Der Song des Tages: „I Close My Eyes And Count To Ten“

betr.: 76. Geburtstag von Dusty Springfield

Ich weiß nicht, wie es sich im wirklichen Leben verhält, aber im Krimi legen Mörder gern ihre Lieblingsmusik auf, wenn sie ihre Opfer um die Ecke bringen.
Im gruseligen Finale der 3. Staffel der Serie „Cracker“ („Für alle Fälle Fitz“) dient einer der größten Hits von Dusty Springfield als Begleitmusik des Mordrituals: „I Close My Eyes And Count To Ten“. Die von der Männerwelt in ihrer Eitelkeit gekränkte Heldin (mehr ist es im Grunde nicht), ein intellektuelles junges Mädchen, schleppt Jungs ab, um sie dann, angekettet an ihr eisernes Bettgestell, mit Stromschlägen umzubringen. Zuletzt ist es der Sohn des Helden, der ihr in die Falle geht. (Im US-Remake der Serie fungierte dieser Fall als Pilotfolge, und diesmal wurde ein anderer Springfield-Song aufgelegt: „You Don’t Have To Say You Love Me“.)
Christian Petzold kopierte diesen Modus Operandi im letzten Akt seines sehenswerten Thrillers „Toter Mann“.

Da wir gerade dabei sind, können wir uns rasch an zwei andere Schlager erinnern, die von Film- und Fernsehmördern geschätzt wurden. Als Curd Jürgens in einer sehr frühen Folge der Serie „Derrick“ ältere Damen vergiftete, die er zu diesem Zwecke in sein Häuschen eingeladen hatte, pflegte er „La mer“ von Charles Trenet auf den Plattenteller zu legen.
Besonders bekannt wurde aber der „Mißbrauch“ (man verzeihe mir das Wortspiel) von „Singin‘ In The Rain“, Gene Kellys Gesangsaufnahme aus dem Soundtrack. Stanley Kubrick unterlegte sie einer Hinrichtungsszene in „A Clockwork Orange“, in der sich vor allem Malcolm McDowell als brutaler Schlächter hervortut.
Als McDowell Jahre später eine Filmgala besuchte, sagte ein Kollege zu ihm: „Gene Kelly ist auch hier. Möchtest du ihn kennenlernen?“ Das wollte McDowell natürlich gerne. Als Kelly McDowells Namen hörte, vereiste sein Gesicht, und er ließ den jungen Kollegen wortlos stehen.

Aber es muß ja zur Musik nicht immer gemordet werden.
Was hätte wohl Maurice Ravel gesagt, hätte er aus dem Munde von Bo Derek, einer der begehrenswertesten Frauen des 80er-Jahre-Kinos, das Geständnis gehört: „Ich kann’s nur beim ‚Bolero‘“?

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