Ferkeleien in der Finsternis

betr.: Aktuelle Filmkritik

Erwartet irgendjemand von einem Erotik-Thriller aus Hollywood Raffinesse, Innovation oder gar Tiefgang? Nicht? Fein. Dies als kleiner Uhrenvergleich vor dem Genuss meines Gesprächs mit Torben Sterner im heutigen Podcast über diesen Film:

Verity – Dunkle Geheimnisse
Erotik-Thriller von Michael Showalter

Die talentierte, aber bisher erfolglose Autorin Lowen Ashleigh erhält das Angebot, einer berühmten Kollegin als Ghostwriterin beizuspringen. Die Bestsellerautorin Verity Crawford ist nach einem Unfall nicht mehr in der Lage, ihre Arbeit an ihrer Buchreihe fortzusetzen, die mit drastischen Gewaltdarstellungen ein Publikum entzückt, das sich selbst für schöngeistig hält. Jeremy, der Mann der Autorin, bittet Lowen persönlich, das Angebot anzunehmen. So zieht diese in das luxuriöse Anwesen der Crawfords, eine monströse Luxusvilla am See, um dort Material zu sichten und der Familie näherzukommen.
Ein unveröffentlichtes Manuskript von Verity enthält verstörende Hinweise auf die Vergangenheit der Familie und Veritys Unfall. Während Lowen eine Bindung zu Jeremy und dessen Sohn Crew aufbaut, wächst ihr Verdacht, von irgendjemanden ausgeschmiert und benutzt zu werden. Doch von wem genau?

„Verity“ basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Colleen Hoover, es spielen Anne Hathaway und Josh Hartnett als die Ehegatten Crawford und Dakota Johnson als Jungschriftstellerin Lowen Ashleigh.

Morgen kann sich jeder und jede ein eigenes Urteil bilden!

Veröffentlicht unter Film, Podcast, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

So siehst Du aus! (15)

