Notes On A Podcast: „The Fountainhead“

betr.: 138. Geburtstag von Max Steiner / Podcast vom kommenden Freitag

Im Werk des Österreichers Max Steiner, der gemeinsam mit seinem Landsmann Erich Wolfgang Korngold die Grundlagen für das spätromantische Idiom der Filmmusik in Hollywood legte, nimmt „The Fountainhead“ eine fast nicht wahrnehmbare Position ein. Für den Film selbst gilt das insgesamt auch.

Die Handlung: Mit seiner Vision einer radikal neuen Architektur bringt Howard Roark Fachwelt, Kundschaft und Öffentlichkeit gegen sich auf, während sein gefallsüchtiger Weggefährte Peter Keating mit seinen müden Konzepten Erfolg hat. Die Architekturkritikerin Dominique Francon – ebenso stur und kompromisslos wie Roark – schlägt sich auf seine Seite, als der Medientycoon Gail Wynand ihn öffentlich vernichten will. Roark und Francon halten zusammen, obwohl sie einander zu ähnlich sind, um als Paar zu funktionieren. Sie geben auch in dieser Sache nicht auf …

Das erste und dezentere der beiden Schlussbilder des Films „Ein Mann wie Sprengstoff“ (WB).

„The Fountainhead“ von 1949 ist für mich als Leser von Film-Biographien lange Zeit ein Phantom gewesen. Er wird immer wieder erwähnt als ein Schlagwort, unter dem sich jeder etwas vorzustellen vermag, ohne dass man weiter darüber zu reden wünscht oder überhaupt reden müsste.
Die Wenigen, die sich mit diesem Film näher befassen, verwerfen ihn als geschmackloses, verbohrtes Schrillstück, gestehen ihm aber vereinzelt einen Unterhaltungswert zu (was ich persönlich am wichtigsten finde).
Wer über seinen Regisseur King Vidor schreibt, übergeht das Werk nach Möglichkeit. Gary Cooper lässt es aus seiner ohnehin sehr schmalen Autobiographie gänzlich heraus, und in der Tat ist „The Fountainhead“, der im Deutschen „Ein Mann wie Sprengstoff“ heißt (ein Titel von „zweifelhaftem Sex-Appeal“, wie Heinz Emigholz schrieb), in dessen Werk ein ähnlicher Fremdkörper wie die Hitchcock-Filme in dem von James Stewart. Immerhin haben sich letztere als Klassiker bewährt, während kommerzieller Misserfolg und spätere Unbeliebtheit von „The Fountainhead“ ein Grund dafür sein dürften, dass man Rands zweiten Mammutroman „Atlas wirft die Welt ab“ zu ihren Lebzeiten gar nicht erst fürs Kino adaptiert hat. Ab 2011 gab es einen lieb gemeinten Versuch, ihn als Dreiteiler zu realisieren, eine Unternehmung, die buchstäblich versandete. Zugegeben: „Atlas“ ist bei ähnlichem Umfang (1660 Seiten) viel verwicklungs- und figurenreicher als „The Fountainhead“.
Rands zwei Elefanten sind als Bücher hierzulande meistens vergriffen und kursieren zu Mondpreisen in den Online-Antiquariaten. Als das Hamburger Thalia-Theater „The Fountainhead“ 2018 auf die Bühne brachte, erzählte die Dramaturgin in der Einführung, wie schwierig es war, von beiden Übersetzungen („Der Ursprung“ und „Der ewige Quell“) je ein Exemplar aufzutreiben, um den Theatertext aus beiden zu generieren.
Dann entschuldigte sie sich vorsichtshalber beim Publikum für die Präsentation einer Autorin, die eine üble Sektiererin im Stil der Scientologen gewesen sei. Dass der offenkundige Nichtleser Donald Trump auch bei dieser Gelegenheit als Ayn-Rand-Fan verkauft wurde, spricht in seiner wohlfeilen Schrägheit für sich selbst.*
Inzwischen ist „Der Ursprung“ wieder als Buch zu haben, dafür ist „Atlas“, zuletzt 2012 unter dem Titel „Der Streik“ verlegt, gerade wieder out of print.

