Die schönsten Filme, die ich kenne (44): „Skandal im Regenbogen-Club“

Über das Werk von Stan Laurel und Oliver Hardy sind ein paar Gerüchte in Umlauf: dass ihre Stummfilme besser sind als ihre Tonfilme (stimmt nicht), dass ihre Kurzfilme besser sind als ihre Langfilme (stimmt), dass es unschicklich ist, sie zu nennen (Unfug) oder dass ihre Regisseure am Gelingen wie am Missraten ihrer Arbeit recht geringen Anteil haben (sicher richtig). An der Theorie, dass die beiden ein Übermaß an Handlung nicht brauchten, um ihre Komik zu entfalten, ist bestimmt etwas dran. Häufig genügte eine simple Ausgangsidee.

“Blotto“ („Beschwipst“) basiert auf einem Plot, den Laurel und Hardy in vielen ihrer Ehedramen immer wieder variiert haben: die bessere Hälfte wird belogen, um ungestört eine Sause machen zu können, kommt dahinter und rächt sich fürchterlich. Ausnahmsweise ist Stan verheiratet und Ollie noch glücklicher Junggeselle. Mrs. Laurel ist ein rassiger Pola-Negri-hafter Vamp, vor dem sich Mr. Hardy angemessen fürchtet. Als er zunächst telefonisch versucht, seinen Freund für einen Abend freizubekommen, popelt er devot in der Sprechmuschel herum und zieht sogar den Hut. Da Mrs. Laurel darauf nicht anspringt, schmieden die Jungs einen Plan: Stan wird sich selbst ein Telegramm schreiben und zustellen (!), das ihn dringend aus dem Haus ruft. Obwohl dieses haarsträubende Täuschungsmanöver den guten Stan zu einer Sternstunde seiner Komik auflaufen lässt, wird es durchschaut. Die boshafte Gattin geht zum Schein darauf ein. Zuvor tauscht sie den Inhalt der kostbaren Likörflasche vom Hochzeitstag aus, die Stan zum Treffen mitnehmen will.
Stan und Ollie besuchen einen Nachtclub, in dem sie die mitgebrachte Pulle heimlich und illegalerweise aufbrauchen wollen (– es ist die Zeit der Prohibition). Nicht ahnend, dass sie gepfefferte Seifenlauge zu sich nehmen, fantasieren sie sich in einen Placebo-Rausch hinein und vollführen die erste Version einer später klassischen Nummer: ein makellos aufgebautes gemeinsames Lachkoma.
Inzwischen ist Mrs. Laurel mit einem Gewehr aufgetaucht. Ehe sie es zur Anwendung bringt, schmäht sie die Jungs mit dem Hinweis, dass sie sich gerade mit Spülwasser besoffen haben, was sie sogleich ernüchtert.

Obwohl diese Kurzkomödie (die erste mit drei statt zwei Akten Länge) vor allem von der Mimik des Duos lebt, investierte das Studio in eine teure Nachtclub-Deko, die sehr zur Eleganz des Films beiträgt. Zu den übrigen Schauwerten zählt Stans berühmtes Ohrenwackeln, das laut Randy Skretvedt allerdings geschummelt ist: ein Trick mit Fäden und einer Kamera, die mit „8 oder 12“ Bildern pro Sekunde läuft.

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