betr.: Personenbeschreibungen in der Literatur

Fortsetzung vom 27..9.2026

Thomas Mann (1875-1955)
Mario und der Zauberer

b) Cipolla – Der Zauberer

Er kam in jenem Geschwindschritt herein, in dem Erbötigkeit gegen das Publikum sich ausdrückt und der die Täuschung erweckt, als habe der Ankommende in diesem Tempo schon eine weite Strecke zurückgelegt, um vor das Angesicht der Menge zu gelangen, während er doch eben noch in der Kulisse stand. Der Anzug Cipollas unterstützte die Fiktion des Von-außen-her-Eintreffens. Ein Mann schwer bestimmbaren Alters, aber keineswegs mehr jung, mit scharfem, zerrüttetem Gesicht, stechenden Augen, faltig verschlossenem Munde, kleinem, schwarz gewichstem Schnurrbärtchen und einer sogenannten Fliege in der Vertiefung zwischen Unterlippe und Kinn, war er in eine Art von komplizierter Abendstraßeneleganz gekleidet. Er trug einen weiten schwarzen und ärmellosen Radmantel mit Samtkragen und atlasgefütterter Pelerine, den er mit den weiß behandschuhten Händen bei behinderter Lage der Arme vorn zusammenhielt, einen weißen Schal um den Hals und einen geschweiften, schief in die Stirne gerückten Zylinderhut. Vielleicht mehr als irgendwo ist in Italien das achtzehnte Jahrhundert noch lebendig und mit ihm der Typus des Scharlatans, des marktschreierischen Possenreißers, der für diese Epoche so charakteristisch war, und dem man nur in Italien noch in ziemlich wohl erhaltenen Beispielen begegnen kann. Cipolla hatte in seinem Gesamthabitus viel von diesem historischen Schlage, und der Eindruck reklamehafter und phantastischer Narretei, die zum Bilde gehört, wurde schon dadurch erweckt, dass die anspruchsvolle Kleidung ihm sonderbar, hier falsch gestrafft und dort in falschen Falten, am Leibe saß oder gleichsam daran aufgehängt war: Irgend etwas war mit seiner Figur nicht in Ordnung, vorn nicht und hinten nicht, – später wurde das deutlicher. Aber ich muss betonen, dass von persönlicher Scherzhaftigkeit oder gar Clownerie in seiner Haltung, seinen Mienen, seinem Benehmen nicht im geringsten die Rede sein konnte; vielmehr sprachen strenge Ernsthaftigkeit, Ablehnung alles Humoristischen, ein gelegentlich übellauniger Stolz, auch jene gewisse Würde und Selbstgefälligkeit des Krüppels daraus, – was freilich nicht hinderte, dass sein Verhalten anfangs an mehreren Stellen des Saales Lachen hervorrief.
Dies Verhalten hatte nichts Dienstfertiges mehr; die Raschheit seiner Auftrittsschritte stellte sich als reine Energieäußerung heraus, an der Unterwürfigkeit keinen Teil gehabt hatte. An der Rampe stehend und sich mit lässigem Zupfen seiner Handschuhe entledigend, wobei er lange und gelbliche Hände entblößte, deren eine ein Siegelring mit hochragendem Lasurstein schmückte, ließ er seine kleinen strengen Augen, mit schlaffen Säcken darunter, musternd durch den Saal schweifen, nicht rasch, sondern indem er hie und da auf einem Gesicht in überlegener Prüfung verweilte – verkiffenen Mundes, ohne ein Wort zu sprechen. Die zusammengerollten Handschuhe warf er mit ebenso erstaunlicher wie beiläufiger Geschicklichkeit über eine bedeutende Entfernung hin genau in das Wasserglas auf dem Rundtischchen und holte dann, immer stumm umherblickend, aus irgendwelcher inneren Tasche ein Päckchen Zigaretten hervor, die billigste Sorte der Regie, wie man am Karton erkannte, zog mit spitzen Fingern eine aus dem Bündel und entzündete sie, ohne hinzusehen, mit einem prompt funktionierenden Benzinfeuerzeug. Den tief eingeatmeten Rauch stieß er, arrogant grimassierend, beide Lippen zurückgezogen, dabei mit einem Fuße leise aufklopfend, als grauen Sprudel zwischen seinen schadhaft abgenutzten, spitzigen Zähnen hervor.
(…) man sah, dass ihm über dem linken Unterarm an einer Lederschlinge unpassenderweise eine Reitpeitsche mit klauenartiger silberner Krücke hing. Man bemerkte ferner, dass er keinen Frack, sondern einen Gehrock trug, und da er auch diesen aufhob, erblickte man eine mehrfarbige, halb von der Weste verdeckte Schärpe, die Cipolla um den Leib trug, und die hinter uns sitzende Zuschauer in halblautem Austausch für das Abzeichen des Cavaliere hielten. Ich lasse das dahingestellt, denn ich habe nie gehört, dass mit dem Cavalieretitel ein derartiges Abzeichen verbunden ist. Vielleicht war die Schärpe reiner Humbug, so gut wie das wortlose Dastehen des Gauklers, der immer noch nichts tat, als dem Publikum lässig und wichtig seine Zigarette vorzurauchen.
(…) Nachdem er seinen Seidenhut, seinen Schal und Mantel abgetan, kam er, im Rock sich zurechtrückend, die mit großen Knöpfen verschlossenen Manschetten hervorziehend und an seiner Humbugschärpe ordnend, wieder nach vorn. Er hatte sehr hässliches Haar, das heißt: sein oberer Schädel war fast kahl, und nur eine schmale, schwarz gewichste Scheitelfrisur lief, wie angeklebt, vom Wirbel nach vorn, während das Schläfenhaar, ebenfalls geschwärzt, seitlich zu den Augenwinkeln hingestrichen war, – die Haartracht etwa eines altmodischen Zirkusdirektors, lächerlich, aber durchaus zum ausgefallenen Persönlichkeitsstil passend und mit so viel Selbstsicherheit getragen, dass die öffentliche Empfindlichkeit gegen ihre Komik verhalten und stumm blieb. Der kleine »Leibesschaden«, von dem er vorbeugend gesprochen hatte, war jetzt nur allzu deutlich sichtbar, wenn auch immer noch nicht ganz klar nach seiner Beschaffenheit: die Brust war zu hoch, wie gewohnt in solchen Fällen, aber der Verdruss im Rücken schien nicht an der gewohnten Stelle, zwischen den Schultern, zu sitzen, sondern tiefer, als eine Art Hüft- und Gesäßbuckel, der den Gang zwar nicht behinderte, aber ihn grotesk und bei jedem Schritt sonderbar ausladend gestaltete. Übrigens war der Unzuträglichkeit durch ihre Erwähnung gleichsam die Spitze abgebrochen worden, und zivilisiertes Feingefühl beherrschte angesichts ihrer spürbar den Saal.
(…) Wirklich sah er schlecht aus zwischenein, hohläugig und verfallen. Das Gläschen brachte das jeweils ins gleiche, und seine Rede lief danach, während der eingeatmete Rauch ihm grau aus der Lunge sprudelte, belebt und anmaßend.