Charaktere wie in „Ein Mann wie Sprengstoff“ gibt es in dieser Selbstverständlichkeit nur bei Ayn Rand. Sie treten weder in anderen vergleichbar professionellen Kulturprodukten auf, noch im wirklichen Leben, noch im politischen Diskurs. Die allgemeine Kritikerschelte trifft insofern zu: so wie in diesen Dialogen „redet doch kein Mensch“. Doch das ist bedauerlich. Von einer Ausnahme abgesehen (Roarks feiger Konkurrent Peter Keating) sind sämtliche Kombattanten sehr gescheit und wissen sich auszudrücken. Das ist nicht nur ein unendlicher Spaß, es wirkt wie ein Kurbad für die geschundene Seele eines Menschen der Gegenwart, der einem unüberhörbaren Diskurs ausgesetzt ist, in dem das hohle Geschirr immer am lautesten klappert. Wiederum ist egal, welcher Seite ich inhaltlich zuneige: einer argumentiert so dumm wie der andere.
Der Film ist so pompös wie seine Figuren, seinem Architekturthema entsprechend prächtig ausgestattet (wenn auch mit einer Unzahl von Modellen und gemalten Hintersetzern) und herrlich fotografiert (von Hitchcocks späterem Kameramann Robert Burks).
Weiterhin fasziniert mich daran, was mich schon bei der Lektüre von„Atlas Shrugged“ in Erstaunen versetzte: kaum ein hier verhandeltes Thema lässt uns Heutige kalt. Es geht Wort für Wort um das, was gerade in unserem Land und auf der Welt los ist. 

Und was ist mit Rands Standpunkten, die erkennbar einer Zeit entstammen, als man sich über die Verderbtheit der menschlichen Gattung noch vereinzelte Illusionen machen konnte (– dem real existierenden Neoliberalismus ist Rand durch ihren Tod im Jahre 1982 davongekommen)? Sind diese amerikanischen Rand-Institute nicht reichlich unappetitlich? Gewiss, aber längst nicht so mächtig wie die zahllosen totalitären Systeme, die sich auf den weithin geschätzten Karl Marx berufen oder jenes, das bis heute behauptet, im Sinne von Jesus Christus zu handeln.

Nach Zerstreuung suchend lasse mich lieber von einer blitzgescheiten philosophischen Irrläuferin ärgern als von den intellektuellen Kleinbürgern, die mich in Alltag und Kunst mit ihren sozialmedialen Einlassungen ermüden. Leider gilt das in beide Richtungen.
Nehmen wir die Genderdebatte, zu der ich einen klaren Standpunkt habe. Weder mit Michael Mittermeier (der der Meinung ist, von Gendern stürbe doch niemand, also come on! …) noch mit Dieter Hallervorden (der im Gendern ein untrügliches Symptom für linken Gesinnungsterrorismus erblickt – meine Wortwahl) möchte ich mich gemeinmachen. Beide, und ihre Namen sind beliebige Beispiele, möchte ich bitten, mich vor Belehrungen irgendwelcher Art erst einmal annähernd so gut zu unterhalten wie es Ayn Rand auf jeder ihrer Buchseiten und in jeder Filmminute tut, Irritationen inbegriffen.
Ich fühle mich bei ihr wie stets nicht dazu angehalten, meine Überzeugung leichtfertig durch eine mir überbrachte Botschaft auszutauschen. Ich lasse sie in meine Überlegungen einfließen, falls es sich lohnt. Und ich weiß gutes Entertainment zu schätzen.
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* Eine Wiedergabe der Einführung von Susanne Meister folgt.

