Der Krieg hört nicht auf

betr.: 59. Geburtstag von Lisa Politt / Tagesschau vom 2.2.2015

Dass Aktuelles nicht zum Aufheben tauge, hat sich längst als Irrtum erwiesen – sei es im Unterhaltungsfernsehen (wo Ekel Alfred bis heute gegen die politischen Verhältnisse der frühen 70er anstänkert und damit Traumquoten erzielt) oder in der Sparte Kabarett- und Chanson, wo es naturgemäß unzählige Beispiele gibt.
Bei aller Weiterentwicklung gibt es immer auch Konstanten in einer Kabarett-Laufbahn, und das können wir uns heute am Beispiel von Lisa Politt anschauen, weiblicher Teil des preisgekrönten Duos „Herrchens Frauchen“ und im „Polittbüro“ (man beachte die abweichende Aussprache) auch Veranstalterin.


Somalia
Lisa Politt in „Mauschelei uaf der Bounty“ (1993)

Zunächst etwas ganz Frisches: eine Mail von Lisa Politt an die „Tagesschau“ (siehe https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-11423.html)

Sehr geehrte Damen und Herren,

den heutigen Bericht über die Gespräche des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani mit Frau Merkel moderiert Frau Holst wie folgt an:

„Vor einem Jahr hatte die NATO ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beendet. Die Sicherheitslage in dem Land ist aber weiter prekär. Der Plan, die verbliebenen Truppen weiter drastisch zu reduzieren, wurde deshalb gestoppt“ (… )

Es wird dadurch insinuiert, Kampfeinsätze würden die Sicherheitslage eines Landes verbessern. Daher müsse man jetzt die Anzahl der Soldaten vor Ort wieder aufstocken. Alle anderen, nicht bellizistischen Einschätzungen werden unterschlagen. Damit verletzen Sie den Staatsvertrag, der Sie zur ausgewogenen Berichterstattung verpflichtet. Dabei werden die Widersprüche, die Sie dabei ignorieren müssen, immer größer:

Im Interview von Frau Holst mit Frau Rau zum selben Thema sagt diese, die von Frau Merkel zugesagten Gelder zur Bekämpfung der Fluchtursachen würden u. A. in das Training der Afghanischen Armee durch deutsche Soldaten fließen, Frau Rau: „mithin also für mehr Sicherheit zu sorgen“. Sekunden später berichtet sie, eine der von Ghani angegebenen Fluchtursachen sei „nämlich die fragile Sicherheitssituation, das ist seit 2001 eher noch gefährlicher geworden“. Schau an.

Die Erkenntnis, dass militärische Einsätze die Sicherheit eines Landes nicht erhöhen, sondern im Gegenteil selbst Fluchtursache werden, ist ja nicht neu. Befleißigen Sie sich doch einfach des kritischen Denkens, und führen Sie diese Erkenntnisse, wenn es auch nicht die eigenen sind, in Ihrer Berichterstattung zumindest an. (Experten finden Sie genug. Deren Stimmen mehren sich. Nach wie vor gibt es übrigens eine Mehrheit in der deutschen Bevölkerung, die sich gegen Einsätze derBundeswehr im Ausland ausspricht. Sie kommunizieren mithin eine Minderheitsmeinung als einzige Meinung.)

Dann würden Ihnen vielleicht auch Wörter wie „Schleuserkriminalität“, die auch bekämpft werden soll mit den zugesagten Geldern nicht so locker über die Lippen gehen wie Frau Rau. Ausschließlich die nationale Zugehörigkeit der Flüchtlinge hat aus deren Helfern im Fall der aus der DDR fliehenden Menschen Helden gemacht: Fluchthelfer nämlich. Und auch Ihre Identifikation mit Ihrem nationalen Interesse sollte Ihnen das Hirn nicht so vernebeln, dass Sie derart unausgewogen berichten. Wäre zumindest mein Wunsch. Ist ja Advent, schliesslich.

Oder, alternativ dazu: Wenn Sie weiterhin derart militärisch argumentieren, setzen Sie sich doch zur Kenntlichmachung ein Bundeswehrkäppi auf wie seinerzeit Entwicklungsminister Niebel bei seinen Einsätzen vor Ort, der jetzt bei „Rheinmetall“ ist und insofern ein wahrer Avantgardist war in der Entwicklung, Hilfe durch Krieg zu ersetzen.

Frohes Fest allerseits,
Lisa Politt

Es folgt ein Chansontext von Lisa Politt aus dem Ensemble-Programm „Mauschelei auf der Bounty“ vom Sommer 1993:

SOMALIA
von Lisa Politt und Gunter Schmidt

Der Softie ist out, da sind wir alle froh
nur Gejammer und Getricke – das bringt´s nicht so.
Ehrlich gesagt, tun mir die Augen weh,
wenn ich so´n Laschi noch im Sitzen pinkeln seh´.
Gott sei Dank sind die Zeiten jetzt vorbei,
und da kommt er auch schon, macht die Bühne frei!
(Der braucht nämlich echt Platz, der Junge, paßt ´mal auf!)

REFRAIN
(Boah, Donnerwetter, allerhand, echt stark!)
Jetzt ist er wieder da, der deutsche Mann.
Ihr werdet staunen, was am Körper alles deutsch sein kann.
Der große blonde Held, endlich ist er wieder da
und hilft den armen Negern in Somalia.

(Essen auf Rädern!)

Schöner wär´, wenn sie so stark wie Papi wären.
Damals ging es gegen die Russkies, alle stark wie Bären.
Und dann ließ er Mami von der Ostfront grüßen…
Dagegen jetzt: Auf ein paar zu dünne Neger schießen!
Damals ging´s auch noch um Werte, das reine deutsche Blut.
Heute um reines deutsches Bier, immerhin, nur Mut:
Hier ist, was für ihn und gegen Papi spricht:
Er ist nicht ganz so mutig aber Nazi ist er nicht.
Der kriegt auch noch was And´res hoch als seinen Arm
Das Training in der Wüste hat ihm gutgetan.

REFRAIN
Das BVG hat sich entschlossen, „Ja!“ zu sagen.
Das wär´ ja sonst ein Frust, erst das Zelt aufschlagen,
und dann war´s nur ein Trainingscamp! Wie peinlich dann zuhaus´!
Da sieht es doch in Amiland ganz anders aus.
Die engagieren sich mit Bomben, die Leichen könn´ in Frieden ruh´n
den Frieden kriegt man nicht geschenkt, da muß man was für tun.
(Ding, Dong – NATO läutet!)

REFRAIN
Nach der Mission kriegt er sicher frei
und bringt mir die Missionarsstellung bei.
Das wär´ was, wenn ich so´ne Bombe bei mir hab´!
Aber neben mir macht Schnuckel leider immer noch schlapp.

(Pssst. Ruhe im Glied. Er übt noch!)

Vielleicht kommt er ja auch im Zinksarg nach Haus.
So knackig wie als Leiche sah er vorher nie aus.
Doch nun woll´n wir wieder fröhlich sein, weil man das doch weiß:
Wer austeilt, steckt auch ein, jedes Spiel hat seinen Preis.
Liebe Leiche, nun mach´ mal ein nettes Gesicht –
So´n schöner Körper und dann schmollen, na das paßt doch nicht!

REFRAIN
Freddy 
                    Brennend heißer Wüstensand
Gunter + Bertie       So schön, schön war die Zeit, so schön, schön war die Zeit …

 

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1 Antwort zu Der Krieg hört nicht auf

  1. Edeltraud Bartzen sagt:

    Schön war die Zeit!!

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