_____________
https://www.penguin.de/buecher/thomas-mann-mario-und-der-zauberer/buch/9783730615294

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

So siehst Du aus! (14)

betr.: Personenbeschreibungen in der Literatur

Thomas Mann (1875-1955)
Mario und der Zauberer

a)
Mario – ein Kellner

Stellen Sie ihn sich vor als einen untersetzt gebauten Jungen von zwanzig Jahren mit kurzgeschorenem Haar, niedriger Stirn und zu schweren Lidern über Augen, deren Farbe ein unbestimmtes Grau mit grünen und gelben Einschlägen war. Das weiß ich genau, denn wir hatten oft mit ihm gesprochen. Das Obergesicht mit der eingedrückten Nase, die einen Sattel von Sommersprossen trug, trat zurück gegen das untere, von den dicken Lippen beherrschte, zwischen denen beim Sprechen die feuchten Zähne sichtbar wurden, und diese Wulstlippen verliehen zusammen mit der Verhülltheit der Augen seiner Physiognomie eine primitive Schwermut, die gerade der Grund gewesen war, weshalb wir von jeher etwas übriggehabt hatten für Mario. Von Brutalität des Ausdrucks konnte keine Rede sein; dem hätte schon die ungewöhnliche Schmalheit und Feinheit seiner Hände widersprochen, die selbst unter Südländern als nobel auffielen, und von denen man sich gern bedienen ließ.
Wir kannten ihn menschlich, ohne ihn persönlich zu kennen, wenn Sie mir die Unterscheidung erlauben wollen. Wir sahen ihn fast täglich und hatten eine gewisse Teilnahme gefasst für seine träumerische, leicht in Geistesabwesenheit sich verlierende Art, die er in hastigem Übergang durch eine besondere Dienstfertigkeit korrigierte; sie war ernst, höchstens durch die Kinder zum Lächeln zu bringen, nicht mürrisch, aber unschmeichlerisch, ohne gewollte Liebenswürdigkeit, oder vielmehr: sie verzichtete auf Liebenswürdigkeit, sie machte sich offenbar keine Hoffnung, zu gefallen. Seine Figur wäre uns auf jeden Fall im Gedächtnis geblieben, eine der unscheinbaren Reiseerinnerungen, die man besser behält als manche erheblichere. Von seinen Umständen aber wussten wir nichts weiter, als dass sein Vater ein kleiner Schreiber im Municipio und seine Mutter Wäscherin war.
Die weiße Jacke, in der er servierte, kleidete ihn besser als das verschossene Complet aus dünnem, gestreiftem Stoff, in dem er jetzt da hinaufstieg, keinen Kragen um den Hals, sondern ein geflammtes Seidentuch, über dessen Enden die Jacke geschlossen war.
_____________
https://www.penguin.de/buecher/thomas-mann-mario-und-der-zauberer/buch/9783730615294

Veröffentlicht unter Literatur, Manuskript | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Der Song des Tages: „Lover, Come Back To Me“

Zum Tode von Bob Ziegenbalg

Der Saarbrücker Theatermann Bob Ziegenbalg ist tot, eine tragende Figur im St.-Johann-Kapitel meiner Biographie. Zuletzt sah ich ihn Anfang der 90er, als er aus unserer gemeinsamen Arbeit bei der SR-Funkreihe „Auf in den Keller“ ausschied, um sich mit Volldampf dem „Kinder- und Jugendtheater Überzwerg“, wie es damals noch hieß, zu widmen. Ein ebenso wichtiger Grund mag gewesen sein, dass ihm unser Format, das vor Publikum aufgezeichnet wurde, entsprechende Abgabefristen zumutete: vorher schriftlich zu verfassende Texte. Hätten wir das Ganze ohne den Rundfunk gemacht, hätte er es ewig hinausgeschoben und dann gesagt, „da improvisier‘ ich uns was.“

Bob Ziegenbalg (blaues Mikro) und Monty Arnold (grünes Mikro) im April 1998 im Saarbrücker Jazzkeller „Gießkanne“ – Foto: Roger Paulet

Vor genau 5 Jahren hatte ich nach langer Pause einen kurzen Facebook-Chat mit ihm. Ich hatte von seiner Pensionierung gelesen und ließ mich von ihm ermuntern, bei meinem nächsten Besuch in Saarbrücken anzuklopfen. Ich hatte zwar wenig Hoffnung, allzubald wieder dort aufzutauchen, glaubte aber, die restliche Zeit würde durchaus genügen. Das hat sie nicht.