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Kultfilm Azubis: Aus dem Grünen ins Graue

Aus grauer Städte Mauern ziehn wir durch Wald und Feld … nein, wir machen es im heutigen Podcast umgekehrt und begleiten zwei Sonderlinge – einen alten und einen jungen – aus der Natur in die Menschensiedlung. Beide werden mit ihrem Kulturschock nicht alleingelassen:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/willkommen-mr-chance-der-wolfsjunge

A) Willkommen, Mr. Chance / Being There
Amerikanische Mediensatire von 1979

Der Analphabet Chance hat sein Leben komplett im Gewächshaus verbracht und kennt die Welt nur aus dem Fernsehen. Als sein Dienstherr stirbt, steht der lebensuntüchtige Gärtner plötzlich auf der Straße und droht, in kürzester Zeit im Großstadt-Dschungel unter die Räder zu kommen. Das geschieht tatsächlich, doch es sind die Räder einer Millionärsgattin, die ihn mit nach Hause nimmt, um ihn wieder gesund zu pflegen. Ein erstaunlicher Aufstieg beginnt, an dessen Ende Mr. Chance sogar übers Wasser gehen wird … 

Unter den Fans des britischen Charakterkomikers Peter Sellers hält sich hartnäckig das Gerücht, dies sei sein letzter Film gewesen, krönender und würdiger Abschluss eines früh abreißenden genialen Lebenswerkes. Dass in Wahrheit die biedere Trash-Klamotte „Das boshafte Spiel des Dr. Fu Man Chu“ noch folgte, wird der Ambivalenz des Sellers’schen Schaffens, in der der Kalauer allweil seinen festen Platz hatte, ebenso gerecht. Die leise, fast zärtliche Bosheit von Hal Ashbys Parabel auf den Wunsch der westlichen Zivilisation, sich für dumm verkaufen zu lassen, nimmt sich in unseren Tagen wie ein utopisches Märchen aus.

B) Der Wolfsjunge / L’enfant sauvage
Französisches Drama von 1970

Eine südfranzösische Bäuerin sieht sich 1798 beim Pilzesuchen plötzlich einem nackten, langhaarigen Jungen gegenüber, der bei ihrem Anblick panisch auf allen Vieren flieht. Als Dr. Itard in der Zeitung von dem viehischen Findling erfährt, erwacht sein wissenschaftliches Interesse. Mit Fürsorge und Geduld glaubt er, den Knaben zivilisieren zu können. Der erhält den Namen Victor – und wehrt sich gegen die Optimierungsversuche …

All seiner unbestreitbaren Beiträge zum Klassiker-Kanon zum Trotz, kann man Francois Truffaut auf einem anderen Gebiet für noch verdienstvoller halten: dem Filmjournalismus und seiner Arbeit als Filmhistoriker. Dieses Nebenwerk des früh verstorbenen Regisseurs und Nouvelle-Vague-Mitbegründers ist auch deshalb bemerkenswert, weil es sich innerhalb und außerhalb seines Schaffens kaum einsortieren lässt. Es zeigt Truffaut auch in einer der Hauptrollen – eine späte Entscheidung des Regisseurs, nachdem er die Mitarbeit am Drehbuch schon beendet hatte.

Nächste Woche: Ein Mann wie Sprengstoff und Michael Clayton

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Der Song des Tages: Tribute to Mr. Burns!

betr.: 111. Geburtstag von Orson Welles

Orson Welles lässt sich in seiner ersten Filmrolle von der Schar seiner Untergebenen feiern. Es ist der Moment, in dem der bis dato ehrenfeste Aufsteiger Charles Foster Kane in den Größenwahn hinüberkippt.

Tribute to Charles Foster Kane“ (from „Citizen Kane“)
Lyrics: Herman Ruby – Music: Pepe Guizar („A Poco No“)

Charles Bennett and RKO Orchestra and Chorus conducted by Bernard Herrmann

There is a man – a certain man –
And for the poor you may be sure
That he’ll do all he can!
Who is this one?
This fav’rite son?
Just by his action
Has the Traction magnates on the run?
Who loves to smoke?
Enjoys a joke?
Who wouldn’t get a bit upset
If he were really broke?
With wealth and fame,
He’s still the same.
I’ll bet you five you’re not alive
If you don’t know his name.
What is his name?
It’s Charlie Kane.
(Chorus: It’s Mister Kane!)
He doesn’t like that Mister
He likes good old Charlie Kane.

Who says a miss
Was made to kiss?
And when he meets one, always tries
To do exactly this?
Who buys the food?
Who buys the drinks?
Who thinks that dough was made to spend,
And acts the way he thinks?
Now is it Joe?
(Chorus: No, no, no, no!)
I’ll bet you ten you aren’t men
If you don’t really know!

