Ixen für Anfänger: Vom Umgang mit dem Fragezeichen

Wer als Anfänger der Vorlesekunst einem Fragezeichen begegnet, neigt dazu, die Stimme am Ende des Satzes anzuheben. Das kann vollkommen richtig sein:

„Ist das wahr?“

„Bist du verrückt?“

Vergessen wir jedoch nicht, dass es auch Fragen gibt, bei denen am Ende die Stimme gesenkt wird. Das geschieht vor allem bei ermahnenden Nachfragen:

„Wo kommst du jetzt her?“

„Woher hast du das?“

„Was hat das zu bedeuten?“

Genaugenommen ist ein Fragezeichen nichts als ein Auflösungszeichen, wie es auch in der Musik verwendet wird. Es bedeutet: dieser Satz ist keine Aussage sondern etwas anderes als das; das abschließende Satzzeichen ist das Gegenteil eines Ausrufungszeichens.
Es kann zum Beispiel eine Aufforderung beenden, die nur im Schriftbild als Frage daherkommt:

„Was hat das zu bedeuten?“

Dieser Satz will sagen: „Ich erwarte eine Erklärung!“ – und klingt folglich so, als stünde am Ende kein Frage- sondern ein Ausrufungszeichen.
Das Fragezeichen kann auch Überraschung, Verwunderung oder Irritation ausdrücken, eine Gemütslage also, die ziemlich genau zwischen Aussage und Frage angesiedelt ist.

Variante 1: Man stellt (nach der kurzen Anrede) mit einer gewissen Entrüstung eine Behauptung auf, von der man hofft, der andere möge sie verneinen bzw. erklären:

Gregor! Du bist also nicht nach Stockholm gefahren!“

(Mit Ausrufungszeichen bedeutet das: „Also, erkläre mir, warum du hier bist und nicht in Stockholm!“)

Variante 2: Man fragt (nach der kurzen Anrede), ob es tatsächlich so ist, wie es den Anschein hat, und hofft auf nähere Erläuterung:

Gregor! Du bist also nicht nach Stockholm gefahren?“

(Mit Fragezeichen ist das der sich ganz dumm stellende Ansatz. Das wirkt ein wenig übertrieben und findet im Alltag so gut wie nie statt. Man hört es häufiger in nachlässig gefertigten Kunstwerken.)

Variante 3: Man formuliert das Offensichtliche und betont die Irritation, wiederum in der Hoffnung, eine Erklärung zu erhalten; die Satzmelodie endet in einer Mittellage. Schriftlich lässt sich das durch die Kombination des Fragezeichens mit zwei Ausrufungszeichen ausdrücken.

Gregor! Du bist also nicht nach Stockholm gefahren!?!“

Damit schafft man eine Mischung  aus Variante 1 und 2, die im alltäglichen Sprachgebrauch verbreitet, in schriftlicher Form allerdings nur in Comics üblich ist. Ich habe keine Erklärung dafür, warum sie in Fließtexten – seien es Manuskripte oder Druckseiten – keine Verwendung findet.

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