Bob war mein Stalking-Opfer gewesen, als ich mit 18 die ersten (vollkommen ahnungslosen) Vorstöße in die freie Theaterszene der Landeshauptstadt versuchte, nachdem ich mich bisher nur im dörflichen Karneval als Parodist und Trällerkünstler hingehalten hatte. Eine Kollegin bei der Zeitung – wo ich eine Reprotechnikerlehre machte, um die Zeit bis zur Kabarett-Laufbahn zu überbrücken – hatte mir seinen Namen genannt, als ich sie nach lokalen Künstlergrößen fragte. Und nun stand ich bei ihm auf der Matte.
Heute weiß ich, was Bobs Gesichtsausdruck unter anderem bedeutet hat: „Ich kann doch gar nichts für dich tun. Na … komm erstmal rein…“
Natürlich hat Bob dann doch einiges für mich getan.
Einiges davon kann nur von außen kommen und ist absolut notwendig für einen blutigen Anfänger wie mich. Anderes hat mich erfreut und insofern bereichert. So war Bob der der erste (und bis heutige einzige), der mir vom Mark–Twain-Musical „The Big River“ vorschwärmte und mit etwas daraus vorgespielt hat. Einmal zeigte er mir ein Video seines unvollständigen Mitschnitts des berühmten Kompilationsfilms „That’s Entertainment 2“ mit alten Highlights des MGM-Musicals. Ich weiß noch, wie mir bei dieser Gelegenheit auffiel, dass „Lover, Come Back To Me“, das ich nur als Instrumentalnummer kannte, eigentlich aus einer amerikanischen Tonfilm-Operette stammt. Bei diesem Clip war ich ganz besonders Ohr.

Soweit es die letzten Bewegtbilder hergeben, die der SR nun zur traurigen Nachricht gezeigt hat, sah Bob zuletzt genauso aus wie damals: grau, aber nicht kahl, etwas weniger glatt, aber ohne Fett angesetzt zu haben. Im Grunde so, als wäre er lediglich von der Maskenbildnerin seiner Theatergruppe älter geschminkt worden. Es scheint ein gutes Leben gewesen zu sein.

Veröffentlicht unter Film, Hörfunk, Kabarett und Comedy, Monty Arnold - Biographisches, Musicalgeschichte, Musik, SR | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Kultfilm Azubis: Im Internat

Viel zu selten wenden wir uns dem französischen Kino zu, im heutigen Podcast ist es mal wieder soweit. Aus der Nation, die das Kino nicht nur erfunden hat, sondern die es auch ohne jeden Nationalismus global abfeiert, kommt der erste Film.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/die-teuflischen-alles-was-wir-geben-mussten

A) Die Teuflischen / Les diaboliques
Französischer Thriller von 1954

Der geizige Privatschullehrer Michel Delasalle quält seine Gattin Christina wie auch seine Geliebte Nicole, eine der Lehrerinnen, mit ausgesuchter Bosheit und genießt den Tratsch im Kollegium. Die gedemütigten Frauen tun sich für ein Mordkomplott zusammen. Sie wollen Michel in der Badewanne ertränken und im Schwimmbecken der Schule versenken, wo ihn nach ein paar Tagen zur allgemeinen Überraschung jemand entdecken wird. Doch der Leichnam lässt sich Zeit damit, an die Oberfläche zu kommen …

Jahrzehntelang wurde dieser Film als amoralisches Vergnügen gefeiert. Das später auch für Hitchcocks „Vertigo“ verantwortliche Duo Boileau et Narcejac gratulierte Henri Georges Clouzot zu den Änderungen, die er für seine Verfilmung an ihrer Vorlage vorgenommen hatte. Ein 1996 entstandenes Remake mit Sharon Stone in der Rolle von Simone Signoret schlägt sich erstaunlich gut – weil es sich wiederum genau an die Version von 1954 hält.

B) Alles, was wir geben mussten / Never Let Me Go
Englische Dystopie von 2010

England Ende der 70er Jahre in einem Parallel-Universum. Drei Freunde erleben trotz der seltsamen Kontrollmechanismen in einem abgeschieden Eliteinternat, in dem besonders streng auf die Gesundheit der Zöglinge geachtet wird, eine glückliche Kindheit. Ruth ist eifersüchtig auf die Zuneigung, die Kathy und Tommy füreinander hegen und drängt sich als Teenager aggressiv zwischen die beiden. Sie wird das später bereuen, doch es bleibt keine Zeit für eine zweite Chance: die Kinder von Hawisham sind todgeweihte Klone. Und man hat ihnen von Anfang an beigebracht, nicht aufzubegehren.

Andrew Garfield liefert hier kurz vor dem Aufstieg zum Weltstar seine bis heute imposanteste schauspielerische Leistung. Die notorisch abgründige Charlotte Rampling erhält Gelegenheit zu einer Paraderolle als Internatsdirektorin. Kazuo Ishiguro war in die Adaption seines Romans intensiv eingebunden. Der Literaturnobelpreisträger hatte Jahre zuvor mit „Was vom Tage übrig blieb“ auch in der Popkultur Furore gemacht.

Nächste Woche: Network und Marty

Veröffentlicht unter Film, Podcast, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Der saubere Bildschirm

betr.: Die aktuelle Filmkritik im Podcast

Dieser Film erzählt eine in den USA allseits bekannte Geschichte, sogar der Name des Helden wurde beibehalten. Bei uns mutet er geradezu satirisch an – obwohl auch wir von der Glotze einiges gewohnt sind.