In der Episode „Marge muss jobben” aus der 4. Staffel der Serie „Die Simpsons“ (5.11.1992) wird das Lied auf den Bösewicht der Serie Charles Montgomery Plantagenet Schicklgruber Burns umgewidmet und von dessen hündischem Privatsekretär Waylon Smithers vorgetragen. („Citizen Kane“-Anspielungen waren in der Frühzeit der „Simpsons“ obligatorisch.)

There is a man…
A certain man…
A man whose grace
And handsome face
Are known across the land.
You know his name…
It’s Mr. Burns!
He loves to smoke.
Enjoys a joke.
(Chorus: Ha-ha-ha-ha!)
Why, he’s worth ten times what he earns.
He’s Mr. Burns!
He’s Monty Burns!
(Monty Burns: I’m Mister Burns!)
To friends, he’s known as Monty,
But to you, it’s Mr. Burns!
BUR-BURBUR

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Untergehen in Farbe

betr.: 65. Jahrestag der Deutschlandpremiere von „Atlantis, The Lost Continent“

„Atlantis, der verlorene Kontinent“
ist der Film des Regisseurs George Pal, der auf den Klassiker„Die Zeitmaschine“ (1960) folgte. Der Qualitätsunterschied könnte größer nicht sein, obwohl es sich auch hier um einen Film handelt, der im schönsten Sinne campy und sehr unterhaltsam ist.
Über das sagenhafte Atlantis hat man versucht, sich auch abseits fröhlicher Fiktionalisierungen ein einheitliches Bild zu machen, sozusagen eine verbildliche Mythologie zu formulieren. Einiges zu diesem Thema war schon im ST. GEORGE HERALD zu lesen, die „Musikstunde“* des SWR entschied sich vor einigen Monaten für diese Version der Legende:

»Auf ihrer Reise durch die Weltmeere besucht die Nautilus auch Atlantis, dieses sagenumwobene Reich, das um 400 vor Christus das erste Mal der griechische Philosoph Platon erwähnt und detailliert beschrieben hat. Atlantis soll im Atlantik gelegen haben, eine große Inselgruppe, deren weite Ebenen äußerst fruchtbar gewesen sein sollen. Herrscher war der Sohn des Poseidon Atlas, daher der Name Atlantis. Um 9600 vor Christus, so schreibt es Platon, soll die Insel durch eine Naturkatastrophe innerhalb „eines einzigen Tages und einer unglückseligen Nacht“ untergegangen sein. Schon in der Antike war den meisten klar, dass Atlantis eine reine Erfindung war. Dennoch haben Seefahrer und Gelehrte Jahrhundertelang danach gesucht. Und es auch – in Anführungszeichen – gefunden. 1492 zum Beispiel glaubten viele Europäer, dass das soeben durch Kolumbus entdeckte Amerika Teil von Atlantis war. Ein modernes Atlantis ist das Tuanaki Atoll mitten im Pazifik zwischen Australien und Südamerika. 1842 soll ein Seefahrer die Inseln besucht haben, seitdem sind sie unauffindbar, im Meer versunken wie einst Atlantis.«
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* In der Sendung „Singer-Songwriter: In Meerestiefen –
Musik vom Abtauchen
“ von Moritz Chelius

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Kultfilm Azubis: Männerwirtschaft

Wir beginnen im heutigen Podcast mit einem Film, an dem denen sich die Synergien zwischen Hollywood und dem europäischen Klassikerkino am Stück bestaunen lassen, ohne dass man aus dem Sessel aufstehen müsste.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/rififi-ein-offizier-und-gentleman

A) Rififi / Du rififi chez les hommes
Französischer Gangsterfilm von 1954

Nach fünf Jahren im Zuchthaus steht Tony vor dem Nichts. Seine früheren Gangsterkollegen Jo und Mario schlagen ihm einen Coup vor, doch nach anfänglichem Zögern macht er ihnen einen noch ambitionierteren Vorschlag. Der hochkomplizierte Fischzug gelingt, doch leider ruft er nicht nur die Polizei auf den Plan …

