Der große Preis

betr.: 88. Gründungstag der Academy Of Motion Picture Arts And Sciences

Zunächst das Wichtigste und weithin Bekannte: Heute vor 88 Jahren lud der der MGM-Vorsitzende Louis B. Mayer die Elite Hollywoods zu einem Bankett ein, auf dem die „Academy Of Motion Picture Arts And Sciences“ gegründet wurde. Die Idee, einen Filmpreis auszugeben sollte sich langfristig aber erst Jahre später als glorreich erweisen: Die erste Oscar-Verleihung war ein vergleichsweise intimes Treffen und fand schon im übernächsten Jahr, am 29. Mai 1929 statt. Unter den Preisträgern befanden sich Charles Chaplin (in seiner Eigenschaft als Produzent von „The Circus“) und der deutsche Filmstar Emil Jannings (der eben zuendegehende Stummfilm hatte das Weltstartum etwas einfacher gemacht).
Eine Sache, die nicht jeder auswendig weiß, ist die Antwort auf die Frage: Was hat es eigentlich mit dieser „Academy“ auf sich. Kann man die besuchen? Leider nicht.

Das Projekt wurde aus der Not geboren: Mitte der 20er Jahre befand sich Hollywood zum ersten Mal auf dem Weg nach unten. Nach Jahren des Booms wurden die Bilanzen und der Optimismus der Filmmogule ein wenig eingetrübt: das Hays-Office untergrub mit einem strengen Sittenkodex seit einigen Jahren die beim Publikum so beliebte zuchtlose Bildsprache, und gut unterrichtete Kreise raunten davon, der Tonfilm könne marktreif werden.° Besondere Besorgnis bereitete den Produzenten aber die zunehmende gewerkschaftliche Organisation der diversen Filmkünstler und -handwerker. Am 29. November 1926 unterzeichneten neun Studios und fünf Gewerkschaften das für Musiker, Bühnenbildner, Bühnenarbeiter, Maler und Elektriker geltende „Studio Basic Agreement“. Nun konnte es auch bis zu einer Vereinigung der Regisseure und Schauspieler kein weiter Weg mehr sein.
Die „Academy“ wurde ins Leben gerufen, um zwischen Filmproduktion und Gewerkschaften zu vermitteln, sich für den technischen und kulturellen Fortschritt in der Filmwirtschaft einzusetzen und die Gewerkschaften in Schach zu halten und auszutricksen. Der Komödienregisseur Frank Capra berichtet in seiner 1971 erschienen Autobiographie einige Abenteuer aus der frühen Zeit der Academy.

Aber zurück zum besagten Filmpreis: zunächst nur „Academy Award Of Merit“ geheißen, erhielt er später den Namen „Oscar“. Von der Idee, nur Pergamenturkunden herauszugeben, war man nämlich zugunsten einer goldenen Statuette abgekommen, die der Ausstatter Cedric Gibbons gestaltet hatte und deren knackiger Hintern die große Bette Davis an den eines Studiomitarbeiters bei Warner Brothers erinnerte.

Der Filmkomponist Miklós Rózsa hat sich übrigens einen echten Spoiler geleistet: er hat in einem Interview darauf hingewiesen, dass seine Oscars Rostflecken herausgebildet hätten – und sie dem Journalisten sogar gezeigt.

 

° zu dieser Befürchtung, siehe Blog vom 6.10.2014

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1 Antwort zu Der große Preis

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