwert nach Eternia mitnehmen, um Skeletor endlich zu bestrafen. Adam wird zu He-Man und führt seine alten Gefährten in die Schlacht – wenn auch mit Hindernissen.

In einem anderen Jahrtausend konnte der Spielwarengigant Mattel innerhalb von fünf Jahren weltweit 120 Millionen He-Man-Actionpuppen verkaufen. Es folgte eine Zeichentrickserie und ein Film der berüchtigten „Cannon“-Gesellschaft, ohne deren hurtig produzierte Produkte die Videotheken der 80er Jahre halbleer geblieben wären. Die zweite Realverfilmung des Kulturphänomens erklärt uns nun alles, was wir bisher noch nicht verstanden haben – und niemals jemanden gefragt hätten.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Lesen vom Blatt – Lange Sätze

betr.: Sprechen am Mikrofon / Übung

Der Lyriker wie SF-Autor Thomas M. Disch resümiert die Erfahrungen, die dabei gemacht wurden, schließlich in den Achtzigerjahren mit dem Bekenntnis, dass der von vielen Stimmen der New Wave geteilte Gedanke, SF pflege, wie Lyrik, ein besonderes Verhältnis zur Metapher, der die Protagonistinnen und Protagonisten der Bewegung zur Anfertigung diverser „quasi-narrative Poems“ verführt hatte, für sich genommen unfruchtbar gewesen sei: Man hatte zu viel Gewicht auf das gelegt, was bei Hegel „Aussprechen“ heißt, und zu wenig auf den „Ausdruck“ – Dischs Pointe war, dass die „experimentelle“ SF diese Schwäche mit der Zeitgenössischen Lyrik teile, welche nach Entdeckung der Reimlosigkeit, des freien Zeilenfalls und anderer Prosa-Importe auf einen Kurs geraten sei, an dessen Zielpunkt die „contemporary poetry“ sich zwischen erstens Konfession, zweitens kurzer (soll heißen: weniger als hundert Verse), semisurrealistischer Vignette und drittens bloßem Gedankenornament als rhetorische Gebärde des Nichteinverstandenseins („expostulation“) in die Belanglosigkeit habe verirren müssen – die Kapitulation der Lyrik vor der Prosa auf ihrem ureigensten Territorium.

Dietmar Dath: „Niegeschichte“ Matthes & Seitz Berlin

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Flucht aus der Kochnische

In Interviews brachte Alfred Hitchcock, der damals populärste Filmemacher der westlichen Welt, gern seine Verachtung für Alltagsgeschichten zum Ausdruck, die es versäumen, uns aus ebendiesem Alltag hinauszuführen. Er nannte diese Produkte „Kitchen Sink Movies“. Ihr Versäumnis bestand darin, dass sie nichts zu erzählen hatten, was dem Publikum nicht jeden Tag selbst zur Genüge passiert, und dass sie etwas verweigerten, worauf wir mit dem Kauf der Kinokarte ein unausgesprochenes Anrecht erworben hatten: die Flucht daraus. Die Probleme mit müdem Nicht-Entertainment sind heute dieselben, sie haben nur prozentual zugenommen. Damals mag es Kleinmut gewesen sein, heute ist es eine Mischung aus fehlender Inspiration und den Beklemmungen eines verdorbenen Rezeptionsklimas, die es hervorbringen.

Als eine verdienstvolle deutsche Band ihre Auflösung aus Altergründen ankündigte, versuchte ein Fan, Altersgenosse und geachteter Journalist im Kulturteil eines wichtigen Magazins der Magie ihrer Themen auf die Spur zu kommen. Er malte eine Lebensgefühls-Collage, in der er auch der (guten) alten Zeit nachblickte: „Du sitzt morgens im Auto im Stau. Der Kaffee schmeckt nach Pappe. Du musst zur Bank, willst was besprechen. Wo früher eine Filiale war, hängt heute ein AfD-Plakat im Schaufenster. Du hast Jahre auf Elternabenden, in Kinderschuhgeschäften und auf Spielplätzen verbracht. Jetzt ziehen die Kinder aus. Und statt Freiheit spürst du Leere. Du sitzt am Bett deiner Mutter und ahnst, dass dies vielleicht das letzte Mal ist, dass sie dich ansieht. Dass dich nie wieder jemand so bedingungslos lieben wird wie sie. (…) Mut, Müdigkeit, Zusammenhalten, Wut, Erinnerungen, Liebe, Abstürze, Sehnsucht, Durchziehen.“ Der Autor lobt den von den Musikern daraus geschaffenen „Resonanzraum einer halben Generation (…) Das Big Picture fürs Auto, die U-Bahn, den Einkauf im Supermarkt, den Nachmittag am Badesee.“ Er kommt auch auf das Versagen der übrigen medialen Eskapismus-Angebote zu sprechen, (deren Auswahl wiederum die Generation kenntlich macht, um die es gerade geht): „Abends im Fernsehen überwiegend hilflose Talkmoderatoren, schlechte Serien und Zeug, das überall spielen könnte, aber mit deinem Leben nichts zu tun hat. (…) In einer Zeit, in der Fernsehen und Filme sich meist in Fantasy und Quatsch flüchten, Literatur sich oft ins Kleine und Banale zurückzieht“.
In einem Update dieses Lamentos würden noch Katzenvideos, Influencer-Lebenshilfe durch Influencer-Tipp und ein Netflix-Abo das Elend vergrößern. Dennoch ist Hitchcocks Problem damit einmal umrundet und eingetütet: das Unterhaltungsangebot hat der gefühlten Tristesse nichts entgegenzusetzen.
Während eine Band (unser Aufhänger zu Beginn) über solche Alltagsthemen 1zu1 singen und ihr Publikum damit erfreuen kann, sollten uns die fürs Fiktionale zuständigen Erzählmedien – die Filme und die Literatur, ganz gleich ob sie nun im Fernsehen kommen, gedruckt werden oder uns auf dem Smartphone begegnen – einen Eskapismus bieten, also eben nicht von Supermärkten, (geschlossenen) Sparkassenfilialen und verwaisten Kinderzimmern handeln. Mit dem Vorwurf „Fantasy und Quatsch“ verweist der Autor auf den versperrten Hinterausgang: Wenn etwas ausnahmsweise nicht trostlos und miefig ist, übertreibt es sogleich gerät zu einem Kitsch, der wie gesagt „mit deinem Leben nichts zu tun hat“ – oder doch so wenig, dass es nicht genügt, um mitzureißen und aus dem Alltag herauszuholen.