Der Amerikaner Jules Dassin trug auf der Flucht vor dem McCarthy-Terror entscheidend zur Definition des französischen Kriminalfilms und über diesen Umweg auch zu der des Caper Movies bei. Beim Vortrag des Titelsongs spüren wir, wie wichtig eine gute Nachtclub-Szene ist, und der halbstündige schweigsame Raubzug ist legendär. Wir sind auf der Seite der Einbrecher, erleben jedoch keine selbstbesoffenen Mafia-Primaten wie später bei Scorsese & Co., sondern melancholische Malocher, die zuweilen an ihrer Branche verzweifeln wie die meisten von uns. Als „Rififi“ im Jahre 2000 endlich restauriert in die amerikanischen Kinos kam, kursierten davon noch immer Piratenvideo-Kopien dieses Klassikers – so geht die Legende.

B) Ein Offizier und Gentleman / An Officer And A Gentleman
Amerikanisches Feelgood-Drama von 1982

Angewidert vom Lebensstil seines saufenden Vaters will sich Zack Mayo zum Piloten ausbilden lassen, zum Marine. Dazu muss er zunächst die Offiziersschule besuchen. Der 13wöchige Drill durch den sadistischen schwarzen Sergeant Foleymacht ihm bewusst, dass er seinem Vater in moralischer Hinsicht weniger voraus hat, als er dachte. Foley, der auch den anderen Kadetten nichts schenkt, ist entschlossen, an Mayo ein Exempel zu statuieren. Er macht es sich zur Aufgabe, ihn scheitern zu lassen …

Das künstlerisch wertvollste Vehikel für den damals aufstrebenden „Sexiest Man Alive“ in Hollywood, Richard Gere, war ein Triumph. Der Drill-Sergeant Louis Gossett jr. bekam einen Oscar – genau wie der chartstürmende Titelsong „Up Where We Belong“. Dieser Film schien ein augenblicklicher Klassiker zu sein – und wurde bald darauf gründlich vergessen. Heute ist er ein Beleg dafür, dass erbarmungsloser Kommerz, Schmusekram für die ganze Familie und echtes Schauspieler-Kino einander nicht ausschließen müssten.

Nächste Woche: Willkommen, Mr. Chance und Der Wolfsjunge

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Pannen sind harte Arbeit (höm höm)

betr.: „Das große Upps!-REVIVAL“: Pannenshow mit Dennie Klose & Monty Arnold | RBTV Home

Heute live zu Gast bei bei Lars Paulsen und Florentin Will und dann online: Intimes aus der Welt der „einzig wahren Pannenshow“ (Klose), die von 2005-2012 auf SuperRTL und RTL Quotenrekorde brach, zwei in Echtzeit performte Zuspieler mit Moderation und vieles mehr:

https://www.youtube.com/watch?v=hi-ZPUpNYuY

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Bedtime for Hitchcock

betr.: 26. Todestag von Alfred Hitchcock

In jenen leider vergangenen Zeiten, da Hitchcocks Leichen noch die besten waren, sah man sein Konterfei oft auf den Titelbildern von Krimi-Buchreihen. Das war insofern kein reiner Etikettenschwindel, als sich viele dieser Produkte auf Anthologien aus den USA bezogen, die von Hitchcocks Team sehr kundig zusammengestellt wurden. Den „Drei Fragezeichen“ gab diese Lizenz Starthilfe, und der Meister trat sogar als Freund der jungen Detektive auf (was mich im Kindesalter so neugierig machte, dass ich mir ein Buch aus der Reihe zulegte. Mission erfüllt!).

Hitchcock mit Claude Jade am Set von „Topaz“ und im wohlverdienten Feierabend …

Als Coverboy im Jugendbuchsektor war Hitchcock häufiger anzutreffen. Besonders gern erinnere ich mich an die Sammelbände, in denen die gleichen famosen Autoren zu finden waren, die auch für die Erwachsenen schrieben. Die Geschichten wurden nicht zensiert, sondern einfach nur geschmackvoll ausgesucht.

