Die wiedergefundene Textstelle: „Das Drei-Monde-Irrenhaus“ (4)

betr.: 41. Jahrestag der Erstsendung von „Trilogy Of Terror“ nach Richard Matheson / Fortsetzung vom 28. Februar

Das Drei-Monde-Irrenhaus
Eine Kurzgeschichte von Richard Matheson
Übersetzt von Monty Arnold

VII.

Wieder dieser Traum.
Lindells Hirn fühlte sich an wie in einem scharfen Krallengriff. Schweißgebadet und stöhnend warf er sich im Bett hin und her, schließlich fügte er sich in den Wachzustand und starrte in die Dunkelheit.
War da was am Fußende seines Bettes? Eigentlich wollte er es lieber nicht wissen; er schloß die Augen, schüttelte den Kopf und sah dann doch noch einmal hin. Das Zimmer war leer. Und das Gefühl der Invasion in seinem Kopf ebbte ab.
Er ballte die Fäuste. Sie war hier, während ich schlief, dachte er. Verflucht noch mal! Sie ist hiergewesen!
Er stieß die Decken beiseite und kroch nervös zum Fußende des Bettes.
Er konnte die Blumen nicht sehen, aber der widerliche Geruch waberte vom Fußboden zu ihm herauf. Würgend ließ er sich aufs Bett zurückfallen. Sein Magen zog sich zusammen. „Was will sie von mir?“ murmelte er immer wieder.
“Warum tut sie das?“

VIII.

Als er die Blumen aus dem Zimmer warf, tröpfelte ihr Flehen wieder auf ihn nieder.

IX.

„Ich habe nein gesagt, oder nicht?“ brüllte er sie an.
Dann setzte er sich an den Tisch und riss sich zusammen, so gut er konnte. Die vor ihm liegende Zeit konnte er nicht im Angriffsmodus durchstehen. Also immer mit der Ruhe!
Auch die verkürzte Zeit von sechs Monaten war nicht ohne! Aber er würde nicht nachgeben, befahl er sich selbst. Sie würde so weiter machen, er mußte hart bleiben. Sie ist zu beschränkt, um nachzugeben, dachte er laut und deutlich, damit sie es hören konnte.
Als Reaktion darauf ließ sie ihre Schultern hängen.

Tatsächlich gab sie sich während des Frühstücks recht eingeschüchtert, hielt ihr Gesicht von ihm abgewandt und ihre Gedanken für sich. Nun tat sie ihm fast ein bisschen leid. Vermutlich kann sie gar nichts dafür, dachte er. Sie folgt nur dem biologischen Schema aller Gnee-Frauen, Männer kontrollieren zu wollen.
Postwendend waren ihre Gedanken wieder da – sanftes, rührseliges Zeug. Er versuchte, sie abzuwehren und an etwas anderes zu denken.

Den ganzen Tag über arbeitete er ohne Pause. Er bezahlte auch die Gnee-Männer, das heißt, er übergab Gewürze und Getreide an den Vorarbeiter, der sie dann an seine Leute verteilte. Ob die Frauen wohl etwas davon abkriegten?

“Das ist eine Aufzeichnung von David Lindell“, diktierte er am Abend. „Ich will mich selbst sprechen hören, damit ich meine Stimme nicht vergesse. Elender Mist! Was soll’s? Ich bin hier auf Station Vier, erlebe eine herrliche Zeit und wünschte, ihr wäret an meiner Stelle. Also gut, Jungs – ganz so schlimm ist es auch wieder nicht. Außerdem weiß ich jetzt, was Corrigan und die anderen armen Hunde vor ihm kirre gemacht hat. Das war die Damenbegleitung hier … und ihr menschenfressender Verstand. Aber damit das klar ist: bei mir wird sie das nicht schaffen! Darauf könnt ihr wetten! Liebling wird mich nicht …
Nein! Ich habe dich nicht gerufen! Verzieh dich aus meinem Kopf? Wärst du so gut?“

Rein physisch war er jetzt allein!
Sorgfältig verschloss er die Tür seines Zimmers und legte sich hin. Im Schlaf stöhnte er unter dem üblichen Alpdruck, seine Glieder zuckten, und er warf sich im Bett hin und her.

In der Früh erwachte er kurz. Mühsam raffte er sich auf, stolperte zur Tür und untersuchte sie mit ungeschickten Handgriffen. Das Schloß war unberührt. Er taumelte im Zickzack zu seinem Bett zurück, ließ sich hineinfallen und sank in einen betäubungsähnlichen Schlaf.

Als er morgens aufwachte, lagen am Fußende des Bettes wieder diese nach Verwesung stinkenden Blumen – diesmal von üppigem Purpurrot. Die Tür war fest verschlossen.

Fortsetzung folgt

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