„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (37)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 15.6.2022

11. Kapitel
Arktisches Rendezvous
(Arctic Rendezvous)

Der Coronel war ein eleganter, schlanker Mann, er trug sogar ein Monokel. Er legte einen erheblichen Teil seiner Einkünfte in Garderobe an und hatte eine Schwäche für hübsche, etwas ordinäre Mädchen.
Während der Revolution in seinem Lande, die den Präsidenten an die Macht gebracht hatte, sollte Don Carlos, so wurde behauptet, eigenhändig einige fünfzig gefangene politische Gegner erschossen haben. Es hieß, dass sogar sein Chef, der Präsident, den privaten Umgang mit ihm vermied.
Jetzt saß Don Carlos in militärischer straffer Haltung im Heck des Motorboots, das ihn zur Insel übersetzte, und wirkte überraschend distinguiert. Er schenkte der Insel und dem burgähnlichen Gebäude einen wohlgefälligen Blick; der Platz schien ihm eine gewisse Sicherheit zu verbürgen. Sein eigenes Haus in seiner Heimat war nach ähnlichen Prinzipien angelegt.
Er dachte über John Sunlight nach, während er von dessen Männern ins Haus eskortiert wurde. Wie die meisten unangenehmen Menschen klammerte er auch sich an die Vorstellung, dass andere noch unangenehmer und skrupelloser waren als er selbst, und im Fall John Sunlight kam er mit dieser seiner Vorstellung dem Sachverhalt ziemlich nahe.

Don Carlos hatte eine kleine Ansprache vorbereitet, die er nun aufsagte, als er Sunlight gegenübertrat.
„Ich begrüße in Ihnen“, sagte er abschließend, „einen Mann, der die Qualitäten eines Dracula und eines Frankenstein mit denen eines Rasputin vereinigt.“
„Das ist aber eine miese Auswahl“, sagte Sunlight, ohne das Gesicht zu verziehen.
„Ich habe das nicht negativ gemeint“, sagte Don Carlos hastig. „Alle diese Leute hatten gewisse Vorzüge, auch wenn den meisten Menschen dafür das rechte Verständnis fehlte. Aber der Unverstand der Massen — man muss sich wohl damit abfinden . . .“
Sunlight bot ihm einen bequemen Sessel an und ließ sich wieder auf sein eigenes rotsamtenes Sitzmöbel fallen.
„Sie haben mich zu sich gerufen“, sagte der Coronel. „Worum geht es?“
Sunlight kam ohne Umschweife zur Sache.
„Ich kann jetzt nicht auf Einzelheiten eingehen“, sagte er. „Ich möchte mit Ihnen eine Verabredung treffen. Was halten Sie davon, wenn wir uns in fünf Tagen an einer Stelle im Norden der Hudson Bay zusammensetzen? Dort werden Sie alles erfahren.“
Der Coronel war überrascht.
„Hudson Bay“, sagte er langsam. „Sie meinen doch nicht etwa die Hudson Bay in Kanada?“
„Doch. Wir treffen uns in der Nähe des Polarkreises.“
„Sie müssen verrückt geworden sein!“ Davon war Don Carlos überzeugt. „Dort oben ist es immer noch Winter, es ist lausig kalt!“
„Ungefähr fünfzig Grad unter Null“, sagte Sunlight. „Fahrenheit.“
Der Coronel schüttelte den Kopf. „In der Arktis? Ohne mich! Schon gar nicht, wenn Sie mir nicht wenigstens den Grund mitteilen …“
„Es ist sehr, sehr wichtig“, sagte Sunlight. Er blieb ganz ruhig. „Die Zukunft Ihres Landes hängt davon ab.“
„Das sind große Worte“, sagte der Coronel skeptisch.
„Wenn Sie nicht kommen“, sagte Sunlight, „gibt es in fünf Monaten Ihr Land nicht mehr.“
Don Carlos versuchte, sich den Schock nicht anmerken zu lassen. Er dachte darüber nach, was er über Sunlight wusste, und rang sich zu einem Entschluss durch. Er stand auf.
„Einverstanden“, sagte er. „Obwohl ich bekenne, dass ich Ihre Methoden ein wenig ungewöhnlich finde. Aber was tut man nicht alles für sein Vaterland …“

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