Die Pampelmusenszene – Eine Sternstunde der Filmkunst

betr.: 81. Jahrestag vom Ende der Prohibtion („Repeal“)

In ihrem Song „That’s Him“ vergleichen Kurt Weill und sein Texter Ogden Nash das Glück der Verliebtheit mit dem Moment „when you heard about repeal“, der Nachricht vom Ende der Prohibition. Keiner, der diesen Tag als erwachsener Amerikaner erlebt hat, dürfte den Moment vergessen haben, als das Verbot von Produktion, Import und Verkauf von alkoholischen Getränken aufgehoben wurde, das die Nation 13 Jahre lang gequält hatte. Auch dem beinharten Abstinenzler mußte dieses Gesetz als echter Fehlschlag erscheinen, das dem organisierten Verbrechen zu einem rauschenden wirtschaftlichen Aufstieg verholfen hatte. Als der Alkohol wieder legal war, hatte sich die Mafia längst dauerhaft saniert und in die Gesellschaft hineingefressen.*
Die Prohibition hatte immerhin ein Gutes: den klassischen amerikanischen Gangsterfilm. Er setzte sich in den frühen 30er Jahren mit dem Tonfilm durch, als die Große Depression der Moral der Bevölkerung ohnehin schwer zusetzte. Viele brave Bürger standen selbst mit einem Bein im Kittchen und konnten sich gut identifizieren mit Typen wie Al Capone, Babyface Nelson oder „Machine Gun“ Kelly. Die großen Filmgangster waren Paul Muni, E. G. Robinson und George Raft – von ihm stammt das Klischee, dass mit einer Münze spielt, wer ein richtig cooler Ganove sein will. (Und angeblich übernahmen die echten Ganoven diese Marotte von ihm.)
Heute wollen wir aber besonders an James Cagney denken. Er war sicherlich der wandlungsfähigste und langlebigste der großen Filmgangster. Als Komödiant und Musical-Star, der 1981 seine letzte (große) Rolle spielte, übertraf er sogar den vielseitigen Edward G. Robinson.
Seinen größten Filmmoment hatte Cagney bereits in seinem ersten Erfolgsfilm, und lange Zeit war die „Pampelmusen-Szene“ aus „The Public Enemy“ legendär.
Der Ganove Tom Powers hat schon im Kindesalter die ersten Brüche gemacht und sitzt nun, als einer der gefährlichsten Männer Chicagos, mit seiner Freundin am Frühstückstisch. Jung, eher kleinwüchsig und in einen gestreiften Schlafanzug gewandet, sieht er eher putzig als gefährlich aus. Als ihm seine Liebste unterstellt, er könnte sich auch für andere Mädchen interessieren, greift er sich eine aufgeschnittene Pampelmuse von der Morgentafel und haut sie ihr mit einem satten Schmatzlaut ins Gesicht. (Die Grimasse, die er dabei schneidet, ist im Film wesentlich hübscher als auf dem offiziellen Standfoto. – Unbedingt mal dort anhalten!)
Trinken wir also heute (am besten einen Grapefruit-Saft) auf das Ende der Prohibition und auf James Cagney, einen ihrer bösesten Jungs!

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* (Wer in diese Materie tiefer einsteigen will, dem sei die „Pate“-Trilogie von Francis Ford Coppola ans Herz gelegt.)

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