Der Song des Tages: „MacArthur Park“

betr.: 2. Jahrestag der Enthüllung der Hintergründe des Songtextes „MacArthur Park“ durch Jimmy Webb gegenüber „Newsday“

Es gibt persönliche Erfahrungen, für die ich immer dankbar sein werde, in denen sich die Liedzeile bewahrheitet „Twas so good to be young then In the season of plenty“. Mit „plenty“ ist hier nicht die materielle Fülle gemeint, sondern die beiläufige Selbstverständlichkeit, mit der es möglich war, etwas Wundervolles tatkräftig mitzugestalten.
In jenen glorreichen Tagen, da der „Quatsch Comedy Club“ noch keine Fernsehsendung war, sondern ein monatliches Live-Ereignis in Hamburg, ein heißerflehtes Happening, das nur so viele Menschen erleben konnten wie dreimal in den Mojo-Club hineinpassten, in jenen Tagen hatte ich ein paar Kollegen, die besonders von der aktuellen amerikanischen Comedy (und Lebensart) geprägt waren – während ich mich eher am deutschen Fernsehen abarbeitete. Ein später berühmter niederbayrischer Kollege schwärmte zum Beispiel von „Seinfeld“, einer TV-Serie, in der das Leben eines New Yorker Stand Up Comedian gezeigt wird. (Dieses Berufsbild begann sich hierzulande ja erst herauszubilden, und der „Quatsch Comedy Club“ hatte daran einen gewissen Anteil.) Ich habe den Fans von „Seinfeld“ immer unterstellt, dass sie mehr von der flott-idyllischen Darstellung dieses Lebensentwurfs fasziniert waren als von der Qualität der Gags. (Ich werde es niemals ganz genau wissen.)
Auch unser Direktor Thomas Hermanns gab in seinen Soli mitunter persönliche Eindrücke zum Besten, die er aus den USA mitgebracht hatte. Einmal analysierte er (durchaus mit erkennbarer Zuneigung) den durchgeknallten Text des Songs „MacArthur Park“*.
Im Entstehungsland des Songs hat die Beargwöhnung dieses Textes schon Tradition. Hat ein Stück Popkultur einen solchen „Griff zum Wegschmeißen“ erst einmal angepappt bekommen, geht alles wie von selbst. Rasch war für „MacArthur Park“ der Ehrentitel des „schlechtesten Songs aller Zeiten“ in Umlauf gebracht (Geht’s noch?) – vermutlich von einem Individuum, das nicht einmal in der Lage wäre, den Flohwalzer auf dem Kamm zu blasen.

Wir wollen uns rasch die wichtigsten Fakten dazu ansehen: der 21jährige Jimmy Webb, der im südlichen Kalifornien zur Schule gegangen war und schon für die „Supremes“ komponiert hatte, schrieb „MacArthur Park“ für ein geplantes Konzeptalbum, das zwischen Klassik und gefälligem Pop vermitteln wollte – das war 1967 gar kein so verwegener Ansatz. In der ersten der vielen Interpreten dieser Nummer (durch den Schauspieler Richard Harris) schwingt dieser Anspruch noch deutlich mit: sie dauert sieben Minuten und bietet ein großes Streicherensemble auf. Allein diese Urfassung wurde über eine Million mal verkauft, und die Cover-Versionen häuften sich. Unter ihnen befanden sich auch instrumentale Umsetzungen – eine der schönsten ist die des gewohnt zuverlässigen Percy Faith – und wer zuwenig Fantasie hat, die Qualität der Melodie aus einer Vokal-Version herauszuhören, dem  seien diese zur Hinterfragung des oben zitierten Statements ans Herz gelegt.

Was aber hat es mit dem berüchtigten Text auf sich?
Ein Künstler erklärt sein Werk nicht gern, aber Jimmy Webb ist auch nur ein Mensch. Irgendwann gab er nach und verriet, dass der MacArthur Park in Los Angeles der Treffpunkt für ihn und seine Freundin gewesen sei und dass auch die übrigen Metaphern auf banales Reales verweisen: die alten Männer, die Naturphänomene, selbst der vieldiskutierte im Regen stehengelassene Kuchen und die Sorge um das Rezept dazu.
Webb schrieb in der Folge die größten Hits für andere – vom Format Frank Sinatra (ich liebe „By The Time I Get To Phoenix“!), Linda Ronstadt, Simon & Garfunkel, Joe Cocker … – Filmmusik und natürlich weniger beachtete Soloalben.
Dass er also weiterlebte und –arbeitete, mag eine gewisse Art von Musikfreunden auch gegen seinen „MacArthur Park“ aufgebracht haben.

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* Hennes Bender später hat das Gleiche mit dem Rock-Klassiker „Bohemian Rhapsody“ unternommen – ein denkwürdiger Vortrag.

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