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Fluchttiere

betr.: 100. Geburtstag von Harper Lee

Ob es nun die Nachtigall des deutschen Roman- und Filmtitels ist oder die Spottdrossel der Originalüberschrift „To Kill A Mockingbird“: am 3. Juli werden sie wieder davongeflattert sein. Bis dahin bietet ARD Sounds mit der Lesung von Eva Matthes eine denkbar gemütliche Gelegenheit, diesen Klassiker kennenzulernen:

Hörbuch
Harper Lee: „Wer die Nachtigall stört“
Erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzung: Claire Malignon
Lesung mit Eva Matthes
Produktion: Argon 2015
Kuratiert von MDR KULTUR
Verfügbar bis 2. Juli 2026

Folge 1: Die Erzählerin Scout ist sechs Jahre alt und lebt mit ihrem Bruder Jem in Maycomb in den Südstaaten. Ihr Vater Atticus Finch ist Anwalt, ihre Mutter früh gestorben. Die schwarze Köchin Calpurnia komplettiert die Familie. – 28 min.

Folge 2: Erster Schultag: Die Lehrerin ist entsetzt, dass Scout schon lesen kann. Das sei gegen die neue Lehrmethode! Ihr Vater dürfe ihr nicht Dinge beibringen! Scout ist verwirrt, denn das Lesen ist ihr einfach zugeflogen. – 28 min.

Folge 3: Scout, Jem und Dill fürchten sich vor dem unsichtbaren Nachbarn Arthur Boo Radley. Niemals kommt er aus dem Haus und es gibt die wildesten Gerüchte über ihn. Es heißt, schon wenn man sein Haus berührt, falle man tot um. – 27 min.

Folge 4: Mit Ende des Sommers reist Dill wieder ab. Scout und Jem bleiben weiter an Boo Radley dran. Geheimnisvoll ist das Baum-Astloch neben seinem Grundstück, in dem ein Unbekannter kleine Geschenke für die beiden deponiert. – 27 min.

Folge 5: Als Atticus Finch die Verteidigung des Schwarzen Tom Robinson übernimmt, wird Scout von Mitschülern und in der Verwandtschaft angefeindet. Ihr Vater sei ein „Niggerfreund“ und eine Schande für die Familie. – 28 min.

Folge 6: Weihnachten auf der Finch-Landing: Scout bekommt Ärger mit ihrem Onkel Jack, weil sie ihren kleinen Neffen Francis vermöbelt hat. Dabei ging es Scout um Gerechtigkeit. Doch das muss sie den Erwachsenen erstmal erklären. – 27 min.

Folge 7: Als Atticus verreisen muss, nimmt Calpurnia Scout und Jem mit in die Kirche – zu den Schwarzen. Die Gemeinde dort betrachtet den Weißen Atticus als Freund. Scout will wissen, warum bei den Schwarzen alles anders ist. – 27 min.

Folge 8: Tante Alexandra verwaltet den Familiensitz Finchs Landing mit der Baumwollfarm. Eines Tages steht sie vor der Tür, um bei ihrem Bruder Atticus einzuziehen: Sie will sich darum kümmern, dass aus Scout eine Dame wird. – 28 min.

Folge 9: Eines Abends machen Scout und Jem eine Entdeckung: Dill liegt bei ihnen unterm Bett. Er ist von zu Hause abgehauen: Wie immer tischt er eine äußerst fantasievolle Geschichte auf. Jetzt wird der Sommer noch besser. – 28 min.

Folge 10: Die Verhandlung beginnt: Der Schwarze Tom Robinson soll das weiße Mädchen Mayella Ewell vergewaltigt haben. Ganz Maycomb ist auf den Beinen wie bei einem Volksfest. Atticus verbietet den Kindern, in die Stadt zu gehen. – 27 min.

Folge 11: Scout, Jem und Dill sind heimlich im Gerichtssaal. Atticus hat Bob Ewell schon verhört und festgestellt: Mayellas Verletzungen stammen von einem Linkshänder – ein Detail, das noch wichtig ist. Jetzt ist Mr. Gilmor dran. – 28 min.

Folge 12: Mayella Ewell muss zu Hause nur schuften. Regelmäßig wird sie von ihrem Säufer-Vater Bob verprügelt. Ihre Verletzungen stammen von einem Linkshänder, wie er einer ist. Tom Robinsons linke Hand dagegen ist verkrüppelt. – 28 min.

