Kultfilm Azubis: Einer gegen alle

Themenschwerpunkt Ayn Rand (4/4)

Im heutigen Podcast sehen wir zwei einsamen Wölfen dabei zu, die sich gegen das System auflehnen. Der erste Film führt uns zurück in die idyllische Zeit, als es noch keine Shitstorms gab. Jemanden öffentlich zu vernichten, war noch richtig harte Arbeit!
Torben Sterner spielt zur Zeit Theater, deswegen bespreche ich das heutige Programm mit einer Kollegin, die hier schon zu Gast war: Franzi Blass.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/ein-mann-wie-sprengstoff-michael-clayton

Ein Mann wie Sprengstoff / The Fountainhead
Amerikanisches Drama von 1949

Mit seiner Vision einer radikal neuen Architektur bringt Howard Roark Fachwelt, Kundschaft und Öffentlichkeit gegen sich auf, während sein gefallsüchtiger Weggefährte Peter Keating mit seinen müden Konzepten Erfolg hat. Die Architekturkritikerin Dominique Francon – ebenso stur und kompromisslos wie Roark – schlägt sich auf seine Seite, als der Medientycoon Gail Wynand ihn öffentlich vernichten will. Roark und Francon halten zusammen, obwohl sie einander zu ähnlich sind, um als Paar zu funktionieren. Sie geben auch in dieser Sache nicht auf …

Dies ist ein Kultfilm aus dem Giftschrank, eine durchgeknallte Kuriosität – und ein ganz und gar einzigartiger Film. Aus den Filmographien seines Regisseurs King Vidor wie aus der seines Stars Gary Cooper ist er so gut wie gelöscht. Seine in Europa praktisch unbekannte Autorin, die Russin Ayn Rand, wird in den USA noch immer heiß diskutiert. Das Internet ist uns keine Hilfe, dort schreibt ein verbohrter Polemiker vom anderen ab, und keiner von ihnen macht den Eindruck, als habe er einen der beiden 1600-Seiten-Romane von Rand tatsächlich gelesen. Gleichwohl ist Nr. 2 “Atlas wirft die Welt ab” laut einer Umfrage von 1991 in den USA das meistgelesene Buch nach der Bibel.

Michael Clayton
Amerikanischer Thriller von 2007

Der hochbegabte Anwalt Michael Clayton versauert als Ausputzer in einer noblen New Yorker Anwaltskanzlei. Nun soll er sich er sich um seinen durchgedrehten Kollegen Edens kümmern: der droht, die kriminellen Machenschaften eine wichtigen Geschäftskunden öffentlich zu machen. Clayton tut sein Bestes, Edens wieder auf Linie zu bringen. Dabei kommt er ins Nachdenken über die moralische Qualität seines Tuns – und gilt unversehens als Sicherheitsrisiko, das aus dem Weg geräumt werden soll …

George Clooney ist häufig mit dem legendären Cary Grant verglichen worden, der trotz seines fabelhaften Aussehens ein fähiger Komödiant war. Einen seiner besten Auftritte hatte Clooney in diesem Drama, in dem sein charmanter Witz gar nicht angerufen wurde. Die kluge Figurenzeichnung erinnert an Sidney Lumet, die Geschichte des an sich netten Burschen, der es mit einem krakengleichen System aufnimmt, an James Stewart – aber mit mehr Sarkasmus. Autor und Regisseur Tony Gilroy hat mit seichter Ware wie der „Bourne“-Trilogie größere Furore gemacht, doch immerhin wurde “Michael Clayton“ für sieben Oscars nominiert. Tilda Swinton erhielt einen davon für ihre Schurkenrolle.

Nächste Woche: Bodyguard und Du lebst noch 105 Minuten

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Gütesiegel Auftrittsverbot

betr.: Abschied von Gert Thumser im BKA Theater

So kann’s gehen: ein zurückliegender Blog zu Gert Thumser führte dazu, dass ich an der Abschiedsfeier und -show teilnehmen und ihr somit auch aus Zuseher beiwohnen konnte. Gerds wichtigste Bühnenpartnerin Cora Frost hat ihn ausgerichtet und moderiert.
Biggy van Blond sagte auf der Bühne u.a. dies über das legendäre Duo:

Sie schufen surreale Highlights wie ihren KurtWeill-Abend. Darin spielte Gert als sehr großes Kleingeld einen von drei Groschen nach gleichnamiger Weill-Oper, die das Leben des Komponisten erzählten. Weills Erben ließen das Stück verbieten. Klar, dass die beiden auch beim TIPI-Allstars-Hit „Frau Luna“ nicht fehlten und dort als Venus und Mars brillierten. Nein, Gert war NICHT die Venus! (…) die Teufelsberger um Ades Zabel (…) rekrutierten ihn für ihre „Edgar Wallace“-Parodie „Croco Diabolo – Der Tod steckt in der Handtasche“. Als Fressmonster Blob folterte er in seinem Keller und kopulierte auf offener Bühne mit seiner Herrin Karin Hoene* – ein verstörender Auftritt, der den Kindern der „Croco“-Kostümbildnerinn, die diese leichtsinnigerweise zur Premiere mitgenommen hatte, schlaflose Nächte bescherte.

Der schönste Witz aufs Gerts Kosten, an den ich mich erinnere, wurde an diesem kugellustigen Abend leider nicht zitiert, daher will ich ihn nachreichen. Er stammt von Thomas Hermanns, Gerts Entdecker und Förderer: „Wenn du so weiterfutterst, kriegst du noch eine eigene Postleitzahl!“
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* Name der Kunstfigur

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Warnung vor dem Wasserspeier

betr.: 80. Geburtstag von Daniel Libeskind / Themenschwerpunkt Ayn Rand (3/4)

Der polnisch-amerikanische Architekt und Stadtplaner Daniel Libeskind hat alles erreicht, was in seiner Profession möglich ist (definitorische Überraschungen einmal ausgenommen), und ist prominenter als die meisten „Promis“ (noch nie war die Verniedlichung in diesem Wort so illusionsfrei und sarkastisch grundiert wie heute). Zum Helden in Erzählwerken bringt es sein Berufsstand nur selten, was angesichts seiner Assoziation mit Begriffen wie „Größe“ und „Beständigkeit“ verwundert.
Immerhin wurde der Schauspieler Adrien Brody kürzlich für seine Hauptrolle in der Hollywood-Großproduktion „Der Brutalist“ gefeiert, in der er den fiktiven Architekten László Tóth spielte.
Wenige solcher Figuren haben wir gesehen, seit Gary Cooper vor mehr als einem Dreivierteljahrhundert eine solche Figur auf der Leinwand verkörpert hat: Howard Roark, auch dies eine erfundene Figur.
2018 gab es immerhin eine vierstündige Theaterproduktion, der die selbe literarische Vorlage zugrundelag, die schon Coopers Auftritt anschob: „The Fountainhead“ von Ayn Rand.
Dies ist die sinngemäße Wiedergabe der Einführung in diese Hamburger Inszenierung durch die Thalia-Dramaturgin
Susanne Meister.

Wenn Sie von der russisch-amerikanischen Autorin  Ayn Rand noch nie etwas gehört haben sollten – das geht vielen so. In den USA verkaufen sich ihre Bücher angeblich besser als die Bibel. Der Roman „The Fountainhead“, den Sie heute abend in der Theaterfassung „Fountainhead“ sehen, ist 1943 erschienen. Er wurde zweimal ins Deutsche übersetzt: 1946 unter dem Titel „Der ewige Quell“ und 2000 als „Der Ursprung“. Beide deutschen Fassungen sind vergriffen und nicht nachgedruckt worden. Wir haben es geschafft, noch je ein Exemplar zu ergattern – zu stolzen Preisen, wobei unser Geschäftsführer nicht davor zurückschreckte, den Antiquariaten beim Verhandeln auch Theaterkarten anzubieten.
Ein „Fountainhead“ ist laut Duden der Brunnenkopf oder die Quelle. Ayn Rand spielt auf den Menschen als Quell der Kreativität an, als Brunnen einer Idee. Gern lässt sie überlebensgroße Figuren auftreten, die sich ihre eigenen Gesetze machen, die nicht in der Masse aufgehen, sich keiner Gesellschaft unterordnen möchten. Der titelgebende Ursprung ist ein Quell neuer Ideen und  Gesellschaftstheorien. In „The Fountainhead“ ist das der unangepasste, innovative Architekt Howard Roark.

Der Theaterabend, der Rands Roman auf die Bühne bringt, spielt natürlich mit ihren Ansichten. Es kommt uns erst mal ein bisschen seltsam vor, was für Theorien das sind, die den „großen Einzelnen“ da antreiben. Sie haben sich aus dem Vorleben der Autorin entwickelt.
Ayn Rand wird 1905 unter dem Namen Alissa Rosenbaum in Sankt Petersburg geboren. Die Familie gehört zur oberen Mittelschicht. Der Vater besitzt eine Apotheke, und bis Alissa dreizehn ist lebt sie sehr komfortabel. Dann zerbricht ihre bürgerliche Idylle in den Wirren der Oktoberrevolution. Familie Rosenbaum flieht vor den Bolschewiki auf die Krim, die Apotheke wird enteignet, und eigene Biografen sprechen sogar davon, dass die Familie hungert.
Jahre später kehren die Rosenbaums zurück in eine Stadt, die nun Leningrad heißt. Alissa beginnt ein Studium der Geschichte und Philosophie. In der jungen Sowjetunion kommt sie dadurch mit der marxistischen Lehre in Berührung, die sich für sie durch die traumatisierende Erfahrung der Revolution bereits erledigt hat.
Die Idee des Kommunismus, der Herrschaft des Proletariats, wird für sie auf immer ein Rotes Tuch bleiben. Alissa kann sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, ihr Leben in einem solchen System zu fristen. Stattdessen begeistert sich die junge Studentin für den Gegenentwurf: Amerika. Dieses Land lernt sie durch das Hollywood-Kino jener Jahre kennen. Sie beginnt, Kurse im Drehbuchschreiben zu belegen und gelangt 1926 tatsächlich auf Umwegen in die USA.
Dort erfindet sie sich neu. Sie nennt sich jetzt Ayn Rand – ihren neuen Nachnamen hat sie auf ihrer Schreibmaschine gefunden, einer Remington Rand, was eine hübsche Geschichte ist. Sie schlägt sich zunächst mit schlecht bezahlten Jobs in Hollywood durch und lernt den einflussreichen Regisseur Cecil B. DeMille kennen. Sie arbeitet als Komparsin und schreibt die Drehbücher anderer Leute um, wofür sie sich ja bereits qualifiziert hat.
Es folgen ein eigenes Drehbruch und einige Stücke für den Broadway: eine Hollywoodkarriere wie aus dem Bilderbuch.

1929 kommt es zum Börsenkrach. 25 % der Amerikaner sind arbeitslos und Präsident Roosevelt versucht, mit den Sozialreformen des New Deal die Armut abzufedern. Für Rand ist das ein Albtraum. Sie sieht ihr Paradies, ihr „Land of the free“ gefährdet, eine Art zweiter Sowjetstaat zu werden, der sich ungebührlich in die Belange der Bürger einmischt.
In ihrer ersten Erzählung „We The Living“ lässt sie ihrem Hass auf die „Versklavung durch politische Moral“ freien Lauf.  Der Staat habe sich gefälligst aus dem Leben der Menschen herauszuhalten. Besonders vehement lehnt sie  den Wohlfahrtsstaat ab. Da ist wieder ihr Credo: Der Einzelne muss es alleine schaffen!
Damit werden wir uns heute abend auseinanderzusetzen haben.

Ihren ersten großen Roman „The Fountainhead“ schreibt sie während des zweiten Weltkrieges. Er wird von zwölf Verlegern abgelehnt, ehe er seiner Autorin 1943 zum großen Durchbruch verhilft. Bis heute wurden über sechs Millionen Exemplare verkauft, der Text in zwanzig Sprachen übersetzt.
Das Milieu der Architektur, in dem sich Unternehmergeist und eine künstlerische Vision miteinander verbinden, ist die ideale Trägerschicht für Rands Botschaft.
Zu Recherchezwecken arbeitete sie einige Monate unbezahlt in einem Architekturbüro und machte sich fleißig Notizen. Im Roman finden sich bei genauem Hinsehen einige reale Figuren aus der Ära des Baus der großen Wolkenkratzer mit ihrer modernistischen Architektur, die nur eine Richtung kannte: aufwärts und in schwindelnde Höhen. Der Held Howard Roark, den Sie heute Abend kennenlernen werden, ist Ende 20, die Handlung spielt Anfang der 30er Jahre in New York. Und Howard Roark ist freilich jemand der sich nicht anpassen will. Er sagt: „Ich werde nie für andere Leben, und ich werde nie von anderen verlangen, dass sie für mich leben!“

Rands nächster Roman „Atlas Shrugged“ treibt dieses Konzept noch weiter. Dort streiken ungewöhnlicherweise nicht die Arbeiter, sondern die Chefs großer Unternehmen. Es wird das Chaos durchgespielt, das auszubrechen droht, wenn die Menschen an der Spitze sich weigern, weiterhin die Richtung vorgeben. Es ist bis heute das einflussreichste Buch der Autorin und ihr letztes fiktionales Werk. Fortan wird sie nur noch in Pamphleten und Artikeln ihre besondere pro-kapitalistische Philosophie verbreiten. Ihrem „Objektivismus“ wird sie mithilfe getreuer Anhänger in Kalifornien ein Institut errichten. Ähnlich wie bei den Scientologen wird sich zeckenartig über verschiedene Stufen zum höchsten erreichbaren Rang emporgearbeitet.
Als Ayn Rand 1982 stirbt, hinterlässt sie Amerika eine illustre Schar von Bewunderern, etwa den Chef der US Notenbank Alan Greenspan und nicht  zuletzt den selbsternannten König aller Kapitalisten: Alan Greenspan.*

Der Kern des Objektivismus wird im heutigen Stück diskutiert. Er lautet im Grunde: Vernünftig ist, was mir nutzt. Er bietet eine perfekte Ersatzmoral für erfolgsorientierte Unternehmer, die sich weder von ihren Mitmenschen noch vom Staat bei der Durchsetzung ihrer Interessen behindern lassen möchten.
Spätestens jetzt fragen Sie sich vielleicht: was gucken wir uns da heute Abend eigentlich an?
Ayn Rand stellt ihrem Helden Howard Roark, dem genialen Einzelnen, einen schwachen Gegenspieler entgegen, den Büro-Architekten Peter Keating, der sich anpasst, der baut, was der Markt von ihm fordert. Wir haben in einer solchen Theaterfassung, befreit von den Kommentaren der Autorin, die Möglichkeit, diese Figuren und ihre Positionen gegeneinander antreten zu lassen und uns die Frage zu stellen: Ist es denn richtig, was Howard Roark da macht? Unser Regisseur Johann Simons hat diesen Stoff gewählt, um einen Kampf der Ideen vorzuführen. In den Zeiten des Neoliberalismus bietet er uns eine interessante Möglichkeit, uns auch die Gegenargumente vor Augen zu führen. Der belgische Dramaturg Koen Tachelet hat die Theaterfassung eingerichtet; er und der Regisseur haben schon zusammengearbeitet.
Es  ist mir wichtig, Ihnen mitzugeben, dass die beiden Ayn Rands Deutung unterlaufen und dass die Charaktere heute abend gewissermaßen für sich selbst sprechen werden. Die Diskussion ist offen und kann von Ihnen nach dem Ende der Vorstellung gern weitergeführt werden. (…)
Offen ist auch die Frage, ob es dem alten Freund des Helden, des Peter Keating (der nach der Devise verfährt: „Man muss bauen, was die Leute haben wollen und kann nicht immer sein Ding durchziehen.“) nicht vielleicht ebenfalls gelingt, „Werte zu schaffen“, eben nur andere, als Roark es kann.
Und ich denke, dass wir mit dem Schauspieler Jörg Pohl eine sehr starke Besetzung für diesen Keating gefunden haben, einen starken Gegenspieler für den sehr auf sich bezogenen Künstler. Einen Künstler, der sich nicht unbedingt dafür interessiert, dass in seinen Bauwerken schließlich Menschen wohnen werden.
Aber wie gesagt: über die Sympathieverteilungen lässt sich nach dem Theaterabend trefflich streiten.

In diesem Drama zweier Männer gibt es gleichwohl noch weitere Figuren, die – ungeachtet der weit zurückliegenden Zeit ihrer Erschaffung – lebendige, heutige Charaktere sind. Da ist zum Beispiel der Kritiker Toohey, ein Machtstratege. Da ist der schwerreiche Medienmogul Wyland, der seine Zeitungen dazu benutzt, die öffentliche Meinung zu manipulieren. Ein weiterer Grund, diesen Stoff zu wählen, ist die Journalistin Dominque Francon, eine überaus kämpferische und zur Provokation neigende Frauenfigur. Ayn Rand stellt sie zwischen drei sehr starke und machtbewusste Männer, und diskutiert an dieser Dreiecksbeziehung entlang offensiv aus, was persönliche Freiheit in romantischen Beziehungen bedeuten kann. Natürlich belässt es die Hollywoodautorin nicht bei Ideologien, sondern baut mehrere kontroverse Liebesgeschichten in ihren Plot ein.

Ich habe Ihnen ziemlich viel über die Philosophie erzählt, weil es mich ehrlich gesagt in den Proben sehr fasziniert hat, mich damit zu beschäftigen. Im Grunde ist das, was sie heute auf der Bühne sehen, aber noch relativ weit vom Objektivismus und den einschlägigen Pamphleten entfernt. Es geht um eine Gegenüberstellung von Individuum und Gesellschaft. Es ist bedauerlich, dass die begabte Hollywood-Schreiberein sich von der Fiktion ab- und der politischen Philosophie zugewandt hat. Sie ist eine spannende Erzählerin, die weiß, wie man einen Plot konstruiert und wie man Szenen mit kämpferischen Persönlichkeiten bestückt: wundervolle Figuren für unser Ensemble.
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* Hier begeht Susanne Meister den populären Denkfehler, einen Nichtleser wie Donald Trump (dessen Bewunderung allenfalls Autokraten gilt) zu einem Fan der Autorin hochzudekorieren. In diesen Tagen macht Trump mit Kevin Warsh einen persönlichen Günstling zum Chef der US-Notenbank, was weder Rand noch Alan Greenspan gefallen hätte. Es ist mal wieder alles nicht so einfach …

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Das neblige Ende der langen Bank

„Schonnoch!“ – Meine Mutter liebte dieses Wort. Wann immer sie zu etwas keine Lust hatte, sagte sie mit mahnender Stimme, das würde sie „schonnoch“ erledigen. Und weil sie eine von Haus aus tüchtige Person war, konnte man sich felsenfest darauf verlassen, dass die besagte Verrichtung unerledigt bleiben würde, weil Mutter sie insgesamt für vernachlässigbar hielt, sich dafür aber heimlich schämte. War man anderer Meinung, musste man die Sache eben selbst in die Hand nehmen.
Was mich daran wurmte, war nicht, dass meine Mutter auf manche Dinge keine Lust hatte. Das ist ja allzumenschlich, wo kämen wir denn hin, wenn sich jeder für alles zuständig fühlte? Aber die Inaussichtstellung, sich ein andermal um etwas zu kümmern, was man ganz gewiss nie und nimmermehr tun wollte, verstimmte mich. „Schonnoch“ ist mir bis heute ein persönliches Unwort.
Es fasst zusammen, was ich mir selber nicht erlauben möchte. Wenn ich etwas unsinnig finde oder nicht als meine Aufgabe ansehe, mache ich anderen und vor allem: mir selbst auch nichts vor. Diese Vermeidungstaktik trifft nicht nur sinnlose Tätigkeiten oder tatsächlich bitter Notwendiges, sie verhindert auch Taten der Selbstoptimierung, der Regeneration und der Inspiration.
Inzwischen ist mir aufgefallen, dass es Dinge gibt, die sich überhaupt nur mit Muße erledigen lassen. Mein wohlbegründetes Vorurteil dazu lautet: Das berühmte Buch, für dessen Lektüre unsere Politiker keine Zeit haben, wie einige von ihnen manchmal sagen, wird auch dann nicht zur Hand genommen werden, wenn diese Leute einmal Urlaub machen, sich wegen eines Burn-out in einer Auszeit befinden oder wenn sie abgewählt werden, ihre Ämter niederlegen o.ä. Dieses Buch wird entweder kurzfristig gelesen – mittelfristig, in einer Kampfpause – oder schonnoch.

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Notes On A Podcast: „The Fountainhead“

betr.: 138. Geburtstag von Max Steiner / Themenschwerpunkt Ayn Rand (2/4) / Podcast vom kommenden Freitag

Im Werk des Österreichers Max Steiner, der gemeinsam mit seinem Landsmann Erich Wolfgang Korngold die Grundlagen für das spätromantische Idiom der Filmmusik in Hollywood legte, nimmt „The Fountainhead“ eine fast nicht wahrnehmbare Position ein. Für den Film selbst gilt das insgesamt auch.

Die Handlung: Mit seiner Vision einer radikal neuen Architektur bringt Howard Roark Fachwelt, Kundschaft und Öffentlichkeit gegen sich auf, während sein gefallsüchtiger Weggefährte Peter Keating mit seinen müden Konzepten Erfolg hat. Die Architekturkritikerin Dominique Francon – ebenso stur und kompromisslos wie Roark – schlägt sich auf seine Seite, als der Medientycoon Gail Wynand ihn öffentlich vernichten will. Roark und Francon halten zusammen, obwohl sie einander zu ähnlich sind, um als Paar zu funktionieren. Sie geben auch in dieser Sache nicht auf …

Das erste und dezentere der beiden Schlussbilder des Films „Ein Mann wie Sprengstoff“ (WB).

„The Fountainhead“ von 1949 ist für mich als Leser von Film-Biographien lange Zeit ein Phantom gewesen. Er wird immer wieder erwähnt als ein Schlagwort, unter dem sich jeder etwas vorzustellen vermag, ohne dass man weiter darüber zu reden wünscht oder überhaupt reden müsste.
Die Wenigen, die sich mit diesem Film näher befassen, verwerfen ihn als geschmackloses, verbohrtes Schrillstück, gestehen ihm aber vereinzelt einen Unterhaltungswert zu (was ich persönlich am wichtigsten finde).
Wer über seinen Regisseur King Vidor schreibt, übergeht das Werk nach Möglichkeit. Gary Cooper lässt es aus seiner ohnehin sehr schmalen Autobiographie gänzlich heraus, und in der Tat ist „The Fountainhead“, der im Deutschen „Ein Mann wie Sprengstoff“ heißt (ein Titel von „zweifelhaftem Sex-Appeal“, wie Heinz Emigholz schrieb), in dessen Werk ein ähnlicher Fremdkörper wie die Hitchcock-Filme in dem von James Stewart. Immerhin haben sich letztere als Klassiker bewährt, während kommerzieller Misserfolg und spätere Unbeliebtheit von „The Fountainhead“ ein Grund dafür sein dürften, dass man Ayn Rands zweiten Mammutroman „Atlas wirft die Welt ab“ zu ihren Lebzeiten gar nicht erst fürs Kino adaptiert hat. Ab 2011 gab es einen lieb gemeinten Versuch, ihn als Dreiteiler zu realisieren, eine Unternehmung, die buchstäblich versandete. Zugegeben: „Atlas“ ist bei ähnlichem Umfang (1660 Seiten) viel verwicklungs- und figurenreicher als „The Fountainhead“.
Rands zwei Elefanten sind als Bücher hierzulande meistens vergriffen und kursieren zu Mondpreisen in den Online-Antiquariaten. Als das Hamburger Thalia-Theater „The Fountainhead“ 2018 auf die Bühne brachte, erzählte die Dramaturgin in der Einführung, wie schwierig es war, von beiden Übersetzungen („Der Ursprung“ und „Der ewige Quell“) je ein Exemplar aufzutreiben, um den Theatertext aus beiden zu generieren.
Dann entschuldigte sie sich vorsichtshalber beim Publikum für die Präsentation einer Autorin, die eine üble Sektiererin im Stil der Scientologen gewesen sei. Dass der offenkundige Nichtleser Donald Trump auch bei dieser Gelegenheit als Ayn-Rand-Fan verkauft wurde, spricht in seiner wohlfeilen Schrägheit für sich selbst.*
Inzwischen ist „Der Ursprung“ wieder als Buch zu haben, dafür ist „Atlas“, zuletzt 2012 unter dem Titel „Der Streik“ verlegt, gerade wieder out of print.

Charaktere wie in „Ein Mann wie Sprengstoff“ gibt es in dieser Selbstverständlichkeit nur bei Ayn Rand. Sie treten weder in anderen vergleichbar professionellen Kulturprodukten auf, noch im wirklichen Leben, noch im politischen Diskurs. Die allgemeine Kritikerschelte trifft insofern zu: so wie in diesen Dialogen „redet doch kein Mensch“. Doch das ist bedauerlich. Von einer Ausnahme abgesehen (Roarks feiger Konkurrent Peter Keating) sind sämtliche Kombattanten sehr gescheit und wissen sich auszudrücken. Das ist nicht nur ein unendlicher Spaß, es wirkt wie ein Kurbad für die geschundene Seele eines Menschen der Gegenwart, der einem unüberhörbaren Diskurs ausgesetzt ist, in dem das hohle Geschirr immer am lautesten klappert. Wiederum ist egal, welcher Seite ich inhaltlich zuneige: einer argumentiert so dumm wie der andere.
Der Film ist so pompös wie seine Figuren, seinem Architekturthema entsprechend prächtig ausgestattet (wenn auch mit einer Unzahl von Modellen und gemalten Hintersetzern) und herrlich fotografiert (von Hitchcocks späterem Kameramann Robert Burks).
Weiterhin fasziniert mich daran, was mich schon bei der Lektüre von„Atlas Shrugged“ in Erstaunen versetzte: kaum ein hier verhandeltes Thema lässt uns Heutige kalt. Es geht Wort für Wort um das, was gerade in unserem Land und auf der Welt los ist. 

Und was ist mit Rands Standpunkten, die erkennbar einer Zeit entstammen, als man sich über die Verderbtheit der menschlichen Gattung noch vereinzelte Illusionen machen konnte (– dem real existierenden Neoliberalismus ist Rand durch ihren Tod im Jahre 1982 davongekommen)? Sind diese amerikanischen Rand-Institute nicht reichlich unappetitlich? Gewiss, aber längst nicht so mächtig wie die zahllosen totalitären Systeme, die sich auf den weithin geschätzten Karl Marx berufen oder jenes, das bis heute behauptet, im Sinne von Jesus Christus zu handeln.

Nach Zerstreuung suchend lasse mich lieber von einer blitzgescheiten philosophischen Irrläuferin ärgern als von den intellektuellen Kleinbürgern, die mich in Alltag und Kunst mit ihren sozialmedialen Einlassungen ermüden. Leider gilt das in beide Richtungen.
Nehmen wir die Genderdebatte, zu der ich einen klaren Standpunkt habe. Weder mit Michael Mittermeier (der der Meinung ist, von Gendern stürbe doch niemand, also come on! …) noch mit Dieter Hallervorden (der im Gendern ein untrügliches Symptom für linken Gesinnungsterrorismus erblickt – meine Wortwahl) möchte ich mich gemeinmachen. Beide, und ihre Namen sind beliebige Beispiele, möchte ich bitten, mich vor Belehrungen irgendwelcher Art erst einmal annähernd so gut zu unterhalten wie es Ayn Rand auf jeder ihrer Buchseiten und in jeder Filmminute tut, Irritationen inbegriffen.
Ich fühle mich bei ihr wie stets nicht dazu angehalten, meine Überzeugung leichtfertig durch eine mir überbrachte Botschaft auszutauschen. Ich lasse sie in meine Überlegungen einfließen, falls es sich lohnt. Und ich weiß gutes Entertainment zu schätzen.
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* Siehe (3)

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Den eigenen Witz nicht verstanden

Themenschwerpunkt Ayn Rand (1/4)

1999 produzierte der US-Pay-TV-Sender Showtime ein Drama, das aus inhaltlichen Gründen nicht zu uns gelangte und das trotz seiner Starbesetzung schon deshalb schlechte Chancen auf eine nachträgliche Würdigung hat, weil es noch in 4:3 produziert wurde: „The Passion Of Ayn Rand“.
Wie alle gelungenen Biopics, verzichtet der Film darauf, uns das ganze Leben seines Gegenstandes nacherzählen zu wollen, sondern konzentriert sich auf einen kurzen Zeitabschnitt, der diesmal in der Rahmenhandlung um Tod und Lebensabend der umstrittenen Erfolgsschriftstellerin ergänzt wird. Helen Mirren spielt die russisch-amerikanische Philosophin Ayn Rand, Peter Fonda ihren nachsichtigen und schließlich in die Demenz flüchtenden Gatten Frank. Das junge Paar, dessen Liebesleben sich dem alten verwickelt, wird von Julie Delpy und Eric Stoltz dargestellt (letzterer der tragische Nicht-Darsteller von Marty McFly in der „Back To The Future“-Reihe und immerhin Ensemblemitglied von „Pulp Fiction“).
Die Handlung beginnt, als das junge Fan-Pärchen Nathaniel und Barbara die berühmte Autorin in Los Angeles besucht, die gerade an „Atlas Shrugged“ arbeitet, erzählt von ihrer darauf aufbauenden Vierecksgeschichte in New York und endet mit dem Zerwürfnis von Ayn und Nathaniel Ende der 50er Jahre. Wir sehen der sexhungrigen Titelheldin dabei zu, wie sie einen ihrer wichtigsten Leitsprüche missachtet: „Ich werde nie für andere Leben, und ich werde nie von anderen verlangen, dass sie für mich leben!“ – und damit auf die Nase fällt. Sowohl der geduldige Frank als auch der junge Nathaniel Brandon werden schamlos von ihr unterworfen und ausgenutzt.
Helen Mirren gestaltet ihr überlebensgroßes Frauenportrait mit dem nötigen Witz. Insgesamt temporeich und unterhaltsam, enthält der Film gegen Ende eine film-erzählerisch wirklich denkwürdige Szene. Sie spielt auf einer Hintertreppe. Der Psychiater Nathaniel trennt sich von einer Patientin, mit der er sittenwidrigerweise eine Affäre hatte, und Barbara übernimmt ihn von ihr im unmittelbaren Wechsel. Das ist großartig choreographiert und fotografiert.


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Kultfilm Azubis: Aus dem Grünen ins Graue

Aus grauer Städte Mauern ziehn wir durch Wald und Feld … nein, wir machen es im heutigen Podcast umgekehrt und begleiten zwei Sonderlinge – einen alten und einen jungen – aus der Natur in die Menschensiedlung. Beide werden mit ihrem Kulturschock nicht alleingelassen:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/willkommen-mr-chance-der-wolfsjunge

A) Willkommen, Mr. Chance / Being There
Amerikanische Mediensatire von 1979

Der Analphabet Chance hat sein Leben komplett im Gewächshaus verbracht und kennt die Welt nur aus dem Fernsehen. Als sein Dienstherr stirbt, steht der lebensuntüchtige Gärtner plötzlich auf der Straße und droht, in kürzester Zeit im Großstadt-Dschungel unter die Räder zu kommen. Das geschieht tatsächlich, doch es sind die Räder einer Millionärsgattin, die ihn mit nach Hause nimmt, um ihn wieder gesund zu pflegen. Ein erstaunlicher Aufstieg beginnt, an dessen Ende Mr. Chance sogar übers Wasser gehen wird … 

Unter den Fans des britischen Charakterkomikers Peter Sellers hält sich hartnäckig das Gerücht, dies sei sein letzter Film gewesen, krönender und würdiger Abschluss eines früh abreißenden genialen Lebenswerkes. Dass in Wahrheit die biedere Trash-Klamotte „Das boshafte Spiel des Dr. Fu Man Chu“ noch folgte, wird der Ambivalenz des Sellers’schen Schaffens, in der der Kalauer allweil seinen festen Platz hatte, ebenso gerecht. Die leise, fast zärtliche Bosheit von Hal Ashbys Parabel auf den Wunsch der westlichen Zivilisation, sich für dumm verkaufen zu lassen, nimmt sich in unseren Tagen wie ein utopisches Märchen aus.

B) Der Wolfsjunge / L’enfant sauvage
Französisches Drama von 1970

Eine südfranzösische Bäuerin sieht sich 1798 beim Pilzesuchen plötzlich einem nackten, langhaarigen Jungen gegenüber, der bei ihrem Anblick panisch auf allen Vieren flieht. Als Dr. Itard in der Zeitung von dem viehischen Findling erfährt, erwacht sein wissenschaftliches Interesse. Mit Fürsorge und Geduld glaubt er, den Knaben zivilisieren zu können. Der erhält den Namen Victor – und wehrt sich gegen die Optimierungsversuche …

All seiner unbestreitbaren Beiträge zum Klassiker-Kanon zum Trotz, kann man Francois Truffaut auf einem anderen Gebiet für noch verdienstvoller halten: dem Filmjournalismus und seiner Arbeit als Filmhistoriker. Dieses Nebenwerk des früh verstorbenen Regisseurs und Nouvelle-Vague-Mitbegründers ist auch deshalb bemerkenswert, weil es sich innerhalb und außerhalb seines Schaffens kaum einsortieren lässt. Es zeigt Truffaut auch in einer der Hauptrollen – eine späte Entscheidung des Regisseurs, nachdem er die Mitarbeit am Drehbuch schon beendet hatte.

Nächste Woche: Ein Mann wie Sprengstoff und Michael Clayton

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Der Song des Tages: Tribute to Mr. Burns!

betr.: 111. Geburtstag von Orson Welles

Orson Welles lässt sich in seiner ersten Filmrolle von der Schar seiner Untergebenen feiern. Es ist der Moment, in dem der bis dato ehrenfeste Aufsteiger Charles Foster Kane in den Größenwahn hinüberkippt.

Tribute to Charles Foster Kane“ (from „Citizen Kane“)
Lyrics: Herman Ruby – Music: Pepe Guizar („A Poco No“)

Charles Bennett and RKO Orchestra and Chorus conducted by Bernard Herrmann

There is a man – a certain man –
And for the poor you may be sure
That he’ll do all he can!
Who is this one?
This fav’rite son?
Just by his action
Has the Traction magnates on the run?
Who loves to smoke?
Enjoys a joke?
Who wouldn’t get a bit upset
If he were really broke?
With wealth and fame,
He’s still the same.
I’ll bet you five you’re not alive
If you don’t know his name.
What is his name?
It’s Charlie Kane.
(Chorus: It’s Mister Kane!)
He doesn’t like that Mister
He likes good old Charlie Kane.

Who says a miss
Was made to kiss?
And when he meets one, always tries
To do exactly this?
Who buys the food?
Who buys the drinks?
Who thinks that dough was made to spend,
And acts the way he thinks?
Now is it Joe?
(Chorus: No, no, no, no!)
I’ll bet you ten you aren’t men
If you don’t really know!

In der Episode „Marge muss jobben” aus der 4. Staffel der Serie „Die Simpsons“ (5.11.1992) wird das Lied auf den Bösewicht der Serie Charles Montgomery Plantagenet Schicklgruber Burns umgewidmet und von dessen hündischem Privatsekretär Waylon Smithers vorgetragen. („Citizen Kane“-Anspielungen waren in der Frühzeit der „Simpsons“ obligatorisch.)

There is a man…
A certain man…
A man whose grace
And handsome face
Are known across the land.
You know his name…
It’s Mr. Burns!
He loves to smoke.
Enjoys a joke.
(Chorus: Ha-ha-ha-ha!)
Why, he’s worth ten times what he earns.
He’s Mr. Burns!
He’s Monty Burns!
(Monty Burns: I’m Mister Burns!)
To friends, he’s known as Monty,
But to you, it’s Mr. Burns!
BUR-BURBUR

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Untergehen in Farbe

betr.: 65. Jahrestag der Deutschlandpremiere von „Atlantis, The Lost Continent“

„Atlantis, der verlorene Kontinent“
ist der Film des Regisseurs George Pal, der auf den Klassiker„Die Zeitmaschine“ (1960) folgte. Der Qualitätsunterschied könnte größer nicht sein, obwohl es sich auch hier um einen Film handelt, der im schönsten Sinne campy und sehr unterhaltsam ist.
Über das sagenhafte Atlantis hat man versucht, sich auch abseits fröhlicher Fiktionalisierungen ein einheitliches Bild zu machen, sozusagen eine verbildliche Mythologie zu formulieren. Einiges zu diesem Thema war schon im ST. GEORGE HERALD zu lesen, die „Musikstunde“* des SWR entschied sich vor einigen Monaten für diese Version der Legende:

»Auf ihrer Reise durch die Weltmeere besucht die Nautilus auch Atlantis, dieses sagenumwobene Reich, das um 400 vor Christus das erste Mal der griechische Philosoph Platon erwähnt und detailliert beschrieben hat. Atlantis soll im Atlantik gelegen haben, eine große Inselgruppe, deren weite Ebenen äußerst fruchtbar gewesen sein sollen. Herrscher war der Sohn des Poseidon Atlas, daher der Name Atlantis. Um 9600 vor Christus, so schreibt es Platon, soll die Insel durch eine Naturkatastrophe innerhalb „eines einzigen Tages und einer unglückseligen Nacht“ untergegangen sein. Schon in der Antike war den meisten klar, dass Atlantis eine reine Erfindung war. Dennoch haben Seefahrer und Gelehrte Jahrhundertelang danach gesucht. Und es auch – in Anführungszeichen – gefunden. 1492 zum Beispiel glaubten viele Europäer, dass das soeben durch Kolumbus entdeckte Amerika Teil von Atlantis war. Ein modernes Atlantis ist das Tuanaki Atoll mitten im Pazifik zwischen Australien und Südamerika. 1842 soll ein Seefahrer die Inseln besucht haben, seitdem sind sie unauffindbar, im Meer versunken wie einst Atlantis.«
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* In der Sendung „Singer-Songwriter: In Meerestiefen –
Musik vom Abtauchen
“ von Moritz Chelius

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Kultfilm Azubis: Männerwirtschaft

Wir beginnen im heutigen Podcast mit einem Film, an dem denen sich die Synergien zwischen Hollywood und dem europäischen Klassikerkino am Stück bestaunen lassen, ohne dass man aus dem Sessel aufstehen müsste.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/rififi-ein-offizier-und-gentleman

A) Rififi / Du rififi chez les hommes
Französischer Gangsterfilm von 1954

Nach fünf Jahren im Zuchthaus steht Tony vor dem Nichts. Seine früheren Gangsterkollegen Jo und Mario schlagen ihm einen Coup vor, doch nach anfänglichem Zögern macht er ihnen einen noch ambitionierteren Vorschlag. Der hochkomplizierte Fischzug gelingt, doch leider ruft er nicht nur die Polizei auf den Plan …

Der Amerikaner Jules Dassin trug auf der Flucht vor dem McCarthy-Terror entscheidend zur Definition des französischen Kriminalfilms und über diesen Umweg auch zu der des Caper Movies bei. Beim Vortrag des Titelsongs spüren wir, wie wichtig eine gute Nachtclub-Szene ist, und der halbstündige schweigsame Raubzug ist legendär. Wir sind auf der Seite der Einbrecher, erleben jedoch keine selbstbesoffenen Mafia-Primaten wie später bei Scorsese & Co., sondern melancholische Malocher, die zuweilen an ihrer Branche verzweifeln wie die meisten von uns. Als „Rififi“ im Jahre 2000 endlich restauriert in die amerikanischen Kinos kam, kursierten davon noch immer Piratenvideo-Kopien dieses Klassikers – so geht die Legende.

B) Ein Offizier und Gentleman / An Officer And A Gentleman
Amerikanisches Feelgood-Drama von 1982

Angewidert vom Lebensstil seines saufenden Vaters will sich Zack Mayo zum Piloten ausbilden lassen, zum Marine. Dazu muss er zunächst die Offiziersschule besuchen. Der 13wöchige Drill durch den sadistischen schwarzen Sergeant Foleymacht ihm bewusst, dass er seinem Vater in moralischer Hinsicht weniger voraus hat, als er dachte. Foley, der auch den anderen Kadetten nichts schenkt, ist entschlossen, an Mayo ein Exempel zu statuieren. Er macht es sich zur Aufgabe, ihn scheitern zu lassen …

Das künstlerisch wertvollste Vehikel für den damals aufstrebenden „Sexiest Man Alive“ in Hollywood, Richard Gere, war ein Triumph. Der Drill-Sergeant Louis Gossett jr. bekam einen Oscar – genau wie der chartstürmende Titelsong „Up Where We Belong“. Dieser Film schien ein augenblicklicher Klassiker zu sein – und wurde bald darauf gründlich vergessen. Heute ist er ein Beleg dafür, dass erbarmungsloser Kommerz, Schmusekram für die ganze Familie und echtes Schauspieler-Kino einander nicht ausschließen müssten.

Nächste Woche: Willkommen, Mr. Chance und Der Wolfsjunge

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