„Let’s Misbehave“

betr.: Cole Porter / Programmhinweis

Cole Porters 50. Todestag ist erst in vier Tagen, aber schon heute nacht gibt es die passende Einstiegsdroge für alle, die den wichtigsten US-Songschreiber der 30er Jahre noch nicht ins Herz geschlossen haben: ein langes Feature auf Deutschlandradio Kultur um 0.05 (Wiederholung 23 Stunden später auf dem Deutschlandfunk).
Mein heutiger Beitrag versteht sich quasi als die natürliche Fortsetzung dieses Einstiegs. Ist die Musik Cole Porters schon ein Alter Hut für Sie – ein ewig schickes und zeitloses Modell natürlich – dann können Sie sofort loslesen.

5 Dinge über Cole Porter, an die Sie (vielleicht eine Weile) nicht gedacht haben:

  • Es gibt zwei Biopics über den Meister, die leider beide nichts taugen, wenn auch auf unterschiedliche Art.
    a) In „Night And Day“ / „Tag und Nacht denk ich an dich“ (USA 1946) spielte Cary Grant. der damalige George Clooney, den noch lebenden Porter ecken- und kantenfrei – und logischerweise stock-heterosexuell. Abgesehen von dieser und anderen historischen Unrichtigkeiten, ist der Film auch noch bieder und tutig und funktioniert nur in seinen Gesangsnummern.
    b) „De-Lovely“ / „De-Lovely – Die Cole-Porter-Story“ (USA 2004) mit Kevin Kline als Cole Porter darf und will nun die sexuelle Präferenz des Kompnisten richtig herausstellen, tut da aber etwas zu viel des Guten. Porter, der nicht zuletzt für seinen satirischen Witz geliebt wurde, wird zum rührseligen Tränentier. Gewiß – er hatte es zuletzt nicht leicht, aber das gilt wohl so ziemlich für jeden, der lange genug durchhält.
  • Einer der schönsten Cole-Porter-Songs ist einer, den keiner kennt: „Give Him The Oo-La-La“. Warum kennt ihn keiner? Vermutlich, weil seine Originalinterpretin Ethel Merman ihn nicht auf Tonträger eingesungen hat – damals (1939) waren komplette Cast-Recordings noch nicht üblich. Ich hörte das Lied einmal im Radio in einer aktuellen Aufnahme und dachte: klingt irgendwie nach Cole Porter, aber das kann nicht sein. Dann würde ich ihn doch kennen! Jeder würde ihn kennen. Ja, von wegen …
  • Als wichtigste Songs des Meisters gelten „Night And Day“ und „Begin the Beguine“. Ersterer hatte vor einigen Jahren die Ehre, für eine deutsche Kaffeesorte zu werben, die sogar seinen Namen trug, und der zweite dauert 108 statt der im klassischen Song üblichen 32 Takte und besitzt alles, was den typischen Porter-Touch ausmacht: eine weit ausgesponnene Moll-Melodie über einem pulsierenden exotischen Tanz-Rhythmus, Sex-Appeal und Wortwitz.
  • Woody Allen, der Porters Songs in seinen Filmen gerne als Soundtrack einsetzt, läßt in „Anything Else“ Christina Ricci in einem Schallplattenladen zu Jason Biggs sagen: „Du hast dir Cole Porter angehört und an mich gedacht? Du mußt ja wirklich total verknallt sein!“ Dieser Dialogsatz zwischen zwei so jungen Leuten, die ganze Szene ist derart unrealistisch, dass einem die Tränen kommen – aber das war ja vielleicht Mr. Allens Absicht …
  • Dieses Gedicht von Harry Rowohlt aus seiner Übersetzung von „Auf Schwimmen-zwei-Vögel“ von Flann O’Brien*, könnte uns und unser Thema gemeint haben:

Wenn alles nur schiefgeht, egal, was man macht
und gar nichts zu klappen mehr scheint,
wenn’s Leben so schwarz wie die Stunde der Nacht,
ist ein Porter dein einziger Freund!

Ist das Geld dir knapp und schwer zu kriegen,
und wenn dein Pferd nur im Mittelfeld streunt,
und auf dem Konto nur Schulden liegen,
ist ein Porter dein einziger Freund!

Die Gesundheit läßt nach, du bist nicht mehr jung –
der Arzt sieht dich an, und er greint,
und er rät dir zu Luftveränderung –
dann ist ein Porter dein einziger Freund!

Ist das Essen dir knapp und die Kammer leer,
und kein Speck in der Pfanne sich bräunt,
wird selten gespeist – und gehungert mehr,
ist ein Porter dein einziger Freund!

In Zeiten von Ärger und Pech und Verdruß
gibt’s einen, der’s gut mit dir meint:
der eine, der stets zu dir halten muß,
ist ein Porter, dein einziger Freund!

 

* seit 2005 als Heyne-Taschenbuch erhältlich.

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