Folge 13: Dill muss heulen und kurz rausgehen, weil Anwalt Gilmer Tom so mies behandelt. Der steckt in einem Dilemma: sein Wort, das eines Schwarzen, gegen das von Mayella, einer Weißen. Nun hält Atticus Finch sein Plädoyer. – 28 min.

Folge 14: Tom Robinson wurde „Schuldig“ gesprochen, obwohl er unschuldig ist. Jem ist am Boden zerstört und versteht die Welt nicht mehr. Dann gibt es einen Vorfall: Bob Ewell bespuckt und bedroht Atticus auf offener Straße. – 27 min.

Folge 15: Tante Alexandra hält die Familie der Finchs für etwas Besseres und will aus Scout eine Dame machen. Deshalb muss Scout im Kleidchen das Kaffeekränzchen der Missionsdamen begleiten, zum Glück ist auch Miss Maudie dabei. – 28 min.

Folge 16: Die fast 9-jährige Scout kennt den Begriff „Rassismus“ nicht. Sie spürt einfach mit dem Gerechtigkeitsgefühl eines Kindes, dass bei der Einteilung in wertvolle und wertlose Menschen etwas ganz gewaltig nicht stimmt. – 28 min.

Folge 17: In Maycomb läuft alles wieder in geordneten Bahnen. Nur Bob Ewell scheint etwas auszuhecken. Halloween steht vor der Tür – in diesem Jahr soll es nach den Ausschweifungen im Vorjahr ganz anders gefeiert werden. – 26 min.

Folge 18: Auf dem Heimweg nach dem Theater trägt Scout immer noch ihr Schinkenkostüm. Plötzlich hören sie Schritte im Stockdunkeln, sie werden verfolgt. Dann wird Jem gewaltsam weggerissen und Scout rennt in einen Bauch. Wessen? – 26 min.

Folge 19: Im Hause Finch werden die Vorgänge des Abends rekonstruiert. Niemand anderes als Boo Radley hat Jem und Scout gerettet – endlich macht Scout seine Bekanntschaft. Bob Ewell aber wurde bei dem Überfall erstochen – von Jem? – 26 min.

Hinweis: Harper Lee erzählt auch von tief verankertem Rassismus. Daher tauchen in Buch und Hörbuch immer wieder Begriffe auf, die heute als diskriminierend empfunden werden. 1960 aber, als das Buch veröffentlicht wurde, waren sie alltäglich. Die Geschichte wird von einem kleinen Mädchen erzählt und natürlich benutzt sie die Sprache, die ihr von den Erwachsenen vorgelebt wird. (ARD-Text)

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Unter Regie-Giganten

betr.: 129. Geburtstag von Douglas Sirk (gestern)

Es ist bekannt, dass der deutsche Regiestar Rainer Werner Fassbinder seinen französischen Kollegen Claude Chabrol nicht mochte. In einem Aufsatz für die Filmbuchreihe des Hanser Verlags schmähte er ihn als „kopf- und gedankenlosen“ Verächter seines Publikums und wies sogar das Lob anderer zurück: „Chabrols Blick ist nicht der eines Insektenforschers, wie oft behauptet wurde, sondern der eines Kindes, das eine Anzahl von Insekten in einem Glaskäfig hält und abwechselnd staunend, erschrocken oder lustvoll die merkwürdigen Verhaltensweisen seiner Tierchen betrachtet. Ganz nach eigener Verfassung, das mag mit gutem oder schlechtem Schlaf, gutem oder schlechtem Essen zusammenhängen, verändert er die Haltung seinen Tieren gegenüber. Er hat also keine Haltung, die wechselt.“
Ganz anders bei Douglas Sirk, einem Landsmann, den die Flucht vor den Nazis nach Hollywood gebracht hatte.
Fassbinder war ein notorischer Schnellfilmer. 1970 hatte er zehn Filme und ein Hörspiel gemacht, von der Theaterarbeit ganz zu schweigen. Dann sah er im Winter 1970 eine Retrospektive von Douglas Sirk, dem wir die schönsten Melodramen Hollywoods verdanken. Begeistert zitierte er: „Sirk hat gesagt, Film, das ist Blut, das sind Tränen, Gewalt, Hass, der Tod und die Liebe.“ Und machte im folgenden Jahr nur einen einzigen Film, den „Händler der vier Jahreszeiten“. Sofort sprach man vom besten deutschen Film der Nachkriegszeit und davon, Fassbinder habe seinen Stil gefunden.
Es blieben ihm noch zehn Jahre, ihm zu fröhnen.

