Denn alles, was besteht …

betr.: 29. Jahrestag vom Abriß des Star Club

Mein Hörspiel „Der Strudel der flüsternden Sachen“ schickt zwei Jungs, von denen mindestens einer ein sehr unaufgeräumtes Zimmer hat, auf eine abenteuerliche Reise – abenteuerlich, aber ganz ohne Feen, Trolle und Hobbits. (Unglaublich, nicht?)
In der folgenden kleinen Szene geht es um Orte und Bauwerke wie den Hamburger Star Club … oder den Bahnhof Altona.

  1. Zwischenspiel: WOHIN DES WEGS?

Ein Vorortahnhof. Man hört, wie eine Bahn hält und die mechanische Tür sich öffnet. Schali steigt aus.

Schali: Hi, Knaller! Hast du lange gewartet?

Knaller: Schon okay. Ich war in dem Kino da drüben. War aber doof. Lauter alter Kram.

Schali: Was zeigen die denn? Laß mal sehen … „The Other Side Of The Wind“ von Orson Welles, „The Mountain Eagle“ von Alfred Hitchcock, „Rogue Song“ mit Dick und Doof – in Farbe, „September“ von Woody Allen mit Christopher Walken, „The Day The Clown Cried“ von Jerry Lewis …

Knaller: Der Vorführer sagt, ein Tarantino ist angekündigt – „The Hateful Eight“.* Kommt aber erst nächste Woche. Und du? Wie war deine Rundfahrt?

Schali: Große Klasse! Selber schuld, dass du nicht mit warst!

Knaller: Was gab‘s denn? Nu erzähl doch mal!

Schali: Ein Kaff namens Germania …

Knaller: Nie gehört.

Fuhrmann Walpor: Alles einsteigen zur Weiterfahrt nach Pompeji, Troja, Brigadoon, Anatevka, Hiroshima, Nagasaki und Atlantis, Zwischenhalt im Gängeviertel, Endstation ist der Bahnhof Altona!

Schali: Wow! Atlantis! Das würde mich ja auch interessieren!

Knaller: Da holt man sich doch nur nasse Füße! Ich finde, wir sollten von jetzt an lieber zusammenbleiben!

Fuhrmann Walpor: Also, was ist nun?

Schali: Öh … ach, fahren Sie nur, wir kommen nächstes Mal mit. Es eilt ja nicht – die Welten, wo Sie hinfahren, sind ja schon untergegangen!

Fuhrmann Walpor: Türen zu (Rumpel!) – uuuund: Abfahrt!

Der Zug fährt ab und verklingt.

Knaller: So so – du warst also in Germania.

Schali: Ja, voll gruselig! Ich hab einen Prospekt mitgebracht.

Knaller: (liest vor) „Mit dem Bau des Triumphbogens wurde 1946 begonnen, und die Arbeiten waren rechtzeitig zum Tag der Nationalen Wiedergeburt 1950 vollendet. Der Entwurf kam vom Führer selbst und beruht auf Zeichnungen, die er während der Kriegsjahre gemacht hat …“

Schali: Wir waren in so’ner Kuppelhalle, die angeblich das größte Gebäude auf der Welt ist. Der Fremdenführer meinte, der Petersdom passt da 16mal rein. Und er meinte, wir sollten alle fleißig atmen, denn unser Atem steigt auf und bildet dort oben in der Kuppel Wolken, die kondensieren und dann wieder auf uns herunterregnen.

Knaller: Das’ ja ober-eklig!

Schali: Halb so wild. Das war ein ziemliches Gehetze bei der Führung. Den Regen muß die nächste Gruppe abgekriegt haben. Und was hast du so getrieben?

Knaller: Ich habe einem Utterbunk beim Gumpen zugehört, habe den Schuldrak beobachtet, wie er sein Schuppenkleid wechselt und einen Tatzelmüff gestreichelt.

Schali: Aha – nichts als Eseleien! Während ich was für meine Bildung getan habe!

Knaller: Jetzt komm, du Streber! Hier geht’s weiter den Bach runter – dann laß uns mal weitermarschieren. Bei uns zu Hause wird’s bestimmt schon dunkel!

Musikakzent

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* Als der Text entstand, hatte Quentin Tarantino dieses Projekt offiziell angeblasen, da ein Maulwurf das Skript an sich gebracht und es im Internet veröffentlicht hatte. Strafe mußte sein!

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