Häppchen für Erregbare

„Rage Bait“ („Wut-Köder“) bedeutet „etwas Provozierendes“. Es ist die Umkehrung von „der heiße Scheiß“ ins Negative und außerdem der „Begriff des Jahres 2025“ in Großbritannien. In der damit bezeichneten Wutkultur gilt: je kranker und absurder desto besser. Denn gezielte Provokation in Form von Lügen, Übertreibungen und Falschnachrichten sind effektiv, wenn es gilt, ohne Anstrengung möglichst viel Aufregung, Interaktionen und gewinnbringende Klicks zu generieren. Der Algorithmus belohnt Kontroversen mit höherer Reichweite. Sie sind der emotionale Klebstoff der Menschen möglichst lang auf den Plattformen hält und die Kassen der Tech-Konzerne klingeln lässt.
Das Ö1-Magazin „Digital.Leben“: »Rage Bait ist effektiv und billig herzustellen. Die Kosten tragen die Gesellschaft, die Demokratie und die Diskussionskultur. Ritchie Pettauer, Kommunikationsexperte vom Publizistikinstitut der Uni Wien: „Wenn man es ständig mit Extrempositionen zu tun hat, verliert man das Gefühl für die Mitte und das verringert sich grundsätzlich die Dialogbereitschaft. Ich glaube, das ist der größte Schaden für die Demokratie.“ Nach seiner Überzeugung hat sich Rage Bait vom Social Media-Jugendslang zu einem Leitbegriff der modernen Aufmerksamkeitsökonomie entwickelt. Als Gegenmittel empfiehlt er: „Ignoranz! Das ist die höchste Form der Abstrafung. Möglichst schnell weiterscrollen, das Video nicht fertigschauen. Damit verhindert man seine Verbreitung. Aber man muss aufpassen, dass man die Balance hält. Wer sagt: ich reagiere auf gar nichts mehr, das mich emotional triggert, wird auch an Dialogqualität einbüßen.“ «

Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Medienkunde abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert