„Bohemian Rhapsody“ – Was ist das?

betr.: 42. Geburtstag des Debütalbums der Gruppe „Queen“

Die „Bohemian Rhapsody“ ist einer der wichtigsten Songs der Rockmusikgeschichte und jener Titel, mit dem die Rockband „Queen“ den Grundstein zu ihrem bis heute ungebrochenen Erfolg legte.
Ihr Text (er stammt wie auch die Melodie von Freddie Mercury) gibt uns seit nunmehr 40 Jahren Rätsel auf. Da der Comedian Hennes Bender schon 2002 einen Erklärungsversuch gewagt hat – ohne uns den Spaß zu verderben und das Rätsel vollständig aufzulösen – möchte ich heute den Titel des Songs analysieren.

„Bohemian“ hat zwei Bedeutungen, die einander berühren. Zunächst einmal bedeutet es schlicht „böhmisch“. Die hier vermutlich zutreffendere Auslegung ist aber „der Bohème zugehörig“. Der gebräuchliche Ausdruck „Bohème“ nimmt in der Tat auf Böhmen bezug, jenen waldreichen Landstrich, der nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie in Tschechoslowakei umbenannt wurde. Es war ein Vielvölkerstaat mit entsprechenden kulturellen Wechselwirkungen. Ende 1992 fand die Teilung in zwei unabhängige Staaten statt: Tschechien, und die Slowakei. (Das ursprüngliche Gebiet erstreckte sich auch über einen Teil der Ukraine.) Durch die den Böhmerwald musiktheater- und klischeehafterweise bevölkernden „Zigeuner“ prägte sich der Begriff „Bohème“ als Bezeichnung für das unbürgerliche Leben heraus. Inzwischen versteht man darunter ganz allgemein das Künstlervolk, also auch sesshafte Stadtmenschen wie Maler, Tänzer, Intellektuelle etc. Das Vorurteil, diese führten ein sprichwörtliches „Zigeunerleben“, bräuchten also „dem Kaiser kein‘ Zins zu geben“ (sprich: keine Steuern zu zahlen), stünden niemals vor 16 Uhr auf und seien überhaupt eher zwielichtige Figuren, hält sich bis heute (besonders in meiner Familie) und wird sogar auf hart arbeitende Dienstleister wie die Darsteller von Musicalproduktionen angewandt.
Immerhin gesteht man ihnen kreatives Potenzial zu, besonders auf dem musikalischen Gebiet.

Eine Rhapsodie ist ein Orchesterstück mit einer signifikanten Solopartie. Im deutschen Sprachgebrauch ist damit ein Klavierkonzert gemeint (sonst würde man präziser z.B. Cellokonzert sagen), im Englischen wird das jeweilige Instrument dem Ausdruck vorgeschaltet (also z.B. Cello Rhapsody). Seinen Ursprung hat der Begriff bei den griechischen Wandersängern (den Rhapsoden) und wiederum bei den sog. Zigeunerweisen, auf denen die Rhapsodien Franz Liszts basieren. Sergei Rachmaninow hat mit der noch immer populären „Rhapsodie auf ein Thema von Paganini“ diesen Begriff auf seine heutige Bedeutung ausgeweitet.

Die Ansage von Freddie Mercury, Brian May, Roger Taylor und John Deacon, die das umgebende Album „A Night At The Opera“ nannten, ist also klar und deutlich: „Unsere Kunst wurzelt in der europäischen Kulturgeschichte! Hier hat Kleines keinen Platz! Wir sind die Größten!“
Die „Bohemian Rhapsody“ hat dieses Versprechen eingelöst.

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