Der Song des Tages: „More“

betr.: 85. Geburtstag von Riz Ortolani

In der erlesenen Gruppe der „wunderbaren Songs aus schrecklichen Filmen“ belegt „More“ die Spitzenposition, was Popularität und Glamour betrifft. Auf die Einspielungen von Doris Day und Bobby Darin folgten zahllose vokale und instrumentale Cover-Versionen; wie so oft, erklingt der Titel im Film selbst nur instrumental.

„Mondo Cane“ (1962) ist ein „Pseudo-Dokumentarfilm“,  der die angestrebte schockierende Wirkung vor allem aus einigen Szenen bezieht, in denen Tiere misshandelt werden. Aber viel des hier Gezeigten hat seine Skandalosität inzwischen eingebüßt: fette amerikanische Greisinnen im Sportstudio etwa, rote Kapuzenmänner beim Totenkult, Autos in der Schrottpresse oder Bilder vom nächtlichen St. Pauli, „wo viele, die das Schicksal oder auch ein fremdes Schiff an diesen Strand gespült, vergessen wollen, indem sie die Erinnerungen einfach in Bier ersäufen. Gesammelte Momentaufnahmen in der Straße der Freude zwischen ein Uhr nachts und morgens vier.“ (Dazu swingt die Walzer-Version von „More“.)

Obwohl er nicht der allererste seiner Art war, gilt „Modo Cane“ von Gualtiero Jacopetti, Franco Prosperi und Paolo Cavara als Beginn der „Mondo“-Film-Tradition. In den 60er und 70er Jahren wurde unter dieser Rubrik reißerisch Aufgemotztes aus aller Welt (archaische Rituale, Sex, Exotik …) dem voyeuristischen Blick angeboten, dabei aber ein zivilisationskritischer Ansatz behauptet.

„More“ ist der größte Hit des fähigen Soundtrack-Komponisten Riz Ortolani. Seine kurioseste Arbeit ist die Musik zu dem Naherholungs-Western „Old Shatterhand“. Ortolani wurde offensichtlich gebeten, sich an der populären „Winnetou“-Musik von Martin Böttcher zu orientieren, er bediente sich aber noch weitaus hemmungsloser bei Elmer Bernsteins „Die glorreichen Sieben“.

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