Sklave und Weltraumheld

betr.: 58. Geburtstag von LeVar Burton / Erstsendung der 1. Folge „Roots“ in 10 Tagen

Erinnert sich noch jemand an den Namen Kunta Kinte? Für den Halbwüchsigen des Frühjahrs 1978 gab es auf dem Schulhof kaum ein wichtigeres Gesprächsthema als die Serie „Roots“, die damals erstmals bei uns lief. Die Buchvorlage war zwei Jahre zuvor, pünktlich zum 200. Geburtstag der USA herausgekommen, deren Geschichte sie „in weiten Teilen neu schrieb“, wie man etwas ketzerisch sagen könnte, denn das Thema Sklaverei war in dortigen Medien bisher nur sehr abstrakt verhandelt worden.

Der junge Afrikaner Kunta Kinte, ein muslimischer Mandingo-Krieger, wird im Jahre 1765 von Sklavenjägern gefangen und in die Staaten verschleppt. Anders als die meisten seiner Leidensgenossen, gibt er die Geschichte seiner „Roots“ (Wurzeln) verbotenerweise an seinen Nachwuchs weiter, so dass sich im 20. Jahrhundert sein direkter Nachkomme Alex Haley auf die Suche begeben und seinen Stammbaum rekonstruieren kann. Wir treffen in diesem Panorama auch den militanten Bürgerrechtler Malcolm X, der durch sein Pseudonym zum Ausdruck brachte, dass er seinen wirklichen Namen eben nicht kannte und den in seinem Pass nicht akzeptierte.
Die Serie beeindruckte jenseits ihres Inhalts auch durch die hochprominente Besetzung und (in der 2. Staffel) durch die feinfühlige Musik von Gerald Fried, in der der Wandel der Zeit eingefangen wird.

Der junge Kunta Kinte wurde von LeVar Burton gespielt (– der leider keinerlei Ähnlichkeit mit John Amos aufwies, der den Part in den späteren Lebensjahren übernahm). Der in Landstuhl geborene Levardis Robert Martyn Burton, jr. war in den USA überdies ein hochdekorierter Star des Kinderprogramms, als er zu seiner zweiten historischen Mission auch auf unsere Bildschirme aufbrach: „Star Trek – Das nächste Jahrhundert“. Hier war er der blinde Chefingenieur Geordi La Forge.
Als diese Serie gestartet wurde, hagelte es zunächst Proteste aus den Reihen der „Enterprise“-Fans, die der Meinung waren, eine neue Mannschaft ginge gar nicht. Bekanntlich haben diese sich Vorbehalte bald verflüchtigt.
Das größere Wunder bleibt der überraschende Welterfolg von „Roots“.

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