Bröckelnde Continuity

Gert Günther Hoffmann, der fleißigste und in meiner Jugend in allen linearen Medien allgegenwärtige „König der Synchronsprecher“ (zeitgenössischer interner Branchen-Titel), der auch Werbung, Hörfunk, Dokus etc. machte und hin und wieder schauspielerte, muss hier natürlich nicht vorgestellt werden. Dies ist nur eine kritische Würdigung.

„G. G.“ Hoffmann ist einer von denen, die es schafften, ihren Klang in Jahrzehnten kaum zu verändern (das ist Synchron häufiger anzutreffen), und doch baute er ganz zum Ende hin tragisch ab. Seine Gestaltung der Stamm-Rolle Captain Kirk in „Star Trek – Treffen der Generationen“ ist so verknödelt und vom Singsang seiner späten Marotte sinn-entstellt, dass William Shatner bei einem Promo-Auftritt in einer deutschen Late-Night-Show sogar Witzchen über seine verdiente deutsche Stimme machte (er wollte sie beim Lispeln erwischt haben).
Anschaulich wird der Rückbau dieses Synchron-Genies, von dem jahrzehntelang kein falscher Ton zu hören war und dessen zurückhaltender Charme verhinderte, dass man von ihm bei all der Dauerpräsenz je zuviel bekommen hätte, in der gegenwärtig wieder gespielten Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“. Hoffmann synchronisierte Patrick Macnee alias John Steed unglaubliche 30 Jahre lang immer wieder (von 1966 bis 1996), so auch in den nicht chronologisch bearbeiteten Emma-Peel-Episoden. Da die Serie seit 2003 (als Hans-Werner Bussinger die einzige noch fehlende Steed-Peel-Episode gestaltete) stets vollständig und in der Originalreihenfolge wiederholt wird, lässt sich das beschriebene Phänomen sehr deutlich am Bildschirm wahrnehmen.

Der Grund für die beständige deutsche Besetzung ist nur allzu verständlich, wünscht sich doch der Zuseher, seine Helden mögen ihre Stimme nicht wechseln. Als Lutz Mackensy ein drittes und bisher letztes Mal gebeten wurde, seinen Part im Klassiker „Der Pate“ zu sprechen, fand er sich dafür etwas zu alt. Aber wenn der Kunde so etwas unbedingt wolle, sei er eben nicht zu bremsen, erzählte er mir.

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