Primetime
Schwarzhumoriges Drama von Lance Oppenheim

Vor gut 20 Jahren ist Chris Hansen eines der bekanntesten TV-Gesichter Amerikas. Sein Magazin „To catch A Predator“ lockt Pädophile zu fingierten Dates, um sie dann vor laufender Kamera bloßzustellen und verhaften zu lassen. Der alterslos jugendlich wirkende Nachwuchsschauspieler Dan Plumm funktioniert als Lockvogel so gut, dass er in dem reißerischen Reality-Format Karriere macht. Bei der Jagd nach einem „Wal“ – also einem prominenten Täter aus der Politik – geraten alle an ihre Grenzen: Hansen, der allmählich zum wahnhaften Kreuzritter mutiert, Plumm, der seine Chancen schwinden sieht, noch als seriöser Schauspieler arbeiten zu können, und die Produzentin Andie, die von der Konkurrenz aggressiv umworben wird. Sie alle setzt das abscheuliche Thema zunehmend unter Druck – besonders, als die Quoten sinken …

„Primetime“ ist das Spielfilmdebüt des US-amerikanischen Regisseurs Lance Oppenheim. Der Thriller dramatisiert die tatsächlichen Ereignisse um die MSNBC-Realityserie „To Catch a Predator“, die von 2004 bis 2007 lief, und um den noch heute aktiven Chris Hansen, der als allzeit beherrscht-autoritärer Moralapostel Kultstatus erlangte. Robert Pattinson ist auch Mitproduzent, an seiner Seite spielen Skyler Gisondo und Merrit Wever.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/primetime

Der Coup in dieser Besetzungsliste ist Skyler Gisondo als unbedarfter Zwanziger, der sich als Teenager zurechtmachen muss, um seine Opfer anzulocken und lange genug hinzuhalten. Seine Rolle ist zudem klug geskriptet und inszeniert. Dan ist ein im Grunde liebenswerter Junge, geistig-moralisch im selben Maße mit seiner neuen Aufgabe überfordert wie er als Typ ideal dafür ist. Seiner Erscheinung und seiner Fähigkeit, sich überzeugend die Stimme zu verstellen (ein Aspekt, an dem unsere Synchronbrache sich sicherlich verheben wird) steht ein begreiflicher Mangel an Lebenserfahrung und Überlebenstaktiken gegenüber. Dans Naivität wird durch das illustriert, was ihn begeistert und inspiriert. Zum einen das Musical „Rent“ – ein Werk, das bei immenser Oberflächlichkeit für seinen Tiefgang gefeiert wurde. Zum anderen die Interviewreihe „Inside The Actor’s Studio“, in der Hollywoodstars Seichtigkeiten von der Sorte absonderten „Du musst immer an dich glauben, wenn du es in Hollywood zu etwas bringen willst!“; „Bewahre dir immer ein kindliches Staunen!“ oder sogar komplett Irreführendes wie „Du musst in diesem Beruf immer du selbst sein!“, während Moderator James Lipton dazu ein wichtiges Gesicht machte. Pikant ist der Clip, der für den Film ausgewählt wurde: wir sehen Billy Bob Thornton, einen Spezialisten für die Darstellung irrer und perverser Typen.
Dans Musical-Begeisterung wird zum Schluss wieder aufgegriffen. In seinem letzten, ihn restlos verstörenden Einsatz für „To Catch A Predator“ darf er den Eröffnungs-Song aus „Rent“ zum Besten geben, um den „Wal“ einzulullen, das Lied, das er bei seinem Vorsprechen für die Sendung gesungen hat. Im Epilog sehen wir Dan bei seinem Versuch, von vorn zu beginnen und doch noch ein ernsthafter Schauspieler zu werden.

Robert Pattinson – so wird erzählt – hatte ursprünglich nur als Mitproduzent in Erscheinung treten wollen, als er schließlich die Hauptrolle übernahm. Der Brite wurde als asexueller romantischer Held in der „Twilight“-Saga berühmt und konnte mit interessanten Independent-Projekten an den frühen Erfolg anknüpfen. Nachdem er diese heikle Klippe seiner Laufbahn genommen hat, scheint er sein neues Rollenfach gefunden zu haben: den abgründigen, beschädigten Schönling. Dabei kommt ihm ein optisches Detail zugute wie es auch den jungen Sean Connery einst von anderen vergleichbar attraktiven Schauspielern seiner Generation unterschied. Was bei Connery die markanten Magenfalten, sind bei Pattinson die kleinen Hautunreinheiten am Unterkiefer, die die Kamera gern prominent aus leichter Untersicht in den Blick nimmt. Kürzlich wurde Pattinson in „The Odyssey“ als fratzenschneidender Brunnenvergifter vorgeführt. Die schwierige Aufgabe, seinem klischeehaften Charakter in „Primetime“ Komplexität zu verleihen, meistert er gut genug, um diese Scharte auszuwetzen.

