„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (5)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.com/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 30. Oktober 2021

Von einer Sekunde zur anderen hatte sich Sunlight wieder in der Gewalt. Er ließ sich keine Überraschung anmerken, obwohl ein Einheimischer wirklich das Letzte war, was er hier erwartet hatte. Der Fremde war wohlgenährt und rund, er lächelte fröhlich und hatte einen Fetzen Robbenfleisch in der Hand.
„Hallo, Eskimo“, sagte Sunlight. „Ich mich freuen, dass du mich finden.“ Er sprach Primitiv-Englisch; er hoffte, dass der Eskimo vielleicht einmal mit englischen oder amerikanischen Seeleuten zusammengekommen war und ein paar Brocken aufgeschnappt hatte. Der Eskimo grinste breit. Dann sprach er ebenfalls Englisch – und zwar perfekt.

Originalillustration von Paul Orban

„Wie geht es Ihnen?“ erkundigte er sich höflich. „Einer meiner Brüder hat mir gesagt, dass Sie hier liegengeblieben sind. Er meinte, Sie könnten vielleicht Verpflegung brauchen. Da habe ich Ihnen ein Stück Robbenfleisch mitgebracht.“
Sunlights hageres, ausgemergeltes Gesicht veränderte sich nicht. Er war daran gewöhnt, seine Gedanken zu verbergen.„Lebt ihr hier in der Nähe?“ fragte er.
Der Eskimo nickte und hob den Arm. „Dort drüben, einige hundert Meter entfernt“, sagte er.
„Wie viele Eskimos sind dort im Lager?“ wollte Sunlight wissen.
„Mit mir ein Dutzend“, erwiderte der Eskimo. Sunlight deutete auf die große Blaue Kuppel. „Was ist das für ein Ding?“ fragte er.
Der Eskimo starrte auf die blaue Halbkugel, er wirkte plötzlich verwirrt.
„Welches Ding?“ fragte er. „Ich sehe nichts.“
Sunlight erschrak. Vor der Idee, den Verstand zu verlieren, hatte er tatsächlich Respekt. Für einen schrecklichen Augenblick fürchtete er, dass da wirklich nichts war und er sich alles nur einbildete.
„Du siehst keine große, blaue Kuppel?“ Der Eskimo schüttelte energisch den Kopf. Sunlight nagte an seiner Unterlippe – wenn er sein ungewöhnlich großes, weißes Gebiss zeigte, hatte er etwas von einem Totenschädel.
„Was siehst du?“ fragte er.
„Nur Schnee“, sagte der Eskimo ruhig.
Sunlight packte blitzschnell zu. Der Mann war kräftig und wohlgenährt, aber das war kein Hindernis für seine irre Körperkraft. Er schleuderte den Eskimo gegen die blaue Halbkugel, der Eskimo stöhnte und sackte bewusstlos zu Boden. „Vielleicht siehst du die Halbkugel nicht“, sagte Sunlight leise, „aber bestimmt hast du sie gespürt.“ Er klemmte sich den Fetzen Robbenfleisch unter den Arm und schleifte den Eskimo zum Lagerplatz der Schiffbrüchigen. Das Fleisch reichte  nicht für alle, daher verteilte Sunlight es an diejenigen, die am wenigsten ausgezehrt waren; er brauchte sie, um mit ihnen das Eskimolager zu überfallen. Er sah zu, wie das Fleisch gekocht wurde. Die Schwachen und Kranken hockten abseits und schielten gierig auf die Mahlzeit, von der sie nichts bekamen.

Nachtrag zum gestrigen Beitrag:
Es gilt wie so oft: die Kauka-Übersetzung mag anfechtbar sein und zu jeglicher Art der Spielverderberei einladen, aber: welch ein Lesevergnügen! Daneben liest sich die neue Fassung wie ausdiskutiert – und das selbst bei einer so guten Übersetzerin.

Dieser Beitrag wurde unter Literatur, Popkultur, Science Fiction abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.