Wie kuckst du?

In der Stummfilmzeit war das Filmbild sogar quadratisch, bald setzte sich für viele Jahre das beinahe quadratische Bildschirmformat 4:3 durch. Cinemascope-Filme – Kinofilme im 2,35:1-Format, wie sie ab 1953 gedreht wurden – erschienen also im Pantoffelkino mit schwarzen Balken. Das wirkte auf das Publikum recht cool, obwohl rechts und links immer noch Teile des Bildes fehlten. Weil es den mathematischen Kompromiss zwischen beiden Formaten darstellte, wurde ab den 80er nach und nach das 16:9-Format im Fernsehen eingeführt, Jahre bevor die Bildschirme zu Hause tatsächlich breiter wurden. Mitte der 2000er Jahre hörten die deutschen TV-Sender damit auf, Programme in 4:3 zu produzieren, die Amerikaner machten noch bis etwa 2010 damit weiter.  

Das Format 16:9 entspräche eher dem menschlichen Gesichtsfeld, hieß es in der Übergangszeit hin und wieder im Kulturteil und in der Reklame der Elektromärkte. Das deckt sich zumindest nicht mit meiner Lebenserfahrung: mein Gesichtsfeld kommt mir eher 4:3 vor. Inhaltlich war das Breitbildformat auch kein purer Segen, denn was bei manchen Kinofilmen im Fernsehen hinzukam, fiel bei anderen weg, die nun oben und unten abgesägt wurden, um breiter auszusehen. Die Balken rechts und links – die sogenannten Pillarbox-Balken – wurden im Gegensatz zu den horizontalen Cinemascope-Balken von den meisten Programm-Anbietern eher als uncool empfunden.

Im Kino sitze ich meistens ziemlich allein in einer der vorderen Reihen, weil die meisten meiner Freunde auf das TV-Feeling nicht verzichten wollen und sich möglichst weit nach hinten setzen. Mir gefällt es, wenn mein Gesichtsfeld – sei es nun eher quadratisch oder querformatig – von der Leinwand genau ausgefüllt wird.

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