betr.: 122. Geburtstag von MacKinlay Kantor
Geschichten, deren Pointe erst in der letzten Zeile verraten werden, haben einen besonderen Reiz. In der phantastischen Kurzgeschichte und auf dem weiten Feld, das der Amerikaner „Mystery“ nennt, ist dieser Kniff weit verbreitet, was seine Wirkung nicht schmälert, aber auch in Erzählungen und sogar in Romanen ist er anzutreffen.
Die nur drei Seiten umfassende Geschichte „A Man Who Had No Eyes“ („Einer ohne Augen“, 1943) ist MacKinlay Kantors kleiner Beitrag dazu. Eingang in die ausführlicheren Nachschlagewerke verschaffte dem ehemalige Lokalreporter und Pulp-Schreiber aus Iowa der Roman „Andersonville“, der 1955 nach 25jähriger Recherche herauskam und – nicht als erstes seiner Werke – im Sezessionskrieg spielt. Auch den Zweiten Weltkrieg hat er thematisiert. Und die Heimkehr daraus. Aus seiner Erzählung „Glory for Me“ entstand William Wylers Filmklassiker „The Best Years of Our Lives“ (1946).
Einer der beiden Helden in „Einer ohne Augen“ denkt auch über diese Zeit nach: „Wenn ich meine Augen im Krieg verloren hätt, okay. Aber ich war bloß ein Arbeiter, der bei der Arbeit ein Risiko auf sich genommen hat.“ Das ist natürlich nicht das oben erwähnte Ende der Geschichte …