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Der Donnerhall von Tschernobyl

betr.: 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl / das Hörspiel „Gespräche mit Lebenden und Toten“ am 2. Mai im ORF

Die Tschernobyl-Katastrophe ist – so die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch – etwas, „wofür wir noch kein System von Vorstellungen, noch keine Analogien oder Erfahrungen haben, wofür nicht einmal unser bisheriger Sprachschatz ausreicht“. Die Explosion des Reaktors im ukrainischen Kernkraftwerk veränderte nicht nur eine Landschaft, sondern das Leben hunderttausender Menschen.

Über zehn Jahre hinweg hat Swetlana Alexijewitsch mit mehr als 500 Menschen gesprochen, deren Biografien durch den Reaktorunfall unwiderruflich geprägt wurden: mit Feuerwehrleuten und Liquidatoren, mit Bewohnerinnen und Bewohnern der evakuierten Stadt Prypjat, mit Bauern, Soldaten, Wissenschaftlern, Ärzten und Hinterbliebenen. Aus ihren Erinnerungen, Klagen und Bekenntnissen formte sie eine vielstimmige Chronik – einen „Chor lebendiger Stimmen“, der nicht die Geschichte der Katastrophe aus der Perspektive der Technik erzählt, sondern aus der Perspektive der Menschen.

Da ist die junge Frau eines Feuerwehrmanns, die in der Nacht der Explosion aus dem Fenster blickt und ihren Mann zum Einsatz gehen sieht. Sie folgt ihm bis in die Moskauer Klinik für Strahlenkrankheiten, bleibt heimlich bei ihm, obwohl Ärzte sie warnen, und erlebt, wie sein Körper sich unter der tödlichen Strahlung verändert. Ihre Erinnerung ist zugleich eine Liebesgeschichte und eine Geschichte des Abschieds. Andere erzählen von der Evakuierung der Stadt, die zunächst nur für drei Tage angekündigt war – Menschen verlassen ihre Wohnungen, ohne zu wissen, dass sie nie wieder zurückkehren werden. Soldaten durchstreifen die Zone und erschießen zurückgelassene Hunde und Katzen, die noch immer auf ihre Besitzer warten. Liquidatoren erzählen von der absurden Arbeit rund um den zerstörten Reaktor: von Hubschrauberflügen über dem offenen Kern, von Männern, die Graphitbrocken mit bloßen Händen wegschaffen, von der Erde, die man abträgt und wieder vergräbt, als könnte man die Katastrophe einfach unter einer neuen Schicht Boden verschwinden lassen.

Das Ergebnis dieser vielen Gespräche, das Buch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“, erschien 1997. Der deutsche Schriftsteller und Dramaturg Frank Werner hat einen Teil des Werkes unter dem Titel „Gespräche mit Lebenden und Toten“ zu einem Hörspiel verdichtet – eine eindringliche akustische Komposition, die ohne Pathos, allein durch die Kraft der persönlichen Erinnerungen, entstand. Das Hörspiel wurde 1999 Hörspiel des Jahres in Deutschland und erhielt im Jahr 2000 den Robert-Geisendörfer-Preis. Interessierte sollten am Sonntag, dem 2. einschalten, denn die Sendung wird nicht auf der Ö1-Homepage nachhörbar sein.
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„Gespräche mit Lebenden und Toten“ von Swetlana Alexijewitsch, Bearbeitung: Frank Werner, Übersetzung: Ingeborg Kolinko, mit Ilse Strambowski, Peter Gavajda, Viola Morlinghaus und Konstantin Graudus, technische Realisation: Ingo Siegrist, Tanja Betzholz und Karin Beaumont, Regie: Ulrich Gerhardt (SR/NDR/WDR/SFB-ORB 1998)

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