Der Song des Tages: „Ich bin das Chanson“ (mit Noten)

betr.: 107. Geburtstag von Guy Walter

Öffentlich-rechtliche Redakteure stellen einige Helden meiner Kindheit. Ohne Leute wie Siegfried Rabe, Heinz Caloué oder auch den von Gerhard Polt so gern geschmähten Gert Mechoff (Herr Polt hat in seiner Sache sicher recht!) wäre das Kinderfernsehen der 70er, dem ich persönlich so viel verdanke, unzweifelhaft weniger reichhaltig gewesen.
Ein weiterer Name, der hier zu nennen wäre, ist der von Guy Walter.
Er war Regieassistent bei Otto Klemperer und Gustaf Gründgens an der Berliner Kroll-Oper und in Frankfurt Mitwirkender bei den Kabarett-Revuen von Mischa Spoliansky, ehe er als Jude ins Exil nach Frankreich gehen mußte. Hier schlug er sich als Straßensänger durch – was immerhin seiner Liebe zum Chanson entsprach. Während des Krieges setzte er dieser Kunstrichtung ein Denkmal (siehe unten).
Nach dem Zweiten Weltkrieg berief ihn die Radiodiffusion Française an den neugegründeten Südwestfunk. Hier war er der Förderer des Kabaretts im Allgemeinen, das dank seiner Entscheidungen nicht nur veranstaltet und gesendet sondern auch archiviert wurde, und einiger Künstler im Besonderen.

Guy Walter

Auf Hanns Dieter Hüsch war er besonders stolz: „Ich habe ihn in den Studios vom Südwestfunk kennengelernt“, erzählte er 1985 in einem TV-Portrait. „Ich war fasziniert von seiner Art und sagte zu ihm: Hanns Dieter, von jetzt an kommst du jeden Monat vorbei und machst mir drei Chansons. Und er kam jeden Monat und machte das, es war ein Erfolg, und er wurde anerkannt. Aber nicht nur das. Dieses regelmäßige Einkommen erlaubte ihm, ein Heim zu gründen. Und so sehe ich mich auch ein bißchen als seinen Vater an.“

Sein Walzerlied „Ich bin das Chanson“ schenkte er aber einem anderen: Joe Luga.

Ich bin das Chanson
Text und Musik: Guy WalterDas Chanson_Klavierbegleitung

Pardon, Medames, Messieurs, pardon,
Es steht vor Ihnen das Chanson.
Trotz des Artikels „das“ immerhin
ich keineswegs ein Neutrum bin.
Mein Name und auch meine ganze Person
Bringt die Stimme der Frau’n in Vibration.
Ich glaube, ich sagte zu viel schon – Pardon! –
Aber so spricht eben nur das Chanson.

Mein Vater war ein Vicomte d’Esprit,
meine Mutter Madame la Pikanterie.
Der Harmloseste unter so vielen Sündern,
lieg ich auf den bezaubernden Mündern
von Tausenden ganz entzückender Frauen,
die in mir ein gewisses Idol erschauen.
Dem Stümper bereite ich Qualen,
die Begabten zieh’n mich durch sämtliche Skalen
von Sentiments und Tränen,
von ewiger Liebe und heimlichem Sehnen.
Durch kleine Skandälchen und Anekdoten
wurd’ ich zuweilen verboten!

Doch immer hat der Frauen Macht
mich wieder in große Mode gebracht!
Pardon, Medames, Messieurs, pardon,
ich bin die große Illusion
der Bagatelle, genannt l’Amour,
cherchez la Femme, toujours, toujours!

Ich bin das Demi- von der großen Welt,
der Spritzer Hautgout, dem jemand verfällt.
Versprach ich Ihnen zuviel? – oh, pardon!
Alles und nichts –
Denn ich bin das Chanson!
– Oh, Pardon!

Dieser Beitrag wurde unter Chanson, Hommage, Kabarett-Geschichte, Musik, Noten, Songtext abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.