Der bitterböse Bastler

betr.: 168. Geburtstag von Thomas Alva Edison

Thomas Alva Edison hat es zu allerhand gebracht, was ihm einen Logenplatz in der Gesichte sichert. Allein seine Erfindungen in den Bereichen elektrisches Licht, Telekommunikation sowie Ton- und Bildaufzeichnung machen ihm zum Liebling aller Quizfragen-Autoren und einem Wohltäter der modernen Menschheit. Doch der „Zauberer von Menlo Park“ war eher ein Hexenmeister, der in jedem Computerspiel eine gute Figur gemacht hätte. Eine historische Niederlage mußte er einstecken: wäre es nach ihm gegangen, hätte die große Filmmetropole der westlichen Welt nicht in Kalifornien oder Berlin gestanden sondern in New York.

Am Ende des 19. Jahrhunderts war Edison bereits ein gemachter Mann. Seine „Black Mariah“ in West Orange, New Jersey war das erste Filmatelier der USA. Es war drehbar, damit sich bei wandernder Sonne das Licht nicht änderte. Die kurzen Filmchen, die er meterweise an Tingeltangel-Theater verkaufte, zeigten z.B. den „stärksten Mann der Welt“ in knapper Bekleidung oder boxende Haustiere. Er schickte seine Kamerateams aber auch nach draußen, um Aufsehenerregenderes für ihn einzufangen: die Hinrichtung eines Elefanten auf Coney Island oder eine Artistin, die Stück für Stück ihre Kleider fallenließ.
Edison gründete eine Patentgesellschaft, die Motion Picture Patents Cooperation, um auch an der Filmproduktion anderer mitverdienen zu können, denn ohne seine Technik kam niemand zurecht. Filmemacher, Kinos und Filmverleiher mussten dieser Gesellschaft beitreten und Gebühren zahlen, um die Technik nutzen zu können, und durften nur noch innerhalb dieser Gemeinschaft Geschäfte machen. Wer sich weigerte, mußte vor den Schlägertrupps auf der Hut sein, die im Dienste Edisons unliebsame Konkurrenten zusammenschlugen,  ihnen die Beine brachen oder ihre Unternehmen demolierten.
1912 zog ein schwäbischer Emigrant namens Carl Laemmle, der als einer der ersten Filmverleiher im Begriff war, sein Glück zu machen, die Konsequenzen – aus dem New Yorker Platz- und Lichtmangel und der preistreibenden gewerkschaftlichen Organisation der Tischler, Maler und LKW-Fahrer (die nun einmal für die Massenproduktion von Filmen unerlässlich sind) sowie den Luca-Brasi-Methoden von Mr. Edison. Er gründete im noch sehr dörflichen Los Angeles das erste Filmstudio der Westküste: Universal – und legte den Grundstein für Hollywood.
Die Filme, die ab 1913 in Universal City gedreht wurden, verkaufte er auch nach New York – und in alle Welt. Als er zudem nach acht Jahren seinen Rechtsstreit mit Edison gewann und dessen Monopol zerschlug, war New Yorks Zeit als Filmstandort längst abgelaufen.

Als Edison 1931 starb, hatte er sogar dem Siegeszug des Tonfilms als Unbeteiligter zuschauen müssen.

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