Atlanta on her mind

betr.: 125. Geburtstag von Margaret Mitchell

Die herrliche laienverträgliche Anekdote, nach der Margaret Mitchell ihren Klassiker „Vom Winde verweht“ geschrieben habe, um sich von einem verstauchten Fußknöchel abzulenken, entlarvt sich schon daran, dass ein so umfangreiches Werk sich in einer solchen Genesungsphase nicht ansatzweise unterbringen lässt. Die Autorin hat zwölf Jahre daran gesessen und will unterdessen „viele andere Romane, an denen ich inzwischen gearbeitet habe, vernichtet“ haben. Nach allem, was wir wissen, nahm sie die Arbeit auf Anraten ihres Mannes auf, als sie wegen eines Autounfalls längere Zeit das Bett hüten musste. Auf diese künstlerische Betätigung hatte sie u.a. ihr Beruf als Reporterin vorbereitet, den sie ab 1922 beim „Atlanta Journal“ ausgeübt hatte: „Atlanta im Staate Georgia ist meine Heimat. Meine Vorfahren haben seit Generationen in den Südstaaten gelebt, als Baumwollpflanzer, Rechtsanwälte und Methodistenprediger. Sie haben im Bürgerkrieg und vielen anderen Feldzügen mitgekämpft. Mein Vater ist Rechtsanwalt und gilt als Autorität in der Geschichte Georgias und der Südstaaten. Ich wollte Medizin studieren, aber meine Mutter starb früh, und so musste ich meinem Vater den Haushalt führen. Nebenher verfasste ich für eine Atlanter Zeitung Berichte und Kurzgeschichten.“
Was Mitchell im Krankenbett niederschrieb, waren zunächst Erinnerungen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, die sie als Kind gehört hatte. Sie flossen bald zu einem Romanprojekt zusammen, das 1936 schließlich veröffentlich wurde. Nach einem Tag soll „Gone With The Wind“ bereits ausverkauft gewesen sein. Als Margaret Mitchell im Sommer 1949 starb (wiederum ein Unfall, sie wurde auf dem Weg zu einem Kinobesuch überfahren), war es in 40 Ländern erschienen, in 30 Sprachen übersetzt und acht Millionen mal verkauft worden, gar nicht zu reden von der Verfilmung, die 1939 herauskam und ein ebensolcher Erfolg wurde.

Margaret Mitchell waren soldatische Tugenden nicht fremd. Finis Farr beschreibt 1967 in „Margaret Mitchell Of Atlanta – The Author of ‚Gone With The Wind‘“ die Disziplin der zurückhaltenden Lady bei einer der Feierlichkeiten zur Premiere des Films in ihrer Heimatstadt, einem mehrtägigen Volksfest: „Irgendjemand zog einen Stuhl in genau dem Augenblick zurück, als sich der Ehrengast daraufsetzen wollte. Miss Mitchell (sic!) stürzte und verletzte sich die Wirbelsäule. Sie machte kein Aufhebens davon und hielt bis zum Ende des Essens aus, aber als sie in ihre Wohnung zurückkehrte, hatte sie heftige Schmerzen. Dabei war Margaret in diesen Tagen ohnedies von Schmerzen geplagt, über die nur ihr Arzt und ihr Mann bescheid wussten, denn sie litt an Unterleibsverwachsungen, die unbedingt operiert werden mussten. Doch sie hatte diese Operation von Monat zu Monat verschoben – genauso wie Selznick die Premiere von ‚Vom Winde verweht‘, weil sie fand, sie sei es Atlanta schuldig, dabeizusein.“

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