Liebe und Partnerschaft in den Zeiten des Flachbildschirms …

… oder The Glorious Theatre Lyrics of Monty Arnold (5): „The Man I Love“

betr.: 78. Todestag von George Gershwin

Der folgende deutsche Text für den Songklassiker „The Man I Love“ trägt den veränderten Geschlechterrollen in der Zeit nach dem deutschen Sommermärchen von 2006 Rechnung. Wie tiefgreifend dieser Wandel ist, fiel mir persönlich bei der darauffolgenden WM auf.
Ein wichtiges Spiel erlebte ich in einer Sushi-Bar mit dem obligatorischen großen Bildschirm. Sämtliche männlichen Fans waren nun in Damenbegleitung, und gegen deren lautstarke Fröhlichkeit hatten sie keine Chance. Stumm, mit hängenden Ohren und ohne sichtbare Regung verfolgten sie den Spielverlauf, während die Mädels hopsten und jubelten – und einige Male etwas zu früh „Tooor!“ riefen. Warum auch nicht? Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.
Es war eine Eroberung. Das Public Viewing hat den Fußball aus der Eckkneipe in die Mitte der Gesellschaft befördert.

THE MAN I LOVE
Traumfrau 2.0

Was immer ihm gefällt,
ist, was ich brauch‘.
Was er am liebsten tut,
das mag ich auch.
Denn all der Weiberkram
ödet mich einfach furchtbar an.

Ich weiß, was „Abseits“ ist
von ganz allein.
Ich brauch nicht lang im Bad.
Ich parke ein.
Zu shoppen, find ich fad –
viel lieber fahre ich mit ihm zum Skat.

Ich vergeß meinen Geburtstag
und den Hochzeitstag dazu.
Bin dabei, was er auch startet –
Ich bin keine, die zu Hause wartet.

Ich find Blondinenwitze cool.
Ich bin die Traumfrau zwei Punkt null.
Bei mir gibt’s keine Schnüffelei.
Ich bin ja sowieso dabei.

„The Man I Love“ ist einer der größten amerikanischen Songs überhaupt, aber aus welcher Show stammt er eigentlich? Schwer zu sagen. Zunächst wurde er nämlich mehrfach hin- und hergeschoben.
Ursprünglich für Adele Astaire geschrieben, die ihn in „Lady Be Good“ singen sollte, wurde der Song dort gestrichen, von einer Verehrerin Gershwins nach Europa exportiert und da populär. 1927 nahm ihn Gershwin erneut in ein Musical auf: in die Erstfassung von „Strike Up The Band“. Obwohl er dort nicht auf Anhieb funktionierte, wurde er ein Gershwin-Klassiker und wird heute dem Repertoire von „Strike Up The Band“ zugeordnet.

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