Die wiedergefundene Textstelle: Das große Erlebnis des Meeresbodens

Früher war für uns die Welt am Ufer des Meeres zuende. Wir begnügten uns mit 145 Millionen Quadratkilometer Festland und hatten wenig oder keine Möglichkeit, die 355 Millionen Quadratkilometer Wasser zu erforschen oder in Besitz zu nehmen. Das hat sich entscheidend geändert.
Von Neugier oder aus Interesse getrieben, sind Männer in die Tiefe vorgedrungen, um unsere Kenntnisse von der Welt unter Wasser zu erweitern.
Wir haben diese Welt in drei Stockwerke eingeteilt: das Parterre (es reicht vom Grund bis 1000 Meter unter dem Wasserspiegel) nennen wir die bathypatelagische Zone, darüber (von 1000 bis 200 Meter Tiefe) liegt die mesopelagische Zone, auch als Dämmerungszone bekannt, und von 200 Meter bis zur Oberfläche folgt dann die epipelagische Zone.
Die Welt unter Wasser liegt in einer Durchschnittstiefe von 4000 Metern.
Sie weist Ebenen auf, Täler und Berge, und wir wissen, dass die tiefsten Abgründe des Meeres tiefer sind als die höchsten Berge des Festlandes hoch. Zwar gelingt es einem Freitaucher noch nicht, in diese bemerkenswerten Abgründe hineinzukommen. Gleichviel: wenn man eine mittlere Betätigungstiefe von 50 bis 60 Metern ansetzt, so steht dem Taucher heute ein Gebiet zur Erforschung offen, das so groß ist wie – na, wie sehr groß. Die Wissenschaftler haben bereits mit der Erforschung begonnen. Und viele von ihnen tragen einen Taucheranzug: Meeresbiologen, Hydrographen, Ozeanographen, Physiologen, Ernährungskundler, Archäologen und Ingenieure.
Auch wir werden eines Tages auf den Meeresgrund hinabsteigen. Doch bis dahin gilt es noch viel zu lernen.

Luigi Luagi (Siegfried Lenz) in „Auf Wiedersehen unter Wasser“ (1960)

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