Um die passende Atmosphäre zu schaffen, gönnt sich „Primetime“ ein konsequent-nostalgisches Look-and-feel im Bildschirm-Format, mit schlechter Auflösung und einem stilechten Soundtrack (der allerdings eher in die frühen 90er als in die 2000er verweist). Atmosphärisch orientiert er sich in an Vorbildern wie „Taxi Driver“ und imitiert in seinen TV-Sequenzen die schwül-verwaschene Ästhetik des umstrittenen Fotografen David Hamilton. Das Ergebnis ist ein fesselnder und über weite Strecken sehenswerter Thriller, der leider selbst nicht ganz von dem selbstgerechten Pathos seines Gegenstandes lassen kann. Außerdem ist der völlig überzüchteten Schlusssequenz deutlich anzumerken, dass Ari Aster die Produzentenriege anführt, dessen Vorliebe für wüsten Kitsch bei dieser um Relevanz ringenden Aufarbeitung einer „wahren Begebenheit“ gänzlich fehl am Platze ist. Bis zu dieser Entgleisung hat der Film zeitweise das Zeug zu einer Mediensatire, einer interessanten, raren und besonders schwierigen Gattung.
Es wird hochinteressant sein, „Primetime“ in ein paar Jahren wiederzusehen und zu betrachten, wie er sich im Rückblick schlägt. Schon jetzt lohnt er sich!

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

So siehst Du aus! (13)

betr.: Personenbeschreibungen in der Literatur

Ivan Turgenev (1818-83)
Väter und Söhne

Jewgeni Basarow, der Nihilist

Basarow schlug den Mantelkragen zurück und enthüllte sein ganzes Gesicht: lang und schmal, breite Stirn, die Nase oben platt und unten spitz zulaufend, große grüne Augen und ein sandfarbener herabhängender Backenbart. Belebt von einem ruhigen Lächeln, strahlte es Klugheit und Selbstbewusstsein aus.

______
https://projekt-gutenberg.org/authors/ivan-sergejevich-turgenev/books/vaeter-und-soehne/chapter/1/

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Kinder an die Macht!

betr.: 115. Geburtstag von William Golding

„Ich war schwierig. Niemand hatte mir bis dahin gesagt, dass es außer mir etwas gab, das zählte.“ Der sensible, träumerische Billy beschreibt seine ersten Schultage, auf die er sich vor allem freut, weil sie ihm Kämpfe bringen sollen. Dass es auch um Disziplin, Zahlen und den höflichen Umgang mit anderen gehen soll, ist dem Jungen mit der großen Leidenschaft für Wörter nicht bewusst. Er wartet voll Sehnsucht auf die Pause zwischen elf Uhr und elf Uhr fünfzehn und das Herumbalgen mit den anderen Jungen. Doch eines Tages stellen sich die anderen Kinder gegen ihn …
Die Erzählung „Billy The Kid“ liest Michael Rotschopf in der Reihe „Radiogeschichten“ im ORF:
https://oe1.orf.at/programm/20260907/844172/Schwieriger-Schulbeginn

Schon bald nach diesem schwierigen Schuleinstieg, im Alter von nur sieben Jahren, begann der am 19. September 1911 in Cornwall geborene William Golding mit dem Schreiben. Als 23-jähriger Student veröffentlichte er 1934 seinen ersten Gedichtband. Während seiner Arbeit als Lehrer beobachtete Golding das Verhalten seiner Schüler. Eine jähe Zäsur war sein Kriegsdienst als Offizier in der britischen Navy. Unter anderem erlebte er die Landung in der Normandie. Nach Kriegsende lehrte Golding wieder und schrieb die Geschichte von den Schulbuben, die auf einer einsamen Insel stranden und rasch zu Geschöpfen der Wildnis herabsinken. Rund zwanzig Verlage lehnten das Skript ab, bis es 1954 als „The Lord of the Flies“ erschien – 1956 die erste deutsche Übersetzung als „Herr der Fliegen“, große Verfilmungen folgten 1963 und 1990.
Golding gab seinen Lehrberuf auf und schrieb. Er wurde 1980 mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet, 1983 mit dem Nobelpreis für Literatur. 1993 starb der Autor im Alter von 81 Jahren in seiner Heimat Cornwall.

