betr.: 35. Todestag von Roald Dahl
Das Wort „Negerkönig“ in den Kinderbüchern von Astrid Lindgren wäre eine wunderbare Gelegenheit, beim Vorlesen innezuhalten, dem Kinde das N-Wort zu erklären und ihm klarzumachen, warum man es im Alltag nicht benutzen sollte. Das wäre jedenfalls in Haushalten so, in denen das Vorlesen noch gepflegt und als eine Einladung zum Dialog betrachtet wird.
Wäre. Da das Wort (wie so viele andere) aus den Neuauflagen der Lindgren-Bücher bekanntlich ausradiert wurde, fällt diese Möglichkeit weg. Das Kind wird es also irgendwann von anderen Menschen lernen. Und die finden es vielleicht gut, es zu verwenden, worauf man dann keinen Einfluss mehr hat.
Wäre es nicht besser, solche Prägungen selbst mitzugestalten?
Dazu müsste man sich aber darauf verlassen können, das in Kinderbüchern nicht wohlmeinend herumgeschmiert wird. Jedenfalls nicht so planlos wie es leider geschieht.
Zu dieser Überlegung konnte mir noch niemand ein vernünftiges Gegenargument erwidern. Ich bin aber auch selbst schuld. Mir ist die Lust zu dieser Debatte ziemlich vergangen.
Was sich die kulturfernen Putzerfische bei Roald Dahl erlaubt haben, geht weit über dieses Ärgernis und noch albernere bei Otfried Preußler (inzwischen ein insgesamt hochverdächtiger Autor) hinaus. Der britische Verlag Puffin Books, der zu Penguin Random House gehört, macht in „Charlie und die Schokoladenfabrik“ aus einem „enorm fetten“ Jungen einen lediglich „enormen“ und aus seinen „riesigen Fettwülsten“ schlichte „Wülste“. Doch die Verflachungen gehen nahtlos in inhaltliche Verfälschungen über: aus Kassiererinnen und Sekretärinnen werden Naturwissenschaftlerinnen und Geschäftsführerinnen. Was dieses Lektorat im einzelnen antreibt ist mir ein Rätsel, aber es ist gewiss abgründiger und makabrer als der Stil eines Autors, der für ebendiesen geschätzt wird und dessen andauernder Erfolg den Verlag davon zurückhält, die als anfechtbar empfundenen Titel einfach aus dem Programm zu nehmen und ihre Publikation Mitbewerbern zu überlassen, die auch Kinderliteratur als Literatur betrachten.