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Kultfilm Azubis: Nachbarskinder

Die Helden der beiden Filme im heutigen Podcast bildeten im eben wie in der Kunst ein unzertrennliches Gespann von Sandkastenfreunden: Harper Lee und Truman Capote.

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A) Wer Die Nachtigall stört / To Kill A Mockingbird
US-Drama von 1962

Es ist das Jahr 1932, die Zeit der Großen Depression. Atticus Finch, engagierter Anwalt im ländlichen Alabama, will seinen beiden Kindern, die er als Witwer aufzieht, ein Vorbild sein. Als ein schwarzer Farmarbeiter fälschlich wegen Vergewaltigung angeklagt wird, bestimmt man ihn zum Pflichtverteidiger. Trotz Finchs legendär gewordenen 9minütigen Plädoyers in einem Take, siegt die Gerechtigkeit nur auf Umwegen. Die Geschichte ist aus der Sicht der kleinen Tochter des Anwalts erzählt, Stellvertreterin der Autorin.

Harper Lees Bestseller erhielt 1961 den Pulitzer-Preis. Da er viel Humanismus, keine Liebesgeschichte, keinen wirklichen Bösewicht und nur wenig Action enthält, konnte sich der junge Produzent Alan J. Pakula die Rechte sichern. Er verhalf dem liberalen Filmstar Gregory Peck zur sprichwörtlichen „Rolle seines Lebens“ – was bei einer so langen Karriere etwas heißen will. Robert Duvall gibt sein Kinodebüt als geheimnisvoller Kinderschreck Boo.

B) Capote
Amerikanisches Biopic von 2005

Der New Yorker Gesellschaftslöwe und Erfolgsautor Truman Capote liest in einer schmalen Zeitungsnotiz von der bestialischen Ermordung einer Farmerfamilie im fernen Kansas. Er will eine Reportage darüber schreiben, wie die kleine Gemeinde Holcomb mit dieser verstörenden Situation umgeht. Die Mörder werden rascher gefasst als er dachte – und damit tut sich eine viel größere Erzählung auf, die jetzt erst richtig anfängt. Das Buch wird Geschichte machen, der Weg dorthin wird den Schriftsteller auffressen.

Wir erleben das Making-Of des ersten großen True-Crime-Erfolges „In Cold Blood“ und den Wendepunkt im Leben seines Autors Truman Capote. Philip Seymour Hoffman ist mit der genialen, abgründigen Skandalnudel so trefflich besetzt, dass selbst die Fans seiner Schauspielkunst ins Staunen gerieten. Klugerweise baut Bennett Miller seinen Film auf wenigen entscheidenden Kapiteln der Capote-Biographie von Gerald Clarke auf.

Nächste Woche: Die nackte Kanone und Die Morde des Herrn ABC

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Der Song des Tages: „Bugsy Malone“

betr.: 50. Jahrestag der Präsentation von „Bugsy Malone“ auf dem Filmfestival von Cannes

Es gab und gibt in Hollywood eine Handvoll Filmkomponisten, die Williams heißen. Auch Paul Williams hat sich auf diesem Feld hervorgetan, war aber zuallererst Songschreiber; auch als Schauspieler hat er gearbeitet. Zu seinen Erfolgen zählt der Oscar für Barbra Streisands Song „Evergreen“ („A Star Is Born“), zu seinen Flops der immerhin legendäre Reinfall „Phantom Of The Paradise“ von Brian De Palma, für den er den Soundtrack komponierte. Mit seinen Musikerkollegen Barry Manilow, Rick Astley, Heino und Peter Maffay teilt der lustige rothaarige Bursche das Schicksal, dass sich gern in boshaften Kommentaren und Parodien über ihn lustig gemacht wurde.

Der heutige Tag ist ein schöner Anlass, seinen großartigen Titelsong für das Filmmusical „Bugsy Malone“ aufzulegen (wenn die Zeit nicht für das komplette Album reichen sollte).
Alan Parkers „Bugsy Malone“ ist ein komplett mit Kindern besetzter Gangsterfilm, in dem Jodie Foster einen frühen Auftritt hatte. Er ist sehr sorgfältig und stilecht ausgestattet, doch selbstverständlich zerfetzen die Kids einander nicht mit Maschinengewehrsalven: es wird mit Sahne geschossen. Eine besonders üble Auseinandersetzung der rivalisierenden Banden führte zu der dritten großen Tortenschlacht des amerikanischen Kinos nach „The Battle Of The Century“ (1927) und „The Great Race“ (1965).

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