Kinski spricht

betr.: 90. Geburtstag von Klaus Kinski

Diesen kleinen Monolog mag sich geneigte Leser bitte mit der Stimme von Klaus Kinski vorstellen. Ich habe ihn einst aus einem meiner Soloprogramme gestrichen, weil ich den berühmten Schauspieler nicht zu meiner eigenen vollen Zufriedenheit zu imitieren vermochte.

Ich bin’s!

(Ein Rülpsen geht dem Text voran!)

Jetzt glotzt nicht so blöde! Jawohl, ich bin’s! Ich bin Klaus Kinski!
Ich bin das klägliche Ende eines jeden harmonischen Drehtages! Der Gottseibeiuns effizienter Atelierarbeit und mimischer Zwischentöne! Der große Bürgerschreck einer Ära, in der schon das Wort „Arsch“ in einer Fernseh-Übertragung den sofortigen Einsturz aller Sendemasten bedeutet hätte.
Arsch, Arsch, Arsch, Arsch, Arsch!
Meine Visage ist so häßlich und verrottet, dass einem davon der Fernseher kaputtgeht. Ich benehme mich wie der letzte Urwald-Affe, und finde immer mindestens einen Journalisten, der das mit Schauspielerei verwechselt – mit Wahrhaftigkeit! Huhaha!
Ich lebe von der Blödheit des klemmpimmeligen bürgerlichen Kinogängers der Wirtschaftswunder-Jahre, und dafür dürft ihr mich begaffen wie man früher bärtige Frolleins und Zwerge mit zwei Köpfen in der Freak-Show begafft hat!
Uääääääh!
Ich hasse das Theater von ganzem Herzen! Wehe, wenn einer applaudiert! Ich kann es nicht leiden, wenn einer in meine Performance reinklatscht!
Wenn einer von euch mit meiner Hilfe einen schönen Abend erlebt, muß ich kotzen, und sofort danach werde ich mich erschießen!

(Tosender Applaus ertönt)

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