Der Vater der Mutter aller Klingeltöne

betr.: 45. Todestag von Alfred Newman

Seinen Namen kennt kaum jemand, aber eine von ihm komponierte Tonfolge hat es zum beliebtesten Jingle (man könnte sagen Klingelton) des Heimkino-Zeitalters gebracht: Alfred Newman, der Schöpfer der 20th-Century-Fox-Fanfare. Kein akustisches Studio-Logo ist annähernd so mitsingbar und wird so zuverlässig hervorgekramt, wenn in Sekundenschnelle das Thema „Hollywood“ heraufbeschworen werden soll. (Auf der optischen Ebene hat es der Studiolöwe von MGM zu ähnlichem Status gebracht.) Das ist für einen Filmmusiker kein schlechtes Vermächtnis. Natürlich ist es nicht sein einziges.

Alfred Newman war der Musikchef der 20th Century Fox, und er war ein Allrounder. Er schrieb nicht nur eine Vielzahl der klassischen Filmmusiken, er war außerdem der begabteste Dirigent in Hollywood (wie sogar der mit Lob sehr knauserige Bernard Herrmann einräumte) und ein fleißiger Talentförderer. Die fruchtbare Beziehung zur Musik lag bei ihm in der Familie: seine Söhne Thomas und David Newman sind selbst als Filmmusikkomponisten erfolgreich, sein Neffe Randy Newman ist überdies ein beliebter und gleichsam umstrittener Popmusiker und Liedermacher. Newmans familiäre Beziehung zum „MAD“-Coverboy Alfred E. Neumann halte ich allerdings für ein Gerücht (angeblich ist er dessen Patenonkel …).

Newman war in allen Filmgenres zuhause und steht für den spätromantischen Stil der frühen Tonfilmära, weniger verwegen und modern als die von ihm gern gebuchten Kollegen Bernard Herrmann und Alex North, aber mit dem ab den 50ern zunehmend gefragten Talent gesegnet, seinen sinfonischen Arbeiten auch signifikante Liebesthemen bzw. Titelsongs voranzustellen, so in „Anastasia“, „Pinky“ oder „The Robe“, dem ersten Cinemascope Film. Seine letzte Arbeit erklingt in einem der allerletzten Technicolor-Filme: „Airport“. Die Ouvertüre ist ein fetziger Orchesterfandango, der neugierig darauf macht, was der Meister wohl in den 70ern noch alles geschrieben hätte, als die Popmusik im Soundtrack Einzug hielt. Zu Beginn der „Rocky Horror Picture Show“ erhalten wir einen winzig kleinen Eindruck: seine Fox-Fanfare wird von einer Rockband gespielt, und sie klingt, als wäre es schon immer so gewesen.

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