Der Kultursender Ö1 an sich und die Qualität der von Gudrun Hamböck, Stefanie Zussner und Zita Bereuter betreuten Sendereihe „Radiogeschichten“ kann ich nicht genug loben. Die leider nur knapp 20minütigen Lesungen, die dort von Montag bis Donnerstag zu hören sind (Freitags gibt es einen Essay) sind von einem handwerklichen Niveau, das vergleichbare Angebote tief in den Schatten stellt, sowohl das Durchschnittsniveau deutscher Hörbuchproduktionen wie auch öffentlich-rechtliche Eigenproduktionen (etwa die asubtilen Komplettlesungen aus dem WDR-Sprecherensemble, zu finden auf ARD Sounds).

__________________
* William Golding, „Billy the Kid“ aus „Spiele ohne Ende. Erzählungen aus hundert Jahren“. Ausgewählt von Hans Bender, S. Fischer Verlag

Veröffentlicht unter Hörbuch, Hörfunk, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Kultfilm Azubis: Hollywood Gothic

Der Klassiker und Kultfilm „Citizen Kane“ beginnt mit einer Absperrung im Nebel. Kaum haben wir das Schild „Betreten verboten“ gelesen, dringt die Kamera weiter vor, und wir folgen ihr natürlich. Hätten wir gehorcht, hätten wir den Anfang des Films verpasst. Unser heutiger Hauptfilm wäre gleich komplett ausgefallen. Über diese Dokumentation, die im Kino um die Welt gegangen ist und mit Preisen überschüttet wurde, spreche ich im heutigen Podcast mit der Schauspielerin und Drehbuchautorin Karola Oswald – unter anderem.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/marlene-1983-fedora

A) Marlene
Deutsch-amerikanisches Filmportrait von 1983

Seit zehn Jahren hat sich Marlene Dietrich, der allergrößte deutsche Weltstar, in ihrer Wohnung in Paris verbarrikadiert. Die Diva will sich ihrem Publikum im Stadium des Verfalls nicht mehr zeigen. Sie gestattet ihrem Kollegen Maximilian Schell ein Film-Interview unter der Bedingung, dass sie darin nicht zu sehen, sondern nur zu hören ist.

Dieser Dokumentarfilm, der uns Marlene optisch nur in alten Film- und Wochenschau-Ausschnitten zeigt, ist selbst zur Legende geworden. Die Dietrich redet über Gott („meschugge“), ihre Karriere („hab ich nie ernst genommen“), den „Blauen Engel“ („der hängt einem doch zum Hals raus“) und begründet ihre Unsichtbarkeit mit dem heute legendären Satz: „Ich bin zu Tode fotografiert worden!“
Mit gleichem Titel und Sujet brachte Joseph Vilsmaier 17 Jahre später einen Spielfilm heraus.

B) Fedora
Deutsch-französisches Drama von 1978

Mit seinen letzten Dollars in der Tasche fliegt der Produzent Barney Dettweiler in die Ägäis. In einer Villa auf Korfu lebt sehr zurückgezogen die legendäre Filmdiva Fedora, eine alte Frau, die noch immer aussieht wie eine Dreißigerin. Dettweiler will sie, die sich allen Filmangeboten seit Jahren verweigert, mit einem guten Drehbuch umstimmen. Als er wieder abreist, kennt er den Grund für ihre Zurückhaltung: ein schauerliches Familiengeheimnis.

Obwohl „Fedora“ deutlich an Billy Wilders Klassiker „Sunset Boulevard“ gemahnt, vereint er doch alles, was das Verblühen seiner beispiellosen Hollywoodkarriere greifbar macht: billige Kulissen, europäische Originalschauplätze, Nebendarsteller aus dem Produktionsland BRD, eine fehlende Leichtigkeit. Obwohl Wilders vorletzter Film ebensoviele Mängel aufweist wie seine Heldin, ist er doch berührend und von beständigem Unterhaltungswert: ein „bad movie we love“.

Nächste Woche: Die Teuflischen und Alles, was wir geben mussten

Veröffentlicht unter Film, Podcast | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Ein Monster im Haus

betr.: Die aktuelle Filmkritik im Podcast

Gentle Monster
Drama von Marie Kreutzer

Die Konzertpianistin Lucy ist mit ihrem Mann Philip und dem gemeinsamen Sohn in die Nähe von München aufs Land gezogen, damit Philip sich von seinem Burn-Out erholen kann. Noch immer quälen ihn Panikattacken. Eines Tages steht die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss vor der Tür und beschlagnahmt seinen Computer. Philip wird beschuldigt, Fotos und Videos getauscht zu haben, die sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen. Inwiefern er außerdem als Nutzer oder Hersteller solchen Materials aktiv ist, bleibt zunächst im Unklaren. Lucy flieht mit dem Kind aus der gemeinsamen Wohnung. Sie lässt sich schließlich von Philip überzeugen, er sei lediglich in diese Machenschaften „hineingerutscht“ und habe das Geld gerne kassiert, um den Umzug und die neue Wohnung zu finanzieren. Doch immer neue Scheußlichkeiten, immer tiefere Verstrickungen kommen ans Licht …

Léa Seydoux spielt die junge Mutter, in Gastrollen sind Sylvester Groth und Cathérine Deneuve zu sehen.

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/gentle-monster

Wäre dieser Plot Gegenstand eines Hollywoodfilms (der Titel würde ja dazu passen), liefe er Gefahr, auf oberflächliche Botschaften, unerfreuliche Details und ein dickes, aber tristes Finale hinauszulaufen. Diese Befürchtung hat sich sogar verfestigt, nachdem ich zum gleichen großen Thema den insgesamt sehenswerten „Prime Time“ von Ari Aster gesehen habe, von dem hier in Kürze die Rede sein wird.
Bei einem Arthaus-Film wie unserem heutigen Programmpunkt droht eine andere Gefahr: Betroffenheit und wiederum Tristesse. Nichts dergleichen ist passiert. „Gentle Monster“ ist mitreißend, ohne reißerisch zu sein, und wird seinem Thema gerecht, ohne uns abstoßen oder frustrieren zu müssen.
Der Film spielt in Frankreich und in der süddeutschen Provinz und zeigt uns eine polyglotte Familie, die unentwegt zwischen vier Sprachen (wenn wir das Österreichische einzeln nummerieren) hin- und herwechselt. Das öffnet allen Beteiligten eine zusätzliche Ebene, auf der sie sich als eingespielte Lebens- und Schicksalsgemeinschaft bewähren können, und lässt Raum für Mentalität und Folklore. Léa Seydoux (sie hat auch schon mit Quentin Tarantino und Woody Allen gedreht) überzeugt auch als Musikerin in den Konzertsequenzen. Ihre Film-Mutter war früher selbst eine gefeierte Musikerin, und insofern ist sie mit der effektvollen Cathérine Deneuve passend besetzt. Sie darf zu ihrer Tochter den wenig tröstlichen und verdeckt selbstkritischen Satz sagen: „Ich habe ich dich immer gewarnt: das einzige, was für eine Künstlerin noch schlimmer ist, als ein Kind zubekommen, ist, aufs Land zu ziehen!“

Eine etwas schmalere Parallel-Handlung wird um die Sonderermittlerin Elsa auf den Weg gebracht: sie kümmert sich um ihren bildungsbürgerlich-verbohrten Vater, der mit seinen Grabschereien Pflegerin um Pflegerin vergrault. Das wirkt etwas konstruiert, wird jedoch so elegant erzählt, dass es uns nicht weiter betrüben muss. Ich habe erst einige Zeit nach der Sichtung des Films gelesen, Sylvester Groth spiele einen Demenzkranken. Was wir hier sehen, ist ein notgeiler alter Familientyrann, wie ich sie häufig auch ohne eine solche Diagnose erlebt habe. Aber das müssen wir an dieser Stelle zum Glück nicht verbindlich festlegen.

Die österreichische Autorin und Regisseurin Marie Kreutzer konnte bei dieser Produktion auf persönlichen Erfahrungen aufbauen. 2022 kam mit dem Historienfilm „Corsage“ ihre vierte Arbeit ins Kino. Der Erfolg bei der Kritik wurde an der Kinokasse und in der anschließenden Debatte vom Pädophilie-Skandal um den Schauspieler Florian Teichtmeister überschattet, der bei Kreutzer den Kaiser Franz Joseph I. spielt. Schon wenige Monate nach dem Ende der Dreharbeiten waren erste Berichte, noch ohne Namensnennung, durch die Medienwelt gegeistert. Intern stritt Teichtmeister zunächst alles ab. Nach Bekanntwerden der Anklage sagte Kreutzer der Presse: „Ich bin traurig und wütend, dass ein feministischer Film, an dem mehr als 300 Menschen aus ganz Europa jahrelang gearbeitet haben, durch die grauenvollen Handlungen einer Person so beschmutzt und beschädigt wird.“ Damit nicht genug. Ein weiterer Darsteller aus dem Ensemble löste einen MeToo-Skandal in Österreich aus.
Das vielleicht schönste Kompliment, dass ich „Gentle Monster“ zum jetzigen Zeitpunkt machen kann, ist, dass er sich aus den Niederungen solcher Nebengeräusche erhebt. Ein wirklich großer Film.
____

Außerdem heute online: Ronny Fanta und Torben Sterner sprechen mit dem Meteorologen Felix Dietzsch über die Hintergründe des Films „Pressure“, der ebenfalls heute startet:

https://alle42kultfilme.letscast.fm/episode/pressure

Veröffentlicht unter Film, Podcast, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen