Der Song des Tages: „In My Own Lifetime“

betr.: 239. Geburtstag von Nathan Mayer Rothschild / Musical / NS-Propaganda

Die Geschichte der Rothschilds ist immer wieder erzählt worden. So inspirierte die Karriere von Nathan Mayer Rothschild, der 1808 mit der Gründung der Bank N M Rothschild & Sons seiner Familie zu gewaltigem Einfluss verhalf, die Entstehung eines Broadway-Musicals. Sheldon Harnick und Jerry Bock hatten mit „Anatevka“ bereits einen jüdischen Stoff zu Weltruhm geführt. In „The Rothschilds“ (1970) präsentieren sie uns einen Song, der wieselflink auf den Erfolg von „My Way“ aufspringt – Sinatras Hymne auf das eigene gelebte Leben war einige Monate zuvor herausgekommen.

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So war mein Leben
„In My Own Lifetime“ – Text: Sheldon Harnick, Musik: Jerry Bock

So war mein Leben – voll Arbeit, Liebe und voll Glück.
So war mein Leben – ich denke gern an jeden Tag noch heut zurück.
Das Schicksal hat es gut gemeint zu jeder Zeit.
Es wies mir den rechten Weg in Freud und Leid.

Ich erklomm Berge und musste auch durch Täler gehn.
Auf meiner Reise blieb mancher Freund und mancher Feind am Wegrand stehn.
Und keinen hab ich jemals mehr gesehn.
So ist das Leben.

So war mein Leben – ich half, und andre halfen mir.
So war mein Leben – ich hab geglaubt, ich hab gehofft, dass in der Welt
so manche Mauer einst für immer fällt.
Das ist mein Leben.

Naturgemäß erblickten die Nazis in einer weltweit operierenden jüdischen Dynastie einen famosen Gruselstoff für ihr Propagandakino. „Die Rothschilds“ (1940) liegt heute im Gilftschrank. Einer der Gründe dafür ist die mit allen Mitteln des Thriller-Kinos in Szene gesetze Schlußszene. „Hier in London sitzen wir beide“, erklärt Rothschild seinem Kollegen anhand einer großen Landkarte. „Hier nach Wien kommt mein Bruder Salomon, hier nach Neapel setzen wir meinen Bruder Karl!“ Diese Positionen bilden auf der Karte ein kopfstehendes Dreieck. „Nu passense mal auf!“ fährt Rothschild fort und setzt den Stift ein weiteres Mal an – direkt über der waagerechten Seite des Dreiecks. „Hier in Frankfurt ist unser Stammhaus, in Gibraltar seitzt Engler, und da liegt Jerusalem.“ – „Wollen Sie da auch eine Filiale gründen?“ – „Umgekehrt, mein lieber Herries. Die Filialen von Jerusalem sind wir!“
Ein zweites Dreieck hat sich über das erste gelegt, und ein Davidstern schwebt unheilvoll über Europa. Der Film schließt mit den Worten: „Als die Arbeit an diesem Filmwerk beendet war, verließen die letzten Nachkommen der Rothschilds Europa als Flüchtlinge. Der Kampf gegen ihre Helfershelfer in England, die britische Plutokratie, geht weiter.“

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