Keine Ahnung, was ich gerade mache

betr.: Indie-Serien

Gestern abend besuchte ich ein junges Serienfestival, das sich von der „Seriale“* bei gleichem Sujet (es werden unabhängige gering- bis nichtbudgetierte Internet-Serienformate präsentiert) vor allem durch den höheren Anteil an internationalen Teilnehmern auszeichnet.
Wenn es um Filmkunst im Allgemeinen und um Serien im Besonderen geht, ist mein Patriotismus gering. Geht es um unsere Indie-Serien, sieht die Sache etwas anders aus, aber natürlich hegte ich angesichts der Arbeiten aus dem Ausland gewisse Erwartungen.
Sie erwiesen sich als unbegründet.
Im ersten Programmblock (die Rubrik hieß „Bilder“) gab es sehr erdige, kammerspielartige Beiträge, aber auch manches, was auf große / schrille Effekte setzte. Diese sind mittlerweile an jedem PC herzustellen, vor dem ein einschlägig interessierter User sitzt. Sie trösten also ggf. nicht über inhaltliche Mängel hinweg. Das ist kein besonderes Merkmal dieses oder anderer Festivals – Hollywood hat dieselben Probleme ein paar Nummern größer, wie das überflüssige Remake von „Ben Hur“ bewies.

Ein Beitrag aber verdient besondere Erwähnung, denn er verweist auf einen größeren Zusammenhang. Hier wurde angeblich eine Parodie auf die Detektiv-Melodramen der 40er Jahre geliefert. Der anwesende Macher des Formats erzählte, die Dreharbeiten im sommerlichen Texas (bei über 40 Grad) hätten den Hauptdarsteller bewogen, unter dem Trenchcoat, den er als Philip-Marlowe-Verschnitt anzuziehen hatte, möglichst nur eine Unterhose zu tragen. Man filmte ihn von der Hüfte aufwärts, um die nackten Waden zu kaschieren. Am Set brach nun große Heiterkeit darüber aus, und man entschloss sich, diesen witzigen Effekt ins Konzept aufzunehmen und dem Privatschnüffler den Namen „Pansiless“ (bei „Väter der Klamotte“ hätte er „Hosenlos“ geheißen) zu geben.
Soweit, so gut.
Dumm nur, dass es nicht damit getan ist, in Schwarzweiß zu filmen und Hut und Mantel zu tragen, um einen Film Noir-Effekt zu erzielen (vor allem, wenn man in 16:9 dreht). Offensichtlich hatten sich die Hersteller dieser Serie nur einige der unzähligen bereits existierenden Parodien der betreffenden Filmklassiker angesehen, und die nicht einmal sehr gründlich.
Damit wir uns nicht missverstehen: dieses Beispiel ist gar nicht besonders schlimm. Es ist einfach exemplarisch für das Desinteresse vieler junger Filmkünstler am Inhalt dessen, was sie da tun und an der Geschichte ihrer Kunst – solange es nur „toll aussieht“ und „super klingt“.
Nicht nur gestern abend sondern immerfort und vielerorts.
Und das ist das eigentlich Schlimme daran.

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* Sie die Blogs vom 12. und 13. Juni 2015 und vom 3. und 4